Fussek kritisiert Pflegende - `40 % sind ungeeignet`

Pflegespezifische Themen; z.B. Delegation, Pflegedokumentation, Pflegefehler und Haftung, Berufsrecht der Pflegeberufe

Moderator: WernerSchell

Bettina Olbing
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Heimpflege mängelbehaftet

Beitrag von Bettina Olbing » 21.05.2008, 06:11

Dass die Heimpflege mängelbehaftet ist, ist mittlerweile allgemein bekannt. Berichte des MDK, bundesweit orientiert und regionenbezogen, belegen das eindrucksvoll. Allerdings habe ich Probleme damit, die Pflegekräfte jetzt pauschal dafür verantwortlich zu machen und sie schlicht in die "Pfanne zu hauen". Sie sind in der Tat teilweise selbst Opfer!
Selbst Claus Fussek, der jetzt unverantwortlich und pauschaliert auf die Pflegekräfte haut, sagte noch kürzlich: "Der Fisch stinkt vom Kopf her". Er meinte damit, dass die Verantwortlichen für die Pflegemisere "weiter oben" auszumachen seien. Merkwürdig, erst tritt er nach oben, jetzt nach unten. Wie soll man das alles verstehen?

Bettina

moviliti-care
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Opferdiskussion

Beitrag von moviliti-care » 21.05.2008, 13:32

Vielleicht wäre es hilfreich, mal von den Aktiven, die am Pflegeprozeß beteiligt sind:
- Pflegekräfte
- Heimträger/Innen
- Verbandsvertreter/Innen
- Poliker/Innen
nicht als Opfer zu reden
Welche Art sind sie denn?
Laut Wikipedia gibt es:
Opfer Religion / Opfer Ethik / Opfer Sozialarbeit / Opfer Kriminologie / Katastrophenopfer / Kriegsopfer / .... etc.
Opfer sind in eine Situation geraten, die sie selbst nicht bestimmt haben. Von außen bestimmt wurden und keine Alternative hatten. Jeder, der etwas tut ist dafür verantwortlich - und wer es entlohnt bekommt, hat die Wahl es zu tun, oder zu lassen.... Er hat die Alternative. Unterlässt er es - aus egoistischen ( existenziellen ) Gründen, so ist er Mittäter. Er hat immer die Möglichkeit sich dem zu entziehen. Und in unserem Sozialsystem würde er überleben können...
Der zu Pflegende hat diese Alternative nicht - ergo ist Opfer .... das einzige!
Erst wenn die Diskussion auch so von der Pflege und ihren Vertretern begriffen wird - erst dann wird sich etwas ändern und die Pflege aus ihrer dann selbstkritischen Darstellung ernst genommen.
Und aufgrund der bisherigen ( bis auf einige Ausnahmen ) Aktion "Jammern auf hohem Niveau" wird niemand sie ernst nehmen.
Solange Verbände Pflege & Politik alles als Einzelfälle sehen, und die Pflege sagt "Stimmt - da sind ein paar schlecht - aber wir nicht, natürlich nicht!" müssen Menschen wie Claus Fussek immer wieder in "Wunden" bohren - denn eins vergessen viele zu sehr: Es geht um Menschen!
Und wenn ich in meiner Praxis die Chance habe, entweder einer selbstmitleidig jammernden Pflegekraft zuzuhören - oder mich den Betroffenen zu kümmern ... Meine Wahl ist klar

Bettina Olbing
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Fehler liegen vorrangig im System

Beitrag von Bettina Olbing » 21.05.2008, 14:13

moviliti-care hat geschrieben:... Es geht um Menschen!
Und wenn ich in meiner Praxis die Chance habe, entweder einer selbstmitleidig jammernden Pflegekraft zuzuhören - oder mich den Betroffenen zu kümmern ... Meine Wahl ist klar ....
Damit ich nicht missverstanden werde, die o.a. Aussagen kann ich voll unterschreiben. Natürlich müssen die pflegebedürftigen Menschen, die Patienten, angemessen gepflegt, betreut und versorgt werden. Gleichwohl gibt es auch die Umstände zu bedenken, unter denen engagierte Pflegekräfte arbeiten müssen. Sie wissen, was sie eigentlich können, werden aber durch das System, das andere zu verantworten haben, stetig behindert. Wer sich allzu kräftig zu Wort meldet, ist schnell arbeitslos. Und das kann sich nicht jeder leisten. Oft steht der einzig mögliche Arbeitsplatz zur Verfügung.
Also mahnen wir doch auch eine Verbesserung des Systems an und machen auf Alternativen aufmerksam. Anklagen allein, vor allem die Pflegekräfte öffentlich vorzuführen, reicht nicht! Es hat niemand das Recht ohne konkrete Belege 40% der Pflegekräfte als ungeeignet einzustufen.

MfG
Bettina

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Beitrag von moviliti-care » 21.05.2008, 14:31

Liebe Bettina,
das wir eigentlich selbiges wollen, ist mir schon sehr klar :D
Nur ganz klar - ich klage alle an, die am System Pflege beteiligt sind.
Und es interessiert nicht das Schicksal der Pflegebedürftigen, da es immer wieder Ausflüchte gibt, so dass dieser elende, nervige Kreislauf der Zuweisung nicht aufhört ..... Pfegekräfte haben die Wahl - müssen nicht gegen das Grundgesetz verstoßen - und sie müssen in Kauf nehmen Nachteile zu haben. sonst sind sie kein Deut besser als die, die sie für ihre Situation als Ausrede nutzen.
40% - Der Beweis ist schnell geführt. Ich lade Dich einen Tag ein mit mir zu kommen und es wird sich prozentual nach oben verschieben.
Und etwas ketzerisch: "Liebe Pflege - dann beweist mal, dass es nicht 40% sind!" Durch Initiative :wink:
Schlechter Pflege die Rote Karte zeigen und CHANCEN GEBEN - Infos unter www.moviliti-care.de

Lutz Barth
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Das schwere Los der Pflegekritiker!

Beitrag von Lutz Barth » 21.05.2008, 15:28

Auch wenn die vorstehende Debatte etwas an Schärfe zugenommen hat, darf darauf hingewiesen werden, dass das stereotype und gleichsam gebetsmühlenartige Jammern der Pflegekritiker solange keine Wirkung zeigt, wie nicht substantiell diskutiert wird. Es reicht nicht zu, für öffentlichkeitswirksame Schlagzeilen Sorge zu tragen oder pauschal auf "systembedingte Schwächen" hinzuweisen.

In aller Regel obliegt gerade den Kritikern die Last der Argumentation und diese wird ihnen nicht dadurch abgenommen, in dem systemtheoretisch reflektiert oder ein Hinweis auf die metajuristische Kategorie von der Würde des Menschen vorgenommen wird.

Nicht "alle" sind anzuklagen und noch weniger sind "alle" Pflegekräfte zu stigmatisieren. Es bleibt namhaften Pflegekritikern vorbehalten, die Pflegesituation mit den Worten "Mord auf Raten" zu beschreiben, aber in der Sache ist mit solchen markigen Sprüchen nichts gewonnen.
Wir vertreten nicht immer die herrschende Lehre!

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Kritiker tritt Beweisansatz an!!

Beitrag von moviliti-care » 21.05.2008, 16:26

Also haben wir ein Grundproblem - wessen Lösung ist die sinnvolle?
Da ist es wie bei der Steuer - lauter Lobbys!
Gezielte Forderungen finde ich gut - und Lösungen versuchen wir seit langem in der Praxis zu implementieren. Mit Aktionen wie der "Roten Karte" und "CHANCEN GEBEN" machen wir darauf aufmerksam - versuchen anzuregen und bieten Lösungen (schnell umsetzbare) in pflegetherapeutischen Techniken und Diagnostik.
Was fehlt ist die Konsequenz - bei der Basis, den Verantwortlichen, den Trägern. Dies geschieht meiner Meinung nach nur durch rechtliche Konsequenzen. Fehler sollten rechtlich verfolgt werden: über Pflegekraft - Vorgesetzte - Träger. Erst dann werden alle aufbegehren und politisch Druck machen.
Stärkung der Rechte von Betroffenen & Angehörigen - Pflegekammern.
Fachlich korrektes Arbeiten mit wissenschaftlich begründbaren Techniken. Stärkung des rechtlichen Status der Pflegekräfte, besser gesagt die Gesetze nutzen, die bereits da sind - konsequente Anwendung selbiger bis hin zur Verurteilung.
Als Beispiel: Es kann nicht sein, das Schlaganfallklienten als Standard auf 30°-Seitenlage gelagert werden, da dies definitiv zu Tonuserhöhungen führt - jede Pflegekraft, ausgebildete, hat schon mal was von Bobath gehört - diese ist anerkannt - wendet diese aber nicht an. Hier hat die PK -Vorgesetzte - Träger die Verantwortung = alle haftbar = alle werden juristisch belangt ( ohne Ausrede :lol: ).
Messbare Qualität muss transparent dargestellt werden - nicht von irgendeinem "erfundenen" Siegel den Träger gerne haben.
So - und da hab ich noch einiges mehr auf Lager :wink:
Konstruktiv find ich gut!
:lol:
Schlechter Pflege die Rote Karte zeigen und CHANCEN GEBEN - Infos unter www.moviliti-care.de

Rauel Kombüchen
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Rechtsverletzungen nicht zulassen!

Beitrag von Rauel Kombüchen » 22.05.2008, 07:57

Rechtsverletzungen nicht zulassen!

Meine Meinung zu Diskussionen in diesem Forum:
Anonyme Anzeigen - eher nicht!
viewtopic.php?t=8782
Fussek kritisiert Pflegende - `40 % sind ungeeignet`
viewtopic.php?t=8862
Skandalöse Zustände in Pflegeheimen
viewtopic.php?t=8848

Pflegekräfte sollen / müssen Missstände, Rechtsverletzungen, im Betrieb problematisieren und konsequent für menschenwürdige Pflegebedingungen eintreten. Allerdings ist es m.E. notwendig, den Pflegekräften flankierend Schutz gewähren, damit sie nicht postwendend in der Arbeitslosigkeit landen. Es müssen gesetzliche Voraussetzungen geschaffen werden, die Einsatz für menschenwürdige Pflegebedingungen nachteilsfrei ermöglichen!

Rauel

Anja Jansen
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Pflegekritiker sind wohl selbst ungeeignet!

Beitrag von Anja Jansen » 30.05.2008, 18:32

Mein Text aus
viewtopic.php?p=34792#34792
johannes hat geschrieben:.... Es ist interessant, daß die öffentliche Meinung massiv von den Medien manipuliert wird. Dies ist wieder so ein Beispiel reißerischer Meinungsmache. ...
Ja, so ist das. Aber die Äußerung von Prof. Hirsch war ja wesentlicher schlimmer. Er will vom 10. Stock eines Hochhauses springen, um einen Heimaufenthalt zu vermeiden. Das kann man nachlesen unter
viewtopic.php?t=8756
C. Fussek setzt noch einen oben drauf und erklärt gleich 40% der Pflegenden für ungeeignet:
viewtopic.php?t=8862&highlight=ungeeignet
Auf solche Pflegekritiker kann ich gerne verzichten!
Was sind das eigentlich für Journalisten, die offensichtlich mit Genuss solche fragwürdigen Botschaften unter die Leser und Zuschauer bringen wollen?

Anja

Cicero
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Kritik am Kritiker !

Beitrag von Cicero » 31.05.2008, 06:52

WernerSchell hat geschrieben:Personalbudgets in der Pflege aufstocken!

Die Situation pflegebedürftiger Menschen in der BRD am Beispiel Demenz
Referate auf dem 111. Deutschen Ärztetag 2008 in Ulm
viewtopic.php?p=34633#34633

Gefordert wird u.a. „eine Aufstockung der derzeitigen Personalbudgets um rund 30%.“ Damit geht die Ärzteschaft über die eigenen Forderungen, die bei rund 20% Stellenaufstockung liegen, deutlich hinaus! - Siehe dazu im Forum:
viewtopic.php?t=3917&highlight=stellenschl%FCssel
Ich denke, dass mit diesen Einschätzungen die richtigen "Vorlagen" gegeben worden sind. Wir brauchen dringend Personalverstärkung in den Pflegeeinrichtungen und können eigentlich nicht bis zur nächsten Pflegereform warten. Die pflegebedürftigen Menschen brauchen jetzt Zuwendung!
Die Kritik an den Pflegenden - FusseK: Pflegekräfte sind zu 40% ungeeignet - ist kontraproduktiv und ist eher ein Signal dafür, dass Kritiker u.U. selbst keine Ahnung haben und nur auf sich aufmerksam machen wollen (wg. Buchabsatz!). Solche Kritiker brauchen wir nicht (mehr), sie wollen doch wohl auch nur an der Pflegemisere verdienen.

Cicero
Politisch interessierter Pflegefan!
Im Gleichklang: Frieden - Ausgleich - Demokratie - und: "Die Menschenwürde ist unantastbar"!

Kevin Bednarz
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Pflegereform und mehr Personale erforderlich

Beitrag von Kevin Bednarz » 01.06.2008, 08:52

Guten Morgen / schönen Sonntag!

Pflegekritische Äußerungen gibt es zuhauf. Es fehlen mir die Vorschläge, wie es besser gemacht werden kann. Insoweit gibt es bei den Herren Fussek und Hirsch deutlichen Nachholbedarf!
Was wir brauchen, sind Hinweise dazu, wie es in der Pflege besser laufen kann. Da sehe ich mit vielen Schreibern hier im Forum klar die Notwendigkeit, eine grundlegende Pflegereform anzumahnen. Verschiedene Strukturen müssen sich ändern. An erster Stelle müssen wir an der Personalschraube drehen. Wir haben eine personelle Unterversorgung, die sicherlich weit über 20% liegt. Insoweit sind vorrangig Verbesserungen notwendig. Dass das heutige Personal, mit erheblichen Arbeitsverdichtungen und Druck von allen Seiten, nicht optimal arbeiten kann, ist richtig. Dies aber zum Anlass zu nehmen, das Pflegepersonal schlicht zu 40% als ungeeignet einzustufen, ist eine glatte Unverschämtheit. Die Fussek`schen Verdienste als Pflegekritiker sind damit relativiert!
Besinnen wir uns auf vernünftige Reformen und gestalten wir die Zuwendungen für die hilfe- und pflegebedürftigen Menschen ! Difamierungen - weder in Richtung Pflegekräfte noch in Richtung Pflegemafia (Buchtitel von Fussek / Schober) - sind m.E. sehr, sehr entbehrlich.

MfG
Kevin

thorstein
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80 % der Pflegekräfte sind ungeeignet.

Beitrag von thorstein » 01.06.2008, 14:40

Begründung:

Die 50% Fachkräfte haben zwar irgendwann eine aktivierende und ressourcenorientierte Pflege gelernt, aber unter den gegebenen Rahmenbedingungen notgedrungen längst verlernt. Ob diese Pflegekräfte nach jahrelanger Akkordpflege bei veränderten Rahmenbedingungen überhaupt wieder umstellen könnten, ist durchaus unsicher.

Die 50 % ungelernten Pflegekräfte haben eine aktivierende und ressourcenorientierte Pflege niemals gelernt.

Aber darüber wollen wir hier nicht diskutieren: lieber wird gebetsmühlenartig die Kritik an Fussek wiederholt. Mich interessiert Herr Fussek nicht die Bohne, sondern die Frage, die er aufgeworfen hat.

Fragen wir doch umgekehrt: Wieviel % des Personals ist den geeignet? Und warum?
Weil sie sich alle so doll anstrengen und so schwer arbeiten? Daraus folgt: geeignet?

Ich arbeite seit über 20 Jahren in der Altenpflege und es liegt doch auf der Hand, dass unter den menschenunwürdigen Rahmenbedingungen auch das dafür geeignete Personal rekrutiert wurde. In der Mehrheit duldsame, obrigkeitshörige und finanziell abhängigen Menschen. Und politisch vollkommen desinteressiert.

Aber klopfen wir diesen gebeutelten Kreaturen doch weiterhin auf die Schulter und schimpfen über Fussek und Co.

Politisch gesehen haben wir genau das Pflegepersonal, das unter den gegebenen Bedingungen überleben kann und damit folgerichtig das sytem ermöglicht und stabilisiert. Diese Tatsache sollte durch Lobhudeleien oder durchaus gerechtfertigtes Mitleid nicht überdeckt werden. Das gehört zu einer realistischen Beschreibung des Ist-Zustandes, auch wenn es weh tut.

Cicero
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80 % der Pflegekräfte sind ungeeignet

Beitrag von Cicero » 02.06.2008, 06:00

... 80 % der Pflegekräfte sind ungeeignet ...

Es wird ja immer toller. Fussek ist noch maßvoll mit seiner überzogenen Einschätzung? - Nun sollen gar 80% der Pflegekräfte ungeeignet sein. Solche Anmerkungen halte ich für unverantwortlich und durch nichts begründet. Hier wird ein Sündenbock aufgebaut, ohne sich vielleicht selbst an die Nase zu fassen. Die Erwartungshaltung an Pflegekräfte ist offensichtlich übergroß, sie sind und bleiben aber nur Teil unserer Gesellschaft, arbeiten unter Rahmenbedingungen, die weitgehend eigentlich unzumutbar sind.
Siehe auch unter
Personalbudgets in der Pflege aufstocken!
viewtopic.php?t=8930
Ich würde nun eher die These aufstellen, 80% der Leitungskräfte sind ungeeignet (ein wenig pauschaliert). "Der Fisch stinkt vom Kopf". Hier liegt eher das Problem!

Cicero
Politisch interessierter Pflegefan!
Im Gleichklang: Frieden - Ausgleich - Demokratie - und: "Die Menschenwürde ist unantastbar"!

Hildegard Kaiser
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Pflegekräfte sind nicht die "bösen Buben"

Beitrag von Hildegard Kaiser » 02.06.2008, 07:25

Kevin Bednarz hat geschrieben:... Wir haben eine personelle Unterversorgung, die sicherlich weit über 20% liegt. Insoweit sind vorrangig Verbesserungen notwendig. Dass das heutige Personal, mit erheblichen Arbeitsverdichtungen und Druck von allen Seiten, nicht optimal arbeiten kann, ist richtig. Dies aber zum Anlass zu nehmen, das Pflegepersonal schlicht zu 40% als ungeeignet einzustufen, ist eine glatte Unverschämtheit. Die Fussek`schen Verdienste als Pflegekritiker sind damit relativiert! ...
Hallo,
das Personal verantwortlich zu machen für Situationen, die andere, Politiker, Heimträger, Vorgesetzte, zu vertreten haben, ist doch nicht hinnehmbar. Unter
viewtopic.php?p=34844#34844
wird gerade diskutiert darüber, wie hilflos Pflegekräfte sind, wenn sie auf Missstände reagieren sollen / müssen. Die Pflegekräfte sind nicht die "bösen Buben"! Sie wissen auch, wie ordentliche Pflege gestaltet werden muss. Sie würden sich auch fort- und weiterbilden lassen, wenn man ihnen dies ermöglichte.
In bin mit Cicero der Meinung, dass möglicherweise in den Führungsetagen die Hauptschuldigen sitzen. Und das mag man mit 80% umschreiben.
MfG
Hilde

fiutare

Beitrag von fiutare » 02.06.2008, 11:54

Irgendwie scheint das ganze Thema in Richtung Selbstzerfleischung zu gehen.

Habe ich irgendwo gelesen, dass Fussek mit seiner Bemerkung / Behauptung (40% der Pflegenden sind für die Tätigkeit ungeeignet....") das Pflegepersonal zum Schuldigen der Pflegemisere macht? Nein, habe ich nicht.
Ohne mich jetzt zum Anwalt für Fussek zu machen (will ich nicht, braucht er nicht), habe ich das von Anfang an so verstanden, dass genau diese quasi Uneignung, die thorstein übrigens sehr präzise begründet, wiederum eine vom System gewollte und mithin forcierte Entwicklung ist. Alleine schon die Tatsache der 50%-Fachkraftquote sagt doch so einiges aus. Und jeder, der in einem Heim arbeitet, weiss, mit welchem Anspruch diese Stellen besetzt werden.

Ganz billig wird es, aus offensichtlich purer Ratlosigkeit den schwarzen Peter den Leitungen zuzuschieben. Damit gibt man gleichzeitig auch seinen Verstand mit ab und braucht nicht mehr weiterzudenken. Ist ja auch so bequem. Die da oben. Sitzen sich den Arsch breit und kassieren die Mörderkohle ab.

Schade, dass es nicht so einfach ist.

Es ist schon richtig: Die Pflege - hier besonders die Altenpflege - braucht eine grundlegende Reform. Qualifikation, Anspruch, Personalbesetzung, Qualitätskontrollen - alles müsste auf den Prüfstand. Allerdings müsste dann auch klar und deutlich ausgesprochen werden, was wir bereit sind, dafür zu bezahlen.

Spätestens, wenn es um unsere Beiträge geht, wird so manch ein Verfechter besserer Bedingungen einknicken wie ein Halm im Wind.

Brock

Differenzierte Kritik

Beitrag von Brock » 12.06.2008, 14:43

Hallo, hallo,
es gibt vielfältige Kritik am Pflegesystem und an Personen. Ich denke, dass sehr differenziert diskutiert werden muss. Mit Schuldvorwürfen in Richtung Personal muss man sicherlich sehr vorsichtig umgehen. Sie sind, ob man das wahrhaben will oder nicht, auch Opfer des Systems. Ihre Möglichkeiten, sich zur Wehr zu setzen, sind begrenzt. Man kann nicht von jeder Pflegekraft verlangen, dass sie per "Aufstand am Arbeitsplatz" ihre Existenz gefährdet. Das machen andere auch nicht, sie beobachten vom "grünen Tisch" und picken sich aus sicherer Entfernung die Schuldigen heraus.
Mein Wunsch wäre, die Pflegekräfte nicht pauschal zu verurteilen. Wer dies tut, hat von der realen Lage vor Ort keine ausreichende Vorstellung.
Es grüßte mit Hochachtung
Brock

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