Pflegereport der DAK-Gesundheit zeigt Reformbedarf nach 25 Jahren Pflegeversicherung

Gesundheitswesen, Krankenhaus- und Heimwesen, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Arzneimittel- und Lebensmittelwesen, Infektionsschutzrecht, Sozialrecht (z.B. Krankenversicherung, Pflegeversicherung) einschl. Sozialhilfe und private Versorgung

Moderator: WernerSchell

Gesperrt
WernerSchell
Administrator
Beiträge: 24793
Registriert: 18.05.2003, 23:13

Pflegereport der DAK-Gesundheit zeigt Reformbedarf nach 25 Jahren Pflegeversicherung

Beitrag von WernerSchell » 25.08.2020, 05:37

DAK
Gesundheit

Pflegereport: Große regionale Unterschiede in NRW
• Report der DAK-Gesundheit zeigt Reformbedarf nach 25 Jahren Pflegeversicherung
• In Westfalen-Lippe wird öfter Heimpflege gewählt als im Rheinland
• Kritik an der Qualität über dem Bundesschnitt



Bild


25 Jahre nach Einführung der Pflegeversicherung hat die DAK-Gesundheit einen Pflegereport für Nordrhein-Westfalen vorgelegt. Darin analysiert die Krankenkasse die regionalen Unterschiede in Art, Qualität und Kosten der Pflege im bevölkerungsreichsten Bundesland. Im Norden und Nord-Osten des Bundeslandes ist der Anteil der stationären und teilstationären Pflege wesentlich höher. So werden beispielsweise im Kreis Lippe 42 Prozent, in Heinsberg hingegen nur 24 Prozent in Heimen und Einrichtungen betreut. Bei der Pflege durch Angehörige ergibt sich beim Blick auf die Landkarte genau das gegenteilige Bild: Im Rheinland werden insgesamt deutlich mehr Pflegebedürftige im eigenen Haushalt versorgt, als in Westfalen-Lippe. Die Qualität der Pflege wurde in einer DAK-Umfrage hinterfragt. Im stationären Bereich attestierten 19 Prozent und im ambulanten Bereich 13 Prozent mangelnde Qualität – beides schlechtere Werte als der Bundesdurchschnitt. Die DAK-Gesundheit legt gemeinsam mit dem Autor, dem Pflegeexperten Professor Thomas Klie von der Evangelischen Hochschule Freiburg, auch ein detailliertes Konzept zur langfristigen finanziellen Entlastung der Pflegebedürftigen vor. Durch eine neue Finanzarchitektur und steigende Steuerzuschüsse könnten die Eigenanteile der Versicherten bis zum Jahr 2045 gedeckelt werden.

„Die umfangreiche Analyse der Daten aus mehreren Jahren erlaubt eine detaillierte Sichtweise auf die Fakten“ sagt Klaus Overdiek, Leiter der DAK-Landesvertretung in Nordrhein-Westfalen. „Die Situation wäre ohne die bereits eingeleiteten Maßnahmen in NRW wie zum Beispiel das Altenpflegegesetz und das Pflegewohngeld derzeit schlechter. Dennoch brauchen wir Veränderungen und eine Weiterentwicklung“, so Overdiek. Bei der Pflege sei die Qualität und die hohen Kosten der Heimpflege Ansatzpunkte für Reformen. „Aktuell verfehlt die Pflegeversicherung ihren Gründungsgedanken, die Menschen im Pflegefall vor einem Armutsrisiko zu bewahren und die Kosten der Pflege fair zwischen Beitragszahlern, Steuerzahlern und Pflegebedürftigen zu verteilen”, erläutert Overdiek die Reformvorschläge der DAK-Gesundheit. „Ordnungspolitisch brauchen wir für die kommenden 25 Jahre eine völlig neue Finanzstatik in der Pflege.”

Die Kosten der Pflege sind in NRW, dem Bundesland mit den vergleichsweise höchsten Belastungen in den stationären Einrichtungen aus Sicht der Bevölkerung ein Problem. Zwei Drittel der Befragten gaben an, die Pflege selbst zu übernehmen, da sie sich die Kosten nicht leisten könnten. Nur 24 Prozent sind der Meinung, dass die Kinder für die Pflegekosten der Eltern aufkommen müssten. In NRW sind 46 Prozent der Meinung, dass die Pflegebeiträge steigen, jedoch nur ein Viertel ist bereit, diese auch zu zahlen.

Der demografische Wandel und die zu erwartende Zunahme der Pflegebedürftigen macht zukünftige Änderungen der Pflegeversicherung notwendig. „Wir müssen frühzeitig die Probleme erkennen, analysieren und aktiv die Zukunft der Pflege gestalten. Warten wir erst ab, bis die Situation sich zuspitzt, haben wir kaum mehr Möglichkeiten“, so Klaus Overdiek zur weiteren Entwicklung. „Eine tragbare Finanzierung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, das erfordert höhere Steuermittel in der Pflege. Außerdem können strukturelle Veränderungen im Versorgungsbereich zur Verbesserung der Situation in der Pflege genutzt werden.“ Die DAK-Gesundheit habe mit dem Ansatz der „Regionalen Pflegekompetenzzentren“ bereits ein Modellprojekt geschaffen, das in dieser Hinsicht geeignete Perspektiven biete.


Quelle: Pressemitteilung vom 24.08.2020
Rainer Lange
DAK-Gesundheit
Unternehmenskommunikation / Public Relations
Pressesprecher Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen
in Vertretung Rheinland-Pfalz
Graf-Adolf-Str. 89, 40210 Düsseldorf
Postfach 10 19 23, 40010 Düsseldorf
Tel.: 0211 550415-1120, Fax: 0049 40 33470553755
Mobil: 0172-4200593
rainer.lange@dak.de
www.dak.de
www.dak.de/presse



Anlagen:
- Pressemeldung DAK-Pflegereport NRW - 20200824_PM_Pflegereport_NRW.pdf > https://cache.pressmailing.net/content/ ... rt_NRW.pdf
- Präsentation DAK-Pflegereport NRW - 20200824_Präsentation_Pflegereport_NRW.pdf > https://cache.pressmailing.net/content/ ... rt_NRW.pdf
- Langfassung DAK-Pflegereport NRW - 2020-04-22_Landesreport NRW_final.pdf > https://cache.pressmailing.net/content/ ... ndesreport NRW_final.pdf



In der "Zusammenfassung und Ausblick" des Reports (Langfassung) wird ausgeführt:

Der vorgestellte Landesreport Nordrhein-Westfalen präsentiert die wichtigsten Daten in Bezug auf die Pflege in diesem Bundesland. Neben ausgewählten demografischen Daten und Eckdaten zur Pflege in Nordrhein-Westfalen aus 2015 wurden die wichtigsten Umfrageergebnisse zum Thema Qualität der Pflege (aus DAK-Pflegereport 2018) und Kosten der Pflege (aus DAKPflegereport 2019) zusammengestellt. Zusätzlich wurden aus den jeweiligen DAKPflegereports nordrhein-westfälische Daten über die Entwicklung und Struktur der pflegebedürftigen DAK-Versicherten vorgestellt und die dazugehörigen Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung und der sozialen Pflegeversicherung gegenübergestellt.
Abschließend wurden Daten der Pflege- und Sozialstatistik bezüglich der Kosten der Pflege in Nordrhein-Westfalen aus dem Pflegereport 2019 ausgewählt und präsentiert.
Das bevölkerungsreichste Bundesland in Deutschland kennt hinsichtlich der pflegepolitischen Ausrichtung einige Besonderheiten, die allerdings kaum Auswirkungen haben auf das Profil der Langzeitpflege, das sich aus den unterschiedlichen empirischen Zugängen in den DAKPflegereporten 2018 und 2019 ergibt. Mit einem Pflegewohngeld des Landes soll der Sozialhilfebedürftigkeit von Pflegebedürftigen entgegengewirkt und hinsichtlich der Infrastrukturentwicklung sind bundesweit als vorbildlich geltende Steuerungsinstrumente auf Landesebene verbindlich eingeführt worden. Durch die verpflichtenden kommunalen Pflegekonferenzen hat das Land Nordrhein-Westfalen eine lange Tradition in kommunaler Infrastrukturplanung und Koordination – allerdings mit großen Unterschieden zwischen den jeweiligen Kreisen was die Umsetzung anbelangt. Durch das Altenpflegegesetz wurde in recht konsequenter Weise Einfluss genommen auf die Pflegesatzgestaltung respektive die Nachweispflicht bei Investitionskosten. Alle diese und eine Reihe von weiteren pflegepolitischen Maßnahmen des Landes entfalten ihre Wirkung, profilieren allerdings Nordrhein-Westfalen in den Ergebnissen der DAK Pflegereporte 2018 und 2019 gegenüber anderen Bundesländern nicht so deutlich, wie dies zu erwarten gewesen wäre. Andererseits lässt sich vermuten: Ohne die landespolitischen Maßnahmen, etwa zum Pflegewohngeld, würde sich die pflegepolitische Performance im nationalen Vergleich noch einmal anders darstellen, insbesondere bei den sowieso schon vergleichsweise hoch liegenden Sozialhilfeausgaben.
Was zeichnet die Pflegesituation in Nordrhein-Westfalen im Bundesvergleich aus? 74,2 % aller auf Pflege angewiesenen Menschen werden in der eigenen häuslichen Umgebung gepflegt: Damit liegt Nordrhein-Westfahlen recht hoch im Grad der häuslichen Versorgung. Das spiegelt sich auch in der vergleichsweise geringen Inanspruchnahme von Pflegesachleistungen im häuslichen Bereich nieder: Über 50 % werden ausschließlich durch An- und Zugehörige in ihrem eigenen Haushalt versorgt. Dabei gibt es allerdings große Unterschiede in den Regionen Nordrhein-Westfalen. Auffallend ist, dass es deutliche Profilunterschiede zwischen den beiden Landesteilen Rheinland und Westfalen Lippe gibt. Der Anteil stationär Versorgter ist im Rheinland und in den dortigen Ballungsregionen deutlich höher als in Westfalen Lippe.
Hinsichtlich der Qualitätseinschätzung der Pflege vor Ort sehen auch in Nordrhein-Westfalen die Bürger*innen dort den Mangel an Pflegefachkräften als großes Problem, obwohl in der Langzeitpflege zahlreiche neue Ausbildungsplätze und Beschäftigte gewonnen werden konnten. Die Qualität von Pflegeheimen und Pflegediensten wird vergleichsweise übereinstimmend und von knapp der Hälfte der Bevölkerung als ‚gut‘ bewertet. Einen weiteren Ausbau des Angebotes an Pflegeheimen und –diensten sieht auch in Nordrhein-Westfalen die Bevölkerung als nicht erforderlich an. Aussagen zu den auch in Nordrhein-Westfalen besonders präferierten ambulant betreuten Wohngruppen lassen sich aus der Bevölkerungsbefragung nicht ableiten. Die Kosten der Pflege sind in dem Bundesland mit den vergleichsweise höchsten Pflegekosten in den stationären Einrichtungen aus Sicht der Bevölkerung ein Problem. Sie werden auch hier als sehr teuer wahrgenommen. Trotz Pflegewohngeld ist auch die Befürchtung dominant, bei einer Heimversorgung mit dem Einkommen und Vermögen nicht mehr mithalten zu können. Entsprechend sehen 66 % der Befragten die Übernahme der Pflege auch aus Kostengründen als notwendig an, da man sich Heime nicht leisten könne. Nur 24 % sind der Meinung, dass die Kinder für die Pflegekosten der Eltern aufkommen sollten. Das Thema ist inzwischen durch das Angehörigenentlastungsgesetz entschärft. 46 % der Bürger*innen in Nordrhein-Westfalen erwarten steigende Beiträge der Pflegeversicherung, allerdings sind nur 25 % bereit, diese auch zu zahlen. Die Auswertungen der DAKRoutinedaten, sowohl bezogen auf die soziale Pflege als auch auf die gesetzliche Krankenversicherung, zeigen, dass Nordrhein-Westfalen vergleichsweise durchschnittliche Kosten ausweist, allerdings mit erheblichen regionalen Unterschieden. Die jährlichen Kostensteigerungen für die stationäre Pflege liegt leicht über der Inflationsrate. Die Kosten in der stationären Pflege liegen über dem Bundesdurchschnitt. Das Gleiche gilt auch für die von den Pflegebedürftigen selbst zu tragenden monatlichen Gesamtkosten für Pflegeheime und dies trotz Pflegewohngeld. Entsprechend hoch sind auch die Ausgaben der Sozialhilfeträger für die Hilfe zur Pflege in Nordrhein-Westfalen.
Nordrhein-Westfalen zeigt, dass auch bei einer durchaus als aktiv gestaltend zu qualifizierenden Landespflegepolitik die Pflegeversicherung selbst und die regionale Performance maßgeblich für das Leistungsgeschehen in der sozialen Pflegeversicherung sind. Auch hier in NordrheinWestfalen zeigt sich, dass ein besonderes Augenmerk auf die regionale und Landkreisebene gelegt werden muss. Hier verfügt Nordrhein-Westfalen über entsprechende Strukturen und landesgesetzliche Vorgaben, die aber auch in diesem Bundesland alleine nicht dafür Sorge tragen, dass es überall suffiziente Infrastrukturen in der Langzeitpflege gibt. Insofern würde sich gerade im Zusammenhang mit der Umstrukturierung in der Krankenhausversorgung der Ansatz der Pflegekompetenzzentren der DAK als geeignet erweisen können.
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
Bild

WernerSchell
Administrator
Beiträge: 24793
Registriert: 18.05.2003, 23:13

Pflege-Report 2020 - Neuausrichtung von Versorgung und Finanzierung

Beitrag von WernerSchell » 07.09.2020, 10:06

Siehe auch Buchtipp!

Jacobs, K., Kuhlmey, A., Greß, S., Klauber, J., Schwinger, A. (Hrsg.)

Pflege-Report 2020
Neuausrichtung von Versorgung und Finanzierung

>>> https://www.wernerschell.de/forum/neu/v ... =3&t=23792
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
Bild

Gesperrt