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MDS legt ersten Bericht zur Pflegequalität vor

Statement von Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des MDS, anlässlich einer gemeinsamen Pressekonferenz von VdAK/AEV, BMGS und MDS am 11. November 2004 in Berlin

Der Medizinische Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS) legt heute den ersten Bericht zur "Qualität in der ambulanten und stationären Pflege" vor. Der Bericht liefert einen systematischen Überblick über den Stand der Qualität der ambulanten und stationären Pflege in Deutschland und untermauert dies durch eine Vielzahl von Daten und Fakten. Gleichzeitig beschreibt er Handlungsfelder und Handlungsnotwendigkeiten in der Pflege und zeigt, wie Pflegeeinrichtungen eine gute Pflege erreichen.

Datenbasis

Quelle der Berichterstattung sind die Prüfberichte des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK), die das Ergebnis der durchgeführten Qualitätsprüfungen dokumentieren. Ausgewertet wurden für den vorliegenden Bericht die Ergebnisse von 807 Qualitätsprüfungen in ambulanten Pflegediensten und von 793 Qualitätsprüfungen in stationären Pflegeeinrichtungen. Das sind nahezu alle im zweiten Halbjahr 2003 in Deutschland durchgeführten Qualitätsprüfungen des MDK.

In allen Qualitätsprüfungen des MDK werden Pflegebedürftige in Augenschein genommen, nach ihrer Versorgungssituation befragt und die Ergebnisqualität der Pflege bewertet. In dem Bericht ist die fachliche Bewertung von ca. 7.400 untersuchten Pflegebedürftigen, davon 2.721 im häuslichen Bereich und 4.721 in Pflegeheimen, eingeflossen. Auf dieser Datenbasis legt der MDS die umfangreichste Untersuchung über die Qualitätssituation der Pflege vor, die bisher in Deutschland erstellt wurde.

Pflege angemessen?

Eine zentrale Untersuchungsfrage war, ob die Pflege - gemessen an der Ergebnisqualität - sich auf einem angemessenen Niveau bewegt. Um diese Frage zu beantworten, wurde der Pflegezustand des Pflegebedürftigen anhand des Hautzustandes, des Mundzustandes, des Pflegezustandes von Finger- und Fußnägeln, Haaren und Frisur sowie die Versorgung mit Sonden, Kathetern und Inkontinenzprodukten festgestellt. Eine nicht angemessene Versorgung ist dann gegeben, wenn bei einem der relevanten Kriterien des Pflegezustandes ein manifestes Pflegedefizit festgestellt wurde und die Pflegeeinrichtung nicht darlegen konnte, dass alle erforderlichen pflegefachlichen Gegenmaßnahmen eingeleitet wurden.

In der ambulanten Pflege wurde bei 91 Prozent der untersuchten Personen ein angemessener Pflegezustand festgestellt. Demgegenüber wurde bei 9 Prozent der untersuchten Pflegebedürftigen ein unzureichender Pflegezustand festgestellt, der auf eine mangelnde Versorgungsqualität des Pflegedienstes zurückzuführen war. Diese Zahlen zeigen, dass sich die Pflege überwiegend auf einem angemessenen Niveau bewegt. Andererseits zeigt der Anteil von 9 Prozent von schlecht gepflegten Personen Handlungsbedarf in der Pflege auf.

In der stationären Pflege lag der Anteil der Personen mit einem angemessenen Pflegezustand bei 83 Prozent. Bei 17 Prozent der untersuchten Pflegebedürftigen war die Versorgungssituation unzureichend und damit deutlich verbesserungsbedürftig.

Die hier dargestellten Ergebnisse dürften insbesondere für den häuslichen Bereich repräsentativ für Deutschland sein. In der ambulanten Pflege überwogen die Stichprobenprüfungen deutlich die Anlassprüfungen (= Prüfungen nach konkreten Hinweisen auf Pflegedefizite) und die Evaluationsprüfungen (= Wiederholungsprüfungen zur Kontrolle, ob sich die Zustände gebessert haben). Demgegenüber führt der im Vergleich hohe Anteil der Anlassprüfungen in der stationären Pflege zu einer negativen Überzeichnung der Ergebnisse. Hätten wir in der stationären Pflege die gleiche Verteilung auf die Prüfarten wie im ambulanten Bereich, so läge der Anteil der nicht angemessenen Pflege ebenfalls bei unter 10 Prozent der Pflegebedürftigen.

Positive Tendenzen und Optimierungsbedarf

Obwohl die überwiegende Zahl der Pflegebedürftigen auf einem angemessenen Niveau versorgt wird, besteht weiterhin Optimierungsbedarf in der Pflege. Das Augenmerk gilt dabei neben den akuten auch den potenziellen Gefährdungen der Pflegebedürftigen. Dies soll anhand der stationären Pflege dargestellt werden.

  • Bei 59 Prozent der untersuchten Personen entsprach die Ernährungs- und Flüssigkeitsversorgung dem aktuellen pflegerischen Vorgehen. Bei 41 Prozent wurden Qualitätsmängel in der Versorgung festgestellt, die in der Zukunft zu Gesundheitsgefährdungen der Pflegebedürftigen führen können. Eine Unterernährung oder Dehydration liegt in diesen Fällen nicht vor. Doch wurde festgestellt, dass der Ernährungsstatus oder ein Gewichtsverlust nicht registriert waren, dass Probleme bei der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme nicht erkannt und dass erforderliche Maßnahmen nicht ergriffen wurden.
  • Die Inkontinenzversorgung war bei 80 Prozent der Pflegebedürftigen angemessen. Doch bei 20 Prozent bestanden Qualitätsdefizite, in dem vorhandene Fähigkeiten nicht erkannt, mögliche Kontinenzförderung nicht angeboten wurde oder die eingesetzten Inkontinenzhilfen nicht adäquat waren.
  • Eine den Anforderungen entsprechende Dekubitusprophylaxe und Dekubitustherapie war bei 57 Prozent der untersuchten Pflegebedürftigen erkennbar. Bei 43 Prozent bestanden hingegen Versorgungsdefizite. Auch hier bedeutet dies nicht, dass bereits ein Druckgeschwür aufgetreten ist. Festgestellt wurde vielmehr, dass ein bestehendes Dekubitusrisiko nicht erkannt worden ist, erforderliche vorbeugende Lagerungsmaßnahmen nicht geplant oder durchgeführt sind bzw. oder dass erforderliche Lagerungshilfsmittel (z.B. Wechseldruckmatratzen) nicht eingesetzt wurden.
  • Die Versorgung gerontopsychiatrisch beeinträchtigter Versicherter (z.B. Demenzkranke) war bei 70 Prozent angemessen. In 30 Prozent der Fälle wurden Mängel wie eine mangelnde Tagesstrukturierung oder die Vernachlässigung der Biografie in der Leistungserbringung festgestellt.
  • Neben der direkten pflegerischen Leistung spielt die soziale Betreuung in der stationären Pflege eine herausragende Rolle für die Lebensqualität der Bewohner. Eine solche soziale Betreuung wurde in 93 Prozent der Heime angeboten. Allerdings waren die Leistungen in ca. einem Drittel der Einrichtungen nicht ausreichend auf die Bewohnerstruktur ausgerichtet. Das bedeutet, dass die Angebote z.B. zu wenig auf immobile Bewohner oder Bewohner mit demenziellen Erkrankungen ausgerichtet sind.

Die dargestellten Qualitätsdefizite zeigen, dass der Risikovermeidung bei der Qualitätsarbeit der Pflegeeinrichtungen ein höherer Stellenwert einzuräumen ist. Die Zahlenangaben, in welchem Umfang Einrichtungen bereits eine ordentliche Versorgung gewährleisten, zeigen, dass dies auch möglich ist.

Qualitätsmanagement zahlt sich aus

Bei der Analyse der Daten zeigen sich klare Zusammenhänge zwischen den Qualitätsergebnissen der Pflege auf der einen und der Struktur- und Prozessqualität auf der anderen Seite. Gute Pflege muss systematisch geplant und organisiert sein und erfordert gut angeleitete und fortgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dreh- und Angelpunkt für eine gute Pflegequalität sind die Qualifikation, das konzeptionelle Know-how sowie die Führungsfähigkeit der Pflegedienstleitung. Wird ein fachlich fundiertes Konzept in der Einrichtung gelebt, werden Qualitätsmanagement, Mitarbeiterführung (Einarbeitung, Pflegevisiten, Fortbildung) so wie der Pflegeprozess systematisch umgesetzt, hat dies positive Auswirkungen auf die Ergebnisqualität in der Pflege.

Das Pflege-Qualitätssicherungsgesetz zeigt hier Wirkung: Gegenüber den Anfängen der Qualitätsprüfungen Ende der 90er-Jahre sind deutliche Verbesserungen der Qualität in der Pflege festzustellen. Ebenso lassen sich Erfolge des beratungsorientierten Prüfansatzes der Medizinischen Dienste anhand der Ergebnisse von Evaluationsprüfungen belegen. Bei Einrichtungen, die erneut geprüft wurden, war eine Verbesserung der Versorgungssituation messbar.

Zusammenfassung

Lassen Sie mich die wesentlichen Ergebnisse des vorliegenden Berichtes zusammenfassen:

  • Die Pflege bewegt sich in Deutschland in der Mehrzahl der Fälle, d.h. bei über 90 Prozent der Pflegebedürftigen, auf einem angemessenem Niveau. Damit relativiert unser Bericht Darstellungen, die die Pflege in Deutschland generell als defizitär beschreiben.
  • Bei unter 10 Prozent der Pflegebedürftigen wurde ein unangemessener Pflegezustand festgestellt. In diesen Fällen sind dringend und zügig Verbesserungen der Versorgung einzuleiten.
  • Der Bericht identifiziert potenzielle Risiken in der Pflege. Als Risikobereiche haben sich die Dekubitusvermeidung und Dekubitusversorgung, die Ernährung- und Flüssigkeitsversorgung und die Inkontinenzversorgung herausgestellt. Darüber hinaus ist die Arbeit mit Altersverwirrten und anderen gerontopsychiatrisch Beeinträchtigten verbesserungsbedürftig.
  • Qualitätsmanagement zahlt sich aus. Einrichtungen, die sich im Qualitätsmanagement engagieren, weisen in der Regel bessere Pflegeergebnisse auf. Die Mehrheit der Einrichtungen erfüllt bereits diese Anforderungen an eine gute Pflege.
  • Eine immer noch zu große Zahl von Einrichtungen verfügt jedoch noch über Verbesserungspotenziale. An diese Einrichtungen ist zu appellieren, dass sie ihre Verantwortung für die Qualität stärker wahrnehmen.

Medizinscher Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen http://www.mdk.de