Ernährung & Flüssigkeitsversorgung verbessern

Pflegespezifische Themen; z.B. Delegation, Pflegedokumentation, Pflegefehler und Haftung, Berufsrecht der Pflegeberufe

Moderator: WernerSchell

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Gast

Ernährung & Flüssigkeitsversorgung verbessern

Beitrag von Gast » 30.07.2003, 15:59

Pflege in Heimen: MDS fordert bessere Ernährung und Flüssigkeitsversorgung von älteren Menschen - Handlungshilfe vorgestellt

Der Medizinische Dienst hat bei Qualitätsprüfungen in der ambulanten und stationären Pflege zum Teil gravierende Qualitätsdefizite vor allem bei der Ernährung und Flüssigkeitsversorgung festgestellt. „Diesen Missstand hat der Medizinische Dienst zum Anlass genommen, die Handlungshilfe „Ernährung und Flüssigkeitsversorgung älterer Menschen“ zu erarbeiten“, sagte der Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS), Dr. Peter Pick, am 30.07.2003 auf einem Pressegespräch in Berlin.

Dazu Jürgen Brüggemann, Leiter der dafür zuständigen Projektgruppe: „Die Ernährung von pflegebedürftigen Menschen erfordert mehr Aufmerksamkeit von Pflegenden und muss deutlich besser werden. Die festgestellten Mängel führen zu einer drastischen Steigerung der Mortalität, zu einem erhöhten Sturz- und Frakturrisiko sowie zu schlechteren kognitiven Leistungen bei den Betroffenen“. So könne es sein, dass ein Pflegebedürftiger allein aufgrund der unzureichenden Flüssigkeitsversorgung verwirrt sei und diese Verwirrtheit mit Psychopharmaka behandelt würde. Daraus könne ein Teufelskreis entstehen.

„Oft werden zudem hochgradig demente Menschen über Ernährungssonden versorgt, obwohl belegt ist, dass ihre Gesundheit damit nicht positiv beeinflusst wird und im Gegenteil, die Lebensqualität der Betroffenen darunter leidet“, führte Dr. Christoph Kreck, Referatsleiter ambulante Versorgung beim MDK in Hessen und Mitglied der Projektgruppe, weiter aus.

In der Handlungshilfe stellt der Medizinische Dienst den aktuellen Stand der medizinisch-pflegewissenschaftlichen Kenntnisse zum Thema „Ernährung und Flüssigkeitsversorgung älterer Menschen“ dar. Sie geht auf die Grundlagen der Ernährungsphysiologie und die sozialen Aspekte des Essens und Trinkens ebenso ein, wie auf prophylaktische Maßnahmen zur Vorbeugung einer Mangelversorgung. Insgesamt soll sie der Pflege als praxisrelevante Zusammenfassung des aktuellen medizinisch-pflegerischen Wissens dienen und helfen Pflegefehler zu vermeiden. Es werden Lösungsmöglichkeiten und praktische Tipps zur Planung und Durchführung der Pflege aufgezeigt u.a. für die Gestaltung und den Umgang mit Ernährungs- und Trinkprotokollen.

„Wird diese Handlungshilfe von den Pflegeeinrichtungen genutzt, kann sie dazu beitragen, die Versorgungsqualität im Bereich Ernährung- und Flüs-sigkeitsversorgung zu verbessern“, sagte Pick. Gleichzeitig kündigte er an, dass bei den Qualitätsprüfungen des Medizinischen Dienstes in der stationären und ambulanten Pflege die Ernährung und Flüssigkeitsversorgung auch zukünftig ein zentraler Prüfgegenstand sein wird. In der jetzt vorliegenden Form bilde die Handlungshilfe eine hochaktuelle und einzigartige Zusammenstellung themenspezifischen Wissens. Erstellt hat sie eine aus Pflegekräften und Ärzten bestehende Projektgruppe des Medizinischen Dienstes. Auch externer Sachverstand von Experten aus Medizin und Pflegewissenschaft wurde zu Rate gezogen. Ihre Erarbeitung ist ein Baustein der Beratungsaktivitäten der Medizinischen Dienste.

Die Handlungshilfe kann kostenfrei von der Internetseite des MDS (http://www.mds-ev.de) heruntergeladen oder gegen Zusendung eines mit 1,53 € frankierten, an sich selbst adressierten Briefumschlags beim MDS bestellt werden.

Quelle: Pressemitteilung vom 30.07.2003
i.A. Martina Knop
MDS - Büro der Geschäftsführung
Lützowstr. 53
45141 Essen
Telefon: 0201 8327-111
Telefax: 0201 8327-3-111
Email: M.Knop@mds-ev.de
Internet: www.mds-ev.de

Gast

Mängel bei Ernährung in Pflegeheimen

Beitrag von Gast » 30.07.2003, 21:45

Gravierende Mängel bei Ernährung in Pflegeheimen angeprangert

Gerade Fehler bei der Ernährung älterer Menschen kritisiert der MDS / dpa

BERLIN. Bei der Pflege vor allem von älteren Menschen bestehen häufig gravierende Mängel bei der Ernährung und Flüssigkeitsversorgung. Auf diesen Missstand hat der Medizinische Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS) am 30. Juli in Berlin hingewiesen und Anforderungen für eine bessere Versorgung vorgestellt. Die Ernährung sei eines der „Hauptprobleme“ in der Pflege und müsse „deutlich besser“ werden, sagte der Leiter der MDS-Projektgruppe, Jürgen Brüggemann.
...
Weiter unter
http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=13422

Gast

Mängel bei Ernährung in Pflegeheimen

Beitrag von Gast » 31.07.2003, 13:39

spät, viel zu spät kommt sie, die handlungshilfe......aber immerhin.....

in der überschau zeigt sich die 128 seitige zusammenstellung für alle an der pflege beteiligten als wertvoll und wird dem anspruch gerecht, die versorgungsqualität zu verbessern. zumal auch zwischen den zeilen sehr deutlich wird, was künftig erwartet wird.

die meßlatte ist - völlig zu recht - sehr hoch gehängt worden.

lutz müller-bohlen
unabh. pflegesachverständiger
berlin

WernerSchell
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Mängel bei Ernährung in Pflegeheimen

Beitrag von WernerSchell » 04.08.2003, 10:56

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Pressemitteilung des MDS und die umfängliche Handlungshilfe zur Ernährung und Flüssigkeitsversorgung haben wir (mit Genehmigung des MDS) in unserem Rechtsalmanach, Nr. 24, bzw. in der Rubrik Medizin/Infos - Sozialmedizin und Pflege vorgestellt.

Mit freundlichen Grüßen
Werner Schell
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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WernerSchell
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Mängel bei Ernährung in Pflegeheimen

Beitrag von WernerSchell » 16.08.2003, 11:54

Siehe u.a. auch den Beitrag in diesem Forum mit der Titelung:

--- Unterernährung in Pflegeheimen - TV-Tipp
Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk (Neuss)
https://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/
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Gast

Zahlreiche Heimbewohner mangelversorgt

Beitrag von Gast » 25.08.2003, 15:04

Die Berichterstattung zum Thema geht weiter:
Zahlreiche Heimbewohner mangelversorgt

Viele schwer kranke Pflegeheimbewohner bekommen nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Focus“ zu wenig zu essen und zu trinken. Demnach hielt der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) in einer im Juli 2003 erschienenen "Grundsatzstellungnahme" fest, dass etwa zwei Drittel einer Stichprobe von Patienten in Hessen, die Nahrung über eine Magensonde erhielten, "kalorisch unterversorgt" waren. Auch der für Rheinland-Pfalz zuständige MDK berichtet in seinen „Qualitätsprüfungen im Jahr 2002“, bei 40% der künstlich ernährten Senioren liege „unzureichende Nahrungszufuhr“ vor. Der Leiter des Fachgebiets Pflege in der MDK-Zentrale in Essen, Uwe Brucker, kritisierte in "Focus", jahrelange Kontrollbesuche in Heimen zeigten, dass „viele Pflegeeinrichtungen weder planen noch überprüfen, ob ihre Bewohner genügend trinken“.

Sonja_Muetzenich

Mängel bei Ernährung in Pflegeheimen

Beitrag von Sonja_Muetzenich » 06.09.2003, 16:26

Ich danke sehr für die hier eingestellten Informationen - sie sind sicherlich sehr hilfreich!
Hoffentlich werden sie auch zur Kenntnis genommen und umgesetzt!

Sonja Mützenich

Gast

Mängel bei Ernährung in Pflegeheimen

Beitrag von Gast » 20.09.2003, 11:28

Siehe auch die Texteinstellunng in diesem Forum unter der Titelung
----> Leitlinien zur Trink- und Sondennahrung

Gast

Mängel bei Ernährung in Pflegeheimen

Beitrag von Gast » 11.10.2003, 10:52

Siehe die Texteinstellungen unter

---> Unterernährung in Pflegeheimen beenden!

in diesem Forum!

Isis
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Registriert: 12.10.2003, 17:13

Re: Ernährung & Flüssigkeitsversorgung verbess

Beitrag von Isis » 12.10.2003, 21:01

Ja, ein Teil unserer Bewohner verhungert und verdurstet.
Zwei Aspekte, die ich bis jetzt noch nicht gefunden habe (und sollten sie doch irgendwo stehen, so möge man mir verzeihen):
1.) Und wenn der Bewohner ganz bewußt nicht mehr essen und trinken will?
Wir haben sowohl demente als auch nicht-demente Bewohner, die sehr deutlich sowohl verbal als auch non-verbal ihren Widerwillen gegen orale Nahrungsaufnahme zeigen. Ein paar Hausärzte waren bis jetzt bereit, dies zu akzeptieren (der sonstige körperliche/gesundheitliche Zustand wurde dabei natürlich berücksichtigt). Und auch manche Angehörige akzeptieren den Willen der Bewohner. Aber leider kommt es auch vor, daß Menschen eine Magensonde erhalten, obwohl dies ihrem Willen widerspricht und keine körperlichen Gründe für die Nahrungsverweigerung vorliegen. Dies ist meiner Meinung nach auch ein Skandal.

2.) Vor einigen Wochen unternahm eine Medizinproduktefirma, die unter anderem auch Sondennahrung und Zusatznahrung vertreibt, in unserem Heim an mehreren Bewohnern Messungen, die unter anderem auch die Zellzahl, das vorhandene Eiweiß, den Wasseranteil und das Körperfett ermittelten. Nach diesen Messungen wurden Nahrungsempfehlungen gegeben. Bei den Bewohnern, die ausschließlich per Sonde ernährt werden, mußte dies durch den Hausarzt verordnet werden. Und nun kam die große Überraschung: Ein Arzt hat eine Änderung der Ernährung grundsätzlich abgelehnt, und bei einer Bewohnerin, ohne jegliche Begründung, die Tee-Menge auf 500 ml pro Tag reduziert! Dies hat er auch im Visitenblatt schriftlich fixiert. (Da ich im Nachtdienst bin, kann ich den Arzt nicht selbst fragen, was er sich dabei denkt, und die Tagdienstkolleginnen haben auf ihre Fragen auch keine vernünftig klingenden Antworten erhalten).
Es liegt also viel, aber nicht nur, an den Pflegekräften bzw. den erforderlichen Rahmenbedingungen!

Gast

Ernährungstherapie alter Menschen - Leitlinien

Beitrag von Gast » 10.11.2003, 11:39

Geriater präsentieren Leitlinien zur Ernährungstherapie alter Menschen
Plädoyer für den frühen Einsatz von Substitutions-Präparaten bei Mangelernährung

BERLIN (gvg). Bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) wurden in Berlin Leitlinien für die Ernährungstherapie geriatrischer Patienten vorgestellt.
Die Leitlinien wurden von der DGG gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) konzipiert. Sie basieren auf über 450 klinischen Studien. "Rund die Hälfte der geriatrischen Patienten, die in Deutschland in Kliniken aufgenommen werden, ist nicht ausreichend ernährt", sagte Dr. Ute Krys, Koordinatorin des DGG-Arbeitskreises Ernährung, in Berlin.

Weiter unter
http://www.aerztezeitung.de/docs/2003/1 ... ernaehrung

Gast

Ernährung Schwerstkranker bedroht

Beitrag von Gast » 14.11.2003, 11:27

Ernährung Schwerstkranker bedroht - (Ver)hungern im Schlaraffenland: 1,6 Millionen Unternährte in Deutschland
Professor Rudolf Schmitz wendet sich in einem offenen Brief an die Bundesministerin für Gesundheit und soziale Sicherung Ulla Schmidt

- Aachen, den 13.11.03: In einem offenen Brief haben sich Professor Dr. Rudolf Schmitz, Präsident der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik, sowie Sven-David Müller, Sprecher der Gesellschaft, an Bundesministerin Ulla Schmidt gewandt. Sie haben Ulla Schmidt gebeten, auf den Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen (BÄK) einzuwirken, damit auch weiterhin eine adäquate Versorgung Schwerstkranker mit Trink- und Sondennahrung möglich bleibt. Die Erstattung von Trink- und Sondennahrung ist der Arzneimittelrichtlinie (AMR) 17.1.i geregelt. Der BÄK plant jetzt die seit 1998 vorgesehene einschneidende Veränderung der Erstattungsfähigkeit von Trink-/Sondennahrung durchzusetzen und das gefährdet Menschenleben, betont Müller. Enterale Ernährung mit Trink-/Sondennahrung ist seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Therapie in der Medizin. Nach Berechnung der Gesellschaft für Ernährungsmedizin erhalten in Deutschland 150.000 Menschen in bestimmten Krankheitsphasen mit der Zielsetzung adäquater Ernährung und Therapie, der Lebensqualitätssteigerung und oftmals auch Kostensenkung enterale Ernährung. Nach dem Mikrozensus des statistischen Bundesamtes (1999) sind jedoch 1,6 Millionen Menschen mit einem BMI unter 18,5 gefährlich unterernährt. Daraus ergibt sich, dass schon jetzt mindestens 90 Prozent der Bedürftigen überhaupt eine Versorgung erhält. Eine weitere Einschränkung würde das Leben von tausenden Patienten bedrohen, betont Professor Schmitz. Der Präsident der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik hatte sich auch an die Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) Renate Künast gewandt. Es ist paradox, wenn sich das BMVEL in der Kampagne Fit im Alter für eine optimierte Ernährung im Bedarfsfall auch mit Trink- und Sondennahrung einsetzt und der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen diese beschneiden möchte, erklärt Müller. Timetable der Vorstöße des BÄK zur Änderung der AMR 17.1.i:
· 26. Juni 98: BÄK will die Erstattung von Trink-/Sondennahrung komplett aus AMR 17.1.i streichen. Anlass war das ablehnende BSG Urteil (Dezember 1997) zur Nichterstattung von „Reformhauskost“.
· Januar 99: Trink-/Sondennahrung wird im § 31 SGB V verankert. Ausschluss von Trink-/
Sondennahrung des BÄK scheitert. In der AMR 17.1.i vom 08.01.99 sind Trink-/Sondennahrung unverändert enthalten.
· Dezember 2000: Neuer Entwurf AMR 17.1.i konkretisiert Indikationen und Produkte. Ausschluss u.a.: Ballaststoffe und Spezialnahrung.
· Januar 2001: Leicht modifizierter Entwurf schließt weiterhin u.a. Ballaststoffe und Spezialnahrung aus.
· November 2001: Neufassung mit wenigen Änderungen jetzt als AMR 17.3. Weiterhin Wegfall u.a.: Ballaststoffe und Spezialnahrung.
· 26. Februar 2002: BÄK legt dem BMGS eine Beschlussvorlage zur Neufassung 17.1.i Arzneimittelrichtlinien vor.
· 17. Mai 2002: BMGS-Beanstandung der AMR-Neufassung 17.3 aufgrund mangelnder Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse.
· November 2003: Überarbeitete AMR-Neufassung zu erwarten, die die adäquate Versorgung Schwerstkranker unmöglich machen könnte.

Studien zeigen, dass 70 Prozent aller Menschen, die auf Sondennahrung angewiesen sind zu wenig Kalorien erhalten (2). Erschreckend ist, dass 60 Prozent aller neu aufgenommenen Bewohner geriatrischer Heime krankhaft untergewichtig sind (1). Trotz dieser Fakten könnte sich die Situation zukünftig weiter verschlechtern. Sondennahrungen werden wie Arzneimittel behandelt und vom Arzt verordnet. Müssten die Patienten ihre Versorgung mit Sondennahrung zukünftig selbst finanzieren, wären sie mit durchschnittlich 2.640 Euro jährlich belastet, berechnet Müller. Wir rechnen damit, dass der BÄK dem BMGS bis Ende 2003 erneut eine Beschlussvorlage zur AMR 17.1.i vorlegt. Wir befürchten - ähnlich wie die Vertreter der Betroffenenverbände und wissenschaftlicher Fachgesellschaften - das diese neue Beschlussvorlage die Beanstandung des BMGS formal erfüllt, aber eine adäquate Versorgung nicht gewährleistet. Im offenen Brief fordert die Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik daher ein ordnungsgemäßes Anhörungsverfahren, dass die Fachgesellschaften sowie Patientenvertreter einbezieht. Es sollte analog dem Anhörungsverfahren im neuen Gesundheitssystem-Modernisierungs-Gesetz verfahren werden, fordert Müller. Schon im August hatte die Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik die Kampagne (Ver)hungern im Schlaraffenland begonnen, die über Broschüren, Bücher und ein Infotelefon Betroffenen und Angehörigen Hilfe anbietet. Wir treten gegen den Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen an, denn Schwerstkranke haben ein Recht auf bedarfsgerechte Ernährung, so Müller, der abschließend betont, dass alle anderen Regelungen menschenverachtend wären.

1) Report Council of Europe (Food an Nutritional Care in Hospital: how to prevent undernutrition – report and recommendation of the committee of experts on nutrition, food safety and consumer protection 10/2002)
2) Grundsatzstellungnahme Ernährung und Flüssigkeitsversorgung älterer Menschen, MDS 2003

Quelle: Pressemitteilung vom 13.11.2003
Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V.
Kurbrunnenstraße 5, 52066 Bad Aachen
Pressestelle: Sven-David Müller
Telefon : 0241 - 96 10 320 / Handy : 0177 - 235 35 25
Internet : http://www.ernaehrungsmed.de
eMail : sdmueller@ernaehrungsmed.de

Gast

Ernährung von Schwerstkranken nicht einschränken

Beitrag von Gast » 28.11.2003, 14:12

Schränken Sie die Ernährung von Schwerstkranken nicht ein!
Appell an die Bundesgesundheitsministerin und den Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen

diaita - Aachen, den 28.11.03: Heute richten wir den Appell, dass die Ernährung von Schwerstkranken in Deutschland nicht eingeschränkt werden darf, an die Bundesministerin für Gesundheit und soziale Sicherung Ulla Schmidt sowie den Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen, betont Sven-David Müller von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik in Bad Aachen. Am kommenden Montag, dem ersten Dezember 2003, steht zum wiederholten Male die Arzneimittelrichtlinie 17.1.i auf dem Prüfstand. Diese Richtlinie regelt die Ernährung mit Sondennahrung, auf die in Deutschland rund 150.000 Menschen überlebensnotwendig angewiesen sind. Nach unseren Informationen plant der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen eine einschneidende Änderung der Arzneimittelrichtlinie auf Kosten kranker Menschen. Scheinbar soll auf ein Anhörungsverfahren verzichtet werden, so Müller. Es darf nicht sein, dass auf Kosten von schwerkranken Menschen Sparpotentiale gesucht werden. In einem Rechtsstaat muss ein Anhörungsverfahren, wie es der Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherung Theo Schröder hoffentlich vom Bundesausschuss gefordert hat, stattfinden. Dafür setzen wir uns ein und appellieren an den BÄK, ein Anhörungsverfahren der Fachgesellschaften sowie Patientenvertreter einzuleiten. Die Ministerin darf nicht zulassen, dass die Ernährung von kranken Menschen eingeschränkt wird, denn Ernährung ist wie Atmen ein Grundbedürfnis. Nach unseren Informationen plant der BÄK ballaststoffhaltige Sondennahrung sowie krankheitsadaptierte Nahrungen aus der Erstattungsfähigkeit zu nehmen, so Müller. Ballaststoffe sind für die Darmfunktion lebenswichtig, betont Müller. Sie sind auch notwendig für eine gut funktionierende Krankheitsabwehr, da sie das darmassoziierte Immunsystem ernähren. Können die gesetzlichen Krankenkassen ballaststoffhaltige Nahrungen zukünftig nicht mehr ersetzen, bricht bei vielen Schwerstkranken gegebenenfalls das Immunsystem zusammen. Diabetiker und andere chronisch kranke Menschen haben andere Notwendigkeiten der Ernährung. Das sieht der BÄK scheinbar anders und möchte alle Menschen, die auf Sondennahrung angewiesen sind, mit preiswerten, ballaststofffreien Nahrungen ernähren. Ob ihnen das gut tut oder nicht. Das wäre so, als würden zukünftig alle Hochdruckpatienten einen Betablocker und alle Typ 1 Diabetiker nur noch ein Insulin erhalten dürfen. Mit bedarfsgerechter Ernährungsmedizin hat das nichts zu tun, betont Sven-David Müller. Die Telefone unseres ernährungsmedizinischen Beratungsdienstes „Mangelernährung/Unterernährung“ unter der Nummer 0241-96 10 316 stehen überhaupt nicht mehr still. Angehörige und Betroffene sowie Patientenorganisationen rufen an und bitten um Rat und Unterstützung, so Müller. Wir appellieren an den BÄK ein Anhörungsverfahren einzuleiten und an die Bundesministerin für Gesundheit und soziale Sicherung die Sondennahrung weiterhin mit allen ihren Erfordernissen im Erstattungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zu belassen. Es gibt im Gesundheitswesen so viele wichtige und sinnvolle Sparmöglichkeiten – die Ernährung gehört sicher nicht dazu, betont Müller abschließend.

Quelle: Pressemitteilung vom 28.11.2003
Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V.
Kurbrunnenstraße 5, 52066 Bad Aachen
Pressestelle: Sven-David Müller
Telefon : 0241 - 96 10 320 / Handy : 0177 - 235 35 25
Internet : http://www.ernaehrungsmed.de

eMail : sdmueller@ernaehrungsmed.de

Gast

Ernährung & Flüssigkeitsversorgung verbessern

Beitrag von Gast » 01.12.2003, 15:50

Patientenprotest gegen Richtlinien "Sondennahrung"

Patientengruppierungen, die sich in der Initiative "Recht auf Essen und Leben" zusammengeschlossen haben, protestieren gegen die geplante Neufassung der Richtlinien des Bundesausschusses zur Sondennahrung. Dies berichtet die Ärzte Zeitung in ihrer Ausgabe vom 1.12.2003. Neue Erkenntnisse wie eine Untersuchung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen würden unzureichend berücksichtigt, so daß das schon bestehende Problem der Unterernährung verschärft werde; außerdem umgehe der Bundesausschuß die nach der Gesundheitsreform vorgesehene Beteiligung von Patienten.
(Quelle: http://www.aerztezeitung.de/docs/2003/1 ... ernaehrung)

Gast

Sondennahrung - Anhörungsrechte verletzt

Beitrag von Gast » 02.12.2003, 22:57

Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen missachtet Anhörungsrechte Betroffener beim Beschluss zur Sondennahrung

Der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen legt fest, in welchen Fällen Ernährungstherapeutika - u.a. Sondennahrung, Elementardiäten - von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden.

Der Bundesausschuss hat gestern, am 1. Dezember 2003, eine Änderung der Arzneimittel-Richtlinien zu Ernährungstherapeutika beschlossen, ohne hierzu die gesetzlich anhörungsberechtigten Organisationen und Verbände anzuhören. Diese Verletzung der Anhörungsrechte der Betroffenen ist nach Auffassung des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung ein schwerwiegender Verfahrensfehler. Es handelt sich bei der gesetzlich vorgeschriebenen Anhörung nicht um eine bloße Formalie. Die Pflicht des Bundesausschusses zur Entscheidung in einem förmlichen Verfahren unter Anhörung der Berechtigten ergibt sich aus den Grundrechten der Berufsfreiheit und des rechtlichen Gehörs. Darüber hinaus ist es auch für die betroffenen Patienten wichtig, dass der Bundesausschuss alle Erkenntnisse ausschöpft, um zu einer sachlich richtigen Entscheidung zu kommen. Das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung wird daher die Vorgehensweise des Bundesausschusses nicht hinnehmen und den Beschluss des Bundesausschusses vom 1. Dezember 2003 zu Ernährungstherapeutika beanstanden. Dies bedeutet, dass die Änderung der Arzneimittel-Richtlinien zu Ernährungstherapeutika nicht in Kraft treten wird und bis auf weiteres die bisher geltenden Regelungen anzuwenden sind. Deshalb wird der sich im Januar 2004 konstituierende Gemeinsame Bundesausschuss mit der Thematik der Ernährungstherapeutika befassen müssen.

Quelle: Pressemitteilung des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung vom 2.12.2003
http://www.bmgs.bund.de/deu/gra/aktuell ... 4_4427.cfm

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