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„Strukturen bremsen ambulante Pflege aus" -

(Berlin, Köln) Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (dip) in Köln hat in Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe Metrik auch in diesem Jahr wieder eine repräsentative Frühjahrsbefragung zur Lage und Entwicklung der Pflege durchgeführt. Das Pflege-Thermometer 2004 basiert auf den Daten und Einschätzung von 632 ambulanten Pflegeeinrichtungen in Deutschland.

Die Forscher haben im Frühjahr 2004 die Pflegedienste zum Leistungsspektrum, zur Personalsituation und zu den Rahmenbedingungen befragt. Ein Ergebnis der Studie lässt besonders aufhorchen: Mit mehr als 80% sieht sich eine überraschend große Anzahl der Anbieter ambulanter Pflegeleistungen in der unternehmerischen Existenz gefährdet, wenn es nicht in absehbarer Zeit zu nennenswerten Veränderungen der Rahmenbedingungen in der häuslichen Pflege kommt. Ursachen für diese drastische Einschätzung sind insbesondere in der unzureichenden Finanzierung der gesetzlich verankerten Leistungen, der zunehmenden Bürokratisierung und einer komplizierten Verordnungs- und Genehmigungspraxis zu sehen.

Hausärztliche Verordnung von Pflegeleistungen werden der Studie zufolge nicht selten von der Krankenkasse in der Dauer gekürzt oder abgelehnt und damit gar nicht finanziert. Immer mehr Leistungen wie beispielsweise Beratungsbesuche bei Pflegebedürftigen können den Angaben der Befragten zufolge nicht mehr kostendeckend erbracht werden. Ambulante Dienste finanzieren sich der Untersuchung nach zu 90% aus den Leistungen der Kranken- und Pflegekassen und nur zu 10% aus privat bezahlten Leistungen. Sie sind somit im Wesentlichen von den Rahmenbedingungen, die im Leistungsrecht verankert sind, abhängig.

rof. Dr. Weidner, Leiter der Untersuchung, wies bei der Vorstellung der Studie in Berlin auf die zunehmenden Aufgaben und Probleme der häuslichen Pflegedienste hin: „So nimmt heute schon die Betreuungsintensität bis hin zur Rund-um-die-Uhr-Versorgung der Patienten in der ambulanten Pflege deutlich zu. Die pflegenden Angehörigen können immer häufiger gerade die nächtliche Versorgung der Pflegebedürftigen zu Hause nicht mehr sicherstellen und benötigen professionelle Unterstützung", so Weidner weiter. „Ebenso steigt der Anteil der demenziell erkrankten Patienten, die von ambulanten Pflegediensten versorgt werden müssen, laut unserer Studie, drastisch an. Auf der anderen Seite bekommen die Pflegedienste dringend notwendige Maßnahmen beispielsweise der Beratung, Prävention und Prophylaxe nur unzureichend oder gar nicht von den Kostenträgern finanziert."

Die Studie macht aber auch das große Leistungsspektrum der Pflegedienste sichtbar. Trotz der beschriebenen Schwierigkeiten geht ein größerer Teil der Studienteilnehmer davon aus, dass in den vergangenen Jahren das Leistungsspektrum ausgeweitet und die Qualität der erbrachten Leistungen verbessert werden konnte. Den größten Teil stellen dabei die Pflegeleistungen nach dem Pflegeversicherungsgesetz und die sog. Behandlungspflege dar, d.h. Pflegeleistungen, die sich aus der Versorgung akuter Erkrankungen ergeben. Ferner erbringen die ambulanten Pflegedienste Leistungen zur Haushaltsführung, Kurse für pflegende Angehörige sowie Hilfe zur Pflege nach dem Bundessozialhilfegesetz und anderes mehr.

Die jetzt vorgelegte Untersuchung bestätigt auch, dass der ambulante Pflegemarkt kein boomender Markt mehr ist. Haben sich im Zeitraum von 1992 bis 1997 die ambulanten Dienste bis auf die Zahl von 11.700 glatt verdreifacht, so sank ihre Zahl bis 2001 wieder auf 10.600 ab. Die Zahl der Beschäftigten in diesem Sektor ist jedoch kontinuierlich bis auf 190.000 Beschäftigte gestiegen. Die ambulante Pflege wächst somit weiter, wenn auch deutlich verlangsamt. Die Bewerbersituation um offene Stellen hat sich aus der Sicht der Pflegedienste insgesamt sogar verbessert, jedoch ist ein Ost-West-Gefälle zu beobachten. In den neuen Bundesländern ist der Aufwand geeignetes Personal für die häusliche Pflege zu finden deutlich höher als in den alten Bundesländern. Zukünftig wird von den befragten Pflegediensten wieder eine stärkere Nachfrage nach gut ausgebildeten Kranken- und Altenpflegekräften erwartet. Die derzeit zu beobachtende Abnahme der Ausbildungstätigkeit im Pflegebereich wird daher auch von den Autoren der Studie kritisch bewertet.

Insgesamt wurden der Untersuchung zufolge in 2003 in den ambulanten Pflegediensten acht Mio. Überstunden geleistet, was umgerechnet 4.500 Vollzeitstellen entspricht. Die Häufigkeit und Dauer von krankheitsbedingten Ausfällen des Personals sind im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert geblieben. Die illegale Beschäftigung, die im Bereich der häuslichen Versorgung deutlich wächst, stellt die ambulanten Dienstleister allerdings vor zunehmende Probleme.

Zum Hintergrund: Der Sektor der ambulanten pflegerischen Versorgung gewinnt weiter an Bedeutung. Bereits heute werden von den über 2 Mio. Menschen, die als pflegebedürftig nach den Kriterien des Pflegeversicherungsgesetzes eingestuft sind, 1,4 Mio. zu Hause betreut.

Die größten Pflegedienste der Nation sind zweifelsohne die Familien, die Angehörigen, die Nachbarn und Freunde von pflegebedürftigen Menschen. Gut die Hälfte der Pflegebedürftigen (nach SGB XI), also rund 1 Million Menschen, werden zu Hause von den Angehörigen versorgt. Die andere Hälfte allerdings ist auf professionelle Hilfe angewiesen. Davon wiederum werden 435.000 Pflegebedürftige von etwa 10.600 ambulanten Pflegediensten im häuslichen Umfeld versorgt.

Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung (dip) e.V. http://www.dip-home.de

Quelle: Pressemitteilung vom 2.11.2004