Gefährliche Stürze im hohen Alter

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Gefährliche Stürze im hohen Alter

Beitrag von WernerSchell » 11.10.2018, 17:06

PRESSEMITTEILUNG VON DGU UND DGG vom 26.09.2018
http://www.dgu-online.de/news-detailans ... -ther.html

WEISSBUCH ALTERSTRAUMATOLOGIE: UNFALLCHIRURGEN UND ALTERSMEDIZINER FORDERN UNTERSTÜTZUNG BEI DER THERAPIE ÄLTERER STURZPATIENTEN

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Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) haben heute auf einer Pressekonferenz in Berlin das Weißbuch Alterstraumatologie vorgestellt. Es führt die wichtigsten Schritte einer guten Versorgung von älteren Patienten mit Knochenbrüchen auf. Kern der Behandlungsempfehlungen ist die Zusammenarbeit von Unfallchirurgen und Altersmedizinern in einem multiprofessionellen Team. Damit lässt sich laut einem aktuellen Studienergebnis die Sterblichkeit älterer Patienten nach einem Oberschenkelhalsbruch um mehr als 20 Prozent senken. Daher fordern beide Fachgesellschaften unter anderem die Übernahme ihrer Empfehlungen in die Regelversorgung. „Aufgrund der demografischen Entwicklung und der damit verbundenen rasanten Zunahme von Altersbrüchen müssen auch die Strukturen in der Alterstraumatologie mitwachsen“, betont DGU-Präsident Prof. Dr. Joachim Windolf, Direktor der Klinik für Unfall- und Handchirurgie der Universitätsklinik Düsseldorf.

Die Hüftfraktur, auch Oberschenkelhalsbruch genannt, ist die mit Abstand am häufigsten im Krankenhaus behandelte Fraktur. Das Durchschnittsalter dieser Patienten liegt bei über 82 Jahren. Der Unfall kann tödlich enden: 10 Prozent der Patienten sterben innerhalb der ersten 30 Tage nach ihrem Sturz. Bis zu 20 Prozent verlieren ihre Selbstständigkeit und müssen im Folgejahr in eine Pflegeeinrichtung einziehen. „Diese dramatische Mortalitätsrate müssen wir senken“, sagt DGG-Past-President Prof. Dr. Jürgen M. Bauer, Ärztlicher Direktor am Agaplesion Bethanien Krankenhaus Heidelberg.

Das Ergebnis der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Studie „Prävention, Therapie und Rehabilitation osteoporotischer Frakturen in benachteiligten Populationen“ (PROFinD) zeigt das enorme Verbesserungspotenzial für Deutschland: Arbeiten Unfallchirurgen, Altersmediziner (Geriater), Physiotherapeuten sowie Sozial- und Pflegedienst in einem Team zusammen, sinkt die Sterblichkeit um mehr als 20 Prozent. „Diese multiprofessionelle Zusammenarbeit verbessert die Überlebensrate unsere Patienten drastisch“, sagt Prof. Dr. Clemens Becker, Chefarzt der Abteilung für Geriatrie und Klinik für Geriatrische Rehabilitation des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart.

Aufgrund international vorliegender Erfahrungen haben die DGU und die DGG mit ihren Zertifizierungsinitiativen AltersTraumaZentrum DGU® (ATZ-DGU) und Alterstraumatologisches Zentrum DGG (atz-DGG) bereits seit 2014 damit begonnen, die im Weißbuch Alterstraumatologie enthaltenen Empfehlungen umzusetzen. Aktuell sind bereits über 100 Kliniken als Alterstraumazentrum zertifiziert. In diesen Kliniken werden unter anderem folgende Anforderungen erfüllt:

Versorgung des Knochenbruchs innerhalb von 24 Stunden
Behandlung durch ein multiprofessionelles Team
Behandlung nach genau festgelegten Therapiestandards
Behandlung der Begleiterkrankungen
Anwendung einer spezifischen auf das Alter der Patienten angepassten Schmerztherapie
Anwendung spezieller schonender OP-Techniken, die eine unmittelbare Vollbelastung nach der Operation erlauben
Durchführung einer frühzeitigen Mobilisation, um einem weiteren Abbau des Allgemeinzustandes der Patienten entgegen zu wirken
Durchführung einer intensiven Rehabilitation unmittelbar nach der Operation

So soll verhindert werden, dass bei alten Menschen die OP-Strapazen zu einer Verschlechterung des ohnehin schon oftmals sehr eingeschränkten Allgemeinzustandes führen und die Gefahr der dauerhaften Pflegebedürftigkeit droht. „Nur durch eine strukturierte Versorgung können Patienten rasch operiert werden, gefährliche Medikamentenkombinationen vermieden und die Delirrate gesenkt werden. Unser Ziel ist, die Selbstständigkeit und damit die Selbstbestimmung unserer Patienten zu erhalten“, sagt Prof.Dr. Ulrich Liener, Leiter der DGU-Arbeitsgemeinschaft Alterstraumatologie und Leiter der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie Marienhospital Stuttgart.

Die ATZ-DGU sind verpflichtet, ihre Daten in das AltersTraumaRegister DGU® (ATR-DGU) einzupflegen. Das an die internationale Forschung angepasste ATR-DGU soll zukünftig zeigen, an welchen Stellen die Behandlungsqualität für die hochbetagten Unfallpatienten noch weiter verbessert werden kann.

Aus den von Unfallchirurgen und Altersmedizinern gewonnenen Kenntnissen und den in die Zukunft gerichteten Vorleistungen ergeben sich vier Forderungen von DGU und DGG an den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) und die Leistungsträger:

Behandlung von Verletzungen im Alter durch ein multiprofessionelles Team zur Regelversorgung machen
Die gemeinsame Versorgung von Patienten durch Unfallchirurgen und Altersmediziner (Geriater) sowie das interprofessionelle Management verbessern nachweislich die Ergebnisse. Der entsprechende Mehraufwand durch diese ganzheitliche Versorgung, welcher sich direkt in der Verbesserung des Therapieerfolgs niederschlägt, muss entsprechend vergütet werden.

Qualitätssicherung und Forschung fördern durch nationales Fraktur-Register
Relevante Altersverletzungen müssen in einem nationalen Register erfasst werden. So können Versorgungsprozesse ausgewertet und der Therapieerfolg dargestellt werden. Nur ein unabhängiges nationales Register erlaubt auf der Basis von wissenschaftlichen Daten die Weiterentwicklung der Behandlungsverfahren und den Vergleich von Behandlungsergebnissen.

Knochenbrüche vermeiden durch Sekundärprävention
Die hohe Anzahl von Altersbrüchen muss durch eine konsequentere medikamentöse Osteoporose-Therapie gesenkt werden. Denn der überwiegende Teil der Patienten mit einem Hüftbruch hat bereits in den Jahren zuvor eine Fraktur erlitten, die durch Osteoporose bedingt ist. Dazu müssen Strukturen geschaffen werden, die die flächendeckende Sekundärprävention unmittelbar nach dem ersten Bruch sicherstellen.

Behandlungsergebnis verbessern durch geriatrische Frührehabilitation
Die geriatrische Frührehabilitation verbessert nachweislich das Behandlungsergebnis. Die aktuelle Rechtsprechung des Bundessozialgerichtes (Urteil B1 KR 19/17 R vom 19.12.2017) gefährdet die frührehabilitative Komplexbehandlung durch nicht praktikable und medizinisch unangemessenen Vorgaben. Um eine einschneidende Verschlechterung der medizinischen Versorgung und Erhöhung der Mortalität zu vermeiden, sind Korrekturen der Vorgaben notwendig.

Die Bereitstellung geriatrischer Versorgungstrukturen in der Medizin fordert auch die Gerontologin Prof. Dr. Ursula Lehr, ehemalige Direktorin des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg und stellvertretende Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO). Sie sagt: „Die interdisziplinäre Behandlung, wie sie in den alterstraumatologischen Zentren durchgeführt wird, muss zur Regelversorgung werden.“

Downloads
Pressemappe Weißbuch Alterstraumatologie 984 KB > http://www.dgu-online.de/fileadmin/publ ... Studie.pdf
Weissbuch_Alterstraumatologie_2018.pdf 4 MB > http://www.dgu-online.de/fileadmin/publ ... e_2018.pdf
Links
Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) > http://www.dggeriatrie.de/
Weißbuch Alterstraumatologie > http://www.dgu-online.de/qualitaet-sich ... logie.html

Kontakt
Susanne Herda, Swetlana Meier
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU)
Straße des 17. Juni 106-108, 10623 Berlin

Quelle: Mitteilung vom 26.09.2018
http://www.dgu-online.de/

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Gefährliche Stürze im hohen Alter

Er wird meist durch einen Sturz verursacht: Der Oberschenkelhalsbruch ist der am häufigsten im Krankenhaus behandelte Knochenbruch. Viele der Patienten – ihr Durchschnittsalter liegt bei über 82 Jahren – haben nach diesem Bruch große Probleme, wieder auf die Beine zu kommen. Zehn Prozent sterben innerhalb der ersten 30 Tage nach dem Unfall, bis zu 20 Prozent verlieren ihre Selbstständigkeit und müssen im Folgejahr in eine Pflegeeinrichtung einziehen. Aber es gibt ein neues Konzept mit Behandlungs-Empfehlungen, um diese Zahlen zu verbessern – vorgestellt von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie und der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie. Quarks-Reporterin Christina Sartori gibt Einblicke in das Konzept.
audio (06,20 Min.) > https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr ... r-100.html

Quelle: Mitteilung vom 26.09.2018
Quarks-Team
Westdeutscher Rundfunk Köln
Anstalt des öffentlichen Rechts
Appellhofplatz 1
50667 Köln
Postanschrift: 50600 Köln
Tel.: 0221/220 - 0
Fax: 0221/220 - 4800
E-Mail: redaktion@wdr.de

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Ärzte Zeitung vom 26.09.2018
Oberschenkelhalsbruch
Weniger Todesfälle dank Klinik-Teams

Viele Senioren, die bei einem Sturz einen Oberschenkelhalsbruch erlitten haben, sterben kurz darauf. Gibt es allerdings in der Klinik ein Team aus Unfallchirurgen, Geriatern und Physiotherapeuten, das sich gemeinsam kümmert, sinkt ihr Sterberisiko. mehr » https://www.aerztezeitung.de/nl/?sid=97 ... efpuryykqr
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Gefährliche Stürze im hohen Alter

Beitrag von WernerSchell » 10.12.2018, 07:35

Aus Forum:
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Buchtipp!

Ulrich Christoph Liener / Clemens Becker / Kilian Rapp (Hrsg.)

Weißbuch
Alterstraumatologie


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1. Auflage 2018
ISBN / Artikel-Nr: 978-3-17-034360-3
Seiten: 106
Illustrationen etc.: 4 Abb.
Maße: 232mm x 155mm x 6mm
Preis: EUR 35,00


Die Zahl der alterstraumatologischen Verletzungen nimmt in Deutschland durch den demografischen Wandel dramatisch zu. Um dieser Herausforderung zu begegnen und die Versorgung zu verbessern, entstehen zunehmend Alterstraumatologische Zentren, in denen ältere Frakturpatienten gemeinsam durch Unfallchirurgen und Geriater behandelt werden. Ziel des orthogeriatrischen Co-Managements ist es, die körperliche Funktionalität der Patienten nach Fraktur zu verbessern und deren Mortalität und Zahl an Heimeinweisungen zu senken. Das Weißbuch führt die wichtigsten Schritte einer guten Versorgung von älteren Frakturpatienten auf und enthält von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie und der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie konsentierte nationale Behandlungsempfehlungen.

Quelle und weitere Informationen:
https://www.kohlhammer.de/wms/instances ... -034360-3/
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Risiko Hüftfraktur bei älteren Menschen - Orthogeriatrisches Co-Management senkt Sterblichkeit

Beitrag von WernerSchell » 04.02.2020, 17:57

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Risiko Hüftfraktur bei älteren Menschen - Orthogeriatrisches Co-Management senkt Sterblichkeit

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Die Sterblichkeit nach einer Hüftfraktur ist noch immer recht hoch.
Die gemeinsame Betreuung von Unfallchirurgen und Geriater senkt das Risiko enorm
Foto: Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart


Hüftfrakturen treten überwiegend bei Patientinnen und Patienten über 80 Jahren auf und ziehen eine erhöhte Sterblichkeit nach sich. Das Zusammenspiel von Unfallärzten, Chirurgen und Spezialisten für Alternsmedizin hilft, die Sterblichkeit der Betroffenen erheblich zu senken. Vor allem in den ersten 30 Tagen nach der Krankenhausaufnahme war die relative Mortalitätsrate um 22 Prozent geringer. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Forschenden der Universität Ulm in Zusammenarbeit mit Partnern aus Stuttgart und Hamburg über das so genannte orthogeriatrische Co-Management.

Das Zusammenspiel von Unfallärzten, Chirurgen und Spezialisten für Alternsmedizin hilft, die Sterblichkeit von älteren Patientinnen und Patienten mit Hüftfrakturen erheblich zu senken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Forschenden der Universität Ulm in Zusammenarbeit mit Partnern aus Stuttgart und Hamburg über das so genannte orthogeriatrische Co-Management. Dazu haben die Ärztinnen und Ärzte die Daten von rund 58 000 Menschen ausgewertet, die in deutschen Krankenhäusern mit der Diagnose Hüftfraktur behandelt worden sind. Die Ergebnisse wurden im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht.

Hüftfrakturen gehören zu den so genannten Fragilitätsfrakturen und treten überwiegend bei Patientinnen und Patienten im Alter über 80 Jahre auf. Dieser Personenkreis ist außerdem häufig sehr gebrechlich und leidet unter vielen weiteren Krankheiten und Alterungserscheinungen. Auch gehen diese Frakturen für die Betroffenen oft mit großen Schmerzen einher, und die Betroffenen verlieren danach in vielen Fällen dauerhaft einen großen Teil ihrer Selbstständigkeit – auch Todesfälle sind zu beklagen. Innerhalb eines Jahres versterben laut Weißbuch Alterstraumatologie bis zu 30 Prozent der Patientinnen und Patienten. Dass eine Hüftfraktur keine seltenes Phänomen ist, zeigen die Fallzahlen: Allein 2018 wurden in Deutschland 120 000 so genannte hüftgelenknahe Femurfrakturen, umgangssprachlich auch „Oberschenkelhalsfrakturen“ genannt, stationär operiert. Bei älteren Menschen mit Pflegebedarf besteht ein besonders hohes Frakturrisiko.

Zusammen mit Kooperationspartnern aus dem Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart sowie dem Institut für Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf haben Ulmer Forschende die Auswirkungen eines neuen Behandlungsmodells, des orthogeriatrischen Co-Managements, auf die Patientinnen und Patienten mit Hüftfrakturen untersucht.

„Aufgrund der demographischen Veränderung werden die Frakturen in den nächsten Jahren deutlich zunehmen. Dies stellt die unfallchirurgischen Abteilungen zunehmend vor Probleme. Denn die Patientinnen und Patienten leiden häufig unter einer Vielzahl von Begleiterkrankungen und nehmen deshalb eine Reihe unterschiedlicher Medikamente ein. Die Behandlung ist komplex und erfordert nicht nur die operativ-unfallchirurgische, sondern die internistisch-geriatrische Expertise“, erklärt Professor Dietrich Rothenbacher, Leiter des Instituts für Epidemiologie und Medizinische Biometrie der Universität Ulm. „Wir wissen aus anderen Ländern, dass sich die Zusammenarbeit von Chirurgie und Geriatrie bei der Versorgung von älteren Betroffenen günstig auswirkt. Daten aus Deutschland waren dazu aber nicht vorhanden“, schildert Professor Kilian Rapp, stellvertretender Forschungsleiter am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart die Ausgangslage.

Beim so genannten Co-Management behandeln Unfallchirurgen und Geriater Fragilitätsfrakturen gemeinsam. Kernkomponente der Therapie ist es, die Patientinnen und Patienten möglichst rasch zu mobilisieren. Unter der Leitung eines Geriaters arbeitet bereits im Krankenhaus ein multidisziplinäres Team aus Physio- und Ergotherapie, speziell weitergebildeten Pflegekräften sowie Sozialarbeiterinnen und -arbeitern und weiteren Experten zusammen.

Den Forschenden lagen die Daten einer großen deutschen Krankenkasse vor, der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK). Die Krankenkassen-Daten erlaubten auch Aussagen über einen vorliegenden Pflegegrad oder einen Aufenthalt im Pflegeheim. AOK-Versicherte repräsentieren rund ein gutes Drittel der gesetzlichen Krankenversicherten in Deutschland. In der Studie konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler so auf einen recht großen Datensatz zurückgreifen, der fast die Hälfte der in Deutschland innerhalb eines Jahres vorkommenden Hüftfrakturen umfasst.

Die Forschenden kommen in ihrer Studie zu dem Fazit, dass Patientinnen und Patienten, die in einem Krankenhaus mit orthogeriatrischem Co-Management behandelt wurden, ein geringeres Risiko hatten, nach einer Hüftfraktur zu versterben. Vor allem in den ersten 30 Tagen nach der Aufnahme war die relative Mortalitätsrate um 22 Prozent geringer. „Aus den Zahlen können wir abschätzen, dass durch orthogeriatrisches Co-Management etwa 30 Todesfälle pro 1000 Hüftfrakturen vermieden werden. Dieses eindrucksvolle Ergebnis zeigt, wie notwendig die interdisziplinäre Zusammenarbeit hier ist“, so Professor Rothenbacher.

Dabei war die Aufenthaltsdauer der Betroffenen in Krankenhäuser mit orthogeriatrischem Co-Management zwar länger als ohne (19,8 Tage im Vergleich zu 14,4 Tagen). Dieser Wert relativierte sich aber wieder, wenn man die Gesamtbehandlungsdauer beobachtet. Insgesamt wurden Patientinnen und Patienten mit Hüftfrakturen im orthogeriatrischem Co-Management im Durchschnitt lediglich zwei Tage länger behandelt.

Die Studie wurde durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Konsortialprojekts „Prevention and Rehabilitation of Osteoporotic Fractures in Disadvantaged Populations 2 – PROFinD2“ gefördert.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Dietrich Rothenbacher, Leiter des Instituts für Epidemiologie und Medizinische Biometrie, Tel.: 0731/50-31060, dietrich-rothenbacher@uni-ulm.de

Originalpublikation:
Rapp K, Becker C, Todd C, Rothenbacher D, Schulz C, König HH, Liener U, Hartwig E, Büchele G: The association between orthogeriatric co-management and mortality following hip fracture—an observational study of 58 000 patients from 828 hospitals. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 53–9. DOI: 10.3238/arztebl.2020.0053

Quelle: Pressemitteilung vom 04.02.2020
Daniela Stang Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Ulm
https://idw-online.de/de/news730987
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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