Alkoholmissbrauch: Immer mehr junge Krankenhauspatienten

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Alkoholmissbrauch: Immer mehr junge Krankenhauspatienten

Beitrag von Presse » 16.12.2009, 08:11

Diagnose Alkoholmissbrauch: Immer mehr junge Krankenhauspatienten

WIESBADEN – Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, wurden im Jahr 2008 rund 25 700 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 10 und 20 Jahren aufgrund akuten Alkoholmissbrauchs stationär im Krankenhaus behandelt. Dies stellt einen deutlichen Anstieg von 11% gegenüber dem Vorjahr dar. Im Vergleich zum Jahr 2000 ist die Zahl sogar um 170% gestiegen, damals wurden rund 9 500 junge Patientinnen und Patienten mit der Diagnose „akute Alkoholintoxikation“ stationär behandelt.

Bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 15 bis unter 20 Jahren wurden mehr Männer (64%) behandelt; bei den Kindern im Alter von 10 bis unter 15 Jahren stellten die Mädchen den größeren Anteil (53%), obwohl ihr entsprechender Anteil an der Bevölkerung nur 49% beträgt. In beiden Altersgruppen stieg jedoch im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Patientinnen stärker als die der Patienten: In der Altersgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen erhöhte sich die Zahl der Patientinnen um 10%, die der Patienten um 9%; bei den Kindern betrug der Anstieg bei den Patientinnen 22% und bei den Patienten 16%.

Insgesamt wurden im Jahr 2008 knapp 18 Millionen Patientinnen und Patienten im Krankenhaus vollstationär behandelt. Krankheitsbedingt war die Herzinsuffizienz mit 350 700 Fällen der häufigste Grund für einen stationären Krankenhausaufenthalt. An zweiter Stelle lag das „Krankheitsbild“ psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol (333 800), worunter auch der akute Alkoholmissbrauch fällt. Die Herzerkrankung Angina pectoris (268 900) nahm den dritten Platz ein.

Von den knapp 18 Millionen Patienten waren 53% weiblich und 47% männlich. Das Durchschnittsalter der Behandelten lag bei 53 Jahren. Bezogen auf 100 000 Einwohner gab es 2008 insgesamt 20 291 Behandlungsfälle, das waren 1,4% mehr als im Vorjahr (20 003).

Weitere Informationen aus der Krankenhausstatistik enthält das Internetangebot des Statistischen Bundesamtes.

Weitere Auskünfte gibt:
Zweigstelle Bonn,
Sabine Nemitz,
Telefon: +49 611 75 8133,
E-Mail: gesundheitsstatistiken@destatis.de

Quelle: Pressemitteilung vom 15.12.2009
Statistisches Bundesamt
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Beitrag von Presse » 16.12.2009, 17:28

Pressemitteilung der Bundesärztekammer vom 16.12.2009:

Alkoholmissbrauch: Präventionsvorhaben der Regierung jetzt umsetzen

„Die aktuellen Entwicklungen beim Alkoholmissbrauch unter Kindern und Jugendlichen sind erschreckend. Wir müssen unverzüglich handeln und Kinder stark machen, damit sie den Verlockungen des Rauschtrinkens widerstehen können. Erwachsene müssen sich hier ihrer Vorbildfunktion bewusst sein und mit gutem Beispiel voran gehen“, sagte die Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, Dr. Cornelia Goesmann, anlässlich der neuesten Zahlen zum Alkoholmissbrauch aus der Krankenhausstatistik des Statistischen Bundesamtes. Goesmann stellte aber auch klar, dass es gesetzgeberischer Maßnahmen bedarf, um der dramatischen Entwicklung beim Alkoholmissbrauch entgegenzuwirken. „Es ist gut, dass die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag der Alkoholprävention eine besondere Bedeutung beimisst, die vor allem bei Kindern und Jugendlichen ansetzen soll. Das Vorhaben, die bestehenden Präventionsstrategien zu überprüfen und Programme zu entwickeln, die Eltern mit einbeziehen, ist ein richtiger Ansatz“.

Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurden im Jahr 2008 mehr als 25.000 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 20 Jahren aufgrund akuten Alkoholmissbrauchs stationär behandelt. Das bedeutet eine Steigerung um elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr, gegenüber dem Jahr 2000 sind es sogar 170 Prozent mehr. Dabei sind es immer öfter Patientinnen, die wegen akuter Alkoholintoxikation ins Krankenhaus eingeliefert werden. In der Altersgruppe der Jugendlichen stieg der Anteil der Mädchen um zehn Prozent, bei den Kindern um 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

„In unserer Gesellschaft muss sowohl bei Kindern und Jugendlichen, als auch bei Erwachsenen ein Umdenken erfolgen“, sagte Goesmann. Es sei zutiefst beunruhigend, dass psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen durch Alkohol in der Krankenhausstatistik der zweithäufigste Grund für einen stationären Aufenthalt sind. „Wir müssen Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Alkohol verwehren und ihnen gleichzeitig klarmachen, dass der häufige Griff zur Flasche krank macht.“

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