Kanzlerin Merkel und die Pflege - erneutes Lob und Ankündigungen im "Sprechblasenformat"

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Kanzlerin Merkel und die Pflege - erneutes Lob und Ankündigungen im "Sprechblasenformat"

Beitrag von WernerSchell » 21.07.2018, 05:53

Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte am 16.07.2018 auf Einladung des Altenpflegers Ferdi Cebi das Evangelische Altenheim St. Johannisstift in Paderborn und würdigte dabei den Pflegeberuf. Angela Merkel sprach sich bei ihrem Besuch u.a. für höhere Löhne in der Pflege aus. Der Altenheimbesuch war medienwirksam gestaltet mit der Folge, dass zahlreiche Berichte mit Bildmaterial über einen "netten Besuch" informieren.

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Kanzlerin Angela Merkel im St. Johannisstift: Ortsbesuch auf Einladung von Pfleger Ferdi Cebi. Foto: Bundesregierung/Kugler

BUND ENGAGIERT SICH FÜR PFLEGEBERUFE
Bessere Bezahlung, mehr Wertschätzung


Die Bundesregierung will die Bedingungen in der Pflege verbessern. Dies sei "für unsere Gesellschaft von besonderer Bedeutung", sagt Kanzlerin Merkel. In einer Einrichtung in Paderborn kam sie mit Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Pflegekräften ins Gespräch. Das Ziel: "Ihre Sorgen kennenlernen und ihre Forderungen hören".

"Was ich hier mitnehme ist, dass alle, die hier beschäftigt sind, diese Arbeit von Herzen machen", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Treffen mit Altenpfleger Ferdi Cebi. Er hatte die Kanzlerin im vergangenen Jahr in einer TV-Sendung an seinen Arbeitsplatz im St. Johannisstift in Paderborn eingeladen - sie nahm spontan an.

Merkel: "Wirkliche Zukunftsaufgabe"
Cebi hatte bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege gefordert: Sein Beruf sei ein schöner Beruf und es müsse endlich etwas passieren. Die Bundesregierung habe dies erkannt, sagte die Kanzlerin. "Angesichts der Entwicklung unserer Bevölkerung, angesichts der Tatsache, dass wir alle älter werden, aber auch mehr Ältere haben werden, ist das eine wirkliche Zukunftsaufgabe."

Mehr Pflegekräfte, bessere Bezahlung, verbesserte Ausbildung, vernünftige Arbeitszeiten und mehr Anerkennung für die Pflegeberufe - dass sind die Punkte, an denen die Bundesregierung ansetzen wolle, so Merkel. "Die Menschen, die dort arbeiten, sollen gut bezahlt werden, damit die Menschen, die dort leben, auch gute Pflege bekommen."

Um den Fachkräftemangel in der Pflege zu bekämpfen, müsse der Beruf attraktiver gemacht werden - auch durch vernünftige Arbeitszeiten und eine angemessene Bezahlung. "Natürlich gibt es auch schwierige Aufgaben, aber es gibt eben auch unglaublich viel, was die älteren Menschen zurückgeben und was Sie uns als Pflegekräfte geben."

Sofortprogramm für 13.000 neue Pflegekräfte
Die Bundesregierung hat bereits zahlreiche Initiativen unternommen, um den Pflegeberuf attraktiver zu machen. So soll die Ausbildung in Zukunft kostenlos sein, und es wird eine Ausbildungsvergütung geben. Um dem Personalmangel zu begegnen, sollen in einem Sofortprogramm 13.000 neue Stellen für Pflegeeinrichtungen entstehen. Zudem werden Pflegeeinrichtungen finanziell unterstützt, wenn sie in ihre digitale Ausstattung investieren. Pflegekräfte sollen so mehr Zeit für die Menschen bekommen, um die sie sich kümmern.

Die Kanzlerin verwies auf die neu gestartete "Konzertierte Aktion Pflege" der drei Bundesministerien für Familie, Gesundheit und Arbeit. Ziel sei es, in ganz Deutschland vergleichbare Standards zu haben. Dabei sei die gesamte Regierung und nicht nur diese drei Ministerien für die Pflege verantwortlich.

Quelle: Pressemitteilung der Bundesregierung vom 16. Juli 2018
https://www.bundesregierung.de/Content/ ... eheim.html


KNA berichtet am 16.07.2018:
Angela Merkel zu Besuch in Paderborner Pflegeheim
"Gute Pflege braucht Geld"

Dass Angela Merkel beruflich Menschen beim Essen hilft, kommt wohl nicht besonders oft vor - an diesem Montag aber schon. Die Kanzlerin besuchte das Paderborner Pflegeheim St. Johannisstift und packte auch selbst mit an.
"Ich begebe mich in vertrauensvolle Hände", sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und schaut lächelnd zu Ferdi Cebi. Sie in sommerlichem Grün, er in weißem Pfleger-Dress. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg in die Altenhilfe des Paderborner St.
Johannisstifts, wo Cebi arbeitet. Von den Balkonen aus rufen Bewohner und deren Verwandte aufgeregt "Frau Merkel, hallo, Frau Merkel!" und winken. Die Kanzlerin winkt zurück.
Der Besuch - Ein Versprechen aus dem Wahlkampf
… (weiter lesen unter) … https://www.domradio.de/themen/kirche-u ... pflegeheim

Weitere Berichte u.a. unter
> https://www.deutschlandfunk.de/besuch-i ... _id=904174
> https://www.domradio.de/themen/kirche-u ... pflegeheim
> https://www.morgenpost.de/politik/artic ... ungen.html
> https://www.evangelisch.de/inhalte/1511 ... flegeberuf
> http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 18770.html

Ärzte Zeitung vom 17.07.2018:
Besuch im Altenheim
Merkel will gute Löhne für Pflegende

Pflegekräfte sind für Kanzlerin Merkel "Helden des Alltags". Nun hat sie einen solchen Alltagshelden bei der Arbeit besucht - und allen Pflegenden bessere Löhne in Aussicht gestellt. mehr » https://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=96 ... efpuryykqr

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Kanzlerin Merkel: "Pflegende sind Helden unseres Alltags"
Eine gute und verlässliche Pflege ist für unsere Gesellschaft von besonderer Bedeutung, sagt Bundeskanzlerin Merkel in ihrem neuen Podcast (vom 14.07.2018). Deshalb lege die Bundesregierung einen Schwerpunkt ihrer Arbeit darauf, die Bedingungen für die professionelle und die häusliche Pflege zu verbessern. > https://www.bundesregierung.de/Content/ ... dcast.html

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Podcast "Pflegende sind Helden des Alltags" > https://www.bundeskanzlerin.de/Webs/BKi ... id=2379946
Film bei Youtube > https://www.youtube.com/watch?v=M5_kvq_K-R8

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Bereits vor Jahren und zuletzt im Wahlkampf hat Angela Merkel Defizite in der Pflege eingeräumt und höhere Löhne für geboten erachtet. > viewtopic.php?f=3&t=22302 In der Koalitionsvereinbarung (2018) der neuen GroKo ist von diesen Erkenntnissen und Ankündigungen eher wenig nachlesbar. Es wurde daher zum Referentenentwurf für ein "Pflegepersonal-Stärkungs-Gesetz (PpSG)" nochmals umfänglich Stellung genommen und aufgelistet, dass die Pflegemängel seit vielen Jahren bekannt sind und das Regierungsbemühen überwiegend nur darin bestand, mit Ankündigungen und "Sprechblasen" richtiges Handeln vorzutäuschen. > viewtopic.php?f=4&t=22697

Die jüngsten Auftritte der Kanzlerin und des Bundesgesundheitsministers, medienwirksam und regierungsfreundlich gut aufbereitet, wurden von hier wie folgt bewertet:

Herr Spahn und die Kanzlerin sind herzlich zum nächsten Neusser Pflegetreff eingeladen

2013 berichteten bereits die Medien über Äußerugen der Kanzlerin Angela Merkel zur Pflege: "Altenpfleger haben härteren Job als ich ... " - Meine Kommentierung dazu: Pflegekräfte werden seit Jahren mit Erklärungen umworben, z.B. mit Bekundungen wie etwa: Sie verdienen "Wertschätzung und Anerkennung". Ihre Arbeitsbedingungen bleiben aber anhaltend mehr als belastend und die Vergütungen für die schwere Arbeit am Menschen sind auch bislang nicht verbessert worden. Ich habe die Bundeskanzlerin am 20.02.1012 bereits angeschrieben und auf die entsprechenden Reformnotwendigkeiten aufmerksam gemacht. Der Brief ist nachlesbar unter folgender Adresse: http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... 122011.pdf - Eine Antwort habe ich nicht erhalten. Dazu ein Statement bei Youtube > https://www.youtube.com/watch?v=XYqs_-kZtgE - Und was aus aktueller Sicht schlimmer ist … die Pflege-Rahmenbedingungen in den Heimen sind trotz einiger Reformgesetze nicht verbessert worden! Die viel gepriesenen Pflegestärkungsgesetze haben keine Antworten gegeben, wie die unzureichenden Pflegebedingungen aktuell aufgelöst werden können! …. Und jetzt kommen neue Versprechen und Lobhudeleien ….- Zum Referentenentwurf für ein "Pflegepersonal-Stärkungs-Gesetz (PpSG)" habe ich dem BMG eine umfangreiche Stellungnahmean übermittelt und die Handlungsanforderungen aufgezeigt! Tenor: Die vorgesehenen Regelungen reichen nicht, um den Pflegenotstand aufzulösen! Bei den Vorschlägen zur "Konzerten Aktion Pflege" wird es auf die Ergebnisse ankommen. Herr Spahn und die Kanzlerin sind herzlich zum nächsten Neusser Pflegetreff eingeladen. Statt mit einzelnen Personen medienwirksam zu reden, sollte man sich dort kundig machen, wo ganzheitlicher Sachverstand abgerufen werden kann.
http://www.wernerschell.de/aktuelles.php


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Auf den Punkt gebracht - Statement aus 2010 weiterhin aktuell:
"Mehr Personal, bessere Pflege"
Interview mit Werner Schell, abghedruckt in der Neuss-Grevenbroicher Zeitung
Quelle: http://www.rp-online.de/nrw/staedte/neu ... d-1.316561


Angela Merkel
Pflegende nicht überfordern!

Quelle: Ärzte Zeitung vom 25.04.2013 - https://www.aerztezeitung.de/politik_ge ... rdern.html

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Aufgrund der jahrelangen intensiven Bemühungen um verbesserte Pflegebedingungen bleibt festzustellen:

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Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Wann endlich erklärt sich ein Politiker verantwortlich für die Personalnot im Gesundheits- und Pflegesystem?

Beitrag von WernerSchell » 21.07.2018, 05:54

Aus Forum:
viewtopic.php?f=4&p=104576#p104575


Ärzte Zeitung vom 19.07.2018:
Arbeitsmarkt
Ärzte, Pfleger und Physiotherapeuten verzweifelt gesucht
Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen spitzt sich zu, warnt die Bundesagentur für Arbeit. mehr » https://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=96 ... efpuryykqr
Siehe auch: Fachkräfteengpassanalyse der Agentur für Arbeit (Seite 17 ff.)
https://statistik.arbeitsagentur.de/Sta ... 018-06.pdf


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Anmerkung der Moderation:

Wann endlich erklärt sich ein Politiker verantwortlich für die Personalnot im Gesundheits- und Pflegesystem?

Die Ärzte Zeitung berichtet am 19.07.2018 (aufgrund einer Fachkräfteengpassanalyse der Agentur für Arbeit) darüber, dass Ärzte, Pfleger und Physiotherapeuten für den Arbeitsmarkt verzweifelt gesucht werden (was natürlich längst bekannt ist!). Der Mangel an Arbeitskräften im Gesundheits- und Pflegesystem war aber absehbar. Seit vielen Jahren wurde auf die anstehenden Probleme aufmerksam gemacht, auch von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk. Die politischen Entscheidungsträger, der amtierende und die EX - Gesundheitsminister eingeschlossen, haben aber zeitgerechte Regelungen zur Personalvorsorge (z.B. bundesweit geltende Personalbemessungssysteme) verdrängt und nur in Zeittakten der Wahlperioden gedacht und gehandelt. Die GroKo (2013 - 2017) hat zum Beispiel in drei Pflegestärkungsgesetzen null zusätzliche Pflegekräfte eingeplant (lediglich den § 113c SGB XI geschaffen, der nicht erkennen lässt, wo die "Pflegekräfte-Planungsreise" hingeht). Die Bundeskanzlerin hat insoweit auch nicht mit ihrer Richtlinienkompetenz gedroht oder gar konkrete Vorgaben gemacht. Das Bundesverfassungsgericht hat Verfassungsbeschwerden, die mit umfänglichen Begründungen auf den Pflegenotstand und die damit verbundenen Mängel hinwiesen, nicht angenommen. Damit wurde die Problematik aber öffentlichkeitswirksam verdeutlicht. - Und nun "liegt das Kind im Brunnen" und es wird so getan, als sei urplötzlich durch die demografische Entwicklung "Unheil" über das Land gekommen. Das wirkliche Ausmaß der Pflegenot ist aber offensichtlich nicht verstanden worden. Denn die bisher bekannt gewordenen Reformschritte der neuen GroKo sind unzureichend oder nicht zielführend und bedürfen dringend einer umfänglichen Nachbesserung. Insoweit hat Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk umfangreiche Hinweise gegeben. Der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist im Übrigen eingeladen, zum nächsten Neusser Pflegetreff zu kommen (mehrere Termine wurden insoweit zur Auswahl angeboten).

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Jens Spahn hat am 21. Juni 2018 den Gesundheitsministerinnen und -ministern der Bundesländer auf der Gesundheitsministerkonferenz in Düsseldorf seine Pläne für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege vorgestellt
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"Pflegepersonal-Stärkungs-Gesetz (PpSG)" - Pro Pflege - hat zum Referentenentwurf eine umfangreiche Stellungnahme vorgelegt! Tenor: Die vorgesehenen Regelungen reichen nicht, um den Pflegenotstand aufzulösen! Bei den Vorschlägen zur "Konzerten Aktion Pflege" wird es auf die Ergebnisse ankommen. >>> http://www.wernerschell.de/aktuelles.php

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Aufgrund der jahrelangen intensiven Bemühungen um verbesserte Pflegebedingungen bleibt festzustellen:

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Altenpflege - Eignungs- und Qualifizierungsanforderungen stärken statt absenken!

Beitrag von WernerSchell » 23.07.2018, 06:52

In der Altenpflege geht es um die Versorgung von pflegebedürftige Menschen, die meistens mit verschiedenen Krankheitsbildern schwerstens beeinträchtigt sind (= Multimorbididät). Dafür braucht man nicht nur Eignung, sondern auch ausreichende Qualifikation (§ 11 SGB XI). Für niedrigschwellige Unterstützungsleistungen gibt es u.a. schon Betreuungsassistenten. Der Pflegenotstand erfordert daher die umfassende Ausbildung von Pflegefachkräften. Das sind wir unseren alten und pflegebedürftigen Menschen schuldig! Die Altenpflege versteht sich nicht als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für solche Personen, denen dafür zunächst einmal bestimmte Voraussetzungen fehlen. Politiker sollten sich von der Vorstellung verabschieden, dass eigentlich jeder pflegen kann und solche Verrichtungen daher zur Entlastung der Arbeitslosenstatistik gut geeignet sind.
>>> viewtopic.php?f=3&t=22690
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WernerSchell
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Pflegenotstand auflösen - die Richtlinienkompetenz der Bundeskanzlerin, Frau Dr. Angela Merkel, ist gefragt ....

Beitrag von WernerSchell » 20.08.2018, 07:56

Aus Forum:
viewtopic.php?f=4&t=22801&p=105082#p105082

Bild Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
Unabhängige und gemeinnützige Interessenvertretung
für hilfe- und pflegebedürftige Menschen in Deutschland
Harffer Straße 59 - 41469 Neuss


20.08.2018

An die
Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland
Frau Dr. Angela Merkel
Berlin

E-Mail: poststelle@bundeskanzlerin.de-mail.de; Angela.merkel@bundestag.de;

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Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,

im September 2015 haben Sie es zugelassen, dass zigtausende Menschen über die deutsche Grenze kommen durften. Es kamen viele und das Ende ist offen. Sie erklärten damals (und wiederholten es): "Wir schaffen das." Sie meinten wohl finanzielle Versorgung und Integration der Neuankömmlinge.

Ohne auf die rechtlichen Einschätzungen Ihrer diesbezüglichen Erwägungen und die massiven Fehlentwicklungen der anhaltenden Migration einzugehen, scheint es mir geboten, dass Sie in ähnlicher Weise für die bundesdeutschen hilfe- und pflegebedürftigen Menschen eintreten und sagen: "Wir lösen den Pflegenotstand auf - und wir schaffen das".

Allerdings sind insoweit große Anstrengungen erforderlich und der Einsatz von zig Milliarden Euro ist unvermeidlich. Was diesbezüglich in den letzten Jahren und aktuell finanziell eingeplant wurde, sind - gemessen an den Dimensionen der notwendigen Veränderungen - Minibeträge!

Ich denke, dass Ihnen die pflegebedürftigen und meist alten Menschen ein angemessener finanzieller Einsatz Wert sein sollten. Denn für die nach Deutschland gekommenen Personen, die sich hier vornehmlich soziale Versorgung erhoffen, haben Sie bzw. der Finanzminister viele Euros locker gemacht. Die weiteren finanziellen Folgen, auch in den Ländern und Kommunen, sind beträchtlich!

Dass entsprechende Finanzmittel für die Pflege durchaus verfügbar gemacht werden können, ermöglichen die viel gepriesene gute Wirtschaftslage und die sprudelnden Steuerquellen. Dies hat auch dazu beitragen können, dass für die in den letzten Jahren zugewanderten Menschen mehr als 20 Milliarden Euro/Jahr Bundesmittel aufgewendet werden konnten. Nach einem Spiegel-Bericht rechnet das Bundesfinanzministerium mit weiteren Kosten bis 2020 in einer Größenordnung von 94 Milliarden Euro. Wo so viele Euros ohne große Kraftanstrengung „bewegt“ werden können, dürfen wir bei der Versorgung der hilfe- und pflegebedürftigen Menschen doch nicht knausern!

Dies habe ich dem Bundesgesundheitsministerium am 06.07.2018 in einer umfänglichen Stellungnahme zum Entwurf für ein "Pflegepersonal-Stärkungs-Gesetz (PpSG)" mitgeteilt und die erforderlichen Handlungserfordernis aufgezeigt (Quelle mit weiteren Statements zum Thema im Internet: http://www.wernerschell.de/aktuelles.php ).

Nun hat inzwischen das Bundeskabinett den Entwurf für ein PpSG, ohne die hiesigen Hinweise und andere kritische Statements berücksichtigt zu haben, beschlossen mit der Folge, dass der Deutsche Bundestag nach den Regeln der "GroKo-Disziplin" voraussichtlich alles durchwinken wird.

Und damit wird uns der Pflegenotstand erhalten bleiben. Pflegeexperten haben auf breiter Front den Eindruck: Die GroKo hat, entgegen anderslautenden Behauptungen, nicht verstanden!

In den vergangenen Jahren gab es schon reichlich Gesetze zur vermeintlichen Verbesserung der bundesdeutschen Pflege - die Situation wurde aber nicht wirklich neu gestaltet oder gestärkt, sondern die Probleme nahmen im Pflegesystem angesichts der demografischen Entwicklung eher weiter zu.

Ich nehme Bezug auf die Ihnen obliegende Richtlinienkompetenz nach Artikel 65 Grundgesetz und bitte dringend darum zu bedenken, dass man "mit zwei kleinen Schritten nicht über einen Abgrund kommt" und ein wirklicher "Kraftakt" zur Neuausrichtung des Pflegesystem erforderlich ist.

Per Podcast haben Sie am 14.07.2018 die Pflegekräfte mit Worten gewürdigt und bemerkt: "Pflegende sind Helden des Alltags."

Mit solchen Formulierungen ist zunächst niemandem geholfen. Den Ankündigungen müssen auch angemessene Folgerungen im gesetzgeberischen Handeln folgen. Wenn dies nicht bald und in ausreichendem Maße geschieht, wird sich der Frust der Pflegenden noch verstärken und die Berufsflucht wird weiter anhalten.

Für weitere Informationen stehe ich gerne zur Verfügung. Herr Spahn, Bundesgesundheitsminister, ist übrigens zu einer Erörterung aller wichtigen Fragestellungen zum nächsten Neusser Pflegetreff eingeladen!

Mit freundlichen Grüßen
Werner Schell - Infos auch bei https://www.facebook.com/werner.schell.7 bzw. https://twitter.com/SchellWerner


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In den sozialen Medien bzw. per Newsletter wurde wie folgt informiert:
Ich habe heute, 20.08.2018, die Bundeskanzlerin, Frau Dr. Angela Merkel, erneut auf den Pflegenotstand aufmerksam gemacht und dargelegt, dass die bis jetzt geplanten Pflege-Reformmaßnahmen völlig unzureichend sind. Es entsteht der Eindruck, als wolle man "mit einigen Wasserpistolen einen großflächigen Waldbrand löschen". > viewtopic.php?f=4&t=22801

+++
Auf die Zuschrift an die Bundeskanzlerin hat es keine Antwort gegeben!

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>>> https://www.wernerschell.de/forum/neu/v ... 7&p=108815
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
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WernerSchell
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Das Los pflegebedürftiger Menschen - Klagen einer Angehörigen ...

Beitrag von WernerSchell » 09.08.2020, 07:10

Der Pflegeexperte Claus Fussek macht seit vielen Jahren auf die Mängel im Pflegesystem aufmerksam und erhält insoweit von Angehörigen und Pflegekräften entsprechende Informationen übermittelt. Die gesammelten Zuschriften füllen mittlerweile zahlreiche Ordner.

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>>> https://www.wernerschell.de/forum/neu/v ... 9&p=114171

Claus Fussek hat am 07.08.2020 den anonymisierten Erfahrungsbericht einer Angehörigen übermittelt mit dem Tenor: "Ich möchte, dass das Leiden meiner Mutter nicht umsonst war!" Dieser Bericht wird wie folgt vorgestellt:

Alternativlos – Das Los pflegebedürftiger Menschen

In den Jahren ihrer schweren Erkrankung durfte meine Mutter viele Pflegekräfte kennenlernen, die ihr einfühlsam und kompetent geholfen haben und mit deren Hilfe sie selbstbestimmt leben konnte. Dafür war sie unendlich dankbar und wir Angehörigen waren glücklich, diese professionelle Unterstützung zu bekommen. Zahlreiche Personen müsste ich erwähnen, denen ich dankerfüllt verbunden bin. Paula, Thomas und Dorothea sind nur wenige Namen von vielen Pflegekräften, die korrekt und liebevoll sowie mit aller Kraft ihren Beruf ausübten und unermüdlich versuchten, die Situation der Pflegebedürftigen zu verbessern.

Doch es gab auch andere Pflegekräfte und die Mängel ihrer Arbeit wären mit wenigen Handgriffen vermeidbar gewesen. Dabei stellen wir Angehörigen nicht in Abrede, dass für die Pflegenden z.B. durch Personalmangel eine Überlastung bestand.

Es ist ein dunkler Punkt in der Pflege, dass ein alter Mensch zur Ware wird um Gewinnmaximierung zu erreichen. Gleichwohl ist es nicht hinnehmbar, dass aus betriebswirtschaftlichen Gründen (u.a. Einsparung an Personal), aus mangelnder Qualifikation oder sogar aus Respektlosigkeit die Pflegebedürftigen leiden müssen, so dass sie nur noch dahinsiechen und auf den Tod warten.

Wenn beispielsweise die Pflegedienstleitung einem hilflosen Menschen das Anreichen eines Getränkes als „Sonderwunsch“ ablehnt, dann ist das unmenschlich.

Inhumane Pflege ist nicht zu tolerieren, denn sie ist gewissenlos.
Hilfe beim Trinken
Gegen 9.30 Uhr bin ich im Pflegeheim bei meiner an Exsikkose leidenden Mutter. Auf dem Flur höre ich sie bereits husten. Sie liegt im Bett und flüstert: „Durst“. Alleine kann sie – weil blind, dehydriert und bettlägerig – keines der überall im Zimmer verteilten Trinkgefäße ergreifen. Aus dem angereichten Becher trinkt sie mit großer Mühe und unter starken Schluckbeschwerden zwei Schlucke. Später sehe ich, dass meine Mutter seit dem Nachmittag des vorhergehenden Tages über 15 Stunden nichts zu trinken bekommen hatte. Und das, nachdem sie unmittelbar zuvor 9 Tage wegen einer Exsikkose im Krankenhaus behandelt worden war.

Vernachlässigende Pflege ist dilettantisch und skrupellos.
Hilfe beim Essen
Während ich nur wenige Minuten im Dienstzimmer war, hat eine Pflegefachkraft meine blinde, tief schlafende Mutter aus dem Schlaf gerissen und noch im Liegen zum Essen und Trinken gezwungen. Innerhalb kurzer Zeit wurden ihr Teile des matschigen Toastbrotes vom Frühstück und ca. 40 ml undefinierbare Flüssigkeit aus einem Becher mit sehr großer Tülle eingetrichtert. Meine Mutter verschluckte sich heftig. Bereits von weitem hörte ich sie röcheln. Laut rufend schritt ich ein, fuhr das Kopfteil des Bettes hoch und fragte: „Was ist denn hier los?“ Pflegekraft: „Irgendwie muss ich das ja anreichen. Ihre Mutter wird heute locker 2 Liter schaffen.“ Da meine Mutter blind war und dazu noch aus tiefem Schlaf gerissen wurde, konnte sie nicht sehen wer oder was auf sie zukam und was geschah. Seit diesem Vorfall war sie zunehmend verängstigt.

Zwang in der Pflege ist brutal und zügellos.
Grundversorgende Maßnahmen:
Meine Mutter musste zur Toilette. Die Enkelin, die gerade zu Besuch war, klingelte. Nach ca. 20 Minuten kam jemand und sagte „Ich komme gleich“. Nach weiteren 10 Minuten und wiederholtem Klingeln ging meine Tochter und suchte eine Pflegekraft. Zwei Pflegekräfte halfen meiner Mutter auf den Toilettenstuhl im Zimmer während meine Tochter auf dem Flur wartete. Dann holte man sie herein, damit sie auf ihre Großmutter (sitzend auf dem mit Stuhlgang gefüllten Toilettenstuhl) achtete. „Passen Sie auf, dass Ihre Oma nicht von dem Stuhl kippt. Vielleicht kommt ja noch was.“
Meine Mutter, die immer eine kultivierte Frau war, hat sich sehr geschämt, war aber zu kraftlos, um sich zu wehren. Und meine Tochter? Sie hatte Angst, dass ihre Großmutter stürzen und sich verletzen würde. Scham und Hilflosigkeit waren auf beiden Seiten.

Pflege ohne Feingefühl ist beschämend und taktlos.
Körperpflege und -hygiene
Dehydriert und blind war meine Mutter auf Hilfe angewiesen. Sie morgens nicht zu versorgen sondern im Bett liegen zu lassen, ungewaschen, ungekämmt, mit während der Nacht zugeklebten Augen, ohne Zahnreinigung (eigene Zähne waren noch vollständig vorhanden), ohne Wechseln der Wäsche und Kleidung, ohne Getränk, ohne Frühstück, nur mit einer Schutzhose und einem T-Shirt bekleidet, das ist erniedrigend. Stündlich zu rauchen anstatt zu pflegen ist gleichgültig und hemmungslos.

Medikamentenversorgung
Die kleinen Tablettenbecher wurden häufig auf den Tisch gestellt – immer wieder an anderer Stelle. Meine blinde Mutter sollte ihre lebenswichtigen Medikamente eigenhändig einnehmen. Fragwürdige Äußerung der Pflegefachkraft dazu: „Das ist Training.“ Dank der Hilfe und Umsicht des befreundeten Herrn S., ebenfalls Bewohner des Seniorenheimes, gelang die Medikamenteneinnahme reibungslos. An einigen Tagen erreichte mich sein Anruf, warum ich ihm die Änderung der Tablettengaben nicht mitgeteilt hätte? Es hatte jedoch keine Änderung gegeben. Bei meiner umgehenden Inaugenscheinnahme der Medikamente stellte ich mehrere Male fest, dass die Tabletten mit denen anderer Bewohner vertauscht oder nicht der Tagesdosierung entsprechend ausgeteilt waren.

Nachlässigkeit in der Pflege ist körperverletzend und verantwortungslos.
„Eigen-Diagnosen“ der Pflegekräfte
Die im Krankenhaus gestellte und nachgewiesene Diagnose „Exsikkose“ wurde immer wieder von den Pflegekräften und der Pflegedienstleitung angezweifelt anstatt umgehend eine Flüssigkeitsversorgung zu sichern. Stereotyp, desinteressiert und ohne angepasste Pflege wurde behauptet: „Ihre Mutter trinkt genug!“ Erfahrungen mit einer Exsikkose, ihren Symptomen und ihrer Behandlung, vor allem den sehr guten Behandlungserfolgen bei Flüssigkeitsgaben wurden unter Berufung auf falsche EigenDiagnosen ignoriert: „... ist alt, Parkinson, ihre Mutter baut ab, neurologisches Problem, Geschehen im Kopf ...“ hieß es immer wieder und verhinderte dadurch eine adäquate Behandlung.

Ignoranz in der Pflege ist anmaßend und kompetenzlos.
Das sind Beispiele für eine würdelose sowie nachlässige und körperverletzende Pflege.
Je entkräfteter meine Mutter war, umso mehr fiel auf, dass es in diesem Seniorenheim an durchdachter Pflege und unterstützender Hilfe mangelte. Es war erschreckend, wie zahlreich auch ärztliche Verordnungen missachtet wurden. Hätte es nicht jeden Tag regelmäßig Hilfe durch Angehörige und Freunde gegeben, wäre alles noch schlimmer gewesen (was kaum vorstellbar ist).


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Claus Fussek macht immer wieder deutlich, dass er ständig in ähnlicher Weise von Angehörigen und Pflegekräften informiert wird. Der hier vorgestellte Bericht einer Angehörigen kann daher nur ein Beispiel für viele Pflege-Problemsituationen darstellen.

Pflegemängel werden auch von hier seit Jahrzehnten in den Blick genommen und im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten weiter verfolgt. U.a. sind die zuständigen Bundes- und Landesbehörden auf die gebotenen politischen Folgerungen aufmerksam gemacht worden. Auch die Heimaufsichten wurden gezielt informiert. Die Neusser Pflegetreff haben sich auch immer wieder mit den verschiedenen problematischen Pflegesituationen befasst und mit hochkarätigen Podiumsgästen gezielt Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt.

2011 gab es auch eine Buchveröffentlichung, die das Thema "Pflegemängel" in allgemeiner Form aufgriff > http://www.wernerschell.de/Buchtipps/10 ... tungen.php
Zum Thema Pflegemängelbuch hat es von Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk zwei Pressemitteilungen gegeben, die weiter informieren:
- Pflegemängel – schnelle Hilfe für den Notfall – Mitteilung vom 16.05.2011 hier > http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... otfall.php
- Pflegemängel – Mehr Pflegekräfte an die Pflegebetten – Strafanzeigen und Imagekampagnen helfen nicht weiter – Mitteilung vom 03.06.2011 hier > http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... betten.php
Werner Schell
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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