Heime und die Gewinnerzielungsabsichten

Gesundheitswesen, Krankenhaus- und Heimwesen, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Arzneimittel- und Lebensmittelwesen, Infektionsschutzrecht, Sozialrecht (z.B. Krankenversicherung, Pflegeversicherung) einschl. Sozialhilfe und private Versorgung

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WernerSchell
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Heime und die Gewinnerzielungsabsichten

Beitrag von WernerSchell » 13.06.2010, 07:38

Heime und die Gewinnerzielungsabsichten

In einer Mailingliste ergab sich zum Thema folgender Schriftwechsel (anonymisiert):

Herr .... schrieb am 11.06.2010 u.a.:
.... Muss der Pflegebereich (und andere lebenswichte Versorgung) wirklich privatwirtschaftlich, also gewinnorientiert sein? Und dem knallharten Wetttbewerb unterliegen mit den Folgen von Personaleinsparungen in Zahl und Qualität? Oder sollte man nicht doch die Soldidarität aller, von ganz arm bis ganz reich, zur Leitlinie machen? Meines Wissens gilt dieses noch immer z. B. in Schweden. ....

Sehr geehrter Herr ...,

Sie wissen, dass ich mich seit Jahren durchaus kritisch zu den Pflegesystemen äußere und auch durch entsprechende Vorschläge auf Korrekturen hinwirke. Das Problem scheint mir aber nicht zu sein, dass man mit Pflege Geld verdienen kann. Die den Systemen zugrunde liegenden Rahmenbedingungen stimmen nicht, und diese gehören geändert. Wenn Sie die Pflege ohne Gewinnerzielung gestalten wollen, müssen Sie erst recht die stationäre Krankenhausversorgung und die ärztlichen und nichtärztlichen Praxen gemeinnützig oder so ähnlich gestalten. Auch Versicherungen, Fonds usw., die mit dem Pflege- und Gesundheitssystem zu tun, müsste man komplett wirtschaftlich neu ausrichten. Wir müssten uns also in weiten Teilen unseres Wirtschaftslebens von den Grundsätzen der sozialen Marktwirtschaft verabschieden. Und dies kann man ernstlich doch nicht wollen.

Selbst wenn wir die Pflege ohne Gewinnerzielungsmöglichkeiten gestaltet hätten, wäre damit die menschenwürdige Versorgung der pflegebedürftigen Menschen allein noch nicht gewährleistet. Die Strukturen und viele andere Dinge müssen stimmen. Vor allem müssen wir genügend Personal aufgrund entsprechender Personalbemessungssysteme auf den Weg bringen. Ohne mehr Personal wird, das ist meine feste Überzeugung, sich kaum etwas verbessern lassen. Dazu habe ich mich mit Statements und Pressemitteilungen (auch heute, 11.06.2010, wieder) bereits wiederholt geäußert. Ich bräuchte insoweit eigentlich mehr Beistand / Unterstützung. Dann kämen wir vielleicht schneller voran.

Mit freundlichen Grüßen
Werner Schell

Im Anschluss daran (13.06.2010):

Herr .... schrieb u.a.:
..... die Auffassungen sind sicher geteilt. Meines Erachtens muß man sich spätestens nach der sogenannten Finanzkrise, sprich Umverteilungscrash im Keinen wie im Großen von noch mehr arm zu noch mehr reich, fragen, was denn an der sozialen Marktwirtschaft noch sozial ist. Es sei denn, daß vom sozialen Gedanken nur ganz bestimmte Kreise betroffen sein sollen. Ein 750 Mrd Rettungsschirm läßt da einiges vermuten. Zumindest die von mir rechtlich Betreuten, die überschuldet sind, sei es mit oder ohne oder nur mit anteiligem Verschulden, können davon nicht profitieren. Auch nicht von den bisherigen Rettungsaktionen der Bundesregierungen und Bundesländer. Profitiert haben aber schon z.B. die Inhaber von bestimmten Bankaktien und Anlagepapieren. ....

Sehr geehrter Herr ...,

wir müssen vielleicht doch unterscheiden zwischen der Grundausrichtung der staatlichen Ordnung und den aktuell gebotenen politischen Entscheidungen. Obwohl ich bestimmt kein unpolitischer Mensch bin, halte ich mich bei Beurteilungen der jetzigen finanzwirtschaftlichen Entscheidungen weitgehend zurück. Ich kenne mich da, wie wahrscheinlich die meisten BundesbürgerInnen, zu wenig aus. Wahrscheinlich gilt es zu bedenken, dass die soziale Marktwirtschaft, die vorrangig als innerstaatliches Ordnungssystem gedacht war, nach der Globalisierung usw. an gewisse Grenzen stößt. Wir sollten uns daher bemühen, die soziale Marktwirtschaft weltweit zu etablieren. Aber da machen wahrscheinlich die Chinesen (u.a.) nicht mit.

Auf keinen Fall halte ich es für angemessen, die angesprochene Finanzierungsprobleme mit der Heimproblematik zu vermengen und dort - auch folgerichtig anderswo im Gesundheitssystem - den Marktmechanismus auszublenden. Ich halte daher an meinem Statement vom 11.06.2010, das ausschließlich die Gesundheits- und Pflegesysteme in den Vordergrund stellte fest.

Hier noch einmal mein Text:
Sie wissen, dass ich mich seit Jahren durchaus kritisch zu den Pflegesystemen äußere und auch durch entsprechende Vorschläge auf Korrekturen hinwirke. Das Problem scheint mir aber nicht zu sein, dass man mit Pflege Geld verdienen kann. Die den Systemen zugrunde liegenden Rahmenbedingungen stimmen nicht, und diese gehören geändert. Wenn Sie die Pflege ohne Gewinnerzielung gestalten wollen, müssen Sie erst recht die stationäre Krankenhausversorgung und die ärztlichen und nichtärztlichen Praxen gemeinnützig oder so ähnlich gestalten. Auch Versicherungen, Fonds usw., die mit dem Pflege- und Gesundheitssystem zu tun, müsste man komplett wirtschaftlich neu ausrichten. Wir müssten uns also in weiten Teilen unseres Wirtschaftslebens von den Grundsätzen der sozialen Marktwirtschaft verabschieden. Und dies kann man ernstlich doch nicht wollen.
Selbst wenn wir die Pflege ohne Gewinnerzielungsmöglichkeiten gestaltet hätten, wäre damit die menschenwürdige Versorgung der pflegebedürftigen Menschen allein noch nicht gewährleistet. Die Strukturen und viele andere Dinge müssen stimmen. Vor allem müssen wir genügend Personal aufgrund entsprechender Personalbemessungssysteme auf den Weg bringen. Ohne mehr Personal wird, das ist meine feste Überzeugung, sich kaum etwas verbessern lassen. Dazu habe ich mich mit Statements und Pressemitteilungen (auch heute, 11.06.2010, wieder) bereits wiederholt geäußert. Ich bräuchte insoweit eigentlich mehr Beistand / Unterstützung. Dann kämen wir vielleicht schneller voran.

Mit freundlichen Grüßen
Werner Schell
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
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Eigentum verpflichtet .... (soziale) Marktwirtschaft

Beitrag von Presse » 13.06.2010, 08:22

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