Pflegevollversicherung ist die Lösung - ver.di-Forderung

Gesundheitswesen, Krankenhaus- und Heimwesen, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Arzneimittel- und Lebensmittelwesen, Infektionsschutzrecht, Sozialrecht (z.B. Krankenversicherung, Pflegeversicherung) einschl. Sozialhilfe und private Versorgung

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Pflegevollversicherung ist die Lösung - ver.di-Forderung

Beitrag von Presse » 16.11.2012, 07:53

Vgl. auch Texte ab 22.07.2013
Sozialbericht 2013 - keine Pflegevollversicherung möglich ..
viewtopic.php?t=19311
+++

Pflegevollversicherung ist bezahlbar

15. November 2012 |Mit einer Beitragssatzsteigerung um 1,3 Prozentpunkte könnte eine gesetzliche Pflegevollversicherung finanziert werden. Zu diesem Schluss komm Markus Lüngen, Gesundheitsökonom an der Hochschule Osnabrück, in einem Gutachten, das er im Auftrag von ver.di erstellt hat. Damit widerlegt er das Argument, dass eine Pflegevollversicherung nicht finanzierbar sei. Rechnet man aus dem Mehrbedarf die Summen heraus, die schon heute über Steuermittel finanziert werden, liegt der Anstieg sogar nur bei 0,7 Prozentpunkten, hälftig finanziert von Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

„Damit haben wir einen zweifachen Paradigmenwechsel", sagte der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske bei der Vorstellung des Gutachtens heute in Berlin. Zum einen werde klar, dass eine Pflegevollversicherung bezahlbar. Zum anderen sorge sie für eine bessere Qualität der Versorgung und des Leistungsangebots. Derzeit ist die Pflegeversicherung eine Teilversicherung. Sie sieht bei ihren Leistungen Anteile vor, die selbst bezahlt werden müssen. Eine Vollversicherung hingegen werde den Betroffenen und ihren Angehörigen die Sorge vor der Finanzierung einer Pflegebedürftigkeit im Alter nehmen, sagte Markus Lüngen.

Die Vorteile einer Vollversicherung sieht Lüngen darin, dass sie Qualitätsstandards setze und mehr Wert auf Prävention lege. Dadurch stärke sie auch die Pflegekäfte. Bei seinen Berechnungen ist Lüngen bewusst vom Ist-Zustand der Pflegeversicherung ausgegangen. In sie fließen heute rund 21,5 Milliarden Euro. Durch die Umstellung von der Teil- zur Vollversicherung würden rund 10 Milliarden fällig, hinzu kämen Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung. Ein Teil der heutigen Leistungen ist über die Sozialhilfe steuerfinanziert. Wenn er die beiden letztgenannten Anteile wieder rausrechnet, kommt Lüngen auf einen Finanzierungsbedarf von 28,9 Milliarden Euro.

Die Erweiterung des Pflegebegriffs und die bessere Bezahlung von Beschäftigten sei bewusst nicht berechnet worden. Die Kosten für diese notwendigen Änderung würden auch im jetztigen System anfallen, sagte Bsirske. Auch die Umstellung auf eine Bürgerversicherung sei in dem Gutachten nicht thematisiert worden, um die Vergleichbarkeit zum heutigen System gewährleisten zu können. ver.di wolle jetzt die finanzierbare Pflegevollversicherung in der öffentlich diskutieren und Bündnispartner in der Politik und bei Wohlfahrtsverbänden suchen. Mit Blick auf die Bundestagswahl im kommenden Jahr sagte Bsirske: „Es ist ein relevantes Thema für alle Parteien, die ernst genommen werden wollen."

Quelle: ver.di-Pressemitteilung vom 15.11.2012
http://www.verdi.de/presse/pressemittei ... 19b9e321cb
http://www.verdi.de/themen/nachrichten/ ... 540059119e
Kurzfassung des Gutachtens zur Pflegevollversicherung PDF (149 kB)
http://www.verdi.de/++file++50a4d3d86f6 ... herung.pdf
https://www.verdi.de/++edit++/presse/do ... 19b9e321cb

+++
Ärzte Zeitung, 15.11.2012
ver.di - Pflegevollversicherung ist die Lösung
2013 tritt ein Teil der Pflegereform in Kraft. Der Ruf nach noch mehr Reform wird deshalb nicht leiser.
Neu im Angebot: die Pflegevollversicherung. Doch nicht allen gefällt die Idee von ver.di.

Von Anno Fricke
BERLIN. Die Debatte um die Zukunft der Sozialversicherungen wird den bevorstehenden Bundestagswahlkampf prägen.
Am Donnerstag hat die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di ein neues Fass aufgemacht: Eine Pflegevollversicherung soll her, forderte ver.di-Chef Frank Bsirske in Berlin.
Dafür müsse der Beitragssatz nur moderat steigen, auf der Basis der Zahlen von 2010 um knapp einen Prozentpunkt.
... weiter lesen unter ....
http://www.aerztezeitung.de/politik_ges ... 6-_-Pflege

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Eine neue Pflegedebatte
http://www.aerztezeitung.de/politik_ges ... batte.html

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Teilkostenfinanzierung der Pflege überwinden

Beitrag von Presse » 16.11.2012, 13:57

1295 / 16. November 2012
Pressemitteilung von Kathrin Senger-Schäfer


Teilkostenfinanzierung der Pflege überwinden

"Mit den Ergebnissen des ver.di-Gutachtens zur Machbarkeit einer Pflege-Vollversicherung wird die Haltung der LINKEN bestätigt und die Debatte um Strategien gegen die Alters- bzw. Pflegearmut endlich auf ein neues ernstzunehmendes Niveau gehoben", kommentiert Kathrin Senger-Schäfer das ver.di-Gutachten, das die Finanzierung einer Pflege-Vollversicherung beweist. Die pflegepolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Bundestag weiter:

"Die Teilkostenfinanzierung der Pflegeversicherung billigt den Menschen nur einen Zuschuss zu den Pflegekosten zu. Verschärft wird dieser 'Teilkaskocharakter' der Pflegeversicherung dadurch, dass der Realwertverlust der Pflegeleistungen seit deren Einführung nur ungenügend ausgeglichen wurde. Die Pflegeversicherung ist chronisch unterfinanziert. Aus dieser Situation ergeben sich vielschichtige und weitreichende Probleme, welche die Pflegebedürftigen, deren Angehörige und das Pflegepersonal gleichermaßen betreffen und immer wieder dazu führen, dass alle Beteiligten gegeneinander ausgespielt werden. Das Ergebnis ist eine soziale Ungleichheit in der pflegerischen Versorgung.

Auf Grundlage der solidarischen Bürgerinnen- und Bürgerversicherung der LINKEN ist eine gerechte und solide Finanzierung einer Pflege-Vollversicherung möglich. Die kurzfristige Flickschusterei in der Pflegeversicherung muss ein für alle Mal ein Ende haben."

F.d.R. Hendrik Thalheim
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Fraktion DIE LINKE. im Bundestag
Platz der Republik 1, 11011 Berlin
Telefon +4930/227-52800
Telefax +4930/227-56801
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Pflege-Vollver­sicherung - Befürwortung

Beitrag von Presse » 16.11.2012, 16:17

Arbeitgeberverband Pflege befürwortet Pflege-Vollver­sicherung
Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Pflege, Thomas Greiner, hat die Ergebnisse der Verdi-Studie zur Umwandlung
der gesetzlichen Pflegeversicherung in eine Vollversicherung als einen „intensiv zu diskutierenden und absolut ... »
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/52431
Verdi: Umwandlung der Pflegeversicherung ist bezahlbar
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/52417

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Pflegenotstand und der Reformbedarf

Beitrag von WernerSchell » 19.11.2012, 14:58

Bild Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
Unabhängige und gemeinnützige Interessenvertretung
für hilfe- und pflegebedürftige Menschen in Deutschland
Harffer Straße 59 - 41469 Neuss

Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk führt regelmäßig Pflegetreffs mit bundesweiter Ausrichtung durch.
Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk ist Kooperationspartner der „Aktion Saubere Hände.“
Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk ist Initiator bzw. Mitbegründer des Quartierkonzeptes Neuss-Erfttal.
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk ist Unterstützer von "Bündnis für GUTE PFLEGE".
Pro Pflege - Selbsthilfetzwerk ist Unterstützer der "Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen".


19.11.2012

Zum Thema
"Pflegenotstand darf Ausbildungsqualität nicht schwächen"
viewtopic.php?t=18141
nehme ich kurz wie folgt Stellung:

Es ist richtig einzufordern, die Ausbildungsqualität nicht zu schwächen. Eine Verkürzung der geltenden Ausbildungszeiten ist abzulehnen. Es ist vielmehr darüber nachzudenken, ob und ggf. inwieweit mit Rücksicht auf die Zahl der dementiell erkrankten Menschen eine Ausweitung der Lerninhalte geboten ist. Es gibt insoweit Studien, die belegen, dass diesbezüglich ergänzender Ausbildungs-, Fort- und Weiterbildungsbedarf besteht.
Einen Pflegenotstand haben wir seit vielen Jahren in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen (Heimen), weil die Pflege stellenmäßig völlig unzureichend dotiert ist. Die Stellenschlüssel für die Pflegeheime sind regional unterschiedlich und reichen hinten und vorne nicht. Diese Situation ist m.E. vorwiegend verantwortlich dafür, dass immer wieder über Pflegemängel geklagt werden muss. Skandalisierende Bericht (Mönchengladbach, Saarland, Bremen… ) und darauf basierende Forderungen nach mehr Heimprüfungen, Pflegeheim-Inspektoren (siehe dazu aktuell Beiträge unter viewtopic.php?t=18111 ) usw. sind wenig hilfreich, verängstigen nur.
Um den Bedarf an Pflegekräften exakt zu belegen, wird von hier seit Jahren ein bundesweit geltendes Pflegepersonalbemessungssystem in Form einer Rechtsverordnung gefordert. Damit könnte belegt werden, dass z.B. etwa 25 - 20% der Verrichtungen in unseren Pflegeheimen nicht personell abgedeckt sind.
Eine völlig andere Frage ist im Übrigen, wie wir mit dem zukünftigen Bedarf an Pflegekräften, diskutiert wird dieses Thema unter dem Begriff des Fachkräftemangels, umzugehen haben (siehe aktuell die Hinweise der Bertelsmann-Stiftung viewtopic.php?t=18136 ). Insoweit sehe ich keine Lösung darin, Arbeitskräfte aus dem europäischen oder gar außereuropäischen Ausland anzuwerben. Wir müssen unsere eigenen Pflegekräfte, die statistisch gesehen, nach 5 - 7 Jahren aus dem Beruf ausscheiden, pfleglicher behandeln. Die bekannten Sprechblasen "Wertschätzung und Anerkennung" müssen in aktives Handel pro Pflege einmünden: Mehr Pflegekräfte (Ausweitung der Ausbildung und Rekrutierung der "geflüchteten" Pflegekräfte), Bessere Arbeitsbedingungen und angemessene Vergütungen. Der Trend zur Billigpflege muss unterbunden werden.
Übrigens: Eine Pflegevollversicherung ist zwar legitim zu fordern, aber doch mehr als realitätsfern bezüglich der Umsetzung - siehe dazu aktuell unter viewtopic.php?t=18113 Wir müssen unser bestehendes Pflegeversicherungssystem endlich grundlegend reformieren, einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff schaffen und die Entgeltbeträge, seit 1995 unzureichend angepasst, deutlich erhöhen. Allein solche Folgerungen werden den Beitragssatz langfristig in die Höhe treiben. Eine Vollversicherung ist nicht finanzierbar. Sie hätte auch bestimmte andere nachteilige Wirkungen, so dass dieses Thema nicht weiter verfolgt werden sollte.
Es ist für das I. Halbjahr 2013 ein bundesweit ausgerichteter Pflegetreff in Neuss geplant, der sich etwa folgenden Themen zuwenden soll:
"Demenz - Pflegesystem und wir alle sind gefordert - Reformen müssen einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff bringen und den Pflegenostand auflösen - Wie sind die politischen Parteien im Wahljahr 2013 aufgestellt, um das Pflegesystem demografiefest zu machen und dauerhaft solidarisch zu finanzieren?" (Arbeitstitel).
Das Bündnis für "GUTE PFLEGE" kann dabei gerne mitwirken!

Mit freundlichen Grüßen
Werner Schell - Dozent für Pflegerecht
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Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
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Rauel Kombüchen
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Pflegevollversicherung - keine geeignete Lösung

Beitrag von Rauel Kombüchen » 26.11.2012, 08:34

Über eine Pflegevollversicherung darf man natürlich nachdenken
- auch entsprechende Vorschläge machen.
Aber ich halte es für naiv zu glauben, eine solche Vollabsicherung
sei die geeignete Lösung, die professionelle Pflege zukunftssicher zu machen.
Klar, dass die Arbeitgeber dem spontan zustimmen. Sie sehen mehr
Geld ins System fließen.
Nein, eine Vollversicherung brauchen wir nicht, die Diskussion darüber
ist sogar überflüssig.
Wir müssen das jetzige System, das grundsätzlich gut und richtig
angelegt ist, nachhaltig reformieren und z.B. den Bedürfnissen
anpassen. Dazu gehört z.B. die Neufassung des Pflegebedürftigkeitsbegriffes.
Allein diese Reform wird viel Geld erfordern.
Vergessen wir daher das Theme Pflegevollversicherung und
wenden wir uns wichtigeren Fragen zu.

Rauel Kombüchen
Pflegeversicherung - Pflegebegriff erneuern und Finanzierung nachhaltig sichern! BürgerInnen müssen mehr Informationen erhalten - z.B. wg. Individualvorsorge!

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Pflegevollversicherung unrealistisch - überflüssig

Beitrag von Anja Jansen » 28.11.2012, 07:59

Mein Statement zum Barmer Pflegereport passt auch hier:
viewtopic.php?t=18173

Guten Morgen,
soweit ich den Report verstanden habe, werden erstmals Zahlen für die gesamten Pflegekosten vorgestellt, getrennt nach Frauen und Männern. Das ist höchst interessant. Was aber den Umstand der teilweisen Finanzierung aus der Pflegeversicherung betrifft, werden die bekannten Fakten vorgestellt bzw. ein wenig näher erläutert. Die Pflegevollversicherung wird zurecht als nicht finanzierbar und auch als nicht hilfreich eingestuft. In der Tat kann man dem nur zustimmen. Denn wenn es eine Vollversicherung gäbe, würden noch mehr pflegebedürftige Menschen in eine Heimunterbringung kommen. Dann würde es möglicherweise wirklich zu einer Abschiebepraxis kommen. .... Und das will doch ernstlich niemand.
MfG Anja
Es ist mehr Aufmerksamkeit für dementiell erkrankte Menschen nötig. Unser Pflegesystem braucht deshalb eine grundlegende Reform!

Dieter Radke
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Pflegevollversicherung - keine geeignete Lösung

Beitrag von Dieter Radke » 18.01.2013, 08:37

Rauel Kombüchen hat geschrieben:Über eine Pflegevollversicherung darf man natürlich nachdenken
- auch entsprechende Vorschläge machen.
Aber ich halte es für naiv zu glauben, eine solche Vollabsicherung
sei die geeignete Lösung, die professionelle Pflege zukunftssicher zu machen.
Klar, dass die Arbeitgeber dem spontan zustimmen. Sie sehen mehr
Geld ins System fließen.
Nein, eine Vollversicherung brauchen wir nicht, die Diskussion darüber
ist sogar überflüssig.
Wir müssen das jetzige System, das grundsätzlich gut und richtig
angelegt ist, nachhaltig reformieren und z.B. den Bedürfnissen
anpassen. Dazu gehört z.B. die Neufassung des Pflegebedürftigkeitsbegriffes.
Allein diese Reform wird viel Geld erfordern.
Vergessen wir daher das Theme Pflegevollversicherung und
wenden wir uns wichtigeren Fragen zu.
Hallo Rauel,
wir müssen in der Tat unser jetziges System reformieren und auskömmlich mit Geld und Personal aufstocken.
Eine Vollversicherung anzustreben, ist vielleicht gemeint, aber nicht umsetzbar.
Daher sollten wir diesen Vorschlag schnell vergessen - ab in die Tonne.
Es grüßt Dieter
Menschenwürdige Pflege ohne Ausnahme! - Dafür müssen wir alle eintreten.

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Sozialbericht 2013 - keine Pflegevollversicherung möglich ..

Beitrag von Presse » 22.07.2013, 15:59

Bundesregierung legt Sozialbericht 2013 vor
Arbeit und Soziales/Unterrichtung

Berlin: (hib/CHE) Die Pflegeversicherung soll auch künftig als Teilversicherung bestehen bleiben und nicht zu einer Vollversicherung ausgebaut werden. Das geht aus dem Sozialbericht 2013 hervor, den die Bundesregierung als Unterrichtung (17/14332 http://dip.bundestag.de/btd/17/143/1714332.pdf ) vorgelegt hat. Sie betont dort unter Verweis auf die „großen Herausforderungen“, vor denen die Pflegeversicherung angesichts der demografischen Entwicklung steht, dass die Kosten, die den Leistungsumfang der Pflegeversicherung überschreiten, von jedem Einzelnen getragen werden müssten: „Eine kapitalgedeckte Vorsorge ist deshalb eine notwendige und sinnvolle Ergänzung zur gesetzlichen Pflegeversicherung.“
Dem Sozialbericht ist ferner zu entnehmen, dass derzeit etwa 2,5 Millionen Menschen Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen. Dabei habe die Bedeutung der ambulanten Dienste in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Ende 2011 seien etwa 12.300 ambulante Pflegedienste zugelassen gewesen, die insgesamt 576.000 Pflegebedürftige versorgten und knapp 291.000 Beschäftigte hatten. Die Pflegeheime verfügten zu diesem Zeitpunkt über 743.000 Plätze und 661.000 Beschäftigte.
Zur Pflegebedürftigkeit schreibt die Bundesregierung, dass von den unter 60-Jährigen nur 0,7 Prozent und von den 60- bis 80-Jährigen rund 4 Prozent pflegebedürftig sind. Von den über 80-Jährigen brauchen dagegen schon rund 29 Prozent eine Pflege. Bis zum Jahr 2050 könnte diese Zahl auf 4 Millionen ansteigen, weshalb die Frage einer bezahlbaren und qualitativ hochwertigen Pflege eine zentrale sozialpolitische Herausforderung für die kommenden Jahre darstelle, heißt es in dem Bericht.

Quelle: Mitteilung vom 22.07.2013
Deutscher Bundestag
Parlamentskorrespondenz, PuK 2
Platz der Republik 1, 11011 Berlin
Tel.: +49 30 227-35642, Fax +49 30 227-36001
E-Mail: vorzimmer.puk2@bundestag.de

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Sozialbericht 2013 - keine Pflegevollversicherung möglich

Beitrag von WernerSchell » 22.07.2013, 16:03

Vgl. auch Texte ab 22.07.2013
Sozialbericht 2013 - keine Pflegevollversicherung möglich ..
viewtopic.php?t=19311
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Sabrina Merck
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Pflegevollversicherung - keine geeignete Lösung

Beitrag von Sabrina Merck » 23.07.2013, 06:09

Rauel Kombüchen hat geschrieben:Über eine Pflegevollversicherung darf man natürlich nachdenken
- auch entsprechende Vorschläge machen.
Aber ich halte es für naiv zu glauben, eine solche Vollabsicherung
sei die geeignete Lösung, die professionelle Pflege zukunftssicher zu machen.
Klar, dass die Arbeitgeber dem spontan zustimmen. Sie sehen mehr
Geld ins System fließen.
Nein, eine Vollversicherung brauchen wir nicht, die Diskussion darüber
ist sogar überflüssig.
Wir müssen das jetzige System, das grundsätzlich gut und richtig
angelegt ist, nachhaltig reformieren und z.B. den Bedürfnissen
anpassen. Dazu gehört z.B. die Neufassung des Pflegebedürftigkeitsbegriffes.
Allein diese Reform wird viel Geld erfordern.
Vergessen wir daher das Theme Pflegevollversicherung und
wenden wir uns wichtigeren Fragen zu.
Diesen Text kann ich voll unterstreichen. Die jetzigen Regelungen müssen optimiert werden. Neben einem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff muss vor allem der Pflegenotstand angegangen werden - endlich!

S.M.
Dem Pflegesystem und den pflegebedürftigen Menschen muss mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden! Daher:
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk!
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de

Hildegard Kaiser
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Pflegevollversicherung - Vorschlag liegt völlig daneben

Beitrag von Hildegard Kaiser » 27.07.2013, 09:16

Über unterschiedliche Reformerwägungen für das Pflegesystem kann man ja gerne reden.
Wenn aber der Ruf nach einer Vollversicherung laut wird, fehlen mir die Worte.
Eine Vollabsicherung für das Lebensrisiko Pflegebedürftigkeit halte ich angesichts der Probleme, die unseren Sozialsystemen noch bevorstehen, für mehr als illusorisch.
Wie schon ausgeführt wurde: Wir müssen unser bestehendes Leilleistungs-System zukunftsfähig machen.
Und das wird schon schwierig genug. Mehr wird aber nicht gehen.

Hilde
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Vollkasko in der Pflege

Beitrag von Presse » 05.08.2013, 14:03

0849 / 5. August 2013
Pressemitteilung von Harald Weinberg


Vollkasko in der Pflege

"Wir brauchen eine Pflegeversicherung, die alle notwendigen Leistungen übernimmt. Das derzeitige Teilkaskoprinzip führt zu Altersarmut und Zwei-Klassen-Pflege. Das scheint die SPD leider nicht zu wollen", erklärt Harald Weinberg, Obmann der Fraktion DIE LINKE im Gesundheitsausschuss, zu dem heute vorgestellten Positionspapier der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung und des Kuratoriums Deutsche Altershilfe zur Pflege. Weinberg weiter:

"Insgesamt enthält das Papier viele nützliche und wichtige Vorschläge. Nur zu der zentralen Frage, warum das Teilkaskoprinzip nicht überwunden werden soll, findet sich darin kein Wort. Man hat den Eindruck, dass die SPD hier auf der Bremse steht und die Beteiligten sich deswegen nicht einigen konnten. Im Gegensatz dazu vertritt Verdi als zuständige Gewerkschaft die Schaffung einer Vollkostenversicherung wie auch DIE LINKE sie fordert.

Natürlich würde die Einführung des Vollkaskoprinzips viel Geld kosten, gut 13 Milliarden Euro - nur bezogen auf eine Vollversicherung der gegenwärtig finanzierten Leistungen. Durch die konsequente Einführung einer Pflege-Bürgerversicherung wäre das alles jedoch mit einem sehr moderaten Beitragssatzeffekt zu finanzieren. Ein möglicher Gesundheitsminister Lauterbach will das aber offensichtlich nicht und nimmt in Kauf, dass der Geldbeutel weiterhin über die Qualität der Pflege entscheidet."

F.d.R. Christian Posselt
-----------------------------------------------------------------
Pressesprecher
Fraktion DIE LINKE. im Bundestag
Platz der Republik 1, 11011 Berlin
Telefon +4930/227-52800
Telefax +4930/227-56801
pressesprecher@linksfraktion.de
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Sabrina Merck
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Vollkasko in der Pflege ... nicht möglich

Beitrag von Sabrina Merck » 05.08.2013, 14:08

Presse hat geschrieben: Vollkasko in der Pflege ...
Auch wenn es noch öfter wiederholt wird, eine Vollversicherung für die Pflege ist nicht machbar. Das Teilleistungssystem macht bereits erhebliche Probleme, so dass Reformerwägungen kaum durchsetzbar erscheinen. Wir sollten uns politisch darauf verständigen, das jetzige System zukunftsfest zu machen. Und das kostet schon genug Geld. Mehr geht aber nicht.
S.M.
Dem Pflegesystem und den pflegebedürftigen Menschen muss mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden! Daher:
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk!
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Pflegearmut in Deutschland

Beitrag von WernerSchell » 02.09.2015, 17:15

Pflegearmut in Deutschland
Arbeit und Soziales/Kleine Anfrage

Berlin: (hib/CHE) Die Fraktion Die Linke hat eine Kleine Anfrage (18/5803 http://dip.bundestag.de/btd/18/058/1805803.pdf ) zur Pflegearmut in Deutschland gestellt. Darin kritisiert sie, dass ein systematischer Überblick über die finanzielle Situation von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen fehlt und fragt unter anderem nach der Armutsgefährdungsquote von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen und nach der Eigenbeteiligungsquote privater Haushalte. Ferner möchten die Abgeordneten wissen, ob die Bundesregierung eine Angleichung der Pflegesätze für häusliche und stationäre Pflegeleistungen plant.

Quelle: Mitteilung vom 02.09.2015
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Lauterbach will paritätisch finanzierte Vollkasko

Beitrag von WernerSchell » 07.08.2017, 06:01

Ärzte Zeitung vom 07.08.2017:
Pflegeversicherung
Lauterbach will paritätisch finanzierte Vollkasko

Professor Karl Lauterbach (SPD) fordert, die Pflegeversicherung zum Vollkaskoangebot zu machen.
Damit wären Arbeitgeber an den Heimkosten beteiligt.
mehr » http://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=940 ... fpuryyqrde

+++
Eine Vollversicherung für die Pflege wird und kann es nicht geben. Es sind andere strukturelle Veränderungen nötig.
Dazu hat sich Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk mehrfach konkret geäußert. Vorrangig ist für die Heimpflege die
Auflösung des Pflegenotstandes geboten. Für die ambulante Versorgung müssen altengerechte Quartiershilfen gestaltet
werden. - Werner Schell
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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