Priorisierung statt Rationierung ....

Gesundheitswesen, Krankenhaus- und Heimwesen, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, Arzneimittel- und Lebensmittelwesen, Infektionsschutzrecht, Sozialrecht (z.B. Krankenversicherung, Pflegeversicherung) einschl. Sozialhilfe und private Versorgung

Moderator: WernerSchell

Monika Petzold
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Priorisierung und Rationaliserung - Debatte sinnvoll

Beitrag von Monika Petzold » 24.05.2009, 07:35

Guten Morgen allerseits!

Die von der Ärzteschaft (erneut) angestoßene Debatte zur
Priorisierung und Rationaliserung
ist überfällig. Genau über diese Themen muss dringend gesprochen werden. Wir müssen nämlich erörtern und letztlich auch entscheiden, welche Gesundheitsversorgung wir uns (noch) leisten wollen. Ähnliches gilt für die Pflegesysteme, als Teil des Gesundheitssystems.
Ich begrüße daher sehr, dass die Diskussion jetzt in Gang kommt. Dieserhalb schließe ich mich nicht der Kritik an der Ärzteschaft an.
Allerdings fürchte ich, dass die Ärzte die Debatte nur begonnen haben, um für sich selbst bessere Berufs-Rahmenbedingungen und eine höhere Honorierung einfordern zu können. Das haben sie zwar so nicht deutlich gesagt, ist aber wohl der eigentliche Beweggrund für die jetzigen Anstöße.
Es muss zunächst allein um die Versicherten- bzw. Patienteninteressen gehen. Das muss m.E. allen Beteiligten vorab klar gemacht werden. Dann kann auch gerne in jede Richtung diskutiert werden.

Das meint mfG
Monika
Mehr Zuwendung bei der Patientenversorgung und Pflege. Dafür ist aber mehr Personal erforderlich. Fordern wir es ein!

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Rationierung und Priorisierung im Gesundheitswesen

Beitrag von Service » 25.05.2009, 05:50

Debatte um Rationierung und Priorisierung im Gesundheitswesen:
ALfA fordert Streichung versicherungsfremder Leistungen aus Kassenkatalog


Mainz / Koeln (ALfA). Bei der Eroeffnung des 112. Deutschen Aerztetages am 19. Mai in Mainz hat Prof. Dr. Joerg-Dietrich Hoppe, Praesident der Bundesaerztekammer (BAEK), auf die zunehmende Mittelknappheit und die Mangelversorgung im Gesundheitswesen hingewiesen und eine politische und gesellschaftliche Debatte hierueber angemahnt. Wuerden kuenftig nicht ausreichende finanzielle Mittel in die Versorgung der Patienten fliessen, muesse die Gesellschaft offen und ehrlich ueber gerechte Verteilungsmechanismen wie beispielsweise eine Priorisierung medizinischer Leistungen diskutieren, erklaerte Hoppe. "Im Prinzip bedeutet Priorisierung, dass aerztliches Handeln in Diagnostik und Therapie im Rahmen der zur Verfuegung stehenden Leistungsmoeglichkeiten eine Auswahl trifft, welche Therapiemoeglichkeiten fuer welche Patienten in Zukunft zur Verfuegung stehen und worauf unter Umstaenden verzichtet werden muss", so Hoppe. Priorisierung koenne dazu beitragen, die knappen Mittel nach gesellschaftlich konsentrierten Kriterien moeglichst gerecht zu verteilen. Beim 112. Deutschen Aerztetages diskutierten bis 22. Mai ca. 250 Delegierte ueber gesundheits- und berufspolitische Themen und fassten diverse Beschluesse.

Mit seinen Vorschlaegen stiess BAEK-Praesident Hoppe auf harsche Kritik und vehemente Ablehnung. Regierung, Gewerkschaften, Arbeitgeber und sogar Mitglieder des eigenen Berufsstands zeigten sich empoert, Krankenkassenvertreter sprachen von Geldgier. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) nannte Hoppes Rationierungsforderung gar "menschenverachtend". Die Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht fuer Alle (ALfA), Dr. med. Claudia Kaminski, erklaerte in einer Pressemitteilung vom 20. Mai zu der Debatte um die Subventionierung des Gesundheitssystems durch Steuern versus Rationierungen, die jetzige Debatte fuehre auf Abwege. Die Aktion Lebensrecht fuer Alle (ALfA) fordert stattdessen, saemtliche versicherungsfremden Leistungen aus den Leistungskatalogen der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen. "Weder die vorgeburtliche Kindstoetung, noch die so genannte Kinderwunschbehandlung sind Heilbehandlungen. Das gilt auch fuer die allermeisten, medizinisch nicht indizierten Sterilisationen sowie fuer die praenatale Fahndung nach Erkrankungen, fuer die es keine Therapie gibt. Im Extremfall koennten Versicherten heute der Solidargemeinschaft zunaechst die Kosten fuer eine praenatale Diagnostik ohne Therapie und eine anschliessende Abtreibung, dann fuer eine Sterilisation und schliesslich fuer eine kuenstliche Befruchtung aufbuerden", erklaerte die Aerztin. Alle diese Massnahmen haetten ueberhaupt nichts mit der Wiederherstellung der Gesundheit zu tun, sondern seien einem individuellen Lebensstil geschuldet. "Wie auch immer man diesen ethisch bewerten mag, die mit ihm verbundenen Kosten der Solidargemeinschaft der Beitragszahler oder jener der Steuerzahler aufzubuerden, ist einfach ungerecht und sogar asozial", kritisierte Kaminski.

Kostenfaktor praenatale Diagnostik, Abtreibung, kuenstliche Befruchtung

So unterziehe mittlerweile jede zehnte Frau ihr Kind einer vorgeburtlichen Diagnostik, obwohl ueberhaupt nur 2 bis 3 Prozent der Schwangeren ein familiaeres Risiko besitzen, ein Kind mit Behinderungen zu gebaeren. "Hatten 1977 weniger als 2.700 schwangere Frauen von der Moeglichkeit einer Fruchtwasseruntersuchung Gebrauch gemacht, so sind es heute rund 70.000. Dabei erhoeht die Durchfuehrung einer invasiven Diagnostik das Risiko, ein Kind mit Behinderungen zu gebaeren, um 8 Prozent. In bis zu zehn Prozent der Faelle wird selbst bei kerngesunden Kindern ein positiver Befund diagnostiziert, der nicht selten zur Abtreibung fuehrt", erklaerte Kaminski. Selbst beim Down-Syndrom (Trisomie 21), nach dem seit Jahren ganz gezielt gefahndet wird, liege die Erkennungsrate nur bei 72 Prozent.

Weiters verwies Kaminski darauf, dass allein die Durchfuehrung von "rechtswidrigen" aber "straffreien" Abtreibungen - das sind etwa 90 Prozent der dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden gemeldeten Abtreibungen - die Solidargemeinschaft jaehrlich mit mehr als 40 Millionen Euro belasten. "Weiss man, dass zudem ein Grossteil der Abtreibungen nicht gemeldet bzw. als "Fehlgeburt" oder "Ausschabung" abgerechnet werden, dann kommt man hier bereits auf einen nennenswerten Betrag. Bedenkt man ferner, dass Studien, z.B. Fergusson et al.: Journal of Child Psychology and Psychiatry, 2006, 47: 1,16-24, mittlerweile nachweisen, dass fast jede zweite Frau nach einer Abtreibung psychisch erkrankt und diese Erkrankungen oft eine lebenslange Behandlung erforderlich machen, dann weiss man auch, dass hier der Solidargemeinschaft Folgekosten in Milliardenhoehe entstehen", erklaerte die ALfA-Bundesvorsitzende. "Der alltaegliche Wahnsinn, den jedes Jahr hunderttausende Kinder und zukuenftige Beitragszahler mit ihrem Leben bezahlen, kostet auch die Solidargemeinschaft wahnsinnig viel Geld", gab sie zu bedenken.

Aehnlich sehe dies beim Beispiel der kuenstlichen Befruchtung aus. Urspruenglich als Hilfe fuer Paare, die auf natuerlichem Wege nicht schwanger werden koennen, gedacht, werde die kuenstliche Befruchtung heute ueberwiegend von Paaren genutzt, welche die Verwirklichung eines Kinderwunsches zugunsten eines selbst gewaehlten Lebensstils so lange zurueckgestellt haben, dass eine natuerliche Schwangerschaft schon als "Wunder" betrachtet werden koenne. "Abgesehen davon, dass die Reproduktionsmedizin in den allermeisten Faelle nicht in der Lage ist, weder eine angeborene noch eine erworbene Unfruchtfruchtbarkeit zu beheben, weshalb von einer Heilbehandlung keine Rede sein kann, ist es ungerecht, die Kosten hierfuer der Solidargemeinschaft in Rechnung zu stellen. Im Extremfall werden hier Familien, die sich rechtzeitig fuer Kinder und gegen ein zweites Einkommen entscheiden, gezwungen, die Kinderwunschbehandlung von Paaren, die sich jahrlang alle moeglichen Annehmlichkeiten gegoennt haben, mitzufinanzieren", so Kaminski abschliessend.

Weitere Informationen:

112. Deutscher Aerztetag: Hoppe verlangt Mut zur Wahrheit
Rabbata, Samir; Meissner, Marc
Mit seiner Forderung, offen ueber Leistungseinschraenkungen im Gesundheitswesen zu sprechen, hat Bundesaerztekammerpraesident Joerg-Dietrich Hoppe fuer viel Wirbel gesorgt.
Deutsches Aerzteblatt 2009; 106(21) 22.05.09
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/art ... t&id=64734

Ausfuehrliche Informationen zum 112. Deutscher Aerztetag in Mainz (19.- 22.05.2009)
http://www.baek.de/page.asp?his=0.2.6499

Quelle: Aktion Lebensrecht fuer Alle (ALfA) e.V. - Mitteilung vom 23/24.05.2009
Inhaltlich verantwortlich: C. Frodl
Aktion Lebensrecht fuer Alle (ALfA) e.V.
Geschaeftsstelle Augsburg:
Ottmarsgaesschen 8
D-86152 Augsburg
Telefon: 08 21 / 51 20 31
Telefax: 08 21 - 15 64 07
E-Mail: bgs@alfa-ev.de

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Patientenrechte in Zeiten der Rationierung

Beitrag von Presse » 29.05.2009, 07:31

Deutsches Ärzteblatt:

Gerst, Thomas
Patientenrechte in Zeiten der Rationierung: „Wir brauchen Transparenz und eine öffentliche Diskussion“
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/art ... p?id=64807

Referat Prof. Hoppe
http://www.aerzteblatt.de/v4/plus/down. ... DF&id=3869
Referat Prof. Katzenmeier
http://www.aerzteblatt.de/v4/plus/down. ... DF&id=3867
Folien Prof. Katzenmeier
http://www.aerzteblatt.de/v4/plus/down. ... DF&id=3868

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Rationierungen ... ethische Bedenken

Beitrag von Presse » 04.06.2009, 16:47

Rationierungen verursachen bei Ärzten zunehmend ethische Bedenken

fzm - Rationierungen im Gesundheitswesen sind schmerzhaft. Nicht nur für die Patienten, denen mitunter eine bestmögliche Therapie vorenthalten wird, nur weil das Geld knapp ist. Auch viele Ärzte, die sich als Anwalt für ihre Patienten begreifen, leiden unter dem Kostendruck, wie eine Umfrage in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2009) zeigt. Die Möglichkeiten, eine Rationierung durch eine Rationalisierung, sprich durch den wirtschaftlicheren Einsatz der Mittel zu vermeiden, sind nach Ansicht der meisten Ärzte ausgeschöpft. Und die Mediziner lehnen es ab, die Verantwortung für die Beschränkungen der Therapie allein zu tragen.

Dass Rationierungen im deutschen Gesundheitswesen stattfinden, steht außer Zweifel. Die Bundesärztekammer hatte im Mai 2008 im Ulmer Papier öffentlichkeitswirksam darauf aufmerksam gemacht. Frühere Umfragen haben auch ergeben, dass die meisten Mediziner bereits die unangenehme Erfahrung gemacht haben, dass sie einem Patienten eine optimale Therapie vorenthalten müssen, weil sie nicht mehr finanzierbar ist. Der Medizinethiker Professor Daniel Strech von der Medizinischen Hochschule Hannover untersuchte zusammen mit Kollegen mittels einer Umfrage, wie zwei Arztgruppen, Herzspezialisten und Intensivmediziner, mit diesen Situationen umgehen. Sie hatten diese beiden Fachbereiche ausgewählt, weil es hier besonders viele kostspielige Arbeitsabläufe gibt, so Professor Strech.

Tatsächlich kannten drei von vier Ärzten Fälle, in denen Patienten Therapien vorenthalten wurden – auch wenn diese Situationen insgesamt selten vorkamen und noch kein alltägliches Problem sind. Die Herzexperten, Kardiologen, erleben Rationierungen öfter als Intensivmediziner, und an privaten Kliniken scheinen sie häufiger vorzukommen als an Kliniken in öffentlicher oder gemeinnütziger Trägerschaft, berichtet Professor Strech.

Die Verunsicherung bei den Ärzten ist groß. Vier von fünf Medizinern meinten, dass Rationierungen ihre Arbeitszufriedenheit beeinträchtige und ebenso viele sahen das Vertrauensverhältnis zum Patienten negativ beeinflusst.

Eine Bereitschaft zu Rationalisierungen ist bei den befragten Ärzten vorhanden. Einem Patienten könne auch gegen dessen Willen ein teures Medikament vorenthalten werden, wenn es ein preiswerteres aber gleich effektives Mittel gebe. Diese Ansicht vertraten neun von zehn Medizinern. Allerdings waren auch die Kardiologen, in deren Bereich Versorgungsforscher größere Einsparpotenziale sehen, überzeugt, dass Rationalisierungen durch eigenes wirtschaftlicheres Handeln eigentlich kaum noch möglich sind. Ärzte sehen potenzielle Einsparungen nicht, vermutet Professor Strech. Entscheidungen in diesem Bereich müssten von außen kommen.

Anders als die Rationalisierungen werden Rationierungen von den Medizinern abgelehnt. Nur jeder zweite meinte, dass Ärzte bei Mittelknappheit auf eine preiswerte und geringfügig weniger effektive Alternative ausweichen dürften. Professor Strech konstatiert hohe moralische Ansprüche der Mediziner, die unter den aktuellen Rahmenbedingungen immer häufiger mit der Wirklichkeit kollidieren. Viele Ärzte vertraten die Ansicht, Entscheidungen zur Rationierung könnten nur im Einzelfall getroffen werden. Gleichzeitig waren drei von vier Ärzten der Ansicht, dass die Entscheidung an höherer Stelle, “oberhalb” der Arzt-Patientenbeziehung getroffen werden müsste. Professor Strech sieht hier eine ambivalente Haltung der Mediziner: Einerseits möchten die Ärzte ihre Entscheidungsfreiheit behalten, andererseits scheuten sie aber die Verantwortung. Der Ausweg aus diesem Dilemma könnte nach Ansicht des Medizinethikers darin bestehen, die Rationierung in die Behandlungsempfehlung der Fachgesellschaften zu übernehmen. Eine wichtige Voraussetzung für kostensensible Leitlinien sei jedoch eine breite Diskussion in der Öffentlichkeit über die Notwendigkeit von Rationierungen und den Bedingungen, unter denen sie stattfinden könnten.

Quelle:
D. Strech et al.:
Ausmaß und Auswirkungen von Rationierung in deutschen Krankenhäusern: Ärztliche Einschätzungen aus einer repräsentativen Umfrage.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134 (24): S.1261-1266

Wir freuen uns, wenn Sie die Pressemeldung verwenden und veröffentlichen.

Journalisten und Redaktionen senden wir gerne die Originalarbeit zur Pressemeldung als pdf zur weiteren Recherche zu. Wenn Sie dies wünschen, bitten wir um Ihre Rückmeldung an die unten genannten Kontaktdaten.

Quelle: Pressemitteilung vom 4.6.2009
Ihr Kontakt für Rückfragen:
Christine Schoner
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Georg Thieme Verlag KG
Rüdigerstraße 14
70469 Stuttgart
Fon +49[0]711/8931-573
Fax +49[0]711/8931-167
christine.schoner@thieme.de
http://www.thieme.de

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Priorisierung: Transparenz im Gesundheitswesen gefordert

Beitrag von Presse » 17.06.2009, 06:58

Priorisierung: Transparenz im Gesundheitswesen gefordert

München – 84 Prozent der Deutschen rechnen damit, dass die medizinische Versorgung sich weiter verschlechtert. Das ist das Ergebnis einer von der Allianz-Versicherung beauftragten Studie. Danach wünscht sich der Großteil der Befragten mehr Transparenz bei der Vergabe medizinischer Leistungen und Güter.

„Verdeckte Rationierungen sind für die Bevölkerung schon heute nichts Ungewöhnliches:
.... (mehr)
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/3 ... ordert.htm

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Wasem sieht Politik bei Priorisierung in der Pflicht

Beitrag von Presse » 19.06.2009, 16:16

Wasem sieht Politik bei Priorisierung in der Pflicht

Die Politik kommt um eine Debatte um Leistungseingrenzungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nicht herum. Sie kann sie nicht den Ärzten überlassen. Das fordert der Gesundheitsökonom Professor Dr. Jürgen Wasem (Foto). „Letztlich können wir die Wertentscheidung nicht auf die Selbstverwaltung verlagern und sollten sie erst recht nicht auf einzelne Ärzte und Krankenhäuser verlagern. Es ist eine genuin gesellschaftspolitische Entscheidung“, so Wasem beim Kongress des Bundesverbands Deutscher Privatkliniken (BDPK). Darüber berichtet heute die Ärzte Zeitung.
Die Debatte sei durch das Stichwort Priorisierung „vergiftet“, gleichwohl im Kern aber notwendig. Sie werde angesichts der demografischen Entwicklung und des medizinischen Fortschritts immer wichtiger. Das universelle Leistungsversprechen hält Wasem für einen Mythos: „Den umfassenden Leistungskatalog hat es noch nie gegeben. Wir sind schon lange nicht mehr in einer Situation, wo es alles gibt, was nützlich ist.“

Quelle: Mitteilung vom 19.06.2009
Bibliomed - Medizinische Verlagsgesellschaft mbH
Stadtwaldpark 10
D-34212 Melsungen
Website: http://www.bibliomed.de
E-Mail: info@bibliomed.de

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Patienten werden mehr zuzahlen müssen

Beitrag von Presse » 22.06.2009, 12:26

Ärzte Zeitung, 19.06.2009

Patienten werden mehr zuzahlen müssen
Politiker und Fachleute sind sich einig: Eine Zukunft ohne höhere Eigenbeteiligungen wird es nicht geben

BERLIN (ami). Eigenbeteiligungen und Mehrkostenregelungen werden im Gesundheitswesen künftig unausweichlich sein. Das war Konsens auf dem Podium beim Kongress des Bundesverbands Deutscher Privatkliniken (BDPK). .... (mehr)
http://www.aerztezeitung.de/politik_ges ... sid=553973

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Offenen Rationierungen den Vorzug geben

Beitrag von Presse » 04.07.2009, 17:58

Wenn Rationierungen unvermeidlich sind, dann ist offenen Rationierungen der Vorzug zu geben“

Der Versorgungsbedarf steigt, die finanziellen Mittel aber bleiben begrenzt: Der demografische Wandel und der medizinische Fortschritt führen zu einer Expansion der Gesundheitsausgaben, während die Einnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung kontinuierlich sinken. Deshalb fordert die Ärzteschaft seit langem, dass sich die Gesellschaft ernsthaft mit der Frage auseinandersetzt, wie sie mit der Mittelknappheit in Zukunft umgehen will. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Politik nicht länger die Unterfinanzierung des Gesundheitswesens leugnet und endlich Verantwortung für die bereits stattfindenden heimlichen Rationierungen übernimmt. „Wenn Rationierungen unvermeidlich sind, dann ist offenen Rationierungen der Vorzug zu geben“, erklärte Prof. Dr. jur. Christian Katzenmeier, Direktor des Instituts für Medizinrecht der Universität zu Köln, gegenüber BÄK INTERN. Eine Priorisierung medizinischer Leistungen verteile die knappen finanziellen Ressourcen auf die Belange, die sich im gesellschaftlichen, ethischen und politischen Diskurs als besonders wichtig herausgestellt hätten.

BÄK INTERN, Juli 2009 (690,49 KB)
http://www.bundesaerztekammer.de/downlo ... huetzt.pdf

Quelle: Pressemitteilung der Bundesärztekammer vom 2.7.2009

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Rationierung bei Intensivpatienten?

Beitrag von Presse » 15.07.2009, 08:55

Rationierung bei Intensivpatienten?
Eine Studie behauptet, wirtschaftliche Überlegungen nähmen überhand


Baierbrunn (ots) - "Das Geld bestimmt immer öfter, was in der Intensivmedizin geht", sagt Joachim Boldt, Chefarzt der Anästhesiologie im städtischen Klinikum Ludwigsburg. Er stützt seine Behauptung auf eine Befragung von 540 Verantwortlichen deutscher Intensivstationen. "Das Problem des Versorgungsmangels wird ignoriert", sagt er in der "Apotheken Umschau". Eine wesentliche Ursache sieht er in fehlenden Standards, nach denen Entscheidungen im Notfall getroffen werden. Knapp ein Drittel der befragten Kliniken hätte zum Beispiel angegeben, gelegentlich Patienten ablehnen zu müssen, weil andere Kranke den Platz blockieren, obwohl die Ärzte deren Behandlung als nicht sinnvoll einstuften. Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft weist die Kritik zurück: "Eine Rationierung auf Intensivstationen findet nicht statt." Es mangele aber tatsächlich an einer berechenbaren und stabilen Finanzierung der Leistungen. Baum sieht hier die Politik in der Pflicht. Professorin Dr. Claudia Spieß, Chefärztin der Anästhesie der Charité in Berlin, hält das Ganze für eine "unglückliche Diskussion": Bevor über Rationierungen gesprochen werde, sollten wissenschaftliche Erkenntnisse besser umgesetzt werden. "Solange wir daran nicht konsequent arbeiten, geht die Kostendiskussion am Problem vorbei", mahnt sie in dem Gesundheitsmagazin.

Das Gesundheitsmagazin "Apotheken Umschau" 7/2009 B liegt in den meisten Apotheken aus und wird ohne Zuzahlung zur Gesundheitsberatung an Kunden abgegeben.

Pressekontakt: Ruth Pirhalla
Tel. 089 / 744 33 123
Fax 089 / 744 33 459
E-Mail: pirhalla@wortundbildverlag.de
http://www.gesundheitpro.de
http://www.wortundbildverlag.de

Diese Meldung ist nur mit Quellenangabe zur Veröffentlichung frei.

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Verschlechterung der Pflege in den Krankenhäusern

Beitrag von Gaby Modig » 17.07.2009, 11:25

Verschlechterung der Krankenhauspflege

Die Qualität der Pflege in Krankenhäusern sieht der VdK als bedroht an. Darübner berichtete am 16.07.2009 die Rheinische Post in Düsseldorf. Nach dem Bericht warnt der Sozialverband VdK NRW vor einer Verschlechterung der Pflege in den Krankenhäusern von Nordrhein-Westfalen. Der Trend gehe "weg von einer beherbergenden und pflegenden Krankenhauskultur hin zu einer Reparatur- und Luxusmedizin", so der Sozialverband. Die Pflege in Krankenhäusern sei zunehmend bedroht von Ökonomisierungs-Maßnahmen der Bundesregierung und der Kassenverbände, bei denen "nur die ärztlich medizinischen Leistungen hohe Erträge" brächten.

Was der VdK hier herausstellt, ist bekannt und eine Folge der Gesundheitsreform 2007. Darüber wurde hier im Forum schon wiederholt informiert.

Gaby Modig
Pflegesystem verbessern - weg von der Minutenpflege. Mehr Pflegepersonal ist vonnöten!

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Leistungskürzungen im Gesundheitswesen sind unausweichlich

Beitrag von Presse » 03.08.2009, 12:18

Forscher:
Leistungskürzungen im Gesundheitswesen sind unausweichlich

Kiel – Nach Ansicht des Gesundheitsforschers Fritz Beske sind Leistungskürzungen im deutschen Gesundheitswesen unausweichlich. „Die Politik muss der Bevölkerung endlich sagen, was auf sie zukommt“, sagte der Direktor des Fritz Beske Instituts für Gesundheits-System-Forschung in Kiel. Die Menschen müssten sich darauf einstellen, Gesundheitsleistungen in Zukunft – ähnlich wie bei der Rente – zusätzlich selbst abzusichern.

Es gebe immer mehr Alte, Kranke und Pflegebedürftige, während die Zahl der Erwerbsfähigen schrumpfe. „Die Rechnung geht nicht auf“, betonte Beske und fügte hinzu: „Es fehlen Steuerzahler, Beitragszahler und Personal im Gesundheitssystem.“

.... (mehr)
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/3 ... chlich.htm

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Wir kommen an Priorisierungen & Rationierung nicht herum

Beitrag von Cicero » 04.08.2009, 06:15

Wir kommen an Priorisierungen & Rationierung nicht herum!

Die Faktenlage zwingt die Gesundheitspolitiker, irgendwann "Farbe zu bekennen". Die Solidarsysteme sind nicht mehr die "Wundertüte", die sie in der Vergangenheit zu sein schien. Wir haben uns übernommen und müssen jetzt die Leistungen der realen Lage anpassen.
Wir werden einfach im Gesundheitssystem nicht mehr alles finanzieren können, was uns von den Anbietern als medizinischer Fortschritt angepriesen wird. Insbesondere im Arzneimittelsektor muss es zu klaren Einschränkungen kommen. Was zwingend notwendig ist, muss finanziert werden. Alles andere kann in einem abgestuften Regelsystem nur noch teilweise oder überhaupt nicht mehr finanziert werden. Das müssen aber die Versicherten zeitgerecht wissen. Denn nur dann können sie sich darauf einrichten. Ein Weiterso gibt es bald nicht mehr.
Ich verweise auf § 1 SGB V (unten angefügt), wo auch die Eigenverantwortung der Versicherten klar beschrieben. Daran muss angeknüpft werden!

Cicero

§ 1 SGB V Solidarität und Eigenverantwortung
Die Krankenversicherung als Solidargemeinschaft hat die Aufgabe, die Gesundheit der Versicherten zu erhalten, wiederherzustellen oder ihren Gesundheitszustand zu bessern. Die Versicherten sind für ihre Gesundheit mitverantwortlich; sie sollen durch eine gesundheitsbewußte Lebensführung, durch frühzeitige Beteiligung an gesundheitlichen Vorsorgemaßnahmen sowie durch aktive Mitwirkung an Krankenbehandlung und Rehabilitation dazu beitragen, den Eintritt von Krankheit und Behinderung zu vermeiden oder ihre Folgen zu überwinden. Die Krankenkassen haben den Versicherten dabei durch Aufklärung, Beratung und Leistungen zu helfen und auf gesunde Lebensverhältnisse hinzuwirken.
Politisch interessierter Pflegefan!
Im Gleichklang: Frieden - Ausgleich - Demokratie - und: "Die Menschenwürde ist unantastbar"!

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Priorisierung: Marginale Wirksamkeit als Ausschlusskriterium

Beitrag von Presse » 05.08.2009, 11:37

Deutsches Ärzteblatt:

Priorisierung: Marginale Wirksamkeit als Ausschlusskriterium
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/art ... p?id=65534
Friedrich, Daniel R.; Buyx, Alena M.; Schöne-Seifert, Bettina
aus Ausgabe 31-32 vom 03.08.2009

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Ärztetag verlangt offene Debatte um Priorisierung

Beitrag von Presse » 21.08.2009, 18:10

Westfälischer Ärztetag verlangt offene Debatte um Priorisierung
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/3 ... ierung.htm

Der steigende ökonomische Druck im Gesundheitswesen wirkt sich nach Ansicht der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) auf die ärztliche Tätigkeit in den Praxen und Krankenhäusern aus. Die Kammer fordert vor diesem Hintergrund eine offene [...]
DÄ-Serie "Prirorisierung"
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/serie.asp?id=36

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Priorisierung - Ärzte werden allein gelassen

Beitrag von Presse » 01.09.2009, 06:52

Priorisierung - Ärzte werden allein gelassen

An Einschränkungen des Leistungskatalogs wird in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) angesichts begrenzter Ressourcen kein Weg vorbeiführen. Davon ist der Gesundheitsökonom Professor Jürgen Wasem überzeugt. Doch auch klare Vorgaben zur Begrenzung der Leistungsansprüche werden die Ärzte nicht aus der individuellen Verantwortung entlassen, sagte Wasem auf dem zweiten Westfälischen Ärztetag in Münster. mehr »
http://www.aerztezeitung.de/nel/?sid=56 ... ft&c=1&n=2

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