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Peter Wirth 1830 – 1871, Gründer der Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz

Peter Wirth, der spätere Ordensbruder Jakobus, wurde am 15.10.1830 als viertes Kind von Theodor und Anna Katharina, geb. Andries, in Niederbreitbach geboren. Die Familie lebte in ärmlichen Verhältnissen, der Vater hütete Schafe, und die Mutter arbeitete in einer Gastwirtschaft. Die schwierige soziale Situation verschärfte sich, als Theodor Wirth am 8.4.1839 verstarb und die Witwe für den Unterhalt der Familie aufkommen musste. Im folgenden Jahr verstarb auch Anna Katharina. Ihr Bruder Johann Peter, der als Lehrer tätig war, nahm Peter nun zu sich und sorgte für seine Erziehung.

Schon früh äußerte Peter den Wunsch Priester zu werden, doch die fehlenden finanziellen Mittel verhinderten das Studium zum Geistlichen. Er erlernte den Beruf des Schuhmachers. Seiner spirituellen Neigung blieb er trotzdem weiter treu, indem er der Bruderschaft der „Marianischen Liebsversammlung“ und der Bruderschaft vom „Kostbaren Blute“ beitrat. Die Mitgliedschaft in diesen Laienvereinigungen reichte seinen geistlichen Bedürfnissen jedoch nicht aus. Er fühlte sich berufen, ein Leben als Klosterbruder zu führen und bat bei den Redemptoristen in Bornhofen um Aufnahme. Nach zweimaliger Ablehnung, wahrscheinlich wegen seiner schwächlichen Konstitution, trat er am 10.4.1853 in den „Dritten Orden des Heiligen Franziskus“, ebenfalls einer Laienvereinigung, ein. Diese Vereinigung nahm auch Margarethe Flesch auf, die spätere Ordensgründerin der Kongregation der Franziskanerinnen der allerseligsten Jungfrau Maria von den Engel.

Peter Wirth spürte immer mehr den Wunsch eine eigene Klostergemeinschaft nach den Idealen des Heiligen Franziskus zu gründen. Er fand Handwerker mit gleicher Gesinnung. Sie legten ihr Hab und Gut zusammen, bezogen eine gemeinsame Wohnung und lebten nach der alten benediktinischen Regel: „ora et labora“. Die ersten Waisen konnten 1855 aufgenommen werden. Aus der Handwerkervereinigung entstand immer mehr eine klösterliche Gemeinschaft. Die Brüder zogen am 8. Mai 1860 in die Klausen der Kreuzkapelle bei Hausen. Hier legte Peter Wirth am 12. Juni 1862 die ersten Gelübde ab und nahm den Namen: „Bruder Jakobus“ an. Dieser Festtag gilt seitdem als Gründungsdatum der Kongregation. Die offizielle kirchliche Anerkennung erhielt die Gemeinschaft durch Bischof Matthias Eberhard, der die Statuten der Gemeinschaft am 16. September 1869 bestätigte.

In den ersten Hausstatuten heißt es:
“Der Zweck der Genossenschaft der Brüder ist: Erstens Selbstheiligung, dann Knaben von den Schuljahren an, etwa von 4-5 Jahren, zu erziehen, so, wie sie in einem recht christlichen und frommen Haus erzogen werden, sie, wenn Lust und Anlagen da sind, ein Handwerk lehren zu lassen oder sie zum Ackerbau und nützlichen Arbeiten anzuführen; sie solange im Haus zu behalten (falls sie nicht außer Hause eine Profession erlernen) bis zum achtzehnten Jahre, sie dann entlassen. Aber nach der Entlassung soll die Genossenschaft noch über die Kinder wachen, wie Eltern über ihre Kinder wachen. Ferner arme, verlassene Kranke ins Haus aufnehmen, sie bis zur Genesung pflegen oder sie auf einen christlichen Tod vorbereiten. Ebenso auch Kranke außer dem eigenen Hause zu pflegen. Auch alte hilfsbedürftige oder sonst leidende Leute, soweit Kräfte und Umstände es erlauben, zu pflegen und zu unterhalten“, (Regel 1982).

Bedingt durch die vermehrte Aufnahme von Waisen, Alten und Kranken, aber auch durch den vermehrten Eintritt von Brüdern entstand der Wunsch ein Mutterhaus mit angeschlossenem Heim für Hilfsbedürftige zu errichten. Im Spätherbst des Jahres 1866 konnten die Franziskanerbrüder die Kreuzkapelle verlassen und das neue Haus beziehen.

Der Krieg 1870 unterbrach das Aufstreben der kleinen Gemeinschaft, die mittlerweile über Filialen in Linz am Rhein, in Oberwesel und Karlstadt bei Würzburg verfügte. Die Brüder wurden vom Waffendienst befreit, mussten dafür in den Lazaretten und Seuchenlazaretten arbeiten. Der Generalbericht der Johanniter-Malteser- Genossenschaft vom Krieg 1870-1871 beinhaltet: „Die Brüder betreuten in Biebrich, Trier, Corbeil Evry, Orleans und Le Mans durchschnittlich 980 Verwundete am Tag. In Koblenz, St. Goar, Linz am Rhein und Waldbreitbach betreuten sie 125 Soldaten täglich“, (Backes 1962).

Nach Kriegsende brach in Deutschland die Pest aus. Die Brüder und Bruder Jakobus halfen bei der Pflege der Kranken. Am 16.März 1871 spürte der Ordensgründer, dass auch ihn die Seuche befallen hatte. Am ganzen Körper mit Pocken bedeckt, starb er am 28. März 1871. Seine Gebeine ruhen in einem schlichten Sarkophag in der Klosterkirche Sankt Josef in Hausen.

Das Werk von Bruder Jakobus blieb nicht auf den Westerwald beschränkt. Heute gehören der Kongregation der Franziskanerbrüder 43 Mitglieder an, die in sozial-karitativen Einrichtungen in Deutschland, Holland und den USA beten und arbeiten. (Stand 2002)

Quellen und Literatur:
Backes, Jakob: Aus der Armut leben, Neuwied 1962
Backes, Jakob: Die Kreuzkapelle, Neuwied 1984
Böckeler Maura: Die Macht der Ohnmacht, Mainz 1980
Kasper, Walter, (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche, Freiburg 1996
Regel und Leben der Brüder und Schwestern vom Regulierten Dritten Orden des heiligen Franziskus, Hrsg.
Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz, Rom 1982
In Cruce Victoria, Im Kreuz ist Heil, Festschrift zum hundertjährigen Wirken der Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz, Hrsg. Kongregation der Franziskanerbrüder vom Heiligen Kreuz St. Marienwörth, Bad Kreuznach 1991

Autor:
Ulrich Füsser
Regina-Protmann-Schule
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