KDA-Jammerportal - Keine Hilfe für Pflegekräfte!

Pflegespezifische Themen; z.B. Delegation, Pflegedokumentation, Pflegefehler und Haftung, Berufsrecht der Pflegeberufe

Moderator: WernerSchell

Rüdiger Kohler

Anonyme Schreiber in Gefahr

Beitrag von Rüdiger Kohler » 16.12.2006, 08:20

Herbert Kunst hat geschrieben: .... M.E. steckt auch ein Fehler in den Hinweisen: Es wird behauptet, dass die anonyme Meldung beim "Kummerkasten" keine Zurückverfolgung in Richtung Schreiber zulasse. Das ist meinen Kenntnissen nach falsch, weil jede Aktivität im Netz zurückverfolgt werden kann. Wenn jemand einen Text eingestellt hat, kann man sehr wohl die IP-Nummer erkennen und den benutzten PC bzw. den Nutzer ermitteln. So gesehen ist jedem Schreiber sowieso schon anzuraten, nicht rufschädigende oder strafrechtlich relevante Informationen abzuliefern. Das könnte dem Schreiber zum Verhängnis werden... .
Hallo Mitstreiter im Forum,
zunächst war ich von der Idee des Internetforums des KDA sehr angetan. Ich dachte mir, das könnte es sein. Als ich aber weiter nachdachte, kamen mir doch erhebliche Bedenken.
Dann las ich in diesem Forum die Statements verschiedener LeserInnen. Dabei wurde mir klar: dieses Internetforum ist schädlich, teuer zudem. Es darf nicht realisiert werden. Das Geld kann für besssere Zwecke Verwendung finden.
Vor allem leuchtet mir sehr ein, dass es nicht akzeptabel ist, Pflegekräfte darauf zu reduzieren, ihre "Fehlermeldungen" anonym abzuliefern. Wo leben wir eigentlich?
Es ist auch richtig, dass jede Spur im Internet verfolgt werden kann. Also auch anonyme Meldungen können zur Aufdeckung des "Täters" führen.
Es grüßt
Rüdiger Kohler, Altenpfleger (aus Überzeugung)

Erika B.

Pflegekräfte wissen doch genau, was zu tun wäre

Beitrag von Erika B. » 17.12.2006, 08:03

Rüdiger Kohler hat geschrieben:.... zunächst war ich von der Idee des Internetforums des KDA sehr angetan. Ich dachte mir, das könnte es sein. Als ich aber weiter nachdachte, kamen mir doch erhebliche Bedenken. ...
Guten Morgen Rüdiger / Forum,

das waren auch genau meine Gedanken. Aber dann wurde mir klar: Wir Pflegekräfte wissen doch genau, was zu tun wäre, wenn man uns nur ließe.
Wir arbeiten oftmals am Rande des Möglichen und müssen viele Verrichtungen, vor allem Zuwendung, unterlassen, weil uns die Zeit fehlt. Die Belastung ist enorm. Die "Oberen" geben uns, oft aus purer Gewinnmaximierung, den Arbeitstakt vor.
Herrn Breitscheidel hat es in seinem Buch "Abgezockt und totgepflegt" beschrieben. - Solche Zustände müssen wir nicht anonym in einem Forum systematisch beschreiben und auf Belehrungen spekulieren.
Diese Zustände gehören schlicht beseitigt. Sie sind seit Jahren allgemein bekannt, obwohl manche immer nur von Einzelfällen sprechen.
Wenn es denn Einzelfälle wären Frau Ulla Schmidt, warum dann ein teures Forum??? - Oh Herr, sie wissen nicht, was sie tun! .... Seufz!

Einen schönen Adventssonntag wünscht trotz allem
Eure Erika B.

Gerhard Schenker
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Neue Internet-Plattform - Keine Hilfe für Pflegekräfte!

Beitrag von Gerhard Schenker » 18.12.2006, 09:05

WernerSchell hat geschrieben: .... Internetforen, bei denen Pflegekräfte (und andere BürgerInnen) ihren Unmut über Pflegemissstände darlegen können, auch anonym, gibt es seit vielen Jahren. An den beklagten Zuständen konnte aber damit nichts geändert werden. Ein neues Forum, mit Steuermitteln finanziert, wird nichts anderes bewirken können. Auch wenn beabsichtigt ist, dass Mitarbeiter des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA) zu den Forumseintragungen Statements abgeben sollen, löst man damit keines der angezeigten Probleme. ....
Hallo allerseits,
wir haben im Team diskutiert und versucht, dem vorgestellten Internetforum des KDA etwas Positives abzugewinnen. Auf den ersten Blick erschien uns die Aktion als geeignete Hilfe.
Nachdem wir aber die Gegenargumente gelesen und uns weiter informiert haben, kommen wir ebenfalls zu einer Ablehnung - ohne Wenn und Aber. Das Forum hilft nicht - nein, es ist schädlich für die vielfach beklagten Pflegesituationen. Es lenkt ab von den wirklich notwendigen Problemlösungen. Es erscheint auch geeignet, den Politikern vorzugaukeln, es bewege sich was. Tatsächlich wird das Forum aber kein einziges Problem der verfehlten Strukturen auflösen. Daher lehnen wir diese Art der "Hilfe" rundweg ab und ermuntern den Pflege-Selbsthilfeverband e.V., sich in dieser Angelegenheit pro Pflegekräfte lautstark zu Wort zu melden. Wo sind eigentlich die Meinungsäußerungen der Berufsverbände??
Bravo Frau von Stösser / Herr Schell - und weiter so!
Es grüßt
Gerhard Schenker

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Podiumsdiskussion in Berlin beim „Kongress Pflege 2007“

Beitrag von Presse » 18.12.2006, 14:22

Heilberufe lädt ein zur
Podiumsdiskussion in Berlin beim „Kongress Pflege 2007“


Wie mit „Missständen“ in stationären Pflege-Einrichtungen umgehen? Offen drüber sprechen? Anonym melden? Oder ignorieren und hoffen, dass die Zeit die Wunden heilt? Der Pflege-Selbsthilfeverband e.V. diskutiert unter dem Motto „Menschen(und)würdige Pflege – Pflegende als Verbündete von Pflegebedürftigen und Angehörigen“ das Thema vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen und lädt gemeinsam mit der Redaktion Heilberufe zum Ausklang des Kongresses „Pflege 2007“ am 26. und 27. Januar 2007 Pflegefachkräfte und interessierte Bürger zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion ein. Die Teilnahme an der Diskussionsrund ist kostenfrei. Termin: Samstag, 27. Januar 2007, 17.00 Uhr bis 18.30 Uhr.

Informationen & Anmeldung: http://www.heilberufe-kongresse.de

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Re: Neue Internet-Plattform - Keine Hilfe für Pflegekräfte!

Beitrag von Heim-Mitwirkung » 20.12.2006, 18:10

Gerhard Schenker hat geschrieben:Es erscheint auch geeignet, den Politikern vorzugaukeln, es bewege sich was.
Mit scheint da soll die ALLGEMEINHEIT von Politikern verschaukelt werden. Das geplante Internetportal ist überflüssig, da es solche Dinge längst gibt:

"Strafrechtlich relevante Hinweise können schon seit einigen Jahren über http://www.business-keeper.com an das LKA Niedersachsen und damit an die Polizei gegeben werden. Ein Verfahren, dass es erlaubt, unter Wahrung der Anonymität auch Rückfragen an den Hinweisgeber zu richten."
(Zitat: www.transparency.de - Transparency International Deutschland e.V.)

Über Suchmaschinen findet man zudem eine Fülle von Internetforen, in denen schon lange über Pflegemängel und -fehler berichtet wird. Was wirklich fehlt, ist eine effektive VERMEIDUNG von Pflegemißständen und nicht noch eine weitere Plattform, auf der nur zusätzlich - und nun ganz offiziell - der Pflegemangel beklagt werden darf. Aber für eine Strategie zur Vermeidung fehlt natürlich das Geld ... :!:
Reinhard Leopold c/o SHG Angehörige u.
Ehrenamtliche in der Heimmitwirkung
[heim-mitwirkung.de]

Rob Hüser
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Neue Internet-Plattform - Keine Hilfe für Pflegekräfte!

Beitrag von Rob Hüser » 20.12.2006, 18:33

Heim-Mitwirkung hat geschrieben:.... Was wirklich fehlt, ist eine effektive VERMEIDUNG von Pflegemißständen und nicht noch eine weitere Plattform, auf der nur zusätzlich - und nun ganz offiziell - der Pflegemangel beklagt werden darf. Aber für eine Strategie zur Vermeidung fehlt natürlich das Geld ...
Genau so ist das. Die Unzulänglichkeiten in der Pflege sind seit Jahren sattsam bekannt, sie türmen sich förmlich auf. Was fehlt, sind die entscheidenden Folgerungen. Nicht weiter Jammern per Internetforum des KDA - und dann noch mit beträchtlichen Steuermitteln versüßt, sondern die Ideen, die es schon gibt, aufgreifen und umsetzen. Die überwiegende Zahl der Pflegekräfte ist hoch motiviert, nur man lässt sie nicht das tuen, was sie gelernt haben. Die Pflegestrukturen stimmen nicht. Das ist das Grundübel - und da muss man ran.

Rob

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Der völlige Wahnsinn!!!

Beitrag von Biene Willy » 21.12.2006, 09:54

:shock:

Es gibt allerdings viele Foren, wo kritisch sich äussernde Pflegekräfte oder Angehörige torpediert werden. diese sind sozusagen "Nestbeschmutzer, die den Berufsstand in den Dreck ziehen, und stets handelt sich bei Vorkommnissen nur um Einzelfälle..."

Pflegekräfte können sich an den SHV wenden, in diesem Forum schreiben, es gibt die VIF...

Was bringt noch ein teuer finanziertes Forum?

Ja, Insider wissen, das es keine Einzelfälle sind! Manche Politiker streiten aber die gut belegten Fakten ab. Sonst müsste man ja endlich handeln! :wink: Unterstützt werden diese von Pflegekräften, die ihre Berufsehre besudelt sehen und von Lobbyisten, denen es um ihre Pfründe geht.

Was soll so ein Forum bringen??? Psychohygiene füür Politiker???
Ladendiebstahl wird verfolgt, Misshandlung von Pflegebdürftigen Menschen wird häufig nicht einmal als "Sachbeschädigung" gesehen.
Mutige Pflegekräfte verlieren zu oft ihren Job, haben alles riskiert, ein weenig Aufruhr im Heim, MDK etc. kurzer Aufnahmestopp, und alles geht seinen gewohnten Gang weiter! Nur die Pflegekraft hat Existenzprobleme!

Gute Pflege kostet Geld! Gute Pflege spart aber mehr Geld ein als das sie kostet!!!! Menschlichkeit spart auch Geld!!!!
Es geht nicht darum, was eine gute Pflegekraft kostet, sonder darum was eine gute Pflegekraft wert ist!!!

Leute, die Geld für BLÖDSINN ausgeben sollten lieber lernen was gute Pflege WERT ist!

Ja, man muss umdenken um zu sparen!

Wieviel Geld wird für noch verwendbare Medikamente in den Müll geworfen? Wieviele Magensonden, Krankenhausaufenthalte wären vermeidbar?

Die Pflegemisstände sind bekannt! Auch die vielschichtigen Gründe dafür!
Was soll das Forum neues bringen!

Einen neuen psychosozialen Mülleimer für Pflegekräfte?
Ein Mülleimer ist und bleibt ein Mülleimer solange nichts verändert wird!
"ENTSORGT" werden bereits pflegebedürftige Menschen (und auch Pflegepersonal)!
Die Welt braucht mehr Mülleimer! :D :D :D

Rob Hüser
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Internetforum des KDA in den Mülleimer!

Beitrag von Rob Hüser » 21.12.2006, 16:39

Biene Willy hat geschrieben: ... Die Pflegemisstände sind bekannt! Auch die vielschichtigen Gründe dafür! Was soll das Forum neues bringen! - Einen neuen psychosozialen Mülleimer für Pflegekräfte? - Ein Mülleimer ist und bleibt ein Mülleimer solange nichts verändert wird! - "ENTSORGT" werden bereits pflegebedürftige Menschen (und auch Pflegepersonal)! ...
Dies ist auch meine Sicht. Die Pflegemissstände sind bekannt, es sind nicht nur Einzelfälle, die Ursache liegt im System. Dagegen muss etwas unternommen werden! Labereien dazu in einem Forum nützen nichts, lenken nur ab.
Also - Internetforum des KDA in den Mülleimer! Vielleicht sollte man einige unfähige Politiker gleich mit entsorgen. Dazu hätte ich einige Vorschläge.
Pflegebedürfte Menschen verdienen Achtung: Pflegekräfte brauchen Arbeitsbedingungen, die ihnen angemessene Pflegeleistungen ermöglichen. Dann geht es allen gut!

Rob

WernerSchell
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KDA mit „Jammerportal für gebeutelte Pflegekräfte“

Beitrag von WernerSchell » 28.12.2006, 09:54

Internetforum des KDA - „Jammerportal für gebeutelte Pflegekräfte“

Der Pflege-Selbsthilfeverband e.V. hat mit Schreiben vom 6.12.2006 das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) mit der Einrichtung eines Internetforums durch das Kuratorium (KDA) befasst und dieses geplante Fehlermeldesystem in aller Deutlichkeit als ungeeignet bezeichnet. Bei einem Festhalten an diesem System, das mit sage und schreibe 570.000 Euro angeschoben werden soll, wurden weitere Folgerungen angedeutet. Brieftext nachlesbar unter
http://www.pflege-shv.de/Internetforum%20KDA.htm – Titel: „Jammerportal für gebeutelte Pflegekräfte“

Das BMG hat mit Schreiben vom 22.12.2006 – 234 – 43 164 – 1/566 – die Einrichtung des kritisierten Internetforums durch das KDA zur Meldung von Pflegemissständen als sinnvoll bezeichnet. Das Ministerium will daher an diesem Fehlermeldesystem festhalten.

Diese Rückmeldung konnte erwartet werden, da es die Eigenart von Behörden ist, Fehlentscheidungen nicht zugeben zu können. Es gilt nahezu ausnahmslos das Prinzip „Gesichtswahrung“. Das Eingeständnis, eine Fehlentscheidung getroffen zu haben, müsste ja auch behördenintern Konsequenzen nach sich ziehen. Es würde sich z.B. die Frage stellen, wer für unnütz verplemperte Steuergelder in die Verantwortung genommen werden muss.

Der Pflege-Selbsthilfeverband e.V. – http://www.pflege-shv.de - muss an seiner Kritik zum Internetforum des KDA uneingeschränkt festhalten und sich im Übrigen vorbehalten, z.B. die Fraktionen des Deutschen Bundestages auf die Angelegenheit aufmerksam zu machen. Mittlerweile wurden außergewöhnlich viele Unmutsbekundungen zum Forum bekannt. Selbst der sonst eher zurückhaltend argumentierende DBfK hält das Forum für wenig geeignet, Missstände aufzuzeigen; es fördere eher Denunziantentum.

Der Pflege-Selbsthilfeverband e.V. wird daher einzufordern haben, dass sich die politisch Verantwortlichen und die Leistungserbringer in anderer geeigneter Weise um die Vermeidung von Pflegemissständen kümmern, z.B. durch arbeitsrechtlichen Schutz, wenn Pflegekräfte betriebsintern auf Fehlentwicklungen aufmerksam machen und sich um die Abstellung von Missständen bemühen.
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Claridge
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Re: Der völlige Wahnsinn!!!

Beitrag von Claridge » 31.12.2006, 14:24

Biene Willy hat geschrieben:Es gibt allerdings viele Foren, wo kritisch sich äussernde Pflegekräfte oder Angehörige torpediert werden. diese sind sozusagen "Nestbeschmutzer, die den Berufsstand in den Dreck ziehen, und stets handelt sich bei Vorkommnissen nur um Einzelfälle..."
Ich weiß was du meinst, habe es damals direkt vor Ort mitbekommen.
Hatte mit dem dortigen Wahrnehmungsvermögen ja auch so meine Probleme.

Zurück zum KDA-Forum.
Ich sehe noch ein ganz anderes Problem: Falls dieses Forum in Gang kommt und selten genutzt wird ist das mit Sicherheit für unsere Politiker der Hinweis das Mißstände nur Einzelfälle sind.

Rob Hüser
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Pflege-Rahmenbedingung verbessern - aber schnell!

Beitrag von Rob Hüser » 01.01.2007, 08:07

Claridge hat geschrieben: .... KDA-Forum. - Ich sehe noch ein ganz anderes Problem: Falls dieses Forum in Gang kommt und selten genutzt wird ist das mit Sicherheit für unsere Politiker der Hinweis das Mißstände nur Einzelfälle sind....
Hallo Claridge,
dieser Gedanke liegt nahe. Politiker und andere werden das KDA-Forum nutzen, um sich damit - wie bisher - prima aus der Verantwortung zu stehlen. Dass sie aber mit dem Forum nichts geregelt haben, keine einzige Pflege-Rahmenbedingung ist damit verbessert, und nur dem Denunziantentum Vorschub geleistet haben, werden sie nicht wahrhaben wollen. Dies bedeutet: es bleibt alles so, wie es bisher schon war: mies bis ungenügend! - Und dafür hat man mal soeben 570.000 Euro ausgegeben - skandalös!
Ich wünschte mir einen Aufschrei aller professionell Pflegenden. Die Pflege braucht wahrscheinlich eine Führungsfigur vom Typ "Montgomery" (Ärztevereinigung Marburger Bund).
Gruß
Rob Hüser

siehe auch unter
viewtopic.php?t=5747

Pflegeselbsthilfe
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Pflegemissstände offen angehen!

Beitrag von Pflegeselbsthilfe » 07.01.2007, 15:04

Siehe zum Thema auch den aktuellen Forumseintrag unter
posting.php?mode=editpost&p=24236
Werner Schell ist seit 1.8.2008 Leiter / Ansprechparter bei:
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk vor
http://www.pro-pflege-selbsthilfnetzwerk.de

Markus
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Beitrag von Markus » 10.01.2007, 15:24

Das es in der Pflege, im Krankenhaus wie auch in der ambulanten und stationären Altenpflege, Gewalt in beide Richtungen gibt, ist bekannt, schlimm und bedarf einer objektiven Analysen und geeigneter Gegenmaßnahmen.

Insofern war ich zunächst erfreut, das das Kuratorium Deutsche Altershilfe sich dieses Themas annehmend das Ergebnis der Expertentagung publizierte.

Doch die Ernüchterung konnte größer kaum sein: Nicht nur, das man nach wie vor völlig naiv zu der Ansicht kommt, diesen Gewaltphänomenen durch „Erschließung brachliegender Qualitätspotentiale“ bei den Pflegekräften zu Leibe rücken zu können, sondern man sieht eine Chance auf Verbesserung darin, die juristische Position von Pflegekräften gegenüber ihren Arbeitgebern zu stärken.

Was intendiert diese Analyse? Gewalt ist die Folge eines defizitären Qualitätsmanagements und die Arbeitgeber sind als Gegenspieler der Pflegekräfte, die unter solchen Bedingungen nicht länger arbeiten wollen, zu verstehen.

Na, dann ist ja alles klar. Und ich dachte schon die Ursachen wären

1. Absenkung der Finanzierung der Ausbildungsplätze,
2. unangemessene Personalschlüssel,
3. Nichtberücksichtigung von DRG – Folgen bei Pflegesatzverhandlungen,
4. zunehmende Bürokratisierung des Pflegeberufes,
5. Prüfungswahn,
6. Fehlende Gelder zur flächendeckenden Umsetzung zeitgemäßer Pflege- und Wohnkonzepte,
7. Sensationsjournalismus zur nachhaltigen Imageschädigung,
8. Vorenthalten von SGB V – Leistungen für SGB XI – Empfänger (moderne Medikamente, Hilfsmittel)
9. Reformstau im Gesundheitswesen und Arbeitsrecht
10. etc.

Doch bei näherer Betrachtung machen solche „Tagungsergebnisse“ dann doch wieder Sinn: Ist doch der eigentliche Verantwortliche der Misere, die Politik, Auftraggeber eines großen und gewiss nicht billigen Projektes an das KDA zur Verbesserung der anonymen Beschwerdeführung von Pflegekräften.

Was sich dadurch ändern wird ist klar: Die zu Recht oder zu Unrecht anonym angeprangerten Träger werden im Büßergewand gekleidet und ohne jede Forderung an den Pflegesatzverhandlungstisch treten und mit genau den gleichen, wenn nicht sogar schlechteren Rahmenbedingungen in ihre Institutionen zurückkehren und die staatlich verordneten Missstände praktizieren.

H.P.

Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte verbessern!

Beitrag von H.P. » 13.01.2007, 11:35

Markus hat geschrieben: ..... Das es in der Pflege, im Krankenhaus wie auch in der ambulanten und stationären Altenpflege, Gewalt in beide Richtungen gibt, ist bekannt, schlimm und bedarf einer objektiven Analysen und geeigneter Gegenmaßnahmen. - Insofern war ich zunächst erfreut, das das Kuratorium Deutsche Altershilfe sich dieses Themas annehmend das Ergebnis der Expertentagung publizierte. Doch die Ernüchterung konnte größer kaum sein: ....
Hierzu gibt es auch aktuelle Beiträge unter
viewtopic.php?t=4243

Es wird immer deutlicher: Wir brauche keine Plattform für anonymes Denunziantentum. Die Pflegeversicherung muss entscheidend reformiert werden; dabei sind die Arbeitsbedingungen für die Pflegekräfte zu verbessern. Nur das würde die Wende bringen.

H.P.

Rüdiger Bastigkeit
Jr. Member
Beiträge: 50
Registriert: 28.11.2005, 18:59

Jammerportal lassen und Erspartes anderweitig verwenden

Beitrag von Rüdiger Bastigkeit » 14.01.2007, 12:47

Rob Hüser hat geschrieben:.... Politiker und andere werden das KDA-Forum nutzen, um sich damit - wie bisher - prima aus der Verantwortung zu stehlen. Dass sie aber mit dem Forum nichts geregelt haben, keine einzige Pflege-Rahmenbedingung ist damit verbessert, und nur dem Denunziantentum Vorschub geleistet haben, werden sie nicht wahrhaben wollen. Dies bedeutet: es bleibt alles so, wie es bisher schon war: mies bis ungenügend! - Und dafür hat man mal soeben 570.000 Euro ausgegeben - skandalös!.....
Ich möchte mich auch zu Wort melden und mit Entschiedenheit die Ablehnungsfront gegen das KDA-Jammerportal unterstützen.

Was wir auf keinen Fall brauchen ist, dass wir das Pflegepersonal auf eine Denunziantentruppe reduzieren. Pflegekräfte wollen anständige Pflege abliefern und dies unter Bedingungen, die für alle Beteiligten passen.
Die Pflegekräfte sind qualifiziert und willig, ihren Part zu spielen. Woran es mangelt, ist offensichtlich: Die Heimträger bzw. deren Leitungskräfte stellen sich einer angemessenen Pflege allzu oft in den Weg. Dazu bedienen sich der schlechten Pflege-Rahmenbedingungen bzw. werden dadurch begünstigt.
Wir müssen daher darauf bestehen, dass die Politik die Pflegebedingungen so ausgestaltet und Beschwerdemöglichkeiten vorsieht, die es ermöglichen, offen und argumentativ über die Pflegesituationen zu reden. Heimliche Meldungen sind für alle Beteiligten der schlechteste Weg, den es gibt.
Ich teile auch die Auffassung, dass wirkliche Annomytät nicht gewährleistet werden kann. Denn jede Botschaft über das Internet kann im Zweifel zurückverfolgt werden. Im Übrigen führen anonmye Meldungen, wenn sie konkret genug geschrieben sind, zwangsläufig in die Nähe der "Quelle". Dann gibt es genau die Probleme, die man eigentlich vermeiden will: Suche nach dem Übeltäter, Mobbing und gar Kündigung. Dabei wäre man dann nicht mehr geschützt.

Ich fordere das KDA und die politisch Verantwortlichen auf, das Jammerportal nicht in Gang zu bringen und das dadurch ersparte Geld anderen sinnvollen Zwecken zuzuwenden!

Rüdiger Bastigkeit

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