Riskante Krankenpflege - Patienten in Gefahr!

Pflegespezifische Themen; z.B. Delegation, Pflegedokumentation, Pflegefehler und Haftung, Berufsrecht der Pflegeberufe

Moderator: WernerSchell

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Riskante Krankenpflege - Patienten in Gefahr!

Beitrag von Service » 14.07.2007, 06:54

Aktuelle Informationen zur Pflege ------> http://www.wernerschell.de/ProPflege/index.htm

Siehe auch unter
„KRANKENHAUS BAROMETER 2007“ vorgestellt
viewtopic.php?p=29464#29464


REPORT MAINZ bringt am Montag, den 16.07.2007, um 21:45 Uhr im Ersten voraussichtlich folgendes Thema:

Riskante Krankenpflege
Wie in Krankenhäusern auf Kosten der Pflege gespart wird


Moderation: Fritz Frey
REPORT-Redaktion

WernerSchell
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Pflegenotstand in deutschen Kliniken

Beitrag von WernerSchell » 17.07.2007, 06:41

Ein eindrucksvoller Bericht, der die wirkliche Pflegesituation in den deutschen Krankenhäusern offen legt!

Pflegenotstand in deutschen Kliniken
Studie: Patientensicherheit in Gefahr


Hedwig Francois-Kettner, Pflegedirektorin an der Berliner Charité und Mitglied im Präsidium des Deutschen Pflegerates (DPR)

Mainz. An deutschen Krankenhäusern herrschen Missstände im Bereich der Pflege. Das berichtet das ARD Politikmagazin REPORT MAINZ in seiner Ausgabe am 16. Juli 2007. Das Magazin beruft sich dabei insbesondere auf die noch unveröffentlichte, repräsentative Studie „Pflege-Thermometer 2007“ des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung (DIP), in Köln.**) Danach können frisch Operierte oft nicht angemessen versorgt und Pflegebedürftige nicht mehr ausreichend betreut werden. Die Patientensicherheit sei langfristig nicht mehr gewährleistet.

Prof. Frank Weidner, der Direktor des DIP erklärt in REPORT MAINZ, es bestehe ein Risiko, „in Notfällen nicht schnell genug versorgt zu werden und gegebenenfalls bei mangelnder Pflegeversorgung auch zu sterben, im Ernstfall oder im Einzelfall ist das sogar nicht mehr auszuschließen.“

Die Studie wertet die Angaben von 260 Pflegedirektionen deutscher Krankenhäuser aus. Das „Pflege-Thermometer“ untersucht jedes Jahr einen anderen Bereich der Pflege.

Die Pflegewissenschaftlerin Prof. Sabine Bartholomeyczik bestätigt diese Aussage. In eigenen Untersuchungen hat sie einen „Rückgang der direkten Pflege“ an den deutschen Kliniken festgestellt.

Hedwig Francois-Kettner, Pflegedirektorin an der Berliner Charité und Mitglied im Präsidium des Deutschen Pflegerates (DPR) befürchtet eine Entwicklung „die für die Patienten sehr gefährlich wird.“

Ursache sei vor allem der Personalabbau im Pflegedienst der Krankenhäuser von 429.183 Beschäftigten im Jahr 1995 auf 393.186 Stellen im Jahr 2005. Das ist ein Rückgang um 13,5 Prozent der Stellen.

Gleichzeitig – so das DIP – habe die Zahl der Patienten zugenommen. Diese seien im Durchschnitt älter und pflegebedürftiger geworden, so dass die Arbeitsbelastung für die Krankenschwestern gestiegen sei.

Beide Wissenschaftler sprechen von einer „Rationierung der Pflege im Krankenhaus“. Bundesregierung und Krankenhausbetreiber bestreiten unterdessen eine Rationierung der Krankenpflege.

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) beim Quotient Pflegekraft in der Akutversorgung pro Bett im Mittelfeld. (Deutschland 2004: 0,75). In Großbritannien (1,80), Irland (1,50) und Portugal (0,87) beispielsweise ist der Schlüssel wesentlich günstiger.

Ein weiterer Grund für die Misere sei, eine unzureichende Finanzierung der Pflegeleistungen durch die Fallpauschalen (DRGs) im Krankenhaus. Prof. Sabine Bartholomeyczik wörtlich: „Die Pflege ist im DRG-System bisher völlig unzureichend, wenn überhaupt abgebildet.“ Zeitaufwändige Pflegeleistungen wie Hilfe beim Essen oder Trinken seien somit praktisch nicht finanzierbar.

Das Bundesgesundheitsministerium sieht die Krankenhäuser in der Pflicht, die Pflege in den Kliniken zu verbessern. Klaus Theo Schröder, Staatssekretär im Ministerium wörtlich: „Die Krankenhäuser sind verantwortlich für ihren Personaleinsatz, (...) damit die Patientinnen und Patienten ordentlich gepflegt werden.“

Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der DKG beklagt in REPORT MAINZ eine Einsparung von 700 Millionen Euro in den deutschen Kliniken in diesem Jahr aufgrund der Gesundheitsreform: „Das zwingt die Krankenhäuser zu rationalisieren, Anpassungen in den Betriebsabläufen vorzunehmen und das führt natürlich dann auch in der Pflege im Ergebnis zu weniger Zuwendung am Krankenbett.“

Quelle: Presseinformation REPORT MAINZ, 16. Juli 2007
http://www.swr.de/report/presse/-/id=11 ... index.html

Mehr im SWR:
16.07.2007
Pflegenotstand in deutschen Kliniken (1,2 MB)

http://www.swr.de/report/presse/-/id=23 ... /index.rtf
Weitere Informationen:
Wie in Krankenhäusern auf Kosten der Pflege gespart wird
http://www.swr.de:80/report/-/id=233454 ... index.html

**)
Pflege-Thermometer 2007
Die Ergebnisse des diesjährigen Pflege-Thermometers werden am 18. Juli 2007 in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Caritasverband im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt. Das Pflege-Thermometer 2007 untersucht die Pflegepersonalsituation in deutschen Krankenhäusern in Verbindung mit der Patientensicherheit. Die Studie wird ab 18. Juli 2007 abrufbar sein.
Projektbeschreibung
http://www.dip-home.de/projekte/pfleget ... er2007.htm
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Pflegeabbau gefährdet Patientenversorgung

Beitrag von Presse » 18.07.2007, 11:31

Pflegeabbau gefährdet Patientenversorgung
Studie untersucht Folgen des Strukturwandels in bundesdeutschen Krankenhäusern

Köln/Berlin, 18. Juli 2007. Den Strukturwandel im Krankenhauswesen hat das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (dip) in Köln in seiner aktuellen Studie untersucht. Ausgewertet wurden die Angaben von mehr als 250 Krankenhäusern in ganz Deutschland. Im Zentrum der Studie, dem Pflege-Thermometer 2007, stehen der Abbau des Pflegepersonals und die möglichen Folgen für die Patientenversorgung. Seit 1995 wurden demnach rund 50.000 Pflegestellen in bundesdeutschen Krankenhäusern abgebaut. Im gleichen Zeitraum wurden rund 20 Prozent mehr Klinikärzte beschäftigt. Heute müssen in den Kliniken jährlich rund eine Million Patienten mehr als 1995 medizinisch versorgt und pflegerisch betreut werden. Die Patienten-Pflegekraft-Quote hat sich damit um 23 Prozent erhöht. Zugleich nimmt die Pflege- und Betreuungsbedürftigkeit der Patienten zu. Die Arbeitsbelastung des Pflegepersonals steigt demzufolge flächendeckend an. Im Jahre 2006 sind so viele Überstunden geleistet worden, dass dafür rund 5.000 Pflegekräfte mehr hätten eingestellt werden müssen.

Nach Einschätzung der befragten Pflegedirektionen wirkt sich die angespannte Personalsituation in der Krankenhauspflege bereits auf die Patientenversorgung und -sicherheit aus. So können Umlagerungen, Mobilisationen, Schmerzmittelverabreichungen und Überwachungen von operierten Patienten nicht mehr in jedem Krankenhaus optimal gewährleistet werden. Die Anzahl der Beschwerden von Patienten und Angehörigen über die Versorgung nimmt in jedem fünften Krankenhaus zu. 40 Prozent der Befragten rechnen zukünftig nicht mit einer Verbesserung der pflegerischen Qualität der Patientenversorgung. Zudem wird ein weiterer Stellenabbau in der Pflege aufgrund des Kostendrucks im Krankenhauswesen erwartet.

Prof. Dr. Frank Weidner, Leiter der Studie, sagte bei der Veröffentlichung der Untersuchung in Berlin: "Wenn in jeder dritten Klinik die Mobilisation der Patienten, etwa nach einer Operation, häufig nicht mehr fachgerecht durchgeführt werden kann, dann ist das mehr als besorgniserregend." 30 Prozent der befragten Pflegedirektionen geben an, dass die Möglichkeit, eine ausreichende Versorgung in der Pflege anzubieten, in den letzten beiden Jahren gesunken sei. So kann die grundpflegerische Versorgung und eine regelmäßige Lagerung der Patienten nur noch von einem Drittel der Einrichtungen vollständig gewährleistet werden. Nur ein Viertel der Einrichtungen gibt an, eine engmaschige Kontrolle von Patienten, etwa nach einem operativen Eingriff, immer gewährleisten zu können. Als Folge einer insgesamt sinkenden Kontakthäufigkeit zwischen Krankenpflegepersonal und Patienten kommt es in gut drei Viertel der Einrichtungen vor, dass Patienten länger als 15 Minuten auf eine notwendige Verabreichung von Schmerzmitteln warten müssen. "Die Rationierung der Pflege in deutschen Krankenhäusern ist in vollem Gange und die Folgen werden spürbar", resümiert Weidner. Die Kölner Pflegewissenschaftler betonen, dass auch in internationalen Studien auf den Zusammenhang einer sich verschlechternden pflegerischen Versorgung und die Folgen für die Patienten in Krankenhäusern hingewiesen wird. "Nun haben wir auch hierzulande erste Belege für einen Zusammenhang von Pflegekapazität und Patientensicherheit. Wir sind in Sorge, dass Patienten ernsthaft gefährdet werden", so Weidner weiter.

Die Hintergründe für den Stellenabbau in der Pflege sind in der Umstellung der Finanzierungsgrundlagen für die Krankenhäuser und neuer Tarifsysteme zu sehen. Dies führt auch zu einem Absinken der Einstiegsgehälter des Pflegepersonals und auf Dauer zu einer Überalterung der Belegschaft. Zugleich wird in den Krankenhäusern eine Debatte geführt, dass die Pflege zukünftig Teile ärztlicher Tätigkeiten in Prozesssteuerung, Beratung, Diagnostik und Therapie übernehmen solle. Wie das bei der beschriebenen steigenden Arbeitslast in der Pflege und dem weitergehenden Stellenabbau erreicht werden könne, sei eine besondere Herausforderung, meinte Weidner. Die Kölner Forscher fordern eine möglichst intensive Diskussion um die Patientensicherheit im Krankenhaus und den Beitrag der Pflege. Außerdem müsse die Forschung hierzu dringend verstärkt werden.

Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (dip) ist eines der führenden Pflegeforschungsinstitute in Deutschland. Es ist ein Institut an der Katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen. Das dip führt zahlreiche Projekte und Studien im Pflegewesen durch und gibt regelmäßig das repräsentative Pflege-Thermometer heraus.

Kontakt:
Michael Isfort
stellvertretender Geschäftsführer des dip


Quelle: Pressemitteilung vom 18.7.2007
http://www.dip.de/material/presse/pfleg ... 7.2007.htm

Download Pflege-Thermometer:
http://www.dip.de/material/downloads/Pf ... er2007.pdf
Download Zusammenfassung:
http://www.dip.de/material/downloads/Pf ... assung.pdf
Pressemitteilung:
http://www.dip.de/material/presse/pfleg ... 7.2007.htm
Projektbeschreibung:
http://www.dip.de/projekte/pflegethermometer2007.htm
frühere Pflegethermometer:
http://www.dip.de/material/downloads/do ... hermometer

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Pflegethermometer 2007: Sparen lebensgefährlich

Beitrag von Service » 18.07.2007, 17:02

Mitteilung der KFH NW vom 18.7.2007:

Pflegethermometer 2007:
Weiteres Sparen lebensgefährlich


Köln / Berlin: Institut an der KFH NW sieht Gefahr in deutschen Krankenhäusern.

Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (dip) in Köln hat in seiner aktuellen Studie den Strukturwandel im deutschen Krankenhauswesen untersucht. Ausgewertet wurden Angaben von mehr als 250 befragten Krankenhäusern bundesweit.

Stellenabbau - Abbau der Pflegequalität - Geringere Patientensicherheit

• Seit 1995 wurden knapp 50.000 Pflegestellen in bundesdeutschen Krankenhäusern abgebaut. Im gleichen Zeitraum wurden rund 20 Prozent mehr Klinikärzte beschäftigt.
• Heute müssen jährlich rund eine Million Patienten mehr in deutschen Kliniken medizinisch versorgt und pflegerisch betreut werden als noch 1995; jede Pflegekraft muss heute 23 Prozent mehr Patienten versorgen. Die individuelle Pflege- und Betreuungsbedürftigkeit nimmt gleichzeitig zu. So steigt die Arbeitsbelastung des Pflegepersonals immer weiter an.
• In 2006 wurden so viele Überstunden geleistet, dass nach Berechnungen des dip rund 5.000 Pflegekräfte hätten zusätzlich eingestellt werden müssen. Gleichzeitig wird aber der weitere Stellenabbau in der Pflege aufgrund des Kostendrucks erwartet. Auch hier verschärft sich also die Lage.
• Nach Einschätzung der befragten Pflegedirektionen wirkt sich die angespannte Personalsituation in der Krankenhauspflege bereits jetzt auf die Patientenversorgung und -sicherheit aus. So können Umlagerungen, Mobilisationen, Schmerzmittelverabreichungen und Überwachungen von operierten Patienten nicht mehr in jedem Krankenhaus optimal gewährleistet werden.
• In 20 Prozent der Krankenhäuser nehmen die Beschwerden von Patienten und Angehörigen über die Versorgung zu.
• 40 Prozent der Befragten rechnen nicht mit einer Verbesserung der pflegerischen Qualität der Patientenversorgung.
• 30 Prozent der befragten Pflegedirektionen konnten in den letzten beiden Jahren nicht mehr permanent eine ausreichende Pflege-Versorgung anbieten.
• Umgekehrt konnte auch nur gerade mal ein Drittel der befragten Einrichtungen erklären, die grundpflegerische Versorgung und eine regelmäßige Lagerung der Patienten gewährleistet zu haben.
• Nur ein Viertel der Einrichtungen gibt an, eine engmaschige Kontrolle von Patienten, etwa nach einem operativen Eingriff, ausnahmslos gewährleisten zu können.
Anders: Dreiviertel der Befragten kann das nicht mehr.
• Als Folge der sinkenden Kontakthäufigkeit zwischen Krankenpflege-Personal und Patienten müssen in mehr als 75 Prozent der Einrichtungen unter Schmerzen leidene Patienten länger als 15 Minuten auf die notwendige Verabreichung von Schmerzmitteln warten.

Direktor warnt vor der Lebensgefahr nach Sparmaßnahmen
Prof. Dr. Frank Weidner, Leiter der Studie: „Wenn in jeder dritten Klinik die Mobilisation der Patienten, etwa nach einer Operation, häufig nicht mehr fachgerecht durchgeführt werden kann, dann ist das mehr als besorgniserregend. Die Rationierung der Pflege in deutschen Krankenhäusern ist in vollem Gange; die Folgen werden spürbar“. Lebensgefahr infolge der Sparmaßnahmen, erklärte Weidner gegenüber der Redaktion Report (SWR, Mainz), sei heute nicht mehr auszuschließen.

Nach Angaben der Kölner Pflegewissenschaftler wird auch in internationalen Studien auf den Zusammenhang einer schlechteren pflegerischen Versorgung und Folgen für die Patienten in Krankenhäusern hingewiesen. „Nun haben wir auch in Deutschland die ersten Belege für einen Zusammenhang von Pflegekapazität und Patientensicherheit. Wir sind in Sorge, dass Patienten ernsthaft gefährdet werden“, so Weidner.

Die Hintergründe für den Stellenabbau in der Pflege sind in der Umstellung der Finanzierungsgrundlagen für die Krankenhäuser und neuer Tarifsysteme zu sehen. Dies führt auch zum Absinken der Einstiegsgehälter des Pflegepersonals - auf Dauer wird es zur Überalterung der Belegschaft kommen.
Zugleich werde in den Krankenhäusern diskutiert, die Pflege solle künftig Teile ärztlicher Tätigkeiten in Prozesssteuerung, Beratung, Diagnostik und Therapie übernehmen. Wie das bei der beschriebenen steigenden Arbeitslast in der Pflege und dem weitergehenden Stellenabbau erreicht werden könne, sei „eine besondere Herausforderung“, erklärte Weidner.
Die Kölner Forscher fordern eine intensive Diskussion um die Patientensicherheit im Krankenhaus und den Beitrag der Pflege. Dazu müsse die Forschung dringend verstärkt werden.

Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (dip) ist ein führendes Pflegeforschungsinstitut und Institut an der Katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen. Das dip zeichnet verantwortlich für zahlreiche Projekte und Studien zur Entwicklung der Pflegebildung (Curricula-Entwicklung und -Umsetzung für die Aus-, Fort- und Weiterbildung), der Kranken-, Kinderkranken- und Alten-Pflege.

Kontakt:
Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung (dip) e. V.,
Dipl.-Pflegewissenschaftler Michael Isfort, stellv. Geschäftsführer,
Tel. 0221- 46861-30, m.isfort@dip.de


Fundstelle:
http://www.kfhnw.de/presseinfos/sp_auto_11681.php

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Pflegerische Versorgung in Krankenhäusern gefährdet

Beitrag von Presse » 18.07.2007, 18:19

Pflegerische Versorgung in Krankenhäusern gefährdet

Berufsverband sieht seine Befürchtungen durch heute veröffentlichtes Pflegethermometer 2007 bestätigt / Belastung Pflegender steigt /Pflegepersonalmangel droht / Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen und qualitativ hochwertiger Ausbildung.

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK), der führende deutsche Pflegeverband, sieht sich durch die Ergebnisse des heute veröffentlichten „Pflegethermometers 2007“ in seinen Befürchtungen bestätigt und warnt vor den Folgen des kontinuierlichen Pflegepersonalabbaus in deutschen Krankenhäusern. „Die Arbeitsbelastung der Pflegenden hat inzwischen ein Ausmaß erreicht, das die Patientensicherheit deutlich gefährdet“, so Franz Wagner, Bundesgeschäftsführer des DBfK.

Hintergrund dieser Entwicklung ist der wachsende wirtschaftliche Druck in der Gesundheitsversorgung, so dass in vielen Krankenhäusern immer weniger Krankenschwestern für immer mehr Patienten verantwortlich sind. Häufig werden Fachkräfte durch kostengünstige Hilfskräfte ohne Ausbildung ersetzt. Vergleichbare Entwicklungen sind aus anderen Ländern, z.B. den USA, mit zum Teil dramatischen Folgen bekannt.

Internationale Studien belegen, dass bei sinkender Anzahl von Pflegefachkräften pro Patient das Risiko von Komplikationen wie Lungenentzündungen oder Embolien bis hin zum Tod deutlich ansteigt. Bereits 2004 war in deutschen Kliniken eine Krankenschwester (0,75 KS pro Bett) für doppelt so viele Patienten zuständig wie in Großbritannien (1,5) oder in den USA ( 1,8 ) (OECD, 2006). „Politik und Krankenhausträger verkennen noch immer das Ausmaß des Problems“, sagte dazu Franz Wagner, „wenn wir heute nicht handeln und Studien wie das Pflegethermometer bitter ernst nehmen, droht schon morgen der Pflegenotstand.“

Der DBfK warnt deshalb vor einer dramatischen Zuspitzung der Situation in naher Zukunft, zumal spezialisierte Pflegefachkräfte schon heute in vielen Bereichen fehlen. Dass die Situation nicht längst schon eskalierte, ist vor allem dem immensen Einsatz und der großen Loyalität der Pflegefachkräfte ihren Patienten gegenüber zu verdanken. Seit Jahren haben sie die Folgen des Personalabbaus zu kompensieren versucht, dies hat aber Grenzen. Die Pflege gehört zu den anspruchsvollsten, aber auch anstrengendsten Berufen im Gesundheits- und Sozialwesen. Abbau von Ausbildungsplätzen, Rückgang der Schulabgängerzahlen und die im Vergleich mit anderen Branchen unattraktiven Arbeitsbedingungen in Pflegeberufen könnten Deutschland in wenigen Jahren einen flächendeckenden Pflegepersonalmangel bescheren. Dabei ist die schlechte Pflegepersonalausstattung ein Problem in allen Versorgungsbereichen, und nicht nur im Krankenhaus.

Der DBfK fordert deshalb für die Pflege Personalbemessungsverfahren, die den tatsächlichen pflegerischen Aufwand zugrunde legen. Die Arbeitsbedingungen und die Vergütung des Pflegepersonals müssen verbessert werden, um den Beruf attraktiver zu gestalten. Außerdem sollte die Ausbildung der Gesundheits- und Krankenpflegerinnen, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen und Altenpflegerinnen analog zu internationalen Standards künftig auch in Deutschland an Hochschulen erfolgen.

Quelle: Pressemitteilung vom 18.7.2007
Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V.
Salzufer 6, 10587 Berlin
Tel.: 030-2191570
Fax: 030-21915777
dbfk@dbfk.de
http://www.dbfk.de

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ist die berufliche Interessenvertretung der Krankenpflege, der Altenpflege und der Kinderkrankenpflege. Der DBfK ist deutsches Mitglied im International Council of Nurses (ICN). Mehr Informationen über den Verband und seine internationalen und nationalen Netzwerke können Sie auf der Homepage http://www.dbfk.de nachlesen. Falls Sie Interviewwünsche haben oder noch mehr Informationen benötigen, wenden Sie sich bitte per E-Mail an presse@dbfk.de oder rufen Sie uns unter 030-219157-0 an.

Siehe auch unter
http://www.dbfk.de/index.php?subaction= ... m=&ucat=10&

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„PFLEGE-THERMOMETERS 2007“ - Stellenabbau im Krankenhaus

Beitrag von Presse » 18.07.2007, 18:31

DKG ZUR VORSTELLUNG DES „PFLEGE-THERMOMETERS 2007“

Baum: Sanierungsbeitrag verschärft Stellenabbau im Krankenhaus
Anlässlich der heutigen Vorstellung des „Pflege-Thermometers 2007“ des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung e.V. (dip) erklärt der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum:


„Der in der Studie beschriebene Stellenabbau im Pflegebereich in deutschen Krankenhäusern ist kein isoliertes Problem einer einzelnen Berufsgruppe. Mittlerweile setzt sich der Personalabbau in den Krankenhäusern bei fast allen Berufsgruppen im vierten Jahr in Folge fort. Dies verdeutlicht die schwierige finanzielle Lage der Krankenhäuser. Maßgeblich dafür verantwortlich sind die seit Jahren gedeckelten Budgets, die den Kliniken den Handlungsspielraum erheblich einschränken. Umso unverständlicher ist es, dass den Krankenhäusern auch noch ca. 700 Millionen Euro über Einspargesetze (AVWG) und Sanierungsbeitrag allein in diesem Jahr entzogen werden. Das zwingt die Kliniken verstärkt zu rationalisieren und Anpassungen in Abläufen vorzunehmen. Dies kann im Ergebnis auch in der Pflege zu einer höheren Arbeitsverdichtung führen. Dabei sind die Krankenhäuser aber bemüht, den Patienten die Kürzungspolitik nicht spüren zu lassen. Hätten die Kliniken die einzusparenden Mittel zur Verfügung, könnten damit ca. 14.000 Pflegekräfte finanziert werden.

Hinzu kommt, dass die Krankenhäuser über das Arbeitszeitgesetz verpflichtet sind, die Zahl der Arztstellen auszuweiten, ohne dass die damit verbundenen Mehrkosten ausreichend finanziert werden. Um die hochwertige Versorgung und Betreuung der Patienten in den Kliniken nicht zu gefährden und den Arbeitsplatzabbau in Krankenhäusern zu stoppen, muss der Sanierungsbeitrag ausgesetzt werden.

Die DKG teilt nicht die Auffassung, dass für die Entwicklung in der Pflege die Kalkulationen für das DRG-Fallpauschalensystem ursächlich sind. Die Leistungen und Kosten der Pflege werden bei der Kalkulation wie die anderer Berufe sachgerecht berücksichtigt.“

Nach der neuesten Krankenhausstatistik des Statistischen Bundesamtes wurden allein 2005 insgesamt 9.891 Vollkraftstellen in den Kliniken abgebaut. Im Jahr 2005 waren insgesamt 796.097 Vollkräfte in den Kliniken tätig. Dies entspricht einem Rückgang gegenüber 2004 von 1,23 Prozent (805.988). Vom Personalabbau waren neben dem Pflegedienst (-2,31 Prozent), Mitarbeiter im Wirtschafts- und Versorgungsdienst (-5,67 Prozent) sowie das Klinische Hauspersonal (-9,45 Prozent) betroffen. Dagegen verzeichnete der Ärztliche Dienst (+3,34 Prozent) Zuwächse.

Quelle: Pressemitteilung vom 18.7.2007
http://www.dkgev.de/dkgev.php/cat/35/ai ... rs+2007%93

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Mangel an Pflegekräften beeinflusst Pflegequalität

Beitrag von Presse » 18.07.2007, 18:39

Befragung: Mangel an Pflegekräften beeinflusst Pflegequalität
Mittwoch, 18. Juli 2007

Berlin - Die Pflegequalität und die Patientensicherheit in deutschen Krankenhäusern ist bedroht. Grund ist, dass die Kliniken Pflegekräfte einsparen. Von 1995 bis 2005 hätten die Krankenhäuser 13,5 Prozent der Pflegekräfte abgebaut, heißt es im „Pflege-Thermometer 2007“, das das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung (dip) am Mittwoch in Berlin vorlegte.
...
Weiter unter
http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=29197

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Pflegequalität und die Patientensicherheit in Gefahr

Beitrag von WernerSchell » 19.07.2007, 08:14

Ist die Patientensicherheit in den Krankenhäusern nicht mehr gewährleistet?

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Neuss-Grevenbroicher Zeitung (NGZ) berichtete am 18.7.2007 über den "Personalmix bei Pflegern". Es ging dabei um die Vorstellung einer niedrigschwelligen Ausbildung von PflegehelferInnen. Begründet wurden die Qualifizierungsangebote mit der u.a. für das Jahr 2050 zu erwartenden Zahl von pflegebedürftigen Menschen. Zu diesem Bericht habe ich der NGZ die nachfolgende Leserzuschrift übersandt. Diese Zuschrift, die eine aktuelle Studie zum Thema aufgreift, dient nicht nur zur Klärung der Situation, sondern soll auch die Pflegenden unterstützen.
Ergänzend wird auch in den Medien die Versorgung von Demenzkranker in Krankenhäusern kritisiert (siehe u.a. den Bericht der Rheinischen Post vom 18.7.2007 mit dem Titel „Experten kritisieren Versorgung Demenzkranker“). Insoweit liegt auch eine wissenschaftliche Untersuchung vor, die die Mängel auflistet.
Ergänzende Informationen zum Thema finden Interessierte in meinem Forum unter
-- Pflegenotstand in deutschen Kliniken - Studie: Patientensicherheit in Gefahr
viewtopic.php?t=6888
-- Versorgung Demenzkranker im Krankenhaus
viewtopic.php?p=27847#27847

Mit freundlichen Grüßen
Werner Schell


Der Pflegenotstand ist da!

Wenn sich die Neusser Malteser und andere Institutionen um die Qualifizierung von Pflegekräften kümmern, ist das sehr zu begrüßen. Allerdings muss man zur Begründung für solche Qualifizierungsmaßnahmen nicht die demografische Entwicklung und die voraussichtliche Situation im Jahr 2050 bemühen. Der Pflegenotstand ist nämlich längst da und zeigt Wirkung! Es ist nach den (vorsichtigen) Einschätzungen des Pflege-Selbsthilfeverbandes e.V. und anderer Institutionen so, dass von einem Fehlbestand bei den Pflegekräften in Heimen und Krankenhäusern von etwa 20% ausgegangen werden muss. Experten von Wohlfahrtsverbänden sehen zum Teilen einen noch größeren Fehlbestand.

Wer all das bisher nicht wahrhaben wollte, musste sich am 18.7.2007 durch eine vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (dip) - der Katholischen Fachhochschule Köln angegliedert - vorgelegte Studie eines Besseren belehren lassen. Im Zentrum dieser Studie, dem sog. Pflege-Thermometer 2007, stehen nämlich der Abbau des Pflegepersonals und die möglichen Folgen für die Patientenversorgung:

Seit 1995 wurden demnach rund 50.000 Pflegestellen in bundesdeutschen Krankenhäusern abgebaut. Im gleichen Zeitraum wurden rund 20 Prozent mehr Klinikärzte beschäftigt. Heute müssen in den Kliniken jährlich rund eine Million Patienten mehr als 1995 medizinisch versorgt und pflegerisch betreut werden. Die Patienten-Pflegekraft-Quote hat sich damit um 23 Prozent erhöht. Zugleich nimmt die Pflege- und Betreuungsbedürftigkeit der Patienten zu. Die Arbeitsbelastung des Pflegepersonals steigt demzufolge flächendeckend an. Im Jahre 2006 sind so viele Überstunden geleistet worden, dass dafür rund 5.000 Pflegekräfte mehr hätten eingestellt werden müssen. Nach Einschätzung der befragten Pflegedirektionen wirkt sich die angespannte Personalsituation in der Krankenhauspflege bereits auf die Patientenversorgung und -sicherheit aus. So können Umlagerungen, Mobilisationen, Schmerzmittelverabreichungen und Überwachungen von operierten Patienten nicht mehr in jedem Krankenhaus optimal gewährleistet werden. Die Anzahl der Beschwerden von Patienten und Angehörigen über die Versorgung nimmt in jedem fünften Krankenhaus zu. 40 Prozent der Befragten rechnen zukünftig nicht mit einer Verbesserung der pflegerischen Qualität der Patientenversorgung. Zudem wird ein weiterer Stellenabbau in der Pflege aufgrund des Kostendrucks im Krankenhauswesen erwartet.

Angesichts dieser Situation besteht dringender Handlungsbedarf. Unter solchen Umständen kann man auch kein Verständnis dafür aufbringen, dass der Rhein-Kreis Neuss völlig undifferenziert der Versorgung pflegebedürftiger Menschen in den Heimen eine gute Note erteilt. Mängel soll es angeblich keine geben. Angesichts der erwähnten strukturellen Situation muss es zwangsläufig zu unangemessenen Pflegesituationen kommen. Das Pflegepersonal ist nicht nur in Krankenhäusern, sondern auch in den sonstigen Pflegeinrichtungen (v.a. Heimen) total überfordert und anhand statistischer Angaben keine 10 Jahre im Beruf. Selbst bei großem Engagement sind dann viele am Ende (ausgebrannt = Burn-out-Syndrom). - Und so darf es nicht weiter gehen! Pflegekräfte brauchen nicht nur Schulterklopfen und verbale Anerkennung, sie müssen unter pflegewissenschaftlich guten Rahmenbedingungen arbeiten können. Dazu bedarf es einer deutlich verbesserten Stellenausstattung!

Werner Schell, Dozent für Pflegerecht, Harffer Str. 59, 41469 Neuss


Siehe auch den Bericht unter
http://www.heide-bote.de/index.php?name ... e&sid=3233
Zuletzt geändert von WernerSchell am 03.09.2008, 08:20, insgesamt 2-mal geändert.
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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„PFLEGE-THERMOMETERS 2007“ - Stellenabbau im Krankenhaus

Beitrag von Pflegefan » 19.07.2007, 14:37

Presse hat geschrieben: .... „Der in der Studie beschriebene Stellenabbau im Pflegebereich in deutschen Krankenhäusern ist kein isoliertes Problem einer einzelnen Berufsgruppe. Mittlerweile setzt sich der Personalabbau in den Krankenhäusern bei fast allen Berufsgruppen im vierten Jahr in Folge fort. Dies verdeutlicht die schwierige finanzielle Lage der Krankenhäuser. ... Dies kann im Ergebnis auch in der Pflege zu einer höheren Arbeitsverdichtung führen. .... Nach der neuesten Krankenhausstatistik des Statistischen Bundesamtes wurden allein 2005 insgesamt 9.891 Vollkraftstellen in den Kliniken abgebaut. Im Jahr 2005 waren insgesamt 796.097 Vollkräfte in den Kliniken tätig. Dies entspricht einem Rückgang gegenüber 2004 von 1,23 Prozent (805.988). Vom Personalabbau waren neben dem Pflegedienst (-2,31 Prozent), Mitarbeiter im Wirtschafts- und Versorgungsdienst (-5,67 Prozent) sowie das Klinische Hauspersonal (-9,45 Prozent) betroffen. Dagegen verzeichnete der Ärztliche Dienst (+3,34 Prozent) Zuwächse. ...
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft versucht, die Pflegemisere zu relativieren und den "Schwarzen Peter" zu schieben. Der Ärztliche Dienst ist in den vergangenen Jahren über das überforderliche Maß aufgewertet worden, und zwar eindeutig zu Lasten der Pflege. Das ist Fakt. Und nun wird auch anderer Stelle auch noch darüber diskutiert, in welchem Umfange ärztliche Aufgaben zusätzlich auf die Pflege delegiert werden können. Siehe z.B. unter
viewtopic.php?t=6683
Die Pflegekräfte stellen die größte Berufsgruppe in der Krankenhausversorgung dar. Jedweder Stellenabbau macht sich deutlich bemerkbar. Unangemessene Pflegebedingungen können dann schnell nicht mehr gewährleistet werden. Die Studie des dip kann einen Kenner der Szene nicht überraschen. Es wird ein Ergebnis präsentiert, dass eigentlich schon länger bekannt sein musste und nun dramatische Formen angenommen hat.
Die menschenwürdige Pflege ist nirgendwo mehr garantiert! Und das in einem Staat, der in Artikel 1 seiner Verfassung die Menschenwürdegarantie festgeschrieben hat. Unfassbar!

Pflegefan
"Die Menschenwürde ist unanstastbar" (Art. 1 Grundgesetz). Dies muss in der Pflege oberste Handlungsmaxime sein - für alle!

Rob Hüser
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Pflegeabbau gefährdet Patientenversorgung

Beitrag von Rob Hüser » 21.07.2007, 17:53

Presse hat geschrieben: .... Pflegeabbau gefährdet Patientenversorgung. ....So können Umlagerungen, Mobilisationen, Schmerzmittelverabreichungen und Überwachungen von operierten Patienten nicht mehr in jedem Krankenhaus optimal gewährleistet werden. Die Anzahl der Beschwerden von Patienten und Angehörigen über die Versorgung nimmt in jedem fünften Krankenhaus zu. 40 Prozent der Befragten rechnen zukünftig nicht mit einer Verbesserung der pflegerischen Qualität der Patientenversorgung. Zudem wird ein weiterer Stellenabbau in der Pflege aufgrund des Kostendrucks im Krankenhauswesen erwartet. ....
Diese Feststellungen sind schlicht eine Schande. Das deutsche Gesundheitssystem ist eines der teuersten auf dieser Welt und dann diese Ergebnisse! Man mag es kaum glauben.
Opfer dieses schlechten Systems sind hilfe- und pflegebedürftigen Menschen. Personen also, die sich in einer außergewöhnlichen Notlage befinden und sich selbst oft nicht ausreichend zur Wehr setzen können.
Man kann nur den Kopf schütteteln - und dann die Politiker, die das alles für gut befinden.

Rob Hüser

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Pflegenotstand in Krankenhäusern

Beitrag von Presse » 23.07.2007, 15:54

19.07.2007
Westdeutsche Zeitung:

Pflegenotstand in Krankenhäusern

von Christoph Lumme

Düsseldorf (ots) - Die Lage vieler Pfleger ist unerträglich. Ihre Belastung steigt seit Jahren, weil immer mehr Planstellen verschwinden, immer mehr Patienten immer schneller behandelt werden müssen. In Deutschland hat sich ein System der Ausbeutung etabliert, das die Gesundheit von Patienten und Pflegern gleichermaßen aufs Spiel setzt.
...
Pressekontakt:
Rückfragen bitte an:
Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2358
redaktion.nachrichten@westdeutsche-zeitung.de
...
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http://www.presseportal.de/pm/62556/101 ... he_zeitung

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Am Pflegefachpersonal wird ungeniert gespart

Beitrag von Cornelia Süstersell » 23.07.2007, 16:01

Am Pflegefachpersonal wird ungeniert gespart - ein Skandal, der bereits seit Jahren andauert!

Siehe u.a. im Forum:
Stellenausstattung völlig unzureichend
viewtopic.php?t=6869&highlight=stellenschl%FCssel
Stellenschlüssel für das Heimpersonal
viewtopic.php?t=3917&highlight=stellen
44 Bewohner - 1 Pflegekraft im Nachtdienst!
viewtopic.php?t=5743&highlight=stellen
Pflege-Stellenschlüssel im Krankenhaus?
viewtopic.php?t=3807&highlight=stellenschl%FCssel

Guten Tag allerseits!

Seit Jahren wird am Pflegefachpersonal gespart, in Krankenhäusern und ambulanten bzw. stationären Pflegeeinrichtungen (Heimen). Rd. 70% der Kosten sind Personalaufwendungen. Klar, dass jede eingesparte Personalstelle Geld in die Kasse spült. Die Betroffenen - die pflegebedürftigen Menschen - haben das dann auszubaden; sie bekommen nicht die Hilfen und Zuwendunden, die sie doch dringend benötigen. Ein Skandal, der auch in dieser Form seit Jahren benannt wird. Doch keiner will so richtig zuhören und Konsequenzen ziehen. Von Politikern gibt es nur "Sprechblasen", aber keine Folgerungen, die das Problem auch nur annähernd lösen könnten. - Armes Deutschland!

Es grüßt
Cornelia
Ich trete für eine menschenwürdige Pflege ein und halte für es zwingend, mehr Pflegepersonal einzustellen.

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Pflegekräfte in Kliniken immer stärker belastet

Beitrag von Presse » 24.07.2007, 07:01

Pflegekräfte in Kliniken immer stärker belastet
Pflegebarometer 2007


BERLIN (af). Auf immer weniger Pflegekräfte in den deutschen Krankenhäusern kommt immer mehr Arbeit zu. Die Pflege bekommt den Kostendruck in den Kliniken damit besonders hart zu spüren. Diesen Schluss ziehen Wissenschaftler des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung (dip) aus den Ergebnissen einer Befragung leitenden Krankenhauspersonals.
...
Weiter unter
http://www.aerztezeitung.de/docs/2007/0 ... system_uns

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Re: Pflegeabbau gefährdet Patientenversorgung

Beitrag von Sabrina Merck » 25.07.2007, 07:33

Presse hat geschrieben: .... Nach Einschätzung der befragten Pflegedirektionen wirkt sich die angespannte Personalsituation in der Krankenhauspflege bereits auf die Patientenversorgung und -sicherheit aus. So können Umlagerungen, Mobilisationen, Schmerzmittelverabreichungen und Überwachungen von operierten Patienten nicht mehr in jedem Krankenhaus optimal gewährleistet werden. Die Anzahl der Beschwerden von Patienten und Angehörigen über die Versorgung nimmt in jedem fünften Krankenhaus zu. 40 Prozent der Befragten rechnen zukünftig nicht mit einer Verbesserung der pflegerischen Qualität der Patientenversorgung. Zudem wird ein weiterer Stellenabbau in der Pflege aufgrund des Kostendrucks im Krankenhauswesen erwartet. ...
Die dip-Studie ist nach meinem Eindruck gut recherchiert und stellt die Situation der Patientenversorgung und der Pflegenden im Wesentlichen richtig dar. In einzelnen Krankenhäusern scheint die pflegerische Unterversorgung noch schlimmer zu sein. Was Pflegekräfte seit geraumer Zeit berichten, spottet jeder Beschreibung.

Es bedarf nicht nur eines Aufstandes der Alten (Titel eines kürzlich ausgestrahlen TV-Films), sondern dringend notwendig ist ein Aufstand der Pflegenenden (im Interesse des eigenen Berufsbildes aber auch im Interesse der Patienten und pflegebedürftigen Menschen).

Sabrina Merck

Anmerkung der Moderation - heute hat das BFG das nachfolgende Statement übermittelt:

Betreff: Pflege-Thermometer2007 - Weniger Pflegekräfte, höherer Arbeitsaufwand und Mehrarbeit
Das Pflege-Thermometer 2007 wurde vom unabhängigen Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. in Köln durchgeführt. Es handelt sich um eine repräsentative Untersuchung leitender Pflegekräfte im Krankenhaus. Den Studienergebnissen liegen Daten aus 263 bundesdeutschen Krankenhäusern zugrunde. Gegenstand der Untersuchung war die Pflegepersonalsituation in den Einrichtungen mit der Ermittlung der Auswirkungen des Strukturwandels in den Krankenhäusern auf die Patienten. Des Weiteren wurden die Veränderungen der Tätigkeitsfelder der Berufsgruppen sowie tarifliche Neuordnungen in den Krankenhäusern hinsichtlich ihrer Auswirkungen untersucht.

Weniger Pflegekräfte, höherer Arbeitsaufwand und Mehrarbeit

In der allgemeinen Krankenhausstatistik des Statistischen Bundesamtes (Fachserie 12 / Reihe 6.1.) ist ersichtlich, dass sich die Personalsituation im Krankenhaus vor allem im Pflegebereich verändert hat. Sowohl bei den Stellen für pflegerische Hilfskräfte (Krankenpflegehelfer/-innen) als auch für das examinierte Pflegepersonal (Krankenpflegekräfte) wurden in erheblichem Umfang Reduzierungen vorgenommen. Es wurden 48.000 Vollzeitäquivalente (-13,5%) für Krankenpflegekräfte in den bettenführenden Bereichen im Zeitraum von zehn Jahren abgebaut. Dabei hat sich die Fallzahl der stationär behandelten Patienten erhöht und die Verweildauer der Patienten ist gesunken. Es erfolgte im gleichen Zeitraum ein Aufbau des ärztlichen Personals in erheblichem Umfang (+19,5%). Die Belastungszahl des Pflegedienstes nach Fällen stieg in zehn Jahren von 48 Patienten auf 59, was einem Plus von 23% entspricht!

In der vorliegenden Studie bestätigen sich diese allgemeinen Entwicklungen. In den befragten Krankenhäusern der Studie wurde ebenfalls Pflegepersonal abgebaut. Die Zahl der Einrichtungen, die kompensatorisch Hilfskräfte aufgebaut haben, hält sich dabei die Waage mit den Einrichtungen, die Hilfskräfte abgebaut haben. Die betriebsinternen Möglichkeiten der Rationierung scheinen an einem vorläufigen Endpunkt angelangt zu sein. Nur 6% der befragten Pflegedirektionen sehen im Pflegebereich noch bestehende Überkapazitäten. Entsprechend liegt für das Jahr 2007 die geplante Zahl des Pflegepersonals durchschnittlich auf dem gleichen Niveau wie 2006. Langfristig sehen sich die leitenden Pflegekräfte mit einem weiteren Abbau des Krankenpflegepersonals konfrontiert. Über 52% der Befragten schätzen ein, in den nächsten fünf Jahren weniger Krankenpflegepersonal zu beschäftigen. Dies steht im Widerspruch zu einem erwarteten Mehrbedarf an pflegerischem Fachpersonal, der von 42% der Befragten geäußert wird.

Nahezu einheitlich (92%) wird ein kontinuierlicher Anstieg des Arbeitsaufwandes für das Krankenpflegepersonal beobachtet. Dieser umfasst einerseits die Erhöhung des Aufwands für Koordination, Administration und Dokumentation. Andererseits ist den Angaben von über 90% der Befragten zufolge der Aufwand der direkten Patientenversorgung gestiegen. Dies wird im Zusammenhang mit der Erhöhung der Pflegebedürftigkeit der Patienten gesehen. Die bestehenden Personalkapazitäten stoßen offenbar an ihre Grenzen, mehr Mitarbeiter werden jedoch nicht beschäftigt.

Dies wird vor allem mit Einsparungen begründet. Eine Folge ist, dass die Mehrarbeitsstunden des bestehenden Personals im Zeitraum von vier Jahren beständig gestiegen sind. So kompensierten im Jahr 2006 bundesweit die Pflegekräfte umgerechnet einen Mehraufwand in Höhe von ca. 5.000 Vollzeitstellen.

Hilfskräfteeinsatz, Flexibilisierung und die Situation älterer Mitarbeiter

Hinsichtlich des Einsatzes von Hilfskräften wird von 47% der Befragten erwartet, dass in den kommenden Jahren ein Aufbau an Personalstellen in diesem Personalbereich erfolgen wird. Es geht allerdings nur jeder Siebte davon aus, dass Hilfskräfte tatsächlich den Wegfall von Krankenpflegekräften kompensieren können. Dabei halten sich die Anteile derer, die in dem verstärkten Hilfskräfteeinsatz eine finanzielle Ersparnis sehen oder diese nicht erwarten, die Waage.

Eine weitere mögliche Reaktion auf die derzeitige Personalsituation ist die Flexibilisierung des Personaleinsatzes. Möglichkeiten werden in einem Rotationssystem für Pflegekräfte oder einem Mitarbeiterpool gesehen, dessen Arbeitnehmer flexibel dort eingesetzt werden, wo ein direkter Bedarf an zusätzlichem Personal besteht. Allerdings beurteilen nur 40% der leitenden Pflegekräfte die Flexibilisierung als „effektiv“. Vor allem scheint eine Flexibilisierung mit einem hohen Schulungsaufwand beim Personal im Zusammenhang zu stehen. Daneben stößt sie auch auf Widerstände beim Personal. Als konzeptionelle Antwort einer notwendigen Optimierung der Personalressourcen kann sie anscheinend nur bedingt Wirkung zeigen. Somit rechnet auch nur etwa ein Drittel der Befragten damit, dass durch eine Flexibilisierung zukünftig klassische „Stationsteams“ aufgelöst werden.

Ältere Mitarbeiter spielen in der Personaldiskussion eine besondere Rolle. 83% der Befragten rechnen damit, dass sich der Anteil älterer Arbeitnehmer im Pflegebereich erhöhen wird. Dabei zeigt sich, dass die befragten Leitungen die älteren Mitarbeiter als weniger geeignet für die Dauerbelastung in der Krankenpflege bewerten. So schätzen insgesamt nur 4,2% die physischen Belastungen als tragbar bis zum Rentenalter ein. Bei den psychischen Belastungen sind es immerhin 15%, die die Belastungen für tragbar erachten. Nur 3% geben an, dass es ausreichend alternative Einsatzmöglichkeiten gibt, wenn ein älterer Mitarbeiter den Belastungen der Arbeit in den bettenführenden Bereichen nicht mehr gewachsen ist. Nur etwa ein Drittel der Befragten verfügt in der Einrichtung über spezielle Konzepte und Programme der Altersteilzeit.

Patientensicherheit und pflegerische Versorgungsqualität

International wird die Frage des Zusammenhangs von Pflegekapazität und Patientensicherheit in den Krankenhäusern bereits seit Jahren durch Studien beforscht. Hier mehren sich Anzeichen eines Zusammenhangs von mangelnder Pflegeversorgung und unerwünschter Auswirkungen für die Patienten. So wird häufiger auf eine erhöhte Mortalität (Sterberate), verspäteter Hilfe im Notfall und weiterer Komplikationen (Stürze, Medikamentenfehlern, Dekubitalgeschwüren etc.) als Folge von mangelnder pflegerischer Versorgung hingewiesen. Auch nach Einschätzung der Befragten des diesjährigen Pflege-Thermometers wirkt sich die angespannte Personalsituation mittlerweile direkt auf die Patientenversorgung aus. Es zeigen sich erste Risiken und Einschränkungen in der Versorgungsqualität. So schätzen 30% ein, dass Mobilisationen bei Patienten häufiger nicht mehr in einer entsprechend notwendigen Anzahl durchgeführt werden können.

Weitere 55% geben an, dass dies zwar selten, aber dennoch vorkomme. Nur 6,5% können sagen, dass dies nie der Fall ist. Auch die grundpflegerische Versorgung (bspw. morgendliche Körperpflege) und eine regelmäßige Lagerung der Patienten kann den Angaben der Studie zufolge nur noch von einem Drittel der Einrichtungen vollständig gewährleistet werden. Weitere Einschränkungen sind erkennbar. 37% geben an, dass die Nahrungsverabreichung häufiger oder oft nicht im Esstempo des Patienten erfolgt. Auch die Ergebnisse, die dem Themenfeld der Krankenbeobachtung und Überwachung zugeordnet werden können, sind alarmierend. Nur ein Viertel der Einrichtungen gibt an, eine engmaschige Kontrolle der Patienten, etwa nach einem operativen Eingriff, immer gewährleisten zu können. Ein Drittel der Befragten äußert sich dahingehend, dass die Möglichkeit, eine angemessene Patientenüberwachung sicherstellen zu können, gesunken sei. Als Folge einer insgesamt sinkenden Kontakthäufigkeit zwischen Krankenpflegepersonal und Patienten kommt es in gut drei Viertel der Einrichtungen vor, dass Patienten manchmal länger als 15 Minuten auf eine notwendige Verabreichung von Schmerzmitteln warten müssen.

40% der Pflegedirektionen geben an, dass die Möglichkeit, eine qualitativ hochwertige Pflege anzubieten, in den letzten beiden Jahren gesunken sei. 30% bemerken sogar ein Absinken der Möglichkeit, eine ausreichende Versorgung anzubieten! Zwar gibt die Hälfte der Befragten an, dass die Zahl der in der Einrichtung entstandenen Dekubitalulzerationen (Wundliegen) in den letzten zwei Jahren gesunken sei. Auch Sturzereignisse und nosokomiale (im Krankenhaus erworbene) Infektionen konnten den Angaben folgend in der Tendenz in den letzten beiden Jahren leicht gesenkt werden. Auf die weitere Entwicklung bezogen rechnen jedoch 40% nicht mit einer Verbesserung der pflegerischen Qualität der Patientenversorgung. Zudem nehme die Anzahl der Beschwerden von Patienten und Angehörigen über die pflegerische Versorgung kontinuierlich zu.

Alte und neue Tätigkeitsbereiche der Krankenpflegekräfte und Hilfskräfte

Für eine grundsätzliche Neuordnung und Umstrukturierung der Tätigkeitsbereiche der therapeutischen und pflegerischen Berufe sprechen sich 68,2% der Befragten aus. Hilfskräfte werden derzeit vor allem im Servicebereich, bei einfachen Patientenbegleitungen und bei nicht therapeutisch ausgerichteten Tätigkeiten eingesetzt. Bei der Nahrungsaufnahme und der pflegerischen Assistenz, zum Beispiel bei Lagerungen, sind weitere Tätigkeitsfelder auszumachen, die jedoch nur in jeder fünften Einrichtung durch Hilfskräfte unterstützt werden. Keine Rolle hingegen spielt der Hilfskräfteeinsatz bei der ärztlich verordneten Pflege und bei der medikamentösen Versorgung. Bei den Tätigkeitsbereichen der Krankenpflegekräfte zeigt sich, dass nur in jeder dritten Einrichtung keine Reinigungsarbeiten mehr durch qualifiziertes Personal durchgeführt werden. Noch geringer ist der Wert bei allen anderen nicht primär therapeutisch ausgerichteten Leistungen (Serviceleistungen, Patientenbegleitung, Hotelleistung etc.). Für wünschenswert halten jedoch ca. die Hälfte der Befragten die Befreiung der Krankenpflegekräfte von Serviceleistungen, der Beschaffung und Logistik von Materialien und den einfachen Patientenbegleitungen. Hier scheint eine Diskrepanz zwischen angestrebtem Tätigkeitsprofil und dessen Realisierung vorzuliegen.

Eher ablehnend stehen die leitenden Pflegekräfte Vorschlägen gegenüber, dass die Krankenpflegekräfte die Unterstützung beim Essen und Trinken (64%) nicht mehr leisten oder keine Medikamente mehr zusammenstellten (59,7) sollten. Als neu zu erschließende Arbeitsgebiete für die Pflegefachkräfte werden vor allem Tätigkeiten der Prozesssteuerung (Casemanagement / Entlassungsmanagement), der Beratung und Begleitung sowie einzelne therapeutische Maßnahmen (Wundmanagement) genannt.

Die meisten Aspekte werden jedoch in weniger als jeder vierten Klinik bereits heute umgesetzt. Fragt man nach der zusätzlichen Übernahme bislang ärztlicher Tätigkeiten, so sind es 20-30% der Befragten, die in den kommenden fünf Jahren mit wesentlichen Veränderungen rechnen. Das Spektrum der möglichen Tätigkeiten umfasst die eigenverantwortliche Narkoseüberwachung durch Pflegende, die Vornahme kleiner operativer Eingriffe und in geringerem Umfang auch die Durchführung diagnostischer Verfahren. Fast die Hälfte der Befragten erwartet darüber hinaus die Schaffung neuer ärztlicher Assistenzberufe (z.B. Chirurgisch-technische Assistenten), um der Personalsituation in den Kliniken zu begegnen.

Tarifsystemveränderungen und Auswirkungen

Im Jahr 2006 erfolgte in den Einrichtungen von einem Drittel der Befragten eine Tarifumstellung. Mit einem Verbreitungsgrad von über 40% ist der TVöD nun das am häufigsten genannte Tarifsystem. In der Bewertung sehen die Befragten tarifvertragliche Änderungen primär als einen Beitrag zur Senkung des Einstiegsgehalts bei neuen Mitarbeitern an. Daneben versprechen sich die Befragten, dass aufgrund einer Veränderung der derzeitige Personalbestand im Pflegebereich gehalten werden kann. Nur ein Drittel sieht in Tarifsystemänderungen einen Beitrag, eine leistungsorientierte Bezahlung zu realisieren. Befragt nach Auswirkungen, decken sich die Einschätzungen der Einrichtungen, die noch keine Umstellung vorgenommen haben, mit den Einschätzungen der Einrichtungen, die auf eigene diesbezügliche Erfahrungen zurückblicken können.

Knapp vierzig Prozent bemerken eine stärkere Konkurrenz innerhalb der Berufsgruppe, ein Drittel hat bereits Schwierigkeiten, berufserfahrenes Krankenpflegepersonal zu akquirieren. Es fällt auf, dass die Fluktuation der Beschäftigten anscheinend stärker zurückgeht als erwartet. Hinsichtlich der Auswirkungen der tarifvertraglichen Änderungen der Krankenhausärzte nach den Ärztestreiks im vergangenen Jahr, sind die Meinungen eindeutig. Fast 70% rechnen mit Auswirkungen auf die Personalstruktur des Krankenhauses. Dabei sehen 60% hierin einen Grund, dass zukünftig Teile ärztlicher Tätigkeiten vom Pflegepersonal durchgeführt werden. 42% rechnen hingegen weiterhin mit einem direkten Stellenabbau im Pflegebereich durch die Verteuerung der ärztlichen Leistungen. Nur 16% schätzen ein, dass es bei den Ärzten zu einem Personalabbau kommen wird.

Quelle:
Text am 24.07.2007 übermittelt - beruhend auf einer Mitteilung des dip - von
B.F.G. Bildungsinstitut Fachbereiche Gesundheitswesen,
Inhaber u. Geschäftsleiter Andreas Kray
Sandstraße 17, D-57072 Siegen
Telefon +49 (0)271 2346267
Telefax +49 (0)271 3037139
Mail bfg.kray@t-online.de
Dem Pflegesystem und den pflegebedürftigen Menschen muss mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden! Daher:
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk!
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de

WernerSchell
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Registriert: 18.05.2003, 23:13

Beitrag von WernerSchell » 02.08.2007, 08:56

Textübernahme aus:
viewtopic.php?t=6980

Pflegenotstand & Patientenschädigung? Infos erbeten

Der Pflegenostand ist da. Darüber wird z.B. in der vor wenigen Tagen präsentierten Studie des dip eindrucksvoll berichtet:

Pflegenotstand in deutschen Kliniken
Studie: Patientensicherheit in Gefahr

viewtopic.php?t=6888

Das Thema soll jetzt in einer TV-Sendung aufgegriffen und möglichst anhand einer konkreten Fallbeschreibung näher erläutert werden.

Informationen über eine geeignet erscheinende Pflegesituation (z.B. mangelhafte Mobiliiserung oder Entstehen eines Durchliegegeschwürs aufgrund von Personalmangel), die den Pflegenotstand verdeutlichen kann, werden gerne entgegen genommen, entweder per E-Mail - Team@wernerschell.de - und per Anruf 02131/150779.
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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