Anfragen an die Pflegeberufsverbände!

Gesundheitswesen, Krankenhaus- und Heimwesen, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Arzneimittel- und Lebensmittelwesen, Infektionsschutzrecht, Sozialrecht (z.B. Krankenversicherung, Pflegeversicherung) einschl. Sozialhilfe und private Versorgung

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Lutz Barth
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Anfragen an die Pflegeberufsverbände!

Beitrag von Lutz Barth » 01.02.2011, 18:46

„Wesentliches Ziel ist der Schutz der Bevölkerung, die Sicherheit einer sachgerechten professionellen Pflege und Sicherheit für die BerufsinhaberInnen“, so der DPV (DPV, Mitteilung >>> http://www.dpv-online.de/aktuelles.htm <<<) und da fragt sich, welchen Beitrag hierzu eine Pflegekammer zu leisten vermag?

• Wovor ist die Bevölkerung zu schützen?
• Warum lässt sich eine sachgerechte Pflege „nur“ über eine Kammer verwirklichen?
• Welche Sicherheit lässt sich für die künftigen „Zwangsmitglieder“ über eine Kammer herstellen?

Die Schwerpunkte, die mit einer Kammertätigkeit verbunden werden, sind folgende:

Qualitätsstandards, Vergabe von Lizenzen und Zertifikationen, Ausgabe von Heilberufeausweisen, Beteiligung bei Gesetzgebungsverfahren, Registrierung, Statistik, Gutachtertätigkeit, Berufsordnung, Berufsethik, Fachliche und rechtliche Beratung, Fort- und Weiterbildungen, Abnahme von Prüfungen, Beratung des Gesetz- und Verordnungsgebers.“ (DPV, aaO.).

• Zu fragen bleibt, warum diese Kernaufgaben nicht auch von den Berufsverbänden wahrgenommen werden können, mal abgesehen von der künftigen (?) Normsetzungkompetenz bzgl. des Berufsrechts?
• Bedarf es einer öffentlich-rechtlichen Institution, um berufsethische Grundsätze formulieren zu können (die dann im Zweifel mit entsprechender Sanktionsmöglichkeit über das „Berufsrecht“ durchgesetzt werden)?
• Bedarf es einer Verkammerung, um eine Statitisk oder Registrierung leisten zu können? Zu erinnern ist, dass bereits eine freiwillige Registrierung (wohl mit bescheidenem Erfolg) als Projekt initiiert ist.
• Setzt die Partizipation an Gesetzgebungsverfahren resp. deren Beratung eine öffentlich-rechtliche Kammer voraus?
• Ist es derzeit unmöglich, dass die Berufsverbände – vereinigt unter dem Dach des DPR – Fort- und Weiterbildungen anbietet?

Fragen über Fragen, die sich die Berufsangehörigen in einer stillen Stunde stellen und ggf. beantworten sollten und in erster Linie auch von den Berufsverbänden abgeklärt werden müssen.

Provokant könnte die These aufgestellt werden:
Wer schützt die professionell Pflegenden vor den Berufsverbänden, die für sich in Anspruch nehmen, ca. 1,2 Millionen Beschäftigte im Gesundheitswesen zu repräsentieren, gleichwohl aber sich erkennbar nicht in der Lage sehen, den Grad ihrer „sozialen Mächtigkeit“ aufgrund der Benennung ihres Organisationsgrades (sprich Mitgliederbestand) offen zu legen?

Das Votum von Claus Fussek ist nicht unsympathisch:

Die Diskussion um eine Einführung der Pflegekammer führe völlig am Thema vorbei, sagte er. Politik, Kostenträger und Gesellschaft wüssten seit Jahrzehnten, dass Pflegekräfte besser bezahlt werden müssen. „Für was soll sich diese Kammer also stark machen? Sie wird zu Ergebnissen kommen, die längst vorliegen: Wir brauchen bessere Löhne“, sagte er an die Adresse der Arbeitgeber gerichtet. Fussek schlägt der Pflegebranche stattdessen vor, sich verstärkt in Gewerkschaften zu organisieren (Quelle: Schwäbische.de v. 28.01.11 >>> http://www.schwaebische.de/region/wir-i ... 22355.html <<< (html)

Lutz Barth
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Bajuware
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Pflegekammer nein danke - Berufsverbände im Abseits ?

Beitrag von Bajuware » 02.02.2011, 09:28

Ich hatte mich schon zum Thema Pflegekammer geäußert. Bekräftige aber gerne, dass solche Institutionen für die Pflegenden als völlig entbehrlich angesehen werden müssen. Ich kann mir nicht vorstellen, was solche Kammern bewirken könnten. Allenfalls würden sie als neues Bürokratiemonster einige Personalstellen schaffen und vor allem die jetzigen Funktionäre der Berufsverbände "versorgen". Denn diese Funktionäre wollen ja sicherlich in solchen Kammer Führungsaufgaben wahrnehmen.
Nein, alles scheint mir ein Ablenkungsmanöver. Die wirklichen Pflegeprobleme liegen woanders, die müssen in einer in die Zukunft weisenden großen Pflegereform gelöst werden. Dazu gehört eine politische Kraftanstrengung - und es ginge sicherlich leichter mit einer großen Koalititon. Mit der FDP sehe ich nur Trippelschritte - und das z.T. in Richtung Privatisierung.
Leider nehmen die Berufsverbände keine glückliche Position ein. Statt handfeste Vorschläge zur Behebung des Pflegenotstandes zu machen, wünschen sie sich eine sog. Modernisierung der Pflegeberufe. Das ist auch ein Ablenkungsmanöver. Die Krise der Pflege liegt nicht in den Berufsgesetzen begründet.

Grüß Gott!
Bajuware
Die Rahmenbedingungen des Pflegesystems stimmen nicht (mehr)! Dies gilt es zu beklagen. Pflegebedürftige und Pflegepersonal leiden unter dem System. - Verantwortungsträger sind gefordert!

Rauel Kombüchen
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Pflegekammer lenkt von den eigentlichen Problemen ab

Beitrag von Rauel Kombüchen » 03.02.2011, 19:19

Die Verkammerung der Pflege würde keines der wirklich wichtigen Probleme lösen. Es wäre allein nur eine Veranstaltung, mit Hilfe derer die Pflegenden in die Zwangsmitgliedschaft einer Körperschaft überführt würden. Die wichtigen Fragen der Pflege müssen aber auf anderen "Schlachtfeldern" angegangen werden. Denn weder Einrichtung von Kammern noch Veränderungen an den Berufsgesetzen beheben die Pflegenot in Krankenhäusern und Heimen. Diese Pflegenot hat vor allem mit mangelnder Zuwendung zu tun. Und die kann nur gewährleistet werden, wenn wir mehr Menschen mit ausreichenden Zeitkapazitäten auf den Weg bringen. Dies ist aber mit den augenblicklich angedachten berufspolitischen Erwägungen nicht einmal andeutungsweise zu schaffen.

Rauel K.
Pflegeversicherung - Pflegebegriff erneuern und Finanzierung nachhaltig sichern! BürgerInnen müssen mehr Informationen erhalten - z.B. wg. Individualvorsorge!

Gerhard Schenker
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Pflegeberufe attraktiver machen - sehr einverstanden

Beitrag von Gerhard Schenker » 06.02.2011, 08:13

Pflegeberufe attraktiver machen - sehr einverstanden

Wenn es eine Aufwertung für die Pflegeberufe geben sollte, wird das eine große Zustimmung in der Gesellschaft finden. Was allerdings seitens der Politik und so mancher Berufsverbandsfunktionäre andiskutiert bzw. vorgeschlagen wird, erscheint weniger hilfreich, die vielfach gewünschte Aufwertung wirklich zu erreichen:

Berufsgesetze:
Regeln die Ausbildung und den Schutz der Berufsbezeichnung eigentlich in ausreichendem Maße. Wenn hier und da an Verbesserungen gedacht wird, ist das aber nicht verkehrt. Verkehrt ist aber zu erwarten, dass durch Änderungen der Berufsgesetze irgend etwas in der tatsächlichen Pflege am Patienten besser wird.

Vergütungen:
Die Pflegetätigkeit, und das wird zu wenig diskutiert, muss besser vergütet werden. Insoweit sind die Gewerkschaften gefordert. Allerdings können die Berufsverbände insoweit mit Druck ausüben. Höhere Vergütungen wäre ein echtes Plus für die Wertschätzung der Pflege.

Pflegekammern:
Diese Einrichtungen würden erneut Behörden mit großem Aufwand entstehenden lassen. Sie würden kaum Einfluss auf die Pflegetätigkeit haben, viel Geld kosten, eigentlich kaum etwas bewirken. Daher werden solche Kammern zurecht als völlig überflüssig angesehen. Insoweit ist ja schon breiter Widerstand formuliert werden. Wenn ein Herr Söder in Bayern eine solche Kammer ankündigt, steckt m.E. dahinter purer politischer Populismus.

Fachkräftemangel = Pflegenotstand:
Diese Diskussionen führen so, wie sie geführt werden, an den eigentlichen Problemen haarscharf vorbei. Offensichtlich wird jetzt die Begrifflichkeit "Fachkräftemangel" dazu benutzt, Billig-Pflegekräfte aus dem osteuropäischen Raum anwerben zu können. Die Diskussion des Fachkräftemangels wird ja auch weitgehend von der Pflege-Arbeitgeberseite gefördert. Andere, vor allem die Medien, plappern nach.
Klar sollte sein, dass wir seit vielen Jahren einen Pflegenotstand haben. Zuwenig Pflegekräftestellen in Krankenhäusern und Heimen. Insoweit sind Änderungen nötig. Mehr Stellen einrichten, ausbilden und einstellen.
Pflegekräfte müssen Zeit für die Patienten und pflegebedürftigen Menschen haben. Geben wir sie ihnen bei ausreichender Vergütung, dann wird Wertschätzung und Anerkennung auf dem Fuße folgen, von selbst.

Gerhard Schenker
Das Pflegesystem bedarf einer umfassenden Reform - Pflegebegriff erneuern und Finanzierung zukunftsfest machen!

Cornelia Süstersell
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Berufsverbände agieren unbefriedigend

Beitrag von Cornelia Süstersell » 09.02.2011, 08:41

Gerhard Schenker hat geschrieben:Pflegeberufe attraktiver machen - sehr einverstanden
Wenn es eine Aufwertung für die Pflegeberufe geben sollte, wird das eine große Zustimmung in der Gesellschaft finden. Was allerdings seitens der Politik und so mancher Berufsverbandsfunktionäre andiskutiert bzw. vorgeschlagen wird, erscheint weniger hilfreich, die vielfach gewünschte Aufwertung wirklich zu erreichen: ....
Gerhard, ich stimme Deinen kritischen Anmerkungen zu und sehe die Politik falsch beraten. Die Berufsverbände agieren auch nicht so, wie man das eigentlich erwarten dürfte.

Es grüßt
Cornelia
Ich trete für eine menschenwürdige Pflege ein und halte für es zwingend, mehr Pflegepersonal einzustellen.

Anja Jansen
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Pflegekammer - nein danke

Beitrag von Anja Jansen » 11.02.2011, 08:01

Die Einrichtung einer Pflegekammer löst die in den Pflegesystemen momentan bestehenden Probleme nicht auf. Es wäre lediglich, wie schon ausgeführt, ein bürokratisches Instrument der Pflege, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Und die Verbandsfunktionäre hätten endlich eine "amtliche" Aufgabe, nämlich die Pflegekräfteverwaltung.
Da sage ich doch lieber: nein danke, so nicht!

LB. Grüße Anja
Es ist mehr Aufmerksamkeit für dementiell erkrankte Menschen nötig. Unser Pflegesystem braucht deshalb eine grundlegende Reform!

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