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Arbeit im Krankenhaus macht krank - Bessere Arbeitsorganisation dringend erforderlich

Pflegekräfte im Krankenhaus leiden überdurchschnittlich häufig an Erkrankungen der Wirbelsäule. Die Zahl der Fehltage wegen derartiger Krankheitsdiagnosen liegt mit 2,3 Tagen über dem DAK-Durchschnitt von 1,4 Tagen. Hinzu kommen Verletzungs- und Infektionsrisiken. Innerhalb eines Jahres ziehen sich 22 Prozent eine Stich-, Schnitt oder Kratzwunde zu. Besonders oft erkranken Pflegekräfte an stressbedingten psychischen Krankheiten. Die beiden häufigsten psychiatrischen Diagnosen - Neurosen und depressive Zustandsbilder - verursachen über 30 Prozent mehr Fehltage als im DAK-Durchschnitt. Häufig unter Zeitdruck stehen 88 Prozent der Pflegekräfte, 65 Prozent müssen oft oder sehr oft eine begonnene Tätigkeit unterbrechen. Die Folge sind hohe Krankenstände, Arbeitsunfälle sowie eine überdurchschnittliche Zahl von Beschäftigten, die den erlernten Pflegeberuf aufgeben.

Dies belegt der Krankenpflegereport 2000, den die DAK und die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) jetzt vorgelegt haben. Zentraler Bestandteil des mit Unterstützung des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) erstellten Reports sind die Ergebnisse einer Umfrage unter bundesweit über 1000 Pflegekräften. Ferner wurden Daten der DAK zu den Arbeitsunfähigkeiten und der BGW zu Arbeits- und Wegeunfällen ausgewertet.

Bei Krankenschwestern, Krankenpflegern und Pflegehelfern lag 1998 der Krankenstand mit 4,8 Prozent deutlich über dem Durchschnitt aller DAK-Mitglieder von 3,2 Prozent. Die BGW zählte 1998 etwa 4.500 Arbeitsunfälle und knapp 2.500 Unfälle auf dem Arbeitsweg bei den Beschäftigten der 750 von ihr versicherten privaten oder freigemeinnützigen Krankenhäusern. Für den Unfallversicherungsträger waren damit 20 Millionen Mark an Entschädigungsleistungen verbunden.

"Gesundheit und Arbeitszufriedenheit der Pflegekräfte sind nach unserer Überzeugung entscheidende Voraussetzungen dafür, die Patienten in den Krankenhäusern gut zu versorgen", sagt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DAK, Eckhard Schupeta. Die DAK werde deshalb bei Gesprächen mit den Krankenhäusern künftig stärker darauf drängen, die Qualitätssicherung weiter voranzutreiben.

Stephan Brandenburg, Geschäftsführer der BGW, erklärt: "Die gesammelten Daten geben Auskunft über die Ursachen arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren im Krankenhaus und die wichtigsten Ansatzpunkte für Präventionsmaßnahmen. Einen Schwerpunkt wird dabei die Organisationsentwicklung bilden, die von entscheidender Bedeutung für den Abbau von stressverursachenden Arbeitsbedingungen ist."

Der DAK-BGW Gesundheitsreport 2000 Krankenpflege stellt bei knapp der Hälfte der befragten Pflegekräfte eine hohe und bei weiteren 17 Prozent sogar eine sehr hohe Belastung der Wirbelsäule fest. Ein Fünftel muss jeden Tag mehr als 10mal bettlägerige Patienten ohne Hilfsmittel anheben.

Der psychische Stress am Arbeitsplatz der Pflegekräfte gefährdet nicht nur ihre Gesundheit. Auch die Arbeitszufriedenheit ist deutlich geringer. Hier kommt es zu typischen Symptomen eines Burn-Out-Syndroms. Die Stressbelastung steht in engem Zusammenhang mit der Arbeitsorganisation auf vielen Stationen. Ungünstig wirkt sich eine stark funktionsorientierte Arbeitsorganisation aus. Das bedeutet: Eine Pflegekraft ist nicht für die Gesamtbetreuung von Patienten verantwortlich, sondern verrichtet jeweils bestimmte Einzeltätigkeiten für alle Patienten auf der Station. Die Pflege ist dadurch weniger patientenorientiert und das Aufgabenspektrum der Pflegekräfte ist eingeengt. Daneben bestehen zumeist ausgeprägte hierarchische Strukturen und geringe Mitwirkungsmöglichkeiten der Beschäftigten ihre Arbeitsbedingungen zu gestalten.

"Die Arbeit sollte so organisiert werden, dass berufliche Fähigkeiten und Qualifikationen auch möglichst umfassend angewandt werden können. Deshalb muss die ganzheitliche, patientenorientierte Bezugspflege gegenüber der stark arbeitsteiligen Funktionspflege zum Standard werden", so BGW-Geschäftsführer Stephan Brandenburg. Den Pflegekräften sollte ein höheres Maß an Eigenverantwortung und Mitsprache bei der Gestaltung ihrer Arbeitsbedingungen eingeräumt werden. Eine zentrale Aufgabe der Gesundheitsförderung der Krankenkassen wird es daher sein, die Krankenhäuser bei der Organisationsentwicklung zu unterstützen. "Wir empfehlen Gesundheitszirkel in den Krankenhäusern einzurichten, damit die Leitungen der Krankenhäuser gemeinsam mit den betroffenen Mitarbeitern maßgeschneiderte Lösungen entwickeln. Im Rahmen der Gesundheitsförderung werden wir die Kliniken dabei unterstützen", erklärte DAK-Vorstandsmitglied Eckhard Schupeta.

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Angestellten Krankenkasse vom 14.12.2000

Hierzu berichtete die Ärzte-Zeitung wie folgt:

Krankenpflegereport
Pflegekräfte leiden unter Neurosen und Depressionen
Pflegekräfte leiden besonders häufig unter Neurosen und depressiven Zustandsbildern. Diese beiden häufigsten psychatrischen Diagnosen verursachen bei Pflegekräften 30 Prozent mehr Fehltage im Vergleich zu anderen Berufen, wie aus dem Krankenpflegereport 2000 der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) hervorgeht.
Die DAK hat den Report jetzt zusammen mit der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) vorgelegt.
Insgesamt lag der Krankenstand von Krankenschwestern, -pflegern und Pflegehelfern 1998 mit 4,8 Prozent deutlich über dem Durchschnitt aller DAK-Mitglieder von 3,2 Prozent.
Pflegekräfte im Krankenhaus leiden danach überdurchschnittlich häufig an Erkrankungen der Wirbelsäule. Hinzu kommen Verletzungs- und Infektionsrisiken.
Für die mit Unterstützung des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) erstellte Studie wurden bundesweit 1000 Pflegekräfte befragt. Zusätzlich wurden die Daten der DAK zu Arbeitsunfähigkeiten und der BGW zu Arbeits- und Wegeunfällen ausgewertet.
88 Prozent der Pflegekräfte beklagten, daß sie oft unter Zeitdruck stehen. 65 Prozent gaben an, häufig eine begonnene Tätigkeit unterbrechen zu müssen. Die Folgen dieser Situation sind hohe Krankenstände, Arbeitsunfälle und eine überdurchschnittliche Zahl von Beschäftigten, die den erlernten Pflegeberuf aufgeben.
Wegen Wirbelsäulen-Erkrankungen fehlten die Klinik-Mitarbeiter an 2,3 Tagen (DAK-Durchschnitt: 1,4 Tage) im Jahr. Bei knapp der Hälfte der für den Gesundheitsreport befragten Pflegekräfte wurde eine hohe Belastung der Wirbelsäule festgestellt, bei weiteren 17 Prozent war die Belastung sehr hoch. Ein Fünftel der Pflegekräfte muß jeden Tag mehr als zehnmal bettlägerige Patienten ohne Hilfsmittel anheben.
"Gesundheit und Arbeitszufriedenheit der Pflegekräfte sind nach unserer Überzeugung entscheidende Voraussetzungen dafür, die Patienten in den Krankenhäusern gut zu versorgen", sagte Eckhard Schupeta, stellvertretender DAK-Vorstandsvorsitzender. Die DAK werde deshalb bei Gesprächen mit den Kliniken künftig stärker darauf drängen, die Qualitätssicherung weiter voranzutreiben.

Quelle: Ärzte-Zeitung vom 18.12.2000

Werner Schell (26.12.2000)