Demografie - Engpässe beim Pflegepersonal werden zunehmen

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Demografie - Engpässe beim Pflegepersonal werden zunehmen

Beitrag von Presse » 06.12.2010, 08:24

Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes Nr. 449 vom 6. Dezember 2010

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Demografischer Wandel: Engpässe beim Pflegepersonal werden zunehmen
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WIESBADEN - Der demografische Wandel wird zu einem Personalmangel bei Pflegekräften führen: Im Jahr 2025 werden rund 152 000 Beschäftigte in Pflegeberufen fehlen, um die dann zu erwartende Zahl an Krankenhauspatientinnen und -patienten und Pflegebedürftigen versorgen zu können. Dies zeigen Modellrechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) und des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).

Umgerechnet auf die volle tarifliche Arbeitszeit entspricht das etwa 112 000 Pflegevollkräften in Krankenhäusern, ambulanten und (teil-)stationären Pflegeeinrichtungen. Den Modellrechnungen zufolge stehen im Jahr 2025 einem Bedarf an 940 000 Pflegevollkräften lediglich rund 828 000 Pflegevollkräfte auf der Angebotsseite gegenüber.

Berechnungen des BIBB auf Grundlage des Mikrozensus ergeben, dass im Jahr 2005 rund drei Viertel der ausgebildeten Pflegekräfte in ihrem erlernten Beruf arbeiteten. Hierzu zählen Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pfleger einschließlich Hebammen und Entbindungspfleger, Gesundheits- und Krankenpflegehelferinnen/-helfer und Altenpflegerinnen und Altenpfleger einschließlich Altenpflegehelferinnen/-helfer. Diese stellten aber nur 56,4% aller Beschäftigten in Pflegeberufen dar. Bereits im Jahr 2005 hätte es einen Arbeitskräftemangel gegeben, wenn nur ausgebildete Pflegekräfte berücksichtigt worden wären: 39 000 ausgebildete Pflegevollkräfte haben gefehlt. Bislang konnte der Bedarf an Pflegepersonal aber noch über ungelernte beziehungsweise angelernte Pflegekräfte kompensiert werden.

Gemäß den Modellrechnungen wird das Angebot ausgebildeter Pflegevollkräfte im Jahr 2025 bei 747 000 liegen. Der Arbeitskräftemangel wird sich bis dahin auf rund 193 000 erhöhen. Selbst der bislang hohe Zugewinn an fachfremdem Pflegepersonal wird spätestens ab dem Jahr 2018 nicht mehr ausreichen, um den steigenden Bedarf zu decken.

Die Studien von Destatis auf Grundlage des Mikrozensus verdeutlichen, dass dem steigenden Pflegepersonalbedarf begegnet werden könnte, wenn in Westdeutschland dieselbe Beschäftigungsstruktur wie in Ostdeutschland erreicht würde - mit mehr Voll- statt Teilzeitbeschäftigten. Hierdurch würde die Zahl der Pflegevollkräfte um 9,5% ansteigen, wodurch sich der Engpass im Jahr 2025 auf 34 000 Vollkräfte verringern würde. Erforderlich hierfür wäre jedoch ein Trend zu mehr Arbeitsstunden beziehungsweise Vollzeitbeschäftigungsverhältnissen in den Pflegeberufen. Dieser Trend lässt sich jedoch seit Beginn des Jahrtausends nicht erkennen. Vielmehr stellt eine Teilzeitbeschäftigung, vor allem bei westdeutschen Frauen, eine bewusste Entscheidung dar: So geben 69% des weiblichen Pflegepersonals im Jahr 2005 im früheren Bundesgebiet laut Mikrozensus persönliche oder familiäre Verpflichtungen als Hauptgrund für ihre Teilzeitbeschäftigung an.

Bei den Modellrechnungen wurde der Bedarf an Pflegevollkräften aus der Gesundheitspersonalrechnung und der Vorausberechnung der Zahl der Krankenhausfälle und Pflegebedürftigen von Destatis ermittelt. Die Entwicklung des Angebots wurde über das BIBB-DEMOS-Modell geschätzt, indem die Pflegevollkräfte aus der Projektion der Beschäftigten in den Gesundheitsberufen ohne Approbation abgeleitet wurden.

Weitere Informationen - auch zur Methodik der Modellberechnung - können Sie der Veröffentlichung "Projektionen des Personalbedarfs und -angebots in Pflegeberufen bis 2025" in "Wirtschaft und Statistik 11/2010" entnehmen.

Weitere Auskünfte geben:
Statistisches Bundesamt: Anja Afentakis
Telefon: (0611) 75-8128,
E-Mail: anja.afentakis@destatis.de

Bundesinstitut für Berufsbildung: Tobias Maier
Telefon: (0228) 107-2043,
E-Mail: tobias.maier@bibb.de

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Die vollständige Pressemitteilung ist auch im
Internet-Angebot des Statistischen Bundesamtes unter
http://www.destatis.de/jetspeed/portal/ ... Print.psml
zu finden.
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Verbreitung mit Quellenangabe erwünscht.
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Herausgeber: (c) Statistisches Bundesamt, Pressestelle
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Pflegenotstand - Pflegepersonal

Beitrag von Presse » 06.12.2010, 12:12

Mitteilung vom 06.12.2010:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir möchten Sie auf eine aktuelle Pressemitteilung hinweisen: >
http://www.destatis.de/jetspeed/portal/ ... Print.psml

Die Mitteilung wurde gemeinsam durch das Statistische Bundesamt
(Destatis), Referat "Gesundheitsbezogene Rechensysteme", und dem
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) erstellt.

Wenden Sie sich bei Rückfragen bitte direkt an die in der
Pressemitteilung genannte Ansprechpartnerin bzw. den Ansprechpartner.
(Die Modellrechnung wurde von den in der Mitteilung Genannten
durchgeführt. Aus dem Bereich der "Pflegestatistik" fließen in dieses
Projekt Grunddaten und die am 22.11.2010 veröffentlichte
Vorausberechnung zu den Pflegebedürftigen ein.)

Mit freundlichem Gruß
Heiko Pfaff
--
Statistisches Bundesamt
H 106 Pflegestatistik
Graurheindorfer Str. 198
53117 Bonn
Deutschland
http://www.destatis.de
Tel.: 0228 99643 - 8956
Fax: 0228 99643 - 8994

Ansprechpartner:
Heiko Pfaff, Tel.: +49 (0)228 99643 -8106, Reiner Rottländer,
Durchwahl: -8143, Marion Blum, Durchwahl: -8111

Berichte zur Pflegestatistik finden Sie im Internet unter:
http://www.destatis.de/jetspeed/portal/ ... Print.psml

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Wer pflegt uns in Zukunft? Fachkräftemangel ...

Beitrag von Presse » 06.12.2010, 12:17

Wer pflegt uns in Zukunft? Fachkräftemangel beim Pflegepersonal bereits jetzt absehbar

Der demografische Wandel wird zu einem Fachkräftemangel in den Pflegeberufen führen: Im Jahr 2025 werden rund 152.000 Beschäftigte in Pflegeberufen fehlen, um die dann zu erwartende Zahl an Krankenhauspatientinnen und -patienten und Pflegebedürftigen zu versorgen. Umgerechnet auf die volle tarifliche Arbeitszeit entspricht dies etwa 112.000 Pflegevollkräften in Krankenhäusern, ambulanten und (teil-)stationären Pflegeeinrichtungen. Dies zeigen Modellrechnungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und des Statistischen Bundesamtes (Destatis).

Den Modellrechnungen zufolge stehen im Jahr 2025 einem Bedarf an 940.000 Pflegevollkräften lediglich rund 828.000 Pflegevollkräfte auf der Angebotsseite gegenüber.

Berechnungen des BIBB auf Grundlage des Mikrozensus zeigen, dass im Jahr 2005 rund drei Viertel (74,8 %) der ausgebildeten Pflegekräfte in ihrem erlernten Beruf arbeiteten. Hierzu zählen Gesundheits- und Krankenpfleger/-innen einschließlich Hebammen und Entbindungspfleger, Gesundheits- und Krankenpflegehelfer/-innen sowie Altenpfleger/-innen einschließlich Altenpflegehelfer/-innen. Diese stellten aber nur 56,4 % aller Beschäftigten in Pflegeberufen dar.

Werden ausschließlich ausgebildete Pflegekräfte berücksichtigt, so fehlten bereits im Jahr 2005 rund 39.000 Pflegevollkräfte. Dieser Mangel würde sich bis zum Jahr 2025 auf rund 193.000 erhöhen bei einem Angebot von 747.000 ausgebildeten Pflegevollkräften. Bislang konnte der Bedarf an Pflegepersonal allerdings noch über un- beziehungsweise angelernte Pflegekräfte kompensiert werden. Doch selbst der bislang hohe Zugewinn von 43,6 % an fachfremdem Pflegepersonal wird spätestens ab dem Jahr 2018 nicht mehr ausreichen, um den steigenden Bedarf zu decken.

Die Studien von Destatis auf Grundlage des Mikrozensus verdeutlichen, dass dem steigenden Pflegepersonalbedarf begegnet werden könnte, wenn in Westdeutschland dieselbe Beschäftigungsstruktur wie in Ostdeutschland erreicht würde – mit mehr Voll- statt Teilzeitbeschäftigten. Hierdurch würde die Zahl der Pflegevollkräfte um 9,5 % steigen, wodurch sich der Engpass im Jahr 2025 auf 34.000 Vollkräfte verringern würde. Ausschlaggebend hierfür wäre jedoch ein Trend zu mehr Arbeitsstunden beziehungsweise Vollzeitbeschäftigungsverhältnissen in den Pflegeberufen. Dieser Trend lässt sich jedoch seit Beginn des Jahrtausends nicht erkennen. Vielmehr stellt eine Teilzeitbeschäftigung, vor allem bei Frauen in Westdeutschland, eine bewusste Entscheidung dar. So geben 69 % des weiblichen Pflegepersonals im Jahr 2005 im früheren Bundesgebiet laut Mikrozensus persönliche oder familiäre Verpflichtungen als Hauptgrund für ihre Teilzeitbeschäftigung an.

Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Pflegeberufen scheint demnach einer der Schlüssel zu sein, um das Angebot an Pflegevollkräften in Zukunft zu erhöhen. Die Analysen ergeben zudem, dass eine Aufstockung der Anzahl der Beschäftigten in Pflegeberufen über geringfügige Beschäftigungsverhältnisse dem Mangel an ausgebildeten Pflegekräften nicht begegnet. Denn ausgebildete Pflegekräfte in Vollzeit- oder Teilzeitbeschäftigungsverhältnissen arbeiten zu 77,4 % beziehungsweise 76,6 % in ihrem erlernten Beruf. Hingegen sind ausgebildete Pflegekräfte in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen nur zu 47,9 % in Pflegeberufen tätig.

Bei den Modellrechnungen wurde der Bedarf an Pflegevollkräften aus der Gesundheitspersonalrechnung und der Vorausberechnung der Zahl der Krankenhausfälle und Pflegebedürftigen von Destatis ermittelt. Die Entwicklung des Angebots wurde über das BIBB-DEMOS-Modell geschätzt, indem die Pflegevollkräfte aus der Projektion der Beschäftigten in den Gesundheitsberufen ohne Approbation abgeleitet wurden. Das BIBB-DEMOS-Modell ist Teil des QUBE-Projekts „Beruf und Qualifikation in der Zukunft“, welches das BIBB gemeinsam mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) durchführt.

Weitere Informationen können Sie der Veröffentlichung „Projektionen des Personalbedarfs und -angebots in Pflegeberufen bis 2025“ in „Wirtschaft und Statistik 11/2010“ (über http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/) entnehmen.

Weitere Einzelheiten über die Projektionen von BIBB und IAB über die „Qualifikations- und Arbeitskräfteentwicklung bis zum Jahr 2025“ stehen im Internetangebot des BIBB unter http://www.qube-projekt.de in der Rubrik „FAQ-Fachkräftemangel“ zur Verfügung.

Weitere Auskünfte erteilen:

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
Tobias Maier
Tel.: 0228 / 107-2043
tobias.maier@bibb.de

Statistisches Bundesamt (Destatis)
Anja Afentakis
Tel.: 0611 / 75-8128
anja.afentakis@destatis.de

Quelle: Pressemitteilung vom 06.12.2010
Andreas Pieper Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
http://idw-online.de:80/pages/de/news400426

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Pflege: Statistiker erwarten starken Personalmangel

Beitrag von Presse » 07.12.2010, 07:48

Ärzte Zeitung online, 06.12.2010
Pflege: Statistiker erwarten starken Personalmangel
WIESBADEN (dpa). In Deutschland reißen offenbar immer größere Lücken beim Pflegepersonal auf. Im Jahr 2025 werden voraussichtlich rund 152 000 Alten- und Krankenpfleger sowie Helfer fehlen, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte.
... (mehr)
http://www.aerztezeitung.de/politik_ges ... sid=632618

Demografischer Wandel: Im Jahr 2030 fehlen 112.000 Pflegekräfte
Mit mehr als drei Millionen Pflegebedürftigen rechnen Fachleute im Jahr 2030 in Deutschland. Der Mangel an Pflegern wird bis dahin dramatisch zunehmen.
http://www.handelsblatt.com/politik/kon ... te;2706344
Quelle: Handelsblatt

Gesundheitsminister Philipp Rösler: "Wir wollen Pflege besser machen"
Pflegekräfte müssen besser bezahlt werden, fordert Gesundheitsminister Rösler. Im Interview erklärt er, was er gegen den Fachkräftemangel unternehmen will.
http://www.zeit.de/politik/deutschland/ ... eftemangel
Quelle: Die Zeit

Pflegenotstand in Deutschland:
Rösler will Pflege "attraktiver" machen

Schon heute haben Pfleger so wenig Zeit für Alte und Kranke, dass Stakkato-Hilfe an der Tagesordnung ist. Selbst Auszubildende lernen, Pflege nur vorzutäuschen. Jetzt will Minister Rösler den Beruf attraktiver und lukrativer machen - was kann er schaffen? .... (mehr)
http://www.stern.de/politik/deutschland ... 31497.html

Focus-online
Gesundheit
Treffen zum Pflegemangel bei Minister Rösler

Angesichts des Mangels an Pflege-Fachkräften in Deutschland trifft Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) heute mit Spitzenvertretern der Branche zusammen.
.... (mehr)
http://www.focus.de/politik/deutschland ... 79352.html

Sabrina Merck
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Pflegenotstand jetzt und in der Zukunft

Beitrag von Sabrina Merck » 07.12.2010, 08:25

Pflegenotstand jetzt und in der Zukunft - Ausbildungsoffensive nötig

Hallo und guten Morgen,

seit Tagen gibt es zahlreiche Botschaften, die sich mit dem Pflegenotstand bzw. dem jetzigen und zukünftigen Pflegekräftemängel befassen. Dabei geht einiges durcheinander:

Festzuhalten ist, dass wir bereits aktuell einen gravierenden Pflegekräftemangel haben. In Krankenhäusern ist er - auch hier im Forum - gut belegt mit mindestens 50.000 Stellen anzugeben. In den Heimen gibt es unzureichende Stellenschlüssel, die eine klare Unterversorgung mit Pflegepersonal zur Folge haben.

Angesichts des demografischen Wandels wird der Bedarf an Pflegekräften in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen deutlich zunehmen. Insoweit gibt es unterschiedliche Hochrechnungen. Eines dürfte aber klar sein: Bereits jetzt umfassende Ausbildungsstrategien nötig.

Zur Fachkräfteanwerbung aus dem Ausland: Bei der Ausbildung und Einstellung sollten vorrangig deutsche Arbeitskräfte rekrutiert werden. Im Zweifel muss die Anwerbung geeigneter Kräfte mit deutlich besseren Vergütungen honoriert werden. Der Ruf nach ausländischen Fachkräften für die Pflege geht in die falsche Richtung. Denn Pflege erfordert Kommunikation. Und dazu gehört die deutsche Sprache. Vielleicht haben wir jetzt schon in der Pflege zuviele Personen, die nicht gut deutsch sprechen. Die große Zahl von Personen ohne ausreichende Sprachkompetenz zu vermehren, ist mehr als problematisch.
Es gibt also viel zu tun.

Texte dazu im Forum zahlreiche Beiträge, z.B. unter
viewtopic.php?t=15183
viewtopic.php?t=15182
viewtopic.php?t=14974
viewtopic.php?t=14538
viewtopic.php?t=14740
viewtopic.php?t=14949
viewtopic.php?t=15148
viewtopic.php?t=15111
viewtopic.php?t=14991
viewtopic.php?t=14950
viewtopic.php?t=15037
viewtopic.php?t=14976

Ich bitte alle Pflegekräfte und diejenigen, die sich an sonst für pflegerische Themen interessieren. Bitte informiert weiter. Es müssen jetzt die richtigen politischen Weichen gestellt werden. Wenn die Koalition in Berlin die nächsten Reformschritte halbherzig vornimmt, rennen wir pflegerisch in ein Dilemma!
...
Mit freundlichen Grüßen
Sabrina Merck
Dem Pflegesystem und den pflegebedürftigen Menschen muss mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden! Daher:
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk!
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de

WernerSchell
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Registriert: 18.05.2003, 23:13

Pflege-Dialog ein Flop - Pflegenotstand und kein Ende

Beitrag von WernerSchell » 09.12.2010, 08:51

Bild Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
Unabhängige und gemeinnützige Initiative - Harffer Straße 59 - 41469 Neuss

Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk führt regelmäßig Pflegetreffs mit bundesweiter Ausrichtung durch.
Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk ist Kooperationspartner der „Aktion Saubere Hände.“


Pressemitteilung vom 09.12.2010

Pflegenotstand wurde beim Pflege-Dialog nicht angemessen diskutiert
Pflege-Dialog - Auftaktrunde am 07.12.2010 beim Bundesgesundheitsministerium eher ein Flop


Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk sieht in dem am 07.12.2010 im Bundesgesundheitsministerium begonnenen Pflege-Dialog keinerlei Ansatzpunkte, die wirklichen Probleme in den Pflegesystemen zu hinterfragen und einer Lösung zuzuführen. Tatsache ist nämlich, dass es bereits seit geraumer Zeit eine völlig unzureichende Ausstattung der Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen mit Pflegepersonal gibt. Während man sich bei den Heimen noch auf (unzureichende) Stellenschlüssel beziehen kann, gibt es für die Krankenhäuser keinerlei Personalberechnungsvorschriften, schlicht nur eine Stellenausstattung nach Kassenlage. Und diese ist nachweislich dramatisch schlecht. Entsprechende Folgen liegen für die Patienten, Pflegebedürftigen und Pflegekräfte auf der Hand. U.a. gefährdet die mangelhafte Zuwendung Patienten und Pflegebedürftige, während die überlasteten Pflegekräfte nicht selten frühzeitig aus dem Beruf flüchten (müssen). Wer als Pflegekraft bleibt, steht unter immensem Arbeitsdruck und nimmt früher oder später gesundheitlichen Schaden.

Es wäre nach all dem vorrangig gewesen, darüber zu reden, wie man diesen seit Jahren beklagten Pflegenotstand aufhebt; z.B. durch Schaffung von bundesweit geltenden Personalbemessungssystemen, entsprechende Stellenausweitungen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen und Start einer Ausbildungs- und Einstellungsoffensive. Hinzu kommen müssen handfeste Bemühungen, die Pflegekräfte besser zu bezahlen. Nur so kann die vielfach angesprochene Wertschätzung und Anerkennung für die Pflege wirkungsvoll zum Ausdruck gebracht werden.

Wer die Pflegekräfte in diesem Sinne gut behandelt, muss sich weder heute noch in den nächsten Jahren über einen Mangel an Pflegefachkräften beklagen. Auch der Ruf nach entsprechenden Fachkräften aus dem Ausland ist dann entbehrlich. Eine ausgeweitete Anwerbung von Pflegekräften aus dem Ausland wäre auch aus Gründen der mangelnden Sprachkenntnisse problematisch. Denn gerade in der Pflege, vor allem der Pflege Demenzkranker, kommt es auf eine gute Kommunikation an. Und die ist bei Dienstkräften, die aus dem Ausland kommen, schon jetzt nicht immer gewährleistet. Es gibt bereits vielfältige Klagen darüber, dass in den Gesundheitssystemen zu wenig verständlich deutsch gesprochen wird.

Die beim Pflege-Dialog angesprochene Reform der Berufsgesetze in der Pflege erscheint wenig geeignet, irgendein Pflegenotstandsproblem aufzulösen. Der Pflegenotstand und all das, was damit zusammenhängt, hat mit den Berufsgesetzen absolut nichts zu tun. Es gibt keine Mängel in der Pflegeausbildung, denen in irgendeiner Form eine Mitverursachung des Pflegenotstandes zugedacht werden könnte. Wer das behauptet, hat keine Ahnung vom Ausbildungsgeschehen oder ist absichtsvoll bemüht, von den eigentlichen Problemen abzulenken. Gleichwohl ist nichts dagegen einzuwenden, die Berufsgesetze durch geeignete Vorschriften zu ergänzenden Fortbildungen, Weiterbildungen und Studienabschlüssen (z.B. Pflegewissenschaften) mit mehr Zukunftsperspektiven zu versehen.

Auch die Hinweise zum Abbau der Bürokratie in der Pflege, z.B. Reduzierung der Dokumentationsarbeiten, hilft nicht weiter. Regierungen verkünden seit Jahrzehnten, endlich mit dem Bürokratieabbau beginnen zu wollen. Die diesbezüglichen Bemühungen haben aber letztlich immer zu einer weiteren Auftürmung von Vorschriften und Schreiberfordernissen geführt. Professionelle Pflege erfordert im Übrigen Planung und schriftliche Dokumentation. Sie ist aus vielerlei Gründen, z.B. vertraglichen bzw. haftungsrechtlichen Erwägungen, sogar unverzichtbar. Daher müssen im Rahmen der Stellenbemessung solche Dokumentationserfordernisse ausreichend Berücksichtigung finden.

Wer die Wertschätzung und Anerkennung für die Pflegekräfte auch nur ansatzweise ernst nimmt, muss jeder Kostensenkungsmentalität und vor allem Billiglöhnen in den Pflegesystemem eine Absage erteilen.

Die Pflegesysteme werden in der Zukunft erheblich mehr Finanzausstattung benötigen. Der Verweis auf die demografische Entwicklung mit einer drastischen Zunahme hilfe- und pflegebedürftiger Menschen dürfte als Begründung ausreichen. Zusätzliche Beitragslasten müssen allerdings nach Meinung von Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk solidarisch finanziert werden.

Werner Schell - Dozent für Pflegerecht und Vorstand von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk

+++ Die vorstehende Pressemitteilung ist zur Veröffentlichung frei! +++
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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