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Mehr Druckgeschwüre in Krankenhäusern als in Heimen

Verfasst: 12.10.2009, 10:57
von Presse
Mehr Druckgeschwüre in Krankenhäusern als in Heimen

Pflegewissenschaftler der Charité legen Studie vor

Wissenschaftler der Charité - Universitätsmedizin Berlin haben festgestellt, dass die Krankenhäuser in Deutschland beim Schutz von Patienten vor dem gefürchteten Druckgeschwür, dem so genannten Dekubitus, klar hinter den Pflegeheimen zurück bleiben. Dies ist ein Ergebnis der jährlichen Erhebung des Instituts für Medizin-/ Pflegepädagogik und Pflegewissenschaft am Campus Charité Mitte. Das Team um Projektleiter Nils Lahmann fand heraus, dass im Durchschnitt zehn Prozent aller bewegungsunfähigen Patienten in Pflegeheimen einen Dekubitus aufwiesen. In Kliniken waren es 27 Prozent. "Das liegt sicher auch an der deutlich häufigeren Versorgung der Heimbewohner mit modernen Pflegehilfsmitteln", erklärt Lahmann. So erhielten 35 Prozent der dauernd bettlägerigen Heimbewohner ein so genanntes dynamisches Lagerungssystem, also eine Matratze, die automatisch für Druckausgleich sorgt. In den Kliniken waren es nur rund 17 Prozent.

"Insgesamt ist die Häufigkeit von Druckgeschwüren seit Beginn unserer Erhebung im Jahr 2001 deutlich zurückgegangen", erklärt Lahmann. Sorgen bereiten ihm jedoch die großen Unterschiede zwischen den Häusern. So gebe es Heime und Kliniken, in denen sich die schmerzhaften Wunden bei bis zu 70 Prozent der Angehörigen einer Risikogruppe zeigten. In anderen Einrichtungen trete der Dekubitus kaum noch auf. "Druckgeschwüre können ganz aus unseren Heimen und Kliniken verschwinden. Dieses Ziel ist erreichbar", zeigt sich Lahmann angesichts der Daten überzeugt.

An der diesjährigen Befragung nahmen 76 Pflegeheime und 15 Krankenhäuser mit insgesamt 8451 Bewohnern oder Patienten teil. Acht Einrichtungen waren aus Berlin. Bundesweit verdoppelte sich die Zahl der teilnehmenden Pflegeheime im Vergleich zu 2008. "Das Management spürt den Effekt der Untersuchung", glaubt Lahmann. "Wir können zeigen, dass sich die Pflegequalität in Einrichtungen, die mehrmals an unserer Erhebung teilgenommen haben, deutlich verbessert hat."

Jedes Jahr im April nehmen die Experten des Instituts gesundheitliche Gefahren für Bewohner und Patienten der beteiligten Einrichtungen unter die Lupe. Die Heim- und Klinikleitungen erhalten anschließend einen detaillierten Bericht, wie es in ihrer Einrichtung - auch im Vergleich zur Konkurrenz - um das Ausmaß bei zentralen Pflegeproblemen wie Mangelernährung, Sturzgefahr oder Dekubitus bestellt ist. "Die Häuser werden natürlich anonymisiert dargestellt", betont Lahmann. Seinem Team geht es nicht darum, die schlechten Einrichtungen zu outen. "Wir können ihnen bei der Analyse und Beseitigung ihrer Schwachstellen effizient helfen", ist er überzeugt.

Informationsveranstaltungen zur Erhebung 2010 finden Anfang November in fünf deutschen Städten statt. In Bielefeld, Kehl, Magdeburg, Nürnberg und dem brandenburgischen Wildau können sich regionale Einrichtungen vor Ort mit den Modalitäten der Teilnahme vertraut machen.

Nähere Informationen zur Erhebung 2010 sowie zu den Veranstaltungen erhalten Sie unter der Telefonnummer +49 30 450 529 066.

Kontakt
Dr. Nils Lahmann, MSc.Epidemiologie
Institut für Medizin-, Pflegepädagogik und Pflegewissenschaft
Charité - Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 529 066

Quelle: Pressemitteilung vom 12.10.2009
Kerstin Endele, GB Unternehmenskommunikation
Charité-Universitätsmedizin Berlin

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news338237

Frangen über Fragen .....

Verfasst: 12.10.2009, 12:55
von G. Fröhlich- Rockmann
jeder Arzt, also auch behandelnde Stationsärzte, kann Hilfsmittel und somit auch Lagerungsmittel zur Vermeidung von Dekubiti verordnen. Sicherlich werden die immer kürzer werdenden Krankenahusaufenthalte auch dazu beitragen, dass kein Sanitätshaus der Welt in der Lage ist bei Bearbeitungszeiten von Rezeptierung bis Auslieferung von 6 Wochen entspechende Lagerungssysteme während eines Krankenhausaufenthaltes auszuliefern.

Fraglich bleibt ob internationale Standards denn überhaupt Lagerungssysteme vorsehen nach denen ausschließlich noch in Krankenhäusern behandelt wird, oder ob entsprechende Lagerungssysteme nicht sogar zu solchen Standards gehören sollten.

Personal zur notwendigen stundenweisen Umlagerung bei Dekubitus wird wohl kaum vorhanden sein. Genauso wird dieses fehlen um zur Vermeidung von Dekubiti Patienten zu bewegen. Hier erhält der allgemeinsprachliche Ausdruck "man liegt im Krankenhaus" wohl eine völlig neue Bedeutung. Im Krankenhaus liegen heißt nun mal Dekubiti fördern was durch diese Studie nun auch noch wissenschaftlich bewiesen ist!

Es ist ein schwacher Trost und lindert die Schmerzen der Betroffenen Patientinnen und Patienten überhaupt nicht, wenn denn Sachverhalte festgestellt aber nicht grundsätzlich geändert werden.

Dabei nützt (wie in vielen anderen Bereichen) eine anonyme Erfassung überhaupt nichts, wenn denn nicht durch Benennung von schwarzen Schafen der Patient vor professionell zugefügten gesundheitlichen Schädigungen gewarnt wird und so auch ein wirtschaftlicher Druck zu notwendiger Veränderung entsteht. Vielmehr macht man sich zu Mitwissern, wenn nicht sogar zu Mittätern.

Die Frage inwieweit unsere Krankenhäuser denn überhaupt vorbereitet sind das zunehmende Klientel multimorbider und pflegebedürftiger Patienten auf hohem Niveau zu versorgen müsste ich aus der Erfahrung mit "wenig" bis "überhaupt nicht" beantworten.

Inwieweit Krankenhäuser und dort tätige Ärzte und Pflegekräfte auf den Umgang mit demenziell erkrankten Patienten vorbereitet sind, dessen Anzahl ebenfalls ständig steigt, könnte, wenn ich denn danach gefragt werden würde, nur damit beantworten, dass ich persönlich oft der Auffassung bin das man dort Herrn Alzheimer und Kollegen für einen Patienten der Nachbarstation hält....
:roll:

Verfasst: 12.10.2009, 15:02
von thorstein
Die Reduzierung von Dekubiti in den Heimen ist nur durch den konsequenten Einsatz von Wechseldrucksystemen erreicht worden. Hier kommt es auf ein gutes Management an, dass schon bei den ersten Anzeichen reagiert. Es ist hier schon ausreichend, wenn ein Heim einige Wechseldrucksysteme vorhält, um die Zeit von der Rezeptierung über die Genehmigung durch die Krankenkassen bis zur Lieferung zu überbrücken.

Völlig unverständlich ist es aber, dass heimbewohner, die bereits mit einem Wechseldrucksystem versorgt sind, bei einem Krankenhausaufenthalt nicht auch automatisch ein Wechseldrucksystem erhalten. Hier sind dekubiti eigentlich schon die zwangsläufige Folge.

Verfasst: 12.10.2009, 17:49
von G. Fröhlich- Rockmann
Ich halte es aus Erfahrung für notwendig darauf hinzuweisen, dass Wechseldrucksysteme nicht das alleinige Heilmittel sind, sondern bei gelähmten und Patienten mit Apoplex sogar kontraindiziert sind! (steht auf jeder Packungsbeilage von Wechseldrucksystemen nachzulesen)

Es gibt andere Systeme die hier gutes leisten.

Generell ist jedoch die Aktivierung des Patienten (soweit wie möglich) die beste Dekubitusprophylaxe und Bestätigung dafür, dass es in der Pflege (sowohl im Krankenhaus als auch im Heim) eben Menschen und nicht nur Apparate und Hilfsmittel bedarf.

Die Verodnung physikalischer Maßnahmen, z.b. Physiotherapie wär ein weiteres Thema....

Nie habe ich es erlebt, dass bei Entlassung aus dem Krankenhaus oder dem Fachkrankenhaus Verordnungen von Hilfsmitteln mit gegeben wurden...

Pflegeüberleitungsbogen scheinen sinnloses Papier zu sein welches bei stationärer Aufnahme zwar abgefordert aber nicht zur Kenntnis genommen wird. Eine Doppelversorgung mit Hilfsmitteln (also zu Hause und/oder Heim und Krankenhaus) wird jede Kasse ablehnen.

Ein LKW der die vorhandenen Hilfsmittel vom ursprünglichen Aufenthaltsort ins Krankenhaus transportiert wird auf Kassenkosten auch nicht gestellt.

Der Unsinn besteht in der Trennung von Kranken- und Pflegekasse mit deren praktischen Auswirkungen wir uns nun schon seit Jahren rum schlagen müssen....

Neue Reformen sind inzwischen ja nun schon wieder anegkündigt. Ich fürchte der Wahnsinn nimmt kein Ende ...

Kliniken bei Dekubitusvorbeugung schlechter als Heime

Verfasst: 13.10.2009, 06:53
von Presse
Kliniken bei Dekubitusvorbeugung schlechter als Heime

Berlin – Deutsche Kranken­häuser bleiben in Sachen Dekubitusvorbeugung hinter den Pflegeheimen zurück. Dies ist ein Ergebnis der jährlichen Erhebung des Instituts für Medizin-/ Pflegepädagogik und Pflegewissenschaft am Campus Charité Mitte.
.... (mehr)
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/3 ... _Heime.htm

Mehr Druckgeschwüre in Krankenhäusern als in Heimen

Verfasst: 13.10.2009, 07:44
von WernerSchell
Brief vom 12.10.2009 an verschiedene Medien:

Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk
Unabhängige und gemeinnützige Initiative

Vorstand: Werner Schell – Harffer Straße 59 – 41469 Neuss
Tel.: 02131 / 150779 – E-Mail: ProPflege@wernerschell.de
Internet: http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de

Neuss, den 12.10.2009

Betr.: Mehr Druckgeschwüre in Krankenhäusern als in Heimen

Sehr geehrte Damen und Herren,

zu dem o.a. Thema finden Sie eine aktuelle Pressemitteilung in meinem Forum:
viewtopic.php?t=12975

Ich finde die Botschaft - Mehr Druckgeschwüre in Krankenhäusern als in Heimen - sehr interessant, weil bislang immer nur über die Heime "hergefallen" wird und dabei vergessen wird, dass ein anderes Pflegesystem in den Kliniken installiert ist, das teilweise genauso notleidend ist, wie die ambulante und stationäre Pflege, soweit sie auf das SGB XI basierend tätig wird. Wir haben daher bereits mehrfach unsere Pflegetreffs dem Pflegenotstand gewidmet, u.a. in Anwesenheit von Herrn W. Zylajew, MdB und pflegepolitischer Sprecher der Union im Bundestag.

Tatsache ist seit geraumer Zeit, dass nicht nur die Pflegeeinrichtungen einen Personalnotstand erleben, sondern auch die Krankenhäuser. Daher tritt Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk auch eher ganzheitlicher auf und sieht die verschiedenen Gesundheits- und Pflegesysteme als Einheit im Sozialrecht. Es ist daher auch nicht richtig, allein immer wieder auf die Heime einzudreschen (wie Fussek & Co), sondern alle Aspekte der Versorgungssysteme müssen gesehen werden.

Wir werden wahrscheinlich die aktuelle Studie ebenfalls in die örtlichen und bundesweiten Erörterungen einbinden und diesbezügliche Korrekturen einfordern. Die nächste Gelegenheit zur Diskussion über das Thema wird der Pflegetreff am 28.10.2009 in Neuss-Erfttal sein: viewtopic.php?t=11532
Dazu hatte ich Sie ja schon informiert.

Der erste Pflegetreff 2010 wird unter Einbindung der aktuellen Gesundheits- und Pflegepolitiker aus Bund und Land am Thema
Welche Pflege wollen wir (uns leisten)?
orientiert sein:
viewtopic.php?t=12279

Wir setzen bei all diesen Bemühungen nicht auf das Bejammern der unzureichenden Rahmenbedingungen, sondern wir wollen Veränderungsnotwendigkeiten aufzeigen und einfordern. Dabei ist jede Unterstützung sehr willkommen!

Mit freundlichen Grüßen
Werner Schell

Re: Mehr Druckgeschwüre in Krankenhäusern als in Heimen

Verfasst: 05.12.2009, 13:36
von Marlene Böttinger
Wir setzen bei all diesen Bemühungen nicht auf das Bejammern der unzureichenden Rahmenbedingungen, sondern wir wollen Veränderungsnotwendigkeiten aufzeigen und einfordern. Dabei ist jede Unterstützung sehr willkommen!
....

Dazu meine volle Zustimmung. Es gibt überwiegend keine Erkenntnis-, sondern lediglich eine Durchsetzungsproblematik. Eine grundlegende Pflegereform muss für den gehörigen Druck sorgen, die Verhältnisse endlich zu bessern. Das ständige Gerede über die Missstände geht mir jedenfalls auf den Keks. Denn damit allein verändert sich nichts.

Das meint
Marlene

Dekubitus - Behandlung regelgerecht

Verfasst: 27.02.2011, 11:41
von Rauel Kombüchen
Dekubitus - Behandlung regelgerecht
Urteil des OLG München vom 30.04.2009, 1 U 4265/08
http://www.info-krankenhausrecht.de/Arz ... 65-08.html