Aktuelle gesundheitspolitische Herausforderungen in NRW

Gesundheitswesen, Krankenhaus- und Heimwesen, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Arzneimittel- und Lebensmittelwesen, Infektionsschutzrecht, Sozialrecht (z.B. Krankenversicherung, Pflegeversicherung) einschl. Sozialhilfe und private Versorgung

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Aktuelle gesundheitspolitische Herausforderungen in NRW

Beitrag von Presse » 26.04.2012, 06:32

Aktuelle Ausgabe des ersatzkasse.report NRW zur Landtagswahl vdek zu den gesundheitspolitischen Herausforderungen in NRW:
Qualitätsorientierte Krankenhausplanung, striktere Niederlassungssteuerung bei Ärzten und mehr Prävention bei Kindern und Jugendlichen

Düsseldorf, 25.4.2012 Wer die Landtagswahl in NRW im Mai 2012 gewinnt und für Gesundheitspolitik zuständig sein wird, trifft nach Ansicht des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) in NRW auf eine sehr gute Ausgangslage: Das Niveau der Gesundheitsversorgung für die Menschen in NRW ist hoch und das Versorgungsangebot an Krankenhäusern, niedergelassenen Ärzten und anderen Leistungserbringern wie z.B. Physiotherapeuten ist enorm. Welche Weichenstellungen braucht das Land, damit das so bleibt?

Hierzu hat der vdek in der aktuellen Ausgabe des ersatzkasse.report NRW die Vorstellungen der bisher im Landtag vertreten Parteien CDU, SPD, Die Grünen, FDP und Die Linke und die Herausforderungen und Lösungsansätze aus Sicht der Ersatzkassen aufgeführt.

Zu den gesundheitspolitischen Herausforderungen aus Sicht der Ersatzkassen erklärt Andreas Hustadt, Leiter der vdek-Landesvertretung NRW: "Die Alterung der Bevölkerung, der Rückgang der Erwerbsbevölkerung und die problematische Konzentration des medizinischen Angebots in Ballungsgebieten müssen uns zu einem Umdenken zwingen. Nur dann können wir zukünftig Versorgungsengpässe vor allem für die Älteren auf dem Land vermeiden."

Derzeit sei festzustellen, so Hustadt, dass Niederlassungen der Anbieter weitgehend unabhängig von den Bedarfslagen fallen. Ärzte, die sich niederlassen wollen, hätten mit der Sonderbedarfszulassung die Möglichkeit, noch zusätzlich in überversorgten Gebieten zu praktizieren. Konsequenzen seien, so Hustadt weiter, ein wucherndes Angebot von überflüssigen individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) und Doppeluntersuchungen bei länger werdenden Wartezeiten für die Grundversorgung. Auch die Unternehmensentwicklung der Krankenhäuser orientiere sich nach Ansicht von Hustadt ungesteuert an Umsatz- und Gewinnperspektiven. Es gelte der Grundsatz: "Wer kann, der darf". Mit der Einführung der sogenannten spezialfachärztlichen Versorgung durch das Versorgungsstrukturgesetz werde diese Entwicklung noch befeuert.

"Das Land ist gefordert, mit der Krankenhausplanung einen Rahmen zu setzen, dass sich die Angebotsstrukturen in Richtung auf mehr Qualität entwickeln", fordert Hustadt. Über klare Vorgaben, wie die Vorhaltung eines Facharztstandards rund um die Uhr, Zertifizierungsverpflichtungen für spezielle Leistungsbereiche und erweiterte Strukturvoraussetzungen für die Behandlung von Krebspatienten lasse sich eine bessere, ressourcenschonende Versorgung der Patienten erreichen. Die Versorgungsaufträge der Häuser - inkl. der Notfallversorgung - müssen klarer bestimmt werden. Wichtig sei auch, dass Überkapazitäten abgebaut werden, denn mit dem Bevölkerungsrückgang verschärfe sich die Problemlage, prophezeit Hustadt. So weise das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung einen demografisch bedingten Fallzahlrückgang z.B. im nördlichen Ruhrgebiet von mehr als 5 Prozent aus.

In der ambulanten Bedarfsplanung werde es nach Ansicht des Leiters der vdek-Landesvertretung darauf ankommen, die allgemeinmedizinische Versorgung in der Fläche sicherzustellen. "Dies wird nur gelingen, wenn die Versorgungsdichte in überversorgten Städten abgebaut und Anreize für die Niederlassung auf dem Land gesetzt werden. Dazu sind striktere Zulassungssperren verbunden mit Honorardifferenzierungen notwendig" mahnt Hustadt.

Um eine funktionierende medizinische Infrastruktur zu gewährleisten sei darüber hinaus das Land als Moderator gefordert, um die Kommunen und Kreise zu integrieren. Nur wenn Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger zufriedenstellende Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Regionen haben, können sie im Wettbewerb um junge Arbeitskräfte für das Gesundheitswesen gewonnen werden. Daher müsse die Lokalpolitik zur verstärkten Kooperation aufgerufen werden.

Treibende Impulse müsse die Landesgesundheitspolitik auch auf die Nachbarressorts setzen, fordert Hustadt. Die Zunahme von psychiatrischen Krankheitsbildern insbesondere bei Kindern und Jugendlichen aus sozial schwachen Familien zeige, dass Schul-, Familien- und Sozialpolitik gemeinsam gegensteuern müssen. Ganztagsangebote mit Sport, ausgewogenes Mittagessen und entsprechende Personalschlüssel in Schulen und Kindergärten seien besser als der Ruf nach mehr Kinder- und Jugendpsychotherapeuten und Psychiater.

Der Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek) ist Interessenvertretung und Dienstleistungsunternehmen aller sechs Ersatzkassen, die zusammen rund 5,6 Millionen Menschen in Nordrhein-Westfalen versichern und damit landesweit größte Kassenart sind.

* BARMER GEK
* Techniker Krankenkasse
* DAK-Gesundheit
* KKH-Allianz
* HEK - Hanseatische Krankenkasse
* hkk


Quelle: Pressemitteilung vom 25.04.2012
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Dipl.-Volkswirt Dirk Ruiss
Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek)
Landesvertretung Nordrhein-Westfalen

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