Zusätzliche Pflegekräfte für die Krankenhäuser - Wieviele?

Pflegespezifische Themen; z.B. Delegation, Pflegedokumentation, Pflegefehler und Haftung, Berufsrecht der Pflegeberufe

Moderator: WernerSchell

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Zusätzliche Pflegekräfte für die Krankenhäuser - Wieviele?

Beitrag von Service » 06.09.2008, 06:51

Pflegegipfel – Einladung zur Pressekonferenz

Berlin - Wie ist es um die Pflege im Krankenhaus bestellt? Welche Probleme machen den Pflegenden zu schaffen? Welche Auswirkungen hat dies auf die pflegerische Versorgung der Patientinnen und Patienten? Und vor allem: Wo liegen Lösungsansätze für die dringlichsten Probleme der Pflege im Krankenhaus?

Die Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hat die wichtigsten Akteure in diesem Bereich zu einem Pflegegipfel geladen, um über bessere Voraussetzungen für die Zukunft der Pflege im Krankenhaus zu diskutieren. Über die Ergebnisse dieses Pflegegipfels möchten wir Sie in einer Pressekonferenz informieren, zu der wir Sie herzlich einladen.

Wann?
Mittwoch, 10. September 2008
12.25 Uhr Fototermin
12.30 Uhr Pressekonferenz

Wo?
Bundesministerium für Gesundheit, Friedrichstraße 108, 10117 Berlin

Über Ihr Kommen freuen wir uns!
KontaktBundesministerium für Gesundheit
Friedrichstraße 108
10117 Berlin (Mitte)
Tel +49 (0)1888 441-2225
Fax +49 (0)1888 441-1245
pressestelle@bmg.bund.de
http://www.bmg.bund.de

Quelle: Pressemitteilung vom 5.9.2008

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Pflegegipfel - wir sind gespannt!

Beitrag von Gaby Modig » 08.09.2008, 11:34

Siehe auch unter
Auf zum Gipfelsturm - BALK Presseinformation
viewtopic.php?t=9181
Endlich wird die Pflege entlastet
viewtopic.php?t=9123&highlight=pflegegipfel
Pflegesystem verbessern - weg von der Minutenpflege. Mehr Pflegepersonal ist vonnöten!

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bessere Voraussetzungen für die Krankenhauspflege schaffen

Beitrag von Presse » 10.09.2008, 16:39

Pflegegipfel – Gemeinsam bessere Voraussetzungen für die Krankenhauspflege schaffen

Auf Einladung von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt sind heute in Berlin die wichtigsten Akteure aus dem Bereich der Krankenhauspflege zusammengekommen, um über aktuelle Probleme und geeignete Lösungsansätze zu sprechen. Die schwierige Personalsituation in der Pflege ergibt sich vor allem durch den massiven Stellenabbau in den vergangenen Jahren. Probleme der Arbeitsorganisation und der Aufgabenverteilung in den Krankenhäusern erschweren die Situation der Pflege zusätzlich. Alle Teilnehmer des Pflegegipfels haben sich auf eine Erklärung geeinigt, die Grundlage für das weitere Vorgehen darstellt.

Dazu erklärt Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt: „Für viele junge Menschen ist der Beruf der Krankenschwester oder des Krankenpflegers auch heute noch ein Traumberuf. Wir wollen, dass das auch in Zukunft so bleibt und die Pflegenden auch nach vielen Jahren im Beruf zufrieden sind. Es freut mich, dass es uns heute gelungen ist, einige entscheidende Perspektiven für die Pflegenden im Krankenhaus aufzuzeigen. In den nächsten drei Jahren sollen 21.000 zusätzliche Stellen durch die Krankenkassen finanziert werden. Eine Arbeitsgruppe soll klären, wie das Programm unbürokratisch und effektiv umgesetzt werden kann. Gemeinsam werden wir bessere Voraussetzungen schaffen für die Pflege und die Menschen, die diese wichtige Arbeit leisten.“

Gemeinsame Erklärung des Bundesministeriums für Gesundheit und der Teilnehmer des Pflegegipfels am 10. September 2008 zur „Zukunft der Pflege im Krankenhaus“
Die Pflegenden im Krankenhaus leisten einen wesentlichen Beitrag für eine qualitativ hoch­wertige Versorgung der Patientinnen und Patienten im Krankenhaus. Allerdings wurden in den letzten 10 Jahren rd. 50.000 Pflegestellen in den Krankenhäusern abgebaut. Gleichzeitig hat die Belastung des Pflegepersonals durch medizinische und technische Entwicklungen, Arbeitsverdichtung, demographische Veränderungen sowie steigende Versorgungsintensität auf Grund erhöhter Multimorbidität der Patientinnen und Patienten zugenommen. Damit die Pflegenden ihre wichtige Aufgabe auch in der Zukunft erfüllen können, halten das Bundesministerium für Gesundheit sowie die Teilnehmer des Pflegegipfels [1]) Verbesserungen zu Gunsten der Pflege im Krankenhaus für dringend notwendig.

Nach intensiver Diskussion haben sich die Teilnehmer auf die Einsetzung von drei Arbeitsgruppen geeinigt:

- Die erste Arbeitsgruppe ist eine ad-hoc Arbeitsgruppe, die zur Konkretisierung des 21.000 Stellen Programms eingesetzt wird. Trotz grundsätzlicher Bedenken zu einem Sonderprogramm hat der GKV-Spitzenverband hier seine Mitarbeit zugesagt. Die Vorschläge sollen kurzfristig in das laufende Gesetzgebungsverfahren zum ordnungspolitischen Rahmen der Krankenhausfinanzierung eingebracht werden.

- Die zweite Arbeitsgruppe hat zum Ziel, Handlungsempfehlungen zur Unterstützung eines sachgerechten Personaleinsatzes der Pflege im Krankenhaus zu entwickeln. In die Prüfung einbezogen werden soll insbesondere auch die Entwicklung eines Modells zur Abbildung von Pflegeleistungen mit Qualitätskriterien z. B. für vorbildliche Standards.

- Die dritte Arbeitsgruppe soll sich mit der Attraktivität und den Perspektiven der Pflege im Krankenhaus beschäftigen, dazu gehören die Zusammenarbeit der Professionen im Krankenhaus und die Weiterentwicklung der Pflegeausbildung.

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen 2 und 3 werden auf einem weiteren Pflegegipfel im März 2009 vorgelegt.
-------------------------------------------------------

[1]) Deutscher Pflegerat, AG Junge Pflege im DBfK, GKV-Spitzenverband, Deutsche Krankenhausgesellschaft, Ver.di, Bundesärztekammer, Verband der Krankenhausdirektoren.

Quelle: Pressemitteilung vom 10.9.2008
http://www.bmg.bund.de/cln_110/nn_11682 ... __nnn=true

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Kassen lehnen Sonderprogramm zur Pflege weiter ab

Beitrag von Presse » 11.09.2008, 06:34

Kassen lehnen Sonderprogramm zur Pflege weiter ab

Berlin – Die Krankenkassen sperren sich weiter gegen die von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) vorgeschlagene Aufstockung der Pflegekräfte in Kliniken. „Wir sind gegen ein solches Programm und lehnen es ab“, sagte die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, nach einem „Pflegegipfel“ am Mittwoch im Bundesgesundheitsministerium in Berlin. Schmidt hatte Vertreter von Ärzten, Kassen, Krankenhäusern und Pflegekräften zum Gipfel geladen.
...
(weiter lesen unter)
http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=33647

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Bereits 30.000 neue Stellen für Pflegekräfte entstanden

Beitrag von Presse » 11.09.2008, 11:41

Bereits 30.000 neue Stellen für Pflegekräfte entstanden - Pflege-Sonderprogramm unnötig
Berlin, 10.09.2008

„Wir brauchen kein Pflege-Sonderprogramm, denn der Rückgang der Pflegekräfte in den Krankenhäusern spiegelt lediglich den Wandel in der stationären Versorgung wider. Immer mehr Krankenhausbetten stehen leer und die Pflege hat sich verlagert. 30.000 Pflegekräfte, die heute weniger im Krankenhaus sind, arbeiten jetzt in Pflegeheimen und in der ambulanten Pflege. Es wäre falsch, jetzt ein Einstellungsprogramm zu initiieren, das Pflegekräfte vermehrt dort einstellt, wo die Pflege zunehmend weniger stattfindet. Trotz dieser grundsätzlichen Bedenken wird sich der GKV-Spitzenverband an allen drei Arbeitsgruppen konstruktiv beteiligen, die auf dem heutigen Pflegegipfel im Bundesgesundheitsministerium vereinbart worden sind“, so Dr. Doris Pfeiffer, Vorsitzende des Vorstands des GKV-Spitzenverbandes anlässlich des heutigen „Pflegegipfels“ im Bundesgesundheitsministerium.

Selbstverständlich steht es den Krankenhäusern frei, ihre Pflegekräfte besser zu bezahlen oder individuell zusätzliche Pflegekräfte einzustellen. Ziel des im Jahr 1999 mit der GKV-Gesundheitsreform 2000 beschlossenen neuen Vergütungssystems für die Krankenhäuser war es gerade, den Krankenhäusern selbst die Verantwortung für die Organisation ihres Betriebes zu geben. Politisch initiierte Sonderprogramme hebeln dies wieder aus. Um die laufenden Ausgaben der Krankenhäuser zu decken, haben sie Jahr für Jahr mehr Geld von den Krankenkassen bekommen. In diesem Jahr stiegen die Krankenhauseinnahmen um rund eine Milliarde Euro und selbst ohne jegliche Krankenhausreform erhalten sie im nächsten Jahr sogar rund 2,3 Milliarden Euro mehr Geld. Im Übrigen sind die Tarifsteigerungen, mit denen die Krankenhäuser jetzt ihre Forderungen begründen, von ihnen selbst zuvor über die Tarifverhandlungen vereinbart worden. Nun sollen die Beitragszahler dafür zahlen. Das ist ein klassisches Geschäft zu Lasten Dritter. Ein solches Verhalten sollte die Politik nicht noch durch gesetzliche Regelungen, die nur Einzelinteressen befriedigen, unterstützen.

30.000 zusätzliche Pflegekräfte außerhalb der Krankenhäuser

Die Anzahl der belegten Betten in Krankenhäusern geht kontinuierlich zurück, folgerichtig werden auch die Pflegekräfte innerhalb der Krankenhäuser weniger. Gleichzeitig nehmen jedoch die Pflegekräfte in der ambulanten Pflege und in speziellen Pflegeeinrichtungen zu. Von 1999 bis 2005 ist die Anzahl der Pflegekräfte in Krankenhäusern von 334.890 um rund 30.000 auf 302.346 zurückgegangen. Im selben Zeitraum sind in der stationären Pflege 14.800 und in der ambulanten Pflege 15.200 Pflegekräfte hinzugekommen. In der Summe haben wir in Deutschland weiterhin rund 445.000 Pflegekräfte. Gleichzeitig wurden vielfach Arbeiten, die früher von Pflegekräften mitgemacht worden sind (Betten machen, Essen austeilen etc.), an nicht-pflegerisches Personal übergeben. In der Krankenhausstatistik taucht dieses Personal manchmal nur noch unter „Sachkosten“ auf, da diese Aufgaben vielfach an Drittfirmen „outgesourct“ werden. Die Anzahl der Personen, die für echte Pflege zur Verfügung stehen, ist gestiegen.

65.000 Patienten weniger – Anzahl Pflegekräfte pro Bett gestiegen

Pro Nacht liegen im Durchschnitt in ganz Deutschland rund 390.000 Menschen im Krankenhaus. Das sind 65.000 weniger als 1999. Dies liegt vor allem daran, dass die Menschen immer kürzer im Krankenhaus sind; die „Verweildauer“ ist gesunken. Lag sie 1990 noch bei 14,7 Tagen, sank sie über 9,9 Tage in 1999 auf nur noch 8,5 Tage in 2006.

Der Rückgang der Zahl der Pflegekräfte war dabei geringer als der Rückgang der belegten Krankenhausbetten. Arbeiteten 1999 noch 72 Pflegekräfte je 100 belegte Betten, so sind es jetzt 77. Trotz der von den Krankenhäusern angeführten steigenden Fallzahl hat es also keine grundlegende Steigerung des Pflegeaufwands gegeben.

Anlagen: Grafik „Beschäftigungsshift in der Pflege“, Grafik „Pflegekräfte pro belegtes Bett“, Grafik „Rückgang Verweildauer“

Pressemitteilung
https://www.gkv-spitzenverband.de/uploa ... m_2544.pdf
Grafik 1
https://www.gkv-spitzenverband.de/uploa ... 1_2541.pdf
Grafik 2
https://www.gkv-spitzenverband.de/uploa ... 2_2542.pdf
Grafik 3
https://www.gkv-spitzenverband.de/uploa ... 3_2543.pdf

Quelle: Pressemitteilung vom 10.9.2008
https://www.gkv-spitzenverband.de/Press ... _10.gkvnet

Weitere Informationen zur Krankenhausreform 2009 finden Sie hier.
https://www.gkv-spitzenverband.de/Polit ... 009.gkvnet

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Gefährliche Situationen = riskante Krankenpflege

Beitrag von Rauel Kombüchen » 11.09.2008, 14:03

Gefährliche Situationen = riskante Krankenpflege
Presse hat geschrieben: ... Bereits 30.000 neue Stellen für Pflegekräfte entstanden - Pflege-Sonderprogramm unnötig ...
Hallo MitleserInnen,
mir fällt auf, dass die Krankenkassen zum Nachteil Ihrer Versicherten eine Stärkung der Pflege in den Krankenhäusern verhindern wollen. Das verwundert doch sehr, weil doch Professionelle und jeder stationäre Patient weiß, wo es hapert. Die allseits bekannt "dip-Studie" beschrieb bereits gefährliche Situationen. Von riskanter Krankenpflege war die Rede.
Die Sichtweise der Krankenkassen ist daher nicht nachvollziehbar und versichertenschädlich!
MfG
Rauel K.
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SPD will zwei Milliarden für mehr Pflegepersonal

Beitrag von Gaby Modig » 13.09.2008, 09:05

Mein Text in diesem Forum unter
viewtopic.php?p=37426#37426

Die Rheinische Post berichtet heute über eine Äußerung aus der SPD-Bundestagsfraktion und titelt:

SPD will zwei Milliarden für mehr Pflegepersonal
Quelle: http://nachrichten.rp-online.de/article ... onal/13627

Nach dem Bericht will sich die SPD-Bundestagsfraktion für die Schaffung von 50 000 neuen Pflegestellen in Krankenhäusern einsetzen. Dafür seien rund zwei Milliarden Euro notwendig, soll der Fraktions-Vizechef Ulrich Kelber der Rheinischen Post gesagt haben.
Das Programm solle, so die Zeitung weiter, Anfang 2009 gestartet werden. Für die Mehrkosten müssten die Versicherten über die Beiträge aufkommen. Allerdings könne nur so der Pflegenotstand in Hospitälern beseitigt werden. Kelber forderte die Union auf, das SPD-Konzept mitzutragen.

So schön diese Botschaft, 50.000 Pflegekräftestellen zu schaffen, auch klingen mag. Sie steht im Widerspruch zu dem, was die SPD-Gesundheitsministerin, Frau Ulla Schmidt, vor wenigen Tagen auf dem Pflegegipfel verkündet hat. Sie will nur 21.000 neue Stellen schaffen, und dies in 3 Jahresraten von jeweils 7.000 Stellen. Siehe dazu in diesem Forum u.a. unter
Pflegegipfel 10.09.2008 – Ergebnispräsentation
viewtopic.php?t=9733
viewtopic.php?t=9775

Die Frage ist, was will die SPD mit ihrer Gesundheitsministerin wirklich? Es ist zur Zeit nicht zu erkennen, dass die Union oder andere, dem Vorhaben, deutlich mehr Pflegekräfte auf den Weg zu bringen, im Wege stehen würden.

Gaby
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Warnung vor Personalabbau in der Pflege

Beitrag von Gaby Modig » 16.09.2008, 06:53

Warnung vor Personalabbau in der Pflege

Im Rahmen des Pflegegipfels wies Marie-Luise Müller, Präsidentin des Deutschen Pflegerates, auf die gefährlichen Folgen des Personalabbaus in der Pflege hin: „Die Verschlechterung der Personalausstattung gefährdet die Sicherheit der Patienten, aber auch zunehmend die Gesundheit der Pflegenden. Die unmenschlichen Arbeitsbedingungen der Pflegenden sind nicht länger hinnehmbar.“ Darüber berichtete Bibliomed - Medizinische Verlagsgesellschaft mbH, Melsungen, in einer Presseverlautbarung vom 15.9.2008.
Es bestehe, so Bibliomed weiter, ein direkter Zusammenhang zwischen der aktuellen Arbeitssituation und den Ausbildungsbedingungen der Pflegefachkräfte und der Nachwuchsgewinnung auf der Grundlage von Perspektiven für einen zukunftsfähigen Pflegeberuf. Vor diesem Hintergrund sei die ablehnende Haltung der GKV und die zögerliche Haltung der DKG zum Plan des Gesundheitsministeriums, 21.000 Pflegestellen im Krankenhaus zu schaffen, nicht akzeptabel. Hier sei ein Eintreten für die Sicherheit der Patienten und gegen die Ausbeutung der Pflegenden dringend geboten, so der Deutsche Pflegerat.
Anhand der Erklärungen des Deutschen Pflegerates muss ernstlich befürchtet werden, dass die Absicht, 21.000 neue Stellen für die Pflege zu schaffen, noch nicht "in trockenen Tüchern" ist. Es gibt offensichtlich erheblichen Widerstand. Man darf und muss über diesen Widerstand, aus welcher Interessenlage auch immer, sehr besorgt sein. Offensichtlich haben nicht alle erkannt, dass wir tatsächlich einen Pflegenostand haben.

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Personalabbau im Pflegedienst ... Buchtipp

Beitrag von WernerSchell » 16.09.2008, 07:44

Das Buch zu einem brandaktuellen Thema!

Michael Simon:

Personalabbau im Pflegedienst der Krankenhäuser – Hintergründe – Ursachen - Auswirkungen

Verlag Hans Huber
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Krankenhäuser, Personal und Patienten in Not

Beitrag von Presse » 16.09.2008, 13:44

Aus Pressemitteilung der Deutschen Krankenhausgesellschaft vom 16.8.2008
Krankenhäuser, Personal und Patienten in Not
viewtopic.php?t=7338
...
Marie-Luise Müller, Präsidentin des Deutschen Pflegerats, schließlich kritisierte die Arbeitsrealität der Pflegekräfte als grenzwertig, vor allem was die Arbeitsverdichtung in der Krankenpflege, die Risikoversorgung und die Häufigkeit von Pflegemängeln angehe. Dienstpläne funktionierten nur noch mit geplanten Überstunden: "Wir fordern den umgehenden Stopp des Stellenabbaus, der heute bei 50.000 angekommen ist. Kliniken ohne ausreichende Pflege- und Pflegefachkräfte können nicht überleben. Die Patientensicherheit und Mitarbeitersicherheit stehen auf dem Spiel."
....

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2. Pflegegipfel im März 2009

Beitrag von Service » 16.09.2008, 13:50

Drei AGs tagen zur Vorbereitung des 2. Pflegegipfels im März 2009

Am 10.September 2008 hatte die Bundesgesundheitsministerin Frau Ulla Schmidt zum Pflegegipfel geladen. Frau Müller, Herr Wagner, Frau Klein und Herr Bechtel für den Deutschen Pflegerat, Frau Prof. Dr. Bartholomeyczik für die Pflegewissenschaft, Herr Rosenbusch für die AG Junge Pflege im DBfK RV Nordost und Vertreter der GKV, DKG, VKD, BÄK und VERDI waren eingeladen. Schon vor dem Gipfel hatte die GKV mit einem Statement, dass es gar keinen Anlass gebe, Pflegepersonal zusätzlich einzuzstellen, für Befremden gesorgt. Laut GKV sei der Stellenabbau parallel zu weniger Patiententagen im Krankenhaus erfolgt. Die Pflegenden seien mit den Patienten in den Bereich ambulante Pflege und Pflegeheime abgewandert. Beim Pflegegipfel wurde dem von den Pflegevertretern energisch widersprochen und die Argumentation widerlegt.
Die Bundesgesundheitsministerin machte deutlich, dass sie die Belastung des Pflegepersonals sehe und gegensteuern wolle. Es sei wichtig, sicherzustellen, dass die Pflegenden durch gute Arbeitsbedingungen im Beruf gehalten werden und sich auch zukünftig genügend Interessenten für eine Pflegeausbildung fänden. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft sieht vor allem Bedarf für eine 100% Gegenfinanzierung der gestiegenen Kosten, z. B. durch Tarifsteigerungen oder Energiekosten. Mit einem Stellenprogramm für die Pflege würde das BMG in die Organisationshoheit der Krankenhäuser eingreifen. Vereinbart wurden drei Arbeitsgruppen, in denen die Themen Konkretisierung des 21.000 Stellen Programms, Handlungsempfehlungen zur Unterstützung eines sachgerechten Personaleinsatzes der Pflege im Krankenhaus und Attraktivität und den Perspektiven der Pflege im Krankenhaus behandelt werden.
Die erste AG soll rasch für das laufende Gesetzgebungsverfahren Vorschläge erarbeiten. Die beiden anderen AGs werden für den nächsten Gipfel im März 2009 Ergebnisse vorlegen. Presseinfo des BMG unter:
http://www.bmg.bund.de/cln_110/nn_11682 ... __nnn=true.
Die Pressemitteilung des DPR finden Sie unter: http://www.deutscher-pflegerat.de

Quelle: Mitteilung des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK) vom 15.9.2008
v.i.S.d.P
Peter Tackenberg
DBfK-Bundesverband e.V.
Salzufer 6
10587 Berlin
Tel.: 030-219157-0
Email: newsletter@dbfk.de

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Einstellung von 21.000 zusätzlichen Pflegekräften

Beitrag von Presse » 20.09.2008, 06:44

Einigung im Streit um Krankenhausfinanzierung
Freitag, 19. September 2008

Berlin – Bund und Länder haben den Streit über die künftige Krankenhausfinanzierung beigelegt. Das bestätigte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) am Freitag dem ZDF. Danach erhalten die Krankenhäuser eine kurzfristige Finanzzusage von drei Milliarden Euro.
...
Schmidt zufolge sollen 50 Prozent der Kosten der jüngsten Krankenhaus-Tarifrunde von den Beitragszahlern finanziert werden. Die Ministerin bezeichnete dies in der Zeitung als „fair“. Sicher sei jetzt auch, dass das Programm zur Einstellung von 21.000 zusätzlichen Pflegekräften in Krankenhäusern starten könne.
...
(mehr)
http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=33772

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Drei Milliarden Euro lösen Probleme nicht

Beitrag von Service » 20.09.2008, 11:15

Drei Milliarden Euro lösen Probleme der Klinikbeschäftigten nicht
19. September 2008

Den sich in der Regierungskoalition abzeichnenden Kompromiss zum Stopfen der Finanzierungslücke in den Krankenhäusern hält die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) für eine „verzweifelte Notoperation ohne nachhaltige Heilungschance“. Die angekündigten drei Milliarden Euro würden nicht ausreichen, die strukturelle Schieflage bei der Klinikfinanzierung auszugleichen. „Der Budgetdeckel darf nicht nur kurz gelüftet werden, der Budgetdeckel muss endgültig weg“, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Ellen Paschke.

Umso wichtiger sei es daher, dass die Klinikbeschäftigten am kommenden Donnerstag auf der Großdemonstration in Berlin ein deutliches Signal an die Bundesregierung setzten. „Die Krankenhausfinanzierung muss jetzt dauerhaft auf eine sichere Grundlage gestellt werden, sonst ist der nächste Pflegenotstand nicht zu vermeiden“, betonte Paschke. Mit der Ankündigung, 21.000 neue Stellen im Kliniksektor schaffen zu wollen, gestehe die Regierung zwar die Notlage in den Krankenhäusern ein. Da aber in den Jahren zuvor 100.000 Stellen weggefallen seien, bleibe die Belastung der Klinikbeschäftigten untragbar hoch. „Die Krankenhäuser sind noch weit von einer Rettung entfernt“, sagte Paschke.

Quelle: Pressemitteilung vom 19.9.2008
Herausgeber:
V.i.S.d.P.: Harald Reutter
ver.di-Bundesvorstand
Paula-Thiede-Ufer 10
10179 Berlin
Tel.: 030/6956-1011 bzw. -1012
Fax: 030/6956-3001
E-Mail: pressestelle@verdi.de

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Registriert: 29.07.2008, 12:37

Pflegenotstand - Pressemitteilung vom 24.09.2008

Beitrag von ProPflege » 24.09.2008, 07:07

Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
Vorstand:
Werner Schell – Harffer Straße 59 – 41469 Neuss
Tel.: 02131 / 150779 – E-Mail: ProPflege@wernerschell.de
Internet: http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de


24.09.2008

Pressemitteilung

>> Bei der stationären Versorgung der Patienten können wegen fehlender Pflegekräfte gefährliche Pflegesituationen kaum noch vermieden werden.
>> Die Personalbesetzung im Krankenhaus-Pflegedienst muss daher deutlich verbessert werden – im Interesse der Pflegenden und der Patienten!


Seit Mitte der 90er Jahre hat es einen Abbau von Pflege-Personalstellen in den Krankenhäusern gegeben, der inzwischen zu riskanter Krankenpflege und damit zu Patientengefährdungen geführt hat. Nach einer im Sommer 2007 vorgelegten Studie des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung (an der Katholischen Fachhochschule in Köln) sind in der zurückliegenden Zeit mindestens 50.000 Pflege-Personalstellen abgebaut worden. Dies, obwohl die Arbeitsverdichtungen in der Pflege aufgrund von Umstrukturierungen (Steigerung der zu versorgenden Patienten um 23%, Einführung der Fallpauschalen-Abrechnung, verkürzte Verweildauer der Patienten mit erhöhtem individuellen Pflege- und Betreuungsbedarf usw.) erheblich zugenommen haben. Der Stellenabbau erfolgte, obwohl anhand der gegebenen Pflegenotwendigkeiten eine Stellenaufstockung eher angezeigt gewesen wäre. Bedauerlicherweise hat man nur den ärztlichen Dienst verstärkt und dabei die pflegerischen Anforderungen völlig außer Acht gelassen.

Es ist daher zu begrüßen, dass das Bundesgesundheitsministerium bzw. die Bundesregierung ein Förderprogramm aufgelegt hat, mit dem in den nächsten drei Jahren in den bundesdeutschen Krankenhäusern insgesamt 21.000 neue Stellen für Pflegekräfte finanziert werden sollen. Bei der näheren Ausgestaltung dieses Programms sollte aber sichergestellt werden, dass die Finanzierung dieser Stellen ohne Eigenanteilfinanzierung der Krankenhäuser auch dauerhaft gesichert werden kann und nicht nach einer gewissen Zeit wieder mit einer Stellenumverteilung begonnen werden muss. Pflege-Personalstellen dürfen nicht wieder als bloße Kostenfaktoren betrachtet und nach Belieben anderen Bedürfnissen untergeordnet werden!

Es ist aber im Übrigen so, dass mit der Schaffung von 21.000 neuen Pflege-Personalstellen der zu beklagende Pflegenotstand nur gemildert, aber nicht beseitigt werden kann. Daher muss die Forderung erhoben werden, in absehbarer Zeit eine weitergehendere Verbesserung der Pflegesituation in den Krankenhäusern zu gewährleisten. Neben den jetzt geplanten 21.000 Pflege-Personalstellen erscheinen zusätzlich mindestens 30.000 Stellen erforderlich. Nur so kann ein Zustand hergestellt werden, der eine allseits befriedigende Krankenhauspflege auf Dauer sicherstellen kann. Zu bedenken sind dabei die aufgrund des demografischen Faktors wachsenden Anforderungen an die stationäre Versorgung der Menschen.

Im Zusammenhang mit einer umfassenden Aufstockung des Pflege-Personalbestandes in den Krankenhäusern wird auch die Forderung nach der Schaffung eines einheitlichen Per-sonalbemessungssystems erhoben. Insoweit kann die vor einigen Jahren außer Kraft gesetzte Pflege-Personal-Regelung (PPR) als Muster genutzt werden. Die PPR war offen-sichtlich eine gute Planungsgrundlage, die lediglich den aktuellen Entwicklungen angepasst werden müsste. Auf der Basis solcher Planungsgrundlagen können langfristig verlässliche Daten für die Personalentwicklung ermittelt werden.

Soweit die Krankenkassen der Meinung sind, es seien überhaupt keine zusätzlichen Pflege-Personalstellen in den Krankenhäusern notwendig - es habe eine Verlagerung der Pflege von den Krankenhäusern in die ambulante Versorgung gegeben - muss dem deutlich widersprochen werden. Tatsächlich gibt es in der ambulanten Pflege mehr Personal. Dies ist aber einzig allein auf die Anforderungen zurückzuführen, die sich aus dem Pflegeversicherungsrecht bzw. der Zunahme der hilfe- und pflegebedürftigen Menschen ergeben. Diese Personen werden überwiegend in familiären Strukturen gepflegt. Diese Strukturen sind aber mit ihren pflegerischen Angeboten kein Ersatz für die Krankenhaus-pflege, sondern ergänzen diese.

>> Der wichtigste Faktor in der Pflege sind die Pflegenden, denn Menschen können nur von Menschen gepflegt werden. Wir brauchen daher keinen Stellenabbau, sondern eine Beschäftigungsoffensive in allen Bereichen der Pflege!

Literatur zum Thema:

Michael Simon:
Personalabbau im Pflegedienst
der Krankenhäuser
Hintergründe – Ursachen - Auswirkungen

Verlag Hans Huber, Bern 2008

Werner Schell, Dozent für Pflegerecht und Vorstand von Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk

Der vorstehende Text ist zur Veröffentlichung freigegeben!
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Drei Milliarden Euro mehr Geld für Krankenhäuser

Beitrag von ProPflege » 24.09.2008, 17:56

Das Bundeskabinett hat heute, 24.9.2008, dem Entwurf eines Gesetzes zum ordnungspolitischen Rahmen der Krankenhausfinanzierung ab dem Jahr 2009 (Krankenhausfinanzierungsreformgesetz – KHRG) zugestimmt.

Tenor der Pressemitteilung:
Drei Milliarden Euro mehr Geld für Krankenhäuser

Nachlesbar unter
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