Mehr Palliativmedizin statt aktive Sterbehilfe

Rechtsbeziehung Patient – Therapeut / Krankenhaus / Pflegeeinrichtung, Patientenselbstbestimmung, Heilkunde (z.B. Sterbehilfe usw.), Patienten-Datenschutz (Schweigepflicht), Krankendokumentation, Haftung (z.B. bei Pflichtwidrigkeiten), Betreuungs- und Unterbringungsrecht

Moderator: WernerSchell

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Mehr Palliativmedizin statt aktive Sterbehilfe

Beitrag von Presse » 05.01.2010, 11:15

Hoppe:
Mehr Palliativmedizin statt aktive Sterbehilfe

„Eine gute und flächendeckende Palliativmedizin wird den Ruf nach aktiver Sterbehilfe sicher verhallen lassen. Deshalb muss die Zahl der Palliativstationen und Hospize in Deutschland dringend weiter erhöht werden“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe, der Nachrichtenagentur DAPD. Die Palliativmedizin müsse endlich ein fester Bestandteil der heutigen Medizin werden.

In den vergangenen Jahren habe es in diesem Bereich zwar bereits große Fortschritte gegeben, doch noch immer würden viele der schwerstkranken und sterbenden Menschen von den Angeboten nicht erreicht: "Sie leiden unter Schmerzen und anderen schweren Symptomen und fühlen sich häufig an ihrem Lebensende alleingelassen“, so Hoppe. Die Palliativmedizin könne dazu beitragen, das Vertrauen der Menschen in eine fürsorgliche Medizin am Lebensende zu stärken.

Mit dem Ausbau der Palliativmedizin könne zudem der kommerziellen Sterbehilfe ein Riegel vorgeschoben werden. „Der Patient hat zwar das Recht auf einen würdigen Tod, nicht aber darauf, getötet zu werden“, betonte der Ärztepräsident. Aktive Sterbehilfe und Palliativmedizin würden sich darin unterscheiden, dass nicht der Leidende, sondern die Symptome seines Leidens beseitigt würden. Ärzte wüssten, dass Menschen, die unheilbar krank seien, aber deren Schmerzen wirksam bekämpft und deren Sorgen ernst genommen würden, auch die letzten Tage ihres Lebens als lebenswert erleben.

Zugleich sprach sich Hoppe für ein grundsätzliches Verbot der Patentierbarkeit von Genen und Teilen des menschlichen Körpers aus. Die Stammzellenforschung sei zwar ein wichtiger Teil der medizinischen Grundlagenforschung, doch sei das genetische Erbe des Menschen „Allgemeingut und keine Handelsware“. Neue Erkenntnisse über natürliche Gegebenheiten seien Entdeckungen, niemals aber Erfindungen. Patente könnten nur auf Erfindungen erteilt werden. Wenn sich Forscher gentechnisch veränderte, menschliche Zellen patentrechtlich schützen ließen, dann sei das eine außerordentlich besorgniserregende Entwicklung, erklärte Hoppe.

Quelle: Pressemitteilung der Bundesärztekammer vom 4.1.2010

Lutz Barth
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Ethischer Paternalismus kenntn keine Grenzen!

Beitrag von Lutz Barth » 05.01.2010, 16:55

Auch im rechten jungen Jahr wird der folgenschwere Irrtum aufrechterhalten, wonach sich die Palliativmedizin und die aktive Sterbehilfe gleichsam ausschließen.

Diesbezüglich ist nach wie vor Aufklärungsarbeit bei der Ärzteschaft zu leisten, denn es gibt eben auch schwersterkrankte Menschen, die unheilbar krank sind, deren Schmerzen wirksam bekämpft und deren Sorgen ernst genommen werden, aber dennoch die letzten Tage ihres Lebens als nicht lebenswert erleben und demzufolge dem Leben entfliehen wollen.
Der Patient hat nicht nur "Recht" auf einen würdigen Tod, sondern insbesondere auch keine Pflicht zum Leben und sofern er sich aus dem "Leben" verabschieden will, hierzu aber aufgrund seiner Erkrankung nicht in der Lage ist, bleibt es dabei, dass in der ärztlichen Assistenz beim Suizid ein Akt höchster Humanität erblickt werden kann.

Dass dieser Akt der Humanität allerdings am Widerstand der verfassten Ärzteschaft und ihrer Funktionäre scheitert, ist ein Beleg dafür, dass der ethische Paternalismus bei weitem nicht überwunden ist.

Leztlich bleibt nur noch der Sterbetourismus als ein möglicher Ausweg und da muss jede "Fahrt ins Ausland ohne Wiederkehr" als eine stumme Anklage derjenigen Patienten gelten, denen hierzulande ein humanes Sterben versagt bleibt, obgleich sie sich einen "schnellen Tod" wünschen.
Wir vertreten nicht immer die herrschende Lehre!

Cornelia Süstersell
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Pro Palliativversorgung - andere Hilfen nicht ausschließen

Beitrag von Cornelia Süstersell » 06.01.2010, 08:15

Pro Palliativversorgung - andere Hilfen nicht ausschließen

Hallo Lutz,

der geäußerten Kritik am Statement der BÄK kann ich grundsätzlich zustimmen.
Wir müssen alles tun, der Palliativmedizin und -pflege zum wirklichen Durchbruch zu verhelfen. Es muss insoweit eine Qualifizierungsoffensive geben. Gleichwohl wird es immer wieder einzelne Situationen geben, wo die Palliativmedizin und -pflege einschließlich Hospizarbeit nicht mehr helfen können. Insoweit muss an einer weitergehenderen Hilfe gearbeitet werden. Der Verweis auf die Reise in die Schweiz wäre nicht akzeptabel.

MfG Cornelia
Ich trete für eine menschenwürdige Pflege ein und halte für es zwingend, mehr Pflegepersonal einzustellen.

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Töten gehört nicht zum Handwerk des Arztes

Beitrag von Presse » 12.01.2010, 15:42

Hoppe:
Töten gehört nicht zum Handwerk des Arztes

„Töten gehört nicht zum Handwerk des Arztes und der Ärztin - auch nicht die Beihilfe zum Sterben“, mahnte der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe, in einem Interview mit der Frankfurter Neuen Presse. Zugleich begrüßte er, dass sich die Bundesregierung im Koalitionsvertrag klar gegen jede Form kommerzieller Sterbehilfe ausgesprochen hat. Allerdings sei die geschäftsmäßige Vermittlung von Sterbehilfe bereits durch geltendes Strafrecht verboten. „Wie brauchen kein neues Gesetz, um der kommerziellen Sterbehilfe einen Riegel vorzuschieben“, betonte Hoppe.

Vielmehr müsse die Anzahl der Palliativstationen und Hospize in Deutschland deutlich erhöht werden. „Der Ausbau der Palliativmedizin muss fester Bestandteil der heutigen Medizin werden“, fordert der Ärztepräsident. Der Unterschied zwischen einer aktiven Sterbehilfe und der Palliativmedizin liege darin, dass nicht der Leidende, sondern die Symptome seines Leidens beseitigt werden. „Wir wissen, dass Menschen, die unheilbar krank sind, aber deren Schmerzen wirksam bekämpft werden und deren Sorgen ernst genommen werden, auch die letzten Tage ihres Lebens als lebenswert erleben“, erklärt Hoppe. Eine gute und flächendeckende Palliativmedizin werde den Ruf nach aktiver Sterbehilfe verhallen lassen. Sie könne dazu beitragen, das Vertrauen der Menschen in eine fürsorgliche Medizin am Lebensende zu stärken.

Quelle: Pressemitteilung der Bundesärztekammer vom 12.01.2010

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Unbelehrbar...

Beitrag von Lutz Barth » 12.01.2010, 17:29

Es hat erkennbar keinen Sinn, im Sterbehilfe-Diskurs darauf hinzuweisen, dass Herr Hoppe und andere einem fundamentalen Irrtum unterliegen.

Selbstverständlich kann in der ärztlichen Assistenz beim Suizid ein Akt der Humanität erblickt werden und dass dies hierzulande negiert wird, hängt augenscheinlich mit der konservativen Wertideologie auch der BÄK zusammen, die sich in bester Gesellschaft insbesondere mit der katholischen Kirche wähnt.

Der stets behauptete Widerspruch zwischen Palliativmedizin und Sterbehilfe besteht nicht; pseudowissenschaftliche Sonntagsreden vermögen hieran nichts zu ändern.

Lutz Barth
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Spezialisierte ambulante Palliativversorgung - Ernüchterung

Beitrag von Presse » 01.04.2010, 07:09

Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz:
Ernüchternde Bilanz nach drei Jahren Rechtsanspruch auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung / Politik darf nicht länger zuschauen, während Schwerstkranken Leistungen vorenthalten werden

Berlin. "Die Zeit, die Hände in den Schoß zu legen, ist längst vorbei. Wenn der seit nunmehr drei Jahren bestehende Rechtsanspruch Schwerstkranker und Sterbender auf medizinische, pflegerische und psychosoziale Unterstützung durch ambulante Palliative-Care-Teams nicht endgültig zur Farce werden soll, muss die Politik jetzt eingreifen", erklärt der Geschäftsführende Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch. Obwohl seit dem 1. April 2007 Schwerstkranke einen gesetzlichen Anspruch auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) haben, bleiben den meisten Betroffenen die dringend benötigten Leistungen vorenthalten. "Ursprünglich war der Gesetzgeber davon ausgegangen, dass ab 2010 eine flächendeckende SAPV-Infrastruktur besteht, die jedes Jahr rund 80.000 Sterbende erreicht. Tatsächlich haben im vergangenen Jahr aber nicht einmal 4.000 Menschen SAPV-Leistungen bekommen", hält Brysch fest. "Der Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist für die Betroffenen unerträglich. Die Politik muss ihre abwartende Haltung endlich aufgeben."

Brysch fordert Bundesgesundheitsminister Rösler auf, jetzt ohne weitere Verzögerung zu handeln. "Krankenkassen und Leistungsanbieter schieben sich den Schwarzen Peter für die haarsträubende Unterversorgung gegenseitig zu. Während die Kassen sagen, dass es zu wenige qualifizierte Anbieter von SAPV gebe, bemängeln die Leistungsanbieter, dass die Kassen die Vertragsverhandlungen verzögern würden. Damit in dieser Konstellation die Patienten nicht länger die leidtragenden Dritten bleiben, muss Rösler aktiv werden. Wie bei der hausarztzentrierten Versorgung brauchen wir jetzt auch bei der SAPV klare Fristsetzungen für Vertragsabschlüsse. Das muss gesetzlich geregelt werden: Läuft die Frist ab, ohne dass die Verhandlungspartner zu einem Ergebnis gekommen sind, muss ein Schiedsverfahren eingeleitet werden und eine unabhängige Schiedsperson die Vertragsinhalte festlegen", fordert Brysch. Außerdem brauche es endlich bundesweit einheitliche Qualitätsstandards für Palliative-Care-Teams. "Bislang ist die Güte der Versorgung nicht allerorts garantiert. Schwerstkranke und Sterbende müssen aber überall ein gleich hohes SAPV-Niveau vorfinden."

Hintergrund
Die gemeinnützige und unabhängige Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung ist die Sprecherin der Schwerstkranken und Sterbenden. Sie finanziert sich ausschließlich aus Spenden und Beiträgen von über 55.000 Mitgliedern und Förderern und unterhält das bundesweit einzigartige Patientenschutztelefon sowie die Schiedsstelle Patientenverfügung.

Quelle: Pressemitteilung vom 31.01.2010
Bei Rückfragen und Interview-Wünschen:
Matthias Hartmann: Tel.: 030/ 28 44 48 4 - 2
hartmann@patientenschutzorganisation.de http://www.patientenschutzorganisation.de

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Reisebüro schließt Marktlücke

Beitrag von Lutz Barth » 01.04.2010, 07:36

Das Reisebüro „Ruhe in Frieden“ hat sich auf den Sterbetourismus spezialisiert und hofft auf große Resonanz bei Interessenten.

Bekanntermaßen ist das selbstbestimmte Sterben unter Inanspruchnahme einer ärztlichen Suizidassistenz in Deutschland aufgrund des ethischen Widerstands namhafter Organisationen und Institutionen derzeit nicht möglich. Dieses Dilemma hat ein Reisebüro erkannt und bietet Reisen in europäische Nachbarländer an – eine Reise freilich ohne Wiederkehr, sofern auch am „Urlaubsort“ noch der freie und nachhaltige Sterbewunsch bestehen sollte.

Das Reisebüro verzichtet hierbei auf die üblichen Allgemeinen Reisebedingungen. Es setzt vielmehr auf die individuellen Bedürfnisse der Reisenden, die selbstverständlich auch ohne weitere Stornogebühren vom Vertrag zurücktreten können. Auf Anfrage teilt das Reisebüro „Ruhe in Frieden“ auch Sonderkonditionen für Gruppenreisende mit.

Weitere Informationen hierzu finden Sie unter dem nachfolgenden Link >>> weiter (pdf.) >>> http://www.iqb-info.de/April_01_04_10.pdf
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