Pflege dringend verbessern - Forderung von IKK e.V.

Gesundheitswesen, Krankenhaus- und Heimwesen, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Arzneimittel- und Lebensmittelwesen, Infektionsschutzrecht, Sozialrecht (z.B. Krankenversicherung, Pflegeversicherung) einschl. Sozialhilfe und private Versorgung

Moderator: WernerSchell

Antworten
Presse
phpBB God
Beiträge: 14249
Registriert: 10.11.2006, 12:44

Pflege dringend verbessern - Forderung von IKK e.V.

Beitrag von Presse » 22.04.2010, 14:52

IKK e.V. fordert: Pflege dringend verbessern

Die Prozesse der Pflege in Deutschland zu verbessern, ist eine der wichtigsten Herausforderungen für die künftige Gestaltung der Pflege- und Gesundheitspolitik hierzulande und eine gesellschaftspolitische Aufgabe ersten Ranges. Diese Auffassung vertrat Rolf Stuppardt, Geschäftsführer des IKK e.V. anlässlich einer Diskussionsveranstaltung des Deutschen Krankenhausinstitutes am 21. April in Berlin.

Die Zahl der gegenwärtig rund 2,2 Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland werde sich in absehbarer Zeit verdoppeln. Hier gehe es nicht nur um Geld und Finanzierung, sondern in erster Linie vor allem darum, dem wachsenden Anstieg alter Menschen bei gleichzeitiger Abnahme der jüngeren Generation ein pflegepolitisch ganzheitliches Konzept in der Praxis entgegenzusetzen, so Stuppardt. Ziel sei eine Abkehr von den derzeit geltenden funktionalen Versorgungs- und Bewertungskriterien zu einer pflegerischen Versorgung, die prozess- und ressourcenorientiert ist.

"Eine moderne und im Grunde reiche Gesellschaft, wie die Bundesrepublik, wird sich daran messen lassen müssen, wie sie sich individuell und solidarisch um die Belange der Pflegebedürftigen sorgt", sagte Stuppardt. Es bedarf nach Ansicht des Geschäftsführers nicht nur einer gesetzgeberischen Initiative nach mehr Integration und ihrer vertraglichen Ausgestaltung, sondern auch einer umfassenden kommunikativen Ausrichtung aller Verantwortlichen, die den Präventionsgedanken in der Gesellschaft, wie in der Pflege gleichermaßen maßgeblich verankert.

"Wir benötigen dringend eine breitere Anerkennung und Wertschätzung der ganzheitlichen pflegerischen Aufgaben. Hier sind Politik, Leistungsanbieter, Krankenkassen und Sozialträger, aber auch die Bildungsinstitutionen gemeinsam gefordert", so Stuppardt. Die meisten Menschen würden in aller Regel zu Hause und in privater Atmosphäre selbstbestimmt leben wollen -, auch wenn sie pflegebedürftig sind. Dies erfordere die Förderung eines professionellen Dienstleistungsverständnisses, in dem alle Aspekte des Kümmerns, der Würde, der individuellen Förderung und des professionellen Managements zum Tragen kommen.

Nicht die konsumtive "Rundum-Vollversorgung" ist nach Aussage von Stuppardt das Ziel, sondern das lebenspraktische Austarieren einer gemeinsamen Anstrengung von Familien und sozialem Umfeld, von Gesundheits-, Sozial- und Kommunaleinrichtungen. Nicht sektorale und ressortmäßige Abgrenzungen seien gefragt, sondern die effektive und effiziente integrierte Versorgung mit qualitativ akzeptablen Zuwendungen. Stationäre und ambulante Pflege müssen nach Einschätzung des Geschäftsführers des IKK e.V. besser verzahnt und der Ausbau alternativer Wohn- und Betreuungsformen gestärkt werden. "Bei all dem steht die Qualität immer ganz vorn", sagt Stuppardt.

Über den IKK e.V.:

Der IKK e.V. ist die Interessenvertretung von Innungskrankenkassen auf Bundesebene. Der Verein wurde 2008 gegründet mit dem Ziel, die Interessen seiner Mitglieder und deren mehr als 4,5 Millionen Versicherten gegenüber allen wesentlichen Beteiligten des Gesundheitswesens zu vertreten. Dem IKK e.V. gehören die BIG direkt gesund, die IKK Brandenburg und Berlin, die IKK classic, die IKK gesund plus, die IKK Nordrhein und die SIGNAL IDUNA IKK an.

Quelle: Pressemitteilung vom 22.04.2010
Pressekontakt:
Pressesprecherin Fina Geschonneck, Telefon 030-202491-11, E-Mail
Fina.Geschonneck@ikkev.de

johannes
Sr. Member
Beiträge: 309
Registriert: 05.08.2006, 21:31

Beitrag von johannes » 23.04.2010, 07:56

Die Äußerung der IKK ist wohl nichts weiter als Augenwischerei.

1. "gemeinsamen Anstrengung von Familien" kann man wohl nicht besonders ernst nehmen, wenn es kaum noch Familien gibt. Und wenn schon noch Familien vorhanden sind, sind sie in der Regel so weit im Land verteilt, daß hier kaum realistische "gemeinsamen Anstrengungen" zu erwarten sind.

2. "effektive und effiziente integrierte Versorgung mit qualitativ akzeptablen Zuwendungen" wäre zu machen, wenn die Politik und die Kostenträger nicht Höchstleistung zu Hungerlöhnen erwarten würde. Wenn Politik und Kostenträger nicht ihre eigenen Regeln - z. B. das SGB XI - brechen würden. Dort wird eine aktivierende Pflege gefordert, in der die Fähigkeiten des Betroffenen erhalten und nach Möglichkeit zurück gewonnen werden sollen.

Fragt der Bürger, wozu sowohl Politik als auch Kostenträger bereit sind, Mittel zu bewilligen, wird schnell deutlich, daß "effektive und effiziente integrierte Versorgung mit qualitativ akzeptablen Zuwendungen" nichts als ein Lippenbekenntnis sind. Vor allem die akzeptable Zuwendung.

3. Der Satz "Ziel sei eine Abkehr von den derzeit geltenden funktionalen Versorgungs- und Bewertungskriterien zu einer pflegerischen Versorgung, die prozess- und ressourcenorientiert ist." klingt für alle in der Pflege Beschäftigten wie ein Hohn, wird doch gerade von den Vertretern der Kassen die für das genannte Ziel erforderliche finanzielle Ausstattung verweigert.

Es geht doch weniger darum, mehr Mittel aus der öffentlichen Hand zur Verfügung zu stellen, als viel mehr jene einzubeziehen, die über die Mittel selbst verfügen.

Ein Blick über die Landesgrenzen des Vielvölkerstaates Deutschland - Vielvölkerstaat deshalb, weil hier 16 kleine Völkchen jeder für sich bestimmen will, welche Normen gelten sollen - z. B. in die Schweiz und andere Nachbarländer würde zeigen, daß mit der in Deutschland bestehenden finanziellen Ausstattung kein Staat zu machen ist.

Wir werden nicht umhin kommen, uns zu entscheiden. Wollen wir hohe Qualität und eine prozess- und ressourcenorientierte pflegerische Versorgung, wird das ohne mehr finanzielle Ausstattung nicht machbar sein. Wollen wir wenig ausgeben, müssen wir Abstriche machen. Andernfalls werden wir mehr und mehr die Pflegekräfte ausbluten. Sind diese am Ende, wer wird dann die Pflege wahrnehmen?

Die Antwort kommt aus Japan - Pflegeroboter!
Ein Mensch funktioniert nicht - er lebt!

KPHNeuss
Full Member
Beiträge: 192
Registriert: 17.09.2007, 06:05

Mehr Zuwendung, gute Pflege, hat ihren Preis

Beitrag von KPHNeuss » 23.04.2010, 08:04

johannes hat geschrieben: .... Wir werden nicht umhin kommen, uns zu entscheiden. Wollen wir hohe Qualität und eine prozess- und ressourcenorientierte pflegerische Versorgung, wird das ohne mehr finanzielle Ausstattung nicht machbar sein. Wollen wir wenig ausgeben, müssen wir Abstriche machen. Andernfalls werden wir mehr und mehr die Pflegekräfte ausbluten. Sind diese am Ende, wer wird dann die Pflege wahrnehmen?....
Hallo johannes,
Dein Anmerkungen sind treffend. Das Thema ist ja auch beim Neusser Pflegetreff angesagt: "Welche Pflege wollen wir (uns leisten)?"
Wenn die Gesellschaft eine gute Pflege will, muss sie insoweit für eine bessere Ausstattung sorgen, vor allem im Bereich der Zuwendung durch mehr Pflegekräfte. Das wird teurer!
MfG KPH Neuss
Für eine uneingeschränkt gute Pflege müssen wir alle eintreten - die Verfassung enthält die entscheidenden Wertegrundsätze: Die Menschenwürde ist unantastbar!

Antworten