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Regina Protmann (1552 - 1613)
und die Gründung der Katharinenschwestern

Verschiedene Lebensbeschreibungen der Stifterin weisen daraufhin, dass es sich bei Regina Protmann keineswegs um eine "sauertöpfische Heilige" handelte, sondern um eine berufene junge Frau, die trotz Anfeindungen und ablehnender Haltung (gesellschaftlich und kirchlich) einen ungewöhnlichen Weg ging. Der Autor beschreibt den Lebensweg von Regina Protmann und stellt die Verbindungen zur heutigen Krankenpflege dar.

Behütetes Elternhaus
Regina Protmann wurde 1552 in Braunsberg/Ostpreußen (jetzt Braniewo, Polen) geboren. Ihre Jugend fiel in eine unruhige Zeit: erbitterte Glaubenskämpfe zwischen Katholiken und Protestanten, Kriege zwischen den weltlichen Machthabern und die grauenhaften Auswirkungen der Pest erschüttern die Welt. Trotzdem wuchs Regina als behütete Tochter in einer wohlhabenden Patrizierfamilie auf. Sie genoss eine angemessene Erziehung. Ihr erster Biograph, wahrscheinlich Engelbert Keilert, ein Jesuit, beschrieb sie als klug, redegewandt, des Lesens und Schreibens und der Korrespondenz mit geistlichen und weltlichen Behörden mächtig. Mit Sicherheit kann man auch annehmen, dass Regina im elterlichen Hause Gespräche und Diskussionen über Politik und Religionsfragen, besonders der Reformation und Gegenreformation, beiwohnte, zumal ihr Onkel einer der 14 Ratsherren der Stadt war und er öfters die Familie besuchte. Die Wünsche der Eltern, einen gutsituierten Ehemann zu heiraten und eine eigene Familie zu gründen, schienen die Zukunft Regina Protmanns zu sichern.
Völlig unerwartet äußerte Regina mit 19 Jahren den Wunsch sich ausschließlich dem geistlichen Leben zu widmen. Die weltlichen Dinge, die Regina sehr begehrenswert erschienen, wurden plötzlich für sie bedeutungslos und nichtig. Von einem besonders außergewöhnlichen, geistigen Erlebnis, als Grund für diesen Sinneswandel ist nichts bekannt, der Einfluss von Jesuiten, die 1565 nach Braunsberg kamen wird jedoch angenommen.

Gründung trotz Widerständen
Im Umkreis von Braunsberg befand sich kein Kloster, das sie zum Eintritt ermutigen konnte, auch die im Ermland verbreiteten, jedoch aussterbenden Beginen, entsprachen nicht ihrem Anspruch. Im Gegensatz zu den Beginen strebte sie die Gründung eines religiösen Ordens an.
Trotz des Unverständnisses und des Widerstandes ihrer Familie zog Regina 1571 gemeinsam mit 2 Gefährtinnen in ein halb verfallenes Haus. Die kleine Gemeinschaft lebte zunächst ohne kirchliche Anerkennung nach den Gelübden: Ehelosigkeit, Armut und Gehorsam. Ihren Lebensunterhalt konnten die Frauen durch verschiedene Arbeiten, wie Krankenpflege, Nachtwache bei Sterbenden, Küsterdienste und Handarbeiten bestreiten, da sie zu Beginn der Gründung keine finanzielle Unterstützung erhielten.
Für die damalige Zeit war diese Wohngemeinschaft von 3 jungen Frauen etwas Außergewöhnliches. Ein ähnliches Leben war nur von den Beginen bekannt. Die familiäre Einbindung der Frau oder der Eintritt in ein bestehendes Kloster schienen akzeptabel, Reginas Verhalten wurde abgelehnt. Die Reaktionen reichten von Kopfschütteln bis zur krassen Verurteilung. Man bedenke die oft frauenfeindlichen bis in die Hexenprozesse gipfelnden Angriffe gegen Frauen, die gegen herrschende Normen verstießen.
Auch kirchenrechtlich war dieser neue Weg höchst problematisch. Das Trienter Konzil hatte kurz vor Reginas Entscheidung den Frauenklöstern strenge Klausur auferlegt. Die Ordensschwestern sollten sich innerhalb der Klostermauern dem Gebet und der Kontemplation widmen. Der Schritt in die Welt, der von Männerorden zum Beispiel Franziskaner, Dominikaner, Jesuiten praktiziert wurde, war den Frauen nicht erlaubt. Das Bild der stillen Beterin galt als vorbildlich und verbindlich.

Klausurlosigkeit als Bedingung für Gemeindepflege
Trotzdem hielt Regina Protmann an ihrer Überzeugung fest: keine Flucht vor der Welt, sondern ständige Auseinandersetzung mit ihr und in ihr, fest und schrieb dies in ihrer ersten Ordensregel nieder. Der Dienst für hilfebedürftige Menschen sollte über jeder formalen Vorschrift stehen. Ihr Biograph schrieb: "Nun hat die göttliche Weisheit durch diese Jungfrau Regina in dieser Diözese etwas Neues in seiner Kirche angeordnet, nämlich eine Gesellschaft von geistlichen Jungfrauen, welche neben den 3 Gelübden der ewigen Keuschheit, der freiwilligen Armut und des vollkommenen Gehorsams sich auch noch dazu verbunden haben, dass sie in Verkehr treten mit denjenigen, die außerhalb ihres Klosters wohnen. Sie wollen an ihren Mitmenschen Werke der christlichen Barmherzigkeit üben, die Kranken pflegen, die Betrübten trösten und ihnen bei Tag und Nacht in christlicher Liebe beispringen." (Hümmeler, 1955)
Leben und Wirken der kleinen Gemeinschaft überzeugten schließlich die Braunsberger Bürger und immer mehr junge Frauen baten um Aufnahme.
Die kirchliche Anerkennung erfolgte 1583 durch die bischöfliche und 1602 durch die päpstliche Approbation. Seitdem ist die Gemeinschaft als Orden vom Vatikan anerkannt. Regina Protmann wählte die Heilige Katharina von Alexandrien als Schutzpatronin für die Kongregation, somit war der Name: Katharinenschwestern, offiziell: Kongregation der Schwestern von der Heiligen Jungfrau und Märtyrerin Katharina von Alexandrien, geboren.
Die Heilige Katharina wird in der Legende als besonders kluge, mutige und durchsetzungskräftige Frau beschrieben, die nicht nur der Folter, sondern auch dem Disput mit Gelehrten standhielt. Sie wird bis in die heutige Zeit als Helferin in der Not und als Patronin der Rechtsgelehrten und Wissenschaftler verehrt. Durch die Befreiung von der strengen Klausur konnte das Anliegen der Stifterin, die Patienten in ihren Wohnungen zu pflegen, verwirklicht werden. Regina Protmann ging somit schon vor Vinzenz von Paul den Weg der Gemeindekrankenpflege.

Sorge um Kranke und Pflegende
Sie und ihre Mitschwestern kümmerten sich besonders um die Kranken, die keine Aufnahme in die bestehenden Hospitäler fanden und von der Gesellschaft ausgegrenzt wurden: Geisteskranke, Epileptiker, Pestopfer, Arme und Alte. Sie übernahmen die Körperpflege, wechselten Verbände, erledigten den Haushalt, verteilten Almosen und Speisen. Doch nicht nur die körperlichen, sondern auch die psychischen und geistlichen Bedürfnisse wurden berücksichtigt. "Sie ist der heutigen Schulmedizin insofern weit voraus gewesen, dass sie erkannte, wie eng Seele und Leib miteinander verschwistert sind und wie oft körperliche Krankheit aus seelischer Wurzel stammt. Darum war sie stets eifrig bemüht, die dunklen Schatten der Verzagtheit, der Ungeduld, des Kleinmuts und der Skrupulosität aus den Krankenzimmern zu vertreiben." (Hümmeler, 1964). Da auch die Pflege in den Stadthospitälern zu wünschen übrig ließ, besuchte sie auch die Kranken dort. Ihr Biograph schrieb: "Wie oft hat sie den Armen im Hospital die Füße gewaschen, im Beisein ihrer Mitschwestern! Wie oft da den Kranken und Patienten beigestanden und die Wunden ihres Körpers verbunden." (Wermter, 1975) Er berichtet, dass Regina Protmann selbst Arzneien gegen Fieber, Zahnbeschwerden, Geschwülste, Augenkrankheiten und anderen Krankheiten herstellte und sie kostenlos zur Verfügung stellte.
Auch ihren Mitschwestern begegnete Regina Protmann mit Fürsorglichkeit, heißt es in der ersten Ordensregel von 1583: "Im Konvent soll ein besonderes Stüblein gehalten werden, in welchem die kranken Schwestern um der christlichen Liebe willen von den anderen nach Bedarf trefflich (sehr gut) gepflegt werden."
In späteren Regeln der Kongregation erfolgen differenzierte Hinweise zur Krankenpflege. Besonders der Pflege von Sterbenden, auch anderer Religionen, und der Versorgung von Verstorbenen wird sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt. Ebenso erfolgen Ratschläge gegen die Überforderung der pflegenden Schwestern, zum Beispiel ausreichende Ruhezeit nach den Nachtwachen und ausgewogene Ernährung.

Bildung für Mädchen
Ein weiteres Hauptwerk Regina Protmanns war die Gründung von Mädchenschulen. Auch hier zeigt sich das fortschrittliche Denken der Stifterin, da zur damaligen Zeit in Braunsberg nur Knabenschulen existierten. Regina Protmann hielt die Bildung der Mädchen, auch aus niedrigen sozialen Schichten für unerlässlich. Aus den Unterrichtsinhalten wird genannt: Schreiben, Lesen, Handarbeit, Religion und sonstigen Wissenschaften und Kunstfertigkeiten, die für Mädchen passend sind. Unter Wissenschaften und Kunstfertigkeiten ist sicher auch die Unterweisung in Krankenpflege und Heilkunde einzuordnen.

Weitere Werke bis Heute
Neben Krankenpflege und Erziehung der Mädchen bestimmte natürlich das religiöse Leben den Schwerpunkt der Kongregation. Gebet, Kontemplation, Buße durchdrangen alle Lebensbereiche. Auch die Pflege der Paramente und der Kirchen gehörten zu ihren Aufgaben. Gemäß dem Gebot des Heiligen Benedikt von Nurcia "ora et labora" gelang der Stifterin in allen Aufgabenbereichen die Verknüpfung von Gebet und Arbeit.
Die progressiven Ideen und das frühe emanzipatorische Streben einer jungen Frau blieben nicht auf Braunsberg begrenzt. Nach Reginas Tod 1613 existierten schon 4 Konvente im Ermland mit 35 Schwestern. Trotz Anfeindungen konnte die Kongregation die Jahrhunderte weiter überstehen und ihre überwiegend caritativen und pädagogischen Aufgaben erfüllen. Heute leben und arbeiten etwa 900 Katharinenschwestern nach dem Vorbild der Gründerin in Afrika, Brasilien, Polen, Litauen, Italien und Deutschland.

Regina Protmann und die staatlich anerkannte Schule für Krankenpflege
Seit dem 1. Juli 1994 trägt unsere Krankenpflegeschule in Frankfurt den Namen der Stifterin. Ihre Hauptwerke, die Pflege der alten und kranken Menschen außerhalb der Klostermauern und die schulische Bildung von Mädchen, stellt meines Erachtens für die damalige Zeit eine außergewöhnliche Leistung dar. In der heutigen säkularisierten Welt ist es schwierig, SchülerInnen für bestimmte vorbildliche Menschen aus der Geschichte der Kirche zu begeistern. Heilige und Selige werden oft als sehr weltfremd angesehen. Unsere SchülerInnen sind jung, geben neue Impulse, beschäftigen sich mit alternativen Lebensformen, versuchen manchmal zuerst unverständliche, "außergewöhnliche Wege" zu gehen. Person und Werk der Stifterin sollen den SchülerInnen die Kraft geben, im beruflichen und privaten Bereich ihr Leben zu gestalten.
In unserer Schule werden neue Impulse durch jährliche schriftliche Auswertungen der Examensschüler/Innen über die praktische und theoretische Ausbildung aufgenommen. Als Vertreter der Krankenhausleitung besucht der Verwaltungsdirektor halbjährlich die Klassen, um Entscheidungen der Leitungsebene transparent zu machen und Wünsche der SchülerInnen aufzunehmen.
Es werden Unterrichtsinhalte angeboten, die Bezug nehmen auf Regina Protmann und die Kongregation der Katharinenschwestern, wie z.B. das einwöchige Seminar mit den Themen: Christliches Menschenbild und Geschichte im Provinzmutterhaus der Katharinenschwestern in Münster.

  • Nachfolge Jesus Christus am Beispiel Regina Protmanns, Biographie und Geschichte der Kongregation bis in die Gegenwart, Bezug zu Geschichte und Entstehung der Klöster und Orden allgemein;
  • Benedikt von Nursia (Vergleich der Ordensregeln) Klausur und Klausurlosigkeit und Bedeutung für die Krankenpflege;
  • Bedeutung von Selig- und Heiligsprechung, (Bezug zu laufendem Seligsprechungsprozess für die Stifterin), - Stellung der Frau im ausgehenden Mittelalter (Heilige oder Hexen?, siehe Anfeindungen von ablehnendem Verhalten über die Gründung der Kongregation), Bedeutung der hospitalen und ambulanten Krankenpflege zur Zeit der Stifterin, Vergleich zu Vinzenz von Paul;
  • Definition Mutterhaussystem, hier am Beispiel Organisation und Bedeutung der Mutterhauses in Münster;
  • Unterschied zwischen Berufung und Beruf, hier am Beispiel einer Katharinenschwester, die über ihr Leben vor und nach Eintritt in das Kloster berichtet,
  • und das einwöchige Seminar mit dem Thema: Begleitung von Sterbenden im Provinzmutterhaus der Katharinenschwestern in Münster.

Zu anderen Unterrichtsinhalten erfolgt hier ein Vergleich unseres heutigen Standards zur Sterbebegleitung in unseren Krankenhäusern mit Auszügen des geistlichen Direktoriums von 1888, das von hoher Qualität bezogen auf die Sterbebegleitung hinweist.
Im Anschluss an das Seminar findet noch eine Unterrichtseinheit zum Thema AIDS statt. Zum Thema Begleitung von Kranken aus Randgruppen wird Bezug genommen zu der besonderen Fürsorge, die Regina Protmann ebenfalls Menschen zukommen ließ, die in der damaligen Zeit nicht zur offiziellen Gesellschaft gehörten (Menschen die keine Aufnahme in die Hospitäler fanden, Patienten, die an ansteckenden Erkrankungen litten).
Als Wunscheinsatz bieten wir unseren SchülerInnen den Einsatz im Franziskus-Haus: Im Franziskus-Haus leben und sterben Menschen, die an AIDS erkrankt sind. Als das Franziskus-Haus 1992 eröffnet wurde, boten wir als erste Krankenpflegeschule in Hessen einen praktischen Einsatz dort an. Die Kolleginnen aus anderen Krankenpflegeschulen verhielten sich sehr zurückhaltend. Auch hier motivierte mich die Biographie der Stifterin, etwas Neues zu versuchen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass vom ersten Schultag bis zur Examensfeier, an der eine Brosche mit dem Symbol der Katharinenschwestern verliehen wird, die Geschichte Regina Protmanns und das Wirken der Katharinenschwestern immer wieder Bestandteil der Ausbildung sind und der Transfer in die Gegenwart geleistet wird.

Literaturhinweise zur Geschichte der Katharinenschwestern
Bellgardt, Gertrud. Die Bedeutung der Kongregation der Hl. Katharina für die Erziehung der Mädchen. Broschüre der Hauptgeschäftsstelle des Vereins katholischer deutscher Lehrerinnen, Berlin, 1931.
Beutner, Bärbel. Dr., Außergewöhnliche ostpreußische Frauen, in: Arbeitsbrief der Landsmannschaft Ostpreußen, Hamburg. 1990.
Conrad, Anne, Dr., Zwischen Kloster und Welt. Ursulinen und Jesuitinnen in der katholischen Reformbewegung des 16., 17. Jahrhunderts. Verlag Philipp von Zabern, Mainz, 1991.Kowalsky, Inge. Zeugen für die Kirche III. Johannes Verlag Leutesdorf, Leutesdorf, 1991.
Kowalsky, Inge. in: Die neuen Heiligen. Pattloch-Verlag, Augsburg, 1991.
Hümmeler, Hans. Regina Protmann, Verlag Haus Michaelsberg, Siegburg 1955.
Hümmeler, Hans. Die Glocken von Braunsberg. Thomas-Verlag, Kempen, 1964.
Wemter, Ernst Manfred. Quellen zur Geschichte der ersten Katharinenschwestern und ihrer Gründerin Regina Protmann, in: Zeit-schrift für die Geschichte und Altertumskunde Ermlands, Selbstverlag des Historischen Vereins für Ermland, Münster. 1975.
Wienand, Adam. Das Wirken der Orden und Klöster in Deutschland. Wienand-Verlag, Köln. 1964
Ordensregeln der Kongregation 1583 und 1602.
Das Leben der gotteseeligen Jungfrawen Regin Brotmanns. Stiffterinnen der Löblichen Gesellschaft Sanct Catherinen, Jungfrawen und martyrinen, durch einen glaubwürdigen Priester beschrieben. Krakau. 1623. 2. Auflage: Braunsberg, 1727.

Der Verfasser:
Ulrich Füsser (geb. 19.12.1958), Regina-Protmann-Schule, Seckbacher Landstraße 65, 60389 Frankfurt. Telefon: 069/4603-2506

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Lebenslauf Ulrich Füsser

1978 Krankenpflegeexamen
1978 - 1982 Tätigkeit am Kantonspital Basel und St. Markus-Krankenhaus, Frankfurt
1982 - 1984 Weiterbildung zum Lehrer für Pflegeberufe und Entbindungspflege Krankenpflegehochschule Agnes Karll, Frankfurt
seit 1984 tätig als Lehrer, davon 10 Jahre als Schulleiter der Regina-Protmann-Schule am Sankt Katharinen-Krankenhaus, Frankfurt