www.wernerschell.de
Pflege - Patientenrecht
& Gesundheitswesen

www.wernerschell.de

Aktuelles

Forum
mit tagesaktuellen Informationen

Rechtsalmanach

Pflege

Patientenrecht
Sozialmedizin - Telemedizin
Publikationen
Links
Impressum
Datenschutz

Pro Pflege-Selbsthilfenetzwerk

>> Aktivitäten im Überblick! <<

Besuchen Sie uns auf Facebook

Neue Datenbank im Internet: Modelle zur flexiblen Arbeitszeitgestaltung

Seit April 2000 gibt es ein neues Internetangebot des Bundesarbeitsministeriums: die Datenbank "Arbeitszeitflexibilisierung". Alle Nutzer haben direkten Zugriff darauf über www.bma.bund.de/arbeitszeitmodelle. Die Datenbank stellt in der Praxis erprobte, flexible Arbeitszeitmodelle in deutschen Betrieben unterschiedlicher Branchen und Betriebsgrößen dar - das sind zur Zeit 46 Beispiele von Unternehmen aus 23 Branchen. Dabei werden deren Entstehungsgeschichte, die Besonderheiten des jeweiligen Modells sowie die Umsetzungserfahrungen ausführlich dokumentiert.
Aufgabe und Ziel der Datenbank ist es, Unternehmen, die im Prozess der Arbeitszeitflexibilisierung stehen, erfahrungsgestützte Informationen über Gestaltungsalternativen, Möglichkeiten des Vorgehens sowie bewährte Problemlösungen - sowohl in Bezug auf die Regelung selbst als auch auf deren praktische Umsetzung - zur Verfügung zu stellen. Dabei liegt die Stärke der Datenbank im hohen Detaillierungsgrad der erhobenen und in die Fallstudien eingearbeiteten Informationen.
Die zusammengetragenen Fallstudien machen deutlich, dass es in der Praxis eine Vielzahl von Wegen zur Entwicklung und Umsetzung neuer Arbeitszeitmodelle gibt. Hierbei bestätigt sich die Erfahrung, dass es nicht das Ideal-Vorgehen oder -Modell gibt. Allerdings werden oft ähnliche Vorgehensweisen gewählt und vergleichbare Gestaltungsprinzipien angewandt. Differenziert wird in erster Linie gemäß den unternehmensspezifischen Gegebenheiten. Auch zeigt sich in den Fallstudien, dass Arbeitszeitflexibilisierung ein permanenter Entwicklungsprozess ist.
Moderne, flexible Arbeitszeitgestaltung hat aus Sicht des Unternehmens die Aufgabe, eine bestmögliche Anpassung der Arbeitszeit an - auch kurzfristige - Schwankungen des Arbeitsanfalls zu erzielen. Dabei gewinnt in unserer wachsenden internationalen Dienstleistungsgesellschaft die Kombination von Kundenbedürfnissen und Arbeitszeitgestaltung zunehmend an Bedeutung.
Schon darin unterscheiden sich zeitgemäße von herkömmlichen Arbeitszeitmodellen: In letzteren gibt es keine systematische Verbindung zwischen Arbeitszeitsteuerung und Kundenanforderungen. Stattdessen setzen herkömmliche Schichtmodelle auf persönliche Anwesenheitspflicht zu festgelegten Zeiten, und auch konventionelle Gleitzeitsysteme haben in erster Linie die Begrenzung individueller Abweichungen von einem einheitlichen Arbeitszeitmuster zum Ziel. Dies führt häufig zu Konflikten mit differenzierten Kundenanforderungen und unterschiedlichen betrieblichen Arbeitszeiten.
Solche alten Arbeitszeitmodelle schränken die persönlichen Gestaltungsspielräume der Mitarbeiter erheblich ein. Flexibilität gibt es unter diesem Vorzeichen in der Regel ausschließlich nach "oben" - das heißt: in Gestalt zusätzlichen Arbeitszeitverbrauchs; oft in Form teurer, weil zuschlagspflichtiger Mehrarbeit. Eine systematische Planung und Steuerung von Abwesenheitszeiten zur Anpassung an "Täler" des Arbeitsanfalls unterbleibt dagegen in aller Regel; Abwesenheitszeiten werden vielmehr als Störfälle betrachtet, deren Eintreten auf das unumgängliche Mindestmaß zu begrenzen sei.
Für den einzelnen Arbeitnehmer bedeuten starre Arbeitsregelungen gleichzeitig unflexible Familienzeiten, eingeschränkte außerbetriebliche Weiterbildungsmöglichkeiten, geringere Lebensqualität. Negative Auswirkungen auf die individuellen Arbeitsleistungen und eine höhere Unzufriedenheit im Beruf sind die direkten Folgen.
Die vorliegende Datenbank enthält Beschreibungen von Modellen und Verfahrensweisen der Arbeitszeitflexibilisierung, die sich an Kunden- und Aufgabenerfordernissen wie auch am Ziel orientieren, den Mitarbeitern größere Gestaltungsfreiheit - nicht nur in zeitlicher Hinsicht - einzuräumen. Dass es hier zahlreiche Möglichkeiten und damit viele Wege zum Ziel gibt, zeigen die einzelnen Beispiele deutlich.
Rechtzeitige und ausführliche Information und Kommunikation gegenüber allen Beteiligten hat sich für die erfolgreiche Umsetzung der neuen Arbeitszeitmodelle als unabdingbar erwiesen. In flexiblen Arbeitszeitsystemen ändern sich die Rollen aller betrieblichen Akteure, wobei jedoch in den befragten Unternehmen nahezu übereinstimmend auf die Unterstützung der Führungskräfte in diesem Prozess besonders großer Wert gelegt wird.
Darüber hinaus erwies sich für die meisten Unternehmen die Entscheidung für den Einstieg in die "neue Arbeitszeitwelt" via Pilotphase/-bereich als richtig. Ein weiteres wichtiges Thema war die Schaffung der notwendigen organisatorischen Voraussetzungen erfolgreicher Arbeitszeitflexibilisierung bzw. die Erfahrung, dass sich aus der Arbeitszeitneugestaltung Synergieeffekte derart ergeben, dass Arbeitszeitflexibilisierung Veränderungen auch in anderen Bereichen auslösen bzw. erleichtern kann.
Und schließlich zeigen die Fallstudien, dass Arbeitszeitflexibilisierung kein einmaliger Vorgang ist, sondern die dargestellten Modelle fortlaufend an sich verändernde unternehmensinterne und -externe Rahmenbedingungen angepasst werden müssen. Dieser Sachverhalt wird auch durch die ständige Aktualisierung und Erweiterung der Datenbank berücksichtigt.

Werner Schell (19.4.2000)