Weiterentwicklung der Pflege- und Gesundheitsfachberufe

Pflegespezifische Themen; z.B. Delegation, Pflegedokumentation, Pflegefehler und Haftung, Berufsrecht der Pflegeberufe

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Weiterentwicklung der Pflege- und Gesundheitsfachberufe

Beitrag von Presse » 06.12.2011, 11:07

Ministerin Steffens: NRW übernimmt Vorreiterrolle bei der Weiterentwicklung der Pflege- und Gesundheitsfachberufe

Der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften in Pflege- und Gesundheitsberufen wächst rasant. Eine höhere Qualifikation ermöglicht neue Aufstiegschancen und steigert die Attraktivität einer Berufwahl in diesem Bereich. "Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, erprobt Nordrhein-Westfalen die Akademisierung der Gesundheits- und Pflegefachberufe. Bei der Weiterentwicklung dieser Berufe nimmt NRW bundesweit eine Vorreiterrolle ein", sagte NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens heute (05. Dezember 2011) in Berlin bei der Veranstaltung "Die akademische Perspektive der Pflege- und Gesundheitsfachberufe".

"Akademisierung ist kein Selbstzweck. Es geht zum einen um die Anpassung der Berufsfelder an veränderte Herausforderungen. Zum anderen sind gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von zentraler Bedeutung für eine menschliche, an den Bedürfnissen der Betroffenen orientierten Pflege und Versorgung", so Steffens weiter.

An sechs Modellstandorten wurden seit Herbst 2010 bisher insgesamt zehn innovative Modellstudiengänge im Bereich Pflege, Hebammenkunde, Logopädie, Physiotherapie und Ergotherapie genehmigt. Die Absolventinnen und Absolventen erhalten sowohl einen Berufsabschluss als auch einen ersten akademischen Grad. "Das ist eine durchaus attraktive berufliche Perspektive", sagte die Ministerin. So sollen mehr junge Menschen für Pflege- und Gesundheitsfachberufe gewonnen und eine neue Qualität in der Versorgung von Patientinnen und Patienten erreicht werden.

Die Präsentation der Modellstudiengänge in der NRW-Landesvertretung in Berlin stieß auf eine bundesweit große Resonanz. Mehr als 300 Vertreterinnen und Vertreter aus Hochschulen, Berufsverbänden, Ärztekammern, Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbän-den, der Kranken- und Pflegeversicherung sowie aus Ministerien tauschten erste Erfahrungen aus.

"Ich sehe darin eine Bestätigung des eingeschlagenen Weges, die veralteten gesetzlichen Ausbildungsgrundlagen zu modernisieren und an internationale Standards anzupassen. Bei der Durchführung der Modellstudiengänge zeigt sich, dass es eine breite politische Unterstützung für die Initiative der Landesregierung gibt", freute sich die Ministerin.

Die Erkenntnisse aus der Erprobung neuer Ausbildungsinhalte und -strukturen seien für die Weiterentwicklung der Gesundheitsfachberufe bundesweit von großer Bedeutung, betonte Steffens. Mit der umfassenden Evaluation aller im Land genehmigten Modellstudiengänge wurde bereits begonnen. Weitere Modellvorhaben können in NRW zunächst bis zum Jahr 2014 begonnen werden. "Die Vielfalt der Modelle verspricht auch eine Vielfalt an Erkenntnissen, um gut ausgebildete Fachkräfte für eine am Menschen ausgerichtete Versorgung und Pflege zu gewinnen", so die Ministerin.

Hinweis für die Medien: In der Broschüre "Berufe mit Zukunft - Modellstudiengänge zur Weiterentwicklung der Pflege- und Gesundheitsfachberufe in Nordrhein-Westfalen" informieren die Hochschulen über ihre Projekte. Sie kann auf der Internetseite des MGEPA ( http://www.mgepa.nrw.de ) als Anhang dieser Pressemitteilung heruntergeladen werden.

Übersicht der bisher genehmigten Modellstudiengänge:
- Fachhochschule Bielefeld - Studiengang "Gesundheit- und Kranken-pflege"
- Hochschule für Gesundheit, Bochum:
"Bachelorstudiengang Ergotherapie"
"Bachelortstudiengang Hebammenwesen
"Bachelorstudiengang Logopädie "
"Bachelorstudiengang Pflege"
"Bachelorstudiengang Physiotherapie"
- Fliedner Fachhochschule, Düsseldorf - Bachelorstudiengang "Pfle-ge- und Gesundheit"
- Katholische Hochschule Nordrhein- Westfalen, Köln - Studiengang "Pflege"
- Fachhochschule Münster - Studiengang "Therapie – und Gesund-heitsmanagement"
- Mathias Hochschule Rheine - Studiengang "Pflege"
Die Modellstudiengänge bieten in der Endstufe insgesamt 1.840 Plät-ze. Eine entsprechende Ausbildung an einer Fachschule absolvieren derzeit in NRW rund 34.800 Schülerinnen und Schüler.

Weitere Hintergrundinformationen:

In der Gesundheitswirtschaft in Nordrhein-Westfalen arbeiten insgesamt über eine Million Frauen und Männer (bundesweit mehr als 4,6 Millionen). Im Gesundheits- und Pflegebereich stellen Frauen bundesweit mit 83 % den weitaus größten Teil der Leistungserbringerinnen dar. Die Gesundheitswirtschaft ist die bedeutendste Einzelbranche des Landes. Etwas jeder sechste Beschäftigte ist mittel- oder unmittelbar in der Gesundheitsversorgung tätig. Die Gesundheitswirtschaft in NRW hat einen Anteil von 11,6 % am Brutto-Inlands-Produkt.

Allein in der Gesundheits- und Krankenpflege, der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege und der Altenpflege befinden sich in NRW derzeit rund 28.500 überwiegend junge Menschen in der Ausbildung. Hinzu-kommen weitere rund 7.000 Schüler/-innen in der Ergotherapie, dem Hebammenwesen, der Logopädie und der Physiotherapie.

Insbesondere im Pflegebereich wächst die Beschäftigung kontinuierlich. In NRW arbeiten alleine in den ambulanten Diensten und teil- und vollstationären Pflegeeinrichtungen rund 93.000 Pflegekräfte. Die Zahl der Altenpflegefachkräfte hat seit 1999 NRW-weit um 59 % zugenommen. Eine vergleichbare Entwicklung zeigt sich auch auf Bundes-ebene.

Bereits heute besteht ein hoher Mangel an Fachkräften (alleine in NRW fehlten in 2010 rund 3.000 Absolventen/-innen zur Deckung of-fener Stellen). Angesichts der demographischen Entwicklung wird der Fachkräftebedarf im Gesundheits- und Pflegebereich auch in Zukunft weiter steigen. Das Statistische Bundesamt geht nach Prognosedaten davon aus, dass im Jahr 2025 bundesweit rund 152.000 Pflegefachkräfte fehlen werden, um die Patientinnen und Patienten bzw. Pflegebedürftigen versorgen zu können.

Quelle: Pressemitteilung vom 05.12.2011
http://www.mgepa.nrw.de/startseitenmeld ... /index.php

Broschüre Berufe mit Zukunft
http://www.mgepa.nrw.de/mediapool/pdf/p ... ukunft.pdf

Sabrina Merck
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Qualifierzung der Pflegekräfte - Fort- und Weiterbildung

Beitrag von Sabrina Merck » 07.12.2011, 09:14

Pflegekräfte brauchen berufliche Perspektiven. Diese dürfen aber nicht vorwiegend darin bestehen, dass man sie akademisiert. Pflege war, ist und bleibt eine praktische Tätigkeit am kranken bzw. pflegebedürftigen Menschen. Dazu bedarf es vermehrt der berufsbezogenen Fort- und Weiterbildung. Daran müssen sich Aufstiegsmöglichkeiten anschließen. Siehe auch meine Ausführungen unter viewtopic.php?t=16239
Dem Pflegesystem und den pflegebedürftigen Menschen muss mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden! Daher:
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk!
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de

thorstein
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Beitrag von thorstein » 07.12.2011, 12:38

Wie kommt es immer zu dieser völlig unlogischen Gegenüberstellung, Akademisierung und praktische Tätigkeit schliessen sich aus???
Arbeiten Ärzte nicht praktisch? Und was machen Pflegekräfte in den Ländern, in denen ein Studium der Normalfall ist?

Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.

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Akademisierung und Praxis

Beitrag von Lutz Barth » 08.12.2011, 04:45

Akademisierung ist kein Selbstzweck.
Wohl wahr und in diesem Sinne kann ich dem Statement von Thorstein nur beipflichten, zumal nicht in jedem "guten" Akademiker und "guter" Praktiker steckt!

Die Spreu vom Weizen wird in der Praxis getrennt und dass dann in der Pflege gelegentlich immer mal wieder der Aspekt der Akademisierung besonders hervorgehoben wird, könnte zuweilen auch als kontraproduktiv gewertet werden.

M.E. geht es hierzulande wohl in erster Linie darum, mit der Betonung der Akademisierung die besondere Solidität und Wichtigkeit der Pflege als Profession herauszustellen, obgleich gerade das Studium "nur" eine besondere Form des Lernens ist, wobei natürlich prinzipiell die Erwartungshaltung verbunden ist, sich vertiefend der Materie anzunehmen.

Ob dies immer gelingt, möchte ich nicht bewerten, zumal ein erfolgreiches Studium auch davon abzuhängen scheint, ob die Studenten den gebotenen Freiraum erhalten, sich selbst zu finden und zu positionieren und nicht - wie leider häufig der Fall - an den Lippen der Professoren kleben und voller Ehrfurcht erstarren.

Ungeachtet dessen besteht die durchaus schwierige Aufgabe darin, dass geballte Wissen in der Folge praktisch zu verwerten. Ein guter Theoretiker scheitert zuweilen an der Umsetzung seiner Denkmodelle in der Praxis und gerade im Bereich der Humanwissenschaften scheint es wenig hilfreich, etwa am Krankenbett "Vorlesungen" zu halten.

Akademisierung hat immer auch etwas mit dem Aufstieg in der Professionalisierungsskala zu tun und dient so einem vielerorts als erstrebenswert erachteten Zieles: man/frau sei Akademiker und mit Verlaub - allein schon deshalb manchmal "wichtig". Ob dies so ist, steht auf einem anderen Blatt.

Es gab Zeiten, in denen die Ehegattin des promovierten Arztes gelegentlich schon mal Wert darauf gelegt hat, mit "Frau Dr." angesprochen zu werden. Nun - wenn es denn der Etikette und dem Stande dient... :wink:
Wir vertreten nicht immer die herrschende Lehre!

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