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Medikamenten-Kauf aus dem Internet kann Gesundheit schädigen!

Verbraucherschützer warnen vor pharmazeutischem Roulette bei Online-Bestellungen

Die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AgV) warnt vor dem Kauf von Medikamenten über das Internet. Online-Bestellungen können leicht zum pharmazeutischen Roulette werden, so die Verbraucherschützer. Medikamente, die gemäß deutschem Arzneimittelgesetz ausschließlich der Arzt verordnen darf, sind nach Erkenntnissen der AgV im Internet gegen Vorkasse per Kreditkarte ohne weiteres erhältlich. Vor allem einige US-amerikanische Versender nutzen dabei die unterschiedlichen gesetzlichen Bestimmungen in den USA und Europa und richten ihre Angebote auf deutschsprachigen Internetseiten gezielt an Kunden hierzulande.

Die Palette ist riesig und reicht von wirkungslosen Präparaten bis zu lebensgefährlichen Mitteln. Hoch wirksame und damit potentiell auch gefährliche Antibiotika, Antidepressiva, Hormonpräparate oder Schmerzmittel mit sehr starkem Suchtpotential sind leicht zu bekommen. Auch in Deutschland nicht zugelassene Mittel können bestellt werden, zum Beispiel das in den USA als Wunderdroge beworbene Melatonin, bei dem erhebliche Nebenwirkungen nicht auszuschließen sind. Warnhinweise, z.B. zur Teilnahme am Straßenverkehr, werden oft verschwiegen und Wirkungen bagatellisiert.

Die Arzneimitteleinnahme ohne gründliche Indikationsstellung und begleitende kompetente Beratung ist aufgrund der möglichen Nebenwirkungen für den Patienten ein gefährliches Spiel, warnt die AgV. Verbraucher sollten sich klar darüber sein, dass der medizinische Rat angeblicher "virtueller Ärzte", die in "Cyber-Apotheken" nach dem Ausfüllen eines kurzen Fragebogens Medikamente "verschreiben" und dafür bis zu 65 US $ in Rechnung stellen, medizinisch zweifelhaft ist. Denn ein seriöser "Gesundheits-Check" kann auf diese Art und Weise nicht durchgeführt werden, stellt die AgV fest. Im Gegensatz dazu sind Ärzte in Deutschland berufsrechtlich verpflichtet, eine individuelle ärztliche Behandlung und Beratung nicht ausschließlich über Internet durchzuführen, sondern den Patienten bei Erst- und Wiederholungsverordnungen körperlich zu untersuchen. Verbraucher, die auf der sicheren Seite sein wollen, empfiehlt die AgV, auf die Medizin aus dem Internet zu verzichten und sich stattdessen gründlich vom Arzt untersuchen zu lassen.

Bei vielen der internationalen "Cyber-Apotheken" handele es sich um zweifelhafte Anbieter, die von heute auf morgen wieder aus dem Internet verschwinden können, ohne dass der Verbraucher irgendeine Postadresse des Anbieters hätte. Da auf internationaler Ebene jede Kontrolle fehle, könne bei Internet-Bestellungen auch nicht ausgeschlossen werden, dass das Verfallsdatum der Arznei bereits überschritten oder der Beipackzettel unvollständig oder unleserlich sei. Der Packungsinhalt entspreche nicht immer dem aufgedruckten Wirkstoff, manchmal seien sogar keine bzw. gefälschte Wirkstoffe enthalten.

Bei Reklamationen gebe es kaum Chancen auf Schadensersatz. Zwar mache sich ein Internetanbieter, der verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne Vorlage eines Rezeptes abgibt oder zu falschen Anwendungsgebieten bewirbt, nach deutschem Recht strafbar. International mangele es jedoch an wirksamen Sanktionsmöglichkeiten. Versuche, Geld für Fehllieferungen zurückzuerhalten oder im Schadensfall Haftungsansprüche durchzusetzen, hält die AgV deshalb für hoffnungslos.

Diese Risiken des Internets gelten nach Einschätzung der Verbraucherverbände auch für chronisch Kranke, die sich mit "ihren" Medikamenten auskennen. Zudem sei auch für den Fall, dass ein korrektes Präparat geliefert wird, eine Erstattung der Kosten für den Patienten seitens seiner deutschen Krankenversicherung in der Regel ausgeschlossen. Auch sollten Verbraucher bedenken, dass Medikamentenlieferungen vom deutschen Zoll zurückgehalten werden können. Auch in diesem Fall kann man nicht damit rechnen, sein Geld zurück zu bekommen.

AgV-Pressestelle AgV