Studie: Pflegezustand vieler alter Menschen alarmierend

Pflegespezifische Themen; z.B. Delegation, Pflegedokumentation, Pflegefehler und Haftung, Berufsrecht der Pflegeberufe

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WernerSchell
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Studie: Pflegezustand vieler alter Menschen alarmierend

Beitrag von WernerSchell » 09.07.2009, 06:52

Pressemitteilung vom 8.7.2009 mit weiteren Informationen finden Sie unter
Hamburgs Partner im Gesundheitswesen wollen Versorgung für ältere Menschen in Hamburg verbessern
viewtopic.php?t=12337
---

Hamburg
Studie: Pflegezustand vieler alter Menschen alarmierend

Ausgemergelt, ungepflegt, zahnlos: Vor ihrem Tod sind viele alte Menschen in einem bemitleidenswerten Zustand. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Rechtsmedizin am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE). Für das Papier, das NDR 90,3 vorab exklusiv vorlag, wurden mehr als 8.500 Verstorbene untersucht, die älter als 60 Jahre alt waren. Im Schnitt waren sie 81 Jahre alt.
...
Bei jedem achten Toten Druckliegegeschwür entdeckt
... (mehr)
http://www1.ndr.de:80/nachrichten/hambu ... ge124.html
Dort Videofilm "Mangelnde Pflege von Alten" abrufbar!

Siehe auch die Ankündigung zur TV-Sendung am 10.07.2009 - Wiederholung einer Sendung vom 08.07.2009 - unter
viewtopic.php?t=12334

SPD warnt vor Pflegenotstand in Hamburg
Der Senat wies die Kritik zurück und erhob seinerseits Vorwürfe gegen die SPD. (Meldung vom 18.06.2008)
http://www1.ndr.de/nachrichten/hamburg/pflege104.html

Siehe auch den Bericht:
Studie Hamburger Rechtsmediziner
Ältere Menschen in teils alarmierendem Pflegezustand

8. Juli 2009, 15:42 Uhr Die Lage vieler älteren Menschen ist nach einer Studie sehr schlecht: Sie seien demnach unterernährt, haben Druckliegegeschwürde, sterben oft allein. .... (mehr)
http://www.abendblatt.de/hamburg/articl ... stand.html

Zahlreiche weitere Medienberichte, z.B.:
Ältere Menschen in teils alarmierendem Pflegezustand
am 8.07.2009
Viele ältere Menschen sind vor ihrem Tod in einem teils alarmierenden Pflege- und Gesundheitszustand. Das geht aus einer Studie von Hamburger Rechtsmedizinern hervor. ... (mehr)
http://www.muensterschezeitung.de/leben ... 365,608187
Ältere Menschen in teils alarmierendem Pflegezustand
.... Ärztekammer, Hausärzteverband und Krankenhausgesellschaft in der Hansestadt kündigten an, die Versorgung älterer Menschen zu verbessern. Mit einem bundesweit einzigartigen «Maßnahmenpool» wollen sie gravierende Dekubitalgeschwüre künftig erfassen, verhindern und behandeln - indem etwa Einrichtungen wie Pflegeheimen sogenannte Wundmanager empfohlen werden. ....
Pressemitteilung vom 8.7.2009 - GKV-Spitzenverband Bund
https://www.gkv-spitzenverband.de/News_ ... NewsID=843
Zuletzt geändert von WernerSchell am 07.08.2009, 06:46, insgesamt 5-mal geändert.
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Ältere Menschen in teils alarmierendem Pflegezustand

Beitrag von Presse » 09.07.2009, 07:01

Ältere Menschen in teils alarmierendem Pflegezustand

Hamburg. Viele ältere Menschen sind nach einer Studie von Hamburger Rechtsmedizinern vor ihrem Tod in einem teils alarmierenden Pflege- und Gesundheitszustand. So hatten 3,3 Prozent der mehr als 8.500 untersuchten Menschen schwere Druckliegegeschwüre, wie Prof. Klaus Püschel, der Leiter der Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), heute berichtete.
Manche waren unterernährt oder hatten ein "desolates" Gebiss. "Viele alte Menschen haben keine Zähne mehr, und sie haben keinen hochwertigen Zahnersatz", sagte Püschel - dabei sei ein gutes Gebiss zum Essen und Sprechen unerlässlich. "Die Situation ist sehr bedrückend, wir müssen eine Menge tun."
Für die Studie untersuchten die Rechtsmediziner 8.518 Tote vor der Einäscherung im Krematorium. Im Schnitt waren sie 81 Jahre alt. Sie waren zu Hause, in einem Krankenhaus, einem Pflegeheim oder einem Hospiz gestorben.
Ärztekammer, Hausärzteverband und Krankenhausgesellschaft in der Hansestadt kündigten an, die Versorgung älterer Menschen zu verbessern. Mit einem bundesweit einzigartigen "Maßnahmenpool" wollen sie gravierende Dekubitalgeschwüre künftig erfassen, verhindern und behandeln - indem etwa Einrichtungen wie Pflegeheimen sogenannte Wundmanager empfohlen werden.

Mehr zu der Studie und zum Maßnahmepool lesen Sie in den Print-Ausgaben von CAREkonkret.

Quelle: Pressemitteilung vom 8.7.2009
Vincentz Network, Hannover, http://www.vincentz.net

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Gesundheitszustand bei älteren Menschen alarmierend

Beitrag von Presse » 09.07.2009, 07:10

Ärzte Zeitung vom 9.7.2009:

Der Gesundheitszustand ist bei vielen älteren Menschen alarmierend
Die Versorgung alter Menschen in Hamburg soll verbessert werden. Dieses Ziel haben sich Leistungserbringer in der Hansestadt gesetzt, nachdem eine Studie ernüchternde Ergebnisse über die Situation älterer Menschen erbracht hat. mehr »
http://www.aerztezeitung.de/nel/?sid=55 ... olitik&c=1

Lutz Barth
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Hoffentlich nicht nur ein Lippenbekenntnis!

Beitrag von Lutz Barth » 09.07.2009, 07:17

Es soll hier nicht darauf ankommen, irgendwelche Schuldzuweisungen vorzunehmen.

Aber mit Verlaub: Genug der Worte – es müssen endlich Taten folgen!

Die neuerliche Studie des Instituts für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) belegt erneut, dass dringend Handlungsbedarf gegeben ist, der im Übrigen seit Jahren bekannt ist und weit über die Grenzen von Hamburg hinausragt! Wir haben nach wie vor ein Qualitätsproblem, dass vordringlich zu beheben ist, auch wenn insoweit sich Verbesserungen eingestellt haben.
Wir vertreten nicht immer die herrschende Lehre!

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Alte Menschen oft in alarmierendem Pflegezustand

Beitrag von Presse » 09.07.2009, 07:51

Berliner Zeitung 08.07.2009

http://www.berlinonline.de/berliner-zei ... 750832.php

Alte Menschen oft in alarmierendem Pflegezustand

Hamburg - Viele ältere Menschen sind laut einer Studie von Hamburger Rechtsmedizinern vor ihrem Tod in einem teils alarmierenden Pflege- und Gesundheitszustand.

So hatten 3,3 Prozent der mehr als 8500 untersuchten Menschen schwere Druckliegegeschwüre (Dekubitus), wie Prof. Klaus Püschel, der Leiter der Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), berichtete. Manche waren unterernährt oder hatten ein «desolates» Gebiss. «Viele alte Menschen haben keine Zähne mehr, und sie haben keinen hochwertigen Zahnersatz», sagte Püschel - dabei sei ein gutes Gebiss zum Essen und Sprechen unerlässlich. «Die Situation ist sehr bedrückend, wir müssen eine Menge tun.»

Für die Studie untersuchten die Rechtsmediziner 8518 Tote aus Norddeutschland vor der Einäscherung im Krematorium. Im Schnitt waren sie 81 Jahre alt. 65 Prozent hatten zuletzt in Hamburg gewohnt, 31 Prozent in Schleswig- Holstein und vier Prozent in Niedersachsen. Sie waren zu Hause, in einem Krankenhaus, einem Pflegeheim oder einem Hospiz gestorben.

Die Studie habe gezeigt, dass manche Tote erst nach mehr als drei Tagen entdeckt wurden, berichtete Püschel. «Sie sterben vermehrt einsam und allein, keinesfalls im Schoß der Familie.» Auch viele Wohnungen seien völlig verwahrlost. Im Alter steige die Zahl der Selbstmorde deutlich - etwa wegen schwerer Krankheiten oder Einsamkeit. Kommen ältere Menschen gewaltsam ums Leben, werde dies häufig nicht erkannt, sagte Püschel. «Viele alte Menschen sind sehr zufrieden, aber die nichteigenständigen, von der Öffentlichkeit nicht bewusst wahrgenommenen älteren Menschen stehen zum Teil im tiefen Schatten.»

Etwa die Hälfte der untersuchten Menschen hatte der Studie zufolge Normalgewicht, rund 15 Prozent waren untergewichtig, 35 Prozent eher übergewichtig. Fast sieben Prozent wurden mit einer Magensonde durch die Bauchdecke künstlich ernährt - bei einem Drittel dieser Fälle war die Haut um die Eintrittsstelle entzündet und nicht gut gepflegt. Die Zahl der Knochenbrüche und der künstlichen Knie- oder Hüftgelenke nimmt bei älteren Menschen ebenfalls zu, wie Püschel betonte: «Wir brauchen Ersatzteile, je älter wir werden, und zwar immer mehr.»

Hamburger Rechtsmediziner hatten bereits 1998 in einer Studie schwere Pflegemängel bei älteren Menschen festgestellt. Die Zahlen der beiden Untersuchungen seien allerdings nicht vergleichbar, hieß es - unter anderem, weil in der jetzigen Studie nur Tote über 60 Jahren untersucht wurden. Dennoch sagte Püschel: «Der allgemeine Trend ist: Es ist besser geworden.» Auch im Vergleich zu anderen Städten in Deutschland stehe Hamburg vergleichsweise gut da. «In anderen deutschen Großstädten sieht es trauriger aus.»

Ärztekammer, Hausärzteverband und Krankenhausgesellschaft in der Hansestadt kündigten an, die Versorgung älterer Menschen zu verbessern. Mit einem bundesweit einzigartigen «Maßnahmenpool» wollen sie gravierende Dekubitalgeschwüre künftig erfassen, verhindern und behandeln - indem etwa Einrichtungen wie Pflegeheimen sogenannte Wundmanager empfohlen werden.

Sabrina Merck
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Re: Studie: Pflegezustand vieler alter Menschen alarmierend

Beitrag von Sabrina Merck » 09.07.2009, 08:27

WernerSchell hat geschrieben:
Studie: Pflegezustand vieler alter Menschen alarmierend
Ausgemergelt, ungepflegt, zahnlos: Vor ihrem Tod sind viele alte Menschen in einem bemitleidenswerten Zustand. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Rechtsmedizin am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE). .... Bei jedem achten Toten Druckliegegeschwür entdeckt ...
Guten Morgen Forum!

dass die beschriebenen Zustände nicht einfach hinzunehmen sind, versteht sich. Es gibt vielerlei Handlungsbedarf, aber nicht nur seit gestern und auch nicht nur in Hamburg.
Wir müssen in der Gesellschaft abklären, welche Pflege wir wollen und was wir dafür bereit sind auszugeben. Wenn wir hinten und vorne am Personal sparen und dann die Pflegekräfte noch mit Mindestlöhnen abspeisen, dürfen wir uns über bestimmte Folgewirkungen eigentlich nicht wundern. Wir brauchen eine "Radikalkur" für die Pflege, strukturelle Veränderungen sind vonnöten und nichts anderes.
Es ist auch richtig, dass die Menschen immer älter werden und im hohen Alter vielerlei Krankheiten zusammen kommen. Die Genesungsmöglichkeiten eines alten Menschen sind ungünstiger. Das bedingt zunehmende Pflegebedürftigkeit und auch Situationen, in denen nicht mehr zu helfen ist. Das müssen wir bedenken.
Deshalb warne ich davor, angesichts der neuen Studie wieder pauschal auf die Pflege und die Pflegekräfte einzudreschen! Es gibt ja bekanntlich einige Leute, die nur auf solche Situationen warten und gleich wieder mit ihren Sprechblasen parat stehen.

Liebe Grüße
Sabrina
Dem Pflegesystem und den pflegebedürftigen Menschen muss mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden! Daher:
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ThomasH
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Alte Menschen oft in alarmierendem Pflegezustand

Beitrag von ThomasH » 09.07.2009, 08:37

Nein,
es werden keine Statistiken benötigt.
Es wird auch kein MDK und Qualitätssiegel benötigt.
Es wird auch kein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff benötigt.

Es geht um Pflege. Wie die Mutter ihr Kind, so dass Kind die Mutter (oder Vater).
Richtig, ich kritisiere hier die Diskusion über die scheinbar notwendige Fachlichkeit der Pflege.

Der gesunde Menschenverstand und das Einfordern der bestehenden Gesetze sollte ausreichend sein.
Wenn aber die Gesellschaft und die Richter der Meinung sind, dass Menschenwürde ab dem - wie auch immer zu definierenden - Status der Pflegebedürftigkeit endet wird etwas benötigt = Einhaltung von Allgorhythmen, beginnend mit Art. 1 (1) GG.

Den meisten Affen im Zoo geht es besser als den Pflegebedürftigen in den Heimen. Ich gehe zwar nicht täglich in den Zoo, dafür aber fast täglich in Altenheime. Und wenn ich wie gestern erlebe, dass beim Anreichen des Mittagessens von der Pflegeperson zuerst mit dem Nachtisch begonnen wird, weil die Suppe und das Hauptgericht noch zu heiß sind und der gleiche Mensch seit 4 Monaten auf eine notwendige Antidekubitusmatratze wartet, und und und, ..., brauche ich keine Statistik und auch kein Pflegeexamen um fest zu stellen, dass die Menschenwürde mit Füßen getreten wird.

Ich verstehe nicht, warum die Menschenwürde für Menschen, welche leider in Altenheimen leben müssen, scheinbar vor Gericht oder der Staatsanwaltschaft nicht gilt.

Mit einer nicht schönen Aussicht auf meine mögliche Pflegebedürftigkeit
grüßt
Th. Hahn

Lutz Barth
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Wo gehobelt wird, da „fallen auch Späne“!

Beitrag von Lutz Barth » 09.07.2009, 08:51

„Pflege tut gut“, „Medizin tut gut“ und da macht es Sinn, sich um eine nachhaltige Imagepflege der beiden Berufsstände zu kümmern, können wir doch auf die schlechte Rahmenbedingungen verweisen, für die wir nun aber keine Verantwortung zeichnen. Daher ist es unseren geriatrischen Patienten auch zuzumuten und letztlich ihrem individuellen Lebensrisiko überantwortet, im Zweifel nicht ausreichend ernährt zu werden, Dekubiti davon zu tragen, auf geeigneten Zahnersatz (vielfach auf eine zahnärztliche Behandlung schlechthin) zu verzichten und ab und an ein kleines Schlückchen aus der 5 Liter bewohnerfreundlichen Haldol –Flasche verabreicht zu bekommen, um so sukzessive in eine schöne Traumwelt überführt werden zu können, damit dass irdische Jammertal eben im Zustande einer leichten Dämmerung „durchschritten“ werden kann.

Produzieren wir weiterhin Papier: eine Charta für pflegebedürftige Menschen hier, eine Charta für schwersterkrankte Patienten dort und unser Gewissen erfährt eine ungemeine Erleichterung, sofern wir dann die Erklärungen auch noch gegen- und mitzeichnen. Die Verantwortlichen sind ausgemacht, die zuweilen aber eben nur die politische Verantwortung tragen, während demgegenüber Ärzte und die beruflich Pflegenden vor „Ort“ bemüht sind, eine „menschenwürdige“ Pflege und ärztliche Therapie ganzheitlich zu leisten – freilich im Rahmen der gesundheitsökonomischen Rahmenbedingungen, die letztlich wohl verantwortlich dafür zeichnen, dass dem Zahnstatus eines multimorbiden Geriatriepatienten keine sonderliche Bedeutung beigemessen wird, ein Bewohner mangelernährt ist und nicht selten mit Psychopharmaka therapiert wird, bei denen der Sinn zwar nicht offenkundig zu sein scheint, aber immerhin therapiert wird.

Fortbildung „tut Not“ und hier sollten wir ganz auf die weitere Akademisierung setzen. Defizite in der ärztlichen und pflegerischen Versorgung werden zwar erkannt, aber offensichtlich reicht das derzeitige Fachwissen nicht aus, um adäquat therapieren und pflegen zu können, mal von den immer wieder gerügten Rahmenbedingungen abgesehen.

Dienstbeflissen werden einmal mehr „Aktionen“ angekündigt, die wohl in erster Linie zur Selbstbeweihräucherung beruflichen Selbstverständnisses dienen. Es gibt halt keinen Tag, an dem die Barmherzigkeit ruht: Reden, nichts als Reden werden geschwungen und zwar nicht unbedingt nur von der Kanzel, sondern auch von Verbänden, die ihr Wohl und Wehe in der Zelebrierung ihrer eigenen Tugenden sehen.

Aber immerhin: es gibt „Erfolge“ zu vermelden! Rechtsmediziner legen uns dies in aktuellen Studien nahe, wenn auch unterm Strich „einiges“ im Argen liegt.

Es gibt also noch vieles zu tun: Packen wir`s an! Eine Neuauflage der Charta muss her – die dann jeweils nach Ablauf von 10 Jahren einer Revision bedarf, weil dann Rechtsmediziner mit weiteren Studien aufwarten, die „alarmierende Zustände“ offenbaren.

Mal ganz ehrlich: Sollten Ihnen jetzt der Kragen platzen, habe ich mein Ziel erreicht, denn wie lange wollen wir denn noch darüber – jenseits von irgendwelchen Schuldzuweisungen – debattieren, was dringend mit Blick auf eine angemessene Versorgung unserer älteren Patienten gefordert ist?

@Frau Merck:
Nun - unabhängig davon, wer ggf. mit "Sprechblasen" aufzuwarten gedenkt, finde ich es langsam wirklich unerträglich, über defizitäre Zustände aus der berufenen Feder von Rechtsmediziner aufgeklärt werden zu müssen, die seit Jahrzehnten bekannt sind.

Sowohl die pflegerische als auch die medizinische Therapie hat einen lege artis Standard zu erbringen und zwar unabhängig von "strukturellen Veränderungen". Wir sollten einfach mal zur Kenntnis nehmen, dass auch "handwerkliche" Mängel zu beklagen sind, die allerdings nach Jahren der Debatten zu tolerieren schwer fallen.

Es geht nicht um "Schuld", sondern einfach darum, dass wir über ein gesicherten Fundus an wissenschaftlichen Erkenntnissen verfügen und diese beharrlich - mal von populistischen Schlagzeilen abgesehen- negiert werden. Ist es nicht ebenso ein verwerflicher Populismus, wenn nun in bester Eintracht alle davon reden, dass man/frau sich gemeinsam der Problematik annimmt?
Wir vertreten nicht immer die herrschende Lehre!

HorstHessen
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Verbindlicher Pflegeschlüssel und Heimzertifizierungen

Beitrag von HorstHessen » 09.07.2009, 09:13

Es muß gesetzlich und kontrollierbar verbindlich ein strenger Pflegeschlüssel für ganz Deutschland !!! her, um Schaden für Heimbewohner, für Heimbetreuungs- und Pflegebedürftige auszuschließen.
J e d e s Heim muß der Zertifizierungspflicht unterliegen.
Nicht angekündigte, schärfere Kontrollen auch an Sonn- und Feiertagen, auch nachmittags, nachts müssen endlich streng und verbindlich eingeführt werden.
Frau Merkel muß diese Angelegenheit endlich zur Chefsache machen.

WernerSchell
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vieler alter Menschen alarmierend

Beitrag von WernerSchell » 09.07.2009, 09:14

Sabrina Merck hat geschrieben: ..... dass die beschriebenen Zustände nicht einfach hinzunehmen sind, versteht sich. Es gibt vielerlei Handlungsbedarf, aber nicht nur seit gestern und auch nicht nur in Hamburg. Wir müssen in der Gesellschaft abklären, welche Pflege wir wollen und was wir dafür bereit sind auszugeben. Wenn wir hinten und vorne am Personal sparen und dann die Pflegekräfte noch mit Mindestlöhnen abspeisen, dürfen wir uns über bestimmte Folgewirkungen eigentlich nicht wundern. Wir brauchen eine "Radikalkur" für die Pflege, strukturelle Veränderungen sind vonnöten und nichts anderes. ...
Text für Forum:
Studie: Pflegezustand vieler alter Menschen alarmierend
viewtopic.php?t=12335

Sehr geehrte Frau Merck,

Ihren Ausführungen stimme ich im Grundsatz gerne zu. Es muss darum gehen, die vorgelegte Hamburger Studie auszuwerten und eventuellen Pflichtwidrigkeiten nachzugehen. Pauschalkritik und Verallgemeinerungen sind m.E. nicht gerechtfertigt. Andererseits ist es dringlich, die strukturellen Mängel in den Pflegesystemen erneut zu problematisieren und dann gesetzgeberisch und in sonstiger Weise zu korrigieren. Die letzte Pflegereform wurde und wird von interessierten Kreisen leider nur "schön geredet". Dass entscheidende Korrekturen nicht erfolgt sind, wird nicht gerne gehört!

Zu dem erwähnten NDR-TV-Bericht vom 8.7.2009, Wiederholung am 10.7.2009,
viewtopic.php?t=12334
gab es von hier u.a. folgende Anmerkungen:

Der Beitrag macht nicht nur auf die Mangelzustände aufmerksam, sondern zeigt auch auf, dass die zunehmende Lebenserwartung, die im hohen Lebensalter vermehrt gesundheitliche Probleme mit sich bringt, bedacht werden muss. Es wird in diesem Zusammenhang auch angemerkt, dass nicht jedes Durchliegeschwür zu vermeiden ist. – Gleichwohl rüttelt der Beitrag auf, darüber zu diskutieren und zu befinden, wie wir endlich Verbesserungen in den Pflegesystemen erreichen wollen. Die nächste Pflegereform mit strukturellen Veränderungen ist überfällig! – Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk wird sich dafür mit konstruktiven Vorschlägen einbringen. Jammern allein hilft uns nicht weiter.

Auch wenn dem nicht jeder zustimmen mag, sehe ich die vorrangige Notwendigkeit, eine umfassende „personelle Aufrüstung“ in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern vorzunehmen. Diesbezüglich gibt es von hier aus zahlreiche Vorschläge / Forderungen / Statements. Siehe z.B. die hiesige Erklärung vom 28.08.2008
Mehr Pflegefachpersonal erforderlich
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... eilung.php

Wir werden daher auch beim ersten Pflegetreff in 2010 genau dieses Thema aufgreifen:
Welche Pflege wollen wir (uns leisten)? - Pflegetreff 2010
viewtopic.php?t=12279

Siehe im Übrigen:
Pflege in den Medien ´Völlig unstrukturierte Diskussion`
viewtopic.php?t=11227&highlight=medien

Mit freundlichen Grüßen
Werner Schell
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ThomasH
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Studie: Pflegezustand vieler alter Menschen alarmierend

Beitrag von ThomasH » 09.07.2009, 09:21

Nein,
das sehe ich vollkommen anders.

Es geht geanu um Schuld und Schuldzuweisung, es geht um die Durchführungsverantwortung des Einzelnen der "pflegt" und um die Organisationsverantwort der Träger, die "pflegen" lassen.

Es geht nicht um Lohngestaltung, Berufsehre, Arbeitsplätze oder sonstige große zu beantwortende Fragen; deren zwingende gesellschaftliche Beantwortung ich hier auch nicht in Abrede stellen möchte.
Auch die Notwendigkeit der Pflegewissenschaft steht außer Frage.

Aber erst wenn der einzelne Mensch in einem Altenheim sein Recht auf Menschenwürde und körperliche und seelische Unversehrtheit durchgesetzt hat, wird sich etwas bewegen. Denn wo sollen die "Alten" denn dann hin, wenn die Träger, in Folge von Strafzahlungen, wegen Mißachtung der Menschenwürde und/oder/auch wegen Körperverletzung und Mißachtung des Wohles ihrer Schutzbefohlener, ihre Häuser zu machen müssen, weil sie wirtschaftlich keinen Sinn machen?

Das Ansinnen, die Mißstände von oben herab zu verändern (Beschlüsse, Chartas, Erkärungen, Pflegeleitbilder, etc.) helfen nicht weiter, oder vielmehr bestätigen die Verfasser der Selben in ihrem Nichtstun und persönlicher Vorteilsnahme.
Wir müssen nicht auf Godod waren, sondern uns für einen Weg entscheiden.
Alleinig die Rechtstaatlichkeit kann hier Abhilfe schaffen, würde sie es denn nur tun.

Mit vielen Grüßen
Th. Hahn

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Studie: Pflegezustand vieler alter Menschen alarmierend

Beitrag von Sabrina Merck » 09.07.2009, 09:51

ThomasH hat geschrieben: ... es geht um die Durchführungsverantwortung des Einzelnen der "pflegt" und um die Organisationsverantwort der Träger, die "pflegen" lassen. ...
Hallo Thomas,

es war zu erwarten, dass es unterschiedliche Einschätzungen zur laufenden Diskussion gibt. Verallgemeinerungen sind aber nicht gerechtfertigt. Inwieweit die Studie repräsentativ ist, müsste zunächst einmal geklärt werden. Das Hauen und Stechen geht schon wieder los, ohne dass jemand die Studie im Einzelnen kennt. Oder hast Du sie bereits vorliegen, gelesen???

Richtig ist, dass es eine Durchführungsverantwortung gibt. Hinsichtlich des tatsächlichen Pflegegeschehens gibt es aber enge Grenzen. Wenn das Personal hinten und vorne nicht ausreicht, muss das Sorgfaltsgebot daran bemessen werden, welche Aufgaben vordringlich sind. Im Übrigen müssen zur persönlichen Entlastung, bei allem guten Willen, Überlastungsanzeigen her. Darüber ist hier schon viel geschrieben worden.

Dass die Träger stärker in die Verantwortung genommen werden sollten, will ich gerne akzeptieren. Aber insoweit sind Gesetzeskorrekturen notwendig. Offensichtlich sind die Aufsichten nur Papiertiger. Auch die Rechte der Angehörigen wären zu stärken .... usw. Ein Schulnotenverfahren einzuführen, bei dem die Träger maßgeblich mitgewirkt haben, ist ein Irrweg. Wenn es Qualitätsbewertungen geben soll, dann mit Hilfe der Betroffenenseite. Die wurde aber nicht beteiligt. Daher sind "von oben" zwingend Korrekturen notwendig.

Mit freundlichen Grüßen
Werner Schell
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Beitrag von G. Fröhlich- Rockmann » 09.07.2009, 09:56

Sehr geehrte Damen und Herren,

als ich den Beitrag gesehen habe habe ich mit abgrundtief geschämt bis in das innerste meines Knochenmarkes!

Geschämt dafür, dass ein führender Industriestadt wie Deutschland nicht in der Lage ist seinen alten und gebrechlichen Menschen, also denjenigen dessen Lebenswerk wir zu verdanken haben das wir das sind was wir heute eigentlich meinen darzustellen, am Ende Ihres Lebens das zu geben was sie brauchen, obwohl das eigentlich im Vergleich zu vielem Anderen was wir uns leisten eigentlich verschwindend wenig ist!

Auch wenn diese Studie zunächst auf Hamburg beschränkt ist, so gehe ich an mit Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass jede andere Studie in Deutschland an anderen Orten ähnliches zu Tage fördern würde.

Der Gewillte kann auch ohne wissenschaftliche Ausbildung Tatsachen sehen die uns hier in geballter Form ich weiß nicht zum wie vielten Male uns völlig zur Recht vorgehalten werden!

Ich sehe keinerlei Grund den Finger gegen bestimmte Berufsgruppen zu erheben, ich sehe auch keinerlei Grund den Finger gegenüber der Einen oder anderen Form der Versorgung hilfebedürftiger Menschen zu erheben.

Vielmehr erhebe ich meinen Finger als Ausrufungszeichen um die Frage zu stellen ob wir als Gesellschaft nicht endlich darüber nachdenken sollten wie wir mit wachsenden Teilen unserer Bevölkerung umgehen wollen und ob es nicht dringend an der Zeit ist unsere Alten und Hilfebedürftigen vom Rand unserer Gesellschaft endlich in die Mitte zu holen?

Ist es nicht längst überfällig darüber nach zu denken wie wir alte Menschen statt Banken retten???

Sollten wir gar "Badkranken- und Badpflegekassen" statt "Badbanken" gründen???

Sollten wir nicht gar komplett unser System von Gesundheits- und Pflegesicherung überdenken und uns die Frage stellen ob dies an den tatsächlichen Erfordernissen ausgerichtet oder doch ein theoretisches Gebilde ist und ist es denn tatsächlich nur eine Frage von Geld und Manpower???

Ist es nicht lange an der Zeit in diesen Dialog

auch tatsächlich die Betroffenen selbst einzubeziehen um zu erfahren was tatsächlich ihre Bedürfnisse sind???

Ich denke ja!

Ich denke "Der Worte sind genug gewechselt, nun lasset uns Taten sehen!"

Ich möchte mich bei all denen die "Untersuchungsobjekt" dieser Studie waren und bei all denen denen gleiches wiederfahren ist aber in keiner Studie erwähnt sind aus tiefstem Herzen für unsere Unfähigkeit hiermit entschuldigen!

Ich möchte all denjeneigen die Gleiches jetzt im Moment wiederfährt indem ich hier sitze und schreibe versprechen mein möglichstes zu tun das ich hier etwas ändern wird!

Ich frage mich nicht was die Gesellschaft tun kann um Änderungen herbei zu führen sondern was ich dazu tun kann damit die Gesellschat sich so ändert das etwas getan wird und lade hiermit jeden zu diesem Denkprozess sehr herzlich ein.

Gerd Fröhlich-Rockmann
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Studie: Pflegezustand vieler alter Menschen alarmierend

Beitrag von ThomasH » 09.07.2009, 11:05

Richtig,

Verallgemeinerungen sind nicht gerechtfertigt,
aber dieses gilt im Besonderen,
wenn es um den Einzelnen geht.
Und das ist ja gereade meine These, es ist nicht wichtig ob ich die Studie kenne oder nicht. Eine Erfahrung muss ausreichend sein, um dem einen Menschen der hinter dieser einen Erfahrung steht Gehör zu verschaffen.
Und für den einen Menschen ist es egal ob das Personal hinten und vorne nicht reicht. Der eine Mensch hat nun mal nur 1 Leben und sein damit verbundenes Recht auf Würde, Unversehrtheit, u. s. w.

Was ich meine ist, jeder Einzelne von Uns ist "die Gesellschaft". Ich brauche somit nicht mit "der Gesellschaft" zu argumentieren und mein Schicksal und Tun mit dem Tun und Handeln der Gesellschaft zu verantworten oder dahinter zu verstecken.
Es geht um ein Problem (die Würde des einen alten Menschen, u.s.w.). Zur Problemlösung muss ich mich für einen von mindestens zwei Wegen entscheiden.
Da ich die Regeln der Rechtstaatlichkeit begrüße, bediene ich mich ihrer argumentativ und fange bei Art. 1 (1) GG an. Alles Weitere folgt.

Fange ich an, in der Pflege notwendige Aufgaben nach Ihrer Vordringlichkeit anzugehen und legitimiere ich diese Praxis, im Sinne einer von "mir Gesellschaft" geübten und üblichen Praxis - ohne Rechtsgrundlage (weil es alle so machen, ...), habe ich bei 2 zeitgleich Ertrinkenden ein Problem.
Anders, lieber 2 Menschen mit jeweils einem Dekubitus 1 Grades, als 1 Mensch ohne Dekubitus und dafür aber ein zweiter mit einem Dekubitus 2. Grades.
Zu Recht, Plötsinn was ich da schreibe.
Beide haben das Recht auf keinen Dekubitus (körperliche Unversehrtheit) und dieses Recht sollen sie bei entstandenem Dekubitus einklagen und Schmerzensgeld, Schadensersatz, sonst was erhalten.

Ich mache der einzelnen Pflegeperson, dem Träger der Einrichtung, sonstigen keinen Vorwurf. Überlastungsanzeigen sind das Papier auf dem sie stehen nicht wert, denn auf der Rückseite steht schon die Kündigung. Land auf Land ab weiß jeder um die Qualen der alten Menschen.
Die Träger der Einrichtungen sind auch nicht die Bösewichte der Nation. Ok, sie sind Geschäftsleute und das Ziel einer jeden Unternehmung ist die Gewinnmaximierung. Soll auch so sein. Aber bitte im Rahmen der Gesetze (...die Würde des Menschen, u. s. w.)

Nein, der Vorwurf geht an die Alten selbst. Die sollen ihre Rechte einklagen, bzw. einklagen lassen und das bis zum Verfassungsgericht (geht das?). Nur so wird ein Schuh daraus.
Wir können es uns scheinbar nicht leisten auf die Massenunterbringung Altenheim zu verzichten. Aber darin - oder besser in der häuslichen Versorgung - mehr Menschen arbeiten zu lassen, die sich der Bedarfe und Bedürfnisse der Alten annehmenen ist möglich (siehe plötzlich vorhandenes Geld für die Fehler der scheinbaren Eliten der Nation = es lebe der Neoliberalismus).

Bitte nicht falsch verstehen, als Selbständiger und Saarländer bin ich kein politisch Linker, wenn gleich ich den marxistischen Thesen etwas positives Abverlangen kann.

Ich danke allen Lesern und Beteiligten vielmals für den bisherigen Diskus.
und wünsche
vom Guten nur das Beste
Th. Hahn

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Zeit zum Handeln!

Beitrag von Lutz Barth » 09.07.2009, 11:20

Nun - wie nicht anders zu erwarten, hat hier der Thread an Fahrt aufgenommen und wenn ich aufrichtig bin, ist mir die Auffassung von ThomasH nicht unsympathisch.

Es geht eben nicht um "Pauschalkritik" in dem Sinne, dass Berufsstände diskreditiert werden und mit Verlaub - es bedarf insoweit nicht einer intensiven Prüfung, ob die Studie repräsentativ ist. Nehmen wir diese Studie zu den bisher erstellten Studien, Prüfberichten etc., so reicht dieser "Befund" aus, um von Defiziten sprechen zu können. Abermals mit Verlaub: Die Sorgfaltspflichten sind nicht (!!!) an dem ethischen Minimum auszurichten - mal ganz abgesehen davon, dass im Rahmen der "Defizite" nicht selten Körperverletzungstatbestände begangen werden, die hinzunehmen nicht tolerabel sind. Es sind auch handwerkliche Defizite zu beklagen und die gehören in erster Linie abgestellt. Ein Intoxikationspsychose ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass hier jemand nicht die Grundsätze einer ordentlichen Pharmakotherapie beherrscht; eine bedenkliche Mangelernährung muss ebenso nicht sein wie die graduelle Entwicklung eines Dekubitus (mag auch ein solcher nicht immer vermeidbar sein).

Wo sind die "Engel der Alten" mit ihren Netzwerken geblieben, um einen entsprechenden Widerstand zu organisieren? Die Charta bleibt solange Makulatur, wie nicht Selbstverständlichkeiten in den Pflegealltag Einzug halten, aufgrund derer jedenfalls handwerklich lege artis gepflegt wird.

Wohl war: Genug der Worte, Taten müssen her und da nützt uns nichts, erneut vor "Pauschalkritik" zu warnen, irgendwelche Plausibilitätskontrollen vornehmen zu wollen. Fakt ist: Leichte Verbesserungen sind feststellbar, aber trotzdem ist das Problem einer gefährlichen (weil auch in einigen Fällen handwerklich nicht beherrschte) Pflege, Mangelernährungszustände etc. virulent.

Jahr für Jahr lesen wir Berichte und da hilft es mittlerweile nicht weiter, an "strukturelle Defizite" erinnern zu wollen.

Herr Fröhlich-Rockmann hat recht: Wir sollten uns schämen, wie wir in unserer Gesellschaft mit unserer älteren Generation umgehen. Die Freiheit und die Würde (auch wenn ich mit diesem normativen Verfassungsbegriff sehr behutsam umgehe) unserer Bewohner wird nicht am Hindukusch, nicht durch "Piratenjagd" und noch weniger durch das Unvermögen bundesdeutscher Politiker im Umgang mit den Steuergeldern abgesichert! Unser gesellschaftlicher Beitrag in einer globalisierten Welt ist begrüßenswert, aber letztlich nicht um den Preis, dass unsere ältere Bevölkerung hierzulande Risiken ausgesetzt wird, die einer permanenten Fehlallokation geschuldet sind. Irgendwelche Staaten führen Krieg und wir leisten Aufbauhilfe; Großkonzerne brauchen Schutz um ihrer Container-Schiffe wegen, unsere Bundesmarine schippert irgendwo auf und ab in der Golf-Region - mit anderen Worten: aberwitzige Millionen werden versenkt, aber unsere Bewohner sind mangelernährt, zigtausende Kinder leben am Existenzminimum ...usw. usw.

Also ... mir platzt hier wirklich der Kragen. Unerträglich, die Borniertheit unserer Eliten, die sich aufschwingen, in wohlgesetzten Worten eine Charta zu verabschieden, die nicht mehr als "Opium" für die ältere Generation ist.

Wo bleibt die tugendethische Haltung unserer Ärzteschaft? Die ärztliche Fachversorgung ist nicht minder bedenklich in stationären Einrichtungen und "selbstverständlich" ist dies zu beklagen, aber es "fehlt eben auch an der auskömmlichen Vergütung".

In der Tat: Reduzieren wir das Thema auf das, was es eigentlich ist: Monetik statt Ethik und ich kann mittlerweile das "Gesülze" über das nachhaltige Bemühen einer "menschenwürdige Pflege" nicht mehr hören, geschweige denn lesen.

Staatstragende Worte - "wir müssen das System ändern" helfen nicht weiter - tuen müssen wir es. Neben zivilgesellschaftlichem Engagement ist vor allem ziviler Ungehorsam gefordert und dies gelingt nur, wenn die breite Masse mobilisiert wird! Unsere Energie richten wir darauf, mit Macht "Pflegekammern" organisieren zu wollen, ohne zu erkennen, dass damit wir uns ein stückweit der Mobiltät und privater Gestaltungsmacht begeben oder glauben wir ernsthaft, dass eine Körperschaft öffentlichen Rechts mit seinen verfassten Mitglieder "streiken" wird? Wo sind die hundertausend Pflegekräfte, die sich schon nach Prognosen eines DPR-Mitglieds vor Jahren registieren lassen wollten (u.a. wegen der Fortbildung!), denn die Berufsverbände stellen uns ja dadurch in Aussicht, besonders qualifiziert zu sein?

Lippenbekenntnisse ... und da fällt es zunehmend schwerer, an konkrete Taten zu glauben.

Also...nehmen wir es weiter gelassen hin: ein G8-Staat ist offensichtlich nicht in der Lage, ausreichend Sorge für seine Älteren zu tragen und da scheint mir denn auch ein selbstbestimmtes Sterben weitaus sinnvoller zu sein, als darauf zu hoffen, dass sich etwas ändern wird! Freilich nicht um der "Last anderer willen", sondern um meiner Selbstachtung willen.

Der "gesellschaftliche Druck" lastet ohnehin auf uns allen und insofern wäre es dann auch konsequent, sich irgendwann einmal aus dieser doch so sehr nach dem Prinzip der Würde ausgerichteten Gesellschaft zu verabschieden, in der eine zahnärztliche Therapie im Pflegeheim zu einem Luxusgut geworden ist. Sarkastisch könnte man/frau allerdings meinen: Kommt es auf eine angemessene Prothetik überhaupt an, wenn diese (mal von der Kausalität abgesehen) an Mangelernährung leiden und gute Chancen haben, demnächst einen natürlichen Tod zu sterben?

An guten Worten wird es uns sicherlich nicht ermangeln und vielleicht hilft hier und da ein Gebet weiter: immerhin gab es ja schon einmal die "Speisung der 5000" und was ist das Leid der Bewohner schon gegenüber dem Leid, der für uns sein "Blut" gegeben hat?

Mann oh Mann...
Wir vertreten nicht immer die herrschende Lehre!

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