Patienten dürfen Krankenhaus früher verlassen

Gesundheitswesen, Krankenhaus- und Heimwesen, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Arzneimittel- und Lebensmittelwesen, Infektionsschutzrecht, Sozialrecht (z.B. Krankenversicherung, Pflegeversicherung) einschl. Sozialhilfe und private Versorgung

Moderator: WernerSchell

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Patienten dürfen Krankenhaus früher verlassen

Beitrag von Presse » 25.08.2011, 18:51

Dormagen
Patienten dürfen früher gehen

VON ANNELI GOEBELS UND HEIKO SCHMITZ - zuletzt aktualisiert: 25.08.2011
Dormagen (NGZ). Die Verweildauer der Patienten in NRWs Krankenhäusern ist zurückgegangen. Ihre Anzahl ebenso wie die Zahl der beschäftigten Ärzte jedoch gestiegen, auch in Hackenbroich. Verwaltungsdirektor Harald Schmitz erklärt warum.
Seit Einführung von "DRG" hat sich einiges geändert. .... In Dormagen blieben die Patienten im Jahr 2000 im Durchschnitt neun, fünf Jahre später 8,57 und 2010 nur noch sieben Tage. ....
Weiter lesen unter
http://www.ngz-online.de/dormagen/nachr ... -1.1677953

WernerSchell
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Frühe Entlassungen führen zu Versorgungslücken

Beitrag von WernerSchell » 26.08.2011, 07:13

Presse hat geschrieben:Dormagen
Patienten dürfen früher gehen

VON ANNELI GOEBELS UND HEIKO SCHMITZ - zuletzt aktualisiert: 25.08.2011
Dormagen (NGZ). Die Verweildauer der Patienten in NRWs Krankenhäusern ist zurückgegangen. ....
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk hat zu dem NGZ-Bericht den nachfolgenden Text an die zuständige Zeitungsredaktion übermittelt:

Bild Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
Unabhängige und gemeinnützige Initiative - Harffer Straße 59 - 41469 Neuss
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk führt regelmäßig Pflegetreffs mit bundesweiter Ausrichtung durch.
Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk ist Kooperationspartner der „Aktion Saubere Hände.“


25.08.2011

An die
Neuss-Grevenbroicher Zeitung - Redaktion Dormagen


Sehr geehrter Herr Schmitz,

Ihr Bericht vom 25.08.2011

"Patienten dürfen früher gehen"
http://www.ngz-online.de/dormagen/nachr ... -1.1677953
Forumshinweis unter viewtopic.php?p=61113#61113

ist mir zu sehr krankenhaus- bzw. arztfreundlich ausgefallen. Richtig ist, dass die Fallpauschalenregelung zu erheblich kürzeren Krankenhausaufenthalten geführt hat. Allerdings wird das von Patientenseite lebhaft kritisiert. Es wird insoweit auch von "blutigen Entlassungen" gesprochen. Nicht selten müssen Patienten kurz nach der Entlassung wieder neu aufgenommen werden.
Die Fallpauschalenregelung und die kürzeren Aufenthalte mit all ihren negativen Aspekten hat im Wesentlichen die Politik zu vertreten. Dies wird z.B. auch ein Thema beim nächsten Neusser Pflegetreff am 13.09.2011 sein, wenn der Patientenbeauftragte auf dem Podium sitzt.
Dass Sie in dem Bericht die Ärzteseite zu Wort kommen lassen, ist grundsätzlich in Ordnung. Allerdings hätte die Pflege in diesem Zusammenhang mehr Aufmerksamkeit verdient. Denn die Pflegekräfte haben neben den Patienten die Nachteile der Neuregelungen zu tragen. In den letzten 10 Jahren sind rd. 50.000 Pflegekräftestellen (zu Gunsten der Ärzte) abgebaut worden, obwohl die Arbeitsbelastung für die Pflegekräfte enorm zugenommen hat. Dies hätte in Ihrem Bericht deutlich ausgeführt werden müssen. Dann hätte man auch besser ein Foto einer geplagten Pflegekraft verstellen können. Die Ärzteschaft in den Krankenhäusern hat sich, das kann man pauschal so einmal beschreiben, zu Lasten der Pflege saniert. Und das muss auch einmal klar gesagt werden.
Siehe im Übrigen den kürzlichen Bericht der Rheinischen Post "Aufstand in der Pflegebranche". - Näheres dazu unter
viewtopic.php?t=16247
Im Übrigen fehlt in Ihrem Bericht der Hinweis, dass die Patienten bei schnellen Entlassungen in zum Teil schwierige häusliche Verhältnisse zurückkehren. Sie werden überwiegend mit hohem Pflegebedarf bzw. Hilfenotwendigkeiten entlassen, ohne dass geregelt ist, wie diese Versorgungslücke geschlossen wird. Abgesehen von behandlungspflegerischen Maßnahmen gibt es von der Kranken- oder Pflegekasse keine Hilfe. Ich vermisse Ausführungen, wie diese Situation von den früh entlassenen Patienten gemeistert werden kann. Wohl dem der eine gut funktionierende Familie mit entsprechender Betreuung zur Seite hat.
Zum Thema Versorgungslücken finden Sie in meinem Forum zahlreiche Beiträge unter folgender Adresse:
Lücken in der Versorgung nach einem Krankenhausaufenthalt
viewtopic.php?t=12146&highlight=versorgungsl%FCcken

Mit freundlichen Grüßen
Werner Schell
http://www.wernerschell.de

+++
Das Thema wurde in anderen Medien wie folgt aufgegriffen:
http://www.heide-bote.de/index.php?name ... &sid=19290
Mittlerweile liegen auch zahlreiche zustimmende E-Mail-Zuschriften vor.
Offensichtlich war das o.a. Statement von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk "ein Volltreffer"!
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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WernerSchell
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Frühe Entlassungen führen zu Versorgungslücken

Beitrag von WernerSchell » 27.08.2011, 07:06

Zu den sog. blutigen Entlassungen ist mittlerweile eine Menge geschrieben worden. Einige Medienberichte sind angefügt. Darin kann jeder das herauslesen, was ihm gerade passend erscheint. Eine Studie aus 2009 suggeriert, dass es eigentlich wenig Probleme gebe.
Nicht zu leugnen sind aber die erheblich verkürzten Verweilzeiten im Krankenhaus, die nach vielfachen Patientenberichten zu schwierigsten Anschlussbehandlungen im ambulanten Bereich geführt haben und auch weiterhin führen werden, zwangsläufig. Dabei kam es auch zu Wiedereinweisungen. In den Berichten wird aber der Umstand völlig vernachlässigt, dass die Patienten zu Hause unter Umständen pflegerisch nicht versorgt werden können, weil das SGB V keine zwingende Vorschrift enthält, den Patienten vorübergehend durch Haushaltshilfe oder Pflege zu unterstützen. Solche Situationen bringen die Patienten immer wieder in arge Not. Daher hat es zu diesem Thema bereits eine Initiative mit Petition zum Deutschen Bundestag gegeben. Siehe dazu auch die die zahlreichen Beiträge unter
viewtopic.php?t=12146
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk wird in zunehmendem Maße mit der Versorgungslücke nach einem Krankenhausaufenthalt befasst und weiß um die Lücke im System. Da hilft auch kein Schönreden. Da muss im SGB V einfach nachgebessert werden.
Erst vor wenigen Tagen hat sich eine alleinstehende ältere Dame hier gemeldet, die nach einer orthopädischen Behandlung mit Op. zu Hause im Rollstuhl sitzt. Sie kann diesen Rollstuhl aus eigener Kraft nicht alleine verlassen und darf auch im Moment nicht gehen. Sie muss zu Hause rehabiliationsfähig werden. Aber wie? Familienmitglieder stehen für eine Unterstützung nicht zur Verfügung. Die Krankenkasse kann keine Sachleistung bewilligen. Nun suchte die Dame krampfhaft nach einer Betreuung. Und wenn die Betreuung gefunden wird: Wer bezahlt das alles?
Also Probleme noch und noch!
Werner Schell


Dtsch Arztebl 2007; 104(14): A-923 / B-825 / C-787
Niermann, Inga

Anschlussheilbehandlung: „Blutige Entlassung“ verlagert Kosten in die Reha
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/art ... p?id=55105

Blutige Entlassung
Nur zehn Tage nach seiner Hüftoperation wurde Gottfried Wolf aus der Klinik entlassen, dabei war sein Bein noch völlig geschwollen. Zu früh, denn in der Reha-Klinik konnte er eine Woche lang gar keine Übungen mitmachen. Seit 2003 ist die Dauer der Krankenhausaufenthalte um vier Tage gesunken. Die Folge: Angehörige und Reha-Kliniken müssen die Wundbehandlung übernehmen. Dabei sind sie darauf überhaupt nicht vorbereitet.
...
Professor Bernhard Greitermann, Orthopäde beschreibt die Risiken der frühzeitigen Entlassung: „Unverkennbar ist, dass die Patienten es zuhause jetzt etwas schwerer haben, teilweise auch deutlich schwerer, wenn sie nach Hause kommen, sich zuhause zurecht zu finden, alleine zurecht zu kommen. Sie müssen häufig noch ambulante Nachbehandlung haben und - das darf man nicht verkennen – auch die Unfallgefahr ist nicht ganz ohne. Patienten dürfen ja nicht über den ersten Teppich stolpern, wenn sie nach Hause kommen“.
Bis Dienstag hat Gottfried Wolff noch Zeit, unter Aufsicht in der Reha zu trainieren – zu wenig, um richtig fit zu werden. Die Folgen der frühen Entlassung wird er noch lange spüren.
http://www.wdr.de/tv/westpol/sendungsbe ... enhaus.jsp

Fallpauschalen belasten Ärzte und Pfleger
Als die Fallpauschalen in den Kliniken eingeführt wurden, waren die Befürchtungen groß: Kranke würden fortan viel zu früh entlassen. Doch jetzt haben Forscher herausgefunden: Für die Patienten hat sich die Situation nicht verschlechtert - dafür aber für die Ärzte.
Von Christiane Badenberg
Hat die Einführung der Fallpauschalen in den Krankenhäusern zu den befürchteten "blutigen Entlassungen" und zu einer Verlagerung der Versorgung in andere Bereiche geführt? Nein, sagt das Berliner IGES-Institut. Und stützt damit auch eine Studie an niedersächsischen Kliniken http://www.aerztezeitung.de/politik_ges ... =404524597 , die bereits 2009 veröffentlicht wurde.
...
Übereinstimmend stellen IGES und CKM aber fest, dass sich in den Jahren seit der DRG-Einführung die Arbeitszufriedenheit der Ärzte und Pflegekräfte verschlechtert hat. So hat nach Erkenntnissen der IGES-Forscher die Arbeitsbelastung der Ärzte zwischen 2004 und 2007 stark zugenommen. Teilweise um zehn bis elf Prozentpunkte.
http://www.aerztezeitung.de/politik_ges ... leger.html
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Dieter Radke
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Frühe Entlassungen führen zu Versorgungslücken

Beitrag von Dieter Radke » 27.08.2011, 09:45

WernerSchell hat geschrieben: Zu den sog. blutigen Entlassungen ist mittlerweile eine Menge geschrieben worden. ... In den Berichten wird aber der Umstand völlig vernachlässigt, dass die Patienten zu Hause unter Umständen pflegerisch nicht versorgt werden können, weil das SGB V keine zwingende Vorschrift enthält, den Patienten vorübergehend durch Haushaltshilfe oder Pflege zu unterstützen. Solche Situationen bringen die Patienten immer wieder in arge Not. ....Da hilft auch kein Schönreden. Da muss im SGB V einfach nachgebessert werden. ....
Danke für das Engegament. Ich kann die Problematik aus eigenem Erleben bestätigen: Schnell aus dem Krankenhaus: Zuhause ohne Hilfe und Versorgung. Niemand fühlt sich zuständig und sorgt für Unterstützung. Das muss sich ändern - schnellstens. Angesichts der demografischen Entwicklung wird alles komplizierter.

Dieter Radke
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Versorgungslücken nach Krankenhausentlassung

Beitrag von PflegeCologne » 28.08.2011, 14:20

Hallo Herr Schell,
ich begrüße Ihre Aktivitäten wegen der frühen Entlassungen sehr und bin gespannt, ob sich die Zeitung noch einmal zum Thema geäußert. Sie werden ja sicherlich hier informieren.
Aus ständigem Erleben kenne ich die Probleme. Der "abrechnungsfähige Fall" wird im Krankenhaus nach "Schema-F" therapiert und dann entlassen. Das kann durchaus "blutig" sein. D.h. es müssen ambulant umfängliche Maßnahmen der Weiterbehandlung organisiert und durchgeführt werden. Dabei kann schnell einiges schief laufen (z.B. Hausarzt verweigert Hausbesuche usw.) - und schon wird der Patient wieder stationär aufgenommen.
Wer aber früh entlassen ist, kann sich und den Haushalt oft nicht versorgen. Dann kann es, wenn keine Angehörigen da sind oder Nachbarn einspringen, zu erheblichen Schwierigkeiten bei der Alltagsbewältigung kommen. Insoweit gibt es in der Tat keine Leistungsansprüche, die diese Lücke schließen könnten. Da muss m.E. der Gesetzgeber ran, und zwar schnell. Denn die Zahl der Alleinlebenden steigt rapide.
Dass diese Thematik in dem Bericht der Neusser Zeitung unerwähnt geblieben ist, kann schon als merkwürdig empfunden werden. Offensichtlich ist auch für die Presse der Patient (= Leser) nicht (mehr) die Hauptperson.
Dass in dem Zeitungsbericht auch die Probleme der Pflege (Pflegenotstand durch Vermehrung der Ärztestellen usw.) unerwähnt geblieben ist, ist ein weiterer Schwachpunkte. Aber Sie sagten ja zurecht: der angesprochene Zeitungsbericht war arztlastig! Offensichtlich haben die Ärzte auch bei den Zeitungsleuten eine starke Lobbyecke.
Lb. Grüße
Pflege Cologne
Alzheimer - eine Krankheit, die mehr Aufmerksamkeit erfordert! - Pflegesystem muss dem angepasst werden, auch, wenn es teurer wird! - Ich bin dabei:
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de

WernerSchell
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Pflegerisches Entlassungsmanagement ... Buchtipp

Beitrag von WernerSchell » 11.09.2011, 06:53

Buchtipp!

Klaus Wingenfeld:

Pflegerisches Entlassungsmanagement im Krankenhaus
Konzepte, Methoden und Organisationsformen patientenorientierter Hilfen

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Näheres hier:
http://www.wernerschell.de/Buchtipps/pf ... enhaus.php
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Nach Operation: Turboentlassung macht oft Probleme

Beitrag von Presse » 20.05.2014, 06:32

Nach Operation: Turboentlassung macht oft Probleme
Jeder dritte Patient, der binnen 24 Stunden nach einem bauchchirurgischen Eingriff entlassen wird,
hat noch Monate später Probleme, von denen der Chirurg nichts mitbekommt.
Das zeigt eine kanadische Studie.
mehr » http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=859 ... ten&n=3480

Kommentar zur Turboentlassung: Patient auf der Strecke
Um sieben Uhr morgens in die Klinik zur Leistenbruch-Op, am späten Nachmittag schon wieder zu Hause:
Viele chirurgische Kliniken werben auf ihrer Homepage für ambulante Eingriffe.
mehr » http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=859 ... ten&n=3480

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