Krankenhäuser/Heime: Fürsorgepflicht gegenüber Patienten?

Rechtsbeziehung Patient – Therapeut / Krankenhaus / Pflegeeinrichtung, Patientenselbstbestimmung, Heilkunde (z.B. Sterbehilfe usw.), Patienten-Datenschutz (Schweigepflicht), Krankendokumentation, Haftung (z.B. bei Pflichtwidrigkeiten), Betreuungs- und Unterbringungsrecht

Moderator: WernerSchell

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Die Welt

Krankenhäuser/Heime: Fürsorgepflicht gegenüber Patienten?

Beitrag von Die Welt » 17.06.2006, 08:19

Der traurige Tod zweier Berliner Rentner
Vermißter Patient tot in Technikraum des Klinikums Neukölln entdeckt. Mann stirbt nach Verbrühungen


Wolfgang Bäcker starb einen einsamen Tod. Vor sieben Tagen verschwand der 63 Jahre alte Mann im Vivantes-Klinikum in Neukölln. Er verirrte sich in dem riesigen Gebäudekomplex in einen Technikraum im zweiten Stock. Dort ist Wolfgang Bäcker ums Leben gekommen. Ob er verdurstet ist oder verhungert oder ob es daran lag, daß der 63jährige nötige Medikamente nicht bekommen hat, das soll jetzt eine Obduktion klären.

Ein Fall für die Berliner Staatsanwaltschaft. Ein weiterer, der zu den beiden aus den vergangenen Tagen hinzukommt: Im Campus Benjamin Franklin der Uniklinik steckt tagelang ein Patient in einem Aufzug fest. In einem privaten Pflegeheim in Friedrichshain stirbt ein alter Mann an den Folgen einer Verbrühung: Man hatte ihn zu heiß gebadet.

Drei dramatische Vorfälle, die viele Fragen nach der Qualität von Pflege in Krankenhäusern und Heimen und nach der Fürsorgepflicht aufwerfen.
...
Weiter unter
http://www.welt.de/data/2006/06/16/918656.html

Ärztliche Praxis

Verwirrte Patienten - hohe Anforderungen an das Personal

Beitrag von Ärztliche Praxis » 17.06.2006, 08:55

Immer mehr verwirrte Patienten stellen hohe Anforderungen an das Personal

Pfleger-Verband fordert neues Konzept zur Versorgung Verwirrter
Nach Bekannt werden mehrerer Zwischenfälle in Berliner Kliniken hat der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ein neues Konzept zur Versorgung verwirrter Menschen gefordert.


16 .06.06 - „Die Krankenhäuser in Deutschland sind noch zu wenig auf die besonderen Probleme von Verwirrten eingestellt“, so Johanna Knüppel vom DBfK. Ein 63-jähriger demenzkranker Mann war im Berliner Klinikum Neukölln tagelang vermisst und dann in einem Technikraum des Krankenhauses tot gefunden worden. Ein anderer Mann hatte drei Tage lang unbemerkt in einem Fahrstuhl des Klinikums Benjamin Franklin festgesteckt.

„Viele verwirrte Patienten haben einen sehr starken Bewegungsdrang, werden bettflüchtig und in einigen Fällen auch aggressiv, wenn sie sich nicht mehr zurechtfinden.“, berichtet Küppel. „Man muss versuchen, so viel wie möglich ambulant zu behandeln, damit diese Menschen nicht so lange aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen werden.“ Wenn es gar nicht anders ginge, müssten vertraute Angehörige mit ins Krankenhaus aufgenommen werden können, fordert Knüppel. Solche Maßnahmen seien künftig besonders wichtig, weil die Anzahl Verwirrter stetig steige.

„Sie können nicht jeden Einzelnen rund um die Uhr an die Hand nehmen.“

Einen Zusammenhang zwischen dem Stellenabbau beim Pflegepersonal und den vermissten Krankenhauspatienten sah Knüppel jedoch nur bedingt.
„Natürlich führt der Abbau zu einer Mehrbelastung der verbleibenden Pflegerinnen und Pfleger“. Die Einsparungen dürften auf keinen Fall fortgesetzt werden. „Dennoch ließen sich auch mit mehr Personal die Fälle von verwirrten und verschwundenen Patienten nicht vermeiden“, so Knüppel. „Sie können nicht jeden Einzelnen rund um die Uhr an die Hand nehmen.“ Das würde weder den Menschen noch ihrer Autonomie gerecht werden.

Nach dem Vorfall des im Fahrstuhl eingeschlossenen Patienten im Klinikum Benjamin Franklin hat die Berliner Charité bereits umfassende Konsequenzen angekündigt. Schon von Anfang kommender Woche an werde es eine neue Dienstanweisung geben, nach der hilflose Patienten künftig stärker vom Personal überwacht werden müssen, erklärte der Ärztliche Direktor der Charité, Ulrich Fei. Auch die Fahrstühle sollen künftig durchsucht werden, wenn ein Patient verschwindet.

Quelle: Zeitung "Ärztliche Praxis", 16.6.2006
http://www.aerztlichepraxis.de/artikel? ... 462776&n=1

Ärzte Zeitung

63jähriger Demenzkranker lag tot im Technikraum

Beitrag von Ärzte Zeitung » 21.06.2006, 07:22

Vermisste Patienten - Kliniken in Berlin überprüfen Aufsicht
63jähriger Demenzkranker lag tot im Technikraum


BERLIN (ami). Ihre Sicherheitssysteme wollen Berliner Krankenhäuser genauer überprüfen. Der Grund: Der Patient eines Vivantes Klinikums, der sechs Tage lang spurlos verschwunden war, wurde tot im Technikraum der Klinik gefunden. In der Charité hatte außerdem ein Rollstuhlfahrer drei Tage unbemerkt im Aufzug festgesteckt, ehe er entdeckt wurde.

Weiter unter
http://www.aerztezeitung.de/docs/2006/0 ... system_uns

Kohler, Uwe

Heime: Fürsorgepflicht gegenüber Patienten?

Beitrag von Kohler, Uwe » 22.06.2006, 12:41

Die Welt hat geschrieben: .... Drei dramatische Vorfälle, die viele Fragen nach der Qualität von Pflege in Krankenhäusern und Heimen und nach der Fürsorgepflicht aufwerfen. ...
Sehr geehrte MitleserInnen,
wahrscheinlich wird angesichts der vorstehenden Mitteilung wieder die Erwiderung kommen: nur Einzelfälle. Leider häufen sich aber diese Einzelfälle zu einer Summe von Pflegemängel, die nicht mehr hingenommen werden. Heute berichtet die Rheinische Post Düsseldorf wiederum in einem groß aufgemachten Artikel über die Unzulänglichkeiten in der Altenheimversorgung. Dies erscheint mir beachtlich, zumal diese Zeitung nicht für Sensationsberichte steht.
Hochachtungsvoll
Uwe Kohler

Pat.Verf. Newsletter

Menschlichkeit ist auch ein organisatorisches Problem

Beitrag von Pat.Verf. Newsletter » 26.06.2006, 07:10

Menschlichkeit ist auch ein organisatorisches Problem

Stellungnahme zu:
Verwirrt, verschwunden, verbrüht, verstorben – Häufung von tragischen Fällen in Berliner Einrichtungen innerhalb weniger Tage

Noch sind es, mit einer wohl zufälligen Häufung in der Hauptstadt, noch tragische Einzelfälle. Sie werfen jedoch dringende Fragen nach der Qualität der Krankenhaus und Pflegeheimversorgung auf. Geht es doch um schwache Menschen, die sich nicht mehr selbst helfen, teilweise gar nicht mehr artikulieren konnten.
Wie berichtet, war ein 63-jähriger demenzkranker Mann am 16. Juni im Klinikum Neukölln verschwunden. Obwohl das Personal und auch die Polizei nach dem Patienten suchten, konnte er nicht gefunden werden. Erst nach sechs Tagen entdeckte man den Mann tot in einem Technikraum, der nicht verschlossen gewesen war. Und an der Charité steckte ein 68-jähriger, an den Rollstuhl gefesselter Mann 80 Stunden lang in einem Fahrstuhl fest, bevor er bemerkt und befreit wurde.

Ein weiterer Fall beschäftigt zur Zeit die Berliner Staatsanwaltschaft: Der schreckliche Tod des 79 Jahre alten Gerhard B. Er konnte nach einem vor Jahren erlittenen Schlaganfall nicht mehr sprechen und sich nicht mehr bewegen. Ein mittlerweile suspendierter Pfleger des Pflegeheims „Am Märchenbrunnen“ hatte den Mann in eine Badewanne mit viel zu heißem Wasser gesetzt. Gerhard B. verbrühte sich und starb kurz darauf in einem Krankenhaus. - Dieser Fall scheint sich allen allgemeinen Kriterien zu entziehen und liegt bisher noch im Dunkeln.

Ansonsten kristallisiert sich heraus, dass allgemeinmedizinische Stationen nicht auf „Weglauftendenzen“ verwirrter Menschen vorbereitet sind, dass Krankenhausmitarbeiter/innen im speziellen Umgang mit dementen Patienten dringend geschult werden müssen. Auch die Auslagerung von Dienstleistungen wie z. B. der technischen Überwachung im Zuge der Klinikprivatisierung wird beklagt. So würde das Stammpersonal der Klinik die Kontrolle über das Ganze verlieren: die Techniker - früher Kollegen die jeder kannte - sind heute anonym und fremd.

Als erste Konsequenz hat die Berliner Charité-Leitung eine Dienstanweisung erlassen, die Ärzte und Pflegekräfte verpflichtet, hilflose Personen nicht mehr unbeaufsichtigt zu lassen. Außerdem soll sofort recherchiert werden, wenn ein Patient verloren geht.
Die zunehmende Zahl älterer Patienten mit prinzipiell nicht vollständig heilbaren Krankheitsbildern bedeutet, dass auf die Krankenhäuser andere Herausforderungen zu kommen. Auf verwirrte Patienten aufzupassen, behinderte und hilflose Personen nicht einfach abzustellen, wenn sie zu einer Untersuchung in eine andere Station gefahren werden müssen, bräuchte natürlich mehr und qualifizierteres Krankenhauspersonal. Aber es geht nicht darum, in eine bestehendes System einfach immer mehr Geld zu pumpen.

Alle im Gesundheits- und Pflegebereiche, auch die ambulanten und stationären Hospize, werden sich darauf einzustellen haben: In Deutschland wird der Anteil der Menschen mit Demenz von derzeit rund 1 Millionen bis 2050 auf das Doppelte ansteigen. Dies hat die Alzheimer-Gesellschaft hochgerechnet. Auch altersverwirrte Menschen erleiden einen Herzinfarkt, sind dabei zuckerkrank, gehbehindert oder sonst wie mehrfach krank (multimorbid) – und werden schließlich Sterbende sein. Diese Menschen brauchen mehr Aufmerksamkeit und Fürsorge, und zwar lange vor ihrem Tod bzw. einem begleiteten Sterben.

Deshalb sind prinzipiell neue, übergreifende Betreuungsformen gefragt. Und neue Ideen. Experten schlagen elektronische Armbänder für gefährdete Patienten vor, damit man sie stets orten kann. Auch darüber gilt es schnell nachzudenken. In einigen Einrichtungen für Demenzkranke haben sich offenbar Sensoren bewährt, die ein optisches oder akustisches Signal geben, wenn jemand durch die Tür geht.

Prinzipiell muss Menschlichkeit (und die Würde des Patienten sowie der Respekt vor seinem Selbstbestimmungsrecht) o r g a n i s i e r t werden. Durch optimale Verhaltensabläufe und Abstimmungen über verschiedene Bereiche hinweg. Es reicht nicht, dass vielleicht jeder einzelne seiner Berufsgruppe für sich genommen korrekt seine Pflicht tut. Statt eingefahrener Automatismen der Verantwortungslosigkeit für das Ganze brauchen wir Konzepte für ein gemeinsames Handeln - im Sinne des einzelnen Patienten.

Sie können hier eine Zusammenstellung des Newsletterteams patientenverfuegung.de zu Reaktionen auf die jüngsten Ereignisse in Berlin lesen:

http://www.patientenverfuegung.de/pv/detail.php?uid=417

Quelle: PATIENTENVERFUEGUNG NEWSLETTER vom 25.6.2006

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Vivantes und keine Ende

Beitrag von Service » 01.12.2013, 01:42

Vivantes und keine Ende

Siehe die weiteren Informationen unter
http://www.marion-holl.de/vivantes/SWR_VIVANTES1.htm

WernerSchell
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Vivantes baut Altenpflege deutlich aus

Beitrag von WernerSchell » 19.12.2018, 07:22

Ärzte Zeitung online, 19.12.2018
Berlin
Vivantes baut Altenpflege deutlich aus

BERLIN. Der kommunale Berliner Klinikkonzern Vivantes baut sein Angebot in der stationären Altenpflege deutlich aus und übernimmt ab Januar 2019 vier private Pflegeheime mit 400 Mitarbeitern und 500 Pflegeplätzen.
Damit betreibt die Vivantes Forum für Senioren GmbH künftig 17 Pflegeheime in Berlin mit insgesamt 2373 Pflegeplätzen in sechs Bezirken.
... (weiter lesen unter) ... https://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=97 ... efpuryykqr
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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