Pflegenotstand - Personalbemessungssystem muss her

Pflegespezifische Themen; z.B. Delegation, Pflegedokumentation, Pflegefehler und Haftung, Berufsrecht der Pflegeberufe

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Grundsätze sicherer Personalbemessung

Beitrag von WernerSchell » 08.08.2013, 15:13

Aus Forum:
viewtopic.php?t=19391

International Council of Nurses veröffentlicht Grundsätze sicherer Personalbemessung

Personalbemessung in der Pflege ist in Deutschland ein Thema, das politisch wenig Aufmerksamkeit genießt. Für Krankenhäuser wurde ab 1996 die Pflege-Personalverordnung ersatzlos gestrichen; ohne gesetzliche Vorgaben orientiert sich die Personaldecke seitdem abwärts mit gravierenden Folgen. Die chronische Unterfinanzierung führt im SGB XI Bereich ebenfalls zu einer erheblichen Diskrepanz zwischen Pflegebedarf und zur Verfügung stehenden Personalressourcen. Der ohnehin drohende Fachkräftemangel hat sich auf diese Weise zusätzlich verschärft, Arbeit in der Pflege macht zunehmend krank.

In anderen Industrieländern war die weltweite Finanzkrise Auslöser dafür, dass erhebliche Mittel in den Gesundheitsbudgets gestrichen wurden, häufig zulasten der Pflege. Vor diesem Hintergrund hat der Weltverband der Pflegeberufe ICN (International Council of Nurses) ein Positionspapier zum Thema Sichere Personalbemessung in der Pflege herausgegeben und benennt dabei eine Reihe unverzichtbarer Grundprinzipien.

„Professionelle Pflege ist wesentliches Element einer sicheren und effektiven Gesundheitsversorgung. Sichere Personalbemessung bedeutet, dass jederzeit während des Versorgungsverlaufs eine angemessene Anzahl Pflegefachpersonen und andere Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Diese müssen einen geeigneten Mix an Qualifikationen, Fähigkeiten und Erfahrungen mitbringen um sicherzustellen, dass der Pflegeleistungsbedarf der Patienten erbracht und gefahrlose Arbeitsbedingungen gewährleistet werden können. Sichere Personalbemessungsniveaus sind unmittelbar verknüpft mit …
• besseren Patienten-Outcomes und Patientenzufriedenheit;
• besserer Anleitung und Betreuung für Pflegefachpersonen, unterstützende Helfer und das gesamte therapeutische Team;
• gesteigerter Mitarbeiterbindung und –gewinnung sowie Nachhaltigkeit der Belegschaft;
• höherer Kosteneffizienz im Gesundheitssystem.
International betrachtet ist es wichtig zu verstehen, dass Gesundheitsversorgung auf ganz verschiedenen Wegen erfolgt. Weltweit arbeiten Pflegefachpersonen Seite an Seite mit unterschiedlichsten Arten von Gesundheitsdienstleistern und innerhalb diverser Modelle der Personalbemessung und Leistungserbringung. Wenn auch das Umfeld der Versorgung variiert, die Notwendigkeit einer sicheren Personalbemessung bleibt….“
Das vollständige Papier ist in deutscher Übersetzung als Download abzurufen unter http://www.dbfk.de/download/download/IC ... -08-06.pdf

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V. (DBfK)
Alt-Moabit 91, 10559 Berlin
Tel.: 030-2191570
Fax: 030-21915777
dbfk@dbfk.de
www.dbfk.de

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ist die berufliche Interessenvertretung der Gesundheits- und Krankenpflege, der Altenpflege und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Der DBfK ist deutsches Mitglied im International Council of Nurses (ICN) und Gründungsmitglied des Deutschen Pflegerates (DPR). Mehr Informationen über den Verband und seine internationalen und nationalen Netzwerke finden Sie auf der Homepage www.dbfk.de. Für Interviewwünsche oder weitere Informationen wenden Sie sich bitte per E-Mail an presse@dbfk.de oder rufen Sie uns unter 030-219157-0 an.

Quelle: Pressemitteilung vom 08.08.2013
Johanna Knüppel | Referentin | Redaktion DBfK Aktuell | Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe - Bundesverband e.V.
www.dbfk.de | Alt-Moabit 91 | 10559 Berlin | Fon 030-219157-0 | Fax 030-219157-77
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Bundesweite Personalbemessung in Krankenhäusern

Beitrag von WernerSchell » 12.08.2013, 11:10

Folgender Flyertext wurde heute übermittelt:

Der Druck muss raus! Wir brauchen dringend eine bundesweite Personalbemessung in Krankenhäusern!

An der Berliner Charité haben sich die Beschäftigten mit einer neuartigen Tarifforderung auf den Weg gemacht, um den Pflegenotstand und die unerträglichen Arbeitsbedingungen im Krankenhaus zu beenden: Sie wollen eine tarifliche Mindestbesetzung für den Pflegedienst durchsetzen, notfalls auch durch Streik. Diese Forderung stellt sich gegen die Krankenhauspolitik der letzten zwei Jahrzehnte, in der die Pflege mehr und mehr auf einen Kostenfaktor reduziert wurde. Die Charité-Auseinandersetzung kann zum Vorbild für viele andere Kliniken werden und den Anstoß für eine breite Tarifbewegung geben. Wir verfolgen und unterstützen diese Tarifbewegung daher mit großem Interesse.

Ein von ver.di durchgeführter Personalcheck im Februar 2013 ergab, dass in deutschen Krankenhäusern 162.000 Stellen fehlen, davon 70.000 Pflegekräfte. Dadurch kommt es häufig zu „gefährlicher Pflege“, Hygienebestimmungen werden unter Zeitdruck nur unzureichend befolgt. Um gute Arbeitsbedingungen, gute Pflege und gute Versorgung im Krankenhaus endlich wieder möglich zu machen, fordern ver.di und die Fraktion DIE LINKE im Deutschen Bundestag bundesweit einheitliche Regelungen und Standards zur Mindestpersonalbemessung in der Krankenhauspflege.

DIE LINKE hat im Januar diesen Jahres den Antrag „Bessere Krankenhauspflege durch Mindestpersonalbemessung“ (Bundestags-Drucksache 17/12095) in den Bundestag eingebracht. Dazu fand am 12. Juni eine öffentliche Anhörung des Gesundheitsausschusses statt. Krankenhäuser und Krankenkassen sprachen sich erwartungsgemäß gegen die Personalbemessung aus, Pflegende sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eindeutig dafür. Wie schwach die Argumente der Gegner sind, wurde an der Äußerung eines Vertreters der Krankenkassen deutlich: Er hielte es für sinnvoller, zusätzliche Aufzüge in Krankenhäusern einzubauen, anstatt mehr Pflegepersonal einzustellen, da die Pflegenden zu viel Arbeitszeit vor den Aufzugtüren vergeuden würden. Am 27. Juni wurde unser Antrag im Bundestag mit den Stimmen von Union und FDP abgelehnt, SPD und Grüne haben nicht zugestimmt, sondern sich enthalten.

Um eine gesetzliche Mindestpersonalbemessung durchzusetzen, werden wir einen langen Atem und eine andere Bundesregierung benötigen. Letzteres geht deutlich aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage unserer Fraktion hervor, in der es um die Stellensituation in der Krankenhauspflege geht (Bundestags-Drucksache 17/12787). Für Frau Flach (FDP, parlamentarische Staatsekretärin im Bundesgesundheitsministerium) gibt es „keine belastbaren Erkenntnisse, die auf einen generellen Zusammenhang zwischen einer personellen Unterdeckung und daraus resultierenden Folgen für die Versorgung von Patientinnen und Patienten sowie für die gesundheitliche Situation von Pflegekräften schließen lässt“.

Wichtig ist uns, die Auseinandersetzungen für eine bundesweite Personalbemessung mit den Beschäftigten gemeinsam zu führen. Zur Durchsetzung ist Druck nötig, den Beschäftigte und Gewerkschaften in den Krankenhäusern entfalten müssen, aber auch die Vertretung dieser Interessen im Parlament. Als Linksfraktion verstehen wir uns als Sprachrohr und verlässlicher Bündnispartner. Wir wollen gemeinsam eine breite gesellschaftliche Debatte für eine Mindestpersonalbemessung entwickeln. An den Aktionen und Demonstrationen im Rahmen der Kampagne „Der Druck muss raus“ werden wir uns nach Kräften beteiligen und die anstehende Tarifauseinandersetzung an der Berliner Charité aktiv unterstützen. Wir freuen uns auf Gespräche, Diskussionen, Rückfragen und Kooperationen zu diesem wichtigen Thema!

Weitere Informationen zu unseren parlamentarischen Aktivitäten zum Thema finden Sie, wenn Sie auf www.linksfraktion.de „Mindestpersonalbemessung“ in die Suchmaske eingeben.

Quelle und Informationen:
Kathrin Senger-Schäfer, MdB Harald Weinberg, MdB
Ausschuss für Gesundheit Ausschuss für Gesundheit
Pflegepolitische Sprecherin der Fraktion
------------------------------------------------------------------------------
Fraktion DIE LINKE. im Bundestag
Platz der Republik 1
11011 Berlin
veranstaltung@linksfraktion.de
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Entlastung nur mit gesetzlicher Personalbemessung

Beitrag von WernerSchell » 11.09.2013, 16:43

Zur hiesigen Forderung nach einer bundesweiten Personalbemessung wird folgender Beitrag übernommen:

Krankenhäuser:
Entlastung nur mit gesetzlicher Personalbemessung


Es wird immer dramatischer. In deutschen Krankenhäusern
fehlen 162.000 Beschäftigte, davon
allein 70.000 in der Pflege. Die Qualität der Versorgung
sinkt, die Arbeitsbelastung ist unerträglich.
Damit muss jetzt Schluss sein. Und deshalb
fordert ver.di ein Soforthilfeprogramm für mehr
Personal. Gebraucht werden schnell wirksame
Maßnahmen und die Entwicklung eines Verfahrens
zur Ermittlung des realen Personalbedarfs.
ver.di-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler ist
sich sicher: Die gesetzliche Personalbemessung ist
unumgänglich. Dafür macht die Gewerkschaft
Druck. Die Politik muss jetzt handeln.
Die Fakten sind eindeutig: Obwohl seit langem
die Probleme bekannt sind, steigt die Überlastung
des Personals weiter. Kein Pflegeförderprogramm,
kein zusätzliches Geld für Krankenhäuser hat
etwas gebracht. Obwohl die Anzahl der
Patient/innen ständig wächst und die Schwere
ihrer Erkrankungen zunimmt, bleibt die Zahl der
Beschäftigten weit zurück. Eine Million mehr Patient/
innen und rund 68.000 Vollkräfte weniger
für Pflege, Therapie, Hauswirtschaft und Verwaltung,
so lautet die Bilanz der letzten zehn Jahre.
Das kann nicht funktionieren.
In keinem anderen Land Europas gibt es im Verhältnis
zu den Krankenhauspatient/innen weniger
Pflegepersonal als in Deutschland. Hierzulande
versorgt eine Krankenpflegeperson durchschnittlich
10,3 Patient/innen. In Norwegen sind es lediglich
3,8. Es liegt auf der Hand, dass dauerhaft
auch bei bester Arbeit, die dortige Qualität der
Versorgung bei uns nicht zu erreichen ist.
Die Folgen des Personalmangels sind unübersehbar:
Familienfreundliche Arbeitszeiten – Fehlanzeige.
Immer öfter wird Personal aus der Freizeit
heraus zu zusätzlichen Diensten verpflichtet. Das
macht krank. Immer weniger Beschäftigte können
sich vorstellen unter diesem Arbeitsdruck im Krankenhaus
bis zur Rente zu arbeiten.
Es ist alles andere als Panikmache: Zu wenig
Personal gefährdet die Patient/innen. Das Deutsche
Institut für Pflegeforschung sieht durch den
akuten Personalmangel die Sicherheit der besonders
pflegebedürftigen Patient/innen in hohem
Maße gefährdet. Ein Drittel derer, die nicht selbstständig
essen und trinken, konnten manchmal
oder oft bei der Nahrungsaufnahme nicht angemessen
unterstützt werden. Zwei Drittel der verwirrten
Patient/innen konnten nicht ausreichend
beobachtet werden.
Gefordert sind jetzt klare Aussagen der Politik.
Die gesetzliche Personalbemessung muss in
den Koalitionsvertrag. ver.di hat ihre Mitglieder in
den Krankenhäusern aufgerufen nicht locker zu
lassen. Der Druck für eine Gesetzesregelung wird
verstärkt.

Quelle: Mitteilung vom 11.09.2013
Herausgeber: ver.di Bundesvorstand
Bereich Gesundheitspolitik
verantwortlich: Herbert Weisbrod-Frey

Dazu ergänzend folgende Mitteilung:
Sehr gern können sie unseren Beitrag
Krankenhäuser: Entlastung nur mit gesetzlicher Personalbemessung
für ihre Zwecke nutzen.
Mit freundlichen Grüßen
Birgit Schlecker
ver.di Bundesverwaltung
Ressort 9 / FB 03
Gesundheitspolitik
Mitarbeiterin
Birgit Schlecker
Paula-Thiede-Ufer 10
10179 Berlin
Tel.: 030/6956-1850
Fax: 030/6956-3420
Mail: birgit.schlecker@verdi.de
www.verdi.de
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Nicht mehr Prüfungen, sondern mehr Personal ...

Beitrag von WernerSchell » 20.09.2013, 07:59

Anlässlich der Meerbuscher Pflegemängel
siehe dazu -> viewtopic.php?t=18442
wird u.a. auch wieder darüber diskutiert, ob die Kontrollen der Pflegeeinrichtungen verstärkt werden müssen. Dazu hat Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk bereits am 03.08.2010 eine Pressemitteilung vom 03.08.2010 vorgestellt:

»Pflegeheime – Wir brauchen nicht mehr Prüfungen, sondern mehr Pflegepersonal!«

Quelle: http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... heimen.php
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Nicht mehr Prüfungen, sondern mehr Personal ...

Beitrag von WernerSchell » 29.09.2013, 06:55

Niederrheinischer Pflegekongress am 25.-26.09.2013 Neuss
Hinweise im Forum Werner Schell:
-> viewtopic.php?t=18961
Statement Werner Schell beim Niederrheinischen Pflegekongress am 25.09.2013:
- > http://youtu.be/dGm3gF9p_Rs
oder -> http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... erview.mp4
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Pflegenotstand der BRD in Zahlen

Beitrag von WernerSchell » 05.10.2013, 06:48

Pflegenotstand der BRD in Zahlen ...

Auf 100 zu pflegende Personen ....
... über 80 Jahre kommen nach OECD-Berechnungen in der Langzeitpflege in Schweden 33,2 Vollzeitstellen, in Norwegen 22, in den Niederlanden 19, in der Schweiz 16,5 und in Deutschland lediglich 11,2.
Quelle: Zeitschrift "change", Das Magazin der Bertelsmann Stiftung, 3/2013 (Seite 46). Titel der Ausgabe "Pflege - Ganz nah bei den Menschen - Große Herausforderungen und neue Wege in der Pflege".


Damit ist eindrucksvoll bestätigt, warum wir in Deutschland von einem Pflegenotstand sprechen müssen.
Wir haben einen Mangel dergestalt, dass für die stationären Pflegeeinrichtungen keine auskömmlichen Stellenschlüssel vorgesehen sind. Folglich fehlt für die gehörige Zuwendung Personal vorne und hinten. Würde man die dadurch eintretende Arbeitsverdichtungen u.a. durch bessere Stellenschlüssel auflösen und ergänzend angemessene Vergütungen vereinbaren, könnten wir uns auch mit Blick auf die Zukunft Diskussionen um einen Fachkräftemangel in der Pflege sparen (zumindest vorerst). Das Thema Pflegenotstand wird am 13.05.2014 Gegenstand eines großen Pflegetreffs in Neuss-Erfttal sein. Siehe dazu die ersten Hinweise unter: viewtopic.php?t=19125
Zum Pflegenotstand finden Sie u.a. Beiträge unter:
viewtopic.php?t=18558
viewtopic.php?t=18285
Weiterhin richtig: Mehr Personal, bessere Pflege" -> http://www.ngz-online.de/neuss/nachrich ... e-1.316561


Siehe auch:
"Mehr Geld für Pflege" - Klartext !
viewtopic.php?t=19527
Statement Werner Schell beim Niederrheinischen Pflegekongress am 25.09.2013:
- > http://youtu.be/dGm3gF9p_Rs
oder -> http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... erview.mp4

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Ökonomie im Gesundheits- und Pflegesystem = Pflegenotstand

Beitrag von WernerSchell » 22.10.2013, 08:28

Ökonomie im Gesundheits- und Pflegesystem - Patienten stehen nicht mehr im Mittelpunkt

Statement: Werner Schell
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Die BRD hat sich bereits in ihren Anfängen zur Marktwirtschaft bekannt. Im Gefolge dieser marktwirtschaftlichen Ausrichtung ist auch das Gesundheits- und Pflegesystem ökonomisch ausgerichtet worden. Diese ökonomische Ausrichtung ist wohl grundsätzlich richtig, darf aber nicht zum Selbstzweck werden. Vielfältige soziale Aspekte müssen Berücksichtigung finden (-> Art. 1, 2 und 20 Grundgesetz).

Leider sind aber die einschlägigen Lobbyisten seit vielen Jahren dabei, allein der ökonomischen Ausrichtung des Gesundheits- und Pflegesystems stets mehr Raum zu geben. Die Interessen der Patienten und pflegebedürftigen Menschen kommen dabei immer weniger zur Geltung. Es gelingt z.B. seit Jahren nicht einmal, die "Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Personen" in subjektiv-öffentliche Rechte umzuwandeln und damit einen verbindlichen Rahmen zu geben.

So hat sich auch in den Krankenhäusern das Prinzip breit gemacht, dass Umsätze mittels Fallpauschalen (DRG) höchste Priorität haben (siehe z.B. die große Zahl unnötiger Operationen). Folglich bleiben auch die Interessen der Pflegekräfte auf der Strecke nach dem Motto: "Ärzte bringen Geld, Pflegekräfte kosten Geld." - Das ist eine Entwicklung, hier nur in Kürze skizziert, der in einer Gesundheits- und Pflegereform entschieden entgegen getreten werden muss.

Und dazu der Klartext für den Pflegebereich:

Pflegenotstand der BRD in Zahlen ... Auf 100 zu pflegende Personen ....
... über 80 Jahre kommen nach OECD-Berechnungen in der Langzeitpflege in Schweden 33,2 Vollzeitstellen, in Norwegen 22, in den Niederlanden 19, in der Schweiz 16,5 und in Deutschland lediglich 11,2.
Quelle: Zeitschrift „change“, Das Magazin der Bertelsmann Stiftung, 3/2013 (Seite 46). Titel der Ausgabe "Pflege - Ganz nah bei den Menschen - Große Herausforderungen und neue Wege in der Pflege".

Damit ist eindrucksvoll bestätigt, warum wir in Deutschland von einem Pflegenotstand sprechen müssen.
Wir haben einen Mangel dergestalt, dass für die stationären Pflegeeinrichtungen keine auskömmlichen Stellenschlüssel vorgesehen sind. Folglich fehlt für die gehörige Zuwendung Personal vorne und hinten. Würde man die dadurch eintretende Arbeitsverdichtungen u.a. durch bessere Stellenschlüssel auflösen und ergänzend angemessene Vergütungen vereinbaren, könnten wir uns auch mit Blick auf die Zukunft Diskussionen um einen Fachkräftemangel in der Pflege sparen (zumindest vorerst). Das Thema Pflegenotstand wird am 13.05.2014 Gegenstand eines großen Pflegetreffs in Neuss-Erfttal sein. Siehe dazu die ersten Hinweise unter:
viewtopic.php?t=19125
Zum Pflegenotstand finden Sie u.a. Beiträge unter:
viewtopic.php?t=18558
viewtopic.php?t=18285
Weiterhin richtig: „Mehr Personal, bessere Pflege"
-> http://www.ngz-online.de/neuss/nachrich ... e-1.316561
Quelle: viewtopic.php?t=19668

Ergänzend eine Krankenhausärztin:

"In dem ständig steigenden Arbeitsdruck geht langsam, aber stetig etwas verloren, was wesentlich wäre für eine patientenorientierte Medizin: genug Zeit für Zuwendung, Zuhören, Trost. Man muss es deutlicher sagen: Der Patient steht nicht mehr im Mittelpunkt medizinischer Bemühungen, sondern er, besonders sein kranker Körper, wird zum Störfaktor. Die ökonomisierte Medizin gleicht diese Probleme, die der Patient macht, mit Technik aus, die deutlich weniger Zeit und Personal erfordert:
- Kann ein Patient im Krankenhais nicht mehr genügend trinken und das heißt: nicht mehr genügend schnell, bekommt, bekommt er einen Tropf gelegt. …
- Isst ein Patient zu wenig oder zu langsam, wird ihm eine Magensonde gelegt. …
- Nässt ein Patient immer wieder ein, wird ihm ein Dauerkatheter gelegt. …
- Verhält sich ein Patient unruhig, werden Bettgestelle oder Fixierungen angebracht. …
… Rettet die Medizin vor der Ökonomie …"

Quelle: Werner Bartens "Das sieht aber gar nicht gut aus - War wir von Ärzten nie hören wollen"; Pantheon Verlag, München Oktober 2013 (Seite 82 ff.)
viewtopic.php?t=19688

Werner Schell - Vorstand von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk - http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
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Pflegenotstand - mehr Personal - bessere Pflege

Beitrag von WernerSchell » 31.10.2013, 12:46

Vgl. auch:
Pflegereform ist ein Thema der Koalitionsverhandlungen : Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk votiert gegenüber der "Arbeitsgruppe Gesundheit" und fordert die Auflösung des Pflegenotstandes:
Ohne deutlich mehr Personal wird es keine bessere Pflege geben!
Brief vom 30.10.2013 hier (PDF) http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... Pflege.pdf
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
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Pflegenotstand - die Koalition ist gefordert

Beitrag von WernerSchell » 27.11.2013, 17:12

Aus Forum:
viewtopic.php?t=19892

Pflegenotstand - die Koalition ist gefordert

In der Buchveröffentlichung
von Susanne Moritz:

Staatliche Schutzpflichten gegenüber pflegebedürftigen Menschen

Bild

Quelle: viewtopic.php?t=19889 / viewtopic.php?t=19846

wird auf Seite 82 ausgeführt:

"Die Einführung verbindlicher und bundesweit eingesetzer Personalermittlungsverfahren ist unumgänglich. Die so voraussichtlich ermittelten höheren Bedarf an Pflegepersonal und entsprechende Kostensteigerungen müssen trotz knapper Finanzressourcen der Pflegeversicherungen hingenommen werden. Denn anders kann den zuvor beschriebenen Pflegemängeln kein Einhalt geboten werden."

Damit wird eindrucksvoll bestätigt, was Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk seit vielen Jahren herausgestellt hat.

Siehe dazu die Beiträge unter folgenden Adressen:
Pflegepersonal - bedarfsgerecht qualifizieren - dringend !
viewtopic.php?t=18558
Pflegenotstand - Personalbemessungssystem muss her
viewtopic.php?t=18285
Pflegenotstand auflösen - Hauptknackpunkt einer Reform
viewtopic.php?t=19782
Es ist sehr zu begrüßen, dass die Autorin, Frau Dr. Susanne Moritz, die Statements von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk in ihre wichtige Buchveröffentlichung (einer Dissertation) übernommen hat.

Werner Schell - http://www.wernerschell.de
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
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Ohne deutlich mehr Personal wird es keine bessere Pflege geb

Beitrag von WernerSchell » 07.01.2014, 17:55

Ohne deutlich mehr Personal wird es keine bessere Pflege geben!

Das "Heute-Journal" berichtete am 06.01.2014 darüber, dass "Pflegekräfte abwandern". Vorgestellt wurden zwei Pflegekräfte, die in Luxenburg tätig sind und dort bessere Arbeitsbedingungen vorfanden. Der Beitrag ist z.Zt. anschaubar unter folgender Adresse: http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag ... anuar-2014 (von 15.23 - 18.48 Minuten). Einen entsprechenden Hinweis gibt es bei Facebook unter der Adresse des DBfK: https://www.facebook.com/dbfk.de
Dazu von hier in Kürze:
Danke Frau Knüppel für Ihr Statement im "Heute Journal". Denn ohne deutlich mehr Personal wird es keine bessere Pflege geben! -> viewtopic.php?f=3&t=19668 Wir werden den Pflegenotstand beim Pflegetreff am 13.05.2014 in Neuss klar in den Mittelpunkt unserer Diskussionen stellen. -> viewtopic.php?f=7&t=19125 Der bekannten Sprechblase "Werschätzung und Anerkennung für die Pflegekräfte" müssen endlich pflegepolitische Taten folgen!
Siehe auch Pflegenotstand der BRD in Zahlen ... -> viewtopic.php?f=3&t=19668
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Pflegenotstand - Hauptknackpunkt einer Pflegereform

Beitrag von WernerSchell » 27.01.2014, 18:36

Beitrag aus Forum:
viewtopic.php?f=3&t=20178

Bild Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
Unabhängige und gemeinnützige Interessenvertretung
für hilfe- und pflegebedürftige Menschen in Deutschland
Harffer Straße 59 - 41469 Neuss


Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk fordert seit Jahren die Auflösung des Pflegenotstandes
und bundesweit verbindliche Personalbemessungssysteme für die Pflege.


Siehe dazu u.a.:

"Mehr Personal, bessere Pflege" - Interview mit Werner Schell am 11.08.2010:
http://www.rp-online.de/nrw/staedte/neu ... d-1.316561
Pflegepersonal - bedarfsgerecht qualifizieren - dringend !
viewtopic.php?f=3&t=18558
Pflegenotstand - Personalbemessungssystem muss her
viewtopic.php?f=3&t=18285

Es ist erfreulich, dass nunmehr Barbara Steffens, Gesundheits- und Pflegeministerin NRW, die
Personalnot deutlich angesprochen und verbindliche Regeln zur Verbesserung gefordert hat.
Siehe den angefügten Pressetext.

Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk:

Der Mangel an Pflegekräften muss ursächlich darauf zurück geführt werden,dass
die Pflege-Rahmenbedingungen unzureichend sind. Vor allem die Stellenschlüssel
sind nicht auskömmlich. Nur etwa 70 - 80 % der gebotenen Pflege-Verrichtungen
sind durch Personal abgedeckt. Dies alles produziert im Zusammenwirken mit nicht
angemessener Vergütung schlechte Arbeitsbedingungen mit hohen Krankenständen,
Berufsflucht usw. Daher muss vorrangig der Pflegenotstand aufgelöst werden.
Bild
>>> Darüber wollen wir beim Pflegetreff am 13.05.2014 informieren.

Der Bundesgesundheitsminister, Herr Gröhe, wird beim Pflegetreff anwesend sein!

Siehe dazu unter: viewtopic.php?f=7&t=19125

Werner Schell


+++ Pressemitteilung des WDR vom 27.01.2014: +++

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens forderte heute, 27.01.2014, im WDR Fernsehen eine verbindliche Anzahl an Pflegekräften
in Kliniken:
„Wir brauchen für die Krankenhäuser eine verbindliche Quote, wie viele Pflegekräfte
auf einer Station arbeiten müssen. Damit kann man dann auch mit den Krankenkassen
über die Finanzierung verhandeln.“


Dazu hat der WDR die nachfolgende Mitteilung öffentlich gemacht:

Pflegekräfte in Krankenhäusern
Steffens fordert verbindlichen Personalschlüssel

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens forderte heute im WDR Fernsehen eine verbindliche Anzahl an Pflegekräften in Kliniken:
„Wir brauchen für die Krankenhäuser eine verbindliche Quote, wie viele Pflegekräfte auf einer Station arbeiten müssen. Damit kann man
dann auch mit den Krankenkassen über die Finanzierung verhandeln.“
Seit Jahren werden an deutschen Krankenhäusern Stellen für Krankenschwestern und Pfleger gestrichen. Und das, obwohl gleichzeitig
immer mehr Patienten zu versorgen sind. Nach Erhebungen der Katholischen Hochschule NRW in Köln gibt es in den vergangenen 20 Jahren
drei Millionen Patienten mehr, während rund 38.000 Stellen in der Krankenhauspflege abgebaut wurden.
Die meisten Krankenhäuser in Deutschland stehen aber unter großem finanziellen Druck. Allein in NRW schreibt jedes zweite Krankenhaus
mittlerweile rote Zahlen. Am Pflegepersonal zu sparen, hält Gesundheitsministerin Barbara Steffens aber nicht für den richtigen Weg.
„Es geht nicht, dass auf einer Station im Nachtdienst nur eine Pflegefachkraft arbeitet und 40 Patienten versorgen muss. Da kann man die
Patienten nur fixieren oder sedieren und gucken, wie man über die Nacht kommt. Solche Arbeitsbedingungen sind unzumutbar.“
Quelle: Pressemitteilung vom 27.01.2014,
https://presse.wdr.de/plounge/tv/wdr_fe ... _eins.html

Beitrag (vorübergehend) anschaubau:
http://www1.wdr.de/mediathek/video/send ... ch100.html
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Pflege ... Achtung der Person ohne Stoppuhr

Beitrag von WernerSchell » 22.02.2014, 08:34

Zitat der Woche aus "CAREkonkret", Die Wochenzeitung für Entscheider in der Pflege (21.02.2014):
"In der Pflege von Kranken, Alten und Sterbenden muss
die Achtung der Person an oberster Stelle stehen".

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick kritisierte am "Welttag der Kranken" (11. Februar),
dass gerade in Altenheimen und Krankenhäusern oft die Stoppuhr bestimme, wie viel Zeit
ein Pfleger für einen Pflegebedürftigen oder Patienten habe.


Aus Forum:
viewtopic.php?f=6&t=19981
viewtopic.php?f=6&t=20252
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Wertschätzung und Anerkennung für die Pflege

Beitrag von WernerSchell » 12.05.2014, 08:59

Den "Sprechblasen" betreffend "Wertschätzung und Anerkennung" müssen endlich klare
Verbesserungen der Pflege-Rahmenbedingungen folgen. Der Pflegetreff am 13.05.2014
in Neuss-Erfttal - 16.00 Uhr Beginn mit Infoständen - Statements ab 17.00 Uhr - wird dies
verdeutlichen. Der Pflegetreff findet in Neuss-Erfttal, Bedburger Straße 57, statt.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Aktuelle Hinweise im Übrigen unter folgender Adresse
> viewtopic.php?t=19125 - Werner Schell
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WernerSchell
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Pflegenotstand und die Reformerfordernisse

Beitrag von WernerSchell » 16.05.2014, 07:38

Pflegenotstand und die Reformerfordernisse

Das anlässlich des Pflegetreffs am 13.05.2014 Herrn Bundesminister Gröhe übergebene Papier mit den
"Anforderungen an die von der Großen Koalition (GroKO) in Aussicht gestellte Pflegereform 2014"
ist im Netz unter folgender Adresse verfügbar: http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwe ... lungen.php

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Wertschätzung und Anerkennung für die Pflege

Beitrag von WernerSchell » 08.06.2014, 06:47

Wertschätzung und Anerkennung für die Pflege

Zitat der Woche (in CAREkonkret, Ausgabe vom 06.06.2014):
"Wenn Zeitungskommentatoren schreiben, ´lieber im Knast als im Pflegeheim`,
dann sind das Unverschämtheiten gegenüber den Pflegekräften, die tagtäglich
eine eindrucksvolle Arbeit leisten."

Quelle: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) vor rund 1.500 Gästen der 50-Jahr-Feier des
Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) im Theater am Potsdamer Platz in Berlin
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Werner Schell, Vorstand von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk, und Hermann Gröhe, Bundesgesundheitsminister,
beim Pflegetreff am 13.05.2014 in Neuss-Erfttal
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