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Sterben lernen heißt leben lernen
von Prof. Dr. phil. Werner Burgheim

Stichwort: „Sterben". Sie sind mutig und lesen weiter... Andere werden dieses Thema einfach übergehen. Und dennoch: Uns allen blüht der Tod, er ist todsicher! – Kaum einer will daran denken, denn sterben tun nur die anderen. Sterben ist das Persönlichste und doch das Fremdeste in unserem Leben. Der Tod ist ein mächtiger Gegner. Wenn wir uns aber auf ihn einstellen, wenn wir mit diesem schwierigen Thema ringen, werden wir viel Kraft erhalten und daraus gestärkt für unser Leben hervorgehen.

Eine typische Lebenskrise stellt sich für viele Menschen mit dem Abschied vom beruflichen Leben ein. Unser Leben ändert sich radikal. Das Alte trägt nicht mehr, ein neuer Rhythmus ist nicht sogleich gefunden. Die Abschiede in unserem sozialen Umfeld werden zahlreicher. Eltern, Schulkameraden, vielleicht sogar der eigene Lebenspartner versterben. Die Geburtsdaten in den Todesanzeigen kommen immer näher. Unweigerlich werden wir mit Sterben, Tod und Trauer konfrontiert. Lebensversicherungen werden fällig und Testamente und mit anderen Dokumenten wird Vor-Sorge getroffen.

Das Erleben von Sterben, Tod und Trauer anderer verweist uns auch immer mehr auf unser eigenes Sterben. Es ist angstbesetzt und wir verdrängen es. Vielleicht sind es auch mehr die Ängste vor dem Sterben und Abschiednehmen: Die Trennungsangst, die Angst vor dem Verlust eines geliebten Menschen, die Angst vor dem Verlust der Selbstachtung, die Angst vor Abhängigkeit, Alleinsein, Siechtum, die Angst, vergessen zu werden.

Doch die Ängste mobilisieren auch Kräfte. Wenn unsere Abwehrmechanismen, die gegen die Ängste, auch vor dem Sterben und vor dem Tod, die errichtet worden sind, fragwürdig werden und zusammenbrechen, wenn wir durch unmittelbare Betroffenheit unseres Abwehrsystems beraubt worden sind, werden wir zurückgeworfen auf die Fragen des Lebens, so, dass wir neue Einstellungen, Lebensweisheiten und Wertvorstellungen entwickeln müssen.

Das Negative, das wir in Folge des Todes erleben, die Abschiede von den Freuden des Lebens, von Gewohnheiten, der Raub geliebter Menschen, die Vernichtung des eigenen Körpers, also die Umkehrung des Lebens, dieses Negative und Schwarze ist sogleich der Kontrast, der, wie im Foto, nach dem Positiven verlangt. Das Schwarz schafft erst die Möglichkeit, das Bild zu sehen. Nacht, Leere, Schatten, Wüste, Unbekanntes, Grenzen, rufen nach dem Antipoden, nach dem Tag, der Erfüllung, der Sonne, nach dem Erblühen und dem Übertritt. Wege durch die Wüste zeigen uns, was wesentlich ist. Wenn die Tiefe erreicht worden ist, die neues Leben möglich macht, dann blüht die Wüste auf. Wer mit der Weisheit der Wüste lebt, erkennt: Wüstenwege sind schwer, aber fruchtbar, - Qual der Wonne. Und so dient ... Angst und ... Dunkel des Todes dem Nachdenken, nicht so sehr über den Tod, sondern vielmehr über das Leben. An der Wand des Todes prallt das Dunkel ab und kehrt um ins Licht des Lebens. Statt vor Angst todesblind zu werden, können wir versuchen, das Leben in seiner Tiefe neu zu sehen und zu begreifen.

Erst wenn wir im Dunkeln sitzen, geht uns ein Licht auf.
Erst wenn die Vernunft verstummt, horchen wir auf.
Erst wenn wir die Dummen sind, werden wir klug.

Dieter Höss

Siehe auch in dieser Homepage die Buchtipps unter

-- Die Rechte der Sterbenden - zwischen Euthanasie und Lebensverlängerung um jeden Preis

-- Sterbende begleiten
- in Geborgenheit bis zuletzt durch Palliative Care

Quelle: http://www.forum-verlag.com