Versorgungslücke in der Pflege sorgt für Handlungsdruck

Gesundheitswesen, Krankenhaus- und Heimwesen, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Arzneimittel- und Lebensmittelwesen, Infektionsschutzrecht, Sozialrecht (z.B. Krankenversicherung, Pflegeversicherung) einschl. Sozialhilfe und private Versorgung

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Versorgungslücke in der Pflege sorgt für Handlungsdruck

Beitrag von Presse » 19.11.2012, 07:55

Pressemeldung vom 19.11.2012
Versorgungslücke in der Pflege sorgt für Handlungsdruck bei den Kommunen

"Pflegereport 2030" der Bertelsmann Stiftung prognostiziert: Pflegebedarf steigt um 50 Prozent – rund 500.000 Vollzeitkräfte in der Pflege fehlen

Die Versorgungslücke in der Pflege wird bis zum Jahr 2030 vor allem in den Kommunen für große Herausforderungen sorgen. Während die Zahl der Pflegebedürftigen um rund 50 Prozent zunehmen wird, werden nach heutigen Berechnungen ohne grundlegende Weichenstellungen rund eine halbe Millionen Stellen für Vollzeitkräfte in der Pflege unbesetzt bleiben. Das zeigt der aktuelle Pflegereport der Bertelsmann Stiftung.

Allerdings stellt sich die Situation für die einzelnen Bundesländer und vor allem auf kommunaler Ebene sehr unterschiedlich dar. So weisen die Modellrechnungen für den Stadtstaat Bremen im Zeitraum von 2009 bis 2030 ein Wachstum der Zahl der Pflegebedürftigen von 28 Prozent aus, während die Wachstumsrate für Mecklenburg-Vorpommern mit 56 Prozent annähernd doppelt und für Brandenburg mit 72 Prozent sogar mehr als 2,5-mal so hoch ist. Im Vergleich zum bun-desweiten Anstieg der Fallzahlen von durchschnittlich 47 Prozent zeigen sich auch für Berlin (56 Prozent), Bayern (54 Prozent), Schleswig-Holstein (54 Prozent) und Baden-Württemberg (54 Prozent) erhebliche Steigerungsraten. Auf der kommunalen Ebene sind die Unterschiede sogar noch ausgeprägter: Hier reichen die Steigerungsraten von knapp 14 Prozent (Landkreis Goslar) bis zu mehr als 100 Prozent (Landkreis München, Landkreis Oberhavel), wobei die Dynamik fast ausschließlich von der Altersstruktur in der jeweiligen Kommune abhängt.

Waren im Dezember 2009 in Deutschland 2,34 Millionen Menschen pflegebedürftig im Sinne der Pflegeversicherung, wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen bis ins Jahr 2030 auf 3,4 Millionen und bis 2050 sogar auf 4,5 Millionen erhöhen. In der Studie wird der aus diesen Daten abgeleitete Personalbedarf in der Pflege in Beziehung gesetzt zum prognostizierten Personalangebot. Die daraus ermittelten Versorgungslücken können nun Grundlage für eine differenzierte Planung jeder Kommune sein. Dabei werden die unterschiedlichen Versorgungsformen in den Vordergrund gerückt. Es wird dargelegt, wie sich die Verteilung dieser Versorgungsformen, also stationäre Pflege, ambulante Pflege oder Angehörigenpflege, in Zukunft unter verschiedenen Annahmen entwickeln wird und welche Auswirkungen dies für die Personalsituation in Pflegeeinrichtungen hat. Unter http://www.wegweiser-kommune.de stehen Informationen darüber zur Verfügung, wie es um die Pflegesituation in jedem Kreis beziehungsweise jeder kreisfreien Stadt bestellt ist.

"Der drohende Pflegenotstand ist längst bekannt; die Reaktionen reichen jedoch von schlichter Panikmache bis hin zur Vogel-Strauß-Haltung. Wir wollen weder das eine noch das andere, sondern mit dem Pflegereport Bevölkerung und Politik auf die vor uns liegende Wegstrecke für eine nachhaltige und sozial gerechte Bewältigung der künftigen Pflegebedarfe vorbereiten", sagte Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, bei der Vorstellung des Pflegereports in Berlin. Zukünftig werden die notwendigen Leistungen in der Pflege von professionellen Kräften allein nicht zu erbringen sein. Daher ist es notwendig, bei der Verwirklichung bedarfsgerechter Pflegekonzepte auf die Vernetzung aller verantwortlichen Personen und Institutionen zu achten, von der Stadtplanung über Wohnungsbaugesellschaften, Pflegekassen bis hin zu Leistungsanbietern.

"Den Grundsätzen 'Rehabilitation vor Pflege' und 'ambulant vor stationär' muss auf allen Ebenen Geltung verschafft werden. Wir brauchen darüber hinaus eine Mobilisierung der Zivilgesellschaft, um die Chancen des längeren und gesünderen Lebens für die Bewältigung der demographischen Risiken zu nutzen", so Mohn weiter. "Darum wollen wir Entscheidungsträger auf Bundes-, Landes-, aber vor allem auf kommunaler Ebene ermutigen, den Kopf auch bei düsteren Prognosen nicht in den Sand zu stecken, sondern die Zeit bis 2030 zu nutzen, um dem Pflegenotstand in der eigenen Region zu begegnen." Den Kommunen kommt hierbei eine maßgebliche Rolle für die Prozess- und Angebotskoordinierung zu. Unabdingbare Voraussetzung ist daher eine Umsteuerung und Bündelung der entsprechenden Finanzquellen, um es den Kommunen zu ermöglichen, eine entsprechende Unterstützungs- und Vernetzungsstruktur aufzu-bauen und dauerhaft zu unterhalten.

Datengrundlage
Auf Basis der Bevölkerungsvorausberechnung bis zum Jahr 2030 des "Wegweiser Kommune" der Bertelsmann Stiftung sowie der Pflegestatistik aus dem Erhebungsjahr 2009 auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte des Statistischen Bundesamtes führte Prof. Dr. Heinz Rothgang von der Universität Bremen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung Vorausberechnungen zur Situation der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2030 durch. Damit werden erstmals für Deutschland entsprechend kleinräumige Vorausberechnungen zur Zahl der Pflegebedürftigen und zur Inanspruchnahme von Pflegeeinrichtungen sowie zu den vorhersehbaren Versorgungslücken vorgestellt.

Ansprechpartner bei der Bertelsmann - Stiftung:
Thomas Neldner - Telefon: +49 5241 81-81216
E-Mail: thomas.neldner@bertelsmann-stiftung.de

Downloads
Grafik Versorgungslücke .... http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/ ... 6960_2.jpg
Presseinformation mit Tabelle ... http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/ ... 6959_2.pdf

Quelle und weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/ ... 114244.htm

WernerSchell
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Pflegenotstand und der Handlungsbedarf

Beitrag von WernerSchell » 19.11.2012, 14:57

Bild Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
Unabhängige und gemeinnützige Interessenvertretung
für hilfe- und pflegebedürftige Menschen in Deutschland
Harffer Straße 59 - 41469 Neuss

Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk führt regelmäßig Pflegetreffs mit bundesweiter Ausrichtung durch.
Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk ist Kooperationspartner der „Aktion Saubere Hände.“
Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk ist Initiator bzw. Mitbegründer des Quartierkonzeptes Neuss-Erfttal.
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk ist Unterstützer von "Bündnis für GUTE PFLEGE".
Pro Pflege - Selbsthilfetzwerk ist Unterstützer der "Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen".


19.11.2012

Zum Thema
"Pflegenotstand darf Ausbildungsqualität nicht schwächen"
viewtopic.php?t=18141
nehme ich kurz wie folgt Stellung:

Es ist richtig einzufordern, die Ausbildungsqualität nicht zu schwächen. Eine Verkürzung der geltenden Ausbildungszeiten ist abzulehnen. Es ist vielmehr darüber nachzudenken, ob und ggf. inwieweit mit Rücksicht auf die Zahl der dementiell erkrankten Menschen eine Ausweitung der Lerninhalte geboten ist. Es gibt insoweit Studien, die belegen, dass diesbezüglich ergänzender Ausbildungs-, Fort- und Weiterbildungsbedarf besteht.
Einen Pflegenotstand haben wir seit vielen Jahren in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen (Heimen), weil die Pflege stellenmäßig völlig unzureichend dotiert ist. Die Stellenschlüssel für die Pflegeheime sind regional unterschiedlich und reichen hinten und vorne nicht. Diese Situation ist m.E. vorwiegend verantwortlich dafür, dass immer wieder über Pflegemängel geklagt werden muss. Skandalisierende Bericht (Mönchengladbach, Saarland, Bremen… ) und darauf basierende Forderungen nach mehr Heimprüfungen, Pflegeheim-Inspektoren (siehe dazu aktuell Beiträge unter viewtopic.php?t=18111 ) usw. sind wenig hilfreich, verängstigen nur.
Um den Bedarf an Pflegekräften exakt zu belegen, wird von hier seit Jahren ein bundesweit geltendes Pflegepersonalbemessungssystem in Form einer Rechtsverordnung gefordert. Damit könnte belegt werden, dass z.B. etwa 25 - 20% der Verrichtungen in unseren Pflegeheimen nicht personell abgedeckt sind.
Eine völlig andere Frage ist im Übrigen, wie wir mit dem zukünftigen Bedarf an Pflegekräften, diskutiert wird dieses Thema unter dem Begriff des Fachkräftemangels, umzugehen haben (siehe aktuell die Hinweise der Bertelsmann-Stiftung viewtopic.php?t=18136 ). Insoweit sehe ich keine Lösung darin, Arbeitskräfte aus dem europäischen oder gar außereuropäischen Ausland anzuwerben. Wir müssen unsere eigenen Pflegekräfte, die statistisch gesehen, nach 5 - 7 Jahren aus dem Beruf ausscheiden, pfleglicher behandeln. Die bekannten Sprechblasen "Wertschätzung und Anerkennung" müssen in aktives Handel pro Pflege einmünden: Mehr Pflegekräfte (Ausweitung der Ausbildung und Rekrutierung der "geflüchteten" Pflegekräfte), Bessere Arbeitsbedingungen und angemessene Vergütungen. Der Trend zur Billigpflege muss unterbunden werden.
Übrigens: Eine Pflegevollversicherung ist zwar legitim zu fordern, aber doch mehr als realitätsfern bezüglich der Umsetzung - siehe dazu aktuell unter viewtopic.php?t=18113 Wir müssen unser bestehendes Pflegeversicherungssystem endlich grundlegend reformieren, einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff schaffen und die Entgeltbeträge, seit 1995 unzureichend angepasst, deutlich erhöhen. Allein solche Folgerungen werden den Beitragssatz langfristig in die Höhe treiben. Eine Vollversicherung ist nicht finanzierbar. Sie hätte auch bestimmte andere nachteilige Wirkungen, so dass dieses Thema nicht weiter verfolgt werden sollte.
Es ist für das I. Halbjahr 2013 ein bundesweit ausgerichteter Pflegetreff in Neuss geplant, der sich etwa folgenden Themen zuwenden soll:
"Demenz - Pflegesystem und wir alle sind gefordert - Reformen müssen einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff bringen und den Pflegenostand auflösen - Wie sind die politischen Parteien im Wahljahr 2013 aufgestellt, um das Pflegesystem demografiefest zu machen und dauerhaft solidarisch zu finanzieren?" (Arbeitstitel).
Das Bündnis für "GUTE PFLEGE" kann dabei gerne mitwirken!

Mit freundlichen Grüßen
Werner Schell - Dozent für Pflegerecht
http://www.wernerschell.de
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Versorgung pflegebedürftiger Menschen gefährdet

Beitrag von Presse » 20.11.2012, 14:15

Deutsches Ärzteblatt vom 19. November 2012
Studie warnt vor 500.000 unbesetzten Stellen in der Pflege 2030

Gütersloh – 50 Prozent mehr Pflegebedürftige und 500.000 unbesetzte Stellen in der Pflege prognostiziert der Pflegereport 2030 der Bertelsmann Stiftung. Waren im Dezember 2009 in Deutschland 2,34 Millionen Menschen im Sinne der Pflegever¬sicherung pflegebedürftig, werde sich die Zahl der Pflegebedürftigen bis ins Jahr 2030 auf 3,4 Millionen und bis 2050 auf 4,5 Millionen erhöhen, so der Report. Er setzt den aus diesen Daten abgeleiteten Personalbedarf in der Pflege in Beziehung zum prognos¬tizierten Personalangebot für das Jahr 2030.
… mehr … http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/52438
+++
Wunschdenken gefährdet die Versorgung pflegebedürftiger Menschen

Berlin (ots) - Längst haben sich die Länder und die Kommunen aus der Finanzierung der Angebote für pflegebedürftige Menschen zurückgezogen. Wenn nun die Bertelsmann-Stiftung und Prof. Rothgang vorschlagen, die Zahl der Heimplätze zu begrenzen und für die Betreuung und Pflege stattdessen vor allem die ambulante Versorgung verantwortlich zu machen, droht eine massive Einschränkung und Begrenzung der Versorgung der pflegebedürftigen Menschen.

"Schon heute werden 70% der pflegebedürftigen Menschen in der eigenen Wohnung versorgt. Allgemeinwissen ist aber auch, daß die Zahl der Familienangehörigen, die Pflege übernehmen können, zusehends erheblich sinkt. Zu berücksichtigen ist auch, daß massive Anstrengungen notwendig sind, um erwerbsfähige Menschen im Arbeitsleben zu halten. Wer nun behauptet, eine gute und angemessene Versorgung von deutlich mehr pflegebedürftigen Menschen mit deutlich weniger Personal leisten zu können, muß sich den Vorwurf gefallen lassen, daß er dem einzelnen pflegebedürftigen Menschen erheblich weniger Zeit für Pflege und Betreuung zugestehen möchte. Nichts anderes schlägt diese Studie vor und ignoriert damit die heutigen Sorgen der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen",so Bernd Meurer, Präsident des bpa.

Wenn wir die Versorgung der steigenden Zahl pflegebedürftiger Menschen ernst nehmen, könne die Antwort nicht sein, mehr Menschen weniger Zeit zur Verfügung zu stellen. Sehr viel wichtiger sei es, die Situation z.B. der alleinstehenden pflegebedürftigen Menschen zu betrachten oder auch die der pflegenden Angehörigen.

"Wer über längere Zeit den demenzkranken Vater im eigenen Zuhause betreut und Nacht für Nacht darüber nachdenken muß, ob der Vater vielleicht den Herd in der Küche eingeschaltet haben könnte, hat neben der hohen körperlichen Anforderung an die Pflege des Angehörigen auch eine immense psychische Belastung zu schultern", sagt Meurer.

Alleinstehenden älteren pflegebedürftigen Menschen fehle sehr oft der alltägliche Kontakt zur Familie, zur Nachbarschaft, zum gewohnten Umfeld. Für Menschen in diesen Lebenssituationen habe die Frage nach einem Umzug in ein Pflegeheim einen vollständig anderen Hintergrund.
Hier gehe es weniger darum, ob ich anders wohnen möchte, sondern darum, ob die eigene Pflege und Betreuung auf Dauer gesichert werden könne.

"Wir müssen eine Antwort finden auf die tatsächlichen Anforderungen an die Pflege und Betreuung jedes einzelnen pflegebedürftigen Menschen. Es ist unverantwortlich, eine umfangreiche Versorgung und die damit verbundene Sicherheit in Frage zu stellen. Wir unterstützen eine qualifizierte ambulante Versorgung, weil sie dem Wunsch der betroffenen Menschen entspricht, solange individuell eine gute Lösung gefunden werden kann. Reicht die Versorgung aber nicht mehr aus, dürfen verläßliche Angebote in Pflegeheimen keinem vorenthalten werden", so der bpa-Präsident.

"Jeder pflegebedürftige Mensch kann sehr genau die Gründe benennen, die ihn dazu bewogen haben, sich für die Versorgung in der eigenen Wohnung oder für den Umzug in ein Pflegeheim zu entscheiden.
Es ist unsere Verpflichtung, Antworten auf die sehr unterschiedlichen Anforderungen und Lebenssituationen zu bieten. Rationierung professioneller Pflege kann keine Lösung sein", so Meurer.

Der bpa e. V.: Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa) bildet mit mehr als 7.500 aktiven Mitgliedseinrichtungen die größte Interessenvertretung privater Anbieter sozialer Dienstleistungen in Deutschland. Einrichtungen der ambulanten und (teil-) stationären Pflege, der Behindertenhilfe und der Kinder- und Jugendhilfe in privater Trägerschaft sind im bpa organisiert. Die Mitglieder des bpa tragen die Verantwortung für rund 230.000 Arbeitsplätze und ca. 17.700 Ausbildungsplätze. Das investierte Kapital liegt bei etwa 18,2 Milliarden Euro.

Quelle: Pressemitteilung vom 20.11.2012 bpa - Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V.
Pressekontakt: Herbert Mauel, bpa-Geschäftsführer, Tel.: 030 - 30 87 88 60.

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mehr Anerkennung für Pflegeberufe

Beitrag von Presse » 22.11.2012, 13:01

Diakonie Deutschland und evangelischer Pflegefachverband DEVAP fordern mehr Anerkennung für Pflegeberufe

Berlin, 22. November 2012 Die Diakonie Deutschland und der Deutsche
Evangelische Verband für Altenarbeit und Pflege (DEVAP) fordern eine bessere Anerkennung der Pflegeberufe. "Entscheidend für die Attraktivität eines Berufsbilds ist auch das Lohnniveau. Es muss der hohen Verantwortung und der Leistung der Pflegekräfte entsprechen. Pflegekassen und Sozialhilfeträger müssen bereit sein, die tariflichen Löhne in den Entgeltverhandlungen anzuerkennen und zu refinanzieren", erklärte Maria Loheide, sozialpolitischer Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland anlässlich eines Besuches des pflegepolitischen Sprechers der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Willi Zylajew, in der Lazarus-Diakonie in Berlin.

Renate Gamp, Vorsitzende des DEVAP, forderte ein attraktiveres Ausbildungsprofil: "Die Pflegeausbildung braucht eine bundeseinheitliche und stabile Finanzierung", so Gamp. "Umschulungsmaßnahmen in der Pflege müssen endlich dauerhaft und vollständig von der Bundesagentur für Arbeit gefördert werden. Außerdem muss insgesamt die Kapazität für die Ausbildung erhöht werden."

Laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung steigt der Pflegebedarf bis zum Jahr 2030 um 50 Prozent. Gleichzeitig werden rund 500.000 Stellen für Vollzeitkräfte unbesetzt bleiben.

Für Rückfragen und weitere Informationen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.

******************************

Quelle: Pressemitteilung vom 22.11.2012
Ute Burbach-Tasso, Pressesprecherin
Pressestelle, Zentrum Kommunikation
Telefon +49 30 65211-1780 | Fax +49 30 65211-3780
E-Mail: pressestelle@diakonie.de
Diakonie Deutschland - Evangelischer Bundesverband Caroline-Michaelis-Str. 1 | 10115 Berlin Telefon +49 30 65211-0 | Fax +49 30 65211-3333
E-Mail: diakonie@diakonie.de | http://www.diakonie.de

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demografischen Wandel aktiv gestalten

Beitrag von Presse » 23.11.2012, 16:01

Pflegenopolis 2030: 3,4 Millionen Pflegebedürftige / TK fordert:
demografischen Wandel aktiv gestalten


Hamburg (ots) - Im Jahr 2030 erwartet die Bundesrepublik eine Pflegestation so groß wie Berlin. Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung prognostiziert, dass schon in 18 Jahren etwa 3,4 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig sind, was der Einwohnerzahl der Hauptstadt entspricht. Das sind eine Million Pflegebedürftige mehr als heute und bis 2050 sollen weitere 800.000 hinzukommen. Parallel führt der demografische Wandel dazu, dass sich die Gesamtzahl der Menschen, die in Deutschland leben, infolge der Geburtenrückgänge deutlich reduziert. Statistisch gesehen bekommen Frauen in Deutschland derzeit knapp 1,4 Kinder. 2,1 Kinder müssten es sein, um die heutige Bevölkerungsgröße zu halten. Wie verändert sich eine Gesellschaft, in der die Zahl der Menschen insgesamt sinkt, in der immer mehr Menschen immer intensivere Pflege benötigen, aber immer weniger potenzielle Pflegekräfte zur Verfügung stehen?

Holger Park, Leiter des Fachreferates Pflege bei der Techniker Krankenkasse: "Es ist sicherlich eine große Aufgabe, dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden. Wichtig ist, dass man rechtzeitig eine ehrliche Diskussion führt, wie wir dafür Sorge tragen, dass auch unter wandelnden demografischen Bedingungen ein würdevolles Altern möglich ist."

Erfreulicherweise werden die Menschen immer älter. Im Jahr 2030 können Männer von einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 81 Jahren, Frauen sogar von 85,7 Jahren ausgehen. "Deshalb gehen wir nicht nur davon aus, dass es immer mehr pflegebedürftige Menschen gibt, sondern die Pflege wird auch aufwändiger, da pflegeintensive Erkrankungen wie Demenz häufiger auftreten werden", so der TK-Experte. Der demografische Wandel wirkt sich regional sehr unterschiedlich aus. Nach Prognosen der Bertelsmann-Stiftung steigt die Zahl der Pflegebedürftigen im Harz, in Bremen und in Kassel kaum an, in Brandenburg sowie einigen Kommunen in Bayern verdoppelt sich der Pflegebedarf dagegen. Für ganz Deutschland wird für ganz Deutschland 2030 das Fehlen einer halben Million Pflegekräfte vorausgesagt.

Laut TK braucht es nicht nur ein mehr an Pflege, sondern auch eine Professionalisierung. "Natürlich sind in der Pflege vor allem Zuwendung und Empathie gefragt. Ebenso wichtig ist aber auch die medizinische Kompetenz in der Behandlungspflege. Dabei geht es auch darum, wie man mit schwer Demenzkranken umgeht. Denn wir müssen verhindern, dass - wie jüngst in Bremen geschehen - pflegebedürftige Menschen misshandelt werden, weil die Pflegkräfte überfordert sind."
Ob es deswegen nötig ist, das Abitur für alle Pflegeberufe generell vorauszusetzen, wie von der EU gefordert, darf laut TK zumindest in Frage gestellt werden.

"Es zeigt sich aus verschiedenen Gründen, dass sich in den kommenden Jahren ein immer größerer Teil der Pflege aus den Familien in den professionellen Bereich verlagert. Das hängt zum einen damit zusammen, dass die teils schweren Fälle Zuhause nicht mehr zu bewältigen sind, zum anderen ändern sich aber auch die Lebenswelten der Familien", so Pflegeexperte Park.

Derzeit werden fast 70 Prozent der Pflegebedürftigen, das sind über 1,6 Millionen Menschen, zu Hause versorgt. In gut einer halben Million Fällen unterstützt ein Pflegedienst die Angehörigen. Gut eine Million Pflegebedürftige werden ausschließlich von ihren Angehörigen betreut, in der Regel von nicht-erwerbstätigen Frauen der Familie.
Der demografische Wandel geht aber auch damit einher, dass immer mehr Frauen erwerbstätig sind und deshalb als Pflegekräfte ausscheiden oder Arbeit und Pflege miteinander vereinbaren müssen. Oft erfordert der Arbeitsmarkt von den Beschäftigten aber Flexibiliät und Mobiliät, so dass es ihnen überhaupt nicht möglich ist, sich um die Pflege von Angehörigen zu kümmern. Dennoch ist die Pflege noch immer ein Tabuthema, da ungern darüber gesprochen wird, dass eine Pflege Zuhause nicht möglich ist und eine Heimunterbringung häufig als "Abschieben" kritisiert wird.

"Dies zeigt, wie vielschichtig die Problematik ist", erklärt Park.
"Wenn wir darüber sprechen, wie die Pflege angesichts unserer veränderten Bevölkerungsstrukturen zu bewältigen ist, müssen wir auch über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sprechen. Deshalb ist dies nicht nur ein Thema der Kranken- und Pflegekassen. Vielmehr brauchen wir einen gesellschaftlichen Konsens, wie wir die Pflege gestalten, fördern und anerkennen. Dabei müssen wir Wege finden, die sowohl gesellschaftlich akzeptabel sind als auch wirtschaftlich tragfähig." Wichtig sei rechtzeitig in Fachpersonal zu investieren und sich auf die neuen Bedingungen einzustellen. "Wir haben ja sehr konkrete Daten zum anstehenden Pflegebedarf und auch diejenigen, die als Pflegende im Jahr 2030 in Frage kommen, sind ja heute schon auf der Welt", so Holger Park.

Erste Schritte sind bereits eingeleitet: Zum ersten Januar 2013 treten gesetzliche Regelungen in Kraft, die erstmals auch Pflegegeld für die Pflege Demenzkranker durch Angehörige oder Pflegesachleistungen bei Pflege durch Fachkräfte im eigenen Zuhause vorsieht. Außerdem werden die Rentenansprüche bei Mehrfachpflege verbessert, pflegende Angehörige erhalten künftig auch in ihrer Erholungszeit die Hälfte des Pflegegeldes und selbstorganisierte Wohngruppen werden durch eine Pauschale bezuschusst. Die Private Pflege-Vorsorge wird zudem ab 2013 mit einer staatlichen Zulage von
60 Euro im Jahr gefördert.

Für betroffene Familien bietet die TK auf ihrer Internetseite http://www.tk.de unter dem webcode 019550 viele Tipps und Informationen rund um das Thema Pflege.

Hinweis für die Redaktionen: Weitere Informationen rund um das Thema "Demografischer Wandel" enthält der aktuelle TK-Medienservice.
Die vollständige Ausgabe finden Sie im online-Pressecenter unter http://www.presse.tk.de

Quelle: Pressemitteilung vom 23.11.2012 TK Techniker Krankenkasse
Pressekontakt: Michaela Hombrecher
040-6909-2223, michaela.hombrecher@tk.de

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Pflegenotstand 2030 ist gesamtge­sellschaftliches Problem

Beitrag von Presse » 24.11.2012, 08:12

Deutsches Ärzteblatt - 23.11.2012
Pflegenotstand 2030 ist gesamtge­sellschaftliches Problem
Hamburg – Die wahrscheinliche Zahl von Pflegebedürftigen in Deutschland im Jahr 2030 zu errechnen, genügt nicht, um den daraus entstehenden Pflegebedarf zu errechnen. Entscheidend ist auch, wie viele Pflegebedürftige künftig in ihren Familien versorgt werden. Darauf hat die Techniker Krankenkasse (TK) hingewiesen. Sie reagierte damit auf eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Danach werden im Jahr 2030 rund 3,4 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig sein. Die Studie prognostiziert außerdem rund 500.000 unbesetzte Stellen in der Pflege.
... weiter lesen unter ...
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/52515

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Pflegereport: Die jungen Alten sollen Betagte pflegen

Beitrag von Presse » 21.12.2012, 07:37

Bertelsmann Pflegereport: Die jungen Alten sollen Betagte pflegen
Der Pflegereport der Bertelsmann-Stiftung hat große Versorgungslücken in der Pflege einmal mehr deutlich gemacht.
Nötig sind neue Strukturen und Ideen: Beispielsweise könnten Ehrenamtliche helfen. mehr »
http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=829 ... ege&n=2428

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Krankenhäuser vereinbaren Ausbildungsbudget mit den Kassen

Beitrag von Presse » 11.01.2013, 07:56

Deutsches Ärzteblatt vom 10.01.2013:
Thüringer Krankenhäuser vereinbaren Ausbildungsbudget mit den Kassen

Erfurt – Die Landeskrankenhausgesellschaft Thüringen hat mit den Krankenkassen des Bundeslandes einen Ausbildungszuschlag pro Krankenhausfall verhandelt.
29 Thüringer Krankenhäuser erhalten so dieses Jahr zusammen rund 21 Millionen Euro. Mit dem Geld finanzieren die Kliniken rund 1.500 Auszubildende in der
Gesundheits- und Kranken­pflege, Kinderkrankenpflege und Krankenhilfe.
...(mehr) http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/52968

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