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Hintergrundinformationen: Kampagne zur Verhinderung von Knochenbrüchen durch Osteoporose

Osteoporose ist grausam

"Osteoporose und grausam, ist das nicht etwas übertrieben?", so oder ähnlich lautet die landläufige Meinung zu dieser 'leisen Epidemie', wie Osteoporose auch genannt wird. "Was ist schon so besonders schlimm daran, wenn die Knochen brechen. Viele junge Menschen erleben das, wenn sie sich z.B. beim Sport Knochenbrüche zuziehen. Das tut halt weh, vergeht aber wieder."

Und genau das ist bei Osteoporose-Kranken nicht der Fall, das vergeht nicht wieder. Im Gegenteil. Ist erst einmal ein Bruch eingetreten, folgen bei aller geringstem Anlass weitere, in den Armen, Beinen, in der Wirbelsäule. Die vor allem bei Wirbelkörperbrüchen auftretenden höllischen Schmerzen sind "wie ein Messerstich in den Rücken", so schildern sie Betroffene. Doch bei einem "Messerstich" bleibt es nicht, die peinigenden Schmerzen können chronisch werden, und oft helfen dagegen keine Medikamente mehr.

Versuchen Sie sich das einmal vorzustellen, schlüpfen Sie einmal hinein in einen solchen Menschen, dessen Bewusstsein, dessen Denken und Fühlen nur aus Schmerz besteht. Und dann noch die permanente Panik angesichts der Gewissheit, bei irgendeiner nächsten geringfügigen Bewegung wird wieder ein Knochen zu Bruch gehen. "Welcher wird es sein, wann wird das geschehen, geht das immer so weiter, wie wird das enden, vielleicht sollte ich mich überhaupt nicht mehr bewegen, wie bewältige ich meinen Alltag?" lauten die bangen Fragen, die sich viele Betroffene tagtäglich unzählige Male stellen.

Ist das nicht grausam? Sicher werden nun auch Sie diese Einschätzung teilen. Es ist grausam nicht zu wissen, wie lange einen das Skelett noch trägt.
Osteoporose macht nicht nur die Knochen morsch, sondern zermürbt auch die Seele.

Fakten und Zahlen

  • Mit 5 bis 7 Millionen Betroffenen allein in Deutschland ist Osteoporose, oder auch Knochenschwund, eine Volkskrankheit.
  • Durch diese sich schleichend entwickelnde Krankheit wird nach und nach die Knochenfestigkeit geschwächt.
  • Im fortgeschrittenen Stadium werden die Knochen so morsch, dass sie aus geringfügigem Anlass brechen können.
  • Schon bei normalen, alltäglichen Belastungen fallen Wirbelkörper in sich zusammen.
  • Mit Folgekosten von ca. 10 Milliarden DM jährlich gehört Osteoporose zu den teuersten Krankheiten.
  • Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Osteoporose in die Liste der weltweit zehn bedeutendsten Krankheiten eingestuft.
  • Expertenschätzungen gehen von einer Verdoppelung der Krankheitszahlen innerhalb der nächsten 40 Jahre aus.
  • Allein in Deutschland haben bereits mehr als 2,5 Millionen Menschen Wirbelkörperbrüche hinnehmen müssen.
  • Liegt ein durch Osteoporose bedingter Knochenbruch vor, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für Folgebrüche bis auf das Zehnfache.
  • Erhöhung der Mortalität.
  • Eine rechtzeitige Erkennung der Osteoporose mit nachfolgender gezielter Therapie kann vielen der von Osteoporose bedrohten Bürger das Schicksal von schwindenden Knochen, chronischen Schmerzen und Alltagsuntauglichkeit ersparen.

Gesundheitspolitische Hintergründe

Das vergangene Jahr 2000 hielt eine gute und eine schlechte Nachricht bereit. Zunächst die gute:

  • Bislang wurde von Entscheidungsträgern in Deutschland, entgegen einhelliger internationaler Fachmeinung, der Knochenschwund als eine natürliche Alterserscheinung angesehen.
    Seit Beginn des Jahres 2000 wurde vom Bundesausschuss Ärzte/ Krankenkassen (ein Gremium, das darüber entscheidet, welche medizinischen Leistungen von den gesetzlichen Krankenkassen zu bezahlen sind) die Osteoporose, aus sozioökonomischer Sicht, erstmals als eine der bedeutendsten Krankheiten unserer Gesellschaft anerkannt und ihre adäquate Therapie als notwendig erachtet.
  • Und die schlechte Nachricht:
    Die Kosten für die Osteodensitometrie (auch: Knochendichtemessung, eine Diagnosemethode zur Erkennung von Knochensubstanzverlust und damit verbundener Frakurrisiken) dürfen seit dem 1. April 2000 erst nach dem ersten, Osteoporose bedingten Knochenbruch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden.

Die Kampagne

Wenn der Kassenarzt die Osteoporose-Früherkennung auch bei Risiko-Patienten nun nicht mehr machen darf, dann muss wenigstens denen geholfen werden, bei denen die Krankheit in der akuten Phase mit Brüchen ist. Dies nicht zu tun wäre aus ärztlicher Sicht ein Kunstfehler und bedeutete zum einen, Millionen von Menschen bewusst versorgungspflichtiger Invalidität auszusetzen, und zum anderen jedes Jahr mehrere Milliarden Mark für vermeidbare Spätfolgen zum Fenster hinauszuwerfen.

Doch die Realität sieht immer noch ganz anders aus. In Deutschland werden ca. 80 Prozent der 5 bis 7 Millionen Betroffenen entweder nicht ausreichend oder sogar überhaupt nicht medizinisch versorgt. Über ihnen schwebt das Damoklesschwert von chronischen Schmerzen und Medikamentenabhängigkeit. Hauptursache für diesen unhaltbaren Zustand ist, dass viele der Betroffenen noch nicht als Osteoporose-Kranke erkannt sind.

Und genau an diesem Punkt setzt die Kampagne an, die zwei Hauptziele verfolgt:

  • Identifizierung von Patienten mit osteoporotischen vertebralen Frakturen
  • Information der behandelnden Ärzte über Möglichkeiten der gezielten Diagnostik und Therapie von identifizierten Patienten

Im Mittelpunkt der Kampagne steht ein speziell entwickelter Patienten-Risiko-Selbsttest, der sich an Frauen und Männer über 40 Jahre wendet. Dieser Test soll möglichst viele Menschen dieser Altersgruppe erreichen. Er wird in zahlreichen Publikumsmedien abgedruckt, liegt in Apotheken aus, ist über schriftliche Anfrage beim Kuratorium Knochengesundheit erhältlich oder ab
15. März im Internet interaktiv durchführbar.

Anhand des Selbsttests kann der Teilnehmer feststellen, ob er zu der Gruppe von Risikopersonen gehört, bei denen durch Knochenschwund bedingte erste Frakturen vorliegen könnten. In diesem Falle wird die Konsultation eines Arztes dringend angeraten. Bei diesen Patienten darf der Arzt kostenfrei Knochendichtemessungen vornehmen, und im Falle einer diagnostizierten Osteoporose kann dann sehr wirksam medikamentös behandelt werden.

Im Vorfeld richtet sich die Kampagne, die von den Berufsverbänden der Allgemeinmediziner, Gynäkologen, Internisten und Orthopäden unterstützt wird, an niedergelassene Ärzte und die Fachöffentlichkeit:

- An alle relevanten Arztpraxen werden Empfehlungen für eine zielgerichtete Osteoporose- Diagnostik und -Behandlung verteilt. Diese wurden von anerkannten Experten nach neuestem wissenschaftlichen Erkenntnisstand erarbeitet.

- Die medizinische Fachpresse informiert parallel dazu in ihren Medien über die Epidemiologie von Wirbelkörperfrakturen, Erkennbarkeit von Frakturrisiken, Rehabilitationsbedarf bei Spätfolgen und den Folgen des Knochenschwundes für die Betroffenen und die Gesellschaft.

Bedeutung der Kampagne für Betroffene

Häufig wird ein Wirbelkörperbruch nur zufällig bei einer Röntgenaufnahme der Lunge oder des Herzens entdeckt. Die Brüche bleiben oft unbemerkt, weil sie im Anfangsstadium des Knochenschwundes ohne größere Schmerzen verlaufen können oder die dabei auftretenden Schmerzen auf einen "Hexenschuss" zurückgeführt werden.

Der einzelne Wirbelbruch kann relativ problemlos verheilen. Die starken Schmerzen schwinden nach Wochen, gelegentlich vollständig. Zwar bleibt eine gewisse Schmerzanfälligkeit z.B. bei Wetterwechsel bestehen. Dennoch lässt es sich mit einem einzelnen gebrochenen Wirbel ganz gut leben. Solange es bei dem einen bleibt.

Doch die Wahrscheinlichkeit für Folgefrakturen steigt auf ein Vielfaches, ja, die Krankheit explodiert regelrecht, wenn bereits ein Osteoporose bedingter Bruch vorliegt. Weitere Brüche führen meist zu irreparabelen Schäden, Schmerzen und Invalidität. Dies kann durch eine geeignete medikamentöse Behandlung weitgehend verhindert werden, wenn diese rechtzeitig begonnen wird.

Der Risikotest soll dazu beitragen, möglichst viele Personen mit unerkannten Brüchen, die auf eine abnehmende Knochenmasse zurückzuführen sind, zu identifizieren und einer ärztlichen Behandlung zuzuführen.

Ansprechpartner
Kuratorium Knochengesundheit e.V.

Der vorstehende Text wurde am 20.02.2001 vom Kuratorium Knochengesundheit e.V. per E-Mail zur Verfügung gestellt.