Zukunftsperspektiven für das Gesundheitswesen

Gesundheitswesen, Krankenhaus- und Heimwesen, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Arzneimittel- und Lebensmittelwesen, Infektionsschutzrecht, Sozialrecht (z.B. Krankenversicherung, Pflegeversicherung) einschl. Sozialhilfe und private Versorgung

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Zukunftsperspektiven für das Gesundheitswesen

Beitrag von Presse » 01.05.2011, 19:19

Experten diskutieren Zukunftsperspektiven für das Gesundheitswesen

„Das deutsche Gesundheitswesen steht angesichts der demografischen Entwicklung und des medizinischen Fortschritts vor immensen Herausforderungen. An Stelle vieler gut gemeinter aber nicht koordinierter Einzelmaßnahmen bedarf es vielmehr eines zukunftstauglichen Gesamtkonzeptes, damit den Menschen in unserem Land auch in Zukunft eine flächendeckende medizinische Versorgung auf hohem Niveau zur Verfügung steht.“
Das sagte Dr. Franz-Joseph Bartmann, Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer (BÄK) und Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein, zum Abschluss des einwöchigen Fortbildungsseminars „Medizin und Ökonomie“ in Berlin. Veranstaltungen wie diese seien notwendig, weil der ökonomische Druck auf die Ärztinnen und Ärzte in Deutschland ansteige. „Wir müssen uns deshalb fundierte betriebwirtschaftliche Kenntnisse aneignen, um ökonomische Prozesse selbst beurteilen und mit gestalten zu können“, erklärte Bartmann.

Prof. Dr. Günter Neubauer vom Institut für Gesundheitsökonomik in München verwies darauf, dass sich aufgrund der demografischen Entwicklung die „Schere“ zwischen Einnahmen und Ausgaben im Gesundheitswesen immer weiter öffne. Dadurch ergäbe sich derzeit eine jährliche Finanzierungslücke von drei bis vier Milliarden Euro. Die Koalition habe mit den jüngsten Reformgesetzen kostendämpfende Maßnahmen durchgesetzt und durch Anhebung des Einheitsbeitrages zunächst für finanzielle Entlastung der Kassen gesorgt.

Die Scherenproblematik bekämen auch die Krankenhäuser zu spüren, sagte Prof. Dr. Matthias Brandis, ehemaliger leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Freiburg auf der BÄK-Veranstaltung. Die Wirtschaftlichkeitsreserven seien aber weitgehend ausgeschöpft. Viele Krankenhäuser litten unter Mittelknappheit. „Hinzu kommt, dass die Länder ihren Investitionsverpflichtungen nicht ausreichend nachkommen. Der Investitionsstau hat mittlerweile dramatische Ausmaße angenommen“, sagte Brandis. Die Finanz- und Bankenkrise werde diese Problematik in den kommenden Jahren noch verschärfen.

Die Versicherten müssen sich nach Überzeugung von Prof. Dr. Herbert Rebscher, Vorstandsvorsitzender der DAK, auf weiter steigende Ausgaben für Gesundheit einstellen. Längerfristig würden die Zusatzbeiträge bei allen Kassen ansteigen. Bei einer Ausgabenentwicklung von vier Prozent würde bei linearer Fortschreibung der momentanen Entwicklung nach Angaben Rebschers bis 2030 ein Zusatzbeitrag von mehr als 300 Euro erforderlich sein. Dies durch eine generelle Reform zu verhindern oder anderenfalls dies der Bevölkerung als notwendig zu vermitteln sei eindeutig Aufgabe der Politik.

Weitere Schwerpunktthemen des Seminars waren betriebswirtschaftliche Grundlagen für das Gesundheitswesen, Managementprobleme im Krankenhaus, Ärztenetze und neue Versorgungsformen sowie die Organisation von Medizinischen Versorgungszentren. Die Veranstaltung war Bestandteil der Fortbildungsreihe „Medizin und Ökonomie“ der Bundesärztekammer, die sich mit wirtschaftlichen Aspekten der ärztlichen Tätigkeit befasst. Sie richtet sich sowohl an Mediziner mit eigener Praxis als auch an Ärzte in der Klinik.

Quelle: Pressemitteilung vom 12.04.2011

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