Billigarbeit in der Pflege ist nicht legal

Pflegespezifische Themen; z.B. Delegation, Pflegedokumentation, Pflegefehler und Haftung, Berufsrecht der Pflegeberufe

Moderator: WernerSchell

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Billigarbeit in der Pflege ist nicht legal

Beitrag von Presse » 13.02.2008, 17:25

"Billigarbeit in der Pflege ist nicht legal"
"Europa-Forum" thematisierte Europäisierung der Pflege und Schwarzarbeit

Die Pflegebranche blickt einem wichtigen Termin entgegen: 2009 oder spätestens 2011 kann die Bundesregierung die bestehende Beschränkung der Arbeitnehmerfreizügigkeit aufheben. Konkret heißt das: Dann dürfen osteuropäische Arbeitnehmer uneingeschränkt in Deutschland arbeiten. Was bedeutet das, insbesondere für das jetzt schon gravierende Problem der illegalen Beschäftigung in der Pflege? Dazu positionierten sich die Referenten des gestrigen "Europa-Forums" der "Altenpflege+Propflege 2008" in Hannover eindeutig.

"Schwarzarbeit ist illegal und wird bekämpft, denn sie verursacht Steuer- und Sozialversicherungsausfälle. Aber auch Billigarbeit ist nicht legal", stellte Dr. Günther Schauenberg klar. Der Leiter des Bereichs "Internationale Beziehungen" der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit stellte die momentan diskutierten legalen Beschäftigungskonstellationen vor. "Wenn jemand zu Dumpinglöhnen arbeiten muss, fällt das ebenfalls unter den Begriff Schwarzarbeit", stellte der Referent fest. "Denn auch diese so genannten Billigarbeitsverhältnisse werfen zahlreiche Probleme auf - von Steuerausfällen bis zu Notsituationen in den Familien, wenn die Hilfe wegen Krankheit ausfällt. Auch sie werden von der zuständigen Behörde verfolgt."

In seiner Eröffnungsrede brachte es Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter e. V. (bpa) und des europäischen Dachverbands ECHO, mit drei Fragen an die Politik auf den Punkt: "Kommt die Arbeitnehmerfreizügigkeit 2009 oder 2011? Was gedenkt die Regierung gegen die sich ausbreitende Schwarzarbeit zu unternehmen? Inwieweit werden die vom bpa gemachten Vorschläge berücksichtigt? Unserer Ansicht nach sollten Familien den finanziellen Aufwand für Haushaltshilfen steuerlich geltend machen können; darüber hinaus sollten gegebenenfalls finanzschwache Haushalte direkt unterstützt werden."

Klare Worte zu Billig-Pflegeangeboten kamen auch von Seiten der Politik. "24 Stunden, sieben Tage die Woche, für 1000 Euro und ohne soziale Absicherung - das ist Ausbeutung", sagte Kajo Wasserhövel, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales. "Wir sind gegen Schwarzarbeit. Wir müssen dafür vielmehr dafür sorgen, dass Arbeitsplätze qualitativ hochwertig sind. Dazu muss Deutschland seine Hausaufgaben machen." Für ihn ist im Kampf gegen Schwarzarbeit mehr Information das Mittel der Wahl. Sein Ministerium brauche weitere Bündnispartner, die sich eindeutig gegen illegale Beschäftigung aussprechen, appellierte er. Darüber hinaus warnte der Politikvertreter vor der Illusion, dass durch ein Legalisieren von illegalen Beschäftigungsverhältnissen die Probleme gelöst werden könnten.

Gemeinsam mit anderen arbeite sein Ministerium momentan an Vorschlägen, um Familien, die Hilfe für pflegebedürftige Angehörige benötigen, zu unterstützen. Zusätzlich zur bestehenden Regelung der steuerlichen Absetzbarkeit gebe es aktuell Überlegungen, im Pflegebereich weitere Impulse zu setzen, informierte Staatssekretär Wasserhövel.

Andere Nationen haben den Pflege-Arbeitsmarkt bereits geöffnet. So beschloss die italienische Regierung 2006, alle Arbeitsverhältnisse zu legalisieren. Für Dr. Piero Calandriello, ECHO-Repräsentant für Italien und Gesprächspartner in der Forums-Diskussion, ist das keine Option. Aktuell gebe es 500.000 legale nicht-italienische Pflegekräfte und 400.000 Illegale, die ohne jegliche Autorisierung und unter sehr schlechten Bedingungen arbeiten, berichtete er. "Das kann keine Lösung sein", so Calandriello. "Schwarzarbeit gibt es immer noch und die Regierung wird dem Bedarf weiterhin nicht gerecht."

Zum Abschluss des Europa-Forums "Pflege grenzenlos in Europa - ausländische Pflegekräfte zwischen Schwarzarbeit und Arbeitnehmerfreizügigkeit 2009" plädierte bpa-Präsident Bernd Meurer dafür, die bevorstehenden Öffnung des Pflege-Arbeitsmarkt nicht nur negativ zu sehen: "Die 'europäische Herausforderung in der Pflege' ist Anlass zu Befürchtungen, eröffnet jedoch auch Chancen. Tatsache ist: Mit der Überalterung der Gesellschaft wächst der Pflegebedarf und ein Personalmangel entsteht. Ein Plus an Pflegekräften könnte dem entgegenwirken und einen Beitrag dazu leisten, den Bedarf zu decken. Arbeitgeber sollten die Arbeitnehmerfreizügigkeit als Chance begreifen: Wenn Pflegekräfte aus osteuropäischen Staaten eine EU-Arbeitsgenehmigung bekommen, dürfen Pflegeanbieter sie als qualifizierte Pflegekraft oder als Haushaltshilfe regulär beschäftigen."

Quelle: Pressemitteilung vom 13.2.2008
bpa - priv. Anbieter sozialer Dienste

Siehe auch in diesem Forum:
Pflegehilfskräfte aus Osteuropa - Illegale in der Pflege
viewtopic.php?p=32352#32352

Pflegefan
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Billigpflege in den europäischen Verträgen angelegt

Beitrag von Pflegefan » 18.02.2008, 07:49

Billigpflege in den europäischen Verträgen angelegt

M.E. haben die Politiker Fehler gemacht. Bei den Verhandlungen zur Erweiterung der EU hätten Verträge gezimmert werden müssen, die die jetzigen Auswüchse von Billigpflege ausschließen. Das Jammern seitens der Politik ist nicht verständlich, die Verantwortlichen haben eklatante Fehler gemacht. Wer nahezu grenzenlose Dienstleistungsfreiheit zulässt, darf sich über die Folgen nicht wundern. - Was ist eigentlich, wenn die noch billigeren Hilfspflegekräfte aus Bulgarien und Rumänien kommen?

Pflegefan
"Die Menschenwürde ist unanstastbar" (Art. 1 Grundgesetz). Dies muss in der Pflege oberste Handlungsmaxime sein - für alle!

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Ausländische Haushaltshilfe

Beitrag von Presse » 28.01.2009, 14:06

Ausländische Haushaltshilfe
Bei der Versorgung eines Demenzkranken kann der Haushalt zu viel werden


Was viele Angehörige noch nicht wissen: Jeder kann sich über die Arbeitsagentur ganz legal eine ausländische Haushaltshilfe vermitteln lassen. Diese kann die hauswirtschaftliche Versorgung bernehmen und darf leichtere Tätigkeiten bei der Pflege leisten.
... (mehr)
http://www.3sat.de/3sat.php?/vivo/126250/index.html

nancy.4227
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.... ausländische Haushaltshilfe

Beitrag von nancy.4227 » 29.01.2009, 08:50

Das gibts aber auch:

Voraussetzungen für eine ausländische Haushaltshilfe
Es muss eine Person mit Pflegestufe eins, zwei oder drei bzw. seit dem 1. Juli 2008 auch mit der Pflegestufe Null mit im Haushalt des Arbeitgebers leben. Pflegestufe Null sind Menschen mit demenzbedingten Funktionsstörungen, geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen.

Kosten, die entstehen
Die Kosten sind je nach Bundesland unterschiedlich, zwischen 1100 Euro in Bremen und 1300 Euro in Hamburg. Zu dem Mindestlohn kommen für den Arbeitgeber noch 20 Prozent Sozialabgaben. Die Haushaltshilfe wird nicht bezuschusst, aber der Arbeitgeber kann bis zu 624 Euro pro Kalenderjahr absetzen. Ist die Pflegeperson schwerbehindert oder in Pflegestufe drei sind es bis zu 924 Euro pro Kalenderjahr.

Die Dauer von der Antragstellung bis zum Eintreffen der Hilfe
Es dauert ungefähr sieben Wochen und ist abhängig vom Bewerberzugang und der Einigung zwischen Bewerber und Arbeitgeber.

Tätigkeitsbereich der Haushaltshilfe
Sie darf im Haushalt anfallende Tätigkeiten wie Kochen, Wäsche waschen, Bügeln oder Putzen erledigen. Tätigkeiten, die zur Grundpflege der Patienten gehören, dürfen die Haushaltshilfen nicht ausführen, da ihnen dazu die Ausbildung fehlt.

Kontrolle der Tätigkeiten
Es wird nur kontrolliert, wenn ein Hinweis auf illegale Beschäftigung vorliegt. Durchgeführt werden die Kontrollen von der Bundesfinanzverwaltung, der "Ermittlungsgruppe Schwarzarbeit".

Dauer der Arbeitserlaubnis
Die Haushaltshilfe kann bis zu drei Jahren in Deutschland arbeiten. Sie erhält nach einem Jahr den uneingeschränkten Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt

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Hilfe rund um die Uhr – (l)egal durch wen?

Beitrag von Presse » 30.01.2009, 17:21

Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz
Hilfe rund um die Uhr – (l)egal durch wen?

Wenn Pflegebedürftige 24 Stunden am Tag in ihrer Wohnung betreut und versorgt werden müssen, ist dies meist nicht ohne Hilfe von außen zu leisten. Eine 24-Stunden-Pflege durch deutsche Pflegedienste verursacht recht hohe Kosten. Der Einsatz ausländischer Haushaltshilfen und Pflegekräfte wirft vor allem die Fra-ge auf, ob eine solche Beschäftigung erlaubt ist. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz informiert in einer Broschüre "Hilfe rund um die Uhr – (l)egal durch wen?" über die Gestaltungsmöglichkeiten beim Einsatz deutscher Pflegedienste sowie über Bedingungen für die Beschäftigung von Pflegekräften und Haushaltshilfen aus Osteuropa. Die Broschüre ist in allen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz kostenfrei erhältlich.
Viele pflegedürftige Menschen möchten in ihrer gewohnten Umgebung bleiben und nicht in ein Heim umziehen. Wenn die Versorgung rund um die Uhr nicht von Angehörigen gewährleistet werden kann, muss nach Alternativen gesucht werden. Der Einsatz von ausländischen Pflegekräften, insbesondere aus Osteuropa, erscheint zunächst eine preisgünstige Möglichkeit. Er birgt aber auch Risiken.
Die Broschüre "Hilfe rund um die Uhr – (l)egal durch wen?" informiert über die wichtigsten Punkte bei der Beschäftigung von Pflegekräften aus Osteuropa: Meldepflicht, entsandte Pflegekräfte, Scheinselbständigkeit, Kosten und Finanzierung. Zudem werden das Vermittlungsverfahren und die Vermittlungsbedingungen bei osteuropäischen Haushaltshilfen ausführlich erläutert. Beispielsweise ist die Arbeitnehmerfreizügigkeit für Bürger aus osteuropäischen EU-Beitrittsstaaten zurzeit ausgesetzt. Diese benötigen daher stets eine Arbeitserlaubnis für die Aufnahme einer Beschäftigung in Deutschland. Anderenfalls liegt eine illegale Beschäftigung vor.
Auch deutsche Pflegedienste bieten eine Versorgung rund um die Uhr an. Die Pflegedienste sind in der Regel von den Pflegekassen zugelassen und unterliegen entsprechenden Qualitätsanforderungen und Qualitätsprüfungen. Zudem zahlen die Pflegekassen bei Vorliegen einer Pflegestufe Pflegesachleistungen bis zu einem Höchstsatz von 1.470 € bei Pflegestufe III.
Die Informationsbroschüre "Hilfe rund um die Uhr" ist kostenlos und kann in sämtlichen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz abgeholt werden. Postversand erfolgt gegen 1,45 € in Briefmarken durch die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e.V., Versand, Postfach 41 07 in 55031 Mainz.
Fragen rund um das Thema Pflege beantworten die Expertinnen der Verbraucherzentrale montags und mittwochs von 10 bis 13 Uhr sowie donnerstags von 14 bis 18 Uhr unter der Rufnummer 06131/28 48 41.
VZ-RLP

Quelle: Pressemitteilung vom 23.1.2009
http://www.verbraucherzentrale-rlp.de/U ... ink535491A

WernerSchell
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Hilfe rund um die Uhr – (l)egal durch wen?

Beitrag von WernerSchell » 04.02.2009, 13:48

Buchtipp!

Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e.V.:

Hilfe rund um die Uhr – (l)egal durch wen?

Näheres hier:
http://www.verbraucherzentrale-rlp.de/U ... 5481A.html

Titel Dok.-Typ Größe
Broschüre 24 Stunden Pflege PDF 506.0 KB
http://www.verbraucherzentrale-rlp.de/m ... 68751A.pdf
Nachtrag zum Flyer 24 Stunden Pflege Stand :Januar 2009 PDF 18.6 KB
http://www.verbraucherzentrale-rlp.de/m ... 68761A.pdf
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Haushaltshilfen: Viel Schwarzarbeit bei Senioren

Beitrag von Service » 03.03.2009, 14:40

Haushaltshilfen: Viel Schwarzarbeit bei Senioren

Fast jeder dritte Deutsche hat im Jahr 2007 "schwarz" arbeiten lassen und dafür durchschnittlich etwa 1.000 Euro bezahlt. Das hat eine Umfrage für das Institut der deutschen Wirtschaft Köln ergeben. Dabei ging es vorwiegend um handwerkliche Leistungen und familienunterstützende Dienstleistungen wie Putzen, Hausaufgabenbetreuung, Bügeln und Gartenarbeit. Wie das Institut der deutschen Wirtschaft mitteilt, sei das Potenzial für haushaltsnahe Dienste enorm. So würden z.B. nur ein knappes Viertel der alleinstehenden Senioren bislang einen Profi im Haushalt beschäftigen.
Würden sich indes alle Bundesbürger, die sich nach der IW-Studie helfen lassen wollen, ebenfalls eine Hilfe im Haushalt leisten, könnten bis zu 600.000 Vollzeitstellen entstehen. Weitere knapp 180.000 volle Arbeitsplätze kämen hinzu, wenn auch nur 30 Prozent der familienunterstützenden Dienstleistungen regulär erbracht würden heute sind es 5 Prozent, so die Prognose des Instituts. (Quelle: Häusliche Pflege)

Lese-Tipp zum Thema Alltagshilfen als Geschäftsfeld
http://www.altenpflege.vincentz.net/_mi ... 177&fk=103

Quelle: Mitteilung vom 3.3.2009
Vincentz Network, Hannover

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Legale polnische Pflegekräfte

Beitrag von Presse » 08.08.2009, 06:38

Legale polnische Pflegekräfte

Auf Hilfe angewiesen und dennoch bezahlbar?Etwa 100.000 illegale Pflegekräfte - so die Schätzungen - arbeiten in Westdeutschland. Für viele betroffene Angehörige ist dies die einzig bezahlbare Lösung ihres Problems. Aber es gibt mittlerweile auch legale Alternativen.
.... (mehr)
http://www.hr-online.de/website/fernseh ... t_37664474

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Legalisierung osteuropäischer Pflegehelfer gefordert

Beitrag von Presse » 25.08.2009, 06:38

Haderthauer fordert Legalisierung osteuropäischer Pflegehelfer

Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU/Foto) hat die Legalisierung der Beschäftigung osteuropäischer Pflegehelfer gefordert. Die von vielen deutschen Familien bislang schwarz beschäftigten Haushaltshilfen seien oft die einzige Möglichkeit, an bezahlbare Hilfe zu kommen. „Wir müssen diese Unterstützung für die pflegenden Angehörigen ermöglichen und diesen Bereich aus der Schwarzarbeit herausholen“, zitiert die Deutsche Presse-Agentur Haderthauer.

Quelle: Pressemitteilung vom 24.08.2009
Bibliomed - Medizinische Verlagsgesellschaft mbH
Stadtwaldpark 10
D-34212 Melsungen
Website: http://www.bibliomed.de
E-Mail: info@bibliomed.de

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Legalisierung der Beschäftigung osteuropäischer Pflegehelfer

Beitrag von Rob Hüser » 25.08.2009, 07:16

Presse hat geschrieben: .... Legalisierung der Beschäftigung osteuropäischer Pflegehelfer gefordert. Die von vielen deutschen Familien bislang schwarz beschäftigten Haushaltshilfen seien oft die einzige Möglichkeit, an bezahlbare Hilfe zu kommen. „Wir müssen diese Unterstützung für die pflegenden Angehörigen ermöglichen und diesen Bereich aus der Schwarzarbeit herausholen“, ....
Die o.a. Forderung scheint auf den ersten Blick überzeugend. Allerdings kann es politisch nicht richtig sein, einen Zustand umfassnd zu legalisieren, der nicht nur positiv einzuschäten ist. Denn die osteuropäischen Hilfen werden ganz schön ausgenutzt. Arbeitszeitregeln können, wenn die Hilfe wirken soll, kaum eingehalten werden. Im Übrigen dürfen Haushaltshilfen keine Pflegeleistungen erbringen. .... Es stellen sich also viele Fragen, die aufzulösen wären.
Ich trete auch ein dafür, dass es ambulant finanzierbare Betreuungsangebote geben sollte. Aber insoweit müssen wir nach Lösungen suchen, die bundeweit verträglich sind.

Rob
Das Pflegesystem muss dringend zukunftsfest reformiert werden!

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Hauptsache billig - Discountpreise in der Pflege

Beitrag von Presse » 28.11.2009, 08:47

Hauptsache billig – Haderthauer für Discountpreise in der Pflege

Zur aktuellen Äußerung der bayerischen Sozialministerin Christine Haderthauer in
Hopferstadt zur Pflege durch osteuropäische Pflegekräfte erklärt Elisabeth Scharfenberg
MdB, pflege- und altenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen:


Da war er wieder, der berühmte Fettnapf, und Frau Haderthauer mittendrin.
Sie beherrscht dieses Medium wie kein anderes und ist zudem noch diskriminierend, ohne
wirklich eine Lösung des Problems unterbezahlter und oft illegaler Pflege in Deutschland
anzubieten.

Dass es Privathaushalte gibt, die die Pflege eines Angehörigen nur durch die Unterstützung
von osteuropäischen Pflegekräften aufrecht erhalten können – ist unbestritten. Hier zeigt sich
eine Betreuungs- und Versorgungslücke, die durch Angebote des Markts nicht gedeckt wird
oder gar nicht finanzierbar wäre. Und genau hier liegt doch das Problem. Angehörige schaffen
die Versorgung oft nicht allein. Sie müssen Beruf und Pflege, Kinderbetreuung unter einen
Hut bringen. Dann ist ein eine illegale Pflegekraft für viele ein Ausweg.
Es müssen Wege gefunden werden, die Beteiligen aus dieser Zwangslage zu holen. Es geht
dabei auch um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von mitunter illegalen
Pflegekräften. So sind diese oft 24-Stunden am Tag im Einsatz und nicht ausreichend
abgesichert im Krankheitsfall.

Wir Grüne sind für die Einführung eines branchenspezifischen Mindestlohns in der Pflege.
Zudem müssen Betroffene über ihre Ansprüche und Rechte besser Bescheid wissen. Sie
brauchen mehr Informationen über die Versorgungsmöglichkeiten vor Ort. Daher brauchen
wir dringend unabhängige Beratung. Denn laut Umfrage wisse selbst unter Pflegebedürftigen
und deren Angehörigen nur jeder zweite über seine Ansprüche ausreichend Bescheid.
Frau Haderthauers Äußerungen sind verletzend, gegenüber den osteuropäischen
Arbeitskräften und den hierzulande tätigen Pflegekräften. Ist es doch gerade die neue
Regierung unter CDU/CSU und FDP die den dringend notwendigen Mindestlohn in der
Pflege in Frage stellen, und diesen Missstand dadurch noch zementieren.

Quelle: Pressemitteilung vom 27.11.2009
________________________________
Elisabeth Scharfenberg, MdB
Bündnis 90/DIE GRÜNEN
im Deutschen Bundestag
Platz der Republik 1
11011 Berlin
Tel: 030 227 74 531
Fax: 030 227 76 655
elisabeth.scharfenberg@bundestag.de
Wahlkreisbüro
Kreuzstraße 6
95111 Rehau
Tel: 09283 89 81 940
Fax: 09283 89 81 941
elisabeth.scharfenberg@wk.bundestag.de
Web: http://www.elisabeth-scharfenberg.de

thorstein
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Beitrag von thorstein » 28.11.2009, 10:43

Einen qualitativen Unterschied zwischen Frau Haderthauer und Frau Scharfenberg ist für mich nicht erkennbar. Außer Polemik eine inhaltliche Nullnummer.

Ob wir osteuropäische Pflegekräfte – wer glaubt ernsthaft den Quatsch mit den Haushaltshilfen – legalisieren oder nicht, die Pflege und Betreuung ist nach unserem Rechtsverständnis so nicht zu gewährleisten oder nicht zu finanzieren. Diese Kräfte sollen eine Rund-um-Versorgung gewährleisten, d.h zwar nicht, das sie 24 h arbeiten müssen, aber sie sollen zur Verfügung stehen, wenn es notwendig ist. Bei Demenzkranken bedeutet genau das eben rund um die Uhr. Gehe ich von einem Stundenlohn von nur 3 Euro aus, komme ich hier schon auf Kosten von über 2000Euro. So ist es aber gar nicht gedacht, bezahlt werden soll nur die tatsächliche Arbeitsleistung, die Präsenz fällt unter den Tisch. Das erinnert doch sehr an Haussklaven.

Legen wir die Mindestlohndebatte zugrunde, wären auch mit Kosten von 1600 Euro zu rechnen. Wer soll das bezahlen? Die durchschnittliche Witwenrente liegt meines Wissens deutlich unter 1000Euro. Aber hier geht es nicht um den Durchschnitt sondern um eine ganz andere Klientel.

Wir nutzen die schlechteren Lebensbedingungen in anderen Ländern, um unsere Probleme zu lösen. Das wird dann noch als soziale Glanztat verkauft, weil die Ausbeutung bei uns zu einem höheren Lebensstandard im Herkunftsland führt.

PflegeCologne
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Pflegereform muss angemessene Pflege gewährleisten

Beitrag von PflegeCologne » 28.11.2009, 11:17

thorstein hat geschrieben: ---- wer glaubt ernsthaft den Quatsch mit den Haushaltshilfen – legalisieren oder nicht, die Pflege und Betreuung ist nach unserem Rechtsverständnis so nicht zu gewährleisten oder nicht zu finanzieren. Diese Kräfte sollen eine Rund-um-Versorgung gewährleisten, d.h zwar nicht, das sie 24 h arbeiten müssen, aber sie sollen zur Verfügung stehen, wenn es notwendig ist. Bei Demenzkranken bedeutet genau das eben rund um die Uhr. Gehe ich von einem Stundenlohn von nur 3 Euro aus, komme ich hier schon auf Kosten von über 2000Euro. So ist es aber gar nicht gedacht, bezahlt werden soll nur die tatsächliche Arbeitsleistung, die Präsenz fällt unter den Tisch. Das erinnert doch sehr an Haussklaven.
Legen wir die Mindestlohndebatte zugrunde, wären auch mit Kosten von 1600 Euro zu rechnen. Wer soll das bezahlen? Die durchschnittliche Witwenrente liegt meines Wissens deutlich unter 1000Euro. Aber hier geht es nicht um den Durchschnitt sondern um eine ganz andere Klientel.
Wir nutzen die schlechteren Lebensbedingungen in anderen Ländern, um unsere Probleme zu lösen. Das wird dann noch als soziale Glanztat verkauft, weil die Ausbeutung bei uns zu einem höheren Lebensstandard im Herkunftsland führt.
Hallo,
dass in zahlreichen Situationen aus der Sicht von Familien mit einem pflegebedürftigen Angehörigen der Einsatz einer billigen Haushaltshilfe aus Osteuropa als die einzige mögliche Lösung erscheint, ist zunächst nachvollziebar.
Politiker, Pflegefunktionäre .... (usw.) müssen aber m.E. von einem anderen Ansatz ausgehen. Wir müssen unsere bundesdeutschen Pflegesysteme so finanziell und personell ausstatten, dass eine angemesse Pflege in allen denkbaren Situationen gewährleistet werden kann. Wie schon - oben - ausgeführt, kann es auf Dauer nicht angehen, dass wir unsere Pflegebedingungen unvollkommen belassen und die sich ständig und vermehrt auftuenden Lücken durch Billigkräfte aus Osteuropa schließen lassen. Diese Arbeitskräfte aus dem Osten können nur deshalb - aus unserer Sicht - billig sein, weil die Kaufkraft in den Heimatländern deutlich geringer ist. Nicht selten müssen sich solche Personen aus Notlagen heraus für einen Einsatz in Deutschland entscheiden und werden dabei - systemisch begründet - komplett ausgenutzt.
Dies müssen wir so zur Kenntnis nehmen und vertretbare Lösungen finden, für alle Pflegesituationen mit bundesdeutschen Kräften Pflege zu gewährleisten. Daher brauchen wir eine Pflegereform an "Haupt und Gliedern", die ausreichend Geld für die Betreuung, Pflege und sonstige Versorgung verfügbar macht.
Offensichtlich will sich der Pflegetreff am 27.04.2010 genau diesem Thema zuwenden. Dass begrüße ich sehr!

MfG Pflege Cologne
Alzheimer - eine Krankheit, die mehr Aufmerksamkeit erfordert! - Pflegesystem muss dem angepasst werden, auch, wenn es teurer wird! - Ich bin dabei:
http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de

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Beitrag von denkMal » 13.12.2009, 13:53

Geht es beim Thema osteuropäische Pflegekräfte nicht in erster Linie darum, geschaffene Fakten und Fehlleistungen des Staates zu bewältigen?

Nachdem im letzten halben Jahrhundert das familiäre Gefüge auseinandergerissen wurde, das die erforderlichen Leistungen erbrachte, hat man keine Lösung gefunden, die sich daraus ergebenden Lücken so zu schließen, dass sie allgemein durchführbar und tragbar wären.

Dazu ist auch zu bemerken, wenn von (l)egaler Beschäftigung im Zusammenhang mit osteuropäischen Pflegekräften gesprochen wird, was wohl anders zu beurteilen wäre, würden die Aufgaben von einem Familienangehörigen erbracht. Ist er hiermit nicht auch überfordert, ausgebeutet und überbeansprucht? Das wäre nach der Definition aber legal, eine Beschäftigung, die zum Großteil neben den tatsächlichen Arbeiten im häuslichen Bereich auch auf Bereitschaft(sdienst) basiert, ist es jedoch nicht - ein sehr schwaches Argument!

Ina Böhmer
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Pflegereform muss eine Lösung bringen

Beitrag von Ina Böhmer » 13.12.2009, 14:09

denkMal hat geschrieben:Geht es beim Thema osteuropäische Pflegekräfte nicht in erster Linie darum, geschaffene Fakten und Fehlleistungen des Staates zu bewältigen? ...
Hallo,
dass der Staat die seit vielen Jahren zum Lebensrisiko gewordene Pflegebedürftigkeit nur unzureichend geregelt ist, kann unterstellt werden. Daher ist auch, wie oben gesagt, eine Pflegereform an "Haupt und Gliedern" zwingend erforderlich.
Tatsächlich sind Pflegesituationen, die Hilfe rund um die Uhr erfordern, mit den Mitteln und Möglichkeiten unserer derzeitigen Pflegeversicherung nicht zu beherrschen. Daher müssen sich die betroffenen Familien etwas einfallen lassen, ggf. auf osteuropäische Hilfen zurückgreifen. Das kann man gut verstehen.
Allerdings dürfen m.E. solche Lösungen nicht generell gebilligt werden, denn sie sind aus vielerlei Gründen problematisch oder gar rechtswidrig.
Ich denke, dass die nächste Pflegereform Hilfen vorsehen muss, die die Rundumbetreuung eines pflegebedürftigen Menschen eher sichern hilft. M.E. muss "ambulant vor stationär" ausgebaut werden. Dann lassen sich innerfamiliär vielerlei Möglichkeiten zur Pflege gestalten.

Lb Grüße Ina B.
Der Pflegeberuf verdient mehr Anerkennung!

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