Nachtwache statt Anbindung an`s Bett

Rechtsbeziehung Patient – Therapeut / Krankenhaus / Pflegeeinrichtung, Patientenselbstbestimmung, Heilkunde (z.B. Sterbehilfe usw.), Patienten-Datenschutz (Schweigepflicht), Krankendokumentation, Haftung (z.B. bei Pflichtwidrigkeiten), Betreuungs- und Unterbringungsrecht

Moderator: WernerSchell

Sabrina Merck
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Fixierungen manchmal unvermeidlich

Beitrag von Sabrina Merck » 23.02.2012, 09:55

Herbert Kunst hat geschrieben: Ich kenne eigentlich niemanden, der sich nicht gegen Fixierungen ausspricht. Grundsätzlich. Aber in so manchen Gefahrenlagen geht es offensichtlich nicht ohne.
Wenn das SG Freiburg mit seiner Entscheidung vom 15.12.2011 eine Diskussion zum Thema angestoßen hat, ist dies zu begrüßen. Allerdings ist es naiv anzunehmen, wir könnten in der BDR schlagartig alle Fixierungen beenden und durch einen Art "Personenschutz" für alle pflebedürftigen Menschen ersetzen. Es giilt insoweit so maches zu bedenken. Es geht einmal um das insoweit erforderliche Personal - und dann auch um die Kostenfolgen. ....
Natürlich müssen alle Anstrenungen unternommen werden, Fixierungen auszuschließen. Denn immerhin geht es hier um die Einschränkung des Grundrechtes auf Freiheit. Allerdings wissen alle, die sich in der Pflege ein wenig auskennen, und nicht nur vom "grünen Tisch" oder vom Professorenpult reden, dass in zahlreichen Situationen freiheitseinschränkende Maßnahmen unvermeidlich sind. Oder aber man stellt für jeden Fall einer gebotenen Freiheitsentziehung über 24 Stunden eine Extrakraft zur Verfügung. Darüber und wie das refinanziert wird, müsste auch gesprochen werden. Wohlklingende Forderungen stellen genügt allein nicht.

Sabrina
Dem Pflegesystem und den pflegebedürftigen Menschen muss mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden! Daher:
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk!
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de

Cornelia Süstersell
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Fixierungen manchmal unvermeidlich

Beitrag von Cornelia Süstersell » 01.03.2012, 11:03

Sabrina Merck hat geschrieben: Natürlich müssen alle Anstrenungen unternommen werden, Fixierungen auszuschließen. Denn immerhin geht es hier um die Einschränkung des Grundrechtes auf Freiheit. Allerdings wissen alle, die sich in der Pflege ein wenig auskennen, und nicht nur vom "grünen Tisch" oder vom Professorenpult reden, dass in zahlreichen Situationen freiheitseinschränkende Maßnahmen unvermeidlich sind. Oder aber man stellt für jeden Fall einer gebotenen Freiheitsentziehung über 24 Stunden eine Extrakraft zur Verfügung. Darüber und wie das refinanziert wird, müsste auch gesprochen werden. Wohlklingende Forderungen stellen genügt allein nicht. ....
... Genau so ist das ! ....
C.S.
Ich trete für eine menschenwürdige Pflege ein und halte für es zwingend, mehr Pflegepersonal einzustellen.

WernerSchell
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Konkrete Verbesserungen in der Pflege gefordert

Beitrag von WernerSchell » 05.03.2012, 07:14

Bild Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
Unabhängige und gemeinnützige Initiative - Harffer Straße 59 - 41469 Neuss
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk führt regelmäßig Pflegetreffs mit bundesweiter Ausrichtung durch.
Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk ist Kooperationspartner der „Aktion Saubere Hände.“
Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk ist Initiator bzw. Mitbegründer des Quartierkonzeptes Neuss-Erfttal.


Pflegeheime: Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk fordert konkrete Verbesserungen in der pflegerischen Versorgung der HeimbewohnerInnen

Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk hat mit Datum vom 05.03.2012 ein Schreiben an die stationären Pflegeeinrichtungen (Pflegeheime) im Rhein-Kreis Neuss gefertigt und darin Verbesserungsmöglichkeiten in der pflegerischen und sonstigen Versorgung angesprochen. Eine pdf-Datei mit dem Brieftext steht auf Anfrage zur Verfügung. Es geht vornehmlich um folgende Themen:

• ärztliche Versorgung in den Heimen (mit Vermeidung von unnötigen Krankenhauseinweisungen),
• medikamentöse Versorgung der älteren und pflegebedürftigen Menschen,
• freiheitseinschränkende Maßnahmen (einschließlich Psychopharmaka zur Ruhigstellung) und
• Fort- und Weiterbildung der Krankenpflegekräfte zum Thema Demenz (offensichtlich gibt es Defizite).

Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk würde es sehr begrüßen, wenn wir bei der Umsetzung der hiesigen Anregungen eine breite Unterstützung erfahren könnten. Es ist dabei auch daran gedacht, die Themen beim nächsten Pflegetreff am 15.05.2012 anzusprechen – siehe dazu die aktuellen Hinweise unter
viewtopic.php?t=16058
Bei diesem Treff wird zusätzlich das Thema „Entbürokratisierung in der Pflege“ anstehen. Wir wollen uns dann – hoffentlich mit zahlreichen engagierten Gästen – auch für eine Pflegereform einsetzen (demonstrieren), die diesen Namen verdient.

Es ist im Übrigen vorgesehen, die den Neusser Pflegeeinrichtungen unterbreiteten Vorschläge demnächst auch bundesweit bekannt zu machen. Möglicherweise wird es sich als sinnvoll ergeben, die Themen bei einem Pflegetreff Ende Oktober / Anfang November 2012 nochmals vertiefend zu erörtern und auch darzustellen, was erreicht worden ist.

Werner Schell
Dozent für Pflegerecht und Vorstand von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk

Die vorstehende Pressemitteilung ist zur Veröffentlichung frei
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... 032012.pdf

PS. Zu unserer Kritik an der geplanten Förderung von Wohngemeinschaften finden Sie eine aktuelle Texteinstellung unter folgender Adresse:
viewtopic.php?t=17041

+++
Diskussionen zum Thema möglich u.a. unter:
viewtopic.php?t=16756&highlight=fixierung
viewtopic.php?t=5281&highlight=fixierung
viewtopic.php?t=16457&highlight=fixierung
viewtopic.php?t=17041
viewtopic.php?t=3387&highlight=%E4rztliche
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Petmuell
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Genau so ist das

Beitrag von Petmuell » 13.03.2012, 13:28

Warum holen wir nicht die FDP ins Boot - Herr Dr. Rombach der extra das Big Brother in den Kliniken verbieten ließ- wegen der Menschenwürde. Wir, die Pflegenden sehen tägl. die Realität wie aus Kostendruck breitere Sessel mit Kopfstütze und persönliche Referenten entstehen. Die Leistungsträger(erbringer) an den Rand der Belastungsgrenze gebracht und mit Dank und Barmherzigkeit bezahlt werden.
Wenn wir Pflegende ob mit Abitur oder ohne, uns nicht so organisieren, dass eine Stimme entsteht, die gehört werden muß und Ärzte wie Dr. Rombach ihr Unwesen treiben dürfen ohne politisch zur Rechenschaft gezogen zu werden, werden wir weiter derartige Foren lebhaft füllen und uns ergießen, werden wir als" Medizienische Hilfskräfte " erlebt und auch so bezahlt. Wie schon gesagt: Genau so ist das, schon lange!

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Betroffene und professionell Pflegende beteiligen

Beitrag von PflegeCologne » 13.03.2012, 14:17

Ich denke, dass mit den FDP-Politikern, die im Moment im Bund und im Land an Entscheidungsprozessen beteiligt sind, ist "kein Staat zu machen ist". Der tollste Beleg ist doch die im Bund andiskutierte Pflegereform. Diese hilft den pflegebedürftigen Menschen nicht wirklich. Die professionell Pflegenden kommen darin so gut wie nicht vor.
Wir brauchen offensichtlich Politiker an der Pflegefront, die sich auskennen und vor allem ihr Agieren mit den Betroffenen und den Pflegenden abstimmen.

Pflege Cologne
Alzheimer - eine Krankheit, die mehr Aufmerksamkeit erfordert! - Pflegesystem muss dem angepasst werden, auch, wenn es teurer wird! - Ich bin dabei:
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Nachtwache statt Fixierung für eine Bewohnerin

Beitrag von WernerSchell » 24.03.2012, 08:57

Nachtwache statt Fixierung für eine Bewohnerin

Das LSG Stuttgart hat mit Beschluss vom 19.3.2012 die Entscheidung des SG Freiburg vom 15.12.2011, nach der ein Sozialhilfeträger verpflichtet wurde, eine persönliche Nachtwache für eine Bewohnerin eines Pflegeheimes zu finanzieren, bestätigt. Das dürfte weitreichende Folgen für die Genehmigungsfähigkeit jedenfalls drastischer Fixierungsmaßnahmen haben (hier: nächtliches Festbinden am Bett für 12 Stunden ein voll mobilen achtzigjährigen Frau): Wenn die Fixierung und damit ein schwerer Eingriff in Grundrechte durch eine persönliche Sitzwache oder eine ähnliche Maßnahme vermieden werden kann, dann dürfte die Genehmigung nicht mehr zulässig sein. (vgl. auch BVerfG 23.3.2011, 2 BvR 882/09).

Quelle: Mitteilung vom 23.03.2012
Roland Rosenow
Sozialrecht in Freiburg
RAe Christian Fritz und Kollegen
Kartäuserstr. 59
79104 Freiburg
Telefon: 0761/216876-0
http://www.sozialrecht-in-freiburg.de
rosenow@srif.de
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Marlene Böttinger
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Nachtwache statt Fixierung für eine Bewohnerin

Beitrag von Marlene Böttinger » 22.04.2012, 14:54

WernerSchell hat geschrieben:Nachtwache statt Fixierung für eine Bewohnerin
Das LSG Stuttgart hat mit Beschluss vom 19.3.2012 die Entscheidung des SG Freiburg vom 15.12.2011, nach der ein Sozialhilfeträger verpflichtet wurde, eine persönliche Nachtwache für eine Bewohnerin eines Pflegeheimes zu finanzieren, bestätigt. Das dürfte weitreichende Folgen für die Genehmigungsfähigkeit jedenfalls drastischer Fixierungsmaßnahmen haben (hier: nächtliches Festbinden am Bett für 12 Stunden ein voll mobilen achtzigjährigen Frau): Wenn die Fixierung und damit ein schwerer Eingriff in Grundrechte durch eine persönliche Sitzwache oder eine ähnliche Maßnahme vermieden werden kann, dann dürfte die Genehmigung nicht mehr zulässig sein. (vgl. auch BVerfG 23.3.2011, 2 BvR 882/09). ...
Die hier vorgestellte Entscheidung - Beschlussverfahren - ist höchst interessant und kann weitreichende Folgen haben. Auf jeden Fall kann sie dazu animieren, freiheitseinschränkende Maßnahmen auf das zwingende Maß zurückzuführen.
Dennoch muss man abwarten, wie in der Hauptsache letztlich entschieden wird. Es wird dann auch auf die Entscheidungsgründe ankommen. Denn letztlich geht es hier um einen Einzelfall.
Ich bin sehr gespannt. Ich gehe davon aus, dass hier weiter informiert wird.

Marlen Böttinger
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Fixierung weiterhin in hoher Zahl

Beitrag von Presse » 24.04.2012, 13:14

140 000 Heimbewohner werden im Bett oder Rollstuhl festgehalten

Berlin (dpa) - Hunderttausende Bewohner von Pflegeheimen in Deutschland werden nicht ausreichend gepflegt. Rund 140 000 Menschen werden mit Gittern oder Gurten im Bett oder Rollstuhl festgehalten.
Bei 14 000 von ihnen fehlt die dafür vorgeschriebene richterliche Anordnung. Das teilten die Krankenkassen am Dienstag bei der Vorlage ihres neuen Qualitätsberichts zur Pflege in Deutschland mit.
Kassenverbands-Vorstand Gernot Kiefer forderte, die Häufigkeit solcher Freiheitseinschränkungen sehr deutlich zu reduzieren - und in jedem Fall den Rechtsweg einzuhalten.
Trotz Verbesserungen im Vergleich zum Vorgängerbericht 2007 forderte der Medizinische Dienst der Kassen deutliche Verbesserungen in den Heimen. «Die Qualität der Pflege in Deutschland ist überwiegend gut», sagte Geschäftsführer Peter Pick. «Jedoch wird in zentralen Versorgungsbereichen - Beispiel Ernährung, Dekubitus (Wundliegen) - eine relevante Gruppe von 20 bis 40 Prozent der Pflegebedürftigen nicht entsprechend den anerkannten Standards einer guten Pflege gepflegt.» So hätten 47 Prozent der 700 000 Heimbewohner ein erhöhtes Risiko, sich wund zu liegen. In 41 Prozent dieser Fälle seien Versäumnisse beim Schutz davor festgestellt worden.
Viele Menschen bekämen Pillen zum Ruhigstellen: «Es ist in der Tat so, dass zu viele ruhigstellende Mittel in Pflegeeinrichtungen verordnen werden», sagte Pick. Insgesamt sind 61 Prozent der Heimbewohner wegen Demenz oder ähnlicher Leiden eingeschränkt handlungsfähig.

Quelle: GKV-Spitzenverband, 24.04.2012
https://www.gkv-spitzenverband.de/News_ ... ewsID=3322

johannes
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Beitrag von johannes » 13.05.2012, 23:36

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Rund 140 000 Menschen werden mit Gittern oder Gurten im Bett oder Rollstuhl festgehalten. 
Ist ja interessant! Das sind 20 % aller Pflegebedürftigen in der stationären Versorgung. Da von den ca. 2,6 Mio. Pflegebedürftigen nach den hier gemachten Angaben des GKV nur 700.000 stationär versorgt werden, beläuft sich also die Zahl der festgehaltenen Personen im privaten Bereich somit insgesamt auf stattliche 380.000 Menschen.

Beim Thema Wundliegen sieht es somit noch dramatischer aus. Von den 1,9 Mio. Pflegebedürftigen im häuslichen Bereich haben damit 893.000 Menschen ein erhöhtes Risiko und bei 366.130 Personen liegen demnach Versäumnisse beim Schutz davor vor.
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Rauel Kombüchen
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Pflegemissstände analysieren & Systeme reformieren

Beitrag von Rauel Kombüchen » 14.05.2012, 07:19

Die "unerwünschten" Ergebnisse bei der Versorgung bzw. Pflege von pflegebedürftigen Menschen sind weiterhin erschreckend hoch. Die entsprechenden Berichte informieren unmissverständlich deutlich. Siehe u.a. unter >>>
3. MDS-Qualitätsbericht 2012 - weiterhin Pflegemängel
viewtopic.php?t=17267
3. Pflege-Qualitätsbericht des MDS 2012 - weiterhin Mängel
viewtopic.php?t=17239
Freiheitsentziehende Maßnahmen im ambulanten Bereich
viewtopic.php?t=17163

Die Versorgungs- und Pflegedefizite werden uns aber trotz aller Berichte und anschließender Diskussionen erhalten bleiben, wenn nicht endlich dafür Sorge getragen wird, dass vernünftige und in die Zukunft weisende Reformen unsere Gesundheits- und Pflegesysteme auf eine solide Basis stellen und vor allem personell verbesser. All die jetzt und früher aufgezeigten Mängel haben bei näherem Hinsehen meist mit einer Personalnot zu tun. Natürlich kommen auch in unterschiedlicher Weise andere Aspekte hinzu, ungutes Führungsverhalten usw. M.E. müssen die wirklichen Probleme auf den Tisch und dann Systemnachbesserungen erfolgen. Ich weiß, das wird teuer. Aber dazu müsen wir stehen oder weiterhin mit den Missständen leben.

Rauel Kombüchen
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Fixierung als Normalfall kann nicht unsere Lebenswirklichkei

Beitrag von WernerSchell » 25.05.2012, 14:55

Siehe auch Forum:
viewtopic.php?p=66443#66443

Pressemitteilung vom 24.05.2012:

"Fixierung als Normalfall kann nicht unsere Lebenswirklichkeit sein." NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens hat sich erneut gegen die hohe Zahl von Fixierungen in Pflegeheimen, Krankenhäusern und psychiatrischen Einrichtungen ausgesprochen. Zur Eröffnung des JuraHealth Congress 2012 sagte die Ministerin am Morgen in Köln, an erster Stelle müsse immer das Selbstbestimmungsrecht des Menschen stehen, auch im Alter oder im Krankheitsfall. Zum Kongress senden wir Ihnen unten stehend eine aktuelle Medieninformation. Für Rückfragen und weitere Informationen stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Martin v. Berswordt-Wallrabe


"Menschenrechte dürfen nicht an Personalengpässen scheitern."

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens spricht sich beim JuraHealth Congress gegen Fixierungen und Videoüberwachung in der Pflege aus

"Fixierung als Normalfall kann nicht unsere Lebenswirklichkeit sein." NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens hat sich erneut gegen die hohe Zahl von Fixierungen in Pflegeheimen, Krankenhäusern und psychiatrischen Einrichtungen ausgesprochen. Zur Eröffnung des JuraHealth Congress 2012 sagte die Ministerin am Morgen in Köln, an erster Stelle müsse immer das Selbstbestimmungsrecht des Menschen stehen, auch im Alter oder im Krankheitsfall. Steffens erläuterte auch die Abschaffung der Videoüberwachungen in psychiatrischen Einrichtungen in NRW. Viele Einrichtungen gingen nun neue Wege, die natürlich auch entsprechendes Personal benötigten. Steffens betonte jedoch: "Menschenrechte dürfen nicht an Personalengpässen scheitern."
Ursachen von Gewalt im Gesundheitswesen und Strategien zu deren Vermeidung standen im Mittelpunkt des zum bereits fünften Mal stattfindenden pflege- und medizinrechtlichen Fachkongresses. Rund 250 Juristen, Mediziner und Pflegeexperten besprachen die juristischen und organisatorischen Rahmenbedingungen, die Kliniken, Pflegeeinrichtungen, Wohnanlagen oder Therapiezentren schaffen müssen, um Übergriffe zwischen Pflegenden und Patienten zu verhindern oder zu entschärfen. Dabei ging es auch um Alternativen zu Fixierungen und freiheitsentziehenden Maßnahmen.

Dr. Helmut Frohnhofen, der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Geriatrie der Kliniken Essen-Mitte, verwies eindrucksvoll auf die Gefahren beispielsweise durch einen Muskelverlust, die mit der langen Bewegungsunfähigkeit fixierter Personen einhergehen kann. "Bettruhe ist so gefährlich, dass wir die Patienten eigentlich medizinisch aufklären müssten", sagte der Mediziner. Zusammenhängend mit Gewaltsituationen war zudem der Umgang mit freiheitsentziehenden Maßnahmen und deren juristische Bewertung Thema auf dem Fachkongress in den Kölner Sartory-Sälen. Dabei lieferte die in NRW vorbereitete Abschaffung der Videoüberwachung bei Fixierungen in psychiatrischen Einrichtungen einen aktuellen und brisanten Anlass und sorgte für intensive Diskussionen um die damit einhergehenden personellen und organisatorischen Herausforderungen.
In Leipzig, Berlin und Dresden hatte der JuraHealth Congress in den vergangenen Jahren Themen an der Schnittstelle von Recht und Gesundheit aufgegriffen, wie beispielsweise die Delegation ärztlicher Aufgaben auf die Pflege oder die Neuorganisation von Personalsystemen im Gesundheitswesen. Der JuraHealth Congress 2013 soll sich mit den juristischen Dimensionen der Hygiene in Krankenhäusern, Arztpraxen und
Pflegeeinrichtungen beschäftigen.

http://www.jurahealth.de
Pressekontakt Martin v. Berswordt-Wallrabe
030 / 20 25 – 35 73
presse@pwg-seminare.de
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Personalschlüssel reichen hinten und vorne nicht

Beitrag von johannes » 20.06.2012, 20:20

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens hat sich erneut gegen die hohe Zahl von Fixierungen in Pflegeheimen, Krankenhäusern und psychiatrischen Einrichtungen ausgesprochen.
Verzeiht, wenn mir der Kamm schwillt und ich sage, daß die Ministerin eine Dummschwätzerin ist.

Der Personalschlüssel in NRW ist so niedrig, daß eine menschenwürdige Pflege, wie sie SGB XI vorschreibt, überhaupt nicht realisiert werden kann. Mit dem im Personalschlüssel vorgegebenen Personal ist eine Pflege nach SGB XI, § 28 Abs. 4 nicht realisierbar!

Wenn die Gesundheitsministerin nicht dummschwätzt, setzt sie den Personalschlüssel herauf, sorgt dafür, daß ausreichendes Pflegepersonal zur Verfügung gestellt wird. Dann kann man sie auch ernst nehmen.
Ein Mensch funktioniert nicht - er lebt!

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Personalschlüssel reichen hinten und vorne nicht

Beitrag von WernerSchell » 21.06.2012, 06:57

johannes hat geschrieben:NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens hat sich erneut gegen die hohe Zahl von Fixierungen in Pflegeheimen, Krankenhäusern und psychiatrischen Einrichtungen ausgesprochen.
Verzeiht, wenn mir der Kamm schwillt und ich sage, daß die Ministerin eine Dummschwätzerin ist.
Der Personalschlüssel in NRW ist so niedrig, daß eine menschenwürdige Pflege, wie sie SGB XI vorschreibt, überhaupt nicht realisiert werden kann. Mit dem im Personalschlüssel vorgegebenen Personal ist eine Pflege nach SGB XI, § 28 Abs. 4 nicht realisierbar!
Wenn die Gesundheitsministerin nicht dummschwätzt, setzt sie den Personalschlüssel herauf, sorgt dafür, daß ausreichendes Pflegepersonal zur Verfügung gestellt wird. Dann kann man sie auch ernst nehmen.
Guten Morgen,
dass Fixierungen als freiheitsbeschränkende Maßnahmen nur in Ausnahmefällen vertretbar erscheinen, ist richtig. Es erscheint daher geboten, Überlegungen anzustellen, wie man die entsprechenden Maßnahmen verhindern kann. Die Freiheitsgarantie des Grundgesetzes macht eigentlich solche Erwägungen zur Pflicht. Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk tritt daher auch für eine Minimierung von Fixierungsmaßnahmen ein und sieht vorrangig die Heimträgerseite in der Pflicht, geeignete Konzepte zu entwickeln, Fixierungsmaßnahmen durch andere Hilfe- und Unterstützungsmaßnahmen zu ersetzen.
Allerdings stimmt auch hier die Anmerkung, dass die personelle Ausstattung der Heime unzureichend ist und dringend einer Verbesserung bedarf. Die Stellenschlüssel sind überall, so auch in Nordrhein-Westfalen, nicht auskömmlich und lassen eine wirklich gute Pflege nicht zu. Siehe dazu auch die Ausführungen in diesem Forum unter > viewtopic.php?p=67035#67035

Mit freundlichen Grüßen
Werner Schell

Siehe auch unter:
Arbeitsbedingungen im Altenheim ... Pflegenotstand ....
viewtopic.php?t=16644
Personalsituation in der Altenpflege verbessern !
viewtopic.php?t=17386
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Mitwirkung bei der Gestaltung einer neuen Pflegekultur

Beitrag von WernerSchell » 04.12.2012, 07:42

Der Neusser Pflegetreff warb am 14.11.2012 für die Mitwirkung bei der Gestaltung einer neuen Pflegekultur
Pressemitteilung von Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk vom 16.11.2012 hier (PDF) http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... 112012.pdf
Bilderdatei vom Pflegetreff am 14.11.2012 hier (PDF) http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... 112012.pdf

+++
Das Thema "Fixierungen" wurde beim Pflegetreff am 14.11.2012 in Neuss-Erfttal umfassend problematisiert.
Siehe dazu die Hinweise im Forum unter
viewtopic.php?t=17341
Die Heimaufsicht des Rhein-Kreises Neuss wird eine Ist-Analyse durchführen, so dass über eine eventuelle Zurückführung von vermeidbaren Fixierungen befunden werden kann. Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk wird sich insoweit weiter kümmern!

+++ Stand: 04.12.2012 +++
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Personal-Mindestanforderungen für die Pflege

Beitrag von WernerSchell » 02.05.2013, 07:03

WernerSchell hat geschrieben: "Menschenrechte dürfen nicht an Personalengpässen scheitern."
NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens spricht sich beim JuraHealth Congress gegen Fixierungen und Videoüberwachung in der Pflege aus ...
Statement bei Facebook am 01.05.2013: -> https://www.facebook.com/werner.schell.7?ref=tn_tnmn

Zum Thema Personal-Mindestanforderungen für die Pflege gibt es Infos unter viewtopic.php?t=18391&highlight=mindestanforderungen
Soweit sich die Bundesregierung gegen eine Mindestanforderung ausspricht, liegt sie, wie bei auch beim Pflege-Neuausrichtungsgesetz völlig daneben. Sie missachtet die Reformerfordernisse in der Pflege gröblichst. In den Krankenhäusern gibt es Pflegestellen nur nach Kassenlage, in den Heimen gelten unzureichende Stellenschlüssel als Berechnungsbasis. In der ambulanten Pflege sind die Arbeitsbedingungen ebenfalls mehr als eng.
Siehe z.B. die Beiträge unter -> viewtopic.php?t=18855
Ohne die entscheidenden Reformschritte zur Behebung des Pflegenotstandes kommen wir von der sog. Minutenpflege nicht weg. Das werden wir auch beim Pflegetreff am 28.05.2013 herausstellen
-> viewtopic.php?t=18156
Es muss an der Forderung, ein bundeseinheitliches Pflege-Personalbemessungssystem zu schaffen, mit allem Nachdruck festgehalten werden.
-> viewtopic.php?t=18285
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