10 Regeln der DGE für eine ausgewogene Ernährung

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Regierung sieht keine wissenschaftliche Begründbarkeit der Zuckersteuer

Beitrag von WernerSchell » 19.08.2019, 06:06

Ärzte Zeitung vom 19.08.2019:
Kritik nach Erklärung
Regierung sieht keine wissenschaftliche Begründbarkeit der Zuckersteuer

Zuckerhaltige Softdrinks sind laut WHO eine Ursache für Adipositas und Diabetes. Die Getränke gehörten extra besteuert. Doch Deutschland ziert sich. Die Begründung mutet für Manchen kurios an. ... (weiter lesen unter) ... http://ods-mailing.springer-sbm.com/d-r ... &tags=test

Anmerkung:
Es gibt ausreichend Argumente dafür, dass eine Zuckersteuer eingeführt werden muss. Alternativen zur Senkung des Zuckerverbrauchs gibt es offensichtlich nicht. Die Regierung ist mit ihrer neuen Einschätzung auf dem "Holzweg"!
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Fischölkapseln nützen einfach nichts

Beitrag von WernerSchell » 21.08.2019, 07:02

Fischölkapseln helfen nicht

Lange galten Fischölkapseln, wegen ihrer Omega-3-Fettsäuren, als gute Vorbeugung gegen Herz-Kreislaufkrankheiten. Sie sollten Entzündungen hemmen, oder die Zellwände elastischer halten. Ursprünglich kommt diese Idee daher, dass Menschen, die viel Fisch essen – und daher eine gute Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren haben – seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Doch vielleicht liegt das gar nicht an den Fettsäuren allein, sondern auch an anderen Inhaltsstoffen im Fisch. Denn letztes Jahr kamen Studien zu dem Schluss: handelsübliche Fischölkapseln mit einem Gramm Omega-3-Fettsäuren, pro Tag eingenommen, bringen nichts. Weder gesunde Menschen, noch Diabetiker bekamen weniger Herzinfarkte, wenn sie solche Fischölkapseln nahmen. Quarks-Reporterin Antje Sieb berichtet | audio > https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr ... t-100.html

Mehr:
"Omega-3-Kapseln: völlig überbewertet" ein quarks-Beitrag vom 05.03.2019 | quarks.de > https://www.quarks.de/gesundheit/ernaeh ... ttsaeuren/
"Omega-3-Fettsäuren helfen wenig" ein WDR 5 Quarks-Beitrag vom 18.07.2018 | audio > https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr ... g-100.html

Quelle: Mitteilung vom 20.08.2019
Quarks-Team - quarks@wdr.de
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Hohe Triglyceride - US-Experten raten zu Omega-3-Fettsäuren

Beitrag von WernerSchell » 26.08.2019, 06:05

Ärzte Zeitung online, 25.08.2019
Hohe Triglyceride
US-Experten raten zu Omega-3-Fettsäuren

Für Patienten mit einfacher Hypertriglyceridämie könnte eine Monotherapie mit Omega-3-Fettsäuren ausreichend sein, heißt es in neuen Empfehlungen der US-amerikanischen Kardiologengesellschaft.
Von Robert Bublak
DALLAS. Experten der American Heart Association (AHA) haben eine wissenschaftliche Empfehlung herausgegeben, Patienten mit Hypertriglyceridämie Omega-3-Fettsäuren zu verordnen (Circulation 2019, online 19. August).
In ihrer Empfehlung zur Behandlung von Hypertriglyceridämie mit den Fischölen Eicosapentaen- (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) unterscheiden die AHA-Experten zwischen einfach (200–499 mg/dl) und ausgeprägt erhöhten Triglyceridspiegeln (≥ 500 mg/dl).
Für Patienten mit einfacher Hypertriglyceridämie könnte demnach sogar eine Monotherapie mit Omega-3-Fettsäuren ausreichend sein. --- (weiter lesen unter) ... http://ods-mailing.springer-sbm.com/d-r ... &tags=test
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Kinderärzte für Zuckersteuer im Kampf gegen Übergewicht

Beitrag von WernerSchell » 08.10.2019, 05:52

Deutsches Ärzteblatt vom 07.10.2019:
Kinderärzte für Zuckersteuer im Kampf gegen Übergewicht
Bad Orb – Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hat sich zur Vorbeugung von Übergewicht und Fettleibigkeit bei Heranwachsenden erneut für die Einführung einer Zuckersteuer ausgesprochen. Bei einem Blick ins Ausland zeige sich, dass... [mehr] > http://170770.eu1.cleverreach.com//c/30 ... 975-pz0i4u


Ärzte Zeitung online, 08.10.2019

Lebensmitteldiscounter
Löffel-Strategie für weniger Zucker im Alltag

NECKARSULM. Eine Woche nachdem Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) verkündet hat, der Lebensmittelindustrie zeitnah die Kennzeichnung von Fertignahrungsmitteln mit dem Nutri-Score vorzuschlagen, prescht der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) vor.
Lidl hat angekündigt, am Donnerstag mit einer „nationalen Sensibilisierungskampagne zur Zuckerreduktion im Alltag“ zu starten. Hauptakteur der Kampagne ist demnach der „Lidl-Löffel“ – ein Teelöffel mit Erhebung in der Mitte, die das Fassungsvermögen des Löffels minimiert. So spart der Anwender nach Aussage des Unternehmens „automatisch 20 Prozent Zucker.“ ... (weiter lesen unter) ... > http://ods-mailing.springer-sbm.com/d-r ... &tags=test

Kinderärzte fordern
Zuckersteuer im Kampf gegen Übergewicht

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) fordert zur Vorbeugung von Übergewicht und Fettleibigkeit bei Heranwachsenden die Einführung einer Zuckersteuer. ... (weiter lesen unter) ... > http://ods-mailing.springer-sbm.com/d-r ... &tags=test
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Zucker, Fett, Salz: Weniger ist mehr

Beitrag von WernerSchell » 15.10.2019, 16:46

Zucker, Fett, Salz: Weniger ist mehr
vzbv veröffentlicht Faktenblatt zur Reduktionsstrategie für Zucker, Fett und Salz


Über die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland ist übergewichtig, fast ein Viertel fettleibig. Zu süße, zu salzige und zu fettige Lebensmittel sind ständig und überall verfügbar. Das erschwert es Verbraucherinnen und Verbrauchern, sich gesund zu ernähren. Eine Strategie mit ambitionierten und verbindlichen Zielen für weniger Zucker, Fett und Salz in verarbeiteten Nahrungsmitteln kann zu einem ausgewogenen Lebensmittelangebot beitragen.

Die wichtigsten Informationen und Forderungen zum Thema hat der vzbv in einem zweiseitigen Faktenblatt zusammengefasst.
>> Klicken Sie hier, um das Faktenblatt direkt als pdf-Datei herunterzuladen. >> https://newsletter.vzbv.de/d/d.pdf?o00d ... u2vbtq3e30


Quelle: Pressemitteilung vom 15.10.2019
Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv)
Pressestelle
Rudi-Dutschke-Straße 17
10969 Berlin
Tel.: (030) 25 800-525
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Hoher Zucker-Verbrauch in Deutschland! - Zucker-Experiment in Berkenthin verdeutlicht die Probleme

Beitrag von WernerSchell » 23.10.2019, 07:02

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Hoher Zucker-Verbrauch in Deutschland! - Zucker-Experiment in Berkenthin verdeutlicht die Probleme. NDR-Visite berichtete am 22.10.2019!
>>> https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/ ... en374.html


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Britische Limo-Steuer wirkt: Zuckergehalt in Getränken sinkt um 35 Prozent - foodwatch fordert Abgabe auch für Deutschla

Beitrag von WernerSchell » 16.01.2020, 16:07

Britische Limo-Steuer wirkt: Zuckergehalt in Getränken sinkt um 35 Prozent - foodwatch fordert Abgabe auch für Deutschland

- Verbraucherorganisation: Steuer muss auch Süßstoff-Getränke umfassen
- Mehrwertsteuer für Obst und Gemüse sollte im Gegenzug gesenkt werden
- Fanta in Deutschland enthält doppelt so viel Zucker wie in Großbritannien


Berlin, 16. Januar 2020. Seit der Einführung einer Limo-Steuer in Großbritannien haben britische Getränkehersteller den Zuckergehalt ihrer Produkte deutlich reduziert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Oxford. Demnach enthielten sogenannte Erfrischungsgetränke 2015 im Schnitt noch 4,4 Gramm Zucker pro 100 Milliliter. 2019 waren es nur noch 2,9 Gramm pro 100 Milliliter - dies entspricht einem Rückgang um etwa 35 Prozent. Auch der Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker über Getränke ist in diesem Zeitraum um 30 Prozent bzw. 4,6 Gramm pro Tag gesunken. Insgesamt ist den Forschern zufolge der Absatz von den von der britischen Abgabe erfassten mittelstark und stark gezuckerten Getränken um 50 Prozent zurückgegangen. Der Verkauf von Wasser sowie zuckerfreien und zuckerarmen Getränken, die nicht von der Abgabe erfasst sind, stieg hingegen um 40 Prozent an.
"Die Limo-Steuer in Großbritannien hat zu einem Zuckersturz im Getränke-Regal geführt. In Deutschland hingegen reiht sich noch immer Zuckerbombe an Zuckerbombe. Daran hat auch die Strategie der freiwilligen Zuckerreduktion von Ernährungsministerin Julia Klöckner nichts geändert", erklärte Luise Molling von der Verbraucherorganisation foodwatch. Deutschland hinke im internationalen Vergleich weit hinterher - neben Großbritannien gingen mittlerweile etliche Staaten mit steuerlichen Anreizen aktiv gegen Fehlernährung, Fettleibigkeit und Diabetes vor, darunter Irland, Portugal, Estland, Belgien, Norwegen, Finnland und Frankreich. "Höchste Zeit, dass Julia Klöckner Getränke-Hersteller in die Pflicht nimmt. Die Ernährungsministerin muss die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger endlich über die Interessen der Lebensmittellobby stellen: Wir brauchen auch in Deutschland eine Herstellerabgabe auf überzuckerte Getränke, im Gegenzug sollten Obst und Gemüse von der Mehrwertsteuer befreit werden", so Luise Molling.
foodwatch kritisierte allerdings, dass die britische Limo-Steuer bisher Süßstoffe außen vor lasse. Dadurch würden einige Hersteller den Zucker durch Süßstoffe ersetzen. Rezepturänderungen sollten jedoch darauf abzielen, nicht nur den Gehalt von Zucker, sondern den Süßgeschmack insgesamt zu verringern, um der allgemeinen Süßgewöhnung insbesondere bei Kindern und Jugendlichen entgegen zu wirken. foodwatch forderte deshalb, dass eine Herstellerabgabe in Deutschland - ähnlich wie in Frankreich - auch süßstoffgesüßte Getränke mit einbezieht.
Die im März 2016 in Großbritannien verabschiedete und 2018 eingeführte Limo-Steuer sieht Abgaben für die Hersteller von Getränken vor, die mehr als fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter enthalten. Bei mehr als acht Gramm wird eine höhere Abgabe fällig. Bereits 2018 senkte der britische Marktführer Coca-Cola den Zuckergehalt seiner Getränke Fanta und Sprite unter die Fünf-Gramm-Marke (Fanta von 6,9 auf 4,6 Gramm und Sprite von 6,6 Gramm auf 3,3 Gramm). In Deutschland enthält Fanta noch mehr als neun und Sprite mehr als acht Gramm Zucker.
Laut einer foodwatch-Marktstudie ist in Deutschland mehr als jedes zweite Erfrischungsgetränk überzuckert. Demnach enthalten 345 von insgesamt 600 untersuchten Getränken (58 Prozent) mehr als fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter - das sind mehr als vier Zuckerwürfel pro 250-Millilter Glas. Damit hat sich der Anteil überzuckerter Getränke auf dem deutschen Markt seit einer ersten Marktstudie von foodwatch im Jahr 2016 praktisch nicht verändert. Damals enthielten 59 Prozent der Getränke mehr als fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter.
Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) bei Kindern sowie Erwachsenen haben in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch zugenommen. Adipositas wird inzwischen als das am schnellsten wachsende Gesundheitsproblem eingestuft. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sprechen in diesem Zusammenhang von einer globalen "Adipositas-Epidemie". Die WHO bezeichnet zuckerhaltige Getränke als "eine der wesentlichen Ursachen". Der Konsum dieser Getränke fördert nachweislich die Entstehung von Übergewicht sowie Typ-2-Diabetes und wird zudem mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte in Verbindung gebracht.

Quellen und weiterführende Informationen
- Studie der Universität Oxford zu Zuckergetränken in Großbritannien: bmcmedicine.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12916-019-1477-4
- Große Hersteller und Handelsketten in Großbritannien reduzieren Zuckergehalt in ihren Getränken (foodwatch-Pressemitteilung vom 27.03.2018): www.t1p.de/g6yd
- foodwatch-Marktcheck zu Erfrischungsgetränken in Deutschland (2018): www.foodwatch.org/de/aktuelle-nachricht ... erzuckert/
- Factsheet zu den Gesundheitsgefahren durch Erfrischungsgetränke: www.foodwatch.org/fileadmin/foodwatch.d ... e_2018.pdf

Quelle: Pressemitteilung vom 16.01.2020
Pressekontakt:
foodwatch e.V.
Dario Sarmadi
E-Mail: presse@foodwatch.de
Tel.: +49 (0)30 / 24 04 76 - 2 90
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Marburger Bund fordert Zuckersteuer auf besonders süße Getränke

Beitrag von WernerSchell » 12.02.2020, 17:36

Deutsches Ärzteblatt vom 11.02.2020:
Marburger Bund fordert Zuckersteuer auf besonders süße Getränke
Osnabrück – Als Maßnahme gegen die Volkskrankheit Diabetes plädiert der Marburger Bund (MB) für eine Zuckersteuer auf besonders süße Getränke. Die Einführung einer solchen Steuer auf Softdrinks sei „das Mindeste“, was die Bundesregierung zur Bekämpfung des übermäßigen Zuckerkonsums tun könne, sagte die Vorsit¬zen¬de der Ärztegewerkschaft, Susanne Johna, der Neuen Osnabrücker Zeitung. … (mehr) … > http://170770.eu1.cleverreach.com//c/32 ... 975-q5hxsa
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Ernährung beeinflusst den Verlauf von Multipler Sklerose

Beitrag von WernerSchell » 10.03.2020, 17:19

Ernährung beeinflusst den Verlauf von Multipler Sklerose

Die kurzkettige Fettsäure Propionsäure beeinflusst die Darm-vermittelte Immunregulation bei Menschen mit Multipler Sklerose (MS). Das hat ein Team der Neurologischen Klinik der Ruhr-Universität Bochum (RUB) im St. Josef-Hospital in einer internationalen Studie unter Leitung von Prof. Dr. Aiden Haghikia gezeigt. Die Gabe von Propionsäure zusätzlich zu MS-Medikamenten reduzierte langfristig die Schubrate und das Risiko einer Behinderungszunahme. Zudem weisen erste Kernspin-Untersuchungen im Verlauf darauf hin, dass die Propionsäure möglicherweise den Gehirnschwund als Zeichen eines Nervenzell-Untergangs reduziert. Die Ergebnisse sind in der Zeitschrift „Cell“ vom 10. März 2020 veröffentlicht.

Das Darm-Mikrobiom, die gesamte bakterielle Besiedlung des Darms, spielt nicht nur für den gesunden Organismus eine wichtige Rolle, sondern auch im Zusammenhang mit Erkrankungen, die auf vielen Faktoren beruhen, wie die Multiple Sklerose. Im Darm findet die Interaktion zwischen der Nahrung, den dortigen Bakterien, deren Stoffwechselprodukten und dem Immunsystem in der Darmwand statt. „So können die Darmbakterien direkt und indirekt Einfluss auf anatomisch entfernte Strukturen wie das Gehirn nehmen“, erklärt Aiden Haghikia. „Das Darm-Mikrobiom entspricht damit einem eigenständigen endokrinen Organ, das mit der Umwelt in Verbindung steht.“

Kurzkettige Fettsäuren können Entzündungsreaktionen unterdrücken

In der aktuellen Studie konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die vormals in der Zellkulturschale und im experimentellen Modell gezeigten Ergebnisse auf ihre MS-Patienten übertragen: Kurzkettige Fettsäuren wie die Propionsäure oder deren Salz Propionat führten zur vermehrten Entstehung und gesteigerten Funktion von regulatorischen Zellen des Immunsystems. „Diese Zellen beenden überschießende Entzündungsreaktionen und reduzieren im Kontext von Autoimmun-Erkrankungen wie der MS auto-immune Zellen“, so Prof. Dr. Ralf Gold, Direktor der Neurologie im St. Josef Hospital.

In ihrer Arbeit konnten die Forscherinnen und Forscher nachweisen, dass die Mikrobiom-Zusammensetzung bei MS-Betroffenen verändert ist. Darüber hinaus konnten sie erstmals einen Mangel von Propionsäure im Stuhl und Serum von MS-Patienten zeigen, die in der frühesten Phase der Erkrankung am stärksten ausgeprägt war. Dieser Nachweis gelang in Kooperation mit dem Max-Delbrück-Centrum Berlin und den Ernährungswissenschaften der Universität Halle-Wittenberg.

Beteiligung der Darm-Bakterien und der Kraftwerke der Zellen ausschlaggebend

In einer Kooperation mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Bar-Ilan University in Israel, die ein Darm-Modell zur funktionellen Analyse des Mikrobioms entwickelt hatten, zeigte sich, dass die Veränderung der Funktion der Bakterien im Darm als Folge der Propionat-Gabe die entscheidende Rolle bei der Entstehung von neuen regulatorischen Zellen spielt. Zur gesteigerten Funktion dieser Zellen trägt deren verbesserte Energieverwertung durch eine veränderte Funktion der Mitochondrien bei, was das Forschungsteam in Kooperation mit der Arbeitsgruppe Molekulare Zellbiologie an der Medizinischen Fakultät der RUB nachweisen konnte.

Der Darm als Ziel für therapeutische Ansätze in Zukunft

Die kurzkettigen Fettsäuren stellen nur einen Bruchteil der Stoffwechselprodukte von Darmbakterien dar, die durch die bakterielle Einwirkung aus der Nahrung entstehen. „Die weitere Erforschung dieses weitestgehend unbekannten Organs und die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden es erlauben, in Zukunft weitere innovative diätetische Maßnahmen zu den bekannten Therapeutika zu entwickeln“, so Aiden Haghikia.

Kooperationspartner

Die Studie wurde in Kooperation mit Forschungsteams der Universitäten Berlin (Max-Delbrück-Centrum), Düsseldorf (Proteomics), Erlangen (Rheumatologie), Freiburg (Neuropathologie), Halle-Wittenberg (Ernährungswissenschaften), Hattingen (Neurologie und Komplementärmedizin), Kopenhagen (Dänemark), Leipzig, Los Angeles (USA), Ramt Gan (Israel) und Regensburg (Neurologie) durchgeführt.

Förderung

Die Arbeiten wurden finanziell unterstützt unter anderen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Sonderforschungsbereichs/Transregios 128 und des Sonderforschungsbereichs 1365, der Medizinischen Fakultät der RUB im Forum-Programm, der Rose-Stiftung, dem Zentrum für Proteindiagnostik Prodi der RUB, der Deutschen Multiple-Sklerose-Gesellschaft in NRW, dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (INST 213/840-1 FUGG), der Israel Science Foundation (1384/18) sowie dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (FKZ 031 A 534A).

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Aiden Haghikia
Neurologische Klinik der Ruhr-Universität Bochum
St. Josef-Hospital Bochum
Tel.: +49 234 509 2422
E-Mail: aiden.haghikia@ruhr-uni-bochum.de

Originalpublikation:
Alexander Duscha, Aiden Haghikia et al.: Propionic acid shapes multiple sclerosis disease course by immunomodulatory mechanism, in: Cell, 2020, DOI: 10.1016/j.cell.2020.02.035

Quelle: Pressemitteilung vom 10.03.2020
Arne Dessaul Dezernat Hochschulkommunikation
Ruhr-Universität Bochum
https://idw-online.de/de/news743052
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
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Vegetarier sind schlanker und weniger extrovertiert als Fleischesser

Beitrag von WernerSchell » 15.06.2020, 13:30

Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

Vegetarier sind schlanker und weniger extrovertiert als Fleischesser

Je weniger tierische Produkte man zu sich nimmt, desto geringer ist der Body-Mass-Index und desto weniger neigt man zu Extrovertiertheit. Zu dieser Erkenntnis kommt eine großangelegte Studie von Wissenschaftlerinnen des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften. Ein Zusammenhang mit depressiven Verstimmungen, wie ihn andere Untersuchungen gefunden hatten, konnte sie dagegen nicht bestätigen.

Mehr als 6,1 Millionen Deutsche gaben laut einer Erhebung des Allensbach-Instituts im vergangenen Jahr an, sich vegetarisch zu ernähren, 400.000 Menschen mehr als zwei Jahre zuvor. Eine großangelegte Studie am Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) in Zusammenarbeit mit dem Uniklinikum Leipzig hat nun an fast 9.000 Personen untersucht, wie diese Form der Ernährung mit dem Körper und der Psyche zusammenhängt – unabhängig von Alter, Geschlecht und Bildungsstand.

Dabei zeigte sich: Je seltener der Anteil tierischer Nahrung auf dem Speiseplan einer Person ist, desto geringer ist im Schnitt ihr Body-Mass-Index (BMI) und damit ihr Körpergewicht. Eine Ursache dafür könnte der geringere Anteil an stark verarbeiteten Lebensmitteln in der pflanzlichen Ernährung sein. „Dick machen vor allem übermäßig fett- und zuckerreiche Produkte. Sie regen den Appetit an und zögern das Sättigungsgefühl heraus. Verzichtet man auf tierische Nahrungsmittel, nimmt man im Schnitt weniger solcher Produkte zu sich“, erklärt Evelyn Medawar, Erstautorin der zugrundeliegenden Publikation, die jetzt im Fachmagazin Nutrients erschienen ist. Zudem: Vegetarische Lebensmittel enthalten Ballaststoffe und wirken sich positiv auf das Mikrobiom im Darm aus. Auch dadurch könnten sie früher satt machen als solche aus tierischen Zutaten. „Menschen, die sich vorwiegend pflanzlich ernähren, nehmen daher womöglich weniger Energie auf“, fügt Medawar hinzu. Neben einem veränderten Sättigungsgefühl könnten zudem Lebensstilfaktoren wie mehr Sport und ein höheres Gesundheitsbewusstsein eine entscheidende Rolle spielen.

Für den BMI scheint es dabei auch einen Unterschied zu machen, von welchen tierischen Produkten sich eine Person ernährt. Sind es vorwiegend sogenannte primäre Tierprodukte, das heißt Fleisch, Wurst und Fisch hat sie meist einen höheren BMI als jemand, der vorranging sekundäre Tierprodukte isst, also Eier, Milch, Milchprodukte, Käse und Butter. In ersterem Falle ist der Zusammenhang statistisch signifikant.

Was das für die Ernährung bedeuten könnte, macht Medawar an einem Beispiel fest: „Dass eine Person einen 1,2 Punkte niedrigeren BMI hatte, bedeutete im Durchschnitt, dass sie auf bestimmte tierische Produkte ganz verzichtete, also etwa die primären, und sich vegetarisch ernährte. Oder dass sie zwar auch weiterhin Fleisch und Fisch aß, diese dafür aber insgesamt seltener.“ Ob letztlich die Ernährung die Ursache für ein geringeres Körpergewicht ist oder andere Faktoren dafür verantwortlich sind, lässt sich anhand der Daten nicht sagen. Aufschluss darüber soll nun eine Folgestudie in Zusammenarbeit mit dem Uniklinikum bringen.

Pflanzliche Ernährung und Persönlichkeit

Die Forscherinnen fanden zudem heraus, dass vegetarische oder vegane Ernährung auch mit der Persönlichkeit zusammenhängt. Insbesondere mit einem der fünf großen Persönlichkeitsfaktoren, der Extrovertiertheit. Es zeigte sich, dass Menschen mit vorwiegend pflanzlichen Lebensmitteln auf dem Speiseplan introvertierter sind als solche, die sich vorrangig von Tierprodukten ernährten. „Woran das liegt, ist schwer zu sagen“, so Veronica Witte. „Es könnte daran liegen, dass introvertiertere Personen eher zu restriktiverem Essverhalten neigen oder sich aufgrund ihres Essverhaltens stärker sozial abgrenzen.“ Auch hier müssten weitere Studien dazu folgen, wie sich Menschen mit den Eigenschaften ihrer Ernährung identifizierten.

Dass pflanzliche Ernährung mit neurotischem Verhalten einhergeht, wie es andere Studien vermuten ließen, konnten sie hingegen nicht bestätigen. „Frühere Analysen hatten herausgefunden, dass neurotischere Menschen generell häufiger bestimmte Gruppen an Lebensmitteln weglassen und sich dahingehend restriktiver verhalten. Wir fokussierten uns hier allein auf den Verzicht von tierischen Produkten und konnten keine Korrelation beobachten“, erklärt Studienleiterin Veronica Witte.

In einem dritten Teil gingen sie schließlich der Frage nach, ob eine vorwiegend pflanzliche Ernährung häufiger mit depressiven Verstimmungen einhergeht. Auch hier hatten frühere Studien eine Beziehung zwischen beiden Faktoren nahelegt. „Auch das konnten wir nicht erkennen“, sagt Witte. „Möglicherweise hatten in früheren Analysen andere Faktoren die Ergebnisse verwischt, darunter der BMI oder auffällige Persönlichkeitsmerkmale, die bekanntermaßen mit Depressionswerten zusammenhängen können. Die rechneten wir heraus.“ Auch die stärkere Akzeptanz und Verbreitung pflanzlicher Ernährung könnten hier mit reinspielen.

Untersucht hatten die Wissenschaftlerinnen diese Zusammenhänge innerhalb des sogenannten LIFE-Projekts, einer breit angelegten Studie in Kooperation mit dem Uniklinikum Leipzig. Die Ernährungsweise bestimmten sie anhand von Fragebögen, in die die Teilnehmer eintragen sollten, wie häufig sie die einzelnen Tierprodukte in den letzten 12 Monaten zu sich nahmen – von „mehrmals täglich“ bis „nie“. Die Persönlichkeitsmerkmale wie Extrovertiertheit und Neurotizismus erhoben sie anhand eines sogenannten Persönlichkeitsinventars (NEOFFI), die Depressivität mit dem sogenannten CESD-Test, einem Fragenbogen, der verschiedene Symptome einer Depression erfasst.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Evelyn Medawar
medawar@cbs.mpg.de

PD Dr. Veronica Witte
+49 341 9940-2426
witte@cbs.mpg.de

Originalpublikation:
Evelyn Medawar, Cornelia Enzenbach, Susanne Roehr, Arno Villringer, Steffi Riedel-Heller, and A. Veronica Witte, "Less animal-based food, better weight status: Associations of the restriction of animal-based product intake with body-mass-index, depressive symptoms and personality in the general population"; Nutrients 12 (5), 1492 (2020)

Quelle: Pressemitteilung vom 15.06.2020
Verena Müller Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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