Pflegenotstand - Fachkräftemangel in der Altenpflege

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Pflegenotstand - Fachkräftemangel in der Altenpflege

Beitrag von Presse » 29.06.2010, 16:28

Fachkräftemangel in der Altenpflege
Diakonie RWL warnt vor Pflegenotstand


In Nordrhein-Westfalen zeichnet sich eine Verschärfung des Fachkräftemangels in der Altenpflege ab. Dies zeigt eine neue Studie des NRW-Sozialministeriums. Die Diakonie RWL sieht dringen Handlungsbedarf für Politik und Altenpflegeeinrichtungen, um einen Pflegenotstand zu verhindern.

„Für Pflege-Einrichtungen wird es immer schwerer offene Stellen neu zu besetzen. In einzelnen Regionen ist der Arbeitsmarkt wie leer gefegt“, erklärt Ulrich Christofczik, Geschäftsbereichsleiter der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe. Diese Erfahrung wird durch eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung in Köln bestätigt, die im Auftrag des NRW-Sozialministeriums verfasst wurde. Laut Studie werden Ende des Jahres in Nordrhein-Westfalen 1 200 ausgebildete Pflegefachkräfte fehlen. Gleichzeitig ist die Arbeitslosenquote für Pflegekräfte auf 3,7 Prozent gesunken, was praktisch einer Vollbeschäftigung entspräche.

Bedarf an Fachkräften steigt
Die Diakonie RWL befürchtet nun, dass sich die Lage noch verschärft, weil der Pflegemarkt jährlich um bis zu zehn Prozent wachsen wird und damit auch der Bedarf an Mitarbeitenden. Deswegen sei es fahrlässig, dass die Ausbildungskapazität in der Pflege bis zum Jahr 2011 um 450 Plätze abnehmen wird. Vielmehr sei ein Ausbau der Ausbildungsplätze nötig, was laut Studie auch leicht möglich wäre: 13 Prozent mehr Schüler könnten mit den bestehenden Kapazitäten in den Ausbildungsstätten ausgebildet werden. „Die Pflegefachschulen der Diakonie stehen bereit, wenn das Land die Ausbildungskapazitäten ausweiten will“, betont Christofczik.

Aktionsplan Altenpflege
Um den Fachkräftemangel kurzfristig zu beheben, braucht es gemeinsame Anstrengungen von Pflegeeinrichtungen, Politik und der Agentur für Arbeit. Der Aktionsplan Altenpflege 2010, bei dem 1 000 Arbeitslose in NRW zu Pflegekräften weitergebildet werden, ist dafür ein erster Ansatz. „Der Aktionsplan ist eine gute Idee, er greift allerdings aufgrund der teils sehr zögerlichen oder unzureichenden Umsetzung durch die Arbeitsagenturen vor Ort zu kurz“, kritisiert der Altenpflegeexperte der Diakonie RWL.

Entwicklung eines neuen Pflegeberufs
Darüber hinaus bedarf es dringend einer Reform der Pflegeausbildung: „Die Entwicklung eines generalistischen neuen Pflegeberufs ist eine richtige Antwort im Blick auf die zu gewinnende berufsfeldübergreifende und altersphasenunabhängige Einsatzfähigkeit von Fachkräften in der Pflege sowie eine Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufs.“ Zugleich ist es von hoher Bedeutung, die Attraktivität der Altenpflegeausbildung ab sofort wirksam zu erhöhen. Wesentliche Faktoren dazu sind die Durchlässigkeit im Bildungssystem mit Anschluss an den Hochschulbereich, die Stufung und Modularisierung der Ausbildung auf der Grundlage des Europäischen Qualifikationsrahmens sowie eine vertikale Durchlässigkeit in allen Feldern der Pflege alter Menschen.

Wie ambulante Pflegedienste neue Mitarbeitende finden
Auf einer Fachtagung der Diakonie RWL in Bochum diskutierten 80 Vertreter von ambulanten Pflegediensten der Diakonie Wege aus dem Fachkräftemangel. Für die Einrichtungen der Diakonie sei es dabei immer wichtiger, eigene Stärken und das christliche Profil herauszustellen, um so attraktiv für Mitarbeitende zu werden. Um neue Mitarbeiter zu gewinnen, seien weniger finanzielle Anreize entscheidend, als viel mehr der gute Rufe der Einrichtung, Wertschätzung und Perspektiven für die Mitarbeitenden.

Green Card für ausländische Pflegekräfte
Keine Antwort auf die Lücke in der Fachkräfteversorgung sei es nach Ansicht der Diakonie RWL, ausländische Arbeitskräfte per Greencard ins Land zu holen. „Ein kurzfristiges Anwerben von nicht ausreichend qualifizierten und der deutschen Sprache nicht mächtigen Pflegekräften würde der erforderlichen Attraktivitätssteigerung des Altenpflegeberufs einen Bärendienst erweisen. Wir benötigen statt kurzfristiger Lückenfüller eine nachhaltige Verbesserung der Ausbildungs- und der Arbeitsbedingungen sowie des Images der Altenpflege, um sie – auch im Blick auf den neu zu konzipierenden Pflegeberuf - auf solide Füße zu stellen.“ Ein solches Vorhaben erfordere von allen Beteiligten entschlossenes Engagement und die richtigen Weichenstellungen, die die wechselseitige Bedingtheit von Aus-, Fort- und Weiterbildung in der Personalentwicklung wahrnimmt.

Quelle: Pressemitteilung vom 27.06.2010
Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe e.V.
Lenaustraße 41
D-40470 Düsseldorf

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