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Studie der Ruhr-Universität Bochum zum Patienten-Verhalten: Gute Arzt-Patientenbeziehung verbessert die Heilung

Je ausgeprägter die ursprüngliche Angst und je erfolgreicher ihre therapiebedingte Abnahme, desto kooperativer ist der Patient. Zu diesem Ergebnis kommt die Bochumer Wissenschaftlerin Dr. Bozena Scheuble in ihrer Dissertation "Angstsymptomatik bei Schizophrenien - ein Prädikator für Compliance".
Das Verhältnis zwischen ärztlichem Rat und dem Verhalten des Patienten (Compliance) weckt in der letzten Zeit immer mehr Interesse bei den behandelnden Therapeuten: Gibt es Faktoren, die die Compliance beeinflussen? Können die Therapeuten selbst das Patientenverhalten verändern und so die Genesungschancen steigern? So lauten nur einige der zahlreichen Fragen, die die Wissenschaftler seit mehreren Jahren beschäftigen. In ihrer Bochumer Dissertation "Angstsymptomatik bei Schizophrenien - ein Prädikator für Compliance" widmet sich Dr. Bozena Scheuble einer besonderen Patientengruppe: Da die Krankheit mit grossem Misstrauen gegenüber der Umwelt und starker Angst verbunden ist, stellt die Compliance eine grosse Herausforderung für Patienten und Ärzte dar. Ihr Ergebnis: Je ausgeprägter die ursprüngliche Angst und je erfolgreicher ihre therapiebedingte Abnahme, desto kooperativer ist der Patient.

Angst und Misstrauen behindern Heilung
Die Compliance des Patienten zu messen, ist an sich schon ein Problem: Blut- und Urinproben zeigen auch dann die gewünschten Werte, wenn der Patient sein Medikament nur am Tag vor der Untersuchung einnimmt, die Einschätzung des Arztes ist oft nicht richtig, und eine Befragung des Patienten muss nicht immer ehrlich beantwortet werden. Die Behandlung von Schizophrenien ist besonders schwierig, weil sie zum einen mit Angst und Misstrauen verbunden sind, und ausserdem mit Psychopharmaka behandelt werden, die zum Teil als Nebenwirkung Angstzustände hervorrufen. Es gibt bereits zahlreiche Studien über Faktoren, die die Behandlungsbereitschaft des schizophren erkrankten Menschen beeinflussen: Alter, Geschlecht, Bildung, Krankheitsvorgeschichte, Arzt-Patientenbeziehung, Art der Unterbringung in der Klinik (offen oder geschlossen) und Krankheitseinsicht sind nur einige von ihnen. Ob das Ausmass der Angst in der akuten Phase der Erkrankung und die unter der Behandlung erlebte Angstabnahme jedoch Auswirkungen auf die Kooperationsbereitschaft des Patienten haben, dazu fehlten bisher umfassende Studienergebnisse - diesem Zusammenhang ging Dr. Scheuble nach.

Drei Fragebögen geben Antworten
Für ihre Studie untersuchte sie 54 Frauen und Männer, die mit einer akuten Psychose in der Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Hemer aufgenommen wurden. Sie benutzte zwei Angstfragebögen, einen Fremdbeurteilungs- und einen Selbstbeurteilungsbogen, die sowohl körperliche als auch psychische Angstsymptome einschlossen. Dazu kam ein eigens entwickelter Compliance-Fragebogen, den der Therapeut gemeinsam mit dem Patienten ausfüllte. Die Befragung nahm sie dreimal vor: Zu Beginn der Behandlung, vier Wochen später und unmittelbar vor der Entlassung des Patienten. Bei der Befragung achtete sie darauf, dass die Atmosphäre zwischen Arzt und Befragtem entspannt war, damit die Patienten offen ihre Kritik zu äussern wagten. Besonders wichtig dafür war auch, dass der Arzt, der die Befragung durchführte, nicht selbst an der Behandlung des Patienten beteiligt war.

Wesentlich für schnelle Genesung: Ein guter Arzt-Patienten-Dialog
Bei der Auswertung der Ergebnisse zeigte sich, dass Patienten, die beim Ausbruch der Krankheit unter einer besonders stark ausgeprägten Angst litten, eine positivere Einstellung zur medikamentösen Behandlung haben und beabsichtigen, die Psychopharmakaeinnahme auch ambulant fortzusetzen. Eine besonders hohe Kooperationsbereitschaft bewiesen diejenigen, die eine deutliche Angstreduktion im Behandlungsverlauf verspürten. Die Vermutung, dass z. B. das Alter und die Bildung eines Patienten seine Compliance beeinflussen, entkräftet die Studie: Diese Merkmale ändern nichts am Behandlungsverlauf. Viel einflussreicher ist eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Arzt und Patient. Sie kann die Angst verringern und so zu einer besseren Befolgung der Therapievorschläge beitragen. Die teilweise in dieser Studie unterschiedliche Angsteinschätzung durch die Patienten selbst und die Therapeuten zeigt aber, dass diese Beziehung nicht unproblematisch ist. Ein verbesserter Dialog zwischen Arzt und Patient könnte dazu führen, dass die Angst bei der gegenwärtigen Erkrankung erfolgreich abgeschafft werden kann und bei einem eventuellen Rückfall deutlich weniger zum Vorschein kommt.

Pressemitteilung der Ruhr-Universität Bochum (05.04.2000)

Werner Schell (9.4.2000)