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Behandlungsfehler - welche Rechte haben Patienten?

Interview mit Christoph Kranich, Verbraucher-Zentrale Hamburg


Welche Rechte haben Patienten? Was tun bei Beschwerden oder Behandlungsfehlern? Wo kann man sich informieren und beraten lassen?

Frage: Es wird viel vom "mündigen Patienten" gesprochen, der seine gesetzlich garantierten Rechte kennt. Was muss noch verbessert werden?
Kranich: Wir haben in der Tat gar nicht so schlechte Patientenrechte in Deutschland, jedenfalls auf dem Papier. Allerdings sind die oft nur für die drei großen "R" nutzbar: die Reichen, Rechtsschutzversicherten und Risikobereiten. Ein Prozess vor Gericht kann viel Geld kosten und lange dauern. Da brauchen wir bessere Hilfen: unabhängige Unterstützungsstellen bei Beschwerden und beim Verdacht auf Behandlungsfehler. Denn Rechte zu haben ist nur von Vorteil, wenn man sie auch in Anspruch nehmen kann.

Frage: Gab es Fortschritte in den vergangenen Jahren?
Kranich: Seit 20 Jahren haben sich Ansätze der unabhängigen Unterstützung entwickelt, zum Beispiel bei Patientenstellen und Verbraucherzentralen. Die müsste man jetzt auf ganz Deutschland ausdehnen und in jedem Landkreis verankern. Stattdessen werden aber durch die Krankenkassen gegenwärtig wieder ganz neue Modelle gefördert und wissenschaftlich beforscht, und niemand weiß, wie es nach Ende der Modellphase ab Mitte 2004 weitergeht.

Frage: Welche unabhängigen Patientenberatungseinrichtungen sind denn zu empfehlen?
Kranich: Die meiste Erfahrung und Kompetenz finden Sie wahrscheinlich bei Patientenstellen und Verbraucherzentralen. Letztere haben auch die Befugnis zur Rechtsberatung. In vielen konkreten, vor allem medizinischen Fragen können auch Selbsthilfeorganisationen wertvolle Hinweise geben - allerdings sollte da immer das Prinzip der Gegenseitigkeit bedacht werden. Und natürlich können oft auch die nicht unabhängigen Stellen, etwa bei Ärztekammern oder Krankenkassen, guten und kompetenten Rat geben. Sie eignen sich aber nicht so gut als Vertreter von Patienteninteressen.

Frage: Wo fehlt es noch konkret an politischer Unterstützung und finanzieller Förderung?
Kranich: Patienten müssen von der Politik noch ernster genommen werden. Es reicht nicht, dass sie immer mehr einbezogen werden. Sie brauchen dafür auch Strukturen und Organisationen. Und Kompetenzen, um das Gesundheitswesen zu verstehen und sich eine fundierte Meinung zu bilden. In den Niederlanden zum Beispiel repräsentiert der nationale Patientenverband 15 Prozent des Volkes und erhält vom Staat 15 oder 20 Millionen Euro im Jahr - entsprechend müssten wir für das viel größere Deutschland 100 Millionen Euro pro Jahr fordern.

Frage: Stimmt es, dass Deutschland im europäischen Vergleich ein "Entwicklungsland" ist im Hinblick auf Patientenrechte?
Kranich: Viele andere Länder haben die Patientenrechte längst in eigenen Gesetzen zusammengefasst, haben Beschwerdewege definiert, haben regionale Unterstützungs- und Beratungsstrukturen geschaffen usw. In Deutschland dagegen scheitert das alles am Widerstand der Lobby der Ärzte und Krankenhäuser, der Pharmaindustrie und der Juristen. In einem freien Land, in dem der Staat nicht alles regelt, werden die Dinge eben von denen entschieden, die die mächtigsten Verbände haben. Und das waren noch nie die Patienten!

Die Verbraucher-Zentrale Hamburg hat Deutschlands größte unabhängige Unterstützungsstelle für Patienten, Versicherte und Verbraucher im Gesundheitswesen. Anschrift: Verbraucher-Zentrale Hamburg, Kirchenallee 22, 20099 Hamburg, Tel. 040-248320, Internet www.vzhh.de.
Christoph Kranich (49) leitet die Fachabteilung Gesundheitsdienstleistungen der Verbraucher-Zentrale Hamburg. Er ist außerdem als Versichertenvertreter Mitglied des Verwaltungsrates der SECURVITA BKK.

Quelle: SECURVITAL Nr. 1-2003 (31.1.2003)
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