Wohngemeinschaften in der Kritik

Gesundheitswesen, Krankenhaus- und Heimwesen, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Arzneimittel- und Lebensmittelwesen, Infektionsschutzrecht, Sozialrecht (z.B. Krankenversicherung, Pflegeversicherung) einschl. Sozialhilfe und private Versorgung

Moderator: WernerSchell

WernerSchell
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Wohngemeinschaften in der Kritik

Beitrag von WernerSchell » 04.03.2012, 15:12

Pflege - Wohngemeinschaften in der Kritik – Betreutes Wohnen eher empfehlenswert

Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk hat die Absicht des Bundesgesundheitsministeriums, im Rahmen der „Neuausrichtung der Pflegeversicherung“ (auch) kleine Wohngemeinschaften von pflegebedürftigen Menschen finanziell zu fördern, deutlich kritisiert und diesbezügliche Erwägungen nicht als am wirklichen Bedarf ausgerichtet bezeichnet:
viewtopic.php?t=16990
viewtopic.php?t=16884
viewtopic.php?t=16943&highlight=wohngemeinschaften
viewtopic.php?t=16989&highlight=wohngemeinschaften

Auch die „Grünen“ in Nordrhein-Westfalen halten offensichtlich die Idee, Wohngemeinschaften für pflegebedürftige Menschen einzurichten, für eine gute Wohnform bei der Auflösung der anstehenden Pflegeprobleme (vgl. u.a. Bericht der Neuss-Grevenbroicher Zeitung vom 02.03.2012 „Konzepte für Seniorenquartiere“). In einer im vergangenen Jahr durchgeführten Informationsveranstaltung in Neuss wurde dieses Thema sogar mit der Forderung nach Schließung der Heime verknüpft.

Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk ist der Meinung, dass dem Grundsatz „ambulant vor stationär“ große Bedeutung zukommt. Dies darf aber nicht bedeuten, den einen gegen den anderen Bereich auszuspielen und dabei die realen Bedürfnisse der unterschiedlichen Pflegesituationen aus dem Auge zu verlieren. Betreutes Wohnen, und nicht Wohngemeinschaften, werden durchaus als gutes Angebot gesehen.

Interessanterweise fand ich heute, 05.03.2012, in dem Buch von Sven KuntzeAltern wie ein Gentlemen – Zwischen Müßiggang und Engagement“, C. Bertelmann, 2011, einige Ausführungen zum Thema Wohngemeinschaften, die die hiesigen Einschätzungen stützen und bekräftigen. Ich zitiere auszugsweise aus dem Buch (Seiten 176/177):

„…. Wohngemeinschaften sind überaus komplizierte und störanfällige soziale Einheiten. Geschmack, Klatsch, Sauberkeit, Sympathien, Sozialverhalten, tägliche Gewohnheiten und vieles andere mehr müssen auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden. Das klappte schon in der Ausbildungszeit selten auf längere Sicht – was damals wenig Schaden anrichtete. Wer in seiner Wohngemeinschaft nicht zurechtkam, packte seine Habseligkeiten zusammen und zog zwei Straßen weiter. Wer im Alter, Geld und Hoffnungen investiert und das Wagnis einer Wohngemeinschaft eingehen möchte, muss wissen, dass die Suche nach einem gemeinsamen Nenner als Grundlage dauerhafter Stabilität sehr viel schwieriger geworden ist. … Diese Eigenheiten, die jeder für sich in das Projekt einbringt, entwickeln mit der Zeit häufig eine unkontrollierbare Sprengkraft. Eine Wohngemeinschaft alter Menschen birgt mithin beträchtliches Risiko, denn keine Anfangseuphorie ersetzt die Dauer. … Die vorherrschende Gesellungsform meiner Generation wird deshalb in Zukunft betreutes Wohnen in geräumiger Umgebung mit einem reichhaltigen Angebot an sportlichen Aktivitäten sein. ….“

Buchhinweis unter:
http://www.wernerschell.de/Buchtipps/al ... tleman.php

Werner Schell
Zuletzt geändert von WernerSchell am 19.05.2012, 07:02, insgesamt 1-mal geändert.
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WernerSchell
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Konkrete Verbesserungen in der Pflege gefordert

Beitrag von WernerSchell » 05.03.2012, 07:06

Aus Forum:
viewtopic.php?p=64835#64835

Bild Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
Unabhängige und gemeinnützige Initiative - Harffer Straße 59 - 41469 Neuss
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk führt regelmäßig Pflegetreffs mit bundesweiter Ausrichtung durch.
Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk ist Kooperationspartner der „Aktion Saubere Hände.“
Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk ist Initiator bzw. Mitbegründer des Quartierkonzeptes Neuss-Erfttal.


Pflegeheime: Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk fordert konkrete Verbesserungen in der pflegerischen Versorgung der HeimbewohnerInnen

Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk hat mit Datum vom 05.03.2012 ein Schreiben an die stationären Pflegeeinrichtungen (Pflegeheime) im Rhein-Kreis Neuss gefertigt und darin Verbesserungsmöglichkeiten in der pflegerischen und sonstigen Versorgung angesprochen. Eine pdf-Datei mit dem Brieftext steht auf Anfrage zur Verfügung. Es geht vornehmlich um folgende Themen:

• ärztliche Versorgung in den Heimen (mit Vermeidung von unnötigen Krankenhauseinweisungen),
• medikamentöse Versorgung der älteren und pflegebedürftigen Menschen,
• freiheitseinschränkende Maßnahmen (einschließlich Psychopharmaka zur Ruhigstellung) und
• Fort- und Weiterbildung der Krankenpflegekräfte zum Thema Demenz (offensichtlich gibt es Defizite).

Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk würde es sehr begrüßen, wenn wir bei der Umsetzung der hiesigen Anregungen eine breite Unterstützung erfahren könnten. Es ist dabei auch daran gedacht, die Themen beim nächsten Pflegetreff am 15.05.2012 anzusprechen – siehe dazu die aktuellen Hinweise unter
viewtopic.php?t=16058
Bei diesem Treff wird zusätzlich das Thema „Entbürokratisierung in der Pflege“ anstehen. Wir wollen uns dann – hoffentlich mit zahlreichen engagierten Gästen – auch für eine Pflegereform einsetzen (demonstrieren), die diesen Namen verdient.

Es ist im Übrigen vorgesehen, die den Neusser Pflegeeinrichtungen unterbreiteten Vorschläge demnächst auch bundesweit bekannt zu machen. Möglicherweise wird es sich als sinnvoll ergeben, die Themen bei einem Pflegetreff Ende Oktober / Anfang November 2012 nochmals vertiefend zu erörtern und auch darzustellen, was erreicht worden ist.

Werner Schell
Dozent für Pflegerecht und Vorstand von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk

Die vorstehende Pressemitteilung ist zur Veröffentlichung frei
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... 032012.pdf

PS. Zu unserer Kritik an der geplanten Förderung von Wohngemeinschaften finden Sie eine aktuelle Texteinstellung unter folgender Adresse:
viewtopic.php?t=17041
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Sabrina Merck
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Wohngemeinschaften funktionieren nur selten

Beitrag von Sabrina Merck » 08.03.2012, 08:29

Guten Morgen Herr Schell,
ich bin auch der Meinung, dass Wohngemeinschaften, so, wie sie jetzt von verschiedenen Seiten gefordert und gefördert werden sollen, auf Fehleinschätzungen beruhen. Wenngleich die Wohngemeinschaft dem Grundsatz "ambulant vor stationär" nahe kommt, ist sie in ihrer Ausgestaltung und Führung so kompliziert, dass sie nur in eher seltenen Fällen ein gutes und hilfreiches Angebot sein kann. Daher sollte man nicht dem Irrtum unterliegen, in der großartigen Förderung von Wohngemeinschaften liege die Zukunft der ambulanten Versorgung begründet. Nein, wir müssen nüchtern analysieren und die Angebote fördern und unterstützen, die dauerhaft tragen. Vor allem müssen die Angehörigen und die schwerst Pflegebedürftigen gestützt werden. Es macht wenig Sinn, Geld der Pflegeversicherung nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen.
Liebe Grüße Sabrina Merck
Dem Pflegesystem und den pflegebedürftigen Menschen muss mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden! Daher:
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk!
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Hildegard Kaiser
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Pflege - Wohngemeinschaftenn - eher nicht

Beitrag von Hildegard Kaiser » 09.03.2012, 07:58

Pflege - Wohngemeinschaftenn - eher nicht

Ungeachtet einiger positiver Beispiele - viewtopic.php?t=13770 - sind Pflege-Wohngemeinschaften oder Alten-Wohngemeinschaften kaum eine Alternative, die breite Unterstützung verdient. Solche Wohngemeinschaften können nur funktionieren, wenn sie zeitgerecht und unter besonders idealen Bedingungen (Leute, die zueinander passen, Angehörige die helfen usw.) in Gang gebracht werden. Es darf unter keinen Umständen sein, dass solche Wohnformen eine besonders exklusive Förderung erfahren und damit Beitragsgelder, die dringlich für Schwerstpflegebedürftige benötigt werden, unnütz in den Sand gesetzt werden.

Hilde
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Wohngemeinschaften für Pflegebedürftige - nein

Beitrag von Gerhard Schenker » 09.03.2012, 09:59

Ich sehe grundsätzlich die Notwendigkeit, im ambulanten Bereich nach guten Lösungen zu suchen, die eine Heimunterbringung, in fremder Umgebung, vermeiden helfen. Dabei scheinen mir unterschiedliche Angebote infrage zu kommen. Ich bin aber insoweit auch zu dem Ergebnis gekommen, dass Wohngemeinschaften ein so kompliziertes "Unternehmen" sind, dass sie für die pflegerische Versorgung, von guten Ausnahmesituationen abgesehen, nicht ernstlich in Betracht kommen können. Wer aber gleichwohl solche Versorgungsformen in den Mittelpunkt der Betrachtungen stellt, Daniel Bahr und auch die Grünen, vernachlässigt die wirklichen Bedürfnisse der pflegebedürftigen Menschen. Auch Experimente auf diesem Sektor erscheinen mir mehr als abenteuerlich, weil viel Geld und Zeit vertan wird.

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Das Pflegesystem bedarf einer umfassenden Reform - Pflegebegriff erneuern und Finanzierung zukunftsfest machen!

Herbert Kunst
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Mängel in den Pflegeheimen konstruktiv angehen

Beitrag von Herbert Kunst » 10.03.2012, 07:58

WernerSchell hat geschrieben: Pflegeheime: Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk fordert konkrete Verbesserungen in der pflegerischen Versorgung der HeimbewohnerInnen
Themen:
• ärztliche Versorgung in den Heimen (mit Vermeidung von unnötigen Krankenhauseinweisungen),
• medikamentöse Versorgung der älteren und pflegebedürftigen Menschen,
• freiheitseinschränkende Maßnahmen (einschließlich Psychopharmaka zur Ruhigstellung) und
• Fort- und Weiterbildung der Krankenpflegekräfte zum Thema Demenz (offensichtlich gibt es Defizite).
Das am 05.03.2012 an die Neusser Heime gerichtete Rundschreiben finde ich gut und bin - sicherlich mit anderen - sehr gespannt, wie die Einrichtungen reagieren werden. Möglicherweise sind die meisten Heime der Meinung, es sei doch alles in Ordnung. Aber das ist natürlich weit gefehlt. Tatsächlich gibt es zahlreiche Mängel, die immer wieder diskutiert werden und gelöst gehören. Die angesprochenen vier Themen, man könnte die Liste weiterführen, müssen erörtert werden, sie gehören auf die Tagesordnung, ggf. auch bei den kommunalen Gremien. Denn wenn es nicht gelingt, in der jetzt angestoßenen Art und Weise einiges zum Besseren zu wenden, muss politischer Druck folgen.
Ich konnte leider nicht feststellen, dass die örtlichen Medien das Thema aufgegriffen hätten. Anscheinend ist ihnen das Rundschreiben zu sachlich und konstruktiv. Bekanntlich sind aber Medien nur an der Skandalberichterstattung interessiert, und dazu leistet Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk dankenswerterweise keinen Beitrag. Probleme benennen ja - aber mit konstruktiven Ansätzen. Dass finde ich richtig und unterstütze dies sehr.
Zum Thema Medien siehe auch unter
viewtopic.php?t=11227&highlight=medien

Herbert Kunst
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Pflege-Wohngemeinschaft - ´das falsche Pferd`?

Beitrag von Taube » 18.03.2012, 08:09

Aus Forum
Pflege-Wohngemeinschaft - ´das falsche Pferd`?
viewtopic.php?p=65132#65132

Ich habe im vergangenen Jahr den Niedergang einer Pflege-Wohngemeinschaft erleben können und bin aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse mehr als pessimistisch. Eine Gruppe pflegebedürftiger Menschen war mit ihren Angehörigen mit viel Engagement gestartet. Aber schnell kam es zu Diskussionen und Zerwürfnissen. Letztlich passten die pflegebedürftigen Menschen mit ihren unterschiedlichen Lebensläufen nicht zusammen. Im Übrigen schritten die Pflegebedürfnisse voran und die Anforderungen an die Gemeinschaft wurden schwieriger. Letztlich waren die Probleme nicht mehr beherrschbar, so dass die Gemeinschaft mit einem "lauten Knall" auseinander flog.
Ich habe daraus gelernt und sehe Pflege-Wohngemeinschaften daher nicht als DIE Lösung in der pflegerischen Versorgung. In Einzelfällen mag es mehr oder weniger funktionieren, aber grundsätzlich sehe ich mehr Schwierigkeiten als gute Lösungen. Daher ist die Politik gut beraten, bei einer Reformdebatte nicht auf das falsche Pferd zu setzen.
Die Anmerkung "bloß nicht ins Altenheim" halte ich in dieser einfachen Form auch nicht für richtig. Obwohl die meisten Menschen lieber zu Hause bleiben, ist das Heim oft eine gute und die einzige Lösung.

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Pflegesystem reformieren - Pflegebegriff erweitern und Finanzierung nachhaltig sichern!
Ich unterstütze daher:
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Ambulant betreute Wohngruppen

Beitrag von Service » 31.03.2012, 06:34

Das Konzept ambulant betreute Wohngruppen ist weiter auf dem Vormarsch, der Gesetzgeber möchte zukünftig Wohngemeinschaften mit Hilfe der anstehenden Reform des Pflegeversicherungsgesetzes sogar besonders fördern.
Viele Pflegedienste versorgen schon Pflegebedürftige in Wohngruppen. Häufig wird jedoch keine Kostenrechnung durchgeführt, so dass nicht immer ganz klar ist, ob die Versorgung der WG kostendeckend, gewinnbringend oder sogar verlustreich ist.
Hier bringt unsere Excel-Kalkulationstabelle Licht ins Dunkel, mit Ihr führen Sie eine Gewinn- und Verlustrechnung über die Versorgung einer WG durch.
Zu allen weiteren Informationen mit Vorschaubildern der gesamten Tabelle gelangen Sie HIER:
http://uw-b.de/index.php?option=com_con ... &Itemid=79

Quelle: Mitteilung vom 30.03.2012
Ralph Wißgott
Unternehmensberatung Wißgott
Getreidering 3
29308 Winsen
Tel: 05143 / 669627
Fax: 05143 / 6690834
Mob: 0171 / 1438383
mailto: rw@uw-b.de
http://www.uw-b.de

Zu guter letzt:
Wußten Sie schon, dass Johannes Brahms zu Beginn seiner Karriere aus Geldnot als Klavierspieler in einem Bordell tätig war?

Ina Böhmer
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Wohngemeinschaften für Pflegebedürftige - nein

Beitrag von Ina Böhmer » 11.04.2012, 08:25

Gerhard Schenker hat geschrieben:Ich sehe grundsätzlich die Notwendigkeit, im ambulanten Bereich nach guten Lösungen zu suchen, die eine Heimunterbringung, in fremder Umgebung, vermeiden helfen. Dabei scheinen mir unterschiedliche Angebote infrage zu kommen. Ich bin aber insoweit auch zu dem Ergebnis gekommen, dass Wohngemeinschaften ein so kompliziertes "Unternehmen" sind, dass sie für die pflegerische Versorgung, von guten Ausnahmesituationen abgesehen, nicht ernstlich in Betracht kommen können. Wer aber gleichwohl solche Versorgungsformen in den Mittelpunkt der Betrachtungen stellt, Daniel Bahr und auch die Grünen, vernachlässigt die wirklichen Bedürfnisse der pflegebedürftigen Menschen. Auch Experimente auf diesem Sektor erscheinen mir mehr als abenteuerlich, weil viel Geld und Zeit vertan wird.
Hallo G.Sch.,
den kritischen Anmerkungen zu Pflege-Wohngemeinschaften schließe ich mich gerne an. Es ist wohl ein Wunschdenken, auch der älter gewordenen "68er", bestimmte Formen des Miteinanders in anderer Ausgestaltung zum Leben zu erwecken. Dabei wird aber leicht vergessen, dass es um eine völlig andere Zusammensetzung der Gemeinschaften geht. Damals waren es junge Leute, heute hier und morgen dort. Nun soll es um ältere pflegebedürftige Menschen gehen, die alle ihre Lebensgeschichte und Gewohnheiten, Eigenheiten usw., mitbringen und eine Dauerlösung, für den Lebensrest erwarten. Wie sollen da Wohngemeinschaften, vielleicht noch in ständig wechselnder Zusammensetzung, funktionieren? Vielleicht in Einzelfällen, unter günstigen Voraussetzungen? Aber eine Regelversorgung, statt Heime, kann das nicht sein. Dies anzunehmen, wäre falsch. Auf jeden Fall sind finanzielle Förderungen solcher Projekte vergeudetes Geld!
MfG Ina
Der Pflegeberuf verdient mehr Anerkennung!

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Wohngemeinschaft für Demenzkranke

Beitrag von WernerSchell » 20.06.2012, 17:39

Das Buch von

Hanna Kappus:
Das Leben ist ein großes
Alzheimer. Ein langer Abschied

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Näheres hier: http://www.wernerschell.de/Buchtipps/al ... schied.php

befasst sich mit der Alzheimerkrankheit des Ehepartners und zeigt die verschiedenen Versorgungsbemühungen auf. Ein interessantes und lesenswertes Buch.
Zuletzt war der kranke Ehepartner in einer Wohngemeinschaft mit anderen Demenzkranken untergebracht. Die Situation dort wird eindrucksvoll und mit all ihren Schwierigkeiten dargestellt.
Ohne die Unterbringung des Ehepartners konkret kritisieren zu wollen: Es wird auch deutlich, dass die Versorgungsform "Wohngemeinschaft" äußerst kompliziert ist und ein hohes Konfliktpotential beinhaltet.
Dies bestärkt mich in meiner Einschätzung, dass Wohngemeinschaften nicht DIE Lösung darstellen können, sondern nur unter ganz bestimmten Konstallationen gelingen können.

Werner Schell
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Herbert Kunst
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Heime sind keine Denkfehler

Beitrag von Herbert Kunst » 30.06.2012, 07:36

Hallo Forum!
Siehe meine Stellungnahme zum Thema "Heime sind keine Denkfehler" >> viewtopic.php?t=17515
Gruß Herbert Kunst
Für menschenwürdige Pflege sind wir alle verantwortlich! - Dazu finde ich immer wieder gute Informationen unter http://www.wernerschell.de

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Wohngemeinschaft und das Selbstbestimmungsrecht

Beitrag von WernerSchell » 02.07.2012, 06:25

Wohngemeinschaft und das Selbstbestimmungsrecht - Eine wichtige Entscheidung zum Heimrecht!

Urteil des Verwaltungsgerichts Oldenburg vom 21.05.2012 - 12 A 1136/11 -

Leitsatz
1. Eine Wohngemeinschaft, in der ausschließlich schwer- und schwerstpflegebedürftige Bewohnerinnen und Bewohner leben, die ihr Selbstbestimmungsrecht nicht mehr selbst ausüben können, ist grundsätzlich nicht selbstbestimmt (vgl. § 1 Abs. 3 S. 2 Nr. 4 NHeimG). Das Selbstbestimmungsrecht kann von Angehörigen oder Betreuern in diesen Fällen nur dann wirksam ausgeübt werden, wenn diese mit in der Wohngemeinschaft leben.
2. Eine rechtliche und tatsächliche Verbindung zwischen der Person, die als Mieterin und Untervermieterin den Bewohnern der Wohngemeinschaft Wohnraum überlässt und der Person, die die Betreuungs- und Versorgungsleistungen erbringt (§ 1 Abs. 3 S. 2 Nr. 2 NHeimG), liegt vor, wenn erstere beim ambulanten Pflegedienst der zweiten angestellt ist und die Inhaberin des ambulanten Pflegedienstes gegenüber dem Eigentümer des Wohnraums eine selbstschuldnerische Bürgschaft für die Miete, die Maklerkosten und die Kaution übernommen hat.
3. Es spricht viel dafür, dass die Gemeinschaft der Bewohnerinnen und Bewohner einer Wohngemeinschaft den ambulanten Pflegedienst sowie Art und Umfang der Leistungen nicht frei wählen können (§ 1 Abs. 3 S. 2 Nr. 3 NHeimG), wenn in den Räumlichkeiten nicht ausreichend Platz für das Personal unterschiedlicher Pflegedienste vorhanden ist.


Siehe auch unter
viewtopic.php?t=17518
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WernerSchell
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Wohngemeinschaften & Qualitätssicherung

Beitrag von WernerSchell » 04.07.2012, 19:31

Wohngemeinschaften & Qualitätssicherung

Qualitätssicherung in ambulant betreuten Wohngemeinschaften nicht nur für Menschen mit Demenz
http://www.wg-qualitaet.de/startseite/
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Wohngruppen = verkappte Mini-Pflegeheime

Beitrag von WernerSchell » 04.11.2012, 08:20

Im Forum gibt es die nachfolgende Texteinstellung >>> viewtopic.php?p=69563#69563 . Im letzten Absatz dieser Mitteilung wird allerdings - zurecht - die Entstehung von bestimmten Wohngruppen kritisch beleuchtet. In der Tat stellen sich Fragen der Qualitätssicherung!

Sozialwissenschaftler: "Dritte Lebensphase pflegt die vierte"

(Quelle: epd). Immer mehr Männer pflegen Umfragen zufolge ältere Angehörige. Während 1998 noch 20 Prozent der pflegenden Angehörigen Männer waren, waren es 2010 bereits 29 Prozent, sagte der Sozialwissenschaftler Ulrich Schneekloth von dem Münchener Institut TNS Infratest Sozialforschung am 4. Oktober in Frankfurt am Main. In ähnlicher Weise sei der Anteil der Erwerbstätigen unter den pflegenden Angehörigen gestiegen, sagte Schneekloth auf einer vom Verband der Ersatzkassen und der Fachhochschule Frankfurt ausgerichteten Fachtagung.
So seien vor zwei Jahren 29 Prozent der Pflegenden erwerbstätig gewesen, 1998 seien es lediglich 22 Prozent gewesen. Von den eingeschränkt Erwerbstätigen stieg der Anteil von zehn auf 19 Prozent. Angesichts des steigenden Alters der Pflegebedürftigen als auch der pflegenden Angehörigen gelte allerdings zunehmend: "Die dritte Lebensphase pflegt die vierte". Das Durchschnittsalter von pflegenden Angehörigen liege bei 58,6 Jahren, sagte Schneekloth. Relativ stabil ist nach den Angaben des Sozialwissenschaftlers der Lebensort der Pflegebedürftigen geblieben.
Wurden 1999 noch 72 Prozent zu Hause betreut, so war es 2009 mit 69 Prozent nur ein wenig geringerer Anteil. Die absolute Zahl der zu Hause betreuten Pflegebedürftigen stieg in diesen zehn Jahren von 1,44 Millionen auf 1,62 Millionen an. Schneekloth wies auf das große Engagement von Familienmitgliedern hin. Während sie im Durchschnitt fünf Stunden täglich Hilfe leisteten, decke die Unterstützung der Pflegeversicherung im Durchschnitt den Gegenwert von einer Stunde ab.
Nach Ansicht von Schneekloth sollte ein Pflegebedürftiger eine häusliche Pflege durch Familienangehörige kündigen können. Professionelle Lotsen und alternative Wohnformen müssten zur Verfügung stehen. Eine Form davon seien die ambulant betreuten Wohngruppen, wo alte Menschen in einer Wohngemeinschaft zusammenlebten, sagte Oliver Blatt, Leiter der Abteilung Gesundheit des Verbands der Ersatzkassen.
Problematisch ist allerdings die Entstehung von Intensivpflege-Wohngruppen. Dort würden Pflegebedürftige wie in einem "verkappten Mini-Pflegeheim" zusammengelegt. Dies sei nicht der Sinn einer Wohngruppe, die selbstbestimmtes Leben fördern solle, sagte Blatt. Die Qualität der Versorgung in diesen Wohngruppen sei schwer zu überprüfen. Die Motivation für die Angehörigen liege in der Bezahlung, weil Krankenkassen einen medizinischen Aufwand voll finanzierten, die Pflegekassen dagegen nur für einen Teil des Betreuungsaufwands aufkämen.

Quelle: Mitteilung vom 03.11.2012
Verband Kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Rheinland-Westfalen-Lippe
Weißenburger Straße 12
44135 Dortmund
Tel.: 0231/ 579743
Fax: 0231/ 579754
E-Mail: info@vkm-rwl.de
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Presse
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Pflege-WGs - vdek warnt vor Wildwuchs

Beitrag von Presse » 07.11.2012, 07:40

Pflege-WGs
vdek warnt vor Wildwuchs


HAMBURG (di). Eine Neufassung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs, einen demografie-festen Beitragssatz und Maßnahmen gegen Wildwuchs in Pflege-Wohngemeinschaften fordert der Verband der Ersatzkassen (vdek) Hamburg.
Anlass dafür ist die steigende Zahl unterschiedlicher ambulanter Wohnformen für Pflegebedürftige. Diese werden seit Kurzem durch das Pflegeneuausrichtungsgesetz finanziell gefördert.
... mehr ... http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=826 ... ege&n=2328

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