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W. Michaelis (Hrsg.):
Der Preis der Gesundheit
Wissenschaftliche Analysen – Politische Konzepte - Perspektiven zur Gesundheitspolitik
2001, Paperback, 360 Seiten, EURO 29,-). ISBN 3-609-16023-3

Das Buch „Der Preis der Gesundheit" der interdisziplinären Gruppe GESUNDHEIT KONTROVERS, einem Zusammenschluss von Wissenschaftlern und Praktikern aus den Fachrichtungen Medizin, Zahnmedizin, Psychologie, Ökonomie und Theologie enthält 22 Beiträge zum Thema „Finanzierung des deutschen Gesundheitswesens". Unter den Autoren sind so bekannte Experten wie Reinhard Busse (European Observatory on Health, Madrid), Heyo Eckel (Präsident der Ärztekammer Niedersachsen), Ellis Huber („Medizinrebell" und ehemaliger Präsident der Ärztekammer Berlin), Hagen Kühn (Wissenschaftszentrum Berlin), Reiner Leidl, Martin Pfaff (stellvertretender gesundheitspolitischer Sprecher der SPD - Bundestagsfraktion), Aloys Prinz, Manfred Richter-Reichhelm (Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung KBV), Oliver Schöffski, Winfried Schorre (im Zorn ausgeschiedener Vorsitzender der KBV), Friedrich Wilhelm Schwartz (Vorsitzender des Sachverständigenrates für die konzertierte Aktion im Gesundheitswesen), Dieter Thomae (gesundheitspolitischer Sprecher der F.D.P - Bundestagsfraktion), Volker Ulrich, Jürgen Wasem. Der Leiter des Instituts für Gesundheits-System-Forschung in Kiel, Fritz Beske, hat ein Geleitwort beigetragen. Das umfangreiche Literaturverzeichnis enthält 380 Titel.

Der Band beginnt mit Beiträgen, die vom Herausgeber, Prof. Dr. Wolfgang Michaelis, in seinem Vorwort mit dem bezeichnenden Begriff „Aufräumarbeiten" tituliert werden. Im zweiten Block machen Vertreter ganz unterschiedlicher Perspektiven Vorschläge, wie man das System an einzelnen Stellen verbessern könnte, statt es über Bord zu werfen. Dabei spielt naturgemäß die Frage der Wirtschaftlichkeit eine erhebliche Rolle. Im dritten Block kommen Maßnahmen zur Sprache, die das System merklich verändern würden. Hier geht es vor allem um eine Umstellung der Geldströme, die der Gesetzlichen Krankenversicherung zufließen und von ihr eingesetzt werden. Die letzten drei Beiträge steuern auf ein gänzlich neues System zu. Dabei geht es nicht um mehr Geld, sondern um einen veränderten Gesundheitsbegriff, in dessen Gefolge sich die bessere, weil sinnvollere Bewirtschaftung vorhandener Finanzmittel von selbst einstelle.

Das Fazit, das der Herausgeber aus der Gesamtheit der Beiträge zieht, lautet: (1) Es gibt viel Unzufriedenheit mit dem deutschen Gesundheitssystem. Von daher erscheint eine Änderung nur noch als Frage des politisch durchsetzbaren Zeitpunktes. (2) Es gibt in der öffentlichen Diskussion Bewertungen, die sich bei näherer Betrachtung als Klischees herausstellen. Als Beispiel ist das ständige Gerede von der – real nicht existierenden – Kostenexplosion angeführt. (3) Es besteht gute Aussicht auf eine tragfähige Veränderung des Systems. Voraussetzung ist die Bereitschaft aller beteiligten Gruppierungen, sich den Sichtweisen ein Stück weit zu öffnen, die dem Eigeninteresse zuwider laufen. (4) Es gibt keinen „Königsweg" der Veränderung. Die Erarbeitung eines neuen Systems dürfte sich in vielen einzelnen Schritten darstellen, die einander ergänzend getan werden müssen.

Während in diesem Buch die einen also ein radikales Umdenken empfehlen, demonstrieren die anderen, dass die Optimierungsmöglichkeiten noch gar nicht alle ausgeschöpft sind. Manche Meinungen, die hier zu finden sind, verblüffen: geringe Mehrausgaben am einen Ende können angeblich zu weitreichenden Kostensenkungen insgesamt führen. Ein Verbot, sich durch Kassenwechsel der Solidarität zu entziehen, soll Mehrkosten und eine Verschlechterung der Versorgungssituation bedeuten. Das Buch enthält jede Menge Denkanstöße, und es werden Modelle aus zahlreichen anderen Ländern zum Vergleich herangezogen.

Die zahlreichen Analysen, Anregungen und konkreten Vorschläge, die in diesem Buch versammelt sind, sollten sich Gesundheitspolitiker, leitende Mitarbeiter von Gesundheitsämtern und Öffentlichem Gesundheitsdienst, Sozialmediziner, Krankenkassen und –versicherungen mit medizinischen Diensten, Volkswirte, Medizinsoziologen und Gesundheitsökonomen kritisch und möglichst auch selbstkritisch zu Gemüte führen. Für Sozialpädagogen, Klinische Psychologen und Psychotherapeuten, und nicht zuletzt für alle (gesundheits)politisch interessierten Menschen dürfte die Lektüre dieses Buches ebenfalls zu einem Aha-Erlebnis führen.

Man darf gespannt sein, welche in diesem Buch genannten Ansätze sich letztendlich politisch durchsetzen lassen.

Quelle: ecomed http://www.ecomed.de