Transparenzkriterien - Was ist zu tun, wie geht es weiter?

Gesundheitswesen, Krankenhaus- und Heimwesen, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Arzneimittel- und Lebensmittelwesen, Infektionsschutzrecht, Sozialrecht (z.B. Krankenversicherung, Pflegeversicherung) einschl. Sozialhilfe und private Versorgung

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Pflegenoten - Fehlentwicklungen in der Pflege

Beitrag von Presse » 14.07.2010, 08:08

KDA warnt vor Fehlentwicklungen in der Pflege
Pflegenoten fördern Wettbewerb und Verbrauchervertrauen


Köln (KDA) 13.7.2010 - Das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) hat an die Verhandlungspartner appelliert, an dem Bewertungssystem für ambulante Pflegedienste und stationäre Pflegeeinrichtungen durch Pflegenoten unbedingt festzuhalten. „Allerdings müssen die Pflege-Transparenzkriterien weiterentwickelt werden, da sonst eine Fehlentwicklung in der Pflege droht“, warnt der Geschäftsführer des KDA Dr. Peter Michell-Auli.

Mit dem System der Pflegenoten wurde ein Meilenstein für den Verbraucherschutz gelegt, denn die Bürgerinnen und Bürger erhalten für ihre Entscheidung wichtige und unabhängige Informationen über das Leistungsangebot, die Qualität und den Service von Anbietern. „Die Transparenzkritieren, -berichte und Pflegenoten werden allerdings derzeit hauptsächlich noch unter dem Aspekt der Informationsgewinnung für die Bürger diskutiert“, resümierte Michell-Auli auf der KDA-Tagung zur Weiterentwicklung des Prüf- und Bewertungssystems am 1. Juli 2010 in Köln. „Vergessen wird dabei, dass das System auch erhebliche Steuerungswirkung und Chancen für die Anbieter entfaltet: Die Leistungserbringer müssen die Qualität ihrer Arbeit an den Transparenzberichten messen lassen und versuchen diese deshalb umzusetzen. Damit bekommt man in Deutschland die Pflege, die in den Kriterien beschrieben wird. Deshalb ist es wichtig bei der Weiterentwicklung der Kriterien, die Pflege zu beschreiben, die gesellschaftlich gewollt ist."

Kriterien und MDK-Prüfanleitung aus Verbrauchersicht überarbeiten
Die Vereinbarungspartner der Selbstverwaltung haben zur Umsetzung der Pflegenoten festgelegt, das System der Transparenzberichte und -kriterien zu evaluieren sowie den Weiterentwicklungsbedarf zu bestimmen und bis zum 31.12.2010 umzusetzen. Bei der Weiterentwicklung der Transparenzkriterien plädiert Michell-Auli dafür, die Selbstbestimmung der Pflegebedürftigen zum zentralen Ausgangspunkt zu machen. „Es ist sicherzustellen, dass die Transparenzkriterien die Wünsche und Zielvorstellungen der Pflegebedürftigen abbilden! Die Umsetzung der persönlichen Bedürfnisse und Ansprüche wäre dann der Prüfauftrag. Hierfür müssten die Kriterien teilweise umformuliert, die Prüfanleitung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) überarbeitet und in Folge die MDK-Prüfer/innen intensiv geschult werden.“

Ein Beispiel: Das Kriterium „Ist der Gesamteindruck der Einrichtung im Hinblick auf Sauberkeit und Hygiene gut?“ wird zwar dahingehend durch die Prüfanleitung ergänzt, dass „die Würde und Privatsphäre des Menschen gewahrt bleibt.“ Unbeantwortet bleibt jedoch, ob das Kriterium Sauberkeit dann in den Hintergrund treten muss, wenn einer Bewohnerin oder einem Bewohner einmal seine Privatsphäre wichtiger ist und sie bzw. er nicht möchte, dass sein Raum zu dem vorgegebenen Zeitpunkt geputzt werden soll. Und gänzlich unberücksichtigt lässt das Kriterium, ob der Betroffene grundsätzlich andere, geringere Ansprüche an Ordnung und Sauberkeit hat, sich aber gerade dann besonders geborgen und heimisch fühlt. Die Gefahr ist somit, dass das Kriterium Maßnahmen – auch gegen den ausdrücklichen Wunsch der Bewohner – vom Leistungserbringer erzwingt, der sich hier zweifellos in einem großen Zwiespalt befindet. Zum einen, es doch „allen recht machen zu wollen“ – nämlich bei der Benotung gut abzuschneiden. Und zum anderen, den ja verständlichen Wünschen und Bedürfnissen der Bewohner nicht entsprechen zu können. „Die strikte Umsetzung der Kriterien, ohne dabei zu berücksichtigen, was eigentlich der Wunsch der Bewohner ist – ist in der Praxis sehr häufig festzustellen. Gleichwohl muss aber vermieden werden, dass unter dem Deckmantel der Autonomie verletzliche Menschen nicht mehr optimal versorgt werden“, unterstreicht Heiko Rutenkröger, Leiter des Bereichs Pflege, und betont, „dass es deshalb notwendig ist, Pflegeprozesse und die vom Bewohner gewünschten Abweichungen von fachlich gebotenen Standards zu dokumentieren.“

Zusätzliche Kriterien entwickeln
Entscheidende Voraussetzung, um Selbstbestimmung umsetzen zu können, ist die Kommunikationsfähigkeit der Pflegenden. Durch verbale und nonverbale Kommunikation gilt es, die Wünsche der Pflegebedürftigen herauszufinden und beim Entscheidungsprozess notwendiges pflegefachliches Know-how zur Verfügung zu stellen. Das KDA empfiehlt daher, zusätzliche Transparenzkriterien zu erstellen, die auch die Umsetzung von Wünschen und die dazu notwendige Kommunikation abbilden. Bislang wird eine aktive Kommunikation mit den Mitarbeitenden der stationären Pflegeeinrichtung nicht abgefragt, ebenso wenig, ob mit den Pflegebedürftigen systematisch Ziele entwickelt und umgesetzt werden. Im Qualitätsbereich 1 „Pflegerische Leistungen“ für ambulante Pflegedienste sollen immerhin „die individuellen Wünsche zur Körperpflege im Rahmen der vereinbarten Leistungserbringung berücksichtigt“ werden.

Kundenbefragung mehr für die Qualitätsentwicklung nutzen
Um die Kundenperspektive weiter zu stärken, sollte die Kundenbefragung selbst aus den Transparenzkriterien herausgenommen werden. Stattdessen könnte Leistungserbringern verbindlich vorgeschrieben werden, Kundenbefragungen durch Personen durchführen zu lassen, die nicht an der Versorgung des Pflegebedürftigen beteiligt sind. Durch den MDK würde dann geprüft werden, ob der Leistungserbringer Ergebnisse aus der Kundenbefragung zur Qualitätsentwicklung in der eigenen Organisation genutzt hat.

Höhere Motivation bei Pflegenden
Christine Sowinski, die Leiterin des Bereichs Beratung im KDA, weist darauf hin, dass eine Überarbeitung des Systems dazu führen wird, dass Leistungserbringer und Pflegende ihre Tätigkeit wieder bewusster, engagierter und zufriedener wahrnehmen. Einer guten Kommunikationsfähigkeit und entsprechendem Training für Pflegekräfte kommt damit in Zukunft eine Schlüsselrolle zu, die bereits in zahlreichen Studien erfolgreich untersucht wurde. „Wenn die Pflegenden in die Lage versetzt werden, ihre berufsethische Motivation optimaler umzusetzen, und nicht die Gefahr besteht, Fachlichkeit im Sinne von pflegefachlichem Wissen und subjektive Bedürfnisse der älteren Menschen trennen zu müssen, ist dies auch ein entscheidender Schritt, mehr Menschen für die Pflege zu begeistern, und so dem Fachkräftemangel entgegenzutreten“, so Sowinski weiter.

Gesamtkonzept mittelfristig erarbeiten
Das KDA regt an, das Gesamtkonzept der Prüfkriterien mittelfristig zu überarbeiten und Prüfkriterien komplett aus der Verbraucher- bzw. Nutzersicht zu entwickeln. Unterschiedliche Studien belegen, dass Themenbereiche wie zum Beispiel dem „Leben einen Sinn zu geben“ oder Sicherheit und Selbstverwirklichung älteren Menschen wichtig sind, um ein „gutes Leben zu führen“. Diese Themen sind derzeit jedoch nicht in den Kriterien abgebildet. Im Rahmen des KDA-BMG-Leuchtturmprojektes „Potenziale in Haus- und Wohngemeinschaften mit Hilfe von Benchmarking“ wurde beispielsweise bei hauswirtschaftlichen Tätigkeiten wie Mitarbeit beim Zimmerreinigen, Mahlzeiten vorbereiten oder bei spirituellen Aktivitäten die höchsten Werte für Wohlbefinden beobachtet.

Eine Tagungsdokumentation zur KDA-Fachtagung „Transparenzkriterien – Was ist zu tun, wie geht es weiter?“ mit den Präsentationen der Referenten finden Sie unter http://www.kda.de/tagungsarchiv.

Hintergrund Transparenzkritieren und Pflegenoten
Im Rahmen des Pflege-Weiterentwicklungsgesetzes werden Pflegeeinrichtungen und -dienste vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) geprüft und bewertet. Die Ergebnisse werden seit Dezember 2009 in Form von Transparenzberichten und Pflegenoten im Internet veröffentlicht. Die Pflege-Transparenzvereinbarungen gehen auf eine Vereinbarung des GKV-Spitzenverbandes mit den Leistungserbringern, den Trägern der Sozialhilfe und der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände zurück. Bislang sind 6931 Transparenzberichte veröffentlicht (Stand 5. Juli 2010).

Hintergrund KDA
Das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) setzt sich seit 1962 für die Lebensqualität und Selbstbestimmung älterer Menschen ein. Unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten führen unabhängige Experten Projekte und Studien durch.Das KDA berät Ministerien, Kommunen, Unternehmen, Sozialverbände, Leistungserbringer, wie Heimträger und ambulante Dienste, bietet Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen für Führungs- und Fachkräfte an und informiert die breite Öffentlichkeit mit seinem Fachmagazin ProAlter sowie durch Tagungen und Publikationen.

Quelle: Pressemitteilungen - am 13. Jul 2010
Weitere Informationen:
Pressestelle im KDA
Tel.: (0221) 931847-10
Mail: presse@kda.de

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Pflegenoten - ohne Alternativen ?

Beitrag von Presse » 21.07.2010, 12:28

Keine Alternative zum System der Pflegenoten
Wissenschaftlicher Bericht zu den Pflegenoten liegt vor


Berlin (ots) - Mit Einführung der Noten für Pflegeeinrichtungen hatten der Spitzenverband der Pflegekassen, die Sozialhilfeträger und die Verbände der Pflegeeinrichtungen deren wissenschaftliche Überprüfung vereinbart. Jetzt liegt dieser Evaluationsbericht zur Auswertung des Systems der Pflegenoten vor. Die zentrale Botschaft sowohl der Wissenschaftlerinnen als auch des eingesetzten Beirates lautet: Derzeit gibt es weder nationale noch internationale Erkenntnisse zu Transparenzsystemen, die sich kurzfristig als Alternative zu den Pflegenoten anbieten. Wenn sich Verbraucher über die Leistungsqualität von Heimen und Pflegediensten verständlich, übersichtlich sowie vergleichbar informieren wollen, bieten die Pflegenoten - ungeachtet ihres Überarbeitungsbedarfs - eine gute Orientierung.

Dieser breite Konsens wird über den Beirat von den Bundesländern, Verbraucherschutzorganisationen, dem Bundesgesundheitsministerium sowie den Spitzenverbänden der Pflegekassen, den Verbänden der Pflegeeinrichtungen als auch weiteren unabhängigen Wissenschaftlern getragen. "Der Bericht bestätigt das bestehende System und belegt, dass es Optimierungsbedarf gibt. Klar wird auch, dass es richtig war, das System fundiert prüfen zu lassen und vorschnellen Änderungsbegehren zu widerstehen. Dem Anliegen, das System der Pflegenoten einseitig abzuwerten, erteilt das Ergebnis eine klare Absage", sagt Bernd Meurer. Der Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) versteht die Empfehlungen der Wissenschaftlerinnen als eine konstruktive Grundlage für die Weiterentwicklung der Transparenzvereinbarungen. "Wir werden unverzüglich - mit dem nötigen Augenmaß - Verhandlungen über die Empfehlungen der Wissenschaftlerinnen und des Beirates aufnehmen. Parallel müssen wesentliche Grundlagen erarbeitet werden, um die Prüfung der Ergebnisqualität, also das, was bei den Pflegebedürftigen ankommt, voranzutreiben. Die Kundenbefragung bleibt unverzichtbar und die Darstellung der Noten soll weiterentwickelt werden. Der Verzicht auf die Gesamtnote, um die Aufrechnung von Einzelnoten zu verhindern, wird zu erörtern sein", so Meurer.

Der bpa erinnert daran, dass es Auftrag des Gesetzgebers war und ist, das Ergebnis der Pflege darzustellen. Auftrag des Gesetzgebers war es nicht, einem System Vorschub zu leisten, welches die Zeit für die praktische Pflege und Betreuung weiter reduziert, um zusätzlichen und verzichtbaren Dokumentationsanforderungen den Weg zu bereiten. "Absoluten Vorrang haben die pflegebedürftigen Menschen. Pflegekräfte sollen genau das dokumentieren, was notwendig ist für eine gute Pflege und Betreuung. Unsere Forderung, dass die Dokumentation nicht überhandnehmen darf und der Pflegezustand und die Zufriedenheit der pflegebedürftigen Menschen im Vordergrund stehen müssen, wird durch den Bericht eindrucksvoll bestätigt", so Bernd Meurer.

Der bpa-Präsident rät allen, die auf der Suche nach einem passenden, qualitativ hochwertigen Pflegeangebot für sich selbst oder für einen pflegebedürftigen Angehörigen sind: "Richten Sie den Blick nicht nur auf die Gesamtnote. Weit aussagekräftiger für den individuellen Pflege- und Betreuungsbedarf sind die Einzelbenotungen der unterschiedlichen Leistungsbereiche." Und weiter: "Gehen Sie in die Einrichtungen, machen Sie sich selbst ein Bild von der Situation vor Ort, und reden Sie mit den dort ein- und ausgehenden Menschen."

Der Evaluationsbericht sowie die Empfehlungen des Beirats können von der Homepage des bpa unter http://www.bpa.de heruntergeladen werden.

Quelle: Pressemitteilung vom 21.07.2010
Für Rückfragen:
Bernd Tews, Herbert Mauel, 030 / 30 87 88 60.

Gaby Modig
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Schulnoten für Heime - zur Zeit eine Farce

Beitrag von Gaby Modig » 22.07.2010, 07:05

Schulnoten für Heime ohne Alternative ?

Nach Medienberichten sehen GKV-Spitzenverband, kommunale Spitzenverbände und die Träger der Pflegeeinrichtungen zu Pflegenoten "keine kurzfristig realisierbare Alternative". Dabei wird auf die Evaluation zweier externer Institute verwiesen.

Tatsache ist aber, dass die Transparenzvereinbarungen und die Bewertungskriterien "hinten und vorne" nicht stimmig sind. So können Heime gut beurteilt werden, auch dann, wenn es dort schwere Mängel gibt. Die Regelungen verdeutlichen nicht die wirkliche Ergebnisqualität. Die Pflegemängel in Mönchengladbach belegen das eindrucksvoll. Dort gab es erst kürzlich eine MDK-Prüfung mit einem guten Ergebnis. Die tatsächliche Situation ist aber eine ganz andere:
viewtopic.php?t=14377
Die Vorschriften betr. Pflegenoten müssen radikal verändert werden. Vor allem dürfen nicht allein die Krankenkassen und Heimträger über die Gestaltung des Prüfsystems entscheiden.

Gaby
Pflegesystem verbessern - weg von der Minutenpflege. Mehr Pflegepersonal ist vonnöten!

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Pflegenoten für Altenheime - Bericht vorgelegt

Beitrag von Service » 25.07.2010, 16:07

Vorgestellt: Erster wissenschaftlicher Bericht zu umstrittenen Pflegenoten fuer Altenheime

Berlin / Hamburg (ALfA). Derzeit gibt es zu den umstrittenen Pflegenoten fuer Heime und ambulante Pflegedienste keine kurzfristig realisierbare Alternative. Sie seien fuer den Verbraucher "eine gute Orientierung" ueber die Leistungsqualitaet von Heimen und Pflegediensten. Dies geht aus einem nun vorliegenden 332-seitigen wissenschaftlichen Bericht hervor, der am 21. Juli vorgestellt wurde.

Seit dem vergangenen Jahr gibt es fuer die rund 22.000 Pflegeeinrichtungen in Deutschland ein einheitliches Bewertungssystem, sogenannte "Pflegenote", die durch einen "Pflege-TUEV" erstellt werden. Dieses Benotungssystem wurde im Zuge der Pflegereform eingefuehrt und soll fuer mehr Transparenz und Vergleichbarkeit bei der Qualitaet in den Heimen und bei den ambulanten Pflegediensten sorgen. Die Ueberpruefung der Haeuser begann im Juli 2009, erste Ergebnisse wurden bereits Mitte Oktober vorgestellt (siehe ALfA-Newsletter 39/09 vom 10.10.2009). Dabei wurden zum Teil gravierende Maengel in der Pflege festgestellt. Dennoch erhielten in der Gesamtnote 70 Prozent der bis dahin geprueften Einrichtungen eine sehr gute bis gute Bewertung. Kritiker sahen ihre Befuerchtungen bestaetigt und stellten das Bewertungssystem in Frage, da es ein verzehrtes Ergebnis der wirklichen Zustaende liefere. Sie forderten daher, das Benotungssystem zu ueberarbeiten bzw. wieder abzuschaffen.

Der nun vorgelegte wissenschaftliche Abschlussbericht der Evaluation von Frau Prof. Dr. Martina Hasseler, Hochschule fuer Angewandte Wissenschaften in Hamburg, und Frau Prof. Dr. Karin Wolf-Ostermann, Alice-Salomon-Hochschule Berlin, enthaelt wesentliche Hinweise fuer die Anwendung sowie fuer die Weiterentwicklung der Vereinbarungen zu den Pflegenoten. "Der Bericht zeigt, dass weder national noch international wissenschaftliche Erkenntnisse zu Transparenzsystemen vorliegen, die sich als kurzfristig realisierbare Alternative zu den Pflege-Transparenzvereinbarungen anbieten. Deshalb gibt es ungeachtet des Ueberarbeitungsbedarfs ... derzeit keine Alternative", so der Beirat und die Wissenschaftlerinnen zur Evaluation der Pflege-Transparenzvereinbarungen. Im Beirat sind u. a. unabhaengige Wissenschaftler, Verbraucherschuetzer, Bundes- und Landesministerien sowie der Deutsche Pflegerat vertreten.

Bericht als konstruktive Grundlage fuer Weiterentwicklung der Pflegenoten

Die Empfehlungen der Wissenschaftlerinnen seien "eine konstruktive Grundlage" fuer die Weiterentwicklung der Transparenzvereinbarungen. Vor diesem Hintergrund raet der Beirat den Vereinbarungspartnern, die Empfehlungen der Wissenschaftlerinnen schrittweise umzusetzen. Wegen der Komplexitaet erfolge die Umsetzung in kurz-, mittel- und langfristigen Entwicklungsschritten. Kurzfristig soll z. B. sichergestellt werden, dass immer eine ausreichende Anzahl Pflegebeduerftiger in die Pruefung einbezogen wird. Mittelfristig soll beispielsweise auf Basis der zu erwartenden wissenschaftlichen Erkenntnisse die Bewohner- und Kundenzufriedenheit genauer abgebildet werden. Da national und international uebertragbare wissenschaftliche Grundlagen fehlen, sei auch ein langfristiger Weiterentwicklungsprozess erforderlich.

Gernot Kiefer, Vorstand des GKV-Spitzenverbandes nannte das Gutachten ein "gutes Signal fuer die Transparenz in der Pflegequalitaet". Der mit den Pflegenoten eingeschlagene Weg sei der richtige. Er begruesste insbesondere die Empfehlung der Wissenschaftlerinnen, dass kurzfristig beruecksichtigt werden soll, Risikokriterien in die Berechnungssystematik einzubeziehen. "Denn fuer uns steht fest: Im Sinne der Pflegebeduerftigen brauchen wir jetzt eine staerkere Gewichtung von besonders pflegerelevanten Bereichen wie etwa Fluessigkeitsversorgung, Ernaehrungszustand und Vermeidung von Druckgeschwueren bei der Bereichs- und Gesamtnote", so Kiefer.

Weitere Informationen:

Wissenschaftliche Evaluation der sogenannten "Pflegenoten": Bericht inkl. Empfehlungen des Beirates
veroeffentlicht am 21.07.2010
http://www.pflegenoten.de/Wissenschaftl ... ion.gkvnet

Erste Pflegenoten fuer Heime: Gravierende Maengel in der Pflege und fragwuerdige Bewertungen
ALfA-Newsletter 39/09 vom 10.10.2009
http://www.alfa-ev.de/aktuelles/archiv- ... 9ffa431a61

Quelle: Mitteilung vom 25.07.2010
Aktion Lebensrecht fuer Alle (ALfA) e.V.
Geschaeftsstelle Augsburg:
Ottmarsgaesschen 8
D-86152 Augsburg
Telefon: 08 21 / 51 20 31
Telefax: 08 21 - 15 64 07
E-Mail: bgs@alfa-ev.de
Internet: http://www.alfa-ev.de

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Transparenzberichte für Pflegeheime - Lesehilfe

Beitrag von Presse » 27.07.2010, 08:12

Lesehilfe zu Transparenzberichten für Pflegeheime
Erarbeitung durch das Gesundheitsforum Baden-Württemberg

Sozialministerin Dr. Monika Stolz:
„Pflege gehört zu den wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben“

26.07.2010„Die Pflege gehört zu den wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben. Pflege ist Ausdruck für Achtung, Respekt und Solidarität gegenüber Menschen, die ihr Leben aus eigener Kraft nicht mehr bewältigen können und deshalb auf Hilfe angewiesen sind“, gab Sozialministerin Dr. Monika Stolz am Montag (26.7.) zu bedenken. Die Ministerin stellte fest: „Immer mehr Familien werden mit dem Problem konfrontiert werden, einen Pflegefall versorgen und die damit einhergehenden, schwierigen Entscheidungen treffen zu müssen.“
Da falle die Auswahl eines Pflegeheimes oft nicht leicht. Noch dazu, wenn – wie in Baden-Württemberg – die Pflegeheime im Bundesdurchschnitt die besten Noten erhalten haben. „Interessierte finden nun auf der Internetseite des Gesundheitsforums Baden-Württemberg eine Lesehilfe zu den Transparenzberichten für Pflegeheime“, sagte Stolz. Die Lesehilfe wurde von der Arbeitsgemeinschaft (AG) Qualitätssicherung des Gesundheitsforums Baden-Württemberg erarbeitet. Die AG Qualitätssicherung hat sich das Ziel gesetzt, das Qualitätsbewusstsein bei allen im Gesundheitswesen tätigen Akteuren aktiv zu unterstützten und die Qualität der Versorgungsleistungen transparenter zu machen.

„Alles was zur Transparenz und Qualität in Pflegeheimen beiträgt ist vom Grundsatz zu begrüßen“, sagte Stolz. Sie hält aber an ihrem Votum zur Verbesserung des Pflege-Tüv fest. Schließlich werde mit der Methode nur geprüft, ob bestimmte Vorschriften eingehalten werden beziehungsweise bestimmte Angebote vorliegen. „Wenn man hier mit „ja“ oder „nein“ antworten kann, gibt dies noch keinen Aufschluss über die Qualität einer Leistung“, so die Ministerin, die sich dafür einsetzt, dass der Pflege-TÜV auf der Grundlage einer Evaluation weiter verbessert werden soll. Dieses Ziel verfolgt das Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familien und Senioren mit einer entsprechenden Bundesratsinitiative.

„In der Übergangszeit – bis das Verfahren zur Evaluation und Anpassung des Pflege-TÜV abgeschlossen ist – soll die Lesehilfe die Suche nach einem geeigneten Heim erleichtern“, erläuterte die Ministerin. Sie richte sich an Menschen in Baden-Württemberg, die für sich oder für ihre pflegebedürftigen Angehörigen in absehbarer Zeit ein Pflegeheim suchen, in dem sie beziehungsweise die pflegebedürftigen Angehörigen fach- und sachgerecht, aber auch nach ihren individuellen Wünschen und Erfordernissen gepflegt und versorgt werden können. Sie hilft zentrale Fragen beispielsweise der Ernährung und Flüssigkeitsversorgung oder der Vorbeugung von Wundliegegeschwüren zu beantworten und trägt zum besseren Verständnis der inneren Zusammenhänge eines Pflegeheimes bei.

Hinweis für die Redaktionen:
Die Lesehilfe ist unter folgendem Link zu finden: http://www.gesundheitsforum-bw.de/servl ... OT=1118913

Quelle: Pressemitteilung vom 26.07.2010
Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familien und Senioren Baden-Württemberg

Anlagen/Downloads
AG Qualitätssicherung des Gesundheitsforums Baden-Württemberg: Lesehilfe für die Transparenzberichte von Pflegeheimen [PDF, 385.9 KB]
http://www.sm.baden-wuerttemberg.de/fm7 ... heimen.pdf

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Kasse kritisiert begrenzte Aussagekraft der Pflegenoten

Beitrag von Presse » 29.07.2010, 07:28

Kasse kritisiert begrenzte Aussagekraft der Pflegenoten

Die Techniker Krankenkasse (TK) hat die begrenzte Aussagekraft der Pflegenoten für kritisiert. Wie der Leiter der Landesvertretung Baden-Württemberg, Andreas Vogt, in Stuttgart sagte, sei es nicht nachvollziehbar, dass Heime, die bei wichtigen Kriterien die Note drei oder schlechter erhalten hätten, dennoch im Bereich „Pflege und medizinische Versorgung“ mit der Note gut bewertet würden. „Die veröffentlichten Ergebnisse müssen die vorgefundene Realität widerspiegeln“, sagte Vogt.
In Baden-Württemberg haben nach Angaben der TK beinahe alle der überprüften Pflegeheime die Gesamtnote „sehr gut“ oder „gut“ erhalten. Dennoch seien bei der Auswertung der Transparenzberichte und der Einzelnoten Defizite sichtbar geworden, etwa im Umgang mit geistig verwirrten Heimbewohnern und der Dekubitusprophylaxe. Hinsichtlich des letzteren Kriteriums hätte in einigen Landkreisen gar jedes dritte Heim nur die Note vier oder schlechter erhalten. „Im Interesse der Heimbewohner sind hier dringend Verbesserungen notwendig“, mahnte Vogt.

Insgesamt zeige die Auswertung der TK aber vor allem, dass die Gesamtnoten des sogenannten Pflege-TÜVs nur eine sehr begrenzte Aussagekraft hätten. Vogt empfahl Pflegebedürftigen und Angehörigen darum, bei der Suche nach einem Heim auf die im Internet veröffentlichten Detailergebnisse zu schauen. Auch Einzelgespräche mit den Heimen und Besuche vor Ort hält er für sinnvoll.

Bei der Weiterentwicklung der Pflegenoten und Transparenzberichte fordert Vogt die stärkere Orientierung des Bewertungssystems an den Interessen der Pflegebedürftigen und Angehörigen sowie die stärkere Gewichtung der personenbezogenen Kriterien und die bessere Abbildung in der Endnote.

Quelle: Pressemitteilung vom 28.07.2010
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E-Mail: info@bibliomed.de

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Pflegenoten: Misstrauen statt Transparenz

Beitrag von Presse » 04.08.2010, 12:48

Pflegenoten: Misstrauen statt Transparenz
Caritas kritisiert Verunsicherung der Bewohner und Eingriff in Intimsphäre/Gutachten sieht Verfahren als ungeeignet an

Münster (cpm). Durch den jetzt veröffentlichten Abschlussbericht zur Bewertung der bisherigen Ergebnisse der Pflegetransparenzvereinbarung sieht sich die Caritas in der Diözese Münster in ihrer Kritik an den "Pflegenoten" bestätigt. Die Prüfungen hätten die Beitragszahler zwar schon Millionen gekostet, seien aber ungeeignet für einen tatsächlichen Vergleich der Pflegequalität. "Mehr Misstrauen statt Transparenz" sieht Anne Marx im Diözesancaritasverband Münster als Resultat. Darüber hinaus würden die Bewohner der Altenheime durch die Prüfungen verunsichert und in ihre Intimsphäre eingegriffen.

Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann befürwortet im Grundsatz Transparenz über die tatsächliche Qualität der Pflege, aber "wir brauchen eine grundlegend andere Methode und nicht nur kleine Nachbesserungen des jetzigen Verfahrens, um ein realistisches Bild der Qualität zu erhalten, an dem sich Bewohner, Patienten und Angehörige orientieren können". Nach wie vor sei es am sinnvollsten, sich in persönlichen Besuchen und Gesprächen ein Bild zu machen bei der Suche nach dem geeigneten Altenheim oder Pflegedienst.

Bereits im April dieses Jahres hatte eine gutachterliche Stellungnahme erwiesen, dass die Note für eine Einrichtung weder die Lebensqualität noch die pflegerische Versorgung tatsächlich abbilden kann, so Marx. Bestätigt werde dies jetzt durch den wissenschaftlichen Abschlussbericht. Er führe "eindeutig" aus, dass "die grundlegenden Gütekriterien nicht erfüllt sind." Tatsächlich werde die Betreuungs- und Versorgungsqualität in mehreren Dimensionen nicht gemessen, was Ziel gewesen sei. Entsprechend könnten auch die Angehörigen durch die Pflegenoten nicht den geeigneten Heimplatz finden und "die schwarzen Schafe der Branche herausgefiltert werden", sagt die Caritas-Mitarbeiterin.

Quelle: Pressemitteilung 85/2010 vom 4. August 2010
für die Diözese Münster e.V.
Kardinal-von-Galen-Ring 45
48149 Münster
Deutschland
Tel.: +49(0)251/8901-0
http://www.caritas-muenster.de/
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Pflege-Transparenzvereinbarungen (PTV)

Beitrag von Presse » 18.08.2010, 10:22

Eklat in Berlin: Verbände verlassen Verhandlungen zur Überarbeitung der PTV

Berlin. Die Verhandlungen um die Änderungen der Pflege-Transparenzvereinbarungen (PTV) geraten zunehmend ins Stocken: Die Leistungserbringerverbände VDAB, ABVP und B.A.H. haben die gestrige Plenumssitzung in Berlin vorzeitig verlassen, weil ein von ihnen vorgelegter Antrag auf grundsätzliche Überarbeitung der PTV ignoriert wurde.
Auf Grundlage des Abschlussberichts der Evaluation (CAREkonkret berichtete) haben die Verbände der Pflege-Selbstverwaltung einen Antrag auf grundsätzliche Überarbeitung der Pflege-Transparenzvereinbarungen vorgelegt und um einen deutlichen Einbezug wissenschaftlicher Erkenntnisse geworben. Verhindert werden soll so, dass die vom wissenschaftlichen Beirat empfohlenen kurzfristigen Änderungen umgesetzt werden. Die Mehrheit der Leistungserbringerverbände verweigerte nach den Worten der drei Verbände jedoch gemeinsam mit den Kostenträgern in der gestrigen Plenumssitzung in Berlin die Abstimmung über diesen Antrag.
B.A.H.-Bundesgeschäftsführer Frank Twardowsky: "Fakt bleibt: Eine kurzfristige Überarbeitung, welche nicht den Einbezug der neuen Erkenntnisse erlaubt, nützt weder Einrichtungen noch Verbrauchern. Sie bildet vielmehr den Einstieg in das ständige Nachrüsten von Kriterien, das Verbrauchern und Einrichtungen keine Verlässlichkeit bietet. Die Glaubwürdigkeit der Bewertungen wird dadurch nicht gesteigert."

Mehr zum Thema in den Printausgaben von CAREkonkret.

Quelle: Pressemitteilung vom 18.08.2010
Vincentz Network, Hannover, http://www.vincentz.net

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Pflegetransparenzvereinbarungen ...

Beitrag von Presse » 19.08.2010, 07:12

Pflegetransparenzvereinbarungen: Keine verlässlichen Bewertungen in Aussicht
Pressemitteilung | 18. August 2010
Gemeinsame Pressemitteilung VDAB, ABVP und B.A.H.


Auf Grundlage des Abschlussberichts der Evaluation haben die Verbände ABVP, B.A.H. und VDAB der Pflege-Selbstverwaltung einen Antrag auf grundsätzliche Überarbeitung der Pflege-Transparenzvereinbarungen vorgelegt und um einen deutlichen Einbezug wissenschaftlicher Erkenntnisse geworben.

Die Mehrheit der Leistungserbringerverbände verweigerte gemeinsam mit den Kostenträgern in der gestrigen Plenumssitzung in Berlin die Abstimmung über diesen Antrag. Unter Protest haben daraufhin die Antrag stellenden Verbände die Sitzung verlassen.

B.A.H.-Bundesgeschäftsführer Frank Twardowsky fasst zusammen: „Fakt bleibt: Eine kurzfristige Überarbeitung, welche nicht den Einbezug der neuen Erkenntnisse erlaubt, nützt weder Einrichtungen noch Verbrauchern. Sie bildet vielmehr den Einstieg in das ständige Nachrüsten von Kriterien, das Verbrauchern und Einrichtungen keine Verlässlichkeit bietet. Die Glaubwürdigkeit der Bewertungen wird dadurch nicht gesteigert.“

Die Verbände haben ein Eckpunktepapier zur Überarbeitung der Pflegetransparenzvereinbarungen auf ihren Internetseiten veröffentlicht.

„Die von allen Vertragspartnern angestoßene Überarbeitung der Pflege-Transparenzvereinbarungen eröffnete die Chance für eine grundlegende Novellierung, die wir ergreifen wollten“, so VDAB-Bundesgeschäftsführer Thomas Knieling. „Dies halten wir auf Basis des Abschlussberichts zur Evaluation auch für alternativlos.“ Die Verbände ABVP, B.A.H. und VDAB haben deshalb der Pflege-Selbstverwaltung ihre konkreten Vorstellungen zur weiteren Überarbeitung in einem Antrag vorgelegt. „Die schlichte Weigerung, über die konkreten Vorschläge überhaupt zu entscheiden, ist ein einmaliger Vorgang. Das legt den Schluss nahe, dass an einer grundlegenden Überarbeitung gar kein Interesse besteht“, so Endris Björn Heimer, ABVP-Bundesgeschäftsführer.
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Dokumente
Gemeinsame PM VDAB ABVP B.A.H. - Pflegetransparenzvereinbarungen (47 K, Typ: doc)
http://vdab.de/fileadmin/doks/download/ ... rungen.doc
2010 8 3 Eckpunktepapier der Verbaende ABVP BAH VDAB (23 K, Typ: pdf)
http://vdab.de/fileadmin/doks/download/ ... H_VDAB.pdf

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Pflegenoten - abschaffen oder System korrigieren

Beitrag von Herbert Kunst » 21.08.2010, 07:29

WernerSchell hat geschrieben: .... Im Übrigen geht Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk davon aus, dass eine wirkliche und nachhaltige Verbesserung der Pflege, Betreuung und Versorgung in den Pflegeeinrichtungen nur durch eine umfassende Reform der Pflege-Rahmenbedingungen erreicht werden kann. Dabei müsste vor allem durch eine auskömmliche Ausstattung der Pflegeeinrichtungen mit (Fach)personal gewährleistet werden, dass für die vielfach gewünschte bzw. geforderte Zuwendung deutlich mehr Zeit zur Verfügung steht. Solche Personalausstattungen sollten mittels bundeseinheitlicher Personalbemessungssysteme ermittelt werden.
Mit einem Pflege-TÜV und Schulnoten auf der jetzigen Vorschriftenbasis erhöht man nur den Druck auf die ohnehin durch personelle und organisatorische Unzulänglichkeiten gebeutelten Pflegekräfte und schafft zusammen mit den viel beklagten Arbeitsverdichtungen nur weiteren Frust. Und dies wird die Pflegequalität nicht verbessern, sondern eher verschlechtern! .....
Hallo Herr Schell,
ich hatte in den letzten Wochen auch so einige Erlebnisse, die mir aufzeigten, dass die Schulnoten für Pflegeeinrichtungen, so wie sie im Moment verfasst sind, nichts taugen. Möglicherweise sind sie nur zur Irreführung geeignet. Entweder sollten sie ganz gestrichen werden oder aber, die Vorschriften müssen grundlegend überarbeitet werden.
Wie unsinnig gute Noten sein können, haben Sie ja auch anhand der Mönchengladbacher Pflegemängel deutlich machen können.
Ich bin sehr gespannt, wie es mit dem Schulnotensystem weiter geht.
Gruß
Herbert Kunst
Für menschenwürdige Pflege sind wir alle verantwortlich! - Dazu finde ich immer wieder gute Informationen unter http://www.wernerschell.de

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Pflege-TÜV - Heime im Norden schlecht

Beitrag von Presse » 22.08.2010, 06:48

Pflege-TÜV
Heime im Norden sind weiterhin schlecht

21. August 2010 | Von Margret Kiosz

In Sachen Pflegeheim-Qualität hat Schleswig-Holstein zwar aufgeholt, ist aber immer noch das Schlusslicht der Bundesländer.
Ende 2009 wurden erstmals die Noten des Pflege-TÜVs in Schleswig-Holstein im Internet veröffentlicht. Damals schnitten die Einrichtungen bei der unangemeldeten Prüfung des Medizinischen Dienstes schlecht ab und landeten mit der Durchschnittsnote 3,2 auf dem letzten Platz. ..... (mehr)
http://www.shz.de/nachrichten/schleswig ... lecht.html

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Pflege-TÜV - Pflegenoten sehr unterschiedlich

Beitrag von Herbert Kunst » 22.08.2010, 06:53

Presse hat geschrieben:Pflege-TÜV
Heime im Norden sind weiterhin schlecht
...
Es wird nach meinen Feststellungen seit geraumer Zeit darüber berichtet, dass regional eine völlig unterschiedliche Notengebung stattfindet. Einige südliche Bereiche kommen eher gut weg, der Norden klagt jetzt über schlechte Noten.
Eigentlich ist das alles eine zusätzliche Bestätigung dafür, dass der Pflege-TÜV insgesamt nichts taugt und in seiner jetzigen Forum abgeschafft, zumindest grundlegend verändert, gehört.

H.K.
Für menschenwürdige Pflege sind wir alle verantwortlich! - Dazu finde ich immer wieder gute Informationen unter http://www.wernerschell.de

Presse
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Pflegenoten für unzulässig erklärt

Beitrag von Presse » 25.08.2010, 18:21

Sozialgericht Münster erklärt Pflegenoten für unzulässig
Münster –Das Sozialgericht Münster hat den sogenannten Pflege-TÜV in seiner derzeitigen Form für unzulässig erklärt (AZ: S6P111/10). Aus Sicht der Richter sind die Regelungen der sogenannten Pflege-Transparenzvereinbarung (PTVS) nicht geeignet, um die Pflegequalität einer Einrichtung objektiv zu bewerten.
....
Quelle: Deutsches Ärzteblatt vom 25.08.2010
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/4 ... aessig.htm

Siehe auch unter
http://www.diakonie-rwl.de/materialien/ ... 100526.pdf

ProPflege
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Note „mangelhaft“ für Pflegetransparenzvereinbarungen

Beitrag von ProPflege » 28.08.2010, 12:30

Aus CAREkonkret vom 27.08.2010, Seite 6:

Note „mangelhaft“ für Pflegetransparenzvereinbarungen

von Werner Schell

Qualitätssicherung in den Pflegeeinrichtungen ist notwendig. Darüber in der Öffentlichkeit Transparenz herzustellen, kann nur begrüßt werden. Die insoweit geschaffenen Transparenzvereinbarungen und Bewertungskriterien, die zwischen dem GKV-Spitzenverband Bund und den Trägerverbänden ausgehandelt worden sind, werden aber den Anforderungen der gesetzlichen Vorgaben in § 112 ff. SGB XI nicht gerecht und müssen folglich grundlegend überarbeitet werden.

Dabei ist es erforderlich, die pflegebedürftigen Menschen, also die Betroffenenseite, in die Überarbeitung der Vereinbarungen und Bewertungskriterien umfassend einzubeziehen. Aus der Sicht der Betroffenen besteht nämlich ein klares Bedürfnis dergestalt, dass die Ergebnisqualität ohne Abstriche und Ausgleichsmöglichkeiten in den Vordergrund einer Bewertung / Benotung gerückt werden. Dies ist aufgrund der gegeben Vorschriften in keiner Weise möglich.

Die Pflegemängelsituation in Mönchengladbach hat es in den letzten Wochen nochmals deutlich gemacht: Trotz seit Monaten laufender Beschwerden und anschließenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen kommt der MDK bei einer erheblich in der Kritik stehenden Einrichtung mit seiner Qualitätsprüfung zur Schulnote 1,4. Die Angehörigenbefragung, die ebenfalls völlig unzureichend verläuft, bewertet die Einrichtung sogar mit 1,2. Deutlicher kann man die Mängel im System, nicht klar machen.

Die Verantwortlichen im GKV-Spitzenverband Bund müssen daher endlich begreifen, dass auch diejenigen an der Überarbeitung der Transparenzregelungen beteiligt werden müssen, die letztlich von den Bewertungen / Benotungen profitieren sollen.

Werner Schell, Vorstand von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
E-Mail: ProPflege@wernerschell.de


Siehe auch unter
viewtopic.php?p=54287#54287
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
Unabhängige und gemeinnützige Initiative
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/

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Luxus-Altenheim: außen hui, innen pfui - Pflege-TÜV

Beitrag von WernerSchell » 02.09.2010, 14:35

02.09.2010, 21.45 - 22.15 Uhr, ARD, Panorama

Thema u.a.:

Undercover im Luxus-Altenheim: außen hui, innen pfui

Er ist der "Günther Wallfraff" der Pflege - der Journalist Markus Breitscheidel arbeitete bereits vor zehn Jahren verdeckt als Pfleger in verschiedenen deutschen Altenheimen. Heraus kam das Buch "Abgezockt und totgepflegt", in dem Breitscheidel die katastrophalen Zustände in deutschen Pflegeheimen schonungslos schilderte.

Seine Diagnose von damals ist heute aktueller denn je: zu wenig Personal, menschenunwürdige Zustände und Verstöße gegen gesetzlich festgeschriebene Pflegerichtlinien. Das musste Breitscheidel feststellen, als er jetzt im Auftrag von Panorama noch einmal undercover jobbte. Schlimme Zustände selbst da, wo der neue "Pflege-TÜV" die Note "gut" vergeben hat - auch das Pflegenotensystem weist also gravierende Mängel auf.

Undercover im Altenheim - Panorama über das miese Geschäft mit der Pflege.

Quelle /Weitere Informationen: http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/ ... ge101.html
http://www.tagesschau.de/inland/pflege134.html
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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