Wir brauchen fachlich qualifizierte Pflegekräfte in ausreichender Zahl

Pflegespezifische Themen; z.B. Delegation, Pflegedokumentation, Pflegefehler und Haftung, Berufsrecht der Pflegeberufe

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WernerSchell
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Wir brauchen fachlich qualifizierte Pflegekräfte in ausreichender Zahl

Beitrag von WernerSchell » 03.11.2020, 08:11

Bild Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
Unabhängige und gemeinnützige Interessenvertretung
für hilfe- und pflegebedürftige Menschen in Deutschland
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Wir brauchen fachlich qualifizierte Pflegekräfte in ausreichender Zahl (§ 11 SGB XI). Deshalb können Pflegehilfskräfte nur ergänzend eingesetzt werden. Damit insoweit nichts in Schieflage gerät, muss die Fachkraftquote unbedingt erhalten bleiben. Pflegefachkräfte können wir in der Zukunft in ausreichender Zahl gewinnen, wenn wir endlich die Arbeitsbedingungen gut gestalten ( = angepasste Stellenschlüssel und deutlich erhöhte Vergütungen). Es ist leider bereits heute so, dass der Mangel an Fachlichkeit in der Pflege zu unguten Betreuungs- und Versorgungssituationen führt. Das darf durch eine immense Aufstockung der Pflegehilfsquote nicht weiter verstärkt werden. Wir müssen bedenken, dass in den Pflegeeinrichtungen meist die schwerst pflegebedürftigen Menschen untergebracht sind. Diesen Bedürfnissen gerecht zu werden, erfordert eine mindestens dreijährige Qualifizierung und - damit das auch gesagt ist - gute deutsche Sprachkenntnisse! > https://www.wernerschell.de/forum/neu/v ... =3&t=23767 - Siehe auch > Der Personalmehrbedarf in den Heimen ist nach einem Gutachten erheblich ... > https://www.wernerschell.de/forum/neu/v ... =3&t=23544

Der Pflegenotstand erfordert schnellstmöglich deutlich bessere Arbeitsbedingungen für die Pflegekräfte ( > https://www.wernerschell.de/forum/neu/v ... =3&t=23687 / > https://www.wernerschell.de/forum/neu/v ... =4&t=23500 ). Da sich aber die unzureichenden Arbeitsbedingungen mit all ihren Folgewirkungen zu Lasten der pflegebedürftigen Menschen auswirken, sehe ich vorrangig die politisch Verantwortlichen in der Pflicht, die dringend gebotenen systemischen Verbesserungen im Rahmen einer Pflegereform - sozusagen von Amts wegen - umzusetzen ( > https://www.wernerschell.de/forum/neu/v ... =4&t=23779 ). Im Rahmen des für den 06.05.2020 geplant gewesenen Pflegetreffs sollten sämtliche Reformerfordernisse nochmals verdeutlicht werden. In Linklisten wurden im Rahmen der Treffvorbereitungen die verschiedenen maßgeblichen Standpunkte angesprochen. Sie sind weiter nachlesbar > https://www.wernerschell.de/forum/neu/v ... =7&t=23481

Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit verdeutlicht, dass die Vergütungen in der Altenpflege um rd. 500 Euro niedriger liegen als die Vergütungen in der Krankenpflege. Beim Neusser Pflegetreff wurden diese Vergütungsunterschiede mehrfach problematisiert, u.a. von Prof. Dr. Stefan Sell. Zwei aktuelle Übersichten verdeutlichen die Unterscheide - Quelle: https://www.wernerschell.de/forum/neu/v ... 55#p114655 - Der Reformbedarf ist auch insoweit immens!

Altenpflege: Eignungs- und Qualifizierungsanforderungen stärken statt absenken! - Das sind wir unseren alten und pflegebedürftigen Menschen schuldig! Diese Aussage war u.a. Gegenstand einer Pressemitteilung vom 23.07.2018.
Es ist weiter richtig und alternativlos, das Pflegesystem durch Pflegefachkräfte zu stärken und nicht durch Billigkräfte, die möglicherweise aus "Versorgungserwägungen" in die Pflege wechseln sollen. Diesbezüglich hat es in der Vergangenheit wiederholt Vorschläge gegeben, die aktuell mit neuen Argumenten aufgegriffen werden. Früher ging es oft um die Unterbringung von Langzeitarbeitslosen oder Schleckerfrauen in der Pflege. Sogar Prostituierte wurden als besonders geeignet befunden. Dann kamen die Vorschläge, Flüchtlinge gegen ein Bleiberecht in die Pflege zu vermitteln. Nun sollen es die Verkäuferinnen aus den zu schließenden Karstadt-Filialen richten. Jens Spahn setzt dann noch einen drauf und will statt Pflegefachlichkeit die Billigpflege fördern. 20.000 neue Stellen für Pflegehilfskräfte sollen geschaffen werden.
Statt die Eignungs- bzw. Qualifizierungsanforderungen zu senken, müssen die Anforderungen für die Altenpflegetätigkeit eher angehoben und vor allem die Fort- und Weiterbildungsangebote verstärkt werden.
Gute Arbeitsbedingungen (auskömmliche Stellenschlüssel und höhere Vergütungen) werden seit Jahrzehnten eingefordert. Die notwendigen Reformen müssen JETZT gestaltet werden!
Zahlreiche Statement hat es dieserhalb gegeben, u.a.:
> https://www.wernerschell.de/forum/neu/v ... =3&t=23767
> https://www.wernerschell.de/forum/neu/v ... =3&t=22690
> https://www.wernerschell.de/forum/neu/v ... 34#p114834
> https://www.wernerschell.de/forum/neu/v ... =3&t=23737
> https://www.wernerschell.de/forum/neu/v ... =3&t=23687
> https://www.wernerschell.de/forum/neu/v ... =3&t=23643
> https://www.wernerschell.de/forum/neu/v ... =3&t=23508

Werner Schell


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WernerSchell
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2021 – was das neue Jahr für die Pflegenden bringen muss

Beitrag von WernerSchell » 16.12.2020, 08:51

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2021 – was das neue Jahr für die Pflegenden bringen muss


Das Jahr 2020 wird in die Geschichte als Jahr der COVID-19-Pandemie eingehen. Geplant war es als Internationales Jahr der Pflegefachpersonen und Hebammen. Unser Gesundheitssystem und alle, die darin arbeiten, sind in besonderer Weise betroffen. Aktuell werden die Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionszahlen und Todesfälle verschärft. Die Kapazitäten an Intensivbetten, für die qualifiziertes Pflegepersonal zur Verfügung steht, erreichen ihre Grenzen.

„Ein für uns alle sehr schwieriges Jahr geht zu Ende. Und es wird im neuen Jahr nicht rasch besser werden,“ sagt Prof. Christel Bienstein, Präsidentin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK). „Es bedarf einer gesellschaftlichen Anstrengung, die Pandemie zu begrenzen und einen Solidarbeitrag zur Arbeitsfähigkeit des Gesundheits- und Pflegesystems zu leisten. Die Menschen in den Pflegeberufen, in den Gesundheitsberufen sind maximal gefordert. Viele von Ihnen sind erschöpft und wissen doch, dass die Belastung noch monatelang andauern wird. Deshalb ist jede Bürgerin und jeder einzelne Bürger aufgerufen, das eigene Verhalten sorgfältig zu überprüfen, um sich nicht selber oder andere zu infizieren.“

Der DBfK mahnt an, dass schon heute der Blick auf die Zeit nach der Pandemie gerichtet werden müsse. „Am 26. September 2021 wird der Bundestag neu gewählt. Deshalb müssen jetzt die politischen Weichen gestellt werden, um die Gesundheitsversorgung nach COVID-19 abzusichern“, so Bienstein. Oberste Priorität hat für den DBfK dabei die Personalbemessung. „Wir brauchen in allen Sektoren verbindliche Zielvorgaben und nicht nur Verbesserungen in kleinen Schritten. Diese Salamitaktik vermittelt nicht ausreichend Vertrauen in bessere Rahmenbedingungen.“

Die bisherigen Maßnahmen seien noch zu wenig spürbar und die politischen Versäumnisse von mehr als 10 Jahren gelte es nun aufzuholen! Für den Krankenhausbereich fordert der DBfK die Einführung der PPR 2.0 und den gesetzlichen Auftrag für ein neues Personalbemessungsverfahren. Für die Pflegeheime umfasst es die Zusage der vollständigen Umsetzung des neuen Personalbemessungsverfahrens. Dazu gehört ein verbindlicher Zeitplan, der auch die modellhafte Erprobung und Weiterentwicklung des neuen Verfahrens festlegt. „Unterbleibt dies, werden wir die Herausforderungen der kommenden Jahre nicht bestehen“, mahnt Bienstein „Wir befürchten, dass viele Pflegefachpersonen nach der Pandemie vorzeitig aus dem Beruf ausscheiden werden und im Lauf der nächsten 10 bis 15 Jahre wird eine halbe Million Pflegefachpersonen das Rentenalter erreichen!“

Mehr Personal bedeutet, dass die Arbeit besser organisiert werden kann, die Rahmenbedingungen für die Pflegeberufe und damit einhergehend die Versorgung besser werden.

Dem DBfK zufolge habe die Pandemie aber noch weiteren Anpassungsbedarf im Gesundheitssystem offenbart. „Insbesondere in der Primärversorgung und im Öffentlichen Gesundheitsdienst haben wir gesehen, dass ein Ausbau dringend nötig ist. Hier gibt es gute Einsatzmöglichkeiten für Pflegefachpersonen, die viele der Herausforderungen lösen könnten, wenn man die entsprechenden Handlungsfelder wie Gesundheitszentren, »Community Health Nurses« und »School Nurses« etablieren würde“, so Biensteins Vorschlag.

„Viele haben im Jahr 2020 ihre Wertschätzung für die beruflich Pflegenden ausgedrückt – mal mehr und mal weniger überzeugend. Uns kommt es aber darauf an, dass die Pflegeberufe endlich die verdiente Anerkennung erhalten. Diese drückt sich weder in Applaus noch in ungerecht verteilten Bonuszahlungen aus, sondern beinhaltet die Mitsprache in der sozialrechtlichen Selbstverwaltung ebenso wie die Errichtung von Pflegeberufekammern in ganz Deutschland. Es beinhaltet auch die Eröffnung von Karrierechancen innerhalb der Pflege und es bedeutet nicht zuletzt eine deutlich bessere Bezahlung in allen Sektoren. Der DBfK fordert weiterhin ein Grundeinstiegsgehalt von 4.000 EURO brutto für alle Pflegefachpersonen. Die Zeiten, in denen sich Pflegefachpersonen mit einem warmen Händedruck oder Applaus abspeisen ließen, sind endgültig vorbei“, so Bienstein.

Herzliche Grüße und Ihnen schöne Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr. Bleiben Sie gesund!

Quelle: Pressemitteilung vom 16.12.2020
Anja Kathrin Hild
Anja Kathrin Hild | Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe - Bundesverband e. V.
hild@dbfk.de | www.dbfk.de | Alt-Moabit 91 | 10559 Berlin | Fon 030-219157- 0 | Fax 030-219157-77
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