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Wie kann das Sterben von Menschen human begleitet werden?

Von Rudolf Henke (CDU):

Das Sterben ist unabänderlich ein Teil des Lebens. Dennoch wird es immer noch in unserer Gesellschaft verdrängt. Das müssen wir ändern. Der Mensch lebt in und als Teil einer Gemeinschaft. Das gilt auch für den letzten Schritt des irdischen Lebens, den Tod. Die meisten Menschen möchten diese Lebensphase im Kreis ihrer Familie und Freunde verbringen. Fast alle brauchen dann auch professionelle Hilfe. Aber wir wollen nicht als Kunde behandelt werden, sondern als Freund. Keine Lebensverlängerung um jeden Preis, sondern menschliche Beziehung und Hilfe, für die persönliche Freiheit und menschliche Würde auch in der Nähe des Todes zentral bleiben. Dazu gehört auch, loslassen zu lernen. Zum menschlichen Leben gehört ein menschenwürdiges Sterben. Um dieses Grundbedürfnis zu erfüllen, muss ein Netz geknüpft werden, das den Sterbenden und seine Angehörigen trägt, sie medizinisch, psychisch, sozial und spirituell begleitet und ihnen hilft, mit Angst und Trauer leben zu können. Der Beitrag der Politik zu diesem Netz liegt in der Unterstützung der vielen in diesem Bereich sehr engagiert Tätigen. Auf der Basis der Menschenwürde und des Schutzes des Lebens als Grundlage allen politischen und gesetzgeberischen Handelns gehört dazu die Schaffung von Rahmenbedingungen für eine verbesserte Zusammenarbeit von Angehörigen, ehrenamtlich und professionell Tätigen ebenso wie die Weiterentwicklung der Palliativmedizin und der Ausbau der vorhandenen ambulanten und stationären Hospizstruktur.

Von Ralf Jäger (SPD):

Die erforderlichen Voraussetzungen für ein menschenwürdiges Sterben zu schaffen ist für jede humane Gesellschaft eine zentrale gesellschaftspolitische Herausforderung. Ihr gerecht zu werden heißt, die Menschenrechte der Sterbenden in den Mittelpunkt zu rücken. Konkret bedeutet das, alle politischen Gestaltungskräfte darauf zu konzentrieren, dass sterbende Menschen und ihre Angehörigen die letzte Phase des Lebens in Würde bewältigen können. Zur Realisierung dieses Ziels haben wir in NRW schon viel erreicht. So hat das Land beispielsweise sehr frühzeitig die Initiativen der Hospizbewegung aufgegriffen und auf vielfältige Weise, unter anderem auch durch eine finanzielle Förderung, unterstützt. Zur Begleitung sterbender Menschen bestehen in NRW mittlerweile 250 ambulante und 40 stationäre Hospizdienste. Darüber hinaus gibt es in unserem Land zurzeit 22 Palliativstationen mit über 170 Betten. Seit 1992 werden mit den beiden Alphastellen in Bonn und Münster zwei für die Hospizbewegung wichtige Einrichtungen gefördert. Auf dieser Leistungsbilanz, die NRW als im Bereich der Hospizarbeit führendes Bundesland ausweist, ist aufzubauen. Es gilt, den Ausbau der ambulanten Hospizarbeit weiter voran zu bringen und die palliativmedizinischen Angebote zu stärken. Dies ist der richtige Weg, die Menschen dabei zu unterstützen, das Sterben als Teil des Lebens anzunehmen und so dem Verlangen nach aktiver Sterbehilfe konsequent entgegenzuwirken.

Von Dr. Jana Pavlik (FDP):

Eine Annäherung an das Thema könnte sich durch die gegensätzliche Akzentuierung des Verbs „human" ergeben: Wie sieht ein inhumanes Sterben aus? Ich halte dafür, dass Formen eines inhumanen Sterbens erkannt werden können in Einsamkeit, Vernachlässigung, mentaler und sinnlicher Gefühllosigkeit und Distanzierung, Abschiebung in Sterbezimmer, Kontaktlosigkeit im anonymen Krankenhausgroßbetrieb, durch unumgänglich scheinende Schmerzen oder durch physische/psychische Sublimformen von Gewalt, zu denen ich auch die Nicht-Respektierung getroffener Entscheidungen (Patientenverfügung) zähle, keine lebensverlängernde Maßnahme einzuleiten. Die humanste Form des Sterbens scheint mir, wenn es finanziell, organisatorisch und psychisch möglich ist, in der Familie zu sein, umgeben vom vertrauten Kreis der Dinge und der Menschen. Daneben halte ich die zahlreichen verdienstvollen Angebote der Hospizbewegung mit ihren qualitätvollen schmerzmedizinischen und palliativen Angeboten wie auch der menschlichen Zuwendung, des Respekts und der Ehrfurcht vor einem vergehenden oder sich allmählich auflösenden Leben für eine überaus humane Alternative. Gerade der Mensch im Zerfall und im Vergehen, mit seinen zunehmenden körperlichen, seelischen und ästhetischen Defiziten, hat das Recht, unsere ganze Sachkunde und menschliche Anteilnahme einzufordern.

Von Barbara Steffens (Grüne):

Die meisten schwersterkrankten Menschen sterben heute in einem Krankenhaus oder außerhalb der eigenen Häuslichkeit, obwohl sie ihre letzte Lebensphase lieber in häuslicher Umgebung verbringen würden. Die ambulanten Hospizdienste unterstützen Sterbende und ihre Angehörige in dieser für alle Seiten schwierigen Situation und helfen sie zu bewältigen. Die Hospizbewegung hat auch wesentlich dazu beigetragen, dass es ein Umdenken in der Schmerzbehandlung Schwersterkrankter gegeben hat. Damit wird eine wichtige Voraussetzung geschaffen, dass Menschen die letzte Lebensphase zu Hause verbringen können. Die stationären Hospize bieten einen persönlichen Ort für Menschen mit schwersten Schmerzzuständen und solche, die nicht auf die Unterstützung Angehöriger zurückgreifen können. Sie werden dort begleitet durch ein speziell geschultes Pflegepersonal, den Arzt oder die Ärztin ihres Vertrauens und durch ehrenamtliche Begleiter. Für die Zukunft muss die Hospizidee mehr als bisher in die verschiedenen Einrichtungen der gesundheitlichen Versorgung und Pflege übertragen und in den Pflegeheimen und Krankenhäusern verankert werden. Durch eine Verbesserung der ambulanten Palliativmedizin und -pflege kann erreicht werden, dass die ambulante Hospizarbeit weitere Unterstützung findet und noch mehr sterbende Menschen und ihre Angehörigen sich zutrauen, diese letzte Phase des Lebens in Würde außerhalb eines Krankenhauses zu bewältigen.

Quelle: Zeitschrift „Landtag intern", NRW, vom 2.7.2003

http://www.landtag.nrw.de