Kriseninterventionsteam der Caritas steht rund um die Uhr bereit
Projekt will Arbeitsfähigkeit pflegender Angehöriger sichern/Firmen als Partner gesucht/Zusammenarbeit mit Pflegewerkstatt
Borken/Ahaus/Münster (cpm). Bis morgens um 6 Uhr war die Welt für Monika Schmitz noch in Ordnung. Dann stürzt ihre Mutter und bricht sich ein Bein. Das sorgfältig geplante Familiensystem, in dem sie ihre zwei schulpflichtigen Kinder versorgt, die Mutter pflegt und anschließend an die Kasse des Supermarkts eilt, droht zusammenzubrechen. Dieses Fallbeispiel ist künftig ein Fall für "KIT-Pflege", die Kriseninterventionsteams der Caritasverbände Ahaus- Vreden und Borken, die zum 1. Juli im Rahmen eines Bundesmodellprojekts gestartet sind." "Wir wollen damit die Arbeitsfähigkeit von Mitarbeitern erhalten und Ausfälle möglichst vermeiden", erklärt Kerstin Menker bei der Caritas Borken. Interessant ist das Projekt damit auch für Unternehmen. Einige größere Firmen in der Region sind bereits interessiert, weitere Projektpartner werden gesucht.
Wenn die Kriseninterventionsteams im kommenden Jahr aufgestellt und arbeitsfähig sind, wird eines von Ihnen sofort einen Mitarbeiter zu Monika Schmitz entsenden und die Erstversorgung sowie die weitere Pflege übernehmen. Vielleicht schafft die alleinerziehende Mutter es nicht ganz ohne Verspätung, an ihrer Kasse zu sitzen, aber sie wird auch an diesem Tag zur Arbeit gehen können. "Für zwei bis drei Tage bleiben die Teams in der Familie", sagt Menker. In dieser Zeit werden Pflegedienst und eventuell weitere erforderliche Hilfen organisiert, um die dauerhafte Versorgung sicherzustellen.
Noch ist es ein bisschen Zukunftsmusik, denn das Projekt befindet sich in der Vorbereitungsphase. Ab Januar 2011 soll die praktische Umsetzung folgen. Mindestens drei Mitarbeiter stark soll jedes der beiden Teams dann sein und durch die Zusammenarbeit der beiden Verbände Borken und Ahaus in der Caritas Pflege & Gesundheit die Bereitschaft rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche gesichert werden.
Die Idee gibt es schon länger, aber sie wurde mehr in der Wissenschaft diskutiert, erläutert Kerstin Menker. Sie auf die praktische Schiene zu setzen, habe fünf Jahre gedauert. Aber jetzt ist erreicht worden, dass der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Gesundheit das Projekt fördert. Ebenso erbringen die Caritasverbände einen Teil der Finanzierung.
Vorarbeit hat die Caritas schon geleistet. In Borken beispielsweise gibt es seit 2005 die "Pflegewerkstatt" im Marienhospital, in der pflegende Angehörige sich bereits während des Krankenhausaufenthaltes des Familienmitgliedes auf die häusliche Pflege vorbereiten können. Information, Schulung und die Beratung zu den Pflegethemen sind sowohl hier wie auch in der häuslichen Umgebung möglich. Oft geht es dabei um sehr praktisches Tun wie die „Mobilisation aus dem Pflegebett“ oder den „Umgang mit Pflegehilfsmitteln“.
Hauptaufgabe der Kriseninterventionsteams wird es sein, kurzfristig die notwendigen Hilfen zu organisieren, so Menker. Neben der ambulanten Pflege muss möglicherweise jemand für die hauswirtschaftliche Versorgung gefunden werden. Sind Kinder im Spiel, ist vielleicht noch die Familienpflegerin gefragt. Eventuell können auch Ehrenamtliche mit ins Boot geholt werden, um die Familie zu entlasten.
KIT-Pflege hilft beiden, Arbeitnehmern und Arbeitgebern. "Unternehmen können attraktiver für Mitarbeiter werden, wenn sie ihnen in der Zusammenarbeit mit uns die Sorge nehmen, Probleme durch einen Arbeitsausfall zu bekommen," erklärt Kerstin Menker. Sie hat dabei ein konkretes Beispiel aus Isselburg im Blick. Die Arbeitsleistung eines über viele Jahre sehr zuverlässigen Mitarbeiters fiel deutlich ab, es wurde schon von Suchtproblemen gemunkelt, weil er so schlecht aussah und immer weniger belastbar war. Erst nach einem halben Jahr stellte sich heraus, dass er seine Mutter pflegen musste und damit überfordert war. Hier soll KIT-Pflege nicht nur direkt helfen, sondern auch das Bewusstsein befördern, dass offener über die Pflege von Angehörigen gesprochen werden kann.
Die Auftaktveranstaltung des Projekts findet am 6. Oktober bei der Software-Firma Tobit , in Ahaus statt, die das Projekt idealistisch unterstützt.
Quelle: Pressemitteilung vom 13. August 2010
http://www.caritas-muenster.de/45973.as ... ea=dicvmst
Ansprechpartner:
Borken: Matthias Mört , Projektleiter, cpg@caritas-borken.de, Kerstin Menker, cpg-kit-pflege@caritas-borken.de und Petra Hengst, cpg-pflegewerkstatt@caritas-borken.de , Projektmitarbeiterinnen der Caritas Borken, 02861-945-810,
Ahaus: Matthias Wittland , Projektleiter, m.wittland.de, 02561-93633, Miriam Wenningmann , pflegeberatung@caritas-ahaus-vreden.de , 02562-9645800, Projektmitarbeiterin der Caritas Ahaus-Vreden
Arbeitsfähigkeit pflegender Angehöriger sichern ....
Moderator: WernerSchell