Schlechtere MDK-Noten für viele Heime in Schleswig-Holstein

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Schlechtere MDK-Noten für viele Heime in Schleswig-Holstein

Beitrag von Presse » 26.01.2010, 13:06

Schlechtere MDK-Noten für viele Heime in Schleswig-Holstein
bad e.V. appelliert an Landesverbände der Pflegekassen: Mit Betroffenen Einwände klären und Fehlurteile korrigieren


Der Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad e. V.) hat an die Landesverbände der Pflegekassen in Schleswig-Holstein appelliert, Stellungnahmen der im Bundesvergleich auffällig schlechter benoteten Heime im Norden sorgfältig zu prüfen und in ihre endgültige Bewertung einfließen zu lassen. "In vielen Fällen beurteilte der MDK im Norden in erster Linie unvollständige oder fehlerhaft ausgefüllte Pflegedokumentationen oder Konzepte, ohne die vielerorts aber qualitativ hochwertige Pflege und Betreuung in Augenschein zu nehmen," fasst Ina Symhardt, Geschäftsführerin Stationär des bad e. V., ihre Analysen und Eindrücke in Mitgliedsbetrieben zusammen. Daher seien einige Noten des MDK zu Pflege und medizinischer Versorgung, Umgang mit Demenzkranken und sozialer Betreuung weder aussagekräftig noch nachvollziehbar. Rechtsanwältin Symhardt: "Solche Einschätzungen müssten einfach korrigiert werden, um Heime nicht zu Unrecht öffentlich und geschäftsschädigend zu verurteilen."
Die beste Lösung wäre es, wenn strittige Punkte aus Stellungnahmen schlechter bewerteter Heime noch einmal am "Runden Tisch" von Verantwortlichen und Vertretern der Pflegekassen persönlich erörtert würden. Missverständnisse ließen sich so oft am besten klären.
Erhebliche Wettbewerbsnachteile entstünden einem Heim aber, wenn es von Pflegekassen vorschnell mit "mangelhaft" z. B. im Bereich Pflege und medizinische Versorgung bewertet würde, wie bereits das Sozialgericht Münster per Beschluss vom 18. Januar 2010 feststellte (Az.: S 6 P 202/09 ER). Dadurch werde auch "in unverhältnismäßiger Weise" in das Grundrecht der Berufsfreiheit des Heimträgers eingegriffen. Entsprechend stoppte das Gericht die Veröffentlichung der strittigen Heimbewertung vorerst.

Interessant liest sich die Begründung der Richter, so Symhardt: Da es noch an "belastbaren Kriterien zur Bemessung der Ergebnis- und Lebensqualität" der Pflegeeinrichtungen mangele, zielten die Prüfkriterien des MDK derzeit "ganz überwiegend auf die Qualität der Dokumentation der Pflegeleistungen, nicht aber auf die Pflege an sich." Dadurch entstehe ein "nicht zu rechtfertigendes Bewertungssystem." Die Einrichtungen würden damit genötigt, auf Kosten ihrer eigentlichen Aufgaben noch mehr in die Dokumentation zu investieren, so das Sozialgericht. Für die Zukunft notwendig wären vielmehr aber "valide Faktoren der Ergebnis- und Lebensqualität," um Prüfberichte zu erhalten, die gesetzlichen Vorgaben genügten.
"Unsere Mitgliedsbetriebe haben nichts gegen den öffentlichen Qualitätsvergleich, der sich in den Transparenzberichten niederschlägt. Doch viele Heime sehen im Transparenzbericht ihre tatsächliche Qualität nicht abgebildet," stellt Symhardt klar. Einige Verantwortliche kennt sie, die stets für hohe Pflegequalität, individuelle soziale Betreuung und umsichtigen Umgang mit Demenzkranken gesorgt haben und vor Ort sehr beliebt sind, sich nun aber verunglimpft fühlen.

Eine betroffene Heimleiterin: "Es kann doch nicht sein, dass unsere Jahrzehnte lang gute Arbeit und unser sehr guter Ruf in der Stadt durch eine ungerechtfertigt schlechte Gesamtnote kaputt gemacht wird." Und weiter: "Seit es unser Heim gibt, hat es noch keine einzige anlassbezogene MDK-Prüfung aufgrund von Beschwerden gegeben." Jetzt gelte es, gemeinsam mit den Pflegekassen Missverständnisse bei der MDK-Prüfung auszuräumen und kleine Mängel in Dokumentationen und Konzepten auch mit entsprechend geringen Notenabschlägen gerechter zu bewerten.

Auffällig ist, dass die ca. 140 geprüften Heime im Norden (Durchschnitts-Gesamtnote: 3,1) deutlich schlechter beim MDK abschnitten als Heime im Bundesvergleich (2,2). Hier vermutet Symhardt einen direkten Zusammenhang zu der Tatsache, dass der MDK in Schleswig-Holstein in seiner Prüffrequenz deutlich hinter dem Bundesdurchschnitt zurückgeblieben und seiner Beratungspflicht gegenüber vielen Einrichtungen insofern bislang nicht nachgekommen ist. Die Geschäftsführerin Stationär des bad e. V.: "Wenn ein Pflegeheim in den letzten zwei Jahrzehnten nur einmal vom MDK geprüft wurde, so ist diese Tatsache mehr als bedenklich."

Für Rückfragen steht Ihnen der bad e.V. gerne zur Verfügung

Andrea Kapp, RAin
Geschäftsführerin Nord des bad e. V.

Bundesverband Ambulante Dienste
und Stationäre Einrichtungen (bad) e.V.
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