Pflegeheime ... nicht mehr Prüfungen - Diskussion !

Gesundheitswesen, Krankenhaus- und Heimwesen, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Arzneimittel- und Lebensmittelwesen, Infektionsschutzrecht, Sozialrecht (z.B. Krankenversicherung, Pflegeversicherung) einschl. Sozialhilfe und private Versorgung

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WernerSchell
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Pflegeheime ... nicht mehr Prüfungen - Diskussion !

Beitrag von WernerSchell » 03.08.2010, 15:19

Die nachfolgende Pressemitteilung
siehe auch Forum viewtopic.php?t=14565
wird auch hier eingestellt. Dazu kann gerne diskutiert werden!

Bild Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
Unabhängige und gemeinnützige Initiative - Harffer Straße 59 - 41469 Neuss
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk führt regelmäßig Pflegetreffs mit bundesweiter Ausrichtung durch.
Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk ist Kooperationspartner der „Aktion Saubere Hände.“


Pressemitteilung vom 03.08.2010

Pflegeheime – Wir brauchen nicht mehr Prüfungen, sondern mehr Pflegepersonal!

Die in Düsseldorf erscheinende Rheinische Post berichtete am 23.07.2010 umfassend über die Pflegemängel in einer Caritas-Pflegeeinrichtung in Mönchengladbach. In die Erörterungen um diese Mängel war auch Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk umfänglich eingebunden. Werner Schell, Vorstand von Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk, hat wiederholt Statements gegenüber dem WDR-Fernsehen (Lokalzeit Düsseldorf), WDR 5 (Radio) und verschiedenen Zeitungsredaktionen abgegeben. So konnte mit Einfluss genommen werden, einige Führungskräfte des Caritasverbandes von ihren Aufgaben zu entbinden.

Der pflegepolitische Sprecher der Union im Deutschen Bundestag wurde in dem Bericht der Rheinischen Post vom 23.07.2010 wie folgt zitiert:

"Jedes Heim muss fünfmal im Jahr unangemeldet überprüft werden."
"Das ist das schärfste Schwert, das wir haben. Gute Heime können nichts dagegen haben."


Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk teilt die Forderungen des pflegepolitischen Sprechers der Union im Deutschen Bundestag, deutlich mehr Prüfungen durchzuführen, ausdrücklich nicht und hält allein den Ruf nach einer intensiveren Prüftätigkeit für kontraproduktiv. Die wirklichen Bedürfnisse werden durch einen derartigen Prüfungsaktionismus nahezu ausgeblendet.

Wir brauchen, wie schon öfter gesagt wurde, eine grundlegende Pflegereform an "Haupt und Gliedern" und werden es nicht schaffen, mit noch mehr Prüfungen und Druckerhöhung auf das Personal bessere Pflegevoraussetzungen zu schaffen. Schlechte Pflege-Rahmenbedingungen kann man nicht durch ein aufgeblähtes Prüfungssystem verbessern!

Es erscheint sinnvoll, die verschiedenen Prüfungsinstanzen, Heimaufsicht, Medizinischer Dienst (MDK), Brandaufsicht, Staatliches Amt für Arbeitsschutz … (usw.) bei einer einzigen fachkundigen Institution zu konzentrieren. Damit würde das Prüfungsgeschehen effektiver und auch kostengünstiger. Dabei erscheint es sinnvoll, die Prüfungen in die Zuständigkeit einer staatlichen Behörde (z.B. Bezirksregierung) zu verlagern. Damit wären auch die kommunalpolitischen Verquickungen im Zusammenhang mit den örtlichen Pflegeeinrichtungen, zum Teil sogar in der Trägerschaft der Prüfinstanz, beseitigt. Heime werden auch als Wirtschaftsunternehmen gesehen, so dass aus Marketinggründen gewisse Rücksichtnahmen nicht auszuschließen sind.

Es erscheint ratsam, die Mitwirkungsmöglichkeiten der Angehörigen der pflegebedürftigen Menschen – auch in der Heimversorgung - deutlich zu stärken. Denn bekanntlich können sich gerade die Angehörigen engagiert zum Wohl ihrer pflegebedürftigen Familienmitglieder einbringen und so eine gewichtige Hilfe und Unterstützung sein. Angehörige können so als eine Art ergänzende Heimaufsicht angesehen werden.

Im Zusammenhang mit den beschriebenen Caritas-Pflegemängeln kam es zu mehrfachen Überprüfungen in der Einrichtung. Anfang Juni 2010 wurden der Einrichtung sogar Schulnoten zugeteilt, wobei die sagenhaft gute Gesamtnote „1,4“ vergeben wurde. Zur gleichen Zeit aber berichteten die Medien bereits über erhebliche Mängel, es gab dann auch polizeiliche und staatsanwaltliche Ermittlungen. Demzufolge hätte die Einrichtung eher die Note „5“ verdient gehabt. Allein dieses aktuelle Beispiel zeigt deutlich auf, wie sinnlos Prüfungen sein können, wenn die Pflege-Rahmenbedingungen nicht stimmen bzw. Führungskräfte versagen. Dass die augenblicklich angewandten Transparenzvereinbarungen und Bewertungskriterien für das Pflegenotensystem („Pflege-TÜV“) dringend überarbeitungsbedürftig sind und den Schwerpunkt in der Herausstellung der Ergebnisqualität haben müssen, wird durch die beschriebene unzutreffende Benotung klar bestätigt.

Für die Pflegekräfte fordern wir zu Recht mehr Wertschätzung und Anerkennung. Mehr Überprüfungen, mit denen vor allem die Pflegekräfte weiter unter Druck gesetzt würden, sind aber genau das Gegenteil von Wertschätzung und Anerkennung. Das ist nicht nur pures Misstrauen, sondern ganz klar ein Affront gegen diejenigen Personen, die sich jeden Tag aufs Neue unter miserablen Rahmenbedingungen mühen, ihr pflegerisch Bestes zu geben.

Eine Ausweitung der Kontrollen im Pflegebereich wäre eine einzige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die vorhandenen Prüfinstitutionen. Diese würden erneut eine große Zahl Personal aufsaugen, das besser an anderer Stelle tätig werden sollte, z.B. bei der Versorgung und Pflege der HeimbewohnerInnen.

Stecken wir doch das Geld, das wir durch zu viele Prüfungen bei den Heimaufsichten und dem MDK verplempern bzw. zukünftig verplempern wollen, in mehr Personal. Dann kommt auch mehr Zuwendung für die BewohnerInnen zustande - und die Zufriedenheit bzw. die Ergebnisqualität steigt.

Vermeiden wir auch unnütze Projekte und wissenschaftliche Fachtagungen mit großem Finanzaufwand. Wir wissen doch eigentlich ganz genau, wie angemessene bzw. gute Pflege zu gestalten ist. Dies müssen wir nur in einer Pflegereform, die diesen Namen verdient, umsetzen. Vor allem brauchen wir mehr Pflegepersonal. Denn nur dies gewährleistet mehr Zuwendung für pflegebedürftige Menschen. Und dies wollen wir doch! Damit alles erklärbar dargestellt werden kann, wäre ein bundesweit geltendes Personalberechnungssystem zur Grundlage zu erheben.

Wenn mehr Prüfungen im Heimbereich politisch gewünscht werden sollten, dann würde es allein Sinn machen, die Heimträgerverantwortlichen, also die Führungsverantwortlichen, öfter mal auf Eignung und Befähigung zu kontrollieren und sie engmaschig bezüglich ihrer Fort- und Weiterbildung im Auge zu behalten und nicht ständig auf das ohnehin gebeutelte Pflegepersonal herumzutrampeln.

Pflegemängel treten fast ausnahmslos dort auf, wo es Defizite in der Führung gibt. "Der Fisch stinkt vom Kopf her". Dieser Spruch, vielfach benutzt, bringt hier die Probleme auf den Punkt. Ziehen wir daraus einfach die richtigen Folgerungen!

Dabei sollte auch gewährleistet werden, dass Beschwerdemanagement in den Pflegeeinrichtungen gestärkt wird. Dazu sollte eine neuer § 612a BGB ergänzend Wirkung entfallen. Es muss nämlich gewährleistet werden, dass MitarbeiterInnen nachteilsfrei ihre Vorschläge und Beschwerde bei den richtigen Stellen vortragen können. Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk hat diesbezüglich bereits konkrete Vorschläge unterbreitet.

Die „Charta der Rechte hilfe – und pflegebedürftiger Menschen“ darf nicht nur als Empfehlung angesehen werden. Die darin beschriebenen Handlungsgebote müssen als subjektiv-öffentliche Rechte mit konkretem Anspruchscharakter ausgestaltet werden. Auch insoweit hat Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk seit Jahren geeignete Hinweise gegeben.

Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk hat im Übrigen zur unabhängigen und unbürokratischen Aufdeckung und Verfolgung von Pflegemängeln (zunächst für das Land Nordrhein-Westfalen) die Einrichtung einer Stelle eines (ehrenamtlichen) „Beauftragten für die Belange der pflegebedürftigen Menschen“ (Ombudsmann /-frau) vorgeschlagen.

Werner Schell
Dozent für Pflegerecht und Vorstand von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk

Die vorstehende Pressemitteilung ist zur Veröffentlichung frei!

Medienberichte zum Thema findet man u.a. unter:
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... heimen.php
http://www.pflegen-online.de/nachrichte ... rsonal.htm
http://www.heide-bote.de/index.php?name ... &sid=15117
http://www.presseanzeiger.de/meldungen/ ... 372801.php
http://www.heimmitwirkung.de/smf/index.php?topic=1061.0
http://www.openpr.de/news/453676.html
http://www.openbroadcast.de/artikel/550 ... sonal.html
http://www.meissner-walter.de/view_news ... =news.3830
http://www.senioren-page.de/modules.php ... e&sid=1230
http://www.bz-mg.de/themenreihen/reihe- ... sonal.html
http://www.krankenpflege-journal.com/ge ... sonal.html

Von Presseanzeiger übermittelte Info vom 06.08.2010:
Information über die Aufnahme in "meist gelesen" bei PresseAnzeiger
Empfänger: Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
Email: ProPflege@wernerschell.de
Die unten angegebene Pressemitteilung wird seit heute in der Rubrik
"meist gelesen" in der Kategorie "Gesundheit & Medizin" gelistet.
61 Zugriffe wurden seit dem 03.08.2010 gezählt.
Titel der Pressemitteilung:
Pflegeheime - Wir brauchen nicht mehr Prüfungen, sondern mehr PflegepersonalLink:
http://www.presseanzeiger.de/meldungen/ ... 372801.php
Zuletzt geändert von WernerSchell am 15.12.2010, 17:51, insgesamt 7-mal geändert.
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Cicero
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Pflegepersonal einstellen statt mehr Heimprüfungen

Beitrag von Cicero » 04.08.2010, 07:19

Sehr geehrter Herr Schell,
sehr geehrte Damen und Herren,
für den neuesten Text der Pressemitteilung vom 03.08.2010 kann man nur Danke sagen und auch gratulieren - super formuliert.
Hoffentlich werden die gegebenen Hinweise von den Verantwortlichen aufgegriffen. Man muss ja leider Zweifel daran haben, dass die Politiker das machen, wass vernünftig wäre und im Interesse der BürgerInnen liegt. Leider.
Für das weitere Schaffen wünsche ich alles Gute!
Herzliche Grüße
Cicero
Politisch interessierter Pflegefan!
Im Gleichklang: Frieden - Ausgleich - Demokratie - und: "Die Menschenwürde ist unantastbar"!

Rüdiger Bastigkeit
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Mehr Heimprüfungen statt Sanierung des Systems ?

Beitrag von Rüdiger Bastigkeit » 04.08.2010, 07:58

Guten Morgen allerseits,
ich schließe mich dem Statement von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk voll inhaltlich an. Man hätte auch die Notsituationen des Personals drastischer darstellen können.
Mehr Heimprüfungen statt Sanierung des System ist doch ein Witz! Jedenfalls sind die Ausführungen im Pressetext glasklar - jeder kann verstehen, was jetzt eigentlich zu tun ist. Hoffentlich kapieren auch die Parlamentarierer, die ja letztlich entscheiden müssen.
MfG Rüdiger Bastigkeit
Pflegesystem verbessern - dringend!

PflegeCologne
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Mehr Personal und nicht mehr Prüfungen

Beitrag von PflegeCologne » 04.08.2010, 12:41

Auch von mir Dank und Anerkennung für eine Pressemitteilung, die genau passt.

Pflege Cologne
Alzheimer - eine Krankheit, die mehr Aufmerksamkeit erfordert! - Pflegesystem muss dem angepasst werden, auch, wenn es teurer wird! - Ich bin dabei:
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de

Rob Hüser
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Pflegeheime ... nicht mehr Prüfungen - Diskussion !

Beitrag von Rob Hüser » 04.08.2010, 13:27

WernerSchell hat geschrieben:.... Pflegeheime – Wir brauchen nicht mehr Prüfungen, sondern mehr Pflegepersonal! ....
Guten Tag Herr Schell,

ich kann mich eigentlich den bereits hier eingestellten Texten anschließen. Im Statement vom 03.08.2010 wird erneut klar gemacht, dass es um beträchtliche Reformerfordernisse geht, die immer wieder angemahnt werden müssen.
Es ist eigentlich absurd, dass politisch mehr Heimprüfungen eingefordert werden, obwohl doch jeder wissen muss, dass die Pflege-Rahmbedingungen nicht stimmen.
Die BürgerInnen in diesem Land wollen eine gute Pflege - und dafür gilt es die Voraussetzungen zu schaffen. Wer in Abkehr von der Minutenpflege mehr Zuwendung einfordert, darf und muss mehr Personal erwarten.
Durch mehr Druck werden die Arbeitsverdichtungen in den Einrichtungen nur überflüssigerweise erhöht, aber nichts gebessert. Weiterer Arbeitsdruck würde nur die vermehrte Flucht aus der Altenpflege erhöhen. Alle Bemühungen um mehr Anerkennung und Wertschätzung liefen so ins Leere.
Daher danke ich sehr für deutlichen Worte, die zeigen, dass mit mehr Prüfungen nicht voran zu kommen ist.
Hoffentlich verstehen die Politiker das!

Mit freundlichen Grüßen
Rob Hüser
Das Pflegesystem muss dringend zukunftsfest reformiert werden!

Monika Petzold
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Zuwendung am Menschen ist entscheidend

Beitrag von Monika Petzold » 05.08.2010, 07:18

Ich bin eifrige Leserin im Forum, halte ich mich aber mit einer schriftlichen Beteiligung zurück.
Jetzt aber möchte ich doch eine kurze Wortmeldung abgeben: Die Mitteilung vom 03.08.10 entspricht genau - ohne Abstriche - meinen Vorstellungen. Ich möchte sie daher gerne unterstützen und hoffe doch sehr, dass die Politiker endlich begreifen, was zu tun ist. Besonders das Pflegepersonal muss dringend Entlastung erfahren. Der Krankenstand in der Pflege ist nicht von ungefähr ganz hoch.
Wer gute Pflege will, muss auch ausreichend und gut bezahltes Personal auf den Weg bringen.
Prüfen, dokumentieren, Besprechungen abhalten .... etc. bringen uns allein nicht weiter. Die Pflege am Menschen ist allein entscheidend!

Liebe Grüße
Monika
Mehr Zuwendung bei der Patientenversorgung und Pflege. Dafür ist aber mehr Personal erforderlich. Fordern wir es ein!

Anja Jansen
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Pflegeheime ... nicht mehr Prüfungen ... mehr Personal !

Beitrag von Anja Jansen » 06.08.2010, 08:14

Guten Morgen Herr Schell (und Forum),
super Pressemitteilung vom 03.08.10 - Gratulation. Wünsche weiterhin alles Gute - Pro Pflege ..... !
Lb. Grüße
Anja Jansen
Es ist mehr Aufmerksamkeit für dementiell erkrankte Menschen nötig. Unser Pflegesystem braucht deshalb eine grundlegende Reform!

WernerSchell
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Eingreiftruppe gegen Missstände in der Pflege

Beitrag von WernerSchell » 07.08.2010, 18:45

Die Landesgesundheitsministerin NRW will angesichts der Mönchengladbacher Pflegemängel – siehe Forum: viewtopic.php?t=14377 – prüfen lassen, ob eine Eingreiftruppe gegen Missstände in der Pflege eingesetzt werden soll. Dazu berichtete die Rheinische Post am 23.07.2010:

Nach Vorfällen in Mönchengladbach -Ministerin für härtere Kontrolle der Pflegeheime
VON E. QUADBECK UND T. REISENER - zuletzt aktualisiert: 23.07.2010 - 08:05
(RP) Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) hält die Kontrolle der Alten- und Pflegeheime in NRW für unzureichend. Das Ministerium bereitet eine Eingreiftruppe gegen Missstände in der Pflege vor.
…. (mehr)
http://www.rp-online.de/landtagswahl/na ... 85240.html

Für deutlich mehr Prüfungen hatte sich auch Willi Zylajew, MdB und pflegepolitischer Sprecher der Union im Bundestag, ausgesprochen. Aufgrund dieser Forderungen hat Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk am 03.08.2010 eine Pressemitteilung herausgegeben, in der deutlich gemacht wird, dass es vorrangig um mehr Pflegepersonal und weniger um noch mehr Prüfungen gehen muss. Die Pressemitteilung ist nachlesbar unter
viewtopic.php?t=14565 – Die Diskussionen dazu werden unter viewtopic.php?t=14568 geführt.

Am 19.07.2010 hat Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk der Landesregierung vorgeschlagen, einen „Beauftragten für die Belange der pflegebedürftigen Menschen“ (Ombudsmann /-frau) einzusetzen. Dies wäre aus vielerlei Gründen eine angemessene Maßnahme, ohne gleich mit der „Keule“ zu drohen.

Die Deutsche Hospiz Stiftung hat denn auch gleich nach der Einrichtung von Schwerpunktstaatsanwaltschaften gerufen. Eine absurde Vorstellung: Pflegemängel muss man nur analysieren. Dann wird man unschwer herausfinden, dass sie im Wesentlichen auf unzureichenden Personalausstattungen der Einrichtungen beruhen. Also kann die Lösung nur in besserer Personalbemessung bestehen. – Wer auf strafrechtliche Verfolgung statt auf Verbesserung der Pflege-Rahmenbedingungen setzt, ist auf dem Holzweg!

Werner Schell
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Schärfere Kontrollen der Pflegeheime in NRW?

Beitrag von WernerSchell » 09.08.2010, 07:08

Siehe auch unter:
Schärfere Kontrollen der Pflegeheime in NRW?
viewtopic.php?p=53829#53829

Text von Johannes vom 09.08.2010:

Bezug nehmend auf den Beitrag von Herrn Schell sind schärfere Kontrollen nach meiner Einschätzung wenig hilfreich. Die Kontrollen sollten m. E. anders statt schärfer laufen.

Die Aufsichtsorgane sollten dreimal im Jahr unangemeldet - hierfür reicht ein Mitarbeiter im zuständigen Verantwortungsbereich völlig aus - und zu unterschiedlichen Zeiten jedes Heim und jeden Pflegedienst in der Weise überprüfen, daß unmittelbar nach Eintreffen der aktuelle Dienstplan überprüft und die anwesenden Pflegekräfte damit abgeglichen werden.

Da fast alle Pflegemängel auf fehlendes Personal zurück zu führen sind, wäre dies m. E. die effektivste Methode, zu einer angemessenen Personalausstattung und damit zu einer gesicherten pflegerischen Versorgung zu gelangen.

Wird eine unzureichende Personalausstattung festgestellt, sollte unverzüglich ein Aufnahmestop verhängt werden, bis der Mangel ausgeglichen ist - dies muß nachgewiesen werden.

Bei Unternehmen, die bundesweit arbeiten, sollten verpflichtend alle zugehörigen Einrichtungen den Kontrollorganen bekannt gemacht werden. Nur so läßt sich verhindern, daß Personal von Einrichtung zu Einrichtung verschoben werden kann, um den Anschein der Erfüllung einer ausreichenden Personalausstattung zu erwecken.
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Sabrina Merck
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Pflegenotstand lässt menschenwürdige Pflege nicht zu

Beitrag von Sabrina Merck » 09.08.2010, 07:24

Guten Morgen Forum,

wie viele andere bin ich sehr besorgt über die Entwicklungen in unseren Pflegesystemen - Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen -. Es gibt vielfältige Vorschriften, die allein an ökonomischen Gesichtspunkten ausgerichtet sind mit der Folge, dass die menschenwürdige Versorgung und Pflege zwangsläufig zu kurz kommen muss.
Da das Personal zwischen 60 - 70% der Kosten einer Einrichtung ausmacht, liegen in diesem Bereich die größten Einsparmöglichkeiten. Daher liegen die personellen Abstriche in allen Bereichen auf der Hand. Pflegepersonal wird systemisch und aus anderen Gründen eingespart, noch und noch.
Dem muss Einhalt geboten werden. Noch mehr Prüfungen sind insoweit ein ungeeignetes Mittel. Sie können allenfalls gewährleisten, dass ein ungenügend dotierter Stellenplan / Stellenschlüssel eingehalten wird.
Wir brauchen aber erheblich mehr Pflegepersonal. Denn das Pflegepersonal soll ja schließlich gewährleisten, dass eine nach dem anerkannten wissenschaftlichen Standard ausgerichtete Pflege möglich ist. Und das ist eigentlich nirgendwo möglich.

MfG Sabrina
Dem Pflegesystem und den pflegebedürftigen Menschen muss mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden! Daher:
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Defizite im Pflegestellenbereich enorm

Beitrag von johannes » 09.08.2010, 08:03

Was verstehen Politik und Kostenträger unter ausreichendem Personal in der Pflege?

Hierzu sind zwei Rechnungen erforderlich.

Zum Ersten muß offengelegt werden, wieviel Planstellen zur konkreten Versorgung eines Bewohners vorgesehen sind und damit auch bezahlt werden.

Pflegestufe 0: 1 Mitarbeiter auf 5,66 Bewohner. Das bedeutet 0,177 Planstellen für einen Bewohner dieser Pflegestufe.

Pflegestufe 1: 1 Mitarbeiter auf 3,13 Bewohner. Das bedeutet 0,31 Planstellen für einen Bewohner dieser Pflegestufe.

Pflegestufe 2: 1 Mitarbeiter auf 2,23 Bewohner. Das bedeutet 0,44 Planstellen für einen Bewohner dieser Pflegestufe.

Pflegestufe 3: 1 Mitarbeiter auf 1,65 Bewohner. Das bedeutet 0,60 Planstellen für einen Bewohner dieser Pflegestufe.

In einem zweiten Schritt sind die so ermittelten erforderlichen Planstellen mit der pflegerischen Verfügbarkeit eines Mitarbeiters abzugleichen. Die hieraus ermittelten Planstellen werden von den Kostenträgern finanziert.

Berechnung der Nettoarbeitszeit je Planstelle (pflegerische Verfügbarkeit) entsprechend den allgemeingültigen Berechnungsgrundlagen

Die Bruttojahresarbeitszeit je Planstelle (38,5 Std./Woche) beträgt 2008,80 Arbeitsstunden.

Jahrestage (365) ./. Wochenenden 104 Tage ./. Wochenfeiertage 7 ./. Urlaub bei der 5 Tage-Woche (30) ./. Krankheit 15 Tage ./. Fort- u. Weiterbildung gem. § 80 SGB XI 5 Tage = 204 verbleibende Arbeitstage. Bei der 5-Tage-Woche ergibt die 38,5 Std.-Woche eine tägliche Arbeitszeit von 7,7 Std.. Die Jahresarbeitsstunden betragen somit 204 x 7,7 = 1.570,8 Std.. Für Besprechungs- und Übergabezeiten sind bei 3 Übergaben täglich 25 min. x 204 T. = 51 Std. abzuziehen = 1.519,80 Stunden.

Die pflegerische Verfügbarkeit macht somit 75,657 % einer Planstelle aus.

Exemplarische Berechnung des Personalbedarfs und der real finanzierten Personalausstattung:

Berechnungsgrundlage: 100 Bewohner, hiervon 6 % = 6 Pflegebedürftige in PS 0; 35 % = 35 Pflegebedürftige in PS 1; 41 % = 41 Pflegebedürftige in PS 2, sowie 18 % = 18 Pflegebedürftige in PS 3.

PS 0: 6 x 0,177 = 1,062 Planstellen
PS 1: 35 x 0,31 = 10,85 Planstellen
PS 2: 41 x 0,44 = 18,04 Planstellen
PS 3: 18 x 0,60 = 10,80 Planstellen

Zur pflegerischen Versorgung werden somit 40,75 Planstellen durch die Kostenträger finanziert. Da es sich aber um die Nettoverfügbarkeit handelt (75,657 % ), fehlen die unfinanzierten Planstellen = 13,11 Planstellen zu den von den Kostenträgern vorgesehenen Planstellen.

Hieraus ergibt sich real eine Reduzierung der verfügbaren Planstellen um 9,92 Planstellen auf 30,83 verfügbare Planstellen.

Wenn ein Einrichtungsträger argumentiert, daß er die genehmigten Planstellen auch besetzt hat, ist das Defizit für die pflegerische Versorgung, das von den real verfügbaren Planstellen zu erbringen ist, enorm.

Ich gehe davon aus, daß den Verantwortlichen dieser Umstand sehr wohl bekannt ist. Nur - die Finanzierung von zusätzlichen Planstellen wird hoch gerechnet auf die Bundesrepublik Probleme bereiten, die von dort nicht geschultert werden.
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Mehr Personal, bessere Pflege

Beitrag von Presse » 11.08.2010, 07:41

Textübernahme aus Forum:
viewtopic.php?t=14568

Neuss
"Mehr Personal, bessere Pflege"
zuletzt aktualisiert: 11.08.2010

Neuss (NGZO) Interview mit Werner Schell: Der Erfttaler Werner Schell ist Vorstand des Selbsthilfenetzwerks "Pro Pflege" und scharfer Kritiker des aktuellen Pflegesystems.

Einschub Moderation - Beiträge zu den Mängeln in den Caritas-Pflegeeinrichtungen in Mönchengladbach nachlesbar unter
Pflegefehler / Missstände in einem Altenheim ....
viewtopic.php?t=14377

Nach Pflegepannen in zwei Mönchengladbacher Caritas-Heimen im vergangenen Monat mit einem Toten forderte der Pflegeexperte der CDU im Bundestag, Willi Zylajew, dass jedes Heim fünf Mal im Jahr unangemeldet überprüft werden müsse. Widerspruch kommt von Werner Schell aus Erfttal, Buchautor und engagierter Vorstand des Selbsthilfenetzwerkes "Pro Pflege".

Bild
Das deutsche Pflegesystem ist sein Thema: der Erfttaler Werner Schell, Buchautor und Motor des Selbsthilfenetzwerkes "Pro Pflege". NGZ-Foto: A. Woitschützke

Herr Schell, Sie kämpfen seit Jahren für bessere Bedingungen im Pflegebereich. Wie stehen Sie zu der Forderung des CDU-Experten nach mehr Prüfungen der Heime zur Qualitätsverbesserung ?

Werner Schell Diese Forderung halte ich für falsch und kontraproduktiv. Die wirklichen Bedürfnisse werden durch einen derartigen Prüfungsaktionismus nahezu ausgeblendet. Wir brauchen vielmehr eine grundlegende Pflegereform an "Haupt und Gliedern". Mit noch mehr Prüfungen und der Erhöhung von Druck auf das Personal werden wir es nicht schaffen, bessere Pflegevoraussetzungen zu schaffen.

Was schlagen Sie stattdessen vor?

Schell Ich halte es für sinnvoll, die verschiedenen Prüfungsinstanzen, wie Heimaufsicht, Medizinischer Dienst, Brandaufsicht oder Staatliches Amt für Arbeitsschutz bei einer Institution zu konzentrieren. Das ist auch kostengünstiger. Die Prüfungen selbst sollten in die Zuständigkeiten einer staatlichen Behörde verlagert werden.

Die Prüfungen und die Benotungen, zum Beispiel durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen, sind nicht unumstritten. Wie ist Ihre Meinung?

Schell Die maßgeblichen Transparenzvereinbarungen und Bewertungskriterien sind bundesweit heftig umstritten. Eine grundlegende Überarbeitung erscheint überfällig mit dem Ziel, allein die Ergebnisqualität in den Vordergrund der Gesamtbenotung zu stellen. In einer der besagten Mönchengladbacher Einrichtung gab es erhebliche Mängel in der Pflege, sie hatte aber im Juni 2010 gleichwohl die sagenhafte Schulnote 1,4 bekommen. Allein dieses Beispiel zeigt, wie sinnlos Prüfungen sein können, wenn die Pflege-Rahmenbedingungen nicht stimmen oder Führungskräfte versagen.

In den Pflegeeinrichtungen klagen viele Mitarbeiter über den großen Zeitaufwand für die vorgeschriebenen, umfangreichen Dokumentationen von Pflegeleistungen. Zu Recht?

Schell Der Umfang der Dokumentationserfordernisse ist beachtlich und kann den Pflegekräften, die eigentlich lieber am Menschen tätig werden wollen, keine große Freude bereiten. Allerdings muss eine gute Pflege geplant und ausreichend schriftlich dokumentiert werden, so dass an den umfänglichen Schreibarbeiten kaum vorbei zu kommen ist. Wenn aber – systemisch bedingt – solche Schriftdokumentationen für erforderlich erachtet werden, dann muss auch zwangsläufig die Personalausstattung dem gerecht werden. Und das ist genau nicht der Fall.

Was muss also geschehen?

Schell Für die Pflegekräfte fordern wir alle mehr Wertschätzung und Anerkennung. Wir sollten das Geld, dass wir durch zu viele Prüfungen bei den Heimaufsichten und dem MDK verplempern, in mehr Personal investieren. Dann gibt es auch mehr Zuwendung für die Bewohner – und deren Zufriedenheit und die Qualität der Ergebnisse steigen. Ich halte eine Personalaufstockung um rund 20 Prozent für geboten.

Und was sollte in den Einrichtungen selbst geändert werden?

Schell Pflegemängel treten fast ausnahmslos dort auf, wo es Defizite in der Führung gibt. Der Spruch, "der Fisch stinkt vom Kopf", bringt die Probleme auf den Punkt. Fortbildung und Weiterqualifizierung der Führungskräfte sollte man daher intensiver im Blick haben. Ferner sollte das Beschwerdemanagement in den Einrichtungen gestärkt werden. Mitarbeiter müssen ihre Vorschläge und Beschwerden vortragen können, ohne Nachteile befürchten zu können.

Was erwarten Sie in nächster Zeit von der Pflegepolitik?

Schell Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung sieht eine grundlegende Pflegereform vor, in deren Mittelpunkt ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff stehen soll. "Pro Pflege" hat bereits weitere Vorschläge unterbreitet und wird diese beim nächsten Pflegetreff am 16. November diskutieren. Willi Zylajew hat bereits seine Teilnahme zugesagt.

Einschub Moderation - Informationen zum Pflegetreff am 16.11.2010 in Neuss-Erfttal unter
Pflegetreff am 16.11.2010 - Pflege- und Gesundheitsreform
viewtopic.php?t=14122


Klaus D. Schumilas führte das Gespräch.

Quelle: NGZ/dhk
http://www.ngz-online.de/neuss/nachrich ... 92341.html

Siehe auch unter:
http://www.wernerschell.de/aktuelles.php
»Mehr Personal, bessere Pflege«
Interview der Neuss-Grevenbroicher Zeitung (NGZ) mit Werner Schell - vorgestellt am 11.08.2010: Der Erfttaler Werner Schell ist Vorstand von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk und scharfer Kritiker des aktuellen Pflegesystems
Bericht der NGZ hier:
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... pflege.php
Siehe dazu ergänzend die Pressemitteilung von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk vom 03.08.2010
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... heimen.php

KPHNeuss
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Registriert: 17.09.2007, 06:05

Re: Mehr Personal, bessere Pflege

Beitrag von KPHNeuss » 11.08.2010, 07:57

Presse hat geschrieben:Neuss
"Mehr Personal, bessere Pflege" ...
Hallo Herr Schell, Klasse! Ein Lichtblick bei der heutigen Zeitungslektüre.
LB Grüße KPH Neuss
Für eine uneingeschränkt gute Pflege müssen wir alle eintreten - die Verfassung enthält die entscheidenden Wertegrundsätze: Die Menschenwürde ist unantastbar!

ProPflege
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Registriert: 29.07.2008, 12:37

Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk gegen häufigere Prüfungen

Beitrag von ProPflege » 13.08.2010, 11:58

Die Zeitschrift CAREkonkret, Die Wochenzeitung für Entscheider in der Pflege, hat in ihrer Ausgabe vom 13.08.2010 (Seite 6)
über die Pressemitteilung von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk vom 03.08.2010 ausführlich berichtet und dabei getitelt:

„Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk gegen häufigere Prüfungen in Heimen –
Führungskräfte prüfen, Zuständigkeiten bündeln“
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
Unabhängige und gemeinnützige Initiative
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/

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