Fussek kritisiert Pflegende - `40 % sind ungeeignet`

Pflegespezifische Themen; z.B. Delegation, Pflegedokumentation, Pflegefehler und Haftung, Berufsrecht der Pflegeberufe

Moderator: WernerSchell

Sr. Gundula
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Differenziete Kritik bitte - Pflegende pfleglich behandeln

Beitrag von Sr. Gundula » 12.06.2008, 19:46

Brock hat geschrieben: ... es gibt vielfältige Kritik am Pflegesystem und an Personen. Ich denke, dass sehr differenziert diskutiert werden muss. Mit Schuldvorwürfen in Richtung Personal muss man sicherlich sehr vorsichtig umgehen. Sie sind, ob man das wahrhaben will oder nicht, auch Opfer des Systems. Ihre Möglichkeiten, sich zur Wehr zu setzen, sind begrenzt. Man kann nicht von jeder Pflegekraft verlangen, dass sie per "Aufstand am Arbeitsplatz" ihre Existenz gefährdet. Das machen andere auch nicht, sie beobachten vom "grünen Tisch" und picken sich aus sicherer Entfernung die Schuldigen heraus. Mein Wunsch wäre, die Pflegekräfte nicht pauschal zu verurteilen. Wer dies tut, hat von der realen Lage vor Ort keine ausreichende Vorstellung. ...
Guten Abend allerseits,
man sieht nach dem verlorenen Fußballspiel gegen Kroatien, wie sich im Leben manche Dinge schnell relativieren. Es wird jetzt wieder eine Suche nach "Sündenböcken" geben.
Was die Pflege angeht, hat mir die Texteinstellung von Herrn Brock gefallen. Er mahnt Differenzierungen an, also nicht einfach draufhauen. Ich schließe mich dem gerne an und schlage vor, auch die Pflegekräfte ein wenig pfleglicher zu behandeln. Bedenken wir doch, was sie tagtäglich für einen schweren Stand haben. Unterstützen wir sie in ihrer Arbeit und "schlagen nicht auf sie ein". Pflegekritik ja, aber bitte nicht einfach jetzt die Pflegenden schlecht reden. Das ist zu pauschal und auch nicht gerecht.
Es grüßt herzlich
Sr. Gundula
Christliche Kirchen sind zur menschenwürdigen Pflege verpflichtet. - Allerdings sehe ich noch erhebliche Umsetzungsmängel!

Kimmi
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Diskussion um die Eignung von Pflegekräften

Beitrag von Kimmi » 13.06.2008, 06:03

Ich kann die Diskussion um die Eignung von Pflegekräften kaum nachvollziehen. Pflegekräfte geben meist ihr Bestes, sind hoch engagiert, allerdings sind sie nach wenigen Jahren verbraucht. Das System hat sie kaputt gemacht. Unter solchen Umständen auf die Pflegekräfte herumzuhacken, halte ich für unzumutbar und muss als eindeutige Fehleinschätzung der Pflegekritik eingestuft werden. Man könnte auch fragen, inwieweit bestimmte Kritiker überhaupt über die notwendige Befähigung verfügen, Urteile über eine ganze Berufsgruppe abzugeben.

Kimmi

johannes
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Diskussion um die Eignung von Pflegekräften

Beitrag von johannes » 13.06.2008, 20:23

Die Diskussion um die Eignung von Pflegekräften macht schon Sinn. Wird doch dadurch der Blick von den Ursachen weggelenkt. Solange ich mich mit den vermeintlichen Problemen und Fehlern der anderen beschäftige, brauche ich mich nicht um meine eigenen zu kümmern. Eine schon immer erfolgreiche Strategie.

Die Politiker brauchen keine Antwort auf die Finanzierung angemessener Personalausstattung geben, die Pflegekassen können in Pflegesatzverhandlungen angemessene Vergütungen weiterhin verweigern, die Angehörigen brauchen sich auch weiterhin nicht ehrenamtlich für ihre Pflegebedürftigen in den Heimen einsetzen, Heimaufsicht und MDK können sich weiter hinter Personalkorridoren verstecken, die in ihren Ansätzen bereits rechtswidrig sind (SGB XI, § 28,4).

Schließlich können auch die Pflegekritiker ihre Schlammschlachten weiter schlagen, es können weitere bürokratische Monster geschaffen werden.

Ich sehe schon einen Sinn in dieser Diskussion. Ob er allerdings ehrlich und der Würde des Menschen angemessen ist, das halte ich für eine andere Frage, die ja nicht zur Debatte steht.

Johannes
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Cicero
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Eignung von Pflegekräften nur ein Randthema

Beitrag von Cicero » 14.06.2008, 06:46

johannes hat geschrieben:.... Die Diskussion um die Eignung von Pflegekräften macht schon Sinn. Wird doch dadurch der Blick von den Ursachen weggelenkt. Solange ich mich mit den vermeintlichen Problemen und Fehlern der anderen beschäftige, brauche ich mich nicht um meine eigenen zu kümmern. Eine schon immer erfolgreiche Strategie. ...
Wir müssen uns mit den wirklichen Problemen in der Pflege auseinandersetzen. Dazu gehören alle Missstände auf den Tisch, kein Thema darf ausgeklammert bleiben. Dann müssen Lösungen gesucht werden, vor allem muss an die strukturellen Probleme herangegangen werden.
Es kann aber, wie hier schon deutlich wurde, nicht einzig darum gehen, die Pflegekräfte zum "Buhmann" der Pflege zu machen. Das geht an der realen Missstruktur völlig vorbei und verstellt den Blick für das Wesentliche. Dies hätte auch Herr Fussek, der die Diskussion angestoßen hat, wissen müssen. Daher muss der "Oberkritiker" jetzt selbst einmal Kritik ertragen. Ich hoffe, dass er seine Aussage bald relativiert, oder besser noch, zurücknimmt.

Cicero
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Im Gleichklang: Frieden - Ausgleich - Demokratie - und: "Die Menschenwürde ist unantastbar"!

Bajuware
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Fussek kritisiert Pflegende - `40 % sind ungeeignet`

Beitrag von Bajuware » 15.06.2008, 07:13

Fussek kritisiert Pflegende - `40 % sind ungeeignet`

Diese von CAREkonkret übermittelte Botschaft ist hier im Forum zurecht in aller Deutlichkeit kritisiert worden:
viewtopic.php?t=8862
Es kann nicht angehen, dass in dieser Form gegen Pflegekräfte agiert wird. Das darf man auch dann nicht, wenn man sich gern als Robin Hood der Pflege feiern lässt:
viewtopic.php?t=7133

Um es aus meiner Sicht noch einmal klar zu sagen:
Unser Pflegesystem, vor über 15 Jahren geschaffen und bis heute nicht wirkungsvoll reformiert, ist nicht geeignet, die pflegerischen Anforderungen für die hilfe- und pflegebedürftigen Menschen, orientiert am Verfassungsgebot "Menschenwürdegarantie" zu gewährleisten. Die Pflegekräfte sind also in einem System tätig, das sie das nicht tun lässt, was sie gelernt haben, dem Stand der aktuellen Pflegewissenschaft gemäß pflegen! Die Strukturen sind völlig unzulänglich und dabei haben auch Träger und Leitungskräfte Mitverantwortung. Arbeitsverdichtungen, kaputtmachende Arbeitsbedingungen, sind die Regel. So gesehen sind die Pflegekräfte auch die Opfer unzulänglicher Strukturen.
Wer unter diesen Umständen das gebeutelte Personal pauschal nieder macht, nahezu die Hälfte des Personalbestandes verteufelt, hat keine reale Lage beschrieben, sondern muss sich vorwerfen lassen, eine weitgehend gutwillige und engagierte Berufsgruppe zu diskretitieren.

Leider habe ich bisher kein Wort von Claus Fussek darüber gehört, dass er seine Behauptung relativiert oder sich gar entschuldigt!

Das muss ich als Bajuware, einer gewissen Deftigkeit nicht abgeneigt, als sehr bedaurenswert bezeichnen. Ich greife zur "roten Karte"!
Die Rahmenbedingungen des Pflegesystems stimmen nicht (mehr)! Dies gilt es zu beklagen. Pflegebedürftige und Pflegepersonal leiden unter dem System. - Verantwortungsträger sind gefordert!

Nursing-Neuss

Belastungen in der Pflege – kaum zu ertragen

Beitrag von Nursing-Neuss » 15.06.2008, 08:33

Belastungen in der Pflege – kaum zu ertragen!

Bajuware hat die Fussek`sche Pflegekräftebeschimpfung „auf die Hörner“ genommen und dabei die richtige Klarstellung gebracht. Dem schließe ich mich uneingeschränkt an.

Die in Düsseldorf erscheinende Rheinische Post, nicht unbedingt als pflegefreundliches Presseorgan aufgefallen, hat erst gestern (14.6.2008) auf die „Belastungen für Pfleger“ aufmerksam gemacht und sie als hoch bezeichnet. Dabei hat sich die Zeitung u.a. auf Bernhard Juchniewsicz, Präsident der Eurpean Coaching Association in Düsseldorf bezogen. Juchniewsciz hatte darauf hingewiesen, dass von Pflegekräften etwas verlangt werde, was sie nicht erfüllen könnten. Auf der einen Seite müssten Pflegekräfte einen engen Zeitplan einhalten, andererseits menschliche Unterstützung geben. Beides lasse sich aber angesichts der Umstände kaum vereinbaren.

In diesem Zusammenhang ist auch bedeutsam, dass die Pflegekräfte dem Bundesgesundheitsministerium eine Liste mit 185.000 Unterschriften ergeben haben. Sie haben damit gegen die Belastungen im Berufsstand protestiert, sie leiden häufig unter Belastungen und Burnout-Syndrom. Darauf wies die Rheinische Post ebenfalls hin.

Meine Botschaft an alle: Bitte nicht die Pflegekräfte durch Beschimpfungen attackieren, lieber auf die Politiker und Heimträger eindreschen. Denn die haben das System zu verantworten und drücken sich an vernünftigen Regelungen vorbei.

Krankenschwester, seit Jahrzehnten in der Pflege, und noch nicht mutlos!

Liesel

Ich bin erstaunt

Beitrag von Liesel » 15.06.2008, 11:50

... 40% der Pflegekräfte sind ungeeignet...

Hallo Herr Fussek,
nehmen Sie Ihre Beschimpfung doch bitte zurück. Sie können das doch ernstlich so nicht gemeint haben. Sagen Sie konkret, wen Sie wirklich treffen wollten!
LG Liesel

Cornelia Süstersell
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Pflegekräfte werden an ordnungsgemäßer Pflege gehindert

Beitrag von Cornelia Süstersell » 15.06.2008, 16:03

Ein passender Beitrag von Johannes aus
Pflegekollaps und jetzt?
viewtopic.php?t=9011

Die Pflegekräfte sind also in einem System tätig, das sie das nicht tun lässt, was sie gelernt haben, dem Stand der aktuellen Pflegewissenschaft gemäß pflegen! - Es ist noch schlimmer!

Die Pflegekräfte sind in einem System tätig, das sie zwingt, gegen das geltende Recht zu handeln.

Warum? Geltendes Recht ist für Pflegekräfte das SGB XI. In Pflegesatzvereinbarung durch die Vertreter der Pflegekassen und der öffentlichen Hand werden Pflegekräfte gezwungen, das Gesetz zu brechen.

Beweis? SGB XI, § 28, Abs. 4 schreibt zwingend vor, daß aktivierend gepfleget werden soll. Was das Gesetz darunter versteht ist daselbst ausgeführt.

Kostenträger legen allerdings die Personalbemessungszeiten so an, daß nicht einmal die Voraussetzungen für die Einstufung in eine Pflegestufe erfüllt werden, geschweige denn eine der individuellen Bedürftigkeit entsprechende Versorgung.

Solange sich die Kostenträger nicht am geltenden Recht orientieren müssen, wird sich in der Pflege nichts ändern. Alle Maßnahmen können nur als Makulatur bezeichnet werden. Warten wir also darauf, daß sich auf dieser Ebene was bewegt und die Politik endlich Farbe bekennt. Von der Hinhaltetaktik von einer Legislaturperiode zur nächsten wird Menschenwürde nicht respektiert. Von Kosmetik am System wird die reale Situation der Pflegenden und Gepflegten nicht besser.

Johannes
Ich trete für eine menschenwürdige Pflege ein und halte für es zwingend, mehr Pflegepersonal einzustellen.

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Pflegekräfte leisten gute und engagierte Arbeit

Beitrag von Presse » 23.06.2008, 18:08

Hessens Pflegekräfte leisten gute und engagierte Arbeit
Landesregierung weist pauschale Behauptungen zurück


Er sei dem bpa dankbar, dass er ihn auf diese einseitigen Aussagen eines einzelnen Pflegekritikers in der Fachpresse aufmerksam gemacht habe, da es ihm die Gelegenheit zur Klarstellung gebe. Mit diesen Worten eröffnete Staatssekretär Gerd Krämer die Juni-Sitzung des Landespflegeausschusses in Wiesbaden. „Unsere hessischen Pflegekräfte leisten in ihrer übergroßen Mehrheit eine gute und engagierte Arbeit. Sie sind gut qualifiziert und kompetent“, erklärte der Staatssekretär im Sozialministerium. „Es ärgert uns genauso wie die betroffenen Pflegekräfte selbst, wenn dies pauschal in Abrede gestellt wird.“

Hintergrund der Thematisierung im Landespflegeausschuss war eine Pressekonferenz des Pflegekritikers Claus Fussek, der in der Fachzeitschrift CareKonkret mit der Aussage zitiert wird, dass 40 Prozent der Pflegekräfte in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen völlig ungeeignet für ihren Beruf seien.

Diese Äußerung sorgt seither bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den hessischen Pflegeeinrichtungen für erhebliche Entrüstung. Für den hessischen Landesvorstand des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste ist es eine Selbstverständlichkeit, sich geschlossen vor die Pflegekräfte zu stellen.

„Wir fordern Claus Fussek dazu auf, seine pauschalen Behauptungen wissenschaftlich zu belegen“, so der hessische Landesvorsitzende Jochen Rindfleisch-Jantzon. „Wenn er - wie wir sicher annehmen - dies nicht kann, dann muss er auch das Rückgrat haben, sich bei unseren engagiert arbeitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern öffentlich zu entschuldigen“, schließt Rindfleisch-Jantzon ab.

Quelle: Pressemitteilung - 23.6.2008
http://www.bpa.de/upload/public/doc/320 ... arbeit.pdf
bpa - Bundesverband privater Anbieter Sozialer Dienste e.V. http://www.bpa.de

johannes
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Beitrag von johannes » 23.06.2008, 22:19

Fussek muß sich nicht entschuldigen, er ist doch der Robin Hood der Pflege! Wer kann ihm schon das Wasser reichen?

Johannes
Ein Mensch funktioniert nicht - er lebt!

fiutare

Beitrag von fiutare » 03.07.2008, 11:10

johannes hat geschrieben:Fussek muß sich nicht entschuldigen, er ist doch der Robin Hood der Pflege! Wer kann ihm schon das Wasser reichen?

Johannes
Es ist richtig: Fussek muss sich für diese Äusserung nicht entschuldigen. Er hat ja - wenn man diese Äusserung einmal differenziert betrachtet - nicht unrecht. Das Problem ist vielmehr seine verbale Rundumschlag-Mentalität. Beispiel gestern, Bayern2: Fussek mal wieder als "Pflegekritiker" im Radio. Auf die Frage, warum denn die (Personal-)Probleme so sind, wie sie sind, antwortet er nur: "Mit der Pflege wird Milliarden verdient".

Toll. Was denkt der unbedarfte Zuhörer? Böse böse Heime.

Anstatt er auf diese Frage einmal differenziert antwortet: "Weil Sie und ich und alle nicht bereit sind, mehr für Pflege bezahlen zu wollen".
Dann kann man natürlich anfügen, dass DAS SYSTEM so konstruiert ist, dass mit Pflege Profit gemacht werden kann. Aber erstens ist das nicht das alleinige Problem und zweitens ist das wie gesagt von der Politik so gewollt gewesen - also muss man mit der Kritik zuallererst dort ansetzen.

Aber einfach nur pauschal zu blöken: "Mit der Pflege wird Milliarden verdient" ist natürlich einfach, bequem und plakativ. Verfehlt die Wirkung nicht und sorgt für weitere Nachfragen (Buch, Radio, Fernsehen)

:evil:

Sabrina Merck
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Angst vor dem Pflegeheim!

Beitrag von Sabrina Merck » 09.07.2008, 07:00

Zu:
"Münchner Runde" am 8. Juli 2008 um 20.15 - 21.00 Uhr
Angst vor dem Pflegeheim!

viewtopic.php?p=35723#35723

Die Sendung war schwach modereriert und brachte insgesamt keine neuen Erkenntnisse. Deutlich wurde für aufmerksame Zuseher, dass die unzureichende Finanzierung der Pflegeversicherung und fehlendes Pflegepersonal moniert wurde. Erfreulich, dass Claus Fussek seine Beschimpfung der Pflegekräfte wegen Ungeeignetheit usw. nicht wiederholt hat. Siehe dazu:
viewtopic.php?t=8862
Dass Herr Schautzer dafür warb, die Angst in der Bevölkerung nicht noch mehr zu schüren, muss als sehr löblich anerkannt werden.

Sabrina
Dem Pflegesystem und den pflegebedürftigen Menschen muss mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden! Daher:
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk!
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de

thorstein
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Angst vor dem Pflegeheim

Beitrag von thorstein » 09.07.2008, 15:48

Die Sendung war nicht nur schwach, sondern schwachsinnig moderiert. So gab die Moderatorin von sich: Auf 100 Bewohner kommen 25 Pflegekräfte, also ein Verhältnis 1:4. Was wollte sie uns damit sagen?
Auf 100 Bewohnerinnen kommen aber ca. 35 Pflegekräfte, was umgerechnet eine durchschnittliche Pflegezeit von 93 min/Tag+Bewohner ergibt. Wir pflegen nämlich rund um die Uhr und tatsächlich auch jeden Tag.
Erfreulich war das Ergebnis der Umfrage: 80% waren der Meinung, die Pflegeheime sind so schlecht wie ihr Ruf. Da konnte auch ein Schönschwätzer wie Herr Schautzer, der als Promi wohl nie in die Verlegenheit kommen wird, in einem "normalen "Pflegeheim zu landen, nichts ändern.
Löblich war auch, dass Herr Fussek der Pflegekraft aus Regensburg die tatsächliche Besetzung entrungen hat, was der Dame sichtlich peinlich war. Im Frühdienst eine Pflegekraft für 10 Bewohnerinnen. Da kann man sich in Regensburg ja mal richtig Zeit lassen und aktivierend und ressourcenorientiert pflegen.

Gaby Modig
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Pflegekritik bitte differenziert und mit Alternativen

Beitrag von Gaby Modig » 13.07.2008, 07:09

Guten Morgen Forum, MitleserInnen, MitstreiterInnen,

ich lese seit einigen Wochen viele Beiträge über Claus Fussek; er ist der Pflegekritiker mit großen Verdiensten. Das vorweg.
Aber Claus Fussek ist zunehmend "auf Abwegen". Hat er doch jüngst 40% der Pflegekräfte für schlicht ungeeignet erklärt. Dem haben zahlreiche Personen widersprochen! Die Erklärung FusseK`s ist in diesem Punkte natürlich nicht haltbar.
Klar muss doch jedem Kener der Pflegeszene sein, dass nicht die Pflegekräfte die Verantwortung für die schlechten Pflegebedingungen haben, sondern das System nicht wohl geordnet ist. Anders: die Pflegerahmenbedingungen sind so schlecht, dass es offensichtlich keine guten Heime geben kann. Denn unter den Voraussetzungen, die der Gesetzgeber und die Trägerverantwortlichen geschaffen haben, ist gute angemessene Pflege nicht leistbar. Daraufhin aber die Kritik an den Pflegekräften festzumachen, ist schlichtweg falsch und unverantwortlich. Es gibt im Übrigen einen gravierenden Pflegekräftemangel. Herr Schell hat in diesem Forum seit Jahren bemerkt, dass rd. 20% Pflegekräfte fehlen. Diesbezüglich gibt es auch stützende Erklärungen der Ärzteschaft. Selbst Ulla Schmidt scheint kapiert zu haben, denn sie gibt jetzt den Krankenhäusern über Jahre verteilt zusätzlich 21.000 Pflegekräfte. Und dazu wäre zu sagen: Und wo bleibt die Heimpflege?
Was mich auch stört, ist der Umstand, dass die Pflegekritik von Claus Fussek seit jahren mit einheitlichen Sprachmustern erfolgt und kaum einen Lösungsansatz beinhaltet. Wird er bei Diskussionen in die Enge getrieben, gibt es plötzlich auch gute Heime, die hat er selbst gesehen. Er kennt dann auch angeblich gute Heimleitungen usw.
Ich denke, dass solche Diskussionsbeiträge nicht benötigt werden, sie sind weder konstruktiv, noch enthalten sie Lösungsansätze.
Zahlreiche Gespräche mit Pflegekräften haben mir Veranlassung gegeben, diesen Text zu posten. Es ist also keine Einzelmeinung.

Es grüßt
Gaby Modig

Dieses Statement passt zu zahlreichen Beiträgen in diesem Forum:
viewtopic.php?t=9214
viewtopic.php?t=9232
viewtopic.php?t=8862
viewtopic.php?t=7133&highlight=robin
viewtopic.php?t=9208
viewtopic.php?t=9240

Kimmi
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Beiträge: 33
Registriert: 04.01.2008, 14:39

Seriöse Kritik mit Alternativvorschlägen - bitte!

Beitrag von Kimmi » 14.07.2008, 06:59

Seriöse Kritik mit Alternativvorschlägen - bitte!

Guten Morgen Forum!

Ich denke, dass wir uns klar machen müssen, dass die Medien Verantwortung tragen für das, was gesendet wird. Sie sind es doch, die in erster Linie an die Quote denken und Berichte immer wieder auf "Skandalisierung" trimmen. Daher wollen sie auch zur Pflege nur reißerische Berichte.
Leider lässt sich Claus Fussek dazu missbrauchen. Er bedient die Medien mit seinen Sprüchen und meint, damit der Pflege einen Gefallen zu tun. Er verkennt aber die Zusammenhänge von Ursache und Wirkung.
Besser wäre es, sachlich zu informieren und, wie mehrfach gefordert, Alternativen aufzuzeigen.
Die Pflegekräfte in großer Zahl als ungeeignet zu bezeichnen, war der größte Fehler, den Claus Fussek in jüngster Zeit begangen hat. Er sollte diese Aussage schnellstens korrigieren. Wir Pflegekräfte sind schon seit Längerem die "Prügelknaben", und nun setzt Claus Fussek noch einen oben drauf. Inakzeptabel!
Pflegekritiker ja, aber mit seriösen Botschaften, vor allem in Richtung unserer Politiker. Denn die müssen schließlich das schlechte Pflegesystem sanieren. Wer denn sonst???

Liebe Grüße und eine gute Woche
Kimmi

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