Pflegenotstand - Pflegekräfte pfleglich behandeln

Pflegespezifische Themen; z.B. Delegation, Pflegedokumentation, Pflegefehler und Haftung, Berufsrecht der Pflegeberufe

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Pflegenotstand - Pflegekräfte pfleglich behandeln

Beitrag von WernerSchell » 22.08.2011, 06:37

Bild Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
Unabhängige und gemeinnützige Initiative - Harffer Straße 59 - 41469 Neuss
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk führt regelmäßig Pflegetreffs mit bundesweiter Ausrichtung durch.
Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk ist Kooperationspartner der „Aktion Saubere Hände“


Pressemitteilung vom 09.06.2011

Pflegenotstand - Pflegekräfte müssen pfleglich behandelt werden

Aus aktuellem Anlass äußerte sich Werner Schell, Vorstand von Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk, zum Thema wie folgt:

Bild Einen Pflegenotstand haben wir seit Jahren. Wir müssen dabei unterscheiden zwischen Krankenhäusern und Heimen. In den Krankenhäusern wurden in den letzten 10 Jahren nachweislich über 50.000 Stellen abgebaut (trotz erhöhter Arbeitsbelastung). In den Heimen gibt es völlig unzureichende Stellenschlüssel, die in Personal umgerechnet, nicht einmal 70 % der gebotenen pflegerischen Verrichtungen abdecken. Es mangelt überall an Zuwendungsmöglichkeiten. Es muss folglich eine "Aufrüstung" geben, und zwar mit Blick auf den Ist-Zustand. Dazu erscheint die Schaffung eines bundeseinheitlichen Personalbemessungssystems geboten, das aufzeigt, in welchem Umfang Pflegepersonalstellen geschaffen werden müssen. Dann wäre mit einer Ausbildungs- und Einstellungskampagne zu beginnen. Wahrscheinlich müssten die Kranken- und Pflegekassen überwiegend mit den Ausbildungskosten belastet werden. Eine Imagekampagne usw. für die Pflege ist nicht nötig, denn das Ansehen der Pflegekräfte ist gut. Nur die Rahmenbedingungen, unter denen gearbeitet werden muss, stimmen nicht.

Die demografische Entwicklung wird für die Zukunft noch mehr Pflegekräfte erfordern. In diesem Zusammenhang wird nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten eine Erhöhung der Vergütungen nicht vermeidbar sein. Solche Erhöhungen sind auch dem Wert der Pflege entsprechend längst überfällig. Das Herumbasteln an den Berufsgesetzen halte ich für überflüssig. Pflegewissenschaft ist zwar wichtig, aber die praktische Arbeit muss dominant sein. Das Anwerben von Fachkräften aus Osteuropa ist der falsche Weg. Wahrscheinlich haben auch einige Leute im Kopf, mit ausländischen Kräften die Billigpflege zu stabilisieren. In Osteuropa fehlen jetzt schon Pflegekräfte. Unter solchen Umständen in diesen Ländern Pflegepersonal anzuwerben, ist mehr als problematisch, auch inhuman diesen Gesellschaften gegenüber.

Pflegekräfte müssen pfleglich behandelt werden. Dann bleiben sie im Beruf und springen nicht nach wenigen Jahren kaputt, krank usw. ab.

Werner Schell - Dozent für Pflegerecht, Vorstand von Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk

Die vorstehende Pressemitteilung ist zur Veröffentlichung frei!
Text auch abrufbar unter
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... werden.php

+++

Angefügt zwei Hinweise:
Pressmitteilung vom 03.06.2011:
Pflegemängel – Mehr Pflegekräfte an die Pflegebetten – Strafanzeigen und Imagekampagnen helfen nicht weiter
Nachlesbar unter:
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... betten.php
viewtopic.php?t=15896
Buchtipp!
Umgang mit Pflegemängeln - Aktueller Buchtipp
viewtopic.php?t=15822
Pflegemängel – schnelle Hilfe für den Notfall
viewtopic.php?t=15828
+++

Die Medien berichten u.a. wie folgt:
http://www.openbroadcast.de/article/114 ... erden.html
http://www.presseanzeiger.de/infothek/g ... 489262.php
http://www.openpr.de/news/545156.html
http://www.heide-bote.de/index.php?name ... &sid=18556
http://www.heimmitwirkung.de/smf/index.php?topic=1593.0
http://www.pflege2011.de/2011/06/09/pfl ... lt-werden/
http://www.das-seniorentv.de/neues-uebe ... elt-werden
+++

Siehe auch die Pressemitteilungen des DBfK und des DPR vom 19.07.2011 unter
viewtopic.php?p=60322#60322

Siehe auch den Bericht
Aufstand in der Pflegebranche
viewtopic.php?t=16247

Stand: 22.08.2011
Zuletzt geändert von WernerSchell am 25.11.2011, 07:59, insgesamt 1-mal geändert.
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https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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WernerSchell
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Pflegebedürftige Menschen erwarten eine gute Pflege

Beitrag von WernerSchell » 23.08.2011, 06:45

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Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk führt regelmäßig Pflegetreffs mit bundesweiter Ausrichtung durch.
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Pressemitteilung vom 22.08.2011

Pflegebedürftige Menschen erwarten eine gute Pflege
Um gute Pflege zu gewährleisten, müssen die Pflege-Rahmbedingungen deutlich verbessert werden


„Die Alten- und Krankenpflegekräfte warnen vor einer weiteren Verschlechterung bei der Versorgung Pflegebedürftiger.“ Die Pflegebranche plant daher nach einem Bericht der Rheinischen Post vom 20.08.2011 bundesweite Protestaktionen. Nach der Ankündigung des Vorsitzenden des Deutschen Pflegerates, Andreas Westerfellhaus, sind in allernächster Zeit bundesweite Protestaktionen vorgesehen. Westerfellhaus kündigte für die Pflegebranche laut Rheinischer Post an: „Unser Ton wird jetzt militant.“ – Ein überfälliger Aufstand!

Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk begrüßt als Interessenvertretung für pflegebedürftige Menschen die Erklärungen und angekündigten Proteste des Deutschen Pflegerates und bietet jedwede Unterstützung an. Dies ist u.a. im Rahmen der bevorstehenden Neusser Pflegetreffs am 13.09.2011 mit dem Patientenbeauftragten der Bundesregierung und am 10.11.2011 mit der Gesundheits- und Pflegeministerin von Nordrhein-Westfalen möglich.

Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk hat erst am 05.07.2011 in einer dem Deutschen Bundestag bzw. den Abgeordneten bereits vorliegenden umfangreichen Stellungnahme u.a. ausgeführt, dass einer der wesentlichen Reformansätze die Behebung des Pflegenotstandes in den Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen sein müsse. Ohne einen diesbezüglichen den personellen Bereich betreffenden Reformschritt, tunlichst gestützt durch bundeseinheitliche Personalbemessungssysteme, kann eine in die Zukunft weisende Pflegereform nicht gelingen.

Dann muss es folgerichtig zu Ausbildungs- und Einstellungsoffensiven kommen, damit für die steigende Zahl hilfe- und pflegebedürftiger Menschen die überfällige persönliche Zuwendung organisiert werden kann. In diesem Zusammenhang müssen auch die Vergütungen der Pflegekräfte eine deutliche Anhebung erfahren und Verbesserungen der beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten geschaffen werden. Aufrufe der Arbeitgeberseite, mehr Pflegekräfte aus dem osteuropäischen Raum anzuwerben, neuerdings sogar aus China und Indien, sind aus vielerlei Gründen entbehrlich.

Dass eine Pflegereform an „Haupt und Gliedern“ mit mehr Pflegequalität finanzielle Konsequenzen haben muss, ist allseits bekannt. Zur Aufbringung höherer Beiträge für eine wirklich menschenwürdige Pflege sind die BürgerInnen in Mehrheit bereit.

Wenn die politisch Verantwortlichen aber nicht bereit sein sollten, gute Pflege mit höherem Finanzaufwand gesetzgeberisch zu organisieren, müssen sie dies in aller Klarheit sagen. Dann wird es nämlich bei den vielfach beklagten Mängeln in der Versorgung der hilfe- und pflegebedürftigen Menschen verbleiben. Angesichts der demografischen Entwicklung wird es sogar noch schlimmer kommen. Ob dies von der Bevölkerung dann hingenommen wird, ist mehr als fraglich. Vielleicht gibt es dann über die Pflegebranche hinaus einen Aufstand aller BürgerInnen.

Werner Schell
Dozent für Pflegerecht und Vorstand von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... pflege.php

Die vorstehende Pressemitteilung ist zur Veröffentlichung frei
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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